Mittwoch, 25. März 2020

Trump und Bolsonaro ignorieren noch die Corona-Krise

ORF, 25.3.2020
Trump und Bolsonaro
Der fahrlässige Umgang mit der Krise
In der internationalen Coronavirus-Krise hinken große Länder wie die USA und Brasilien im Vergleich zu den durchschnittlich in europäischen Ländern gesetzten Maßnahmen weit hinterher. Grund ist die Weigerung der rechtspopulistischen Staatschefs Donald Trump und Jair Bolsonaro, die Ernsthaftigkeit der Gefahr durch das Virus rechtzeitig anzuerkennen. Umgeschwenkt ist mittlerweile der britische Premier Boris Johnson.


Frankfurter Rundschau, 25.3.2020
Corona-Pandemie erreicht Brasilien
Bolsonaro gegen Ausgangsbeschränkungen - Medien schürten „Hysterie“
Medien hatten über Corona-Infektion des brasilianischen Präsidenten berichtet.
* Coronakrise hat auch Brasilien erreicht.
* Bolsonaro sieht Einschränkungen des öffentlichen Lebens kritisch.
* Bolsonaro äußert sich ähnlich wie Trump


Spiegel-Online, 18.3.2020
Brasiliens Präsident Bolsonaro
Der Gefährder
Trotz zahlreicher Corona-Fälle in Brasilien tut Machthaber Jair Bolsonaro das Virus als "Fantasie" ab. Und treibt sein Land in eine doppelte Krise.


Süddeutsche Zeitung, 17.3.2020
Die Corona-Krise entzaubert die Populisten
In der Not zeigt sich, wie weltfremd die Trumps, Johnsons und Bolsonaros denken und handeln - und was der Rechtsstaat wert ist. Doch damit diese später nicht wieder triumphieren, müssen die Demokraten etwas tun.


NOIZZ, 17.3.2020
Trump und Bolsonaro: Wie die Coronakrise die Unfähigkeit mancher Machthaber offenbart
Die Corona-Krise hat uns allen einen ordentlichen Schlag direkt auf die Zwölf verpasst. Gutes Krisenmanagement und eine durchdachte Strategie für Wirtschaft und Gesellschaft: Dadurch zeichnen sich fähige Politiker*innen dieser Tage aus. Haben US-Präsident Trump und Brasiliens Präsident Bolsonaro beides nicht. Eine Krise, wie das Coronavirus, zeigt dies deutlicher denn je.


Stern-Online, 13.3.2020
Von Leugnern zu Mahnern
Trump, Bolsonaro und ihr gemeinsames Problem: das Coronavirus lügt nicht
Sie haben das Coronavirus konsequent heruntergespielt. Nun legen die Präsidenten Jair Bolsonaro (Brasilien) und Donald Trump (USA) eine bemerkenswerte Kehrtwende hin: von Leugnern zu Mahnern.

Dienstag, 24. März 2020

Vor 40 Jahren wurde Oscar Romero in El Salvador ermordet


Katholisch.de, 24.3.2020
Oscar Romero – Heilsbringer mit sperrigem Erbe
Er setzte sich für die Armen ein und kritisierte offen die Regierung – und erntete dafür auch Kritik aus den eigenen Reihen. Doch Oscar Romero ließ sich nicht beirren und bezahlte das mit dem Leben. Heute scheint er in El Salvador präsenter denn je.




feinschwarz, 24.3.2020
Geheimnis des geliebten Hirten:
40. Todestag von Oscar Romero
Oscar Romeros Weg als Hirte einer verfolgten Gemeinde zeugt von erstaunlichen Lernprozessen. Peter Bürger ist überzeugt: Sein Vorbild eröffnet der Weltkirche eine Perspektive der Befreiung aus jenem Klerikalismus, der die Lernunfähigkeit der Hierarchie noch immer zementiert.


Die Tagespost, 23.3.2020
Auf den Spuren Óscar Romeros
Vor 40 Jahren wurde der heilige Óscar Romero in San Salvador ermordet. Auch heute erinnert in der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes El Salvador noch einiges an den populären Geistlichen.


VaticanNews, 24.3.2020
Remembering St Oscar Romero: 40 years after his assassination
On 24 March 1980, in El Salvador, Archbishop Oscar Romero was murdered while celebrating Mass. Recognizing him as “a martyr for the faith”, Pope Francis canonized him in 2018.


Christliche Initiative Romero
Oscar Romeros Bedeutung heute – 40 Jahre nach seinem Todestag

Samstag, 14. März 2020

Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker

Domradio, 13.03.2020
Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker
Aufruf an Brasiliens Regierung
Klimaaktivistin Greta Thunberg hat gemeinsam mit 35 Trägern des Alternativen Nobelpreises einen Aufruf zum Schutz indigener Völker an Brasiliens Regierung gerichtet. Auch Amazonasbischof Erwin Kräutler gehört zu den Unterzeichnern.

In dem am Donnerstag von der Right Livelihood Foundation, die den Alternativen Nobelpreis vergibt, und der Menschenrechtsorganisation Survival International veröffentlichten Appell äußern die Aktivisten ihre Sorge angesichts wachsender Vergehen gegen die indigenen Völker Brasiliens. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Träger des Alternativen Nobelpreises, Amazonasbischof Erwin Kräutler. Konkret fordern sie die Regierung auf, den Anführer des Yanomami-Volkes, Davi Kopenawa, sowie dessen Volk zu schützen.

Kopenawa, der 2019 den Alternativen Nobelpreis erhielt, wurde nach eigenen Angaben in den vrgangenen Jahren mehrfach von illegalen Goldsuchern und Farmern mit dem Tode bedroht. Diese plünderten das Territorium aus und verseuchten dabei auch die Flüsse mit Quecksilber, hieß es. Die Regierung solle Kopenawa schützen und gegen die illegal auf dem Indigenengebiet der Yanomami aktiven Goldsucher vorgehen, heißt es in dem Aufruf. Zudem möge die Regierung die Sicherung des Yanomami-Territoriums gewährleisten. Konkret seien isoliert lebende Yanomami-Gruppen in der Bergregion der Serra da Estrutura von Goldsuchern bedroht.

