Freitag, 27. August 2010

Heftige Kritik an Konzession für Belo Monte und Andritz-Beteiligung

Mehr als 50 Organisationen Brasiliens, darunter auch Cimi mit Präsident Bischof Erwin Kräutler, verurteilten die Unterzeichnung der Baukonzession für das Wasserkraftwerk Belo Monte scharf als "Todesurteil für den Xingu und seine indigenen Völker". Während gestern (26.8.) im neu renovierten Regierungspalast grünes Licht für das Kraftwerksprojekt am Xingu gegeben und große Versprechungen gemacht wurden, kam es auf dem Platz davor zu Kundgebungen betroffener indigener Völker und Flussbewohner. Sie hatten sich den Mund verklebt, um so gegen die autoritäre und bedrohende Vorgehensweise der Regierung Lulas zu protestieren. Weiters bekundeten sie die Fortsetzung des Widerstands.


Nun wird auch internationale Kritik über das weltweit drittgrößte Wasserkraftwerk sowie die Beteiligung von Andritz AG laut. Denn das Projekt bleibt weiterhin umstritten und sorgt für Polemik, weil weder Kosten noch Effizienz des Kraftwerks eindeutig feststehen. Auch das Geld kommt nicht wie erwartet von privaten Investoren, sodass der Staat nahezu die gesamten Kosten übernehmen muss - offenbar zu jedem Preis.

Außerdem sind noch 15 Gerichtsverfahren im Laufen, wobei einige Anklagen brisant sind, da der Vorgang zu Belo Monte - wie auch Bischof Kräutler immer wieder betont - eindeutig gegen die brasilianische Verfassung verstößt.


APA, 27.8.2010
Kirche protestiert gegen Mega-Kraftwerk im Amazonas-Gebiet
Bischof Ludwig Schwarz und kirchliche Einrichtungen "lehnen das
Projekt grundsätzlich ab" - Kardinal Schönborn bat Außenminister um
Unterstützung

Süddeutsche, 26.8.2010
Protest, den niemand hört
Für Brasiliens Präsident Lula zählt nur eins: der wirtschaftliche Aufstieg seines Landes. Kurz vor der Wahl soll nun mitten im Regenwald der drittgrößte Staudamm der Welt gebaut werden. Die Ureinwohner klagen: "Lula ist ein großer Zerstörer."

Der Standard, 27.8.2010
Andritz-Beteiligung an Staudamm Belo Monte "internationaler Skandal"
ECA Watch und WWF sprechen von "rücksichtsloser Gigantomanie" - Eichelmann: Zukunft des gesamten Amazonasgebietes gefährdet

APA, 27.8.2010
Belo Monte: Rücksichtslose Gigantomanie
"Belo Monte kann zu einem weltweiten Symbol für rücksichtslose Zerstörung werden. Das letzte Wort ist noch lange nicht gesprochen", so Ulrich Eichelmann von ECA Watch. Bei Belo Monte geht es geht nicht nur um den Xingu-Fluss und seine Bewohner, es geht um die Zukunft des gesamten Amazonasgebietes. 80 weitere Megadämme sollen laut Regierung Lula folgen. Tausend Fischarten, könnten dadurch aussterben, das entspricht einem Zehntel aller Süßwasserfischarten der Welt.

taz, 27.08.2010
“Lula arroganter als Militärdiktatoren”
“Wir kämpfen seit 30 Jahren gegen dieses Monstrum”, sagt Erwin Kräutler, Bischof von Altamira und Vorsitzender des Indígenamissionsrates CIMI, “Lulas Arroganz übertrifft die der Militärs” . Die Generäle hatten in den 70er Jahren als erste das Projekt riesiger Staudämme am Amazonas-Nebenfluss Xingu ins Auge gefasst. Der Exgewerkschafter setzte sich nun mit der Dampfwalze über alle gut begründeten Einwände hinweg

NZZ Online, 27. August 201o
Vertrag für Grosskraftwerk im Amazonasgebiet
Jahrzehntelanger Widerstand von Indianern bleibt erfolglos

Die Presse, 27.08.2010
Grünes Licht für Mega-Kraftwerk im Amazonas-Gebiet
Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hat grünes Licht für den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerks gegeben. Eingeborene und Kirche laufen gegen das Projekt Sturm.

Tagesspiegel, 28.8.2010
Lulas Mega-Projekt
Brasiliens Präsident machte das Land zum Global Player. Jetzt gibt er grünes Licht für einen Riesen-Staudamm.

Amazonas-Magazin Nr. 31
Der Belo-Monte-Staudamm am Rio Xingu – ein vorprogrammiertes Desaster

Aquaristik, 27.8.2010
Ökologischer Wahnsinn gegen jede Vernunft: Mega-Staudammbau am Belo Monte - hunderte Arten bedroht!
Diverse an das Leben in den Stromschnellen des Xingu angepasste L-Welse - darunter VIPs mit Kultstatus (L46, L260, L333 und viele mehr) - rheophile Salmler, Buntbarsche und sämtliche noch unerforschte Arten der Stromschnellenbereiche und anderer Lebensräume sind akut vom Aussterben bedroht.

oekonews, 6.9.2010
Lunacek: "Belo Monte ist unwürdiger Abschluss von Lulas Präsidentschaft"
Grüne: Entscheidung für Mega-Wasserkraftwerk Belo Monte muss mit europäischer Unterstützung rückgängig gemacht werden

International Rivers - Youtube-Video
Sigourney Weaver Narrates Google Earth Tour of Belo Monte Dam
Tour graphically shows impacts of Belo Monte and 60 other dams planned for Amazon

Donnerstag, 26. August 2010

Konzessionsvertrag für den Baubeginn von Belo Monte unterzeichnet


Präsident Luiz Inacio Lula da Silva unterzeichnete heute (26.8.) wie geplant den Konzessionsvertrag für das Kraftwerk Belo Monte am Rio Xingu (PA). Die für den Bau sowie für einen 35-jährigen Betrieb verantwortliche Unternehmensgruppe Nord Energia SA wurde von ihrem Vorsitzenden Carlos Nascimento vertreten. Die Gesellschaft wird von 19 Wirtschaftsunternehmen gebildet, wobei die größte Gruppe Eletrobras mit einer Beteiligung von 49,98% ist.

In seiner Rede sagte Nascimento, dass das Wasserkraftwerk Belo Monte eines der am meisten studierten Projekte des Landes sei, erst nach vier Jahrzehnten konnte es endlich abgeschlossen werden. "Die Anlage ist für die Stromversorgung des Landes extrem wichtig", sagte er. Mit einer Leistung von 11.000 Megawatt stellt sie 10% der Erzeugungskapazitäten Brasiliens dar.

Seinen Angaben zufolge waren über 200 Fachleute an den Studien über Belo Monte beschäftigt, die Berichte umfassen über 15.000 Seiten. Die bestmögliche Nutzung des Wasserpotenzials des Xingu zu finden, ohne große Stauseen bauen zu müssen, stellte eine große Herausforderung dar.

Mit dem Bau des Kraftwerks werden 18.000 direkte und 23.000 indirekte Arbeitsplätze geschaffen. Zusätzlich sollen 54.000 Personen der Region davon profitieren.

Bezüglich der Auswirkungen des Staudamms sagte der Präsident von Norte Energia, dass 17.000 Menschen umgesiedelt werden müssen, dass aber viele von ihnen auch jetzt schon von den Überschwemmungen während der Regenzeit betroffen sind. "Alle Familien bekommen eine Entschädigung. Das Kraftwerk Belo Monte wird diesen Menschen ihre Würde bringen", versprach er.

Nascimento versprach auch den betroffenen Grundbesitzern entlang des Xingu, dass keiner leer ausgehen wird. Bezüglich der indigenen Völker werden bereits Erhebungen durchgeführt, um sie entsprechend zu behandeln. Zum Abschluss der Rede sagte Nascimento, dass während des gesamten Prozesses die Gesetze vollständig eingehalten wurden, bei der Vergabe der Umweltlizenz genauso wie bei der Ausschreibung und Versteigerung des Projektes.

