Donnerstag, 26. August 2010

Konzessionsvertrag für den Baubeginn von Belo Monte unterzeichnet


Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete heute (26.8.) wie geplant den Konzessionsvertrag für das Kraftwerk Belo Monte am Rio Xingu (PA). Die für den Bau sowie für einen 35-jährigen Betrieb verantwortliche Unternehmensgruppe Nord Energia SA wurde von ihrem Vorsitzenden Carlos Nascimento vertreten. Die Gesellschaft wird von 19 Wirtschaftsunternehmen gebildet, wobei die größte Gruppe Eletrobras mit einer Beteiligung von 49,98% ist.

In seiner Rede sagte Nascimento, dass das Wasserkraftwerk Belo Monte eines der am meisten studierten Projekte des Landes sei, erst nach vier Jahrzehnten konnte es endlich abgeschlossen werden. "Die Anlage ist für die Stromversorgung des Landes extrem wichtig", sagte er. Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt stellt sie 10% der Erzeugungskapazitäten Brasiliens dar.

Seinen Angaben zufolge waren über 200 Fachleute an den Studien über Belo Monte beschäftigt, die Berichte umfassen über 15.000 Seiten. Die bestmögliche Nutzung des Wasserpotenzials des Xingu zu finden, ohne große Stauseen bauen zu müssen, stellte eine große Herausforderung dar.

Mit dem Bau des Kraftwerks werden 18.000 direkte und 23.000 indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Zusätzlich sollen 54.000 Personen der Region davon profitieren.

Bezüglich der Auswirkungen des Staudamms sagte der Präsident von Norte Energia, dass 17.000 Menschen umgesiedelt werden müssen, dass aber viele von ihnen auch jetzt schon von den Überschwemmungen während der Regenzeit betroffen sind. "Alle Familien bekommen eine Entschädigung. Das Kraftwerk Belo Monte wird diesen Menschen ihre Würde bringen", versprach er.

Nascimento versprach auch den betroffenen Grundbesitzern entlang des Xingu, dass keiner leer ausgehen wird. Bezüglich der indigenen Völker werden bereits Erhebungen durchgeführt, um sie entsprechend zu behandeln. Zum Abschluss der Rede sagte Nascimento, dass während des gesamten Prozesses die Gesetze vollständig eingehalten wurden, bei der Vergabe der Umweltlizenz genauso wie bei der Ausschreibung und Versteigerung des Projektes.

Präsident Lula betonte, dass durch diese Unterzeichnung etwas möglich wird, was lange für unmöglich galt. „Was heute passiert, ist das Ende einer Periode, in der man Angst hatte zu regieren und zu debattieren. Was heute passiert und in die Geschichte eingehen wird, ist, dass wir etwas erreicht haben, was 30 Jahre lang unmöglich schien“, sagte er.

Lula erwähnte in seiner Rede auch jene Personen, die noch immer gegen den Bau von Belo Monte wären, und erinnerte daran, dass er selber während seines Werdegangs mehrere Reden gegen Belo Monte gehalten habe, ohne überhaupt das Projekt zu kennen. „Und genau unter meiner Regierung geschieht Belo Monte“, sagte er.

Vor dem Präsidentenpalast fanden die angekündigten Proteste gegen Belo Monte statt. Ausführlich berichtet darüber der CIMI-Info.

CIMI-Info 928, 27.8.2010
Symbolischer Protest in Brasília gegen Unterzeichnung der Konzession für Belo Monte
Indigene Vertreter waren heute, 26.8., vor dem Regierungspalast, um gegen das Dekret für die Konzession des Wasserkraftwerks Belo Monte mit dem Konsortium Norte Energia zu protestieren, das bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des Gebäudes nach der Renovierung unterzeichnet wurde. Auf ihren Transparenten kritisierten sie die Zerstörung der Umwelt durch die Regierung für eine Entwicklung um jeden Preis. Zudem haben sie ihre Münder zugeklebt, um auf den fehlenden Dialog zwischen den vom Projekt betroffenen Gemeinschaften und dem Staat hinzuweisen.

orf.at, 27.8.2010
Grünes Licht für riesigen Staudamm
Trotz massiver Proteste von Umweltschützern hat Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva grünes Licht für das im Amazonas-Gebiet geplante drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt gegeben. Er unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) einen Konzessionsvertrag mit dem Konsortium Norte Energia SA, das für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pará hat.

Süddeutsche, 26.08.2010
Protest, den niemand hört
Für Brasiliens Präsident Lula zählt nur eins: der wirtschaftliche Aufstieg seines Landes. Kurz vor der Wahl soll nun mitten im Regenwald der drittgrößte Staudamm der Welt gebaut werden. Die Ureinwohner klagen: "Lula ist ein großer Zerstörer."

Süddeutsche, 26.08.2010
Planungen begannen vor 35 Jahren
Das elf Milliarden US-Dollar teure Projekt ist bereits seit 35 Jahren in Planung, wurde aber auf Grund weltweiter Proteste bisher noch nicht realisiert. Die ersten Pläne wurden 1989 nach Protestaktionen der Ureinwohner und prominenter Unterstützer wie dem Sänger Sting wieder aufgegeben.

AFP, 27.8.2010
Lula entscheidet sich für umstrittenen Staudamm in Brasilien

Agência Brasil, 26.8.2010
Lula assina contrato de concessão de Belo Monte

Globo Online, 26.8.2010
Norte Energia assina contrato de concessão de Belo Monte

Globo Video, 26.8.2010
Construção de Hidrelétrica de Belo Monte deve começar ano que vem
A área alagada reduziu 60% em relação ao projeto original. A conssecionária Norte Energia garantiu que 17 mil moradores de Altamira (PA) receberão indenização.

O Estado de São Paulo, 26.8.2010
Representante de consórcio para construção de Belo Monte diz que ninguém deixará de ser ouvido

CIMI, 26.8.2010
Protesto simbólico marca assinatura da concessão de Belo Monte, em Brasília

COIAB, 26.08.2010
Indígenas protestam contra a concessão de Belo Monte em Brasília