Personalpolitik in der Kritik

Kritik äußert der Aufruf zudem an der Nominierung von Ricardo Lopes Dias als Verantwortlichen für den Schutz isolierter Völker bei der staatlichen Indigenenbehörde Funai. Lopes Dias hatte über Jahre als evangelikaler Missionar bei Indigenenvölkern Evangelisierungsarbeit betrieben. Aktivisten hatten deshalb gegen seine Nominierung für den Funai-Posten protestiert. Greta Thunberg hatte den Alternativen Nobelpreis 2019 zusammen mit Davi Kopenawa erhalten.

Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Messias Bolsonaro, der im Januar 2019 sein Amt antrat, bezeichnet Indigenengebiete als Hindernisse bei der wirtschaftlichen Erschließung der Amazonasregion. Derzeit versucht die Regierung, neue Regelungen für die Nutzung dieser Gebiete durchzusetzen. Demnach sollen Goldsucher, Landwirte und Unternehmen in den eigentlich exklusiv den Indigenen zustehenden Regionen aktiv werden. Bereits seit Jahren hatte Bolsonaro stets sein Motto bekräftigt, den Indigenen keinen Zentimeter Land mehr zu übertragen.



Der Standard, 13.3.2020
Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker
Das Yanomami-Volk wird in Brasilien immer öfter von Goldsuchern bedroht. Aktivisten fordern die Regierung auf, das zu unterbinden


Domradio, 13.3.2020
Reportage: Thunberg & Kräutler: Schutz indigener Völker
Klimaaktivistin Greta Thunberg hat gemeinsam mit 35 Trägern des Alternativen Nobelpreises einen Aufruf zum Schutz indigener Völker an Brasiliens Regierung gerichtet. Auch Amazonasbischof Erwin Kräutler gehört zu den Unterzeichnern.

Sonntag, 8. März 2020

Bischofssynode 2022 beschäftigt sich mit „synodaler Kirche“


VaticanNews, 07/03/2020
Nächste Bischofssynode beschäftigt sich mit „synodaler Kirche“
Papst Franziskus hat das Thema der nächsten Bischofssynode festgelegt. Es lautet „Für eine synodale Kirche – Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“. Das gab der Vatikan am Samstag bekannt.
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Der Papst hat das Thema aus mehreren Vorschlägen ausgewählt, die ihm der Generalsekretär der Bischofssynoden, Kardinal Lorenzo Baldisseri, unterbreitet hat. Die nächste Bischofssynode – offiziell spricht man von der „XVI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode“ – findet im Oktober 2022 im Vatikan statt.
Franziskus spricht immer wieder davon, dass er von einer „synodalen Kirche“ träumt. Bei einem Festakt 2015 hat er näher erklärt, was er darunter versteht. Synodalität ist für ihn eine „Dynamik der Gemeinschaft“, die die ganze Kirche einbezieht. Bischofssynoden seien „nur der sichtbarste Ausdruck“ dieser Dynamik.

Franziskus' Denken über Synodalität beeinflusst auch den Synodalen Weg in Deutschland
Vor zwei Jahren hat die Internationale Theologische Kommission, die der Glaubenskongregation zugeordnet ist, ein Dokument über „Synodalität in Leben und Auftrag der Kirche“veröffentlicht. Franziskus‘ Denken über Synodalität hat auch den Reformprozess der Kirche in Deutschland, den im letzten Advent begonnenen Synodalen Weg, inspiriert.
Im Pontifikat von Franziskus haben sich Bischofssynoden bisher mit der kirchlichen Ehe- und Familienpastoral sowie mit dem Thema Jugend beschäftigt. Die letzte Bischofssynode fand im Herbst 2019 statt; sie war eine Sondersynode, und e sging um ökologische, soziale und pastorale Herausforderungen im lateinamerikanischen Amazonas-Gebiet.


Vatican.va, 17.10.2015
50-JAHR-FEIER DER ERRICHTUNG DER BISCHOFSSYNODE
ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Montag, 2. März 2020

Ernesto Cardenal 95-jährig verstorben

Deutsche Welle, 1.3.2020
Nachruf
Der ewige Kämpfer - Ernesto Cardenal ist tot
Er war Dichter, Priester und Revolutionär: Der Befreiungstheologe Ernesto Cardenal kämpfte bis zuletzt für eine gerechtere Welt. Nun ist Nicaraguas berühmtester Poet im Alter von 95 Jahren gestorben.


FAZ, 2.3.2020
Zum Tod von Ernesto Cardenal:
„Die Welt verbessern nach 100.000 Jahren Ungleichheit“
Als Schriftsteller, Priester und revolutionärer Politiker hatte Ernesto Cardenal keine Furcht, anzuecken. In Nicaragua kritisierte er zuletzt seine alten Sandinista-Genossen. Mit 95 Jahren ist er nun gestorben.


Religion.orf.at, 1.3.2020
Ernesto Cardenal 95-jährig verstorben
Der Dichter, Befreiungstheologe und ehemalige nicaraguanische Kultusminister Ernesto Cardenal ist am Sonntag im Alter von 95 Jahren in Managua an Herz- und Nierenversagen verstorben.


tagesschau24, 02.03.2020 (Video)
Trauer um Dichter und Theologen: Ernesto Cardenal gestorben


AKTUALISIERUNG:

Domradio.de, 4.3.2020
Handgemenge am Sarg von Ernesto Cardenal
Ausschreitungen in der Kathedrale von Managua
Selbst beim Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Befreiungstheologen Ernesto Cardenal kommt das mittelamerikanische Land nicht zur Ruhe. Machthaber Ortega schickt seine Banden in die Kathedrale.

Der Standard, 4.3.2020
Gewalt bei Trauerfeier für Ernesto Cardenal
Ortega-Anhänger gehen auf Oppositionelle und Journalisten los
Managua – Der Trauergottesdienst für den verstorbenen nicaraguanischen Dichter und Befreiungstheologen Ernesto Cardenal ist durch Zwischenrufe und Ausschreitungen gestört worden. Anhänger der regierenden Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) riefen bei der Zeremonie am Dienstag in der Hauptstadt Managua beleidigende Sprüche in Richtung der Angehörigen und Freunde des Literaten, wie Anwesende berichteten.