Präsident Lula betonte, dass durch diese Unterzeichnung etwas möglich wird, was lange für unmöglich galt. „Was heute passiert, ist das Ende einer Periode, in der man Angst hatte zu regieren und zu debattieren. Was heute passiert und in die Geschichte eingehen wird, ist, dass wir etwas erreicht haben, was 30 Jahre lang unmöglich schien“, sagte er.

Lula erwähnte in seiner Rede auch jene Personen, die noch immer gegen den Bau von Belo Monte wären, und erinnerte daran, dass er selber während seines Werdegangs mehrere Reden gegen Belo Monte gehalten habe, ohne überhaupt das Projekt zu kennen. „Und genau unter meiner Regierung geschieht Belo Monte“, sagte er.

Vor dem Präsidentenpalast fanden die angekündigten Proteste gegen Belo Monte statt. Ausführlich berichtet darüber der CIMI-Info.

CIMI-Info 928, 27.8.2010
Symbolischer Protest in Brasília gegen Unterzeichnung der Konzession für Belo Monte
Indigene Vertreter waren heute, 26.8., vor dem Regierungspalast, um gegen das Dekret für die Konzession des Wasserkraftwerks Belo Monte mit dem Konsortium Norte Energia zu protestieren, das bei den Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung des Gebäudes nach der Renovierung unterzeichnet wurde. Auf ihren Transparenten kritisierten sie die Zerstörung der Umwelt durch die Regierung für eine Entwicklung um jeden Preis. Zudem haben sie ihre Münder zugeklebt, um auf den fehlenden Dialog zwischen den vom Projekt betroffenen Gemeinschaften und dem Staat hinzuweisen.

orf.at, 27.8.2010
Grünes Licht für riesigen Staudamm
Trotz massiver Proteste von Umweltschützern hat Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva grünes Licht für das im Amazonas-Gebiet geplante drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt gegeben. Er unterzeichnete am Donnerstag (Ortszeit) einen Konzessionsvertrag mit dem Konsortium Norte Energia SA, das für 35 Jahre die Nutzungsrechte an dem Kraftwerk Belo Monte am Xingu-Fluss im Bundesstaat Pará hat.

Süddeutsche, 26.08.2010
Protest, den niemand hört
Für Brasiliens Präsident Lula zählt nur eins: der wirtschaftliche Aufstieg seines Landes. Kurz vor der Wahl soll nun mitten im Regenwald der drittgrößte Staudamm der Welt gebaut werden. Die Ureinwohner klagen: "Lula ist ein großer Zerstörer."

Süddeutsche, 26.08.2010
Planungen begannen vor 35 Jahren
Das elf Milliarden US-Dollar teure Projekt ist bereits seit 35 Jahren in Planung, wurde aber auf Grund weltweiter Proteste bisher noch nicht realisiert. Die ersten Pläne wurden 1989 nach Protestaktionen der Ureinwohner und prominenter Unterstützer wie dem Sänger Sting wieder aufgegeben.

AFP, 27.8.2010
Lula entscheidet sich für umstrittenen Staudamm in Brasilien

Agência Brasil, 26.8.2010
Lula assina contrato de concessão de Belo Monte

Globo Online, 26.8.2010
Norte Energia assina contrato de concessão de Belo Monte

Globo Video, 26.8.2010
Construção de Hidrelétrica de Belo Monte deve começar ano que vem
A área alagada reduziu 60% em relação ao projeto original. A conssecionária Norte Energia garantiu que 17 mil moradores de Altamira (PA) receberão indenização.

O Estado de São Paulo, 26.8.2010
Representante de consórcio para construção de Belo Monte diz que ninguém deixará de ser ouvido

CIMI, 26.8.2010
Protesto simbólico marca assinatura da concessão de Belo Monte, em Brasília

COIAB, 26.08.2010
Indígenas protestam contra a concessão de Belo Monte em Brasília

Mittwoch, 25. August 2010

Proteste gegen Baukonzession für Belo Monte angekündigt

Die Koordination der Indigenen Organisationen Amazoniens (COIAB) ruft für morgen, 26.6., zu einer Protestveranstaltung gegen die Unterzeichnung des Erteilungsdekrets und des Konzessionsvertrags für den Bau des Kraftwerks Belo Monte vor dem Regierungspalast in Brasília auf. Dazu wurde ein Manifest veröffentlicht, das von vielen zivilen, indigenen und Umweltbewegungen und auch von Dom Erwin Kräutler unterstützt wird. Im Folgenden sind Auszüge daraus.

Manifest:
Die Unterzeichnung der Baukonzession für Belo Monte ist eine weitere makabre Offensive für das Todesurteil des Xingu.


Während die Regierungsbeamten noch beim Aufräumen vom Eröffnungsfest (25.8.) des neu umgestalteten Regierungspalastes sind, wird die brasilianische Regierung das Todesurteil für den Xingu und die Vertreibung Tausender Menschen aus ihren Häusern beschließen. Obwohl das Kraftwerk Belo Monte die Internationalen Menschenrechte, die IOL-Konvention 169 und die brasilianische Bundesverfassung verletzt, will die Bundesregierung morgen (26.8.) das Erteilungsdekret und den Konzessionsvertrag für den Bau des Kraftwerks Belo Monte mit der Betreibergesellschaft Norte Energia unterschreiben.

Die von IBAMA notwendige Installationslizenz für den Bau wurde nicht abgewartet. Außerdem sind die Urteile von 15 Gerichtsverfahren ausständig, die wegen Unrechtmäßigkeiten bei der Umweltlizenz-Vergabe und bei der Kraftwerks-Versteigerung ins Rollen gekommen sind. Unmittelbar vor der Versteigerung waren 3 gerichtliche Verfügungen zum Stopp des Kraftwerks aufgehoben worden, ohne auf die Argumente eingegangen zu sein.

Vor mehr als einem Jahr, im Juni 2009, hatte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva Vertreter der Zivilgesellschaften und der indigenen Völker wegen Belo Monte empfangen und ihnen persönlich versichert, dass das Kraftwerk nicht „auf Biegen und Brechen“ durchgesetzt werde. Die Praxis zeigt etwas anders. Außerdem hat bisher weder Präsident Lula noch ein Zuständiger der Betreibergesellschaft auf folgende Fragen eine Antwort gegeben:

- Was sagt Lula zur geringen Energieeffizienz des Kraftwerks, das die meiste Zeit des Jahres hindurch nur 40 % seiner Höchstleistung erreichen wird.
- Welche Garantien kann Lula geben, dass nicht weitere drei Kraftwerke am Xingu gebaut werden: bei Altamira, Pombal und São Felix do Xingu?
- Was sagt Lula zu den Auswirkungen, die das Kraftwerk auf die indigenen Völker haben wird?
- Wie viele Menschen müssen umgesiedelt werden?
- Was wird aus der Bevölkerung entlang der 100 km der Großen Schleife des Xingu, die fast trockengelegt wird?
- Was sagt Lula zur Bevölkerungsexplosion, die die Region durch den Zuzug Tausender Menschen nach Altamira ertragen wird müssen?
- Was wird das Kraftwerk Belo Monte wirklich kosten?
- Welchen Preis wird die brasilianische Bevölkerung für den Strom aus Belo Monte bezahlen müssen?

Diese Fragen wurden bisher nicht beantwortet, wodurch die betroffenen Menschen gedemütigt und um ihre Grundrechte gebracht wurden.

Die Unterzeichnung des Erteilungsdekrets und des Konzessionsvertrags für den Bau des Kraftwerks Belo Monte, eine der ersten Aktivitäten im glanzvollen und neu eröffneten
Regierungspalast, wird ein makabres und hässliches Makel hinterlassen. Aber es wird den Widerstand der indigenen Völker, der Flussbewohner und der Kleinbauern, die um ihr Überleben am Xingu kämpfen, nicht auslöschen. Für sie wie für uns sind der Fluss und die Wälder ein Garant für die Zukunft.
Schande über die Regierung! Belo Monte darf nicht passieren!

