Donnerstag, 31. Oktober 2019

Paulo Suess: Verheiratete Priester werden kommen


Erzdiözese Wien, 31.10.2019
Amazonien-Experte Suess:
Verheiratete Priester werden kommen
Deutsch-brasilianischer Theologe und Synoden-Experte im "Kathpress"-Interview über zentrale Ergebnisse der Amazonien-Synode und Vorhaben des Papstes

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess ist fest davon überzeugt, dass Papst Franziskus den Weg für verheiratete Priester in Amazonien freigeben wird. Das hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur "Kathpress" betont. Der Papst wollte dies nicht von oben herab bestimmen, sondern habe auf die nun von der Amazonien-Synode gegebene breite Zustimmung zu diesem Schritt gewartet. Das sei auch das Neue und Besondere am synodalen Weg, "dass auf die Stimme des Volkes gehört wird". Mehr als 80.000 Menschen seien im Vorfeld der Synode in deren Vorbereitung involviert gewesen, so Suess.

Geduld bei Weiheämter für Frauen
Der 81-jährige Theologe und Priester hatte als Experte an der Synode teilgenommen. Er äußerte sich am Rande einer Tagung in Salzburg, wo am Mittwoch und Donnerstag über die Ergebnisse der Synode beraten wurde.

Suess zeigte sich überzeugt, dass sich auch hinsichtlich der Öffnung von Weiheämtern für Frauen etwas in der katholischen Kirche bewegen wird. Hier brauche es aber noch mehr Geduld, schließlich handle es sich um eine gravierende kulturelle Veränderung, "und das wird noch länger dauern". Jetzt müsse einmal das Diakonat für Frauen geöffnet werden, "und wenn sich dieses bewährt hat, wird man weitersehen". Die Dinge bräuchten einfach Zeit. Frauen würden etwa seit Jahrzehnten im Amazonasgebiet inoffiziell als Gemeindeleiterinnen fungieren, nun werde erstmals im Synodendokument offiziell die Möglichkeit der kirchlichen Beauftragung für Gemeindeleiterinnen erwähnt.

Hinsichtlich der Weihe verheirateter Männer zu Priestern wies Suess darauf hin, dass viele dieser Männer seit Jahrzehnten ihren Gemeinden vorstehen würden. Hier brauche es keine großen Ausbildungsprogramme oder Probezeiten mehr. "Hier geht es nur mehr darum, dass ihnen der Bischof die Hände auflegt und sie weiht."

Es hat auch "Bremser" gegeben
Der Theologe räumte ein, dass bei der Synode nicht alle Teilnehmer gleicher Meinung gewesen wären. Es habe auch "Bremser" gegeben, auf die man im Schlussdokument habe Rücksicht nehmen müssen. Trotzdem wolle er es so auf den Punkt bringen: "Papst Johannes XXIII. hat die Fenster aufgemacht. Papst Franziskus hat jetzt auch die Türen aufgemacht. Jetzt müssen wir halt rausgehen."

Die Kirche sei verantwortlich dafür, die Menschen in Amazonien durch das Wort Gottes und die Sakramente zu stärken. Nur beides zusammen sei wirklich katholisch. Die Synode sei ein erster wichtiger Schritt dafür gewesen.

Wenig Freude hat Suess - wie er weiter sagte - mit den zahlreichen Sekten im Amazonas-Gebiet, die regen Zulauf hätten. Diese würden sich nicht um den Umweltschutz kümmern und die Kultur der Indigenen zerstören. Die katholische Kirche müsse darauf mit einer Stärkung der indigenen Identität antworten.

Mehr Bewusstsein für Schöpfungsverantwortung und den Schutz der Umwelt brauche es im Westen wie auch in Brasilien selbst, so der Theologe. Zwar ließen sich die Ergebnisse der Amazonien-Synode nicht 1:1 auf Europa umlegen, aber in dieser Hinsicht sei die Kirche auf beiden Kontinenten gleichermaßen gefordert.

Haupthema war Zukunft der Schöpfung
Das grundlegende Thema der Synode sei das Leben und die Zukunft der Schöpfung gewesen, so Suess. Die innerkirchlichen Reformen seien diesem Grundanliegen nachgereiht - freilich für eine glaubwürdige und inhaltlich kohärente Kirche unbedingt vonnöten.

Der Theologe und Missionswissenschaftler Suess war einer der Hauptreferenten bei einer nachsynodalen Tagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil am Mittwoch und Donnerstag. Als zweiter Hauptreferent war der Amazonas-Bischof und Präsident des Indigenenmissionsrats der brasilianischen Bischöfe (CIMI), Erzbischof Roque Paloschi, angereist. Von Seiten der heimischen Bischöfe nahmen Erzbischof Franz Lackner, Bischof Werner Freistetter und Bischof Wilhelm Krautwaschl an der Veranstaltung teil. Rund 100 Vertreter von kirchlichen Umweltorganisationen bzw. entwicklungspolitischen Organisationen berieten über Konsequenzen aus der Synode für die Kirche in Österreich. Veranstalter war die Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission (KOO) der Österreichischen Bischofskonferenz.


Adveniat, 16.10.2019
Ist die deutsche Kirche reich, weil so viele arm sind?
Interview zum Welttag der Armen mit dem in Brasilien lebenden Theologen Paulo Suess

Mit dem Welttag der Armen will Papst Franziskus „die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen“. Die beiden Hilfswerke Adveniat und Misereor haben auf den verschiedenen Kontinenten Menschen interviewt, die sich mit ihrem Leben für die Armen einsetzen. Papst Franziskus holt uns aus der Komfortzone des Lebens auf den Boden des Alltags, ist der in Brasilien lebende Theologe Paulo Suess überzeugt.

Amazonien-Synode-Abend mit Erwin Kräutler in Bregenz


Vorarlberger KirchenBlatt, 31.10.2019
Zuversichtlich und optimistisch
Rund 200 Interessierte kamen am Mittwochabend (30.10.2019) in die Bregenzer Seekapelle, um Bischof Erwin Kräutler zu hören. Er erzählte von der Amazonien-Synode, von Ergebnissen und Hintergründen, von Anekdoten und Nebenschauplätzen. Seine Zuversicht und Gelassenheit steckten an.

Das Interesse für den Abend war unerwartet groß und so entschieden die Veranstalter am Nachmittag, den Vortrag von der Buchhandlung Arche in die Seekapelle zu verlegen. Eine gute Entscheidung, der Ort war stimmungsvoll, die Konzentration leicht, es gab ausreichend Platz und Luft. Neben dem Altar nahmen Bischof Erwin Kräutler und Moderatorin Judith Zortea Platz. Obwohl der Geistliche erst am Vortag aus Rom zurückgekommen war, zeigte er sich frisch und wach, beantwortete die Fragen klar und engagiert. Was zuvor aus den Medien als Faktum bekannt war, bekam dadurch neue Farbe, denn Kräutler erzählte von Hintergründen und Nebenschauplätzen und machte das Geschehen in Rom damit lebendig und greifbarer.

Das Volk einbezogen
Eine Besonderheit dieser Synode, so der emeritierte Bischof von Xingu, war deren Vorbereitung. Am 18. Jänner 2018 schon verkündete Papst Franziskus bei einem Treffen mit indigenen Völkern den Beginn. Es wurden Fragebogen verteilt, die nicht nur von Experten, sondern von allen, also auch dem "kleinen Mann und der kleinen Frau" ausgefüllt wurden. Die Umfrage wurde gebündelt und nach Rom geschickt, daraus entstand das Arbeitspapier der Synode. "Während der Synode hab ich von überallher 'Sabisabis' bekommen - das sind WhatsApp-Nachrichten bei uns in Brasilien", erzählt Kräutler. "'Wir beten für euch', hieß es dort oder 'die ganze Synode über brennen Kerzen bei uns'... Die Leute durften ja mitreden, das Ganze ist ein Prozess."

Priesterfrage
Die Situation der Menschen vor Ort bestimmte die Themen und Ergebnisse der Synode. "Bei uns haben tausende von Gemeinden nur zwei- bis dreimal im Jahr die Möglichkeit, Eucharistie zu feiern. Bei den großen Festen wie Weihnachten und Ostern ist nie ein Priester da", schilderte Kräutler die Lage. "Laien - Frauen und Männer - halten Wortgottesdienste. Warum können diese nicht der Eucharistie vorstehen, warum erhalten sie keine Weihe?" Aus dieser Situation war der Wunsch nach einer Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt entstanden. "Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats", stellte Kräutler klar. "Sondern es soll auch andere Zugänge zum Priesteramt geben."

Stimme der Frauen
Diskutiert wurde auch über die Rolle der Frau bzw. über das Frauendiakonat. Bei der Abstimmung sprachen sich acht von zwölf Gruppen dafür aus, dieses sofort einzuführen. Dieses "Sofort" schaffte es nicht in die Schlusserklärung. "Aber das Frauendiakonat ist drin im Text, es ist nicht vom Tisch", erklärte Kräutler zuversichtlich. Zudem erweiterte der Papst die Kommission, die diese Frage seit geraumer Zeit bearbeitet. Kräutler stellte eine große Wertschätzung der Frau fest, was ihn besonders freute. "Frauen sollen in Leitungspositionen kommen, damit es nicht nur männliche Entscheidungen gibt", erklärte er überzeugt. Zudem schilderte er, wie die Beiträge der über 50 teilnehmenden Frauen während der Synode vielfach mit großem Applaus bestätigt wurden. "Es war sicher die letzte Synode, bei der Frauen nicht mitstimmen durften", zeigte sich der Kirchenmann optimistisch.

Ein "amazonischer Ritus"
Ein großes Thema - gerade in Zusammenhang mit den indigenen Völkern - war die Frage der Inkulturation. "Evangelisierung muss von den kulturellen und religiösen Erfahrungen der Menschen ausgehen - sie sind der Humus, auf dem wir verkünden", brachte Kräutler die Grundausrichtung der Synode zum Ausdruck. Es gehe darum, neue Formen zu finden, die die kulturellen Ausdrucksweisen eines Volkes berücksichtigen - ob dies nun Tänze sind oder mythologische Erzählungen. Wie ein solcher "amazonischer Ritus" konkret aussehe, stehe noch nicht fest. Es gebe hunderte verschiedene Völker in Amazonien und vier Sprachgruppen - ein solcher Ritus müsse erst entwickelt werden. "Die Synode ist lediglich ein Impuls für eine neue Vision der Liturgie", so Kräutler.

Ökologische Umkehr
Das zweite große Thema neben diesen "neuen Wegen der Kirche" waren Fragen zu einer ganzheitlichen Ökologie. Seit 54 Jahren lebt der Vorarlberger in Brasilien und wurde Zeuge der jahrzehntelangen Regenwaldzerstörung, die nicht nur indigene Völker ihres Lebensraums beraubt, sondern auch fatale Auswirkungen auf das Weltklima hat. "Die Axt ist am Baum", sagte er in Vorarlberger Weise. Die Synode erklärte, dass die "Kirche ihr Potential ausnützen müsse für Gewissensbildung und Öffentlichkeitsarbeit - in allen Gemeinden, weltweit". Kräutler ist davon überzeugt, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, dass wir quasi mitschuldig sind, denn Wirtschaftsabläufe sind weltweit vernetzt. Es gehe darum, alles zu hinterfragen - woher es kommt, wie es produziert wird oder verpackt ist. Der Papst spreche von einer "ökologischen metanoia" - einer ökologischen Umkehr.