Domradio.de, 7.3.2020
Nicaraguanischer Dichter Ernesto Cardenal heimlich beerdigt
Früher als geplant
Wegen befürchteter Angriffe auf die Trauergemeinde ist der nicaraguanische Dichter und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal einen Tag früher beerdigt worden als geplant. Die Beerdigung sollte ursprünglich am Samstag stattfinden.


VaticanNews, 8.3.2020
Nicaragua: Cardenal heimlich beigesetzt
Eigentlich hätte Ernesto Cardenal am Samstag beerdigt werden sollen. Doch nach den Übergriffen durch regierungsnahe sandinistische Anhänger beim Gedenkgottesdienst am Mittwoch in der Kathedrale von Managua entschieden sich Cardenals Freunde, Anhänger und Mitstreiter, die Zeremonie vorzuziehen.


Blog-Archiv zu "Ernesto Cardenal"

Freitag, 28. Februar 2020

"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols


Katholisch.de 21.02.2020
"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols
"Querida Amazonia", das nachsynodale Schreiben des Papstes, wurde nach dem Erscheinen viel kritisiert. Doch Michael Böhnke hat in dem Text eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Franziskus beendet darin ein klerikales Monopol.
Von Michael Böhnke

Haben wir bei aller Empörung schon wahrgenommen, was Franziskus in seinem Schreiben an das geliebte Amazonienverfügt hat? Er hat in einer Fussnote (Nr. 136) auf canon 517 § 2 CIC 1983 Bezug genommen: In diesem Zusammenhang hat er von Laien als Gemeindeleitern gesprochen und zudem daran erinnert, dass die Gemeindeleiter*innen auf Dauer eingesetzt, öffentlich anerkannt und mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet werden müssen. "Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter verantwortlicher Laien" (Nr. 94), und: "In einer synodalen Kirche sollten die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. Es sei daran erinnert, dass ein solcher Dienst Dauerhaftigkeit, öffentliche Anerkennung und eine Beauftragung durch den Bischof voraussetzt. Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften (es müsste Gemeinden heißen, [vgl. den italienischen und englischen Text, wobei letztgenannter den Begriff Gemeindedirektorin nahelegt]; M.B.) haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben." (Nr. 103)

Bei all dem Ärgerlichen, das in dem Text über Frauen gesagt wird und das ich nicht gutheißen kann, an diesen beiden Stellen ist von Laien als Trägern von Vollmachten die Rede, von Gemeindeleitung durch Laien, von c. 517 § 2 als einer 'Lösung' auf Dauer und von einer synodalen Kirche mit amazonischen Gesichtszügen. Es ist davon die Rede, dass in Amazonien Laien kirchliche Ämter innehaben und sie mit Vollmachten ausgestattet synodal über den Weg der Kirche effektiv mitentscheiden (!) können. Das ist vielleicht keine Sensation, oder doch?

Papst Franziskus hat sich für die Abschaffung des "Soli" entschieden. Er hat im Gegensatz zur wenig stimmigen Norm von c. 274  § 1 CIC, der zufolge allein Kleriker (Soli clerici) Ämter erhalten können, zu deren Ausübung Weihegewalt oder kirchliche Leitungsgewalt erforderlich ist, festgelegt, dass Laien Ämter mit Vollmacht zum sakramentalen Handeln und Leitungsgewalt übertragen werden können. Er hat mit anderen Worten ein klerikales Monopol geknackt und sich dabei auf die bereits lang andauernde und auszubauende laikale pastorale Praxis in Südamerika berufen. Franziskus ist sich treu geblieben. Er denkt das Amt vom Volk her.


Katholisch.de, 28.2.2020
Eigenritus entstehe nicht "von heute auf morgen"
Papstvertrauter Fernández:
"Viri probati" in Amazonas-Ritus möglich
Wer im nachsynodalen Schreiben des Papstes auf die Einführung von "viri probati" gehofft hatte, wurde enttäuscht. Doch ein Vertrauter von Franziskus sagt nun, dass verheiratete Priester durchaus mit einem "Amazonas-Ritus" kommen könnten.


Osservatore Romano, 17 febbraio 2020
Apporti innovativi di «Querida Amazonia»
Dopo le prime reazioni di pianto o di trionfo, è ora opportuno procedere a una lettura serena di Querida Amazonia, affinché le sue sfide e i suoi apporti specifici non passino inosservati e per ascoltare ciò che lo Spirito Santo vuole dire alla sua Chiesa.

Sonntag, 23. Februar 2020

Carnaval 2020: Samba-Schule hinterfragt klassisches Jesusbild


Badische Zeitung, 19.2.2020
Streit um Sambaschule, die Jesus als Schwarzen und als Frau zeigt
Der Karneval von Rio wirft seine Schatten voraus: Eine berühmte Sambaschule nutzt seit Jahren den Umzug für sozialen Protest – und ist auch jetzt wieder in den Schlagzeilen.



Wiener Zeitung, 20.2.2020
Ein schwarzer Jesus und feministische Kämpferinnen
Bisher hat das Bild halbnackter Tänzerinnen das Image des Karnevals von Rio de Janeiro im Ausland geprägt. Doch der Kampf der Kulturen um die politische Deutungshoheit im Karneval ist voll entbrannt.

Domradio, 21.02.2020
Klassisches Heiland-Bild wird hinterfragt
"Schwarzer Jesus" wirbelt Carnaval in Rio durcheinander
Im Karneval von Rio de Janeiro wird Jesus in einem Umzug als dunkelhäutiger Slumbewohner inszeniert. Konservative Kreise halten das für Blasphemie.

Tagesschau, 23.2.2020
Karneval in Rio
Schrill, bunt und hart in der Kritik
Farbenprächtig und laut - das ist der Karneval in Rio. Da gibt es aber noch viel mehr: Kritik an Politik und Kirche. Den Sambaschulen wurden die öffentlichen Zuschüsse gestrichen. Für sie ein Grund mehr, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.




O Globo, 23.2.2020
Veja os melhores momentos dos desfiles

Donnerstag, 20. Februar 2020

Ist Franziskus kein Reformpapst mehr?


Katholisch.de, 19.2.2020
Nach Veröffentlichung des Papstschreibens zur Amazonas-Synode
Kirchenhistoriker Wolf: Franziskus ist kein Reformpapst mehr
"Was soll man noch von einem Papst erwarten, der sagt, macht mir mutige Vorschläge - dann machen Bischöfe und Laien mit großer Mehrheit mutige Vorschläge, und was passiert? Nichts": Hubert Wolf macht aus seinen Ansichten über Franziskus keinen Hehl.