Unterzeichner:

Dom Erwin Kräutler, bispo da Prelazia do Xingu
Movimento Xingu Vivo para Sempre – MXVPS
Coordenação das Organizações Indígenas da Amazônia Brasileira – COIAB
Conselho Indigenista Missionário – CIMI
Rede Fórum da Amazônia Oriental – FAOR
Comitê Metropolitano Xingu Vivo para Sempre, Belém/PA
Sociedade Paraense de Defesa dos Direitos Humanos – SDDH
Instituto Amazônia Solidária e Sustentável – IAMAS
Associação de Defesa Etnoambiental Kanindé
Instituto Socioambiental – ISA
Society for Threatened Peoples International
Instituto de Estudos Socioeconômicos – INESC
Instituto Terramar
Justiça Global
Rede Brasileira de Justiça Ambiental
Instituto Humanitas
Associação Floresta Protegida - Mebengokré/Kayapó
Instituto Ambiental Vidágua
Movimento dos Atingidos por Barragens – MAB
IBASE
Centro Legal de Defensores do Meio Ambiente - EDLC
Survival International
FASE AMAZÔNIA
Movimento Articulado de Mulheres da Amazônia - MAMA
Fórum de Mulheres da Amazônia Paraense – FMAP
Articulação de Mulheres Brasileiras – AMB
Centro de Estudos e Defesa do Negro do Pará – CEDENPA
Terra de Direitos
Fundação Tocaia
Campa - Cooperação Associativo Ambiental Panamazônica
Fórum Carajás
Rede Brasil sobre Instituições Financeiras Multilaterais
Instituto Políticas Alternativas para o Cone Sul - PACS
COMITÊ-DOROTHY
OPERAÇÃO AMAZÔNIA NATIVA – OPAN
Associação Civil Alternativa Terrazul
REDE SOCIAL DE JUSTIÇA E DIREITOS HUMANOS
Centro de Defesa dos Direitos Humanos
Educação Popular do Acre-CDDHEP
Articulação de Mulheres Negras da Amazonia Brasileira – FULANAS
Rede Jubileu Sul Brasil
Rede Jubileu Sul Américas
Instituto Políticas Alternativas para o Cone Sul – PACS
Forum Mudanças Climáticas e Justiça Social
Assembléia Popular Nacional
Grito dos Excluídos
Sindicato dos professores de Nova Friburgo e região
Articulação dos Povos Indígenas do Brasil - APIB
Articulação dos Povos e Organizações Indígenas do Nordeste, Minas Gerais e Espírito Santo - Apoinme
Aty Guasu
Articulação dos Povos Indígenas do Pantanal - Arpipan
Articulação dos Povos Indígenas do Sul - Arpinsul
Articulação dos Povos Indígenas do Sudeste - Arpinsudeste
Associação Amigos da Amazônia Viva - A.A. A. V.

"Jedes Mal, wenn wir uns treffen, stärken wir unsere Bewegung. Wir müssen weiterhin für das Leben, die Kultur und die Biodiversität sowie die Wälder kämpfen. Weder die Alten, noch die Jungen oder zukünftige Generationen werden den Kampf gegen Belo Monte jemals aufgeben!" - Kazique Raoni Metuktire, Altamira im August 2008


CIMI, 25.8.2010
MANIFESTO:
Assinatura da Concessão de Belo Monte é mais uma ofensiva macabra para sentenciar a morte do rio Xingu
Governo assina o documento nesta quinta-feira, 26

COIAB, 25.8.2010
Protesto contra assinatura da Concessão de Belo Monte

O Estado de São Paulo, 26.8.2010
Mais de 50 entidades assinam nota de repúdio a Belo Monte
Documento classifica construção de usina como \"sentença de morte do Xingu\"

Globo Online, 26.8.2010
Em nota, 56 entidades chamam concessão de Belo Monte de 'sentença de morte do Xingu'

Freitag, 20. August 2010

Abschlusserklärung des Camps Terra Livre betont den Kampf ums Landrecht

"LULA! Indigene Lehrer werden ermordet und die Verbrechen bleiben straffrei"

Müde und erschöpft, aber voller Freude und Hoffnung machten sich die Teilnehmer am Natinalen Camp Terra Livre, das von 16.-19.8. in Campro Grande (MS) stattgefunden hat, auf den Heimweg. Nichts wurde hier über ihre Köpfe hinweg entschieden, sondern sie selbst brachten sich mit ihren rituellen Tänzen und ihren Erfahrungen ein. Sie klagten über Menschenrechts- und Gesetzesverletzungen, über Diskrimination, Kriminalisierung und Ermordungen der Anführer.

Im Zentrum der Debatten standen Landfragen und Gewaltanwendungen gegen Indigene in Brasilien. Nachdem die Xavantes-Índios einen rituellen Tanz vorgeführt hatten, erklärte ihr Sprecher: „Man könnte meinen, es sei ein fröhlicher Tanz gewesen. Das stimmt aber nicht. Es war ein Kriegsschrei ums Land, um das Land der Guarani!“

Mit großer Freude wurde am 18.8. die Nachricht entgegen genommen, dass der Gerichtsentscheid, wonach Demarkationen in Mato Grosso do Sul eingestellt wurden, von der Bundesstaatsanwaltschaft wieder aufgehoben wurde. Nun kann die Nationale Indigenbehörde FUNAI wieder Demarkationen behandeln.

Das Schlussdokument trägt den Titel „Für das Recht auf ein gutes Leben in unseren Ländern“ und betont die Notwendigkeit einer raschen Demaraktion und Absicherung der indigenen Territorien in Mato Grosso do Sul. Es kritisiert das aktuelle Wirtschaftsmodell stark. „Ein räuberisches Entwicklungsmodell, das die Interessen einiger weniger verfolgt und einer Minderheit zu Wohlstand und Konsumismus verhilft, darf unser Leben und die Kultur unserer Völker nicht zunichte machen. Wir haben zwar mehr als 500 Jahre Genozid und Ethnozid hinter uns, aber dennoch haben unsere Völker viel zu lehren. Durch ihr angestammtes Wissen und durch ihren Umgang mit der Natur können sie zum Überleben des Planeten und der Menschheit viel beitragen. Deshalb fordert das VII. Camp Terra Livre öffentlich vom brasilianischen Staat die Erfüllung seiner verfassungsmäßigen Rolle und die Wahrung unserer Rechte, wie sie in der Bundesverfassung und in internationalen Verträgen stehen und von ihm unterzeichnet wurden.“

Beim Protestumzg und auf der Schlusskundgebung wurden die Verletzungen der indigenen Rechte beklagt, besonders Gewaltanwendungen gegen Índios, Landvertreibungen und Invasionen durch Agroindustrie oder durch Entwicklungsprojekte der Regierung.


CIMI, 19.8.2010 - 15:28
Carta Pública - Acampamento Terra Livre 2010:
Pelo Direito de Viver bem em Nossas Terras
Carta Pública als .doc

COIAB, 18.08.2010
Suspensas liminares que impediam a demarcação de terras indígenas no Mato Grosso do Sul
A Procuradoria-Geral Federal (PGF), por intermédio da Adjuntoria do Contencioso, da Procuradoria Federal Especializada junto à Fundação Nacional do Índio (PFE/FUNAI) e da Procuradoria Regional Federal da 3ª Região (PRF3), conseguiu suspender no STF três liminares que impediam o início dos trabalhos técnicos da FUNAI no Estado de Mato Grosso do Sul, necessários à demarcação de terras ocupadas por índios da etnia Guarani Kaiowá.
Adital, 23.08.10 - BRASIL
Terra Livre - a Guerra da Terra

Dienstag, 17. August 2010

Brasilien: Nationales Indigenen-Camp "Terra Livre 2010" eröffnet

Heute (16.8.) wurde in Campo Grande (MS) das größte jährliche Camp der indigenen Völker Brasiliens eröffnet: Terra Livre 2010. 800 indigene Vertreter werden bis 19. August zur Sprache bringen, wie die indigenen Völker durch Bergbau- und Holzfirmen oder durch infrastrukturelle Großprojekte der Regierung bedroht und diskriminiert werden.