Die Fragen, die nach dem ersten Teil aus dem Publikum kamen, wurden von Kräutler in aller Offenheit beantwortet - oder, je nach Thema, offengelassen. Die Stimmung in der Kirche war ebenso locker, wie der Redende selbst, immer wieder kam es zu Zwischenapplausen. Am Ende des Gespräches ermöglichte eine kurze Schweigezeit, das Gehörte wirken zu lassen. Schließlich wurde Bischof Kräutler in minutenlangem Applaus und Standing Ovations verabschiedet. Sie waren wohl auch Zeichen der Dankbarkeit und des Respekts für sein lebenslanges, außergewöhnliches Engagement. Viele BesucherInnen folgten schließlich der Einladung in die Buchhandlung Arche, in der ein Glas Wein wartete, Bischof Kräutler seine Bücher signierte und sich auf so manche Plauderei einließ.

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Die Tagespost, 9.11.2019
Auswirkungen auf die ganze Kirche
Bischof Erwin Kräutler plädiert für die Weihe verheirateter Männer und Frauen, nicht nur in Amazonien.

Tief im Westen, hinter dem Arlberg, liegt Vorarlberg. Zumindest aus österreichischer Sicht. Hier, im „Ländle“, wie die Einheimischen ihr Bundesland nennen, hat Bischof Erwin Kräutler seine Wurzeln. Hier kennt der Amazonas-Bischof die Seinen, und die Seinen kennen ihn.

Für die Präsentation seines neuen Buchs „Erneuerung jetzt. Impulse zur Kirchenreform aus Amazonien“ ist die Buchhandlung Arche viel zu klein; man verlegt den Auftritt kurzerhand in die gegenüberliegende Seekapelle. In der Arche gewährt mir der Amazonas-Bischof ein Interview. „Es geht nicht um den Zölibat. Der wird nicht abgeschafft“, insistiert er. Aber: „Neben dem Zölibat soll es neue Zugänge zum Weihepriestertum geben. Gerade in Gegenden, wo wahnsinniger Priestermangel herrscht, so dass die Leute das ganze Jahr hindurch nicht eine Eucharistiefeier haben, ist es notwendig, dass wir neue Wege finden.“ Das sei „ein Sinn der Synode“ gewesen. „Es ging um neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie.“

„Diakoninnen wären der erste Schritt“
35 Jahre war der gebürtige Vorarlberger Bischof der Prälatur Xingu im Amazonas-Gebiet, bis 2016. „Wenn die Menschen weder an Weihnachten noch an Ostern noch an Pfingsten eine Eucharistiefeier haben, dann fehlt was. Die evangelikalen, pfingstlerischen Kirchen nützen das weidlich aus, weil wir einfach nicht da sind.“ Ein Rezept fand der Bischof in all den Jahrzehnten nicht. Außer die Forderung nach „personae probatae“, also nach der Weihe bewährter Männer und Frauen.

Verheiratete geweihte Männer wären ja nichts Neues, meint Kräutler mit Verweis auf die mit Rom unierten Ostkirchen. Die Weihe von Frauen wäre jedoch wider alle Tradition und das Ende der Ökumene mit der Orthodoxie, gebe ich zu bedenken. „Das ist eines der größten Probleme“, zeigt sich Kräutler nachdenklich. Doch er bleibt bei seiner Agenda: „Wir können das nicht von vornherein ausschließen. Es ist ein Prozess. Diakoninnen wären der erste Schritt.“

Richtig in Rage gerät der 80-jährige Bischof bei der Frage, ob er sich tatsächlich gebrüstet habe, nie einen Indio getauft zu haben: „Alles Blödsinn! Kompletter Unsinn! Ich habe vor Jahren gesagt, wir müssen schauen, dass es eine katholische Kirche mit indigenem Antlitz gibt. Es geht nicht darum, Indios zu taufen und zu denken, sie hörten damit auf, Indios zu sein und seien Christen.“ Ob er nun getauft habe oder nicht? „Aber natürlich. Tausende Indigene!“ Das Gerücht komme „aus einer bestimmten Ecke. Die machen mir das Leben manchmal zur Hölle.“

Kräutler erzählt vom Polizeischutz, den er in Brasilien seit 13 Jahren habe, von Angriffen auf ihn in Europa, „so brutal und teuflisch, wie ich es nie erwartet habe“. Ob das Zitat zur Taufe eine Fälschung sei? „Es ist total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich würde das nie so sagen.“ Die Taufe ist und bleibt heilsrelevant? „Ja, klar! Sicher!“

"Haben Sie das jetzt verstanden?"
Kräutler signiert ein Buch, verabschiedet sich. „Haben Sie das jetzt verstanden?“, ruft er mir nach. Ja, hab ich. Drüben in der Seekapelle warten Einheimische, die ihren Bischof Erwin seit Jahrzehnten verstanden haben. Man kennt einander, und das schon lange, wie nicht nur der Altersdurchschnitt nahelegt. Kräutler kommt, Kniebeuge vor dem Tabernakel, Begrüßung in Vorarlberger Mundart, dann wechselt er ins Hochdeutsche. Der Amazonas-Bischof schildert Anfeindungen, Widerstände gegen seine Agenda und einen gut zuhörenden Papst.

Bei der Synode sei es um die klimaregulierende Funktion des Amazonasgebiets für den Planet Erde gegangen. Und um neue Wege für die Kirche: „Alte Wege müssen überarbeitet werden oder sind obsolet.“ Noch vor Weihnachten erwarte er das Nachsynodale Apostolische Schreiben des Papstes, so Kräutler. Der Abschlusstext der Synode sei „nicht exzellent, aber ziemlich gut“. Beim Frauen-Diakonat habe er mehr erwartet. Es seien ja mehrheitlich Frauen, die die Wortgottesdienste halten. „Warum kann eine solche Frau nicht zum Priestertum berufen werden?“ Der Amazonas-Bischof denkt nicht nur an Amazonien. Die Synode habe „Auswirkungen auf die ganze Kirche“. Auch in Österreich gebe es Priestermangel und „Blaulichtpriester“. Darum: „Es gibt gut vorbereitete Pastoralassistenten und -assistentinnen, die die Chance bekommen sollten.“ Allerdings geht es ihm bei der Forderung nach der Weihe von Frauen gar nicht um den Priestermangel: „Das ist eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit.“

Brutaler Angriff auf die indigenen Völker
Kräutler wirbt dafür, die „Ausdrucksformen der Indigenen in unsere Liturgie zu integrieren“. Etwa die Figur der Pachamama. „Es gibt Leute, die meinen, die Pachamama sei eine Göttin“, sagt er, um auf Rückfragen zu versichern, jene Katholiken, die die Figuren nach Rom gebracht haben, seien „weit davon entfernt, sie als Gottheit zu verehren“. Dieses „Symbol der Fruchtbarkeit“ in den Tiber zu werfen, sei „ein brutaler Angriff auf die indigenen Völker“ gewesen.

An diesem Abend in der Seekapelle zu Bregenz gibt es keine Widerworte gegen Bischof Kräutlers Forderungen nach einem amazonischen Ritus und nach „personae probatae“. Dafür stehende Ovationen und heimatliche Verbundenheit. „Griaß' dahoam“, ruft „der Erwin“, wie die Moderatorin den Bischof nennt, einem zu. Was er inhaltlich zu sagen hat, kennen die Seinen längst. An einer Stelle ist er nicht mehr sicher, ob es eine Formulierung von ihm oder von Paul Zulehner ist. „Ist ja egal!“, meint er.

Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu
Stimmt. Ist wirklich egal, denn Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu. Vor wenigen Tagen startete der gleichfalls in die Jahre gekommene emeritierte Wiener Pastoraltheologe eine Online-Petition „#Amazonien auch bei uns!“. Die Amazonas-Synode sei „ein historisches Ereignis für die Weltkirche“, das „in unsere Ortskirchen Bewegung bringen“ solle. Auch Zulehner fordert, dass „Personen, die sich in den Gemeinden bewährt haben und von diesen vorgeschlagen werden, über den Weg des Diakonats der Zugang zur Priesterweihe eröffnet“ werde. Das ist es, was Bischof Kräutler mit „personae probatae“ meint.

Erwin Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen


Vorarlberg.orf.at, 30.10.2019
Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen
Am Sonntag ging die Amazonas-Synode der Katholischen Kirche zuende mit einem kirchlichen Meilenstein: Künftig können auch verheiratete Männer die römisch-katholische Priesterweihe erhalten, vorerst aber nur im Amazonas-Gebiet. Der aus Koblach stammende ehemalige Bischof Erwin Kräutler spielte bei der Synode eine entscheidende Rolle.

Frauen in Amazonien bleibt jedoch die Diakonats-Weihe weiterhin verwehrt, obwohl Frauen inzwischen ehrenamtlich großteils die Arbeit in den Amazonas-Pfarren machen. Nun soll über das Frauendiakonat immerhin weiter diskutiert werden. „Das Thema ist nicht vom Tisch“, ist Alt-Bischof Erwin Kräutler im ORF-Interview überzeugt. Ein schwacher Trost für Katholikinnen, die bei der Synode zwar mitdenken, aber nicht mitstimmen durften.

Frage wird sich auch in Vorarlberg stellen
„Die Grundfrage ist: Wie können wir dem Volk Gottes besser dienen heute?“ sagt Kräutler und verweist auf notwendige Erneuerungsprozesse, die sich allerdings gegen starke konservative Bestrebungen in aller Welt durchsetzen müssten. Auch in Vorarlberg brauche es einen solchen Schritt, „und der wird auch kommen. Ich denke, wenn es in Amazonien möglich ist, wird sich in einigen Jahren die Frage auch hier stellen“, ist der Alt-Bischof überzeugt.

Der Zölibat bleibe zwar unantastbar, „aber neben dem zölibatären Priester wird es die Möglichkeit geben, dass auch verheiratete, im Beruf stehende, vorläufig nur Männer auch geweiht werden können“, so Kräutler. Das Eine schließe das Andere nicht aus.

Priesterweihe für Verheiratete
Dass in Ausnahmefällen und vorerst nur in Amazonien ältere bereits verheiratete Männer die Priesterweihe empfangen können, werten Kirchenkenner als Punktesieg. Diesen habe der Papst am Ende der Synode gegen seine konservativen Gegenspieler errungen, mit vielleicht doch weitreichenden Folgen für die Weltkirche.

Päpstliche Entscheidung bis Ende des Jahres
Beim zweiten großen Thema – dem Umweltschutz – sprachen sich die Bischöfe klar gegen die Abholzung des Regenwalds und die Vertreibung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung aus. Erwin Kräutler wurde in den postsynodalen Rat gewählt, eine aus 13 Mitgliedern bestehende Kommission, die die Ergebnisse analysieren- und den Papst weiterhin beraten soll. Franziskus will bis Ende des Jahres entscheiden, was er nun mit den Beschlüssen der Bischofsversammlung macht.

Kathpress, 31.10.2019
Bischof Kräutler: Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch"
Für den emeritierten Amazonas-Bischof Erwin Kräutler ist das Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch". In einem ORF-Interview am Mittwoch zeigte sich der aus Vorarlberg stammende Bischof zufrieden damit, dass das Frauendiakonat während der vatikanischen Sondersynode über Amazonien und auch weiterhin diskutiert werde, auch wenn "die Erwartung war, dass etwas passiert". Entschieden wurde u.a., dass die vom Papst 2016 eingesetzte Studienkommission über das Diakonat der Frau ihre Arbeit wieder aufnimmt. Dadurch "dauert es noch ein bisschen länger, aber es kommt, ich sag's nach wie vor."