Die Tagespost, 20.2.2020
Nur zwölf Prozent der Deutschen sehen Franziskus als Reformpapst
Papst Franziskus ist bei den wenigsten Deutschen als Reformpapst bekannt. 48 Prozent lehnen die Bezeichnung laut einer Erhebung von „INSA Consulere“ ab. Sogar 60 Prozent der über 60-Jährigen sehen Franziskus nicht als Reformer.

Katholisch.de, 20.2.2020
Befragung kurz nach Veröffentlichung von "Querida Amazonia"
Umfrage: Viele Deutsche sehen Franziskus nicht als Reformpapst
Das nachsynodale Schreiben war für viele Befürworter von Kirchenreformen eine bittere Enttäuschung. Wie sehen die Menschen Papst Franziskus nach Veröffentlichung des Dokuments? Eine neue Umfrage wollte das herausfinden.

VaticanNews, 20.2.2020
Theologen zu „Querida Amazonia“: „Was will der Papst?“
Die Reaktionen auf das neue Papstschreiben „Querida Amazonia“ reißen nicht ab. Der an der Universität Salzburg lehrende Theologe Gregor Maria Hoff sieht auch eine Woche nach der Veröffentlichung des Papiers „eine zunehmende Ratlosigkeit“.

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".

Mittwoch, 19. Februar 2020

Papstschreiben bringt veraltetes Frauenbild

Der Standard, 19. Februar 2020
Die marginalisierte Frau in der katholischen Kirche
Der Papst perpetuiert eine "Struktur der Kirche", die von der ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss
Kommentar der anderen von Gunda Werner
Nur die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria? Im Gastkommentar ist das von Papst Franziskus formulierte Frauenbild für die Theologin Gunda Werner "nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal".
Ein gutes Leben für alle, soziale und ökologische Gerechtigkeit, die Anerkennung der Kulturen und die Rettung der Natur: Es ist eine hoffnungsvolle Vision, die sich Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" ("Geliebtes Amazonien") entwirft. In den ersten drei Kapiteln seiner Zusammenschau der Amazonassynode entspricht der Pontifex über weite Strecken – und mit der gebotenen christlichen Pointierung – den Forderungen ökologischer, christlicher und gesellschaftspolitischer Gruppen in Lateinamerika. Im vierten Kapitel "Eine kirchliche Vision" hingegen nimmt er nicht nur Ergebnisse der Synode nicht auf, sondern zerstört zugleich die Hoffnungen vieler Menschen auf eine Veränderung und Bewegung innerhalb der katholischen Kirche.

Die im Abschlussdokument der Synode von der Mehrheit der Bischöfe unterstützte Priesterweihe verheirateter Männer ("Viri probati") erwähnt der Papst mit keinem Wort, der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern erteilt er eine zwar langwierig formulierte, aber dadurch nicht weniger klare Absage. Das mag frustrieren, sollte aber nicht verwundern, entspricht es doch der kirchlichen Lehre. Mindestens verwundern dürfen dann allerdings doch einige Argumentationslinien dieses vierten Kapitels. Schließlich ist ebenjener Papst, der darin für die "entschlossene Verteidigung der Menschenrechte" eintritt, Staatsoberhaupt eines der wenigen Länder, die die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen bis heute nicht unterschrieben haben.

"Besondere" Würde

Außerdem: Würde der Vatikan wirklich entschlossen für die Rechte aller Menschen eintreten, könnte Franziskus nicht so ungebrochen eine "Theologie der Frau" vertreten, wie er es in seinem nachsynodalen Schreiben tut. Demnach leisten Frauen nämlich "ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben". Gott selber sei es, der "seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun" wolle, nämlich dem männlichen des göttlichen Sohnes und dem weiblichen der Mutter Maria.

In dieser Logik verwundert es nicht, dass Frauen vor allem deshalb nicht zu Weiheämtern zugelassen werden sollen, um sie vor Klerikalismus und Funktionalisierung zu bewahren. Und auch die Kirche selbst würde nach Ansicht des Papstes durch die Frauenweihe verarmen, weil der spezifische Beitrag der Frauen dann nämlich fehlte. Mit dieser Hervorhebung der besonderen Würde und Aufgabe der Frauen im Vorbild Marias, der zugleich eine Idealisierung des Priesterbildes als "Zeichen des Hauptes, das die Gnade vor allem im Feiern der Eucharistie ausgießt", gegenübergestellt wird, führt Franziskus eine Theologie fort, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Eine Theologie, die Frauen durch ihre Beschränkung auf das empfangende, dienende, passive "marianische" Prinzip gegenüber dem aktiven, gebenden, männlichen, in der Tradition Christi stehenden "petrinischen" Prinzip marginalisiert und lehramtlich legitimiert, dass Frauen in der katholischen Kirche zwar die gleiche Würde, aber eben nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Es ist daher ausgesprochen irreführend, nach außen für die allgemeinen Menschenrechte einzutreten, nach innen aber eine "Struktur der Kirche" zu perpetuieren, die von einer ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss.

Fatales Frauenbild

Auch einem der allgemein anerkannten Grundsätze der Entwicklungspolitik, dem zufolge das weltweite Armutsproblem untrennbar mit der ungerechten Verteilung der Güter und der strukturellen Benachteiligung von Frauen zusammenhängt, erteilt der Papst mit seinem Beharren auf dem marianischen und petrinischen Prinzip – und damit der Nichtgleichstellung der Frauen – eine klare Absage. Denn dass die Genderfrage kein Luxusproblem der reichen Länder, sondern Dreh- und Angelpunkt der weltweiten Armutsbekämpfung ist, erkannten und benannten bereits die UN-Konferenz für Entwicklung und Bevölkerungswachstum in Kairo 1994 und die UN-Frauenkonferenz in Peking 1995. Bereits damals hat der Vatikan beide Konferenzen aufs Schärfste kritisiert, weil die dort geforderte Gleichberechtigung der Frau eben eine wirkliche Gleichberechtigung bedeutet hätte.