Romancil Kretã, Vertreter der Kaingang von Paraná, zeigte sich in seiner Begrüßung zufrieden darüber, dass das Camp in Campo Grande (Mato Grosso do Sul - MS) stattfindet. "Hier werden die Indigenen diskriminiert wie in keinem anderen Bundesstaat Brasiliens. Die gesamte Zivilgesellschaft soll erfahren, dass wir wie Fremde im eigenen Land behandelt werden. Die Bundesverfassung, die unsere Souveränität garantiert, wird nicht beachtet, und die neuen Gesetze marginalisieren uns zunehmend", betonte er.

Auch die Vorgangsweise im Fall Belo Monte zeigt, wie wenig die Regierung bereit ist, auf Bedenken, Befürchtungen und Proteste von betroffenen Flussbewohnern, indigenen Völkern, Wissenschaftlern und Umweltaktivisten einzugehen. Im Interesse des Wirtschaftswachstums werden Verletzungen der Verfassung und der Menschenrechte sowie das Aussterben indigener Völker in Kauf genommen.

CIMI, 16.8.2010
Coletiva de imprensa abre ATL 2010 em Campo Grande
Discriminação dos povos indígenas no MS e a falta de demarcação de terras foram os assuntos de destaque

Montag, 16. August 2010

Belo Monte: Bedingungen für Baukonzession laut Regierung erfüllt


Márcio Zimmermann, Minister für Bergbau und Energie, gab bekannt, dass die Betreibergesellschaft Norte Energie S.A. für die Vergabe der Baukonzession für das Kraftwerk Belo Monte erforderlichen Dokumente fristgerecht am 16.8. vorgelegt hat. Die Unterzeichnung des Vertrags hängt nun vom Terminkalender Präsident Lulas ab, sie wird wahrscheinlich am 26.8. erfolgen.

Die Elektrizitätsagentur Aneel bestätigte, dass bereits in der Vorwoche die finanziellen Garantien in der Höhe von R$ 1,04 Mrd. hinterlegt worden sind.

Somit werden die jahrzehntelangen Proteste und Bedenken ignoriert einem rücksichtslosen Wirtschaftswachstum gehuldigt.

Globo Online, 16.8.2010
Contratos de Belo Monte serão assinados na próxima semana
BRASÍLIA - O ministro de Minas e Energia, Márcio Zimmermann, disse há pouco que os contratos de concessão da usina de Belo Monte, no rio Xingu (Pará) serão assinados na próxima semana

Yahoo! Brasil Notícias, 16.8.2010
Aneel confirma depósito de garantias por sócios de Belo Monte
BRASÍLIA - A Agência Nacional de Energia Elétrica (Aneel) confirmou hoje que os sócios da usina de Belo Monte, no rio Xingu (PA), depositaram a garantia de fiel cumprimento do empreendimento. O prazo para depósito terminaria hoje, mas a agência informou que os recursos foram creditados ainda na semana passada.

Ultimo segundo, 17.8.2010
Ignorando resistência, Brasil se prepara para construir represa
Construção inicial da barragem de Belo Monte, que será a terceira maior do mundo, está programada para começar no próximo ano

Samstag, 14. August 2010

Bauriesen beteiligen sich doch an der Betreibergesellschaft für Belo Monte


Während Präsident Luiz Inácio Lula da Silva die Baustellen für das Kraftwerk Jirau besucht, um dort inmitten der Arbeitersiedlungen einen Werbefilm für den Wahlkampf zu drehen, konnte die Betreibergesellschaft Norte Energia S.A. gerade fristgerecht vor dem 16.8. die großen brasilianischen Konzerne zur Mitarbeit am Kraftwerk Belo Monte bewegen.
Die Firmengruppen Odebrecht und Camargo Corrêa (beide hatten sich als große Favoriten an der Versteigerung nicht beteiligt, weil sie nach jahrenlangen Studien zu Belo Monte auf Kosten von 30 Mrd. gekommen waren - die Regierung beharrte hingegen auf R$ 19 Mrd.) sowie Andrade Gutierrez (gehörte zum Verlierer-Konsortium, das bei der Versteigerung den Höchstpreis um nur 3 Cent unterboten hatte), werden nun für 50 % der Bautätigkeiten verantwortlich sein. Andrade Gutierrez wird die Gesamtleitung für die Umsetzung des Projekts übernehmen. Das Unternehmen verfügt über große Erfahrungen im Wasserkraftwerksbau.

Die andere Hälfte der Bauaufträge wird auf die Konzerne Queiroz Galvão, OAS, Mendes Júnior, Contern, Galvão Engenharia, Cetenco, Serveng und J. Malucelli verteilt. Sie sind auch als Aktionäre am Kraftwerk beteiligt. Nur OAS konnte nach der Versteigerung - neben den Pensionsfonds - als neuer Aktionär gewonnen werden, mit einer Beteiligung von 2,51 %.

Die Regierung hatte mit zahlreichen Verhandlungen und finanziellen Angeboten intensiv versucht, auch die Baugiganten für Belo Monte zu gewinnen, was aufgrund der Vorgaben nicht gelingen wollte. Zuletzt hieß es aus Regierungskreisen, man wäre schon froh, sie würden ihren Namen und ihr Know-How für Beratertätigkeiten zur Verfügung stellen. Denn selbst die Regierung erkannte, dass das Siegerkonsortium mit seinen nur „mittelgroßen“ Bauunternehmen, die auch nur ca. 20 % der Gesellschaft ausmachen, zur Durchführung des weltweit drittgrößten Kraftwerks nicht fähig wäre.

Die Auftragssummen für das Bauprojekt wurden nun mit R$ 15 Mrd. angegeben, um R$ 4 Mrd. weniger als bei der Ausschreibung. Die staatlichen Gruppen am Konsortium dürften nicht über das nötige Geld verfügen.

Die Vergabe für die Turbinen ist bereits erfolgt. 14 der 18 Turbinen sollen von europäischen Unternehmen, die in Brasilien über Niederlassungen verfügen, geliefert werden: Alstom, Voith Siemens und Andritz.

In der kommenden Woche sollen alle Firmen einen Vorvertrag über ihre Verpflichtungen unterschreiben sowie die finanzielle Garantie überweisen. Die Unterzeichnung des Konzessionsvertrags wird wahrscheinlich am 26.8. unter Anwesenheit von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erfolgen. Dann fehlt nur noch die Lizenz für die Installation, um mit den Errichtungen der Baustellen am Xingu beginnen zu können, was für Mitte September geplant ist.


Umweltgruppen beklagten auf einer Protestkundgebung in Belém (11.8.), dass bereits jetzt Militäreinheiten am Gelände für die Baustellen an der Großen Schleife des Xingu stationiert sind. Damit würde noch klarer zum Ausdruck kommen, dass Belo Monte ein Militärprojekt sei.

Marina Silva, Kandidatin der Grün-Partei für die Präsidentschaftswahl, sagte beim Forum Nachhaltigkeit für Amazonien, dass ihr Plan für Belo Monte - sie war bis 2008 brasilianische Umweltministerin - ein anderer war als derzeit: damals hatten Nachhaltigkeit, angepasste Technologie und sozio-ökologische Auswirkungen von Großprojekten die Prioritäten. Bei Belo Monte werden nun große ökonomische und ökologische Nachteile in Kauf genommen. "Belo Monte bringt wirtschaftlich gesehen nichts, es muss vom Staat finanziert werden. Diese Abhängigkeit von einem Kraftwerk ist nicht verantwortlich", betonte sie und gab weiters zu bedenken, dass es gerade deshalb auch immer wieder zu Klagen durch die Staatsanwaltschaft kommt.

Bischof Erwin Kräutler zeigt sich in einem Interview des Instituto Humanitas Unisinos (14.8.) über die Entschlossenheit der Regierung Lula zu Belo Monte sehr enttäuscht. "Sollte Belo Monte durchgezogen werden, wird Präsident Lula als jener Präsident Brasiliens in die Geschichte eingehen, der den indigenen Völkern am Xingu ein Ende setzte. Denn es ist nicht wahr, dass es nur bei einem Staudamm bleibt, es wird mehrere geben. Alle indigenen Territorien entlang des Xingu werden invadiert werden und für die Indios wird es kein Überleben geben. Belo Monte ist der Startschuss für ein monströses Projekt; wer ihn abgegeben hat, wird für die Folgen verantwortlich sein."