Aus der TV-Mediathek:

Vorarlberg heute, 30.10.2019
Amazonas-Synode geht zu Ende
Kirchenkenner sehen in der am Sonntag zu Ende gegangenen Amazonas-Synode einen kleinen Meilenstein. In Zukunft könnten nämlich auch verheiratete Männer die römisch-katholische Priesterweihe erhalten.

Vorarlberg heute, 30.10.2019
Alt-Bischof Erwin Kräutler im Gespräch
Alt-Bischof Erwin Kräutler spricht über die Diakonatsweihe für Frauen, die Situation im Amazonasgebiet und die Ansichten in Rom.


Zum Thema:

NZZ, 31.10.2019
Nach der Amazonas-Synode:
Papst Franziskus muss den Zölibat lockern
Die Amazonas-Synode hat konkrete Vorschläge gebracht, zum Beispiel zur Lockerung des Zölibats. Wenn Franziskus nicht zum Papst der Ankündigungen werden will, muss er sie umsetzen.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Mysteriöse Ölpest an Brasiliens Küste


Deutsche Welle, 30.10.2019
Ölpest bedroht brasilianischen Naturpark
Seit zwei Monaten verschmutzt Rohöl unbekannten Ursprungs die brasilianische Küste. Das Öl könnte schon bald auch die Inselgruppe Abrolhos erreichen und dort Korallenriffe und seltene Tierarten verseuchen.

Kathpress, 30.10.2019
Bischöfe entsetzt über Ölkatastrophe an Brasiliens Stränden
Kirchen-Appell zu sofortigem "ökologischen Umdenken" angesichts von 2.000 durch Öl verschmutzten Küstenkilometern - Ölpest bedroht mittlerweile auch Naturpark Abrolhos in Bahia

ORF, 24.10.2019
Brasilien kämpft gegen mysteriöse Ölpest
Brasilien wird seit zwei Monaten von einer mysteriösen Ölpest heimgesucht. An mehr als 200 Stränden im Nordosten des Landes wurde Öl angeschwemmt. 600 Tonnen wurden bereits eingesammelt – zu einem Gutteil von Privatpersonen und NGOs. Präsident Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, viel zu spät reagiert zu haben. Und es ist vollkommen unklar, woher das Öl stammt.

ntv, 8.10.2019
Bolsonaro verdächtigt Ausland
Schwere Ölpest trifft auf Brasiliens Küste
An immer mehr Stränden entlang der brasilianischen Küste schwemmt das Meer klebriges Öl an. Die Herkunft des giftigen Schlamms ist unklar. Staatschef Bolsonaro deutet an, ein anderes Land könne verantwortlich sein.

NZZ, 11.10.2019
Mysteriöse Ölpest verdreckt Brasiliens Traumstrände
Es gibt viele Vermutungen darüber, wie das angespülte Rohöl in den brasilianischen Nordosten gekommen ist. Manche verdächtigen das Nachbarland Venezuela.



Folha de S.Paulo, 31.10.2019
Cientistas delimitam três áreas que podem ser a origem do vazamento de óleo
Grupo da UFRJ investiga derramamento a pedido da Marinha; principal desafio é falta de informação


Folha de S.Paulo, 30.10.2019
Mourão diz que navio legal que ejetou combustível é provável culpado por óleo
Presidente interino disse que Bolsonaro pode anunciar o responsável ainda nesta semana


Folha de S.Paulo, 26.10.2019
Análise de manual para conter óleo mostra que governo demorou a agir
União ignorou perguntas que determinam gravidade do desastre e acionam plano de contenção

O Globo, 29.10.2019
Protocolo internacional para limpeza de óleo nas praias traz alertas para 4 situações enfrentadas no Nordeste
Federação internacional que atua com o Ibama tem orientações para limpeza segura, mas métodos usados no litoral brasileiro diferem dos indicados pelo protocolo.

Jornal da Globo, 26.10.2019
Pesquisadores encontram produto que ajuda na limpeza de óleo no litoral do Nordeste
A origem do vazamento ainda é um mistério. A Petrobras diz que o óleo do Nordeste é uma mistura de três campos venezuelanos.

Montag, 28. Oktober 2019

„Die Synode stellt alles dar, wofür Dorothy Stang lebte und starb“


VaticanNews, 28.10.2019
Tom Stang:
„Die Synode stellt alles dar, wofür meine Schwester lebte und starb“
Eine ergreifende Zeremonie für die Opfer der Dammbruch-Katastrophe in Brumadinho wurde an diesem Samstag am Rand der Synode in der römischen Kirche Santa Maria in Traspontina gefeiert. Mit dabei war auch Tom Stang, der Bruder der in Brasilien ermordeten Ordensfrau Dorothy Stang. Wir haben mit ihm gesprochen.

Schwester Dorothy hatte sich unermüdlich für die Belange der Armen eingesetzt und wurde dafür 2005 von Auftragsmördern hingerichtet. In der Synodenaula war die Erinnerung an Dorothy sehr präsent: Ihr Abbild prangte mit dem von weiteren Märtyrern, die ihr Leben für den Kampf um Umweltschutz und Menschenrechte hingegeben haben, am Kopfende des Saales, genau dort, wo der Papst während der Beratungen mit den Synodenteilnehmern saß. Schwester Dorothy hatte zeitlebens gegen eine Art von Profitgier gekämpft, die Mensch und Umwelt zynisch missachtet – genau die Art von Industrie also, die letztlich den Dammbruch von Brumadinho in Kauf nahm, der rund 250 Menschen das Leben kostete und zu nachhaltigen Umweltschäden führte.

„Ich weiß nur, dass meine Schwester komplett dafür einstand, ein einfaches Leben zu leben. So wie sie es immer sagte: das einfache Leben leben, so dass einfach jeder leben kann“, erzählt uns ein sichtlich ergriffener Tom, der zur Amazonassynode nach Rom gekommen war und an der Zeremonie für die Opfer von Brumadinho teilnahm. Es habe seine Schwester sehr bedrückt, wenn sie den von exzessivem Konsum geprägten Lebensstil in ihrer Heimat USA vor Augen geführt bekam. „Es störte sie sehr, dass wir es einfach nicht verstanden haben, dass wir ein einfacheres Leben führen müssen, damit andere einfach leben können. Und ich denke, sie war diesem Konzept komplett verschrieben.“


In einem Kreis auf dem Boden der Kirche waren rund um den Schriftzug „Gerechtigkeit für Brumadinho“ die Fotos der Menschen ausgestellt, die bei der Tragödie von Brumadinho Anfang des Jahres ihr Leben verloren hatten. Lachend, sorglos, Pläne schmiedend, die nie in Erfüllung gehen sollten. Ihrer gedachten die zahlreichen Menschen, die an diesem Samstag den Weg in die kleine Kirche an der Via della Conciliazione, nur einen Steinwurf vom Vatikan entfernt, gefunden hatten. Zum Ende der Zeremonie dann ein besonderer Moment, erzählt Stang: „Als sie jeden dazu aufgerufen haben, zum Geist der Katakomben zurückzukehren, das war sehr beeindruckend. Der Ort war voller Bischöfe und Kardinäle, die sich selbst dazu verpflichtet haben, kein Leben im Überfluss zu leben, sondern ein einfaches Leben, Hand in Hand mit den Armen, denen sie dienen. Das hat mich sehr berührt. Meine Schwester war berühmt für den Ausdruck: Wenn du das Leben der Armen führst, dann wirst du verstehen, wie du handeln musst.“

Denn letztlich sei alles „ganz einfach“, habe seine Schwester immer wieder gesagt: „Alles, was du tun musst, ist mit den Armen leben, ihr Essen essen, den Lebensstil der Armen leben - dann wirst du keinen Zweifel haben, was zu tun ist. Du brauchst keine jahrelange Forschung der Moraltheologie, um zu entscheiden, was jetzt zu tun ist.“

Seine Schwester habe der Kongregation Notre Dame de Namur angehört, die sich für die Ausbildung Armer einsetzt, und sei auch selbst zeitlebens eine „wundervolle“ Lehrerin gewesen, erinnert sich Tom Stang. Dorothy habe viele wertvolle Lektionen hinterlassen, die nun „hoffentlich in die Tat umgesetzt“ würden. Er habe kurzfristig beschossen, zur Synode nach Rom zu reisen, berichtet der Bruder der kämpferischen Ordensfrau:

„Vor zwei Wochen habe ich mir selbst gesagt, meine Güte, diese Synode ist alles, wofür meine Schwester gelebt hat und gestorben ist. Die Sorge um Mutter Natur, die Sorge um die Armen. Und so habe ich gesagt, ich muss unbedingt für das Ende der Synode hier sein. Ich weiß nicht, wie oder warum, aber ich muss einfach hier sein, um das zu ehren, worüber Hunderte von Leuten drei Wochen beraten haben. Und ich kam hier an und wurde geradezu mit Liebe überwältigt, von Bischöfen, Kardinälen, allen möglichen Leuten! Und ich weiß, dass die Liebe, die ich empfange, Dorothy gilt. Es ist offensichtlich, dass die Liebe für sie überwältigend ist. Und ich bin der glückliche Empfänger all dieser Liebe….“

Hintergrund
Dorothy Stang, Jahrgang 1931, kam 1966 nach Brasilien, wo sie für den Erhalt des Regenwaldes und den Respekt und die Rechte der dortigen Bevölkerung eintrat. Damit war sie den Großgrundbesitzern rasch ein Dorn im Auge und bekam zeitlebens Morddrohungen. Am 12. Februar 2005 wurde sie auf dem Weg zu einem Treffen im Dschungel von zwei Arbeitern im Auftrag lokaler Großgrundbesitzer kaltblütig ermordet. Nach jahrelangen Prozessen wurden schließlich zwei Großgrundbesitzer dafür verurteilt, den Mord an der Ordensfrau in Auftrag gegeben zu haben. Erst im April dieses Jahres wurde der zweite Auftraggeber festgenommen, nachdem er jahrelang unbehelligt auf freiem Fuß geblieben war.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Papst beendet Amazonas-Synode mit Messe


Katholisch.at, 27.10.2019
Papst beendet Amazonas-Synode mit Appell gegen Ausbeutung
Abschlussmesse der dreiwöchigen Bischofsversammlung im Petersdom - Franziskus warnt vor Überlegenheitsdenken und Verachtung anderer Traditionen als Hauptgründe für Unterdrückung

Mit einer feierlichen Messe im Petersdom ist am Sonntag die Amazonas-Synode im Vatikan zu Ende gegangen. Das dreiwöchige Bischofstreffen hatte sich mit der Situation der Menschen in dem lateinamerikanischen Regenwaldgebiet befasst. In seiner Predigt verurteilte Papst Franziskus die Verachtung fremder Traditionen und ein Überlegenheitsdenken, das zu Unterdrückung und Ausbeutung führe. Auch unter praktizierenden Katholiken sei ein solches Denken verbreitet, kritisierte der Pontifex.

