Dienstag, 26. September 2017

Bischof Kräutler fordert mehr Solidarität mit Amazonas-Katholiken


Erzdiözese Wien, 29.5.2017
Bischof Kräutler fordert mehr Solidarität mit Amazonas-Katholiken

Mehr Solidarität mit den Katholiken im Amazonas wünscht sich Bischof Erwin Kräutler von den österreichischen Bischöfen wie auch von der weltweiten katholischen Kirche. Papst Franziskus habe alle Bischöfe dazu aufgerufen, über neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum nachzudenken. Und das sei dringender denn je, so Kräutler mit Blick auf die Amazonas-Diözese Xingu, wo es einen "unvorstellbaren" Priestermangel gebe. Kräutler äußerte sich im "Kathpress"-Interview am Rande der 20. Globart Academy in Krems, die am Wochenende zu Ende gegangen ist.

Nur viermal im Jahr Eucharistie
Wie der Bischof berichtete, gebe es in der Diözese Xingu, die rund vier Mal so groß ist wie Österreich, für 800 Gemeinden gerade einmal 30 Priester. 70 Prozent der Gläubigen könnten höchstens vier Mal im Jahr die Eucharistie feiern. "Und da müssen einfach die Alarmglocken läuten", so Kräutler. Den Menschen im Amazonasgebiet gehe deshalb auch vielfach das Verständnis für die Eucharistie verloren, warnte der Bischof. Und damit würden auch die Grenzen zu den vielen evangelikalen Gruppen im Land verschwimmen, die viel Zulauf hätten.

Das Zustandekommen einer Eucharistiefeier dürfe nicht davon abhängen, ob ein zölibatär lebender Priester vorhanden sei, zeigte sich Kräutler überzeugt. Eine Konferenz der Bischöfe von Amazonien im vergangenen November habe sich bereits diesbezüglich klar ausgesprochen. Mehr Rückhalt aus anderen Kontinenten dafür - "und damit meine ich auch Europa" - wäre notwendig. Auch die österreichischen Bischöfe sollten - aus Solidarität mit Amazonien - mutige Schritte setzen, so der emeritierte Bischof von Xingu, der zugleich festhielt, dass der Wert des Zölibats damit in keiner Weise in Frage gestellt werde.

Verfolgt von der Mafia
Bischof Kräutler sprach bei der Globart Academy im Kremser Kloster zum Thema "Haltung in haltlosen Zeiten". Er kam dabei u.a. auch darauf zu sprechen, dass er selbst immer wieder wegen seines Einsatzes für Arme und Unterdrückte verfolgt wurde und wird. "Es gibt Typen, ich sage Mafiosi, die wollen einfach ihren Reichtum vergrößern. Dabei sind sie skrupellos und gehen über Leichen. Mit denen kann man nicht auf freundschaftlicher Basis reden, die hassen mich." So der Bischof, der seit elf Jahren sein Bischofshaus nicht mehr ohne Personenschutz verlassen kann. Bei einer Messe im Freien habe er gar eine kugelsichere Weste tragen müssen.

Kräutler: "Wenn ich mich so einsetze, dass es mir Probleme macht und ich mit dem Tod bedroht werde, dann braucht man einen Grund dazu: Warum mache ich das? Aus welchen Quellen schöpfe ich?" In solchen Situationen, wo man selbst an Leib und Leben bedroht werde, brauche man einen Halt, "und den finde ich im Evangelium". Vor allem auch das Gebet und hier wieder der Rosenkranz seien ihm eine wichtige Stütze.

Der Bischof betonte zudem die Bedeutung der Mystik: "Mystik ist frei werden, still werden vor Gott." Von daher komme auch seine Inspiration. Er danke Gott dafür, dass er ihm die Courage gebe, im richtigen Moment das Richtige zu sagen, wo immer das notwendig sei.

Es sei ihm jedenfalls unmöglich zu schweigen, so Kräutler - etwa, wenn hunderte Familien wie beim Bau des Kraftwerks Belo Monte die Lebensgrundlage entzogen wird oder indigenen Völker bei der aktuell geplanten Auflösung des Naturschutzgebietes "Renca" zwangsumgesiedelt werden.

Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof von Xingu, der flächenmäßig größte Diözese Brasiliens mitten im Amazonasgebiet. Der emeritierte Bischof wohnt, wenn er nicht gerade im Ausland unterwegs ist, mit seinem Nachfolger Joao Muniz Alves im gleichen Bischofshaus und ist weiter vielfältig aktiv.


Interview-Audio: "Kann nicht schweigen, wenn ein Projekt hunderten Familien die Lebensgrundlage nimmt"


Radio Vatikan, 26.9.2017
Brasilien: Über neue Weihemöglichkeit nachdenken
Mehr Solidarität mit den Katholiken im Amazonas wünscht sich der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler von der weltweiten katholischen Kirche. Mehr Solidarität bedeutet nicht nur „Geld schicken“, sondern auch pastorale Möglichkeiten anbieten, damit die Gläubigen in dem betroffenen Gebiet mit der Kirche verbunden bleiben, betont der Bischof. Eine Möglichkeit: neue Formen der Zulassung zum Weihepriestertum, damit das leidige Problem mit den Seelsorgern in einem Riesengebiet wie der Amazonas angegangen werden kann.