Adveniat, 18.8.2010
Bischof Kräutler rechnet mit Lula ab
Belo Monte. Mit harten Worten hat der Bischof von Xingu, Erwin Kräutler, ein Fazit der Regierungszeit des scheidenden Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva gezogen. "Lula wird uns in Erinnerung bleiben als der Präsident der den indigenen Völkern des Xingu-Flusses ein Ende bereitet hat."


O Estado de S.Paulo, 14 de agosto de 2010 | 0h 00
Três maiores empreiteiras construirão Belo Monte
Odebrecht, Camargo Corrêa e Andrade Gutierrez vão ficar com metade da obra

Folha de São Paulo, 13/08/2010 - 21h23
Andrade Gutierrez vai liderar empreiteiras que irão construir Belo Monte
A construtora Andrade Gutierrez será a líder do grupo de 11 empreiteiras que irá construir a hidrelétrica de Belo Monte, no Rio Xingu (PA). A Andrade participava do consórcio perdedor do leilão da concessão da hidrelétrica, realizado em abril.

A Folha, 13.8.2010
Em visita a Jirau, Lula reitera importância de hidrelétricas para o país
Em visita a Rondônia, Lula grava para sua candidata

Rondoniaovivo, 13 de Agosto de 2010 - 18:27
Lula visita Nova Mutum e confere os canteiros de obras de Jirau e Santo Antônio

CIMI, 11/08/2010 - 18:08 –
Movimentos sociais protestam contra Belo Monte em Belém
O Comitê Metropolitano do Xingu Vivo para Sempre, Via Campesina e outros movimentos sociais realizaram hoje (11) um protesto contra a construção da hidrelétrica de Belo Monte.
Eles ainda repudiaram o envio de tropas do Exército, pelo governo brasileiro, para a Volta Grande do Xingu

O Estado de S.Paulo, 14 de agosto de 2010
Marina critica projeto de Belo Monte e Código Florestal
A candidata do PV afirmou durante sabatina que o trabalho de sua equipe foi desvirtuado por Mangabeira Unger

Instituto Humanitas Unisinos, 14/8/2010
"Lula será lembrado como o presidente que acabou com os povos indígenas do Xingu".
Entrevista especial com Dom Erwin Kräutler

Donnerstag, 12. August 2010

Abschlusserklärung von Altamira zur Verteidigung des Xingu und gegen Belo Monte


Wir, die indigenen Völker Juruna, Xipaya, Arara da Volta Grande, Kuruaia und Xicrin der Region Altamira, Guajajara, Gavião, Krikati, Awa Guajá, Kayapó von Mato Grosso und Pará, Tembé, Aikeora, Suruí, Xavante, Karintiana, Puruborá, Kassupá, Wajapi, Karajá, Apurinã, Makuxi, Nawa von Acre, Mura von Amazonien, Tupaiu, Borari, Tapuia, Arapiuns, Pataxó, Tupiniquim, Javaé, Kaingang, Xucuru, Marubu, Maiuruna, Mundukuru von Amazonien und Pará und anderer Bundesstaaten Brasiliens sowie Kleinbauern, Flussbewohner und Bürger aus den Städten Itaituba, der Region am Tapajós, Trairão, Medicilândia, Uruará, Placas, Rurópolis, Gurupá, Altamira, der Seitenstraßen von Cobra-Choca (km 45 Süd), km 27 Süd, Paratizão (km 23 Süd), Assurini und der Komunen Arroz Cru, Santa Luzia und São Pedro, Vertreter der indigenen Organisationen COIAB, APIB, APOINME, ARPIMSUL, von MAB, Via Campesina, MXVPS, pastoraler Gruppen und NGOs haben uns haben uns vom 9.-12. August 2010 in Altamira (PA) zum Camp Terra Livre Amazônico versammelt, um uns für das Leben, für die Kultur und die Biodiversität einzusetzen und um die Auswirkungen der Großprojekte in der Region zu diskutieren, im Besonderen des Kraftwerks Belo Monte. Wir teilen der Öffentlichkeit Folgendes mit:

1. Wir bekräftigen unseren Einsatz für die Bewahrung des Xingu-Flusses sowie aller Flüsse Brasiliens, vor allem jener, die durch indigene Gebiete fließen.
2. In aller Klarheit bekräftigen wir die Ablehnung des Baus des Wasserkraftwerks Belo Monte am Xingu sowie anderer Projekte, die das Leben in unseren Gemeinden bedrohen und die Umwelt zerstören, wie z.B. die Kraftwerke Jirau und Santo Antônio am Madeira-Fluss, Santa Isabel am Aragaia-Fluss, am Culuene-Fluss, die Umleitung des São Francisco-Flusses sowie am Ribeirão Tabajara, die Straßenprojekte BR BR 317, 163, 156, 319, 429 und 421, und die Gas-Pipeline von Urucu nach Porto Velho.
3. Das Programm für beschleunigtes Wachstum (PAC) sieht 426 Projekte vor, die Auswirkungen auf indigene Gebiete haben und isoliertere Siedlungen auslöschen werden. Nur für Amazonien sind mehr als 300 neue Wasserkraftwerke in Planung. Ein Wahnsinn für jemand, der dort wohnt und dessen Leben und Zukunft von Land und Wasser abhängig sind.
4. In unserem Gedächtnis sind noch Vernichtungen und Tötungen lebendig, die durch Großprojekte während der Zeit der Militärdiktatur auf autoritäre Weise erfolgt sind, wie beim Bau der Transamazônica (BR 230) oder der Bundesstraßen 174, 364, 163 und der Wasserkraftwerke von Tucurui und Balbina. Indigene Völker und traditionelle Flussbewohner wurden dort hart getroffen. Die Völker Arara, Parakanã und Waimiri Atroari wurden fast vollständig vernichtet.
5. Jenes Modell einer wirtschaftlichen Entwicklung, die nur wenigen dient, wird bis heute fortgesetzt, genauso wie der autoritäre Stil der Umsetzung von Großprojekten. Belo Monte ist dafür ein klares Beispiel. Die Umweltstudien wurden so gemacht, dass die Genehmigung erfolgen konnte, aber die wirklichen Auswirkungen wurden nicht erforscht. Die indigenen Völker und die betroffene Bevölkerung wurden nicht entsprechend angehört, wie es die Bundesverfassung, die Konvention 169 der ILO oder die Erklärung der UNO über die indigenen Völker vorsehen. Auch Wissenschaftler, die grobe Fehler am Projekt beanstandeten, wurden nicht gehört.
6. Offenbar gehören zu diesem Entwicklungsmodell perverse Strategien wie Desinformation, Lüge, Nichtbeachtung der Gesetze, Kriminalisierung der Sprecher der Bewegungen sowie verführerische Angebote und falsche Versprechungen an die Komunen.
7. Den indigenen Völkern, die die Rechte auf ihr Land einfordern, wird fälschlicher Weise vorgeworfen, gewaltbereit und gegen den Fortschritt zu sein, oder von NGOs manipuliert zu werden. Dadurch wird die Bevölkerung über die wirklichen Ereignisse in Amazonien im Unklaren gelassen.
8. Während des viertägigen Camps Terra Livre Amazônico haben wir Strategien gegen Belo Monte und andere Großprojekte reflektiert.
9. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass Amazonien irreversible Schaden erleiden wird, wenn jener Wahnsinn der übertriebenen Ausbeutung seiner Ressourcen fortgesetzt wird. Auf diese Weise können die von Brasilien unterzeichneten Verpflichtungen internationaler Klimaverträge nicht eingehalten werden.
10. Wir verpflichten uns, gemeinsam die Allianz der indigenen Völker, Flussbewohner und anderer Gemeinschaften Amazoniens zu stärken, um ihre territoriale Integrität zu gewährleisten und von ihren Lebenserfahrungen ausgehend an der Zukunft der Region zu bauen.
11. Wir laden alle ein, sich gemeinsam gegen Belo Monte und andere Großprojekte in Amazonien zu erheben.
12. Wir bitten um die Unterstützung der Zivilgesellschaften von Stadt und Land, denn das Leben Amazoniens ist in Gefahr.