Der Papst beklagte ein "vernarbtes Antlitz Amazoniens". Die Fehler der Vergangenheit hätten nicht genügt, damit aufzuhören, "die anderen auszuplündern und unseren Geschwistern wie auch unserer Schwester Erde Wunden zuzufügen", sagte der Papst. Aus dem Gedanken heraus, besser zu sein als andere, würden deren Traditionen verachtet, ihre Geschichte ignoriert, Territorien besetzt und Güter in Beschlag genommen, weil man deren Eigentümer für rückständig und unbedeutend halte.

Auch manche Christen, die am Sonntag zur Messe gingen, frönten "dieser Religion des Ich", so Franziskus. Gläubige sollten "um die Gnade bitten, dass wir uns nicht für besser halten, dass wir nicht meinen, bei uns sei alles in Ordnung, dass wir nicht zynisch und spöttisch werden". Auf der Synode hätten gerade die Indigenen bezeugt, "dass es möglich ist, die Realität auf andere Art zu betrachten und sie mit offenen Händen als Geschenk anzunehmen, die Schöpfung nicht auszubeuten, sondern als ein zu hütendes Haus zu bewohnen und auf Gott zu vertrauen", sagte der Papst.

Signal für Neuaufbruch

Bei seinem anschließenden Angelus-Mittagsgebet verlangte der Papst mit Blick auf die Synode einen "Neuaufbruch" für die katholische Kirche. Der Schrei der Armen und der Erde sei von Amazonien herübergelangt. "Nach diesen drei Wochen können wir nicht so tun, als hätten wir in nicht gehört", sagte er vor den Tausenden Gläubigen und Besuchern auf dem Petersplatz. Die Armen zusammen mit Bischöfen, Jugendlichen und Wissenschaftlern drängten dazu, nicht gleichgültig zu bleiben.

Die Kirche müsse, betonte Franziskus, ihre "behaglichen Gestade" verlassen und in See stechen, "nicht in die sumpfigen Gewässer der Ideologien, sondern aufs offene Meer, wo der Heilige Geist uns ruft, die Netze auszuwerfen". Dafür gelte es, alte Schemata hinter sich zu lassen und als Kirche arm, missionarisch und synodal zu sein. Vor dem Hintergrund innerkatholischer Polemiken um indigene Riten spielte der Papst auf die Würdigung lokaler Traditionen an: Die Verehrung der Muttergottes im Amazonasgebiet verdanke sich nicht einer Eroberung, sondern ihrer Inkulturation, sagte er.

Am Sonntag endete die drei Wochen zuvor eröffnete Bischofssynode über Amazonien. Im Mittelpunkt der Beratungen standen pastorale Herausforderungen, aber auch Umweltschutz sowie die Rechte und Traditionen der indigenen Völker. Die Versammlung war von scharfer Polemik ultrakonservativer Katholiken gegen indigene Riten begleitet gewesen.

VaticanNews, 27.10.2019
Papstmesse zum Ende der Synode: Gegen eine „Religion des Ich“
Mit einer feierlichen Messe im Petersdom ist am Sonntag die Amazonas-Synode im Vatikan auch liturgisch zu Ende gegangen. Das dreiwöchige Bischofstreffen hatte sich mit der Situation der Menschen im lateinamerikanischen Regenwaldgebiet befasst.


Vatican News Youtube, 26.10.2019
Pope Francis-Closing of the proceedings of the Synod of Bishops 2019-10-26

Stimmen zum Abschluss der Amazonas-Synode


Domradio.de, 27.10.2019
Stimmen zum Abschluss der Amazonas-Synode
"Es ist Zeit zu handeln"
Mit einer Messe im Petersdom ist die Amazonas-Synode zu Ende gegangen. Viele Synodenteilnehmer zeigen sich mit den Ergebnissen zufrieden und bewerteten das Treffen als historisch. Für Kardinal Marx hat es gar "Bedeutung für die ganze Welt".

Religion.orf.at, 26.10.2019
Bischofssynode: Weihe Verheirateter in Ausnahmefällen
Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die ausnahmsweise und auf eine Region beschränkte Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen.

VaticanNews, 27.10.2019
Schönborn: Synode starkes Lebenszeichen für Amazonien und Kirche
Als ein „starkes Lebenszeichen für Amazonien und die Kirche“ hat Kardinal Christoph Schönborn das Ergebnis der Bischofssynode zu Amazonien bezeichnet. Von dem am Samstagabend verabschiedeten Abschlussdokument gingen „starke Impulse“ an die Weltgemeinschaft aus, sowohl was den ökologischen Erhalt des für das Weltklima wichtigen Amazonas-Regenwaldes als auch den Schutz der dort lebenden Menschen betrifft.

Katholisch.de, 27.10.2019
Kirche, Wissenschaft und Jugend bei Umweltschutz wichtige Verbündete
Kardinal Marx: Amazonas-Synode zeigt neue Öko-Allianz
Es gehe um nicht weniger als die Zukunft der Erde und der Menschheit: Kardinal Reinhard Marx sieht die katholische Kirche in der Pflicht als wichtige Fürsprecherin für den Klimaschutz - zusammen mit Jugendlichen und Wissenschaft.

Der Standard, 27.10.2019
Amazonas-Synode für ausnahmsweise Priesterweihe von Verheirateten
In Zukunft sollen "geeignete und anerkannte Männer" in dem Regenwaldgebiet zu Priestern geweiht werden können, auch wenn sie eine Familie haben

VaticanNews, 27.10.2019
Amazonas-Bischof: „Vielleicht in zehn Jahren Viri probati“
Der deutsch-brasilianische Bischof Johannes Bahlmann könnte sich vorstellen, in seinem Bistum Obidos im brasilianischen Amazonasgebiet in etwa zehn Jahren verheiratete Priester zu haben. Das sagte er am Samstagabend in einem Interview mit Radio Vatikan.

Vorarlberg.orf.at, 28.10.2019
Altbischof Kräutler mit Synode teilweise zufrieden
Verheiratete Männer sollen in Ausnahmefällen – und vorerst nur in Südamerika – römisch-katholische Priester werden können. Mit diesem Beschluss ist am Sonntag im Vatikan die dreiwöchige Amazonien-Synode zu Ende gegangen. Der Koblacher Altbischof Erwin Kräutler war eine Schlüsselfigur – er ist mit den Ergebnissen teilweise zufrieden.

VaticanNews, 29.10.2019
„Papst wird kaum umhin können, den Zölibat zu lockern“
Nach dem Ende der Amazonien-Synode im Vatikan liegt es nun an Papst Franziskus, seine Schlüsse aus dem vorliegenden Schlussdokument zu ziehen und den Weg für die Weihe verheirateter „bewährter Männer“ frei zu machen. Dem Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück zufolge wird der Papst dieser Empfehlung wohl auch folgen, „will er nicht als Papst der Ankündigungen in die Geschichte eingehen“.

Adveniat, 27.10.2019
"Eine Synode des Aufbruchs mit einem Dokument des Neuanfangs"
Der Adveniat Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz zieht eine positive Bilanz der Amazonas-Synode. Angesichts der Tatsache, dass sich die alten hierarchischen Strukturen in der Kirche überlebt hätten, habe das Amazonas-Netzwerk Repam in Rom gezeigt, wie Kirchesein heute geht.

Feinschwarz, 31.10.2019
Wenn der Fluss über die Ufer tritt … Über die gerade abgeschlossene Amazoniensynode
Ein Exklusivbericht der Synodenteilnehmerin Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode.

Erzdiözese Wien, 31.10.2019
Amazonien-Experte Suess: Verheiratete Priester werden kommen
Deutsch-brasilianischer Theologe und Synoden-Experte im "Kathpress"-Interview über zentrale Ergebnisse der Amazonien-Synode und Vorhaben des Papstes

Samstag, 26. Oktober 2019

Schlussdokument der Amazonien-Synode veröffentlicht


#SinodoAmazonico – Documento finale del Sinodo dei Vescovi al Santo Padre Francesco (26 ottobre 2019) (Original in Spanisch)

#SinodoAmazonico – Votazioni del Documento finale del Sinodo (Abstimmungen der 181 Synodenväter)

Wichtige Abschnitte in deutscher SpracheDomradio.de, 27.10.2019 >>

VaticanNews, 26.10.2019
Amazonien-Synode: Das steht im Schlussdokument
Die Amazonien-Synode im Vatikan ist mit einem Aufruf der Teilnehmenden zu einer ganzheitlichen Umkehr in der katholischen Kirche zu Ende gegangen. Das Schlussdokument, das der Vatikan am Samstagabend veröffentlichte, spricht von vier Arten der Bekehrung: pastoral, ökologisch, kulturell und synodal. Angeregt wird auch die Weihe verheirateter Männer zu Priestern für entlegene Gemeinden sowie die Entwicklung eines amazonischen katholischen Ritus. Das Thema Frauendiakonat bleibt offen.

Das etwa 30 Seiten lange Schlussdokument der Amazonien-Synode teilt sich in fünf Kapitel auf, wobei das erste die Basis der übrigen vier bildet. „Amazonien: vom Zuhören zur ganzheitlichen Umkehr“ ist es überschrieben. Es spricht vom Schrei der Armen, den „Attentaten gegen die Natur“, dem bedrohlichen Verlust des Regenwaldes, der Migration, der Ausbeutung und der Antwort der Kirche in dieser Lage. Heute habe „die Kirche die historische Chance, sich von den neuen Kolonialkräften zu unterscheiden, indem sie den amazonischen Völkern zuhört“ (15).

Darüber hinaus öffne „die sozio-ökonomische Krise neue Gelegenheiten, Christus in all seiner befreienden und humanisierenden Kraft“ zu verkünden. Der Schrei der Erde und der Schrei der Armen nötige der Kirche eine umfassende Bekehrung ab, persönlich ebenso wie gemeinschaftlich. Mittelpunkt dieser Bekehrung sei „das lebendige Evangelium, das Jesus Christus ist“ (19).

Neue Wege pastoraler Bekehrung
„Kirche ist Mission!“ (21), heißt es mit Ausrufezeichen in diesem Kapitel. Die Synode stellt hier ihr Grundlagenverständnis einer Kirche der Zukunft vor: eine samaritanische, barmherzige, solidarische Kirche, eine „magdalenische“ Kirche, „die sich geliebt und versöhnt fühlt und mit Freude und Überzeugung den gekreuzigten und auferstandenen Christus verkündet“ (22).

Es folgt ein Verweis auf Ökumene und den Dialog mit indigenen Religionen: die Beziehungen zu Pfingstkirchen, Charismatikern und Evangelikalen sei in Amazonien „nicht einfach“, die Anziehungskraft dieser Kirchen für katholische Gläubige müsse Anlass zur Gewissenserforschung sein (24). Bei einer Annäherung helfen könne das gemeinsame Interesse an Wort Gottes. Die Synode schlägt unter anderem gemeinsame Bibelübersetzungen in lokale Sprachen sowie theologische Treffen vor.

“ Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden ”

Indigene Religionen indessen „verdienen gekannt und in ihren eigenen Ausdrücken und ihren Beziehungen zum Wald und zur Mutter Erde verstanden zu werden“ (25). In der Begleitung amazonischer Völker müsse die katholische Kirche auch besonders indigene Berufungen fördern: „Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden“ (26).