Heute, ein Vierteljahrhundert nach diesen Konferenzen, ist das von Franziskus formulierte Frauenbild nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal. Die Frauenfrage ist eben keine allein binnenkirchliche Frage einer von Gott gewollten inneren Struktur der Kirche, und daher ist doch zu befürchten, dass das päpstliche Schreiben vor allem jenen Kräften Vorschub leistet, die der Gleichberechtigung der Geschlechter den Kampf angesagt haben. Ob jedoch gerade diese Kräfte willens und fähig sind, dem Papst bei der Verwirklichung seiner Vision von ökologischer und sozialer Gerechtigkeit für sein "geliebtes Amazonien" zur Seite zu stehen, darf zumindest bezweifelt werden. (Gunda Werner, 19.2.2020)


Religion.orf.at, 19.2.2020
Theologinnen zu Papst-Schreiben: Fatales Frauenbild
Neben der Grazer Dogmatikprofessorin Gunda Werner attestiert auch die Ordensfrau Melanie Wolfers dem neuen Papst-Schreiben „Querida Amazonia“ ein fatales Frauenbild. Die Vatikanistin Gudrun Sailer meint, man müsse „westliche Denkmuster“ ablegen.
Gunda Werner: Franziskus vertritt eine im 19. Jahrhundert entstandene Theologie mit heute überholten Geschlechterrollen
Ordensfrau Melanie Wolfers: „Peinlich berührt“
Vatikanistin: Papst verweigert Machtwort
Die österreichische Redakteurin bei Radio Vatikan, Gudrun Sailer, analysiert das Schreiben aus einer anderen Perspektive. Noch selten habe ein Schreiben von Papst Franziskus so viel Zustimmung bei konservativen und so viel Enttäuschung bei reformorientierten Kräften der katholischen Kirche ausgelöst wie „Querida Amazonia“, lautet ihr Befund. Der Papst habe sich den hohen Erwartungen in Bezug auf das priesterliche Amt entzogen.


kfd, 12.2.2020
Statement der kfd zum Abschlussdokument zur Amazonas-Synode
Das vorliegende Papier ist ein herber Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben.
Es ist uns absolut unerklärlich, wie nach den zentralen Erkenntnissen aus der Amazonassynode eine so vernichtende Ansage kommen kann:
Einerseits wertschätzt das Papier die Leistung von Frauen, die "jahrhundertelang ... die Kirche ... mit bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben aufrecht [hielten]."
Gleichzeitig wird ihnen indirekt Machtgier vorgeworfen, weil die Frauen einfordern, dass ihre gepriesenen Charismen und ihr Einsatz für eine lebendige Kirche mit einer Weihe anerkannt werden. Mit diesem Vorwurf offenbart das Papier, dass die Frauenfrage eine Machtfrage darstellt.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Gescheiterte Erneuerung:
Katholische Kirche? Es reicht!
Totale Unfähigkeit zur Reform: Die Ausgrenzung der Frauen und der zölibatäre Zwang für die Priester hat schon so viel Unheil angerichtet.


kreuz-und-quer, 13.2.2020
Katholische Frauen wollen Gleichberechtigung
Papst Franziskus macht mit dem Ausschluss von Frauen weiter
Wenn also Frauen ein Bild und Gleichnis nur von Maria sind, warum werden dann Frauen im Namen Christi getauft? Warum werden sie bei der Taufe zu Priesterinnen, Prophetinnen und Königinnen berufen, womit sie doch Anteil erhalten am Priesteramt, Prophetenamt und Königsamt Christi? Wie sollen sie den Begriff „Imitatio Christi“ verstehen, der für jede Art christlicher Spiritualität so fundamental ist? Und vor allem: Auf welcher Grundlage sollen sie erlöst werden, wenn sie an der Ebenbildlichkeit mit Christus keinen Anteil haben?


Redaktion Feinschwarz 18. Februar 2020
In persona mariae:
Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia und seine Folgen für die Frauen
In den wenigen Tagen seit Erscheinen des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia gibt es sehr viele gegensätzliche Einschätzungen des päpstlichen Dokuments. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller unternimmt mit spitzer Feder „Theologische Rettungsversuche in Form einer Glosse und zugleich kirchenrechtlichen Optionierung“.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Frauen wollen an den Altar
Die Theologin Elfriede Schießleder ruft die katholische Kirche zu Reformen auf


Die Furche, 26.2.2020
Der Papst und die Frauen: „Wir sind nicht mehr ‚zärtlich‘“
Die Moraltheologin Angelika Walser übt heftige Kritik am Frauenbild im Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus.


Katholisch.de, 6.3.2020
Papstaussagen jedoch keine Geringschätzung des weiblichen Geschlechts
Theologin: Kein Spielraum mehr für Priesterweihe von Frauen
Für die Priesterweihe von Frauen sieht die Theologin Katharina Westerhorstmann "keinen Spielraum mehr". Sie verteidigt zudem die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zur Rolle der Frau – und sagt, warum es eigentlich auch keine Diakoninnen braucht.


Katholisch.de, 11.3.2020
Franziskus verharre bei "alten Mustern kirchlicher Reformdiskussionen"
Haslinger: Aussagen des Papstes zu Frauen sind Widerspruch in sich
"Querida Amazonia" macht den Pastoraltheologen Herbert Haslinger "ziemlich ratlos". Zu widersprüchlich findet er die Aussagen des Papstes. Beim Synodalen Weg über Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zu diskutieren, hält der Theologe für sinnlos.


Katholisch.de, 23.3.2020
Salzburger Neutestamentlerin zur Frauenweihe
Warum auch Frauen Priester werden können
Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Weil nur ein Mann den Mann Jesus Christus repräsentieren könne, heißt es oft. Die Salzburger Neutestamentlerin Marlis Gielen hält ihn ihrem Gastbeitrag dagegen – und begründet ihre Sicht mit der Bibel und einem ganz zentralen Sakrament.

Montag, 17. Februar 2020

Bischof Kräutler: "Papstschreiben könnte mutiger sein"



Kath.ch, 17.2.2020
«Zölibat ist nicht höher zu gewichten als die Eucharistie»
Der österreichische Bischof Erwin Kräutler war massgeblich an der Amazonas-Synode und deren Vorbereitung beteiligt. Im Interview mit cath.ch zeigt er sich zufrieden über die ersten drei Visionen von «Querida Amazonia». Enttäuscht ist er über fehlende Reformen beim Zölibat und der Frauenfrage.