"Jedesmal, wenn wir zusammen kommen, stärken wir unsere Bewegung. Wir sollten keine Angst vor der Polizei oder den Fazendeiros haben; überhaupt vor niemandem, der die Natur bedroht. Natur bedeutet Leben, sie erhält uns bis heute am Leben, und deshalb müssen wir die Natur so verteidigen wie Vater und Mutter uns das Leben schenken“. (Kazique Raoni Kajapó)

Altamira, 12. August 2010


Fotos der Prälatur vom Protestmarsch durch Altamira


Fotoalbum bei CIMI

Video auf YouTube

CIMI, 12.8.2010
Carta Final da Mobilização em Defesa do Xingu: Contra Belo Monte

MAB, 12.08.2010
Marcha encerra acampamento contra Belo Monte
Encerra-se hoje o acampamento Terra Livre Regional, organizado por organizações indígenas e não indígenas, em Altamira (PA). Mais de 400 indígenas, ribeirinhos, pescadores e agricultores participaram do encontro, que iniciou no último dia 9.

EcoDebate, 13.8.2010
Acampamento Terra Livre Regional e Carta-manifesto de Altamira

Karte von an Belo Monte grenzende indigene Gebiete

Mittwoch, 11. August 2010

Indios und Betroffene sind zum Widerstand gegen PAC und Belo Monte entschlossen

Am zweiten Tag des Treffens (10.8.) der von Staudämmen Betroffenen und indigenen Gruppen in Altamira bekräftigten die Teilnehmer nicht nur ihren Protest gegen Belo Monte, sondern gegen alle Großprojekte der Regierung im Programm für beschleunigtes Wachstum (PAC), die die Menschenrechte verletzten und von der Bevölkerung große Opfer abverlangten.


Bunter Federschmuck, bemalte Gesichter und Körper, lebhafte Debatten und mitreißende Ansprachen charakterisierten diese Gipfelgespräche in Altamira (PA), wozu an die 500 Menschen verschiedenster Umwelt- und Zivilbewegungen angereist waren, um die für Umwelt und Bevölkerung Amazoniens verhehrenden Auswirkungen geplanter Großprojekte zu diskutieren. Am Vormittag behandelten hohe Vertreter der Koordination der Indigenen Organisationen vom brasilianischen Amazonien (COIAB), der Universität von Pará (UFPA), der Bewegung der von Staudämmen Betroffenen (MAB) und der Föderation von Organisationen für soziale und pädagogische Assistenz (Fase) die für die Flüsse Madeira, Xingu und Tapajós geplanten Wasserkraftwerke sowie den Bau der Bundesstraße 163 von Cuiabá (MT) nach Santarém (PA). Prof. Medeiros gab zu bedenken, dass die exakten Auswirkungen nicht vorhergesagt werden können – „aber Zwangsumsiedlungen ohne Alternativen und Entschädigung sowie Verelendung, Kriminalität und Prostitution werden immens sein“.

Auch indigene Vertreter meldeten sich zu Wort. Für Kretã vom Volk der Kaingang wäre Belo Monte ein Verbrechen gegen die indigenen Völker. „Welchen Fortschritt präsentiert uns diese Regierung, die aus der Gewerkschaftsbewegung entstanden ist? Wir setzten große Hoffnung in sie. Sie gelangten dort hin, wohin sie wollten – mit unserer Unterstützung. Nun beschließen sie Gesetze und Projekte zu unserem Schaden“, betonte sie.

Marcos Apurinã machte sich um den Fortbestand der indigenen Tradition Sorgen. „Sie bieten uns Geld, und wir verlieren dadurch die Natur und unsere Tradition. Deshalb rufe ich euch auf: wir dürfen unser Blut und unsere Kinder nicht dem großen Kapital ausliefern.“


Am Nachmittag stand die Kundgebung von Kazike Raoni Metuktire vom Volk der Kajapó in Mato Grosso am Programm. Er wiederholte seine Befürchtung, dass „viele Menschen sterben werden, sollte die Regierung am Plan von Belo Monte festhalten“. Raoni rief zum Kampf gegen das Kraftwerk Belo Monte und zur Verteidigung der indigenen Lebensräume in Brasilien auf. „Solange ich am Leben bin, werde ich Nein sagen, Nein zur Zerstörung der indigenen Völker. Ihr könnt auf mich zählen! Gebt nicht auf und habt keine Angst vor der Polizei oder vor Fazendeiros oder anderen, die uns und die Natur bedrohen. Natur bedeutet Leben, sie erhält uns am Leben, und deshalb müssen wir die Natur erhalten wie unsere Väter und Mütter, die uns das Leben schenken“, sagte er.
Weiters appellierte er an die Teilnehmer, sich nicht durch verlockende Angebote der Regierung bestechen zu lassen – sie hätten die Auslöschung der Indigenen zum Ziel. „Überlasst ihnen nicht unser Wasser, unsere Fische, unser Land!“ Was die Regierung als Fortschritt anpreist, werde für die Bewohner des Xingu-Beckens den Untergang bedeuten. Leider hätten vereinzelte indigene Gemeinschaften auf die Seite der Regierung gewechselt, doch die große Mehrheit lehnt Großprojekte wie Belo Monte als Bedrohung und Gegensatz zur indigenen Lebensweise ab.

In weiteren Vorträgen wurden Widersprüche und Halbwahrheiten rund um Belo Monte aufgezeigt. Am meisten beängstigte die Tatsache, dass auch Belo Monte den Hunger der Regierung nach Energie nicht stillen wird. Sowohl am Xingu als auch an anderen Flüssen Amazoniens wird man um jeden Preis und im Namen des Fortschritts weitere Staumauern und Kraftwerke errichten.


Dom Erwin Kräutler, Bischof am Xingu, sagte, die Bewohner des Xingu hätten vor allem davor Angst, die Regierung könnte die alten Pläne hervorholen, die mehrere Kraftwerke entlang des Xingu vorsahen. Denn eine Investition von R$ 30 Mrd., die dann die meiste Zeit des Jahres nur 40 % ihrer Leistung produziert, sei nicht gerechtfertigt. "Es ist eine Lüge, dass nur Belo Monte gebaut werden soll, da es wirschaftlich betrachtet unrentabel ist", betonte er.

Am Ende des Camps Terra Livre in Altamira erklärten die indigenen Völker den Dialog mit der Bundesregierung das Kraftwerk Belo Monte betreffend für beendet. "Die Regierung lügt uns an und meidet den Dialog. Unser Widerstand muss neue Formen annehmen", sagte die Juruna-Abgesandte Sheyla.

O Estado de S.Paulo, 13.8.2010
Índios abandonam diálogo com governo sobre Belo Monte
Cerca de 400 indígenas das margens do Rio Xingu decidiram ontem, em assembleia final do encontro Acampamento Terra Livre Regional, em Altamira, no Pará, que não dialogarão mais com o governo federal quando o assunto for a Usina Hidrelétrica de Belo Monte, que será construída em Altamira.

O Estado de S.Paulo, 11.8.2010
Cacique faz nova ameaça por causa de Belo Monte
Em evento em Altamira, líder dos Caiapós reitera que 'muita gente vai morrer' se governo levar adiante construção da usina hidrelétrica no Rio Xingu

CIMI, 10.8.2010
Cacique Raoni declara apoio à luta contra Belo Monte
Liderança Kayapó de Mato Grosso participou na tarde de hoje (10) do acampamento Em Defesa do Xingu, contra Belo Monte!

CIMI, 10.8.2010
A luta não é só contra Belo Monte!
Durante segundo dia do acapamento em Defesa do Xingu, contra Belo Monte, os participantes afirmaram que as mobilizações são contra toda e qualquer grande obra do governo federal que viole os direitos humanos

Dienstag, 10. August 2010

Belo Monte: Betroffene von Staudämmen und indigene Völker Brasiliens planen weitere Protestaktionen


Die Artikulation der indigenen Völker Brasiliens (APIB) veranstaltet jedes Jahr das nationale Treffen Terra Livre, um Angelegenheiten der Indios wie Landkonflikte, Gewaltopfer oder negative Auswirkungen der Großprojekte des Programms für beschleunigtes Wachstum (PAC) gemeinsam zu erörtern. Vorrangig sind die Anstrengungen zur Verhinderung des geplanten Kraftwerks von Belo Monte am Xingu-Fluss. Terra Livre 2010 wird von 16.-20. August in Campo Grande, Mato Grosso do Sul, stattfinden.