Mehr Aufmerksamkeit müsse Migranten und Jugendlichen gelten. Die Kirche sehe in den jungen Menschen einen „theologischen Ort“, sie seien „Propheten der Hoffnung“, dialogorientiert und aufmerksam für „das gemeinsame Haus“, also die Schöpfung. Dank spricht die Synode den wandernden missionarischen Gruppen aus, die die Menschen in eine „Besuchspastoral“ miteinbeziehen. Diese Form der Seelsorge entspreche „den derzeitigen Möglichkeiten“ der Kirche in Amazonien.

Neue Wege kultureller Bekehrung
Wirklich „einheimische“ katholische Kirchen in Amazonien können nur dort entstehen, wo das Evangelium „inkulturiert“, also kulturell beheimatet ist. Solche Kirchen seien „vereint im einen Glauben an Christus und verschieden in ihren Weisen, diesen Glauben zu leben, zu zeigen und zu feiern“ (42).

In diesem Kapitel ergreift die Synode klar Partei für eine Allianz mit den amazonischen Völkern. Sie spricht davon, „Attentate gegen das Leben und die Gemeinschaften Indigener“ anzuzeigen und Projekte zu demaskieren, die deren Rechte einschränken. „Die Anwesenheit der Kirche in den indigenen und traditionellen Gemeinden braucht das Bewusstsein, dass die Verteidigung der Erde keinen anderen Zweck hat als die Verteidigung des Lebens“ (46). Für die Kirche sei diese Verteidigung des Lebens, der Gemeinschaften, der Erde und der Rechte der Indigenenvölker „ein Prinzip des Evangeliums“ (47).

Volksfrömmigkeit sei ein wichtiges Verbindungsglied vieler amazonischer Völker zu ihren spirituellen und kulturellen Wurzeln. Diese Ausdrücke des Glaubens müssten in der Kirche „wertgeschätzt, begleitet, gefördert und manchmal gereinigt“ werden, da sie als „privilegierte Momente der Evangelisierung“ zur Begegnung mit Christus führen (52). Zum Reichtum der indigenen Kultur gehöre auch die indigene Theologie.

„Wir weisen eine Evangelisierung im Kolonialstil zurück“
Klar weist das Synodendokument die Vorstellung zurück, Kirche könne heute noch gleichsam als Kolonialherrin, von oben herab, auftreten. „Wir alle sind dazu eingeladen, uns den amazonischen Völkern auf Augenhöhe zu nähern, ihre Geschichte, ihre Kulturen, ihren Stil des ,guten Lebens´ zu respektieren. Kolonialismus ist das Auferlegen bestimmter Lebensarten von einem Volk auf das andere, wirtschaftlich, kulturell oder religiös. Wir weisen eine Evangelisierung im Kolonialstil zurück. Die Frohe Botschaft von Jesus verkünden heißt, die Samen des Wortes anzuerkennen, die in den Kulturen angelegt sind.“ (55).

Neue Wege ökologischer Bekehrung
„Unser Planet ist ein Geschenk Gottes“, beginnt dieses Kapitel (65) und lenkt den Blick auf dringend erforderliches Handeln angesichts einer „sozioökologischen Krise“ im noch nie dagewesenen Maßstab. Sich als katholische Kirche mit der unbegrenzten Ausbeutung des „gemeinsamen Hauses und seiner Bewohner“ auseinanderzusetzen, sei dringend, zur ganzheitlichen Ökologie gebe es keine Alternative, sie sei nicht irgendein zusätzlicherWeg, den die Kirche wählen könne, um die Zukunft dieses Gebiets zu sichern: „Sie ist der einzige mögliche Weg.“ (67)

Die Synode beklagt die Kriminalisierung von Führungspersonen, die die Rechte der angestammten Bevölkerung verteidigen. Die Verteidigung der Menschenrechte, für Einzelne wie für Gemeinschafen, sei für Christen nicht einfach optional (70), sondern „eine Erfordernis des Glaubens“. Auch wenn es nicht immer möglich sei, das vorherrschende zerstörerische Entwicklungsmodell zu ändern, müsse die Kirche zumindest klar machen, auf welcher Seite sie steht und „wie sie die politische und ethische Dimension“ ihres Glaubens übermittelt. Die Synode ruft in diesem Sinn zu einer „radikalen Energiewende“ hin zu nachhaltigen Quellen auf.

“ Wir wollen eine Spiritualität der ganzheitlichen Ökologie ”

Drei Absätze des Kapitels gelten neuen Modellen für gerechte, solidarische und nachhaltige Entwicklung. Das neue Paradigma müsse „sozial inklusiv“ sein und wissenschaftliche wie traditionelle Kenntnisse zu vereinen wissen, auch das überlieferte Wissen der Indigenen mit ihrer Kosmovision (73). Jedes einzelne Vorhaben zum Abbau von Rohstoffen in Amazonien müsse auf seinen Wert für das Gebiet und seine Bevölkerung hin bewertet werden. Profit dürfe nicht höher stehen als Umweltfragen und Menschenrechte. Die Soziallehre der Kirche umfasse schon längere Zeit auch die ökologische Frage, heute sehe sie sich „bereichert mit einem umfassenderen Blick“. Wie Indigene mit ihren Lebensgebieten umgehen und sie schützen, sei eine gute Leitlinie für die Umkehr zur ganzheitlichen Ökologie (79). „Wir wollen eine Spiritualität der ganzheitlichen Ökologie annehmen“, heißt es an einem Punkt.

Zwei konkrete Beiträge empfiehlt die Synode: Zunächst einen Weltfonds einzurichten, der die Gemeinschaften in Amazonien für ihre ökologische Arbeit entschädigt und sie zugleich vor ausbeuterischen Vorhaben von Konzernen schützt (83). Zweitens ist aus Sicht der Synode eine ökologisch-pastorale Dokumentationsstelle einzurichten, die der Verteidigung des Lebens dient. An den Papst ergeht die Bitte, im Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen eine eigene Unterabteilung für Amazonien einzurichten, die mit der neuen Dokumentationsstelle zusammenarbeitet.

Neue Wege synodaler Bekehrung
Damit die Kirche wirklich miteinander voranschreitet, braucht sie heute eine Umkehr zur synodalen Erfahrung (88), hält die Synode fest. Dieses neue Miteinander brauche eine Kultur des Dialogs und des Zuhörens, der geistlichen Unterscheidung, des Konsens „um Räume und Modalitäten geteilter Entscheidung zu finden und auf die pastoralen Herausforderungen zu antworten“. So werde sich im Leben der Kirche eine geteilte Verantwortung „im Geist des Dienens“ herausbilden. Die Synode stellt diese Aufgabe als dringlich heraus, um „Klerikalismus und willkürliche Eingriffe“ zu überwinden.

Besonders hebt die Synode die Mitverantwortung der Laien hervor. „Wir erkennen die Notwendigkeit an, die Räume für die Teilhabe von Laien zu stärken und zu erweitern, beim Beraten wie auch beim Entscheiden“ (94). Für die amazonische Kirche sei es dringend, „Dienste an Männer und Frauen gleichermaßen“ zu verleihen. Die Synode empfiehlt ein neues Modell der seelsorgerlichen Verantwortung: Der Bischof könne für begrenzte Zeit in Gemeinden ohne Priester die Ausübung der Seelsorge an eine Person ohne Weihe aus der Gemeinde selbst übertragen, und zwar als Rotationsmodell, um „Personalismen“ zu vermeiden (96). Überdies bitten die Synodenväter darum, in Amazonien ein neues Amt ausdrücklich für Frauen einzuführen, nämlich „die weibliche Gemeindeleiterin“ (102).

Das Dokument vermeidet den Begriff „Viri probati“
Vorsichtiger gibt sich das Dokument mit dem Diakonat der Frau. Das Thema sei bei den Beratungen vor der Synode und der Synode selbst sehr präsent gewesen, heißt es audrücklich. Man bitte darum, die Erfahrungen aus Amazonien mit der Studienkommission teilen zu können, die im Auftrag von Papst Franziskus geprüft hatte, welche Aufgaben den Diakoninnen der Ukirche historisch zukamen und was das für die Zukunft heiße. „Wir erwarten ihre Ergebnisse“, heißt es in Punkt 103.
Unter dem Titel „Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des synodalen Kommunion“ schließlich befürwortet die Synode die Priseterweihe verheirateter Diakone, wobei das Dokument den Ausdruck „Viri probati“ vermeidet. „Wir schätzen den Zölibat als Gabe Gottes“, heißt es (111), „und wir beten um viele Berufungen zum zölibatären Priestertum.“ Allerdings: rechtmäßige Unterschiede schädigten die Einheit der Kirche nicht, sondern dienten ihr, wie auch die Vielfalt der existierenden Riten und Disziplinen bezeuge. Deshalb schlage man angesichts des Priestermangels vor, Kriterien zu erstellen, „um geeignete und von der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern zu weihen, die ein fruchtbares ständiges Diakonat innehaben“. Diese Priester mit bereits bestehender Familie könnten „in den entlegensten Regionen des Amazonas das Wort verkünden und die Sakramente feiern“.

Auch einen neuen „amazonischen Ritus“ schlägt die Synode vor. Eine eigens eingerichtete Kommission müsse diese Frage inden Blick nehmen. Der neue Ritus würde an die Seite der 23 bereits bestehenden Riten treten und „das liturgische, theologische, disziplinäre und geistliche Erbe Amazoniens“ zum Ausdruck binrgen; an dieser Stelle verweist das Schlussdokument der Synode auf das, was „Lumen Gentium“ für die Ostkirchen festhält.


VaticanNews, 26.10.2019
Synoden-Schlusspapier: Die Kernsätze
Hier finden Sie einige Kernsätze aus dem Schlussdokument der Sondersynode zum Amazonas, über das die Synodenväter an diesem Samstag abgestimmt haben. Der Text wurde dem Papst überreicht. Eine deutsche Fassung gibt es (noch) nicht.

VaticanNews, 27.10.2019
Amazonien-Synode: Wie war's? Ein Insider-Interview
Im Vatikan endet an diesem Sonntag mit einer feierlichen Papstmesse im Petersdom die Amazonien-Synode. 21 Tage hat sie gedauert, und immer dabei in diesen drei Wochen war unsere Kollegin Gudrun Sailer. Sie figurierte als „Mitarbeiterin für Kommunikation, deutsche Sprache“ auf der amtlichen Teilnehmerliste und hatte freien Zugang zur Synodenaula. Im Bilanzgespräch blickt sie zurück auf diese Versammlung, auf das Dokument, die Themen, die Marginalien und die Befindlichkeiten.

Kathpress, 28.10.2019
Insiderin: Synode erlebte zwischenzeitlich eine Krise
In den letzten Synodentagen sei "viel passiert", besonders nach der Präsentation des Entwurfs für das Schlussdokument, berichtete die Redakteurin. Dieser Erstentwurf sei von manchen Bischöfen als so schlecht empfunden worden, dass manche ernsthaft in den Raum stellten, es wäre besser, gar kein Dokument vorzulegen. Nach den Eingaben und Überarbeitungen - insgesamt gab es 832 Änderungsvorschläge, die noch berücksichtigt werden mussten - seien viele erleichtert über das Endergebnis gewesen.

Katholisch.de, 28.10.2019
Von Ökologie über indigene Kultur bis Diakoninnenweihe
Analyse der Synode: Vier Wege der Bekehrung und Mut zu Kreativität
Die Synodalen haben viele Punkte verhandelt – manch einer beklagte, dass neben Klimaschutz und "viri probati" andere Themen zu kurz kämen. Doch nach drei Wochen Amazonas-Synode steht ein differenziertes Abschlusspapier, schreibt Johannes Schidelko und analysiert die wichtigsten Punkte.