Domradio, 18.2.2020
Kräutler: Papst hat bei Frauenfrage "Chance vertan"
"Ich habe größere Fortschritte erwartet"
Der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler zeigt sich zufrieden über die ersten drei "Visionen" des Papstes in "Querida Amazonia". Perplex dagegen ist er über fehlende Reformen bei Zölibat und Frauenfrage.


VaticanNews, 17.2.2020
Bischof Kräutler findet Papstschreiben nicht mutig genug
Bischof Erwin Kräutler ist nicht völlig zufrieden mit dem Papst-Schreiben „Querida Amazonia“. Der emeritierte Bischof von Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet würdigt einerseits die sozialen, ökologischen und kulturellen Visionen, die Franziskus entwickelt, als „exzellent“. „Bei diesen drei Punkten hat der Papst wirklich ausgedrückt, was uns Bischöfen am Herzen lag.“

Doch zur vierten Vision des Papstes – der nämlich, die sich auf das Kirchliche und die Seelsorge bezieht –, sagt Kräutler, hier spüre er „einen Bruch“. „Da hatte ich den Eindruck dass wir von einer Vision zu einem sehr pragmatischen Denken übergehen.“ Der Traum halte inne, und „sehr pragmatische, normative Erklärungen heben an“, so der gebürtige Voralberger Kräutler zur Nachrichtenagentur kath.ch.

„Viele Leute – dazu gehöre auch ich – fanden diesen Teil sehr seltsam, weil sich da auch der Stil ändert“, fährt Kräutler in dem Interview von diesem Wochenende fort. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Franziskus nicht über eine mögliche Lockerung des Zölibats in sehr entlegenen Amazonas-Regionen befinde, sagt er: „Ich würde nicht von enttäuscht sprechen. Sagen wir: Viele Leute und ich auch sind da perplex und verstehen nicht, warum diese Maßnahme vom Papstschreiben nicht aufgegriffen wird.“

„Zölibats-Debatte wird weitergehen“

Er finde es „ausgesprochen seltsam“, dass Franziskus noch nicht einmal anspiele auf den Vorschlag der Bischofssynode vom Oktober, in entlegenen Regionen verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Dabei hätten sich doch die Bischöfe mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen. „Allerdings kann man die Sache auch positiver sehen und darauf hinweisen, dass der Papst die Debatte nicht beendet hat“, so Kräutler. Er sei überzeugt davon, dass die Debatte jetzt weitergeführt werde – „vor allem von Bischöfen, die wie ich für die viri probati gestimmt haben“.

Er könne nicht beurteilen, ob sich Papst Franziskus in diesem Punkt unter Druck gefühlt habe. „Mein tiefes Gefühl ist aber, dass es viele Interventionen mit dem Ziel, das Thema der viri probati nicht anzusprechen, gegeben haben wird“, so Bischof Kräutler. Um in entlegenen Amazonas-Regionen Eucharistiefeiern sicherzustellen, werde es nicht reichen, mehr lateinamerikanische Missionare dorthin zu schicken. „Ich glaube nämlich, dass Amazonien nur durch Leute gerettet werden kann, die dort leben und die von dort sind… Die einzige Art und Weise, das Problem des Priestermangels zu lösen, besteht darin, im Reichtum Amazoniens zu schöpfen.“
„Sehr schwierig“ kommt es Kräutler vor, die Idee des Papstes umzusetzen, Wandermissionare durch Amazonien zu schicken. Es habe schon viele Versuche in dieser Richtung gegeben – „ohne großen Erfolg, ehrlich gesagt“.

Keine Weihe für Frauen? Ein „strategischer Fehler“

Auch mit dem Nein des Papstes zu einer Weihe von Frauen geht der Bischof mit verbindlichem Ton ins Gericht. „Das ist ein strategischer Fehler“, sagt er, „vor allem mit Blick auf das Vordringen der evangelikalen Gemeinschaften. Wir verpassen hier die Chance, die Rolle von Frauen wirklich anzuerkennen.“ Dabei hinge das Gedeih der katholischen Gemeinschaften in Amazonien im wesentlichen von ihnen ab.

„Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll“

Was den Vorschlag des Papstes angehe, Ämter für Frauen zu schaffen, ohne ihnen eine Weihe zu geben, sagt Kräutler: „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll. Ich hätte mir wirklich in diesem Punkt einen größeren Schritt nach vorn erwartet.“

Erwin Kräutler ist emeritierter Bischof der Prälatur Xingu (370’000 km2) im brasilianischen Bundesstaat Pará. Von 1983 bis 1991 leitete er den brasilianischen Indianermissionsrat (CIMI), derzeit ist er Vizepräsident des kirchlichen Amazonien-Netzwerks Repam. Auf der Bischofssynode zu Amazonien im vergangenen Oktober hat er eine wichtige Rolle gespielt. Die übrigen Synodenväter wählten ihn in die Informationskommission der Versammlung.


Die Tagespost, 18.2.2020
Kräutler: Diskussion über viri probati nicht beendet
Er verstehe nicht, warum Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben nicht auf das Thema der viri probati eingehe, so der Amazonas-Bischof. Man könne die Ausführungen des Papstes aber auch „positiver“ lesen.


VaticanNews, 16.2.2020
„Lockerung der Zölibatspflicht wird kommen“
Der Generalsekretär des länderübergreifenden kirchlichen Netzwerks Repam (Red Eclesial Panamazonica) sieht das Papstschreiben zur Amazonien-Synode als Bestätigung des bisherigen Weges.

VaticanNews, 17.2.2020
Papstschreiben: Amazonas-Bischöfe reagieren unterschiedlich
Das Papstschreiben „Querida Amazonia“ wird von den Bischöfen in der brasilianischen Amazonas-Region unterschiedlich aufgenommen. „Ich bin ein bisschen enttäuscht, ich hätte mehr erwartet“, sagt Bischof Meinrad Francisco Merkel vom Bistum Humaitá.