Zur Vorbereitung lud die Koordination der Indigenen Organisationen vom brasilianischen Amazonien (COIAB) alle indigenen Vertreter vom 9.-12.8.2010 nach Altamira-Pará zu einem Treffen ein, um gemeinsame Strategien gegen den Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte zu erörtern.

Fotogaleria A Critica: Bauarbeiten am Kraftwerk Jirau

Erschütternd sind die Erfahrungsberichte auf Amazônia beim Bau der Kraftwerke von Jirau und Santo Antônio am Rio Madeiras. Jaci Paraná war ein kleines Fischerdorf ca. 100 km von Porto Velho entfernt. Als 2008 mit den Baustellen begonnen wurde, kamen fast 10.000 Arbeiter. Doch auch Tausende von jungen Frauen aus ganz Brasilien zogen dort hin, um ihr Glück zu versuchen. Nach zwei Jahren ist die momentan größte Baustelle Brasiliens und Aushängeschild für das Programm für beschleunigtes Wachstum (PAC) ein Zentrum für Prostitution und Kriminalität unvorstellbaren Ausmaßes und ein Umschlagplatz für den Drogenhandel geworden. Die Mädchen werden zum Teil wie Sklaven gehalten, den Arbeitern wird das Geld gleich vom Lohn abgezogen. Die Polizei ist machtlos, die Sozial- und Jugendeinrichtungen hilflos.

Ungeachtet der Bedenken der Betroffenen und der nationalen und internationalen Proteste schreiten die Genehmigungsverfahren für Belo Monte voran. Ende Juli genehmigte die Nationale Energieagentur Aneel die Betreibergesellschaft Norte Energia S.A., die nun für die Vergabe der Aufträge, die Durchführung der Bauleistungen und den Betrieb des Kraftwerks verantwortlich ist. Die Beteiligung des privaten Tiefbausektors am Projekt ist weiterhin offen. Leichter tat man sich mit der Vergabe des technischen Bereichs wie Turbinen. Laut Folha vom 30.7. entschied die brasilianische Regierung zugunsten des europäischen Konsortiums bestehend aus Alstom, Andritz und Voith Siemens. Bis das Gesamtprojekt
genehmigt wird, dürften laut Andritz-CEO Leitner allerdings noch Monate vergehen.

Derzeit wird in Zusammenarbeit mit ca. 40 Bundes- und Landesbehörden der Plan für nachhaltige Entwicklung der Region am Xingu erstellt, der bis 31. August Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vorgelegt werden muss. Für diesen regionalen Entwicklungsplan stehen R$ 500 Mio zur Verfügung.

Laut offizieller Homepage von Altamira sind – nach 30 Jahren besonderer Entwicklungspläne für diese Besiedelungsregion – die sanitären Zustände dort noch sehr rückständig. Nur 1,87 % der Bevölkerung von 75.000 Menschen sind an das Abwassernetz angeschlossen. 30 % der Bewohner verfügen über eine „bessere Senkgrube“ und 57 % über eine „kümmerliche“. 8 % haben weder Bad noch Toilette. Die Transamazônica-Straße ist seit ihrem Baubeginn vor mehr als 40 Jahren eine Staub- und Schlammpiste geblieben, Überfälle auf Reisebusse gehören zur Tagesordnung. Sie soll nun – zum wiederholten Mal – asphaltiert werden.


Quellen:

Cimi Info 923, 22.7.2010
Vorbereitungen für Terra Livre 2010 angelaufen

kathweb, 09.08.2010
Brasilien: Protestcamp gegen Megastaudamm am Xingu-Fluss
Am "Internationalen Tag der indigenen Völker" (9. August) sind rund 500 indianische Abgesandte mehrerer Amazonasvölker am Flussufer in Altamira im Bundesstaat Para zusammengetroffen, um u. a. darüber zu beraten, wie sie den umstrittenen Bau des Belo-Monte-Wasserkraftwerks noch abwenden können, berichtete die "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) am Montag in einer Aussendung.

Dreikönigsaktion
Belo Monte/Andritz AG: Profit darf keine Existenzen zerstören
Jubelstimmung an der Wiener Börse – Kampfschreie am Xingu: Der Aktienkurs der Andritz AG befindet sich im Höhenflug - unter anderem auch deshalb, weil der österreichische Konzern voraussichtlich einen Milliarden-Auftrag für ein Megastaudammprojekt im Amazonasgebiet an Land ziehen wird. Die Menschen vor Ort leisten verzweifelt Widerstand – Tausende fürchten um ihre Existenz.

Börse-Express, 9.8.2010
Andritz-CEO Leitner: 'Haben bislang keinen Zuschlag für Belo Monte erhalten'
'Dürfte noch Monate bis zur Entscheidung dauern'

Der Standard, 9.8.2010
Andritz baut Ergebnis aus
Der Riesen-Auftrag für Lieferungen an das umstrittene Kraftwerk Ilisu steht in den Büchern, schon lockt ein weiteres Großprojekt in Brasilien

ORF.at, 9.8.2010
Andritz liegt gut auf Kurs
Der börsenotierte Anlagenbauer Andritz AG hat im ersten Halbjahr 2010 sämtliche Prognosen übertroffen: So stieg etwa das Konzern-Ergebnis um 107 Prozent auf 67,3 Mio. Euro - erwartet wurde ein Anstieg um 78 Prozent.

Hintergrundinformation von Survival International
Staudämme am Madeira Fluss

Archiv: Frankfurter Rundschau, 30.12.2008
Das Madeira-Projekt
An einem Zufluss des Amazonas entstehen riesige Kraftwerke. Mit der Fischerei ist aber Schluss.

Amazônia, 2.8.2010
Prostituição ‘explode’ na maior vitrine do PAC
Entenda como o maior canteiro de obras do Brasil atraiu garotas de programa de todo o País para RO

Agência Brasil, 9.8.2010
Governo monta plano sustentável para região de Belo Monte
A região de integração do Xingu, que abrange dez municípios do Pará, onde será construída a Usina Hidrelétrica de Belo Monte, terá um plano de desenvolvimento sustentável, que vai incluir ações na área de regularização fundiária, licenciamento ambiental, capacitação da população local, ampliação de escolas e universidades públicas, universalização do acesso à energia elétrica e melhoria dos transportes rodoviário e hidroviário.

Site Oficial de Altamira
Infra-estrutura: Esgotamento Sanitário

Große Staudämme bedrohen indigene Völker durch Zwangsumsiedlungen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtete anlässlich des Internationalen Tags der indigenen Völker in einer Presseaussendung zum Thmea „Raubbau an der Natur gefährdet Überleben indigener Völker weltweit“. Dazu gibt es auch ein umfassendes Memorandum.

Ö1 Mittagsjournal, 9.8.2010
Rohstoff-Nachfrage: Indigene Völker in Gefahr
Großprojekte führen zu zwangsweisen Umsiedelungen
Geschätzte 350 Millionen Menschen weltweit zählen zu den Indigenen. Wie zum Beispiel Buschleute, Aborigines oder Inuit. Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen hat massive negative Auswirkungen auf die Lebensweise der Ureinwohner. Der Internationale Tag soll an ihre Rechte erinnern, die sehr häufig beschnitten werden.

Anlässlich des UN-Tages der indigenen Völker hat Survival International einen neuen Bericht veröffentlicht, welcher die verheerenden Auswirkungen großer Staudammprojekte auf indigene Völker hervorhebt. Auch deutsche und österreichische Unternehmen sind an dem Bau einiger dieser Dämme beteiligt.
PDF-Bericht: Boom für „Grüne“ Energie zerstört indigene Völker

Regenwald.org fordert seit 30.7. in einer Online-Protestaktion:
Keine europäische Beteiligung an Mega-Staudamm im Amazons

drs.ch, 9.8.2010 (mit vielen Links)
Indigene Völker: Bedroht und unterdrückt
Am 9. August begeht die Uno jeweils den Internationalen Tag der indigenen Völker, der an die Situation der Urvölker erinnern soll. Es gibt weltweit rund 5000 verschiedene davon, meist sind es kleine Minderheiten.