Domradio.de, 27.10.2019
Die Amazonas-Synode zusammengefasst
31 Seiten Kirchengeschichte?
Die Christen im Amazonas waren der Kern der außerordentlichen Bischofssynode. Das am Wochenende veröffentlichte Schlussdokument schlägt unter anderem Ausnahmen für den Zölibat vor. Es darauf zu reduzieren, wäre aber zu kurz gegriffen.

Freitag, 25. Oktober 2019

Versenkte Pachamama-Statuen unbeschädigt wiedergefunden

VaticanNews, 25.10.2019
Entwendete Indigenen-Statuen unbeschädigt wiedergefunden
Die freudige Nachricht hat Papst Franziskus den Synodenvätern selbst überbracht. Bei der Generalkongregation an diesem Freitagnachmittag hat er mitgeteilt, dass die Holzfiguren zweier schwangerer Indigenen-Frauen, die vor wenigen Tagen in Rom in den Tiber geworfen wurden, wieder aufgefunden worden sind.

„Guten Tag, ich möchte noch etwas zu den aus der Kirche „Sante Maria in Traspontina“ entwendeten Pachamama-Statuen sagen, mit deren Anwesenheit keine götzendienerische Absicht verfolgt wurde und die man in den Tiber geworfen hat.

Das ist in Rom geschehen, und als Bischof der Diözese Rom bitte ich alle Menschen, die durch diese Geste beleidigt wurden, um Vergebung.

Die Statuen, die so viel Medienrummel verursacht haben, wurden im Tiber gefunden und sie sind nicht beschädigt.

Der Kommandant der Carabinieri möchte, dass man darüber informiert, ehe es publik wird. Im Moment handelt es sich um eine vertrauliche Nachricht, und die Statuen befinden sich im Büro des Kommandanten der italienischen Gendarmerie.

Das Carabinieri-Kommando ist für jeden Vorschlag dankbar, den Sie bezüglich der Art und Weise der Veröffentlichung dieser Nachricht und anderer Initiativen machen wollen, die Ihnen in dieser Sache angemessen erscheinen. Der Kommandant hat beispielsweise den Vorschlag gemacht, die „Statuen bei der Messe zum Abschluss der Synode auszustellen“. Man wird sehen. Ich beauftrage den Staatssekretär damit, darauf zu antworten.

Das ist eine gute Nachricht, danke.“


Kathpress, 26.10.2019
Papst will Indigenen-Figuren bei Messe im Petersdom zeigen
Nach Diebstahl der von konservativen Katholiken heftig kritisierte Statuen bittet Franziskus um Verzeihung bei jenen, "die durch diese Geste beleidigt wurden"


VaticanNews, 25.10.2019
Ritrovate intatte nel Tevere tre statuette indigene arrivate dall'Amazzonia
E' Papa Francesco a dare la bella notizia ai padri sinodali. Nel corso dei lavori di questo pomeriggio annuncia il ritrovamento delle statuette indigene che erano state gettate nelle acque del Tevere, a Roma, nei giorni scorsi. Il Papa non nasconde la sua soddisfazione e chiede scusa alle persone rimaste offese da questo gesto


VaticanNews, 25.10.2019
Francisco fala sobre as imagens jogadas no Tibre
O Papa Francisco tomou a palavra na tarde desta sexta-feira (25/10) durante a 15ª Congregação Geral do Sínodo Especial dos Bispos da Região Panamazônica, na Sala Sinodal, no Vaticano. Improvisando disse que “gostaria de dizer uma palavra sobre as estátuas da pachamama que foram retiradas da Igreja Santa Maria in Transpontina, que estavam lá sem intenções idólatras e foram jogadas no Tibre”.


VaticanNews, 12.11.2019
Nachklang Amazonien-Synode:
Pachamama ist keine Götzenanbetung
Der emeritierte Bischof von San Cristobal de las Casas in Mexiko, Felipe Arizmendi Esquivel, hat die Zeremonie in den Vatikanischen Gärten zur Eröffnung der Amazonien-Synode verteidigt. In einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ geht er auf die Bedeutung der Figuren und Rituale der Indigenen ein.

13 Mitglieder für nachsynodalen Rat gewählt


VaticanNews, 25.10.2019
13 Mitglieder für postsynodalen Rat wählen
An diesem Freitag wird im Rahmen der Amazonien-Synode auch ein postsynodaler Aufarbeitungsrat ernannt. Es sollen 13 Mitglieder gewählt werden, die vor allem aus den betroffenen Amazonasländern stammen, wie Paolo Ruffini, Präfekt des vatikanischen Kommunikationsdikasteriums, beim Pressebriefing an diesem Freitag sagte.

Von Brasilien wurde mit großer Mehrheit Dom Erwin Kräutler, Bischof em. der Prälatur am Xingu, gewählt, neben Kardinal Cláudio Hummes, Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM, Dom Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho-RO und Präsident des Indigenen Missionsrats (CIMI) und Dom Alberto Taveira, Erzbischof von Belém-PA.
Papst Franziskus wird weitere drei Mitglieder ernennen. Der Rat wird für die Umsetzung der Ergebnisse der Amazonien-Synode zuständig sein.

VaticanNews, 25.10.2019
Eleição dos Membros do Conselho Pós-Sinodal no sábado
São 13 os Membros do Conselho para a concretização da Assembleia Especial da Amazônia, eleitos nesta tarde de sexta-feira (25/10) por maioria absoluta. Seus nomes representam os principais países que compõem a região: 4 vêm do Brasil, 2 da Bolívia, 2 da Colômbia, 2 do Peru, 1 das Antilhas, 1 da Venezuela e 1 do Equador. Aos membros eleitos hoje se unirão outros três de nomeação pontifícia. O Conselho será responsável pela atuação das indicações do Sínodo.


Roma-News, 26.10.2017
Bispos do Pará são escolhidos para integrar o conselho pós-sinodal
A assembleia geral do Sínodo da Amazônia elegeu 13 membros de um conselho que ficará encarregado de supervisionar a implantação das mudanças, todos eles são cardeais e bispos, que compõem o Conselho Pós-Sinodal.
Quatro bispos são do Brasil, sendo dois atuando no Pará: o bispo emérito do Xingu, dom Erwin Kräutler e o arcebispo de Belém, dom Alberto Taveira. Além do presidente do Conselho Indigenista Missionário(Cimi) e bispo de Porto Velho (RO), dom Roque Paloschi e o relator-geral do sínodo, cardeal Cláudio Hummes.
Além dos 13 eleitos, outros três membros serão escolhidos pelo papa Francisco. Ele já afirmou que duas serão mulheres, uma religiosa e uma leiga. Entre as mudanças propostas pela assembleia do Sínodo, destacam-se a proposição para ordenação de homens casados e criação da pastoral indígena

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Der Befreiungstheologe Paulo Suess zur Amazonas-Synode


Katholisch.de, 24.10.2019
"Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments"
Synodenteilnehmer: Es gibt Versuche, Reformvorschläge zu bremsen
Der deutsche Theologe Paulo Suess berichtet von einem Konflikt um das Abschlussdokument der Amazonas-Synode. Gegen bestimmte Neuerungen seien gerade solche Bischöfe, die noch von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ernannt wurden.

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess berichtet von Versuchen, Reformvorschläge innerhalb der Amazonas-Synode zu bremsen. Konkret sprach er vor der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Rom von einem "Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments", über das am Samstag abgestimmt werden soll. Unabhängig davon, was in dem Text stehen werde, sei aber das Anliegen, das Priesteramt für Familienväter zu öffnen, vernommen worden. In der Frage der Ämter für Frauen herrsche hingegen noch "eine gewisse Langsamkeit", so Suess. Der 81-jährige Theologe und Priester nimmt als Experte an der derzeit im Vatikan tagenden Amazonas-Synode teil.

Widerstand gegen bestimmte Neuerungen gibt es laut Suess auch seitens lateinamerikanischer Bischöfe. Viele seien noch unter Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) ernannt worden und "nicht bereit, das zu verhandeln, was sie in einem langen Leben verinnerlicht und bestätigt gefunden haben".

Suess sieht zudem die lange umstrittene Befreiungstheologie durch den amtierenden Papst rehabilitiert. Ohne selbst dieser Richtung anzugehören, habe Franziskus eine "von der Befreiungstheologie beeinflusste pastorale Grundstimmung" in den Vatikan gebracht. Manche empfänden dies als lästig; "aber so ein alter Mann ist nicht so leicht aus dem Boot zu werfen", sagte Suess.

Von Synode könne durchaus etwas Licht auf "synodalen Weg" fallen

Der Theologe mahnte außerdem zu Zurückhaltung bei einer Übertragung von Synodenergebnissen auf Europa. Was von dem Bischofstreffen für Katholiken in anderen Weltgegenden relevant sei, müssten diese "selber herausfinden". Durch die Beschlüsse der Amazonas-Synode könne aber "durchaus etwas Licht auf den 'synodalen Weg' in Deutschland fallen", sagte Suess mit Blick auf Reformbestrebungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland.

Die noch bis Sonntag laufende Amazonas-Synode steht unter dem Titel: "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Das Bischofstreffen nimmt Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick. Ebenso geht es um mehr Aufmerksamkeit für die Belange der Indigenen und die Seelsorge in der riesigen und schwer zugänglichen Amazonasregion. Auch die Weihe verheirateter Familienväter, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen werden diskutiert.

Kathpress, 23.10.2019
Theologe Suess:
Befreiungstheologie ist im Vatikan angekommen
Deutsch-brasilianischer Theologe nimmt als Experte an Amazonien-Synode teil - Im Kathpress-Interview berichtete er auch von einem "Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments"

Domradio.de, 23.10.2019
Der Befreiungstheologe Paulo Suess zur Amazonas-Synode
"Ein Lernprozess"
Der in Brasilien lebende deutsche Theologe und Priester Paulo Suess nimmt als Experte an der Amazonas-Synode teil. Im Gespräch äußert er sich über Widerstände auf der Synode, den Erfolg der Befreiungstheologie und den Umgang mit Populisten.


VaticanNews, 17.10.2019
Indigenen-Experte: Hören statt vorverurteilen, was Synode will
Die Kultur in den europäischen Großstädten ist mindestens ebenso „heidnisch“ geworden wie der Vorwurf, dass die Indigenen heidnisch seien und damit die katholische Kirche bedrohen würden. Das sagt im Live-Gespräch mit Radio Vatikan der Indigenen-Experte und deutsche Geistliche Paolo Suess, der seit mehreren Jahrzehnten im Amazonas-Gebiet in Brasilien tätig ist.