VaticanNews, 16.2.2020
Synode: „Kein Nebeneinander von zwei Papieren“
„Wer sich Hoffnungen auf eine Reform innerhalb der Kirche gemacht hat, dürfte durch das Schreiben massiv enttäuscht worden sein.“ Das sagt der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke zum Papstschreiben „Querida Amazonia“.

Religión digital, 18.2.2020
El obispo emérito de Xingu, "extremadamente satisfecho con... ¡tres sueños y medio!"
Erwin Kräutler: "¡No podemos poner la cuestión del celibato por encima de la celebración de la Eucaristía!"

cath.ch, 16.2.2020
Mgr Kräutler: «Le rêve ecclésial de Querida Amazonia manque d'audace»
Après la publication de l’exhortation Querida Amazonia, Mgr Erwin Kräutler, évêque émérite du Xingu, exprime sa gratitude au pape pour la dénonciation des graves menaces qui pèsent sur l’Amazonie. Mais il regrette le manque d’audace dans son ‘rêve ecclésial’.

Kommentar zum Thema Kräutler/"viri probati"/Papstkritik:

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".

Freitag, 14. Februar 2020

„Papst betroffen über Reaktionen auf sein Schreiben“


VaticanNews, 14.2.2020
„Papst betroffen über Reaktionen auf sein Schreiben“
Der Papst ist laut einem US-Bischof wegen der Reaktionen auf sein neues Schreiben „Querida Amazonia“ konsterniert. „Als er sagte, dass es manchen Leuten nur um den Zölibat und nicht um Amazonien“ gegangen sei, habe man Franziskus seine Betroffenheit angesehen, berichtete Bischof William Wack aus der Diözese Pensacola-Tallahassee dem US-amerikanischen „Catholic News Service“ (CNS).

Zuvor war Wack am Donnerstag Mitglied einer weiteren Gruppe US-amerikanischer Bischöfe gewesen, die der Papst in diesen Wochen zu ihrem sogenanntem Ad-limina-Besuch im Vatikan empfängt.

Während des Treffens bat demnach einer den 15 Bischöfe den Papst um drei oder vier ihm besonders wichtige Punkte aus dem tags zuvor veröffentlichten Dokument „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien). Weihbischof Joel Konzen aus Atlanta sagte CNS, dass Franziskus als wichtigste Botschaft des Dokuments für die US-Katholiken die Sorge um den Planeten nannte, dies sei „eine ernste Angelegenheit“.

Dann wies Franziskus laut Konzen kritisch darauf hin, dass monate- oder sogar jahrelang an der Erstellung derartiger Dokumente gearbeitet werde und Medien dann daraus nur „eine Zeile“ machten oder bloß berichteten, dass „der Papst nicht den Mut hatte, die Regeln der Kirche zu ändern“.
„Zölibat war nicht das Thema“

Tallahassees Bischof Wack schilderte, der Papst habe den Bischöfen gesagt, die Synode sei zusammengekommen, um über die Fragen der Kirche im Amazonasgebiet zu sprechen. Andere Leute hätten gewollt, dass er über den Zölibat spreche, und das zum Thema gemacht. „Aber das war nicht das Thema dieser Synode“, zitierte Wack Franziskus.

Der Papst habe die US-Bischöfe schließlich dazu aufgerufen, über die Sorge um die Umwelt zu lehren und zu predigen. „Er sagte, auch wenn die Menschen es nicht hören wollen. Wie können wir leugnen, dass sich die Dinge ändern? Wie können wir leugnen, dass wir unserer Zukunft schaden?“, berichtete Bischof Wack. Die Bischöfe müssten das das Evangelium verkünden, und diese Themen seien Teil des Evangeliums.

Franziskus hatte am Mittwoch seine Schlussfolgerungen zur Amazonas-Synode vorgelegt. Bei dem Bischofstreffen vom 6. bis zum 27. Oktober im Vatikan ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region, die Stärkung der indigenen Bevölkerung und um neue Wege in der Seelsorge.


Katholisch.de, 14.2.2020
Franziskus beklagt Schwerpunktsetzung der Medien
US-Bischöfe: Papst bedrückt wegen Reaktionen auf Synodenschreiben
Papst Franziskus hat verraten: Die zum Teil enttäuschten Reaktionen auf sein nachsynodales Schreiben lassen ihn nicht kalt. Er beklagt den Fokus vieler Medien auf die Themen Zölibat und Frauenweihe. Dabei sei es um etwas anderes gegangen.


CNS-News, 13.2.2020
Pope shares with U.S. bishops his frustration with reaction to Amazon text

Kritische Reaktionen zum Papstschreiben "Querida Amazônia"



Katholische Aktion OÖ, 12.2.2020
Katholische Aktion OÖ über viertes Kapitel im Papstschreiben „enttäuscht“
„Es ist für uns schwer nachvollziehbar, warum Papst Franziskus das eindeutige Votum der Amazonien-Synode für eine Lockerung des Zölibats sowie für Weiheämter von Frauen nicht aufgegriffen hat“,

Wir sind Kirche, 13.2.2020
Weltkirchenzentrale lässt Amazonasgemeinden im Stich
Die katholischen Kirchenreformbewegungen in Österreich stellen dem nach-synodalen Papstschreiben „Querida Amazonia“ ein schlechtes Zeugnis aus. Entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen würden die Gemeinden und Bischöfe Amazoniens mit den wichtigsten Fragen auch in Zukunft alleingelassen – die dringend nötige Erneuerung des Priesteramtes bleibe aus.

Kath.ch, 13.2.2020
Visionen für eine Kirche der Zukunft?
«Man darf nicht auf Reformen von oben warten», sagt Daniel Bogner* in seinem Gastkommentar zum Papstschreiben «Querida Amazonia». Dieses mache deutlich, dass die katholische Kirche um eine Revision der theologischen Grundlagen zur absolutistischen Verfassungsform nicht herumkomme.

Katholisch.de, 13.2.2020
Bischöfe, Theologen und Verbände äußern sich zu "Querida Amazonia"
"Wegweisend" bis "Riesenenttäuschung": Reaktionen zum Papstschreiben
Es polarisiert wie kaum ein päpstliches Dokument zuvor: Das nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus sorgt unter Bischöfen und Theologen für unterschiedlichste Reaktionen und Interpretationen.