Mittwoch, 4. August 2010

Neuerlicher Baustopp für Belo Monte nicht ausgeschlossen

Die Brasilianische Bundesanwaltschaft (AGU) schloss einen neuerlichen Baustopp für das Kraftwerk Belo Monte aufgrund einer richterlicher Verfügung nicht aus. Laut Mauro Henrique Moreira Sousa, Bundesanwalt im Ministerium für Bergbau und Energie, gibt es derzeit noch 11 Justizverfahren bezüglich Belo Monte, bei denen das Urteil noch ausständig ist.
Sousa gab zu, dass durch den niedrigen Wasserstand in der Großen Kurve einige Fischarten, die nur hier vorkommen, vor dem Aussterben bedroht sind. Er widersprach auch nicht dem Vorwurf des Verfassungsbruchs für die Lizenzerteilung – für Wasserkraftwerke, die Auswirkungen auf indigene Völker haben, müsste erst eine eigene gesetzliche Regelung getroffen werden -, sondern gab folgende Begründung an: „Angesichts der bevorstehenden Wahl war für ein neues Gesetz zu wenig Zeit vorhanden. Aber für die Versteigerungen der vier Kraftwerke am Tapajós-Fluss und für jenes bei Serra Quebrada im kommenden Jahr 2011 müssen diese erforderlichen Reglementierungen fertig sein“. Ihm zufolge soll es vor allem um die Art der Beteiligung der indigenen Völker und um finanzielle Abfertigungen gehen.
Dass diese Gesetze zu erstellen sind, ist seit der Neuen Brasilianischen Bundesverfassung von 1989 bekannt. Der Indigene Missionsrat (CIMI) hatte des öfteren darauf aufmerksam gemacht.

O Estado de S. Paulo, 3.8.2010
AGU ainda vê risco de obra de Belo Monte parar
RIO - O advogado da União ligado ao Ministério de Minas e Energia, Mauro Henrique Moreira Sousa, disse hoje que não estão completamente excluídos os riscos de uma paralisação nas obras de construção da usina de Belo Monte, no Rio Xingu (PA), por questões jurídicas. Segundo ele, existem hoje 11 ações pendentes de julgamento na Justiça, ainda dependendo de apreciação.

Globo Amazônia, 1.7.2010
Belo Monte ameaça nove espécies de peixes raros, aponta estudo
Levantamento mapeou 819 peixes em 540 bacias hidrográficas no país. Somente na bacia do Rio Amazonas, há 184 espécies raras.

Parancistrus nudiventris

Dienstag, 3. August 2010

Belo Monte: ein apokalyptisches Monster

Im Interview für das Instituto Humanitas Unisinos (IHU) vom 2.8. beklagt Bischof Erwin Kräutler erneut die Gefahr, die das Kraftwerk Belo Monte für Natur und Menschen bedeutet, und kritisiert mit prophetischen Worten die Verantwortungslosigkeit der brasilianischen Regierung.

Ursprünglich wurde jenes Wasserkraftwerk-Projekt am Xingu nach einem Schlachtruf der Kayakó-Indios "Kararaô" genannt. Dom Erwin zufolge wurde der Name geändert, "damit die Leute am Xingu nicht an die Machete von Tuira und an die mit Urucum bemalten Gesichter der Kayapo erinnert werden, die sich gegen den Damm erhoben hatten." Seit den 70er Jahren, als mit dem Bau der Transamazônica auch Belo Monte projektiert wurde, protestierten die indigenen Völker der Region dagegen. Das ausdrucksstarke Bild der indigenen Tuira, die bei der Versammlung am 25. Februar 1989 in Altamira mit einer Machete das Gesicht des derzeitigen Direktors von Eletronorte, José Antonio Muniz Lopes, berührte, ging weltweit als Symbol des Widerstands gegen Belo Monte durch die Medien.


Als Bischof Erwin Kräutler öffentlich gegen das Projekt auftrat, erhielt er mehrere Morddrohungen, und seit vier Jahren wird er rund um die Uhr von einer Polizeieskorte bewacht. Er hatte sich schon in seiner Jugendzeit für den Xingu interessiert und lebt hier seit 1965. Als Kenner der Situation widerspricht er seit 30 Jahren der Propaganda, dass „mit Belo Monte der elektrische Strom in die Hütten der Armen kommen würde“. Die Energie werde dem Bergbau und der Metallindustrie zugute kommen: „für die energieintensive Verarbeitung von Eisen und Bauxit zu Aluminium“, das noch dazu für den Export bestimmt ist.

Für den Bischof am Xingu ist das Projekt, das seine Wurzeln in der Militärdiktatur hat, ein diktatorisches geblieben: „die Regierung unterschlägt Informationen, verändert Daten und verletzt die Bundesverfassung“. Man sagt, der Fortschritt habe seinen Preis, doch die Opfer werden von den Betroffenen verlangt: „rund 30 000 Menschen müssen umgesiedelt werden und die Umwelt wird unwiederbringlich zerstört“. Es stimmt auch nicht, dass „nur ein Staudamm“ bei Sitio Pimental ausreichen wird, damit das Kraftwerk die versprochene Leistung von 11.000 MWh gewährleisten kann; weitere 5 Staudämme am Oberlauf des Xingu werden folgen müssen, was ein Genozid für die dort lebenden Indigenen bedeuten würde.


Präsident Lula wie auch seine Kandidatin für die kommende Wahl, Dilma Rousseff, haben wiederholt behauptet, „dass Belo Monte ein Beispiel dafür sei, wie man ein Wasserkraftwerk baut und die Umwelt respektiert.“ Dom Erwin fragt ironisch, wie glaubwürdig eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist, wenn die Angaben über die Größe des Stausees dauernd erhöht werden. Im ursprünglichen Projekt stand 400 qkm, in der Umweltlizenz 516 qkm und die Kriterien für die Versteigerung sprachen von 668 qkm überschwemmter Gebiete. Außerdem werden die 100 km entlang der Großen Kurve des Xingu, an der zwei indigene Völker wohnen, - bedingt durch die Staumauer und die Wasserableitung - nur einen Wasserstand von 30–40 cm aufweisen. Wie soll hier das Leben in seiner bisherigen Intensität weitergehen? Die Lebewesen im und entlang des Flusses werden verhungern. Das ist kein Respekt vor der Umwelt!

Abschließend gibt Bischof Kräutler im Interview zu bedenken, „dass es jetzt schon indigene Völker gibt, deren Lebensräume durch Invasionen derart eingeengt sind, dass ihnen ihr Leben wie in einer Hölle vorkommt. Sie entscheiden sich vor ihrer Zeit für ein Leben im Himmel, im Jenseits, wo sie glauben, ein erfülltes Leben führen zu können. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung wählen sie den Selbstmord. Das ist makaber, aber die reine Wahrheit.“

"Sollte Belo Monte durchgezogen werden, wird Präsident Lula als jener Präsident Brasiliens in die Geschichte eingehen, der den indigenen Völkern am Xingu ein Ende setzte. Denn es ist nicht wahr, dass es nur bei einem Staudamm bleibt, es wird mehrere geben. Alle indigenen Territorien entlang des Xingu werden invadiert werden und für die Indios wird es kein Überleben geben. Belo Monte ist der Startschuss für ein monströses Projekt; wer ihn abgegeben hat, wird für die Folgen verantwortlich sein."


Instituto Humanitas Unisinos, 2/8/2010
Belo Monte: uma monstruosidade apocalíptica
Entrevista especial com D. Erwin Kräutler

Instituto Humanitas Unisinos, 14/8/2010
"Lula será lembrado como o presidente que acabou com os povos indígenas do Xingu".
Entrevista especial com Dom Erwin Kräutler