Spannung vor Schlussabstimmung über Synoden-Dokument


Kathpress, 24.10.2019
Katholisch.at, 25.10.2019
Amazonien-Synode ringt lange um strittige Punkte
Seit drei Wochen debattieren in Rom rund 200 Bischöfe und Ordensleute sowie Ureinwohner und Umwelt-Aktivisten über neue Wege der Kirche am Amazonas. Bis zuletzt ist vieles umstritten - Korrespondentenbericht von Ludwig Ring-Eifel

Bischof Erwin Kräutler ist in diesen Tagen eine Schlüsselfigur der Amazonien-Synode in Rom. Er predigt seit Jahrzehnten, dass die Kirche die Indigenen und ihren Lebensraum nicht nur gegen Goldsucher und internationale Konzerne verteidigen müsse, sondern dass sie auch von ihnen lernen könne. Das viel diskutierte Gemisch von "amazonischem" und katholischem Denken und Beten hat der aus Österreich stammende Träger des Alternativen Nobelpreises schon lange gefordert und gefördert. Bei ihm fließen ökologische Politik und Theologie, Respekt für die anderen Geschöpfe und naturreligiöses Denken auf neue Weise ineinander. Katholische Traditionalisten sehen das als Gefahr für den reinen Glauben, andere halten es für die Zukunftsoption der Kirche im Zeitalter der globalen ökologischen Krise.

Kräutler (80) hat mehr als drei Jahrzehnte die riesige Urwald-Prälatur Xingu geleitet. Als Vizepräsident des internationalen Amazonas-Netzwerkes "Repam" hatte er seit 2015 entscheidenden Einfluss auf die Vorbereitung der Synode, die an diesem Wochenende zu Ende geht. Als Kräutler sich wenige Tage vor Abschluss der Versammlung kritisch über die vorläufigen Inhalte des geplanten Schluss-Dokuments äußerte, war das ein Alarmsignal. Denn Kräutlers Stimme hat auch deshalb Gewicht, weil er zu den von Papst Franziskus geschätzten Ko-Autoren der Umwelt-Enzyklika "Laudato si" zählt.

Mit seiner Kritik bezog sich Kräutler auf einen 36 Seiten umfassenden Text, den der brasilianische Kardinal Claudio Hummes der Generalversammlung zu Beginn der letzten Synodenwoche vorstellte. Dieses Papier enthielt, so mutmaßten die Kritiker, zu viele von der vatikanischen Kurie vorgefertigte Passagen. "Der Text spiegelte bei weitem nicht das wider, was wir diskutiert haben", merkten Teilnehmer empört an.

Für kurze Zeit stand die Drohung im Raum, die Synodenversammlung könnte die Abstimmung über das Papier aus Protest verweigern, doch dann setzte sich der Vorschlag durch, es mit Korrekturen und Ergänzungen zu versuchen. Mehrere hundert Änderungsvorschläge gingen ein. Aus dem Potpourri der Themen ragen drei besonders heraus.

Auf dem Gebiet der Ökologie gab es zwar Konsens bei der Forderung nach einer aktiveren Rolle der Kirche, doch war umstritten, wie politisch sie sein solle - etwa bei Aktionen gegen demokratisch gewählte Regierungen. Ein weiteres Thema war die Rolle der Frau in der Kirche - und insbesondere die Frage, wie neue weibliche "Dienstämter" aussehen könnten. Von einem stärkeren Mitspracherecht in der Gemeindeleitung über ein Diakoninnenamt bis hin zu ordinierten weiblichen Gemeindeleiterinnen reicht der Bogen dessen, was diskutiert wurde.

Daneben kam die Idee eines "amazonisch-katholischen Ritus" zur Sprache. Unklar war, ob dieser Vorschlag über die Anerkennung besonderer ritueller Ausdrucksformen hinaus auch kirchenrechtliche Konsequenzen haben sollte: Etwa indem ein eigener "Ritus" anlog zu dem der Ukrainer, Maroniten und anderer Regionalkirchen geschaffen würde. Deren Bischöfe pflegen nicht nur eigene liturgische Traditionen, sie dürfen auch eine gewisse kirchenrechtliche Eigenständigkeit beanspruchen.

Würde dieser Vorschlag sich für Amazonien durchsetzen, könnte er ein Startsignal für eine weitere Dezentralisierung der katholischen Weltkirche werden. Das jetzt noch lockere Amazonas-Netz "Repam" könnte der Ausgangspunkt für eine solche neue Regionalkirche mit besonderem Ritus und eigener Kirchendisziplin werden. Angesichts der vielen unterschiedlichen Ethnien und Sprachen im Amazonas-Gebiet würde die praktische Durchführung allerdings rasch an Grenzen stoßen.

Weniger spektakulär und fast schon konsensfähig war der Vorschlag, die Möglichkeit der Priesterweihe verheirateter Männer ("viri probati") zur Abstimmung zu stellen. Dem Vernehmen nach sprach sich eine deutliche Mehrheit von Rednern für dieses Modell aus.

Im Vatikan und bei den vor allem aus Lateinamerika, USA und Europa angereisten Journalisten, die das Ereignis verfolgen und doch nur wenig Konkretes aus der Synodenaula erfahren, stieg vor der Schlussabstimmung am Samstagnachmittag die Spannung. In einem mehrtägigen Redaktionsmarathon arbeitete am Schluss ein Redaktionsteam unter Führung von Kardinal Hummes fieberhaft an einem Text, dessen einzelne Abschnitte am Samstag zur Abstimmung kommen sollen. Absätze, die eine Zweidrittelmehrheit finden, gelten als angenommen. Nur sie gehen als Votum der Synode an den Papst, und der kann sie sich später in einem päpstlichen Lehrschreiben zu eigen machen.


Erzdiözese Wien, 28.10.2019
Insiderin: Synode erlebte zwischenzeitlich eine Krise
In den letzten Synodentagen sei "viel passiert", besonders nach der Präsentation des Entwurfs für das Schlussdokument, berichtete die Redakteurin. Dieser Erstentwurf sei von manchen Bischöfen als so schlecht empfunden worden, dass manche ernsthaft in den Raum stellten, es wäre besser, gar kein Dokument vorzulegen. Nach den Eingaben und Überarbeitungen - insgesamt gab es 832 Änderungsvorschläge, die noch berücksichtigt werden mussten - seien viele erleichtert über das Endergebnis gewesen.

Kurier, 25.10.2019
Vatikan: Amazonien-Synode mit brisanten Themen endet am Sonntag
Bischof Kräutler drängte auf Frauen-Priestertum und Ende des Zölibats / Auch Indigenen-Rechte und Regenwald-Schutz auf Agenda.



Domradio.de, 25.10.2019
Amazonas-Synode stimmt am Samstagnachmittag über Vorschläge ab
Mehrere hundert Änderungsanträge
Die Amazonas-Synode wird am Samstag über ein Abschlussdokument abstimmen. Wie der vatikanische Kommunikationsdirektor Paolo Ruffini mitteilte, werden die einzelnen Absätze des Abschlussdokuments den Synodenvätern Punkt für Punkt vorgelegt.


Deutsche Welle, 26.10.2019
Amazonassynode: Abkehr vom Zölibat, ein bisschen?
Die Amazonassynode geht in die Schlussphase. Dabei wird noch um Ausnahmen vom bisherigen kirchlichen Kurs gerungen. Konservative Kritiker poltern längst.


Süddeutsche, 25.10.2019
Bischofssynode in Rom: Das zölibatäre Priestertum wankt

  • Am Samstagabend soll das Abschlussdokument der sogenannten Amazonassynode veröffentlicht werden.
  • Noch ist unklar, welche Passagen die nötige Zweidrittelmehrheit bekommen werden.
  • Der Text wird erklären, dass der Schutz des Regenwaldes und der Menschen im Amazonasgebiet eine kirchliche Aufgabe ist.
  • Er könnte zudem vorschlagen, dass dort erstmals verheiratete und in der Gemeindearbeit bewährte Männer zum Priester geweiht werden. Selbst über eine Weihe für Frauen zur Diakonin soll diskutiert werden.

VaticanNews, 26.10.2019
„Vorsicht vor denen, die nichts ändern wollen“
Ohne den finalen Text der Amazonas-Bischofssynode von diesem Samstag abzuwarten, hat das kirchliche Amazonien-Netzwerk REPAM eine eigene Schlussbotschaft veröffentlicht.


REPAM, 26.10.2019
Presidência da REPAM lança mensagem final sobre o Sínodo
A presidência da Rede Eclesial Pan-Amazônica/REPAM lançou na manhã deste sábado, 26, uma mensagem final sobre o Sínodo Amazônico. Assinado pelo presidente, cardeal Cláudio Hummes, pelo vice-presidente, o cardeal Pedro Barreto, e pelo secretário executivo, Maurício López, o texto destaca alguns dos pontos importantes que foram discutidos na assembleia de Roma, retomando o processo realizado ao longo de quase dois anos, e aponta alguns caminhos a partir da Assembleia Sinodal.
Confira o texto na íntegra:

VaticanNews, 21.10.2019
O "pós-Sínodo" e os projetos na Amazônia brasileira
Ouça as entrevistas com Dorismeire Almeida de Vasconcelos e com Dom Vital Chitolina,bispo de Diamantino, no Mato Grosso.


LifeSiteNews, 22.10.2019
Key Amazon Synod organizer: Final document ‘already written’ but ‘no one knows’ who authored it
In comments to LifeSite outside the Synod Hall on Tuesday evening, Austrian-born Bishop Emeritus Erwin Kräutler of Xingu, Brazil, who is regarded as the principal author of the synod’s controversial working document, or Instrumentum laboris, said the ‘modi,’ or proposals, from the synod’s small working groups are now being “inserted” into the final document for review.

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Holzmafia“ wütet in Rumäniens Wäldern


ORF, 22.10.2019
Holzmafia“ wütet in Rumäniens Wäldern
Binnen weniger Wochen sind in Rumänien zwei Förster der staatlichen Forstverwaltung getötet worden. Liviu Pop wurde vergangene Woche erschossen, als er Holzdiebe stellen wollte. Im September war der Förster Raducu Gorcioaia getötet worden. Rumänien gilt mit seinen Wäldern als grüne Lunge Europas – und als Schlaraffenland für die Holzindustrie. Mit illegalen Schlägerungen und Diebstählen versuchen auch Kriminelle, gute Geschäfte zu machen.

Die Praktiken der „Holzmafia“ erinnern an den Raubbau im Amazonas oder Wilderer in den Steppen der Naturparks in Afrika: Holzdiebe in den Wäldern Rumäniens gehen mittlerweile über Leichen. Laut Silviu Geana von der Forstarbeitergewerkschaft Silva wurden in den vergangenen Jahren sechs Förster getötet. Die staatliche Forstverwaltung Romsilva zählte allein heuer 16 tätliche Angriffe.

Der 30-jährige Pop wurde laut Ermittlern in der Region Maramures im Norden des Landes mit seinem eigenen Gewehr erschossen und in eine Schlucht geworfen. Nach einem Hinweis wollte er im Wald Holzdiebe stellen, nicht ausgeschlossen wird, dass er gezielt in eine Falle gelockt wurde.

Stuttgarter Nachrichten, 21.10.2019
Die Förster leben gefährlich
Die Holzmafia geht in Rumänien bei illegalen Abholzungen auch über Leichen: Nach Angaben der Polizei ist dort ein Familienvater mit dem eigenen Jagdgewehr erschossen worden.


Servus-TV, 27.6.2019
Rumänien: Der schmutzige Handel mit dem Holz


Das Erste, 15.09.19
Video: Rumänien:
Der letzte Urwald Europas in Gefahr – Umweltschützer fordern mehr Schutz durch die EU
Hunderte Jahre alte Bäume werden in Rumänien abgeholzt. Zum Teil entgegen bestehender Gesetze. Die Holzmafia findet immer wieder Gesetzeslücken, staatliche Kontrollen gibt es kaum. Jetzt klagen Umweltschützer bei der EU.


SRF, 3.7.2019
Zerstörter CO2-Speicher
Die letzten Urwälder Europas fallen der Holzmafia zum Opfer
Rumäniens Urwälder werden nicht genügend geschützt. Deshalb reichen Umweltschützer eine Klage gegen den Staat ein.

Dienstag, 22. Oktober 2019

Belo Monte: 17. Francis-Turbine geht in Betrieb

Das größte Kraftwerk Brasiliens, das zu 100 % national ist, hat vom Nationalen Energieinstitut Aneel die Genehmigung für die 17. Turbine am 21. Oktober erhalten. Somit können insgesamt 10.621 MW an Strom produziert werden, wenn die Wassermengen dafür vorhanden sind.

Agência Canal Energia, 21/10/2019
Hidrelétrica de Belo Monte obtém liberação comercial para 17ª turbina
Maior UHE 100% brasileira funciona agora com 10.621 MW de capacidade instalada. Aneel também libera PCH Bandeirante e testes em térmicas no Amazonas

A hidrelétrica de Belo Monte, localizada em Vitória do Xingu, no Pará, obteve autorização junto a Aneel para operação comercial de sua 17ª turbina, com 611,1 MW de potência. Com a decisão, publicada nesta segunda-feira, 21 de outubro, no Diário Oficial da União, a maior UHE 100% brasileira passa agora a funcionar com um total de aproximadamente 10.621 MW de potência.

A Agência também aprovou a operação comercial de um hidrogerador de 9,3 MW de capacidade instalada da pequena central hidrelétrica Bandeirante, situada entre os municípios de Água Clara e Chapadão do Sul, no Mato Grosso do Sul. O empreendimento pertence a empresa Rio Água Clara Energia S.A.

Já com relação a liberação para testes, o órgão regulador concedeu parecer positivo a 12,3 MW térmicos no Amazonas, divididos em três usinas sob responsabilidade da geradora Oliveira Energia. A decisão envolve 17 unidades geradoras da UTE Careiro da Várzea – COE, totalizando 8,8 MW de potência; cinco da Caborí – COE, perfazendo 2,1 MW e três unidades na usina Campinas – COE, num total de 1,4 MW. As usinas ficam localizadas nas respectivas cidades de Careiro da Várzea, Parintins e Manacapuru.

Outro provimento da agência reguladora foi com relação a três aerogeradores de 2,7 MW da central de geração eólica Delta 8 I, totalizando 8,1 MW deliberados para testes em Paulino Neves, município maranhense.

Montag, 21. Oktober 2019

Traditionalisten stehlen indigene Statuen aus Kirche


Radikal-Konservative, die Papst Franziskus immer wieder Häresie vorwerfen und der Amazonien-Synode Götzentum unterstellen, filmten, wie sie in den Morgenstunden die Kirche Santa Maria in Transpontina betraten und von der Ausstellung der Casa Comun indigene Statuen stahlen. Anschließend gingen sie zum Tiber und warfen sie triumphierend in den Fluss.
Vor allem in englischsprachigen Blogs und Netzwerken werden die Täter als "true heroes" und "warriors" gefeiert.
Zu denken gibt, dass vor allem jene Radikal-Konservativen in den Statuen die Fruchtbarkeitsgötter Pachamama erkennen. Jene Männer und Frauen aus Lateinamerika, die an den Veranstaltunge der Casa Comun beteiligt sind, haben sich zum Vorwurf der Götzenverehrung nicht geäußert, sondern bloß "religiöse Intoleranz" bedauert.
Andererseits verwundert es, dass die Radikal-Konservativen vorgeben, die Kirche von heidnischen Götzenbildern reinigen zu müssen, und zugleich keine Probleme damit haben, wenn in einer anderen Kirche die angeblichen Bretter der Krippe, in der das Jesuskind gelegen sein soll, heute noch verehren.
Blindheit und Fanatismus führen leider immer sehr schnell zu Praktiken wie die eines Judas.


Stuttgarter Zeitung, 21.10.2019
Amazonas-Synode im Vatikan
Indigene Statuen in den Tiber geworfen
Diebe haben aus einer Kirche in der Nähe des Vatikans indigene Fruchtbarkeitsstatuen gestohlen und in den Tiber geworfen. Ein Video des Diebstahls wurde in konservativen sozialen Medien geteilt und bejubelt.


Kathpress, 22.10.2019
Indigenen-Statuen im Tiber:
Aktivisten beklagen "Akt der Gewalt"
Entwendung hölzerner Fruchtbarkeits-Statuen aus einer römischen Kirche am Rand der Amazonien-Synode sei "religiöse Intoleranz" gewesen

Das Vorgehen radikal-konservativer Katholiken gegen indigene Fruchtbarkeitsfiguren haben Mitglieder der Initiative "Amazonia casa comun" (Gemeinsames Haus Amazonien) als "Akte der Gewalt" verurteilt. In diesen Handlungen zeigten sich "religiöse Intoleranz und Rassismus" gegen indigene Völker, erklärte die Initiative am Dienstag. Zugleich komme darin die Ablehnung "neuer Wege zur Erneuerung unserer Kirche" zum Ausdruck.

Die Initiative warnte davor, dass diese Akte sich wiederholen oder sogar weiter verschärfen könnten. Sie selbst sei aber jederzeit friedlich und verzichte auf Reaktionen. Ihre Mitglieder "respektierten die Unterschiedlichkeit anderer Ausdrucksformen der Begegnung mit Christus".

In der Nacht zum Montag hatten mindestens zwei Männer mehrere hölzerne Fruchtbarkeitsfiguren, die eine nackte, schwangere Frau zeigen, aus einer Kirche in Vatikan-Nähe entwendet und in den Tiber geworfen. Die Initiative "Amazonia casa comun", zu der rund 30 kirchliche Gruppierungen aus Lateinamerika, Nordamerika und Europa gehören, hatte diese und andere Figuren und Symbole am Rande der im Vatikan tagenden Amazonas-Synode bei Zeremonien eingesetzt.


Kathpress, 23.10.2019
Synode: Geraubte Holzfiguren und ein Dialog "auf Zehenspitzen"
Rund um den Vatikan begegnen sich derzeit zwei Welten: Amazonien und römischer Katholizismus - Das führt zu Missverständnissen, Hetze, Diebstahl sowie behutsamen Versuchen, einander zu verstehen und Lösungen zu finden - Von Kathpress-Korrespondent Roland Juchem


VaticanNews, 21.10.2019
Roubadas estátuas indígenas de Igreja perto do Vaticano
Prefeito Paolo Ruffini fala sobre o roubo de estátuas indígenas da Igreja de Santa Maria em Traspontina

VaticanNews, 22.10.2019
São João Newman e as estátuas jogadas no rio Tibre
O triste episódio do roubo e da destruição das estátuas indígenas da Amazônia

Übersetzung PlattformBeloMonte:

Der Hl. John Newman und die Statuen, die in den Tiber geworfen wurden
Der Diebstahl der drei Holzstatuen, die schwangere indigene Frauen darstellen, sowie ihre Entsorgung im Tiber ist ein sehr trauriges Ereignis. Reaktionen auf diese gewalttätige und intolerante Tat im Netz geben zu bedenken: "Gerechtigkeit ist geschehen" lautet eine begeisterte Überschrift einer italienischen Website. Im Namen von Tradition wird eine Abbildung der Mutterschaft und der Heiligkeit des Lebens verspottet und bekämpft. Für indigene Völker ist das ein traditionelles Symbol für die Verbindung mit unserer "Mutter Erde", wie es auch der heilige Franz von Assisi in seinem Lied von der Schöpfung zum Ausdruck bringt.

Für die neuen Bilderstürmer könne es hilfreich sein, den Aufsatz des jüngst heiliggesprochenen Kardinal John Newman zu lesen. In "Die Entwicklung der christlichen Lehre und der Begriff der Entwicklung" aus dem Jahr 1878 schreibt er in Bezug auf die Übernahme heidnischer Elemente durch die Kirche:
"Im Laufe des vierten Jahrhunderts verbreiteten sich mit einer für die Kirche charakteristischen Rapidität zwei Bewegungen in der Christenheit, die eine asketischer, die andere ritueller oder zeremonieller Natur.
Es wird uns verschiedentlich von Eusebius erzählt, daß Konstantin, um die neue Religion den Heiden anzuempfehlen, auf sie den äußeren Schmuck übertrug, an den sie bei ihren eigenen gewohnt gewesen waren. Es ist nicht notwendig, auf ein Thema einzugehen, das der emsige Eifer protestantischer Schriftsteller den meisten von uns vertraut gemacht hat. Der Gebrauch von Tempeln, und diese einzelnen Heiligen geweiht und bei Gelegenheit mit Baumzweigen geschmückt; Weihrauch, Lampen und Kerzen; Votivgaben bei Genesung aus Krankheit; geweihtes Wasser; Asyle; Feiertage und -zeiten; Gebrauch von Heiligenkalendern; Prozessionen, Feldersegen; Priestergewänder, die Tonsur, der Ehering, das Sich-Wenden nach Osten, zu einer späteren Zeit Bilder, vielleicht der Kirchengesang und das Kyrie eleison — sind alle heidnischen Ursprungs und geheiligt durch ihre Aufnahme in die Kirche."
Newman, John Henry. Die Entwicklung der christliche Lehre und der Begriff der Entwicklung. Ins Deutsche übertragen von Theodor Haecker. Verlag Hermann A. Wiechmann. München 1922. S. 379-380.

AKTUALISIERUNG:

VaticanNews, 4.11.2019
Österreicher bekennt sich zu Diebstahl von Indigenen-Statue
Ein österreichischer Lebensschutzaktivist hat sich zum Diebstahl indigener Holzfiguren aus einer Kirche in Rom während der jüngsten Amazonien-Synode bekannt.

Die Tagespost, 4.11.2019
Entwendete "Pachamamas": Lebensrechtler Tschugguel bekennt sich
Seit Tagen sorgt ein Video für Aufmerksamkeit, in dem die umstrittenen Holzfiguren nackter Schwangerer aus einer römischen Kirche entwendet und in den Tiber gestoßen werden. Nun bekennt sich der österreichische Lebensrechts-Aktivist Alexander Tschugguel zu der Aktion.

Gloria.tv, 4.11.2019
Das ist der Held, der die Pachamamas in den Tiber warf

Augsburger Allgemeine, 6.11.2019
Ein Mann stiehlt Figuren aus einer Kirche - und wird dafür gefeiert
Der Österreicher Alexander Tschugguel ist weltbekannt, weil er Holzfiguren aus einer römischen Kirche stahl und in den Tiber warf. Erzkonservative verehren ihn deshalb.

FAZ, 6.11.2019
Päpstlicher als der Papst
Verstoß gegen erstes Gebot: Der Dieb, der während der Amazonas-Synode in Rom die indigenen Holzfiguren raubte und anschließend in den Tiber warf, hat sich nun als religiöser Aktivist bekannt.

Tschugguel gründet St. Boniface Institut
Das St. Bonifatius Institut wurde gegründet, um die Interessen katholischer Laien zu vertreten. Nein zum neuen Heidentum in der Kirche! Nein zur globalistischen Agenda in der Kirche! Nein zur anhaltenden Zerstörung von innen!
Aus dem Herzen Europas wollen wir für die Wiederherstellung unserer wunderbaren katholischen Kultur und Traditionen kämpfen, für eine Kirche, die unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus folgt!