Katholisch.de, 13.2.2020
Nach der Veröffentlichung des Papstschreibens zur Amazonas-Synode
Presseschau: Das sagt die Welt zu "Querida Amazonia"
Die Medien in Deutschland würden bei der Amazonas-Synode zu sehr auf die Themen "viri probati" und den Diakonat der Frauen schauen – so lautet ein häufiger Vorwurf. Aber wie sieht das in anderen Ländern aus? Eine Presseschau zur Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens.

Deutsche Welle, 13.2.2020
Brasilien zum Papstschreiben
Rolle rückwärts
In Brasilien gewinnen evangelikale Bewegungen Anhänger, während die katholische Kirche Gläubige verliert. Vom Papst fühlen sich viele mit im Stich gelassen, vor allem die Katholikinnen.

Deutschlandfunk, 13.2.2020
„Kirche als Ort, von dem man sich befreien muss“
Franziskus habe sich wie ein Monarch über alle Beratungen hinweggesetzt, sagte der Theologe Daniel Bogner im Dlf. Der Papst sage viel Wahres zur ökologischen Gerechtigkeit und viel Paternalistisches gegenüber Frauen. Deutsche Bischöfe müssten sich nun einen Ruck geben.
Daniel Bogner im Gespräch mit Levent Aktoprak

SWR2, 13.2.2020 (Audio)
Keine Lockerung beim Zölibat – Ist Papst Franziskus gescheitert?
Im FORUM diskutieren:
Christiane Florin, Redaktion "Religion und Gesellschaft", Deutschlandfunk
Martin Lohmann, katholischer Publizist, Bonn
Jörg Vins, SWR-Abteilungsleiter "Religion und Welt", Baden Baden
Gesprächsleitung: Martin Durm

WDR 5 Tagesgespräch, 13.2.2020 (Audio)
Quo vadis, katholische Kirche?
Die große Reform bleibt aus, der Papst hält am Zölibat fest. Auch in Ausnahmefällen dürfen keine verheirateten Männer als Priester geweiht werden. Wie viel Reform hat die katholische Kirche nötig? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.
Gast: Theo Dierkes, Leiter WDR-Religionsredaktion
Redaktion: Dirk Müller und Heiko Hillebrand

FAZ, 12.2.2020
Heiße Eisen im nachsynodalen Schreiben
Wo beginnt der Götzendienst?
Welche Bombe ist in dem päpstlichen Schreiben „Querida Amazonia“ versteckt? Keine? Nein! Als hochbrisant erweist sich die Frage, bis zu welchem Grad das Evangelium inkulturierbar ist.

Zeit.de, 12.2.2020
Die deutschen Katholiken müssen ihren Weg selbst finden
Dabei sollten sie das demokratische Erbe Europas in der Kirche stark machen.

Zeit-Online, 12.2.2020
Was hat der Papst nun entschieden?
Franziskus legt ein neues Lehrschreiben vor. "Geliebtes Amazonien" predigt wieder die Reform der Kirche – überall. Das wird noch Streit geben.
Am Ende interessierten sich dann alle doch wieder nur für das eine. Zum Leidwesen des Papstes und seiner Getreuen schnurrte der ganze kräftezehrende Richtungskampf – jahrelanges Konferieren mit südamerikanischen Bischöfen, interkontinentales Rumreisen, päpstliches Briefeverfassen und vor allem das Managen ständiger Intrigen – auf eine kleine Frage zu dem alten Vatikantratschthema Sex zusammen.

Kathpress, 12.2.2020
Scheuer: "Für Papst nicht europäische Fragestellungen vorrangig"
Linzer Bischof bei Pressekonferenz zu Papstschreiben "Querida Amazonia": Papst geht es um Amazonien und die Menschen dort - In Ämterfrage letztes Wort noch nicht gesprochen - Bestätigung für Reformprozess in Diözese Linz - Pastoralamtsleiterin Eder-Cakl: "Schmerzlich, wie in der Frauenfrage argumentiert wird"

OÖ-Nachrichten, 14.2.2020
Linzer Bischof: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen"
Mit einem Tag Abstand hat sich nun der Linzer Bischof Manfred Scheuer zum Papst-Schreiben geäußert und dabei das Kirchenoberhaupt ungewöhnlich deutlich kritisiert. Franziskus sei in seinem Schreiben "viel vager" geblieben als das Abschlussdokument der Amazonien-Synode.

Die Furche, 13.2.2020
"Querida Amazonia": Päpstlicher Eiertanz
Das Lehrschreiben nach der Amazonien-Synode, die im Oktober in Rom stattfand, ist erschienen. Kein Sanktus von Franziskus für die dort erbetenen Reformen. Leitartikel von Otto Friedrich

Profil, 15.2.2020
Martin Staudinger: Gottes neue Rechte
Der Vatikan lehnt verheiratete Priester im Amazonas weiterhin ab. Das ist auch für Nichtgläubige beklagenswert.

WDR5, 16.2.2020 (Audio)
Sendung: Diesseits von Eden
ab 7:30 min: Papstschreiben: Tür stand sperrangelweit auf und Papst ging nicht hindurch - Kommentar
ab Gegenmeinung bei Maria 2.0: Interview mit Maria Mesrian.

Donnerstag, 13. Februar 2020

Positive Bewertungen von Querida Amazonia


Die Tagespost, 21.2.2020
Der Prozess ist das Ziel
Wie die jesuitischen Interpretierer von „Querida Amazonia“ sich abmühen, die Frage nach den „viri probati“ offenzuhalten.
Die Tatsache, dass Papst Franziskus im postsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ den Schluss-Bericht der Amazonas-Synode „präsentiert“, aber nicht „approbiert“ hat, beflügelt weiterhin die Phantasie.

Die Tagespost, 12.2.2020
Ein Dokument der Versöhnung
Kardinal Gerhard Ludwig Müller würdigt das nachsynodale Dokument "Querida Amazonia" von Papst Franziskus als "pastorales Schreiben von prophetischer Kraft". Dieser Text könne die versöhnende Wirkung haben, innerkirchliche Parteibildungen, ideologische Fixierungen und die Gefahr einer inneren Emigration oder des offenen Widerstands abzubauen, betont der Kardinal.

CNA, 12.2.2020
Kardinal Müller: Querida Amazonia ist ein "Dokument der Versöhnung"
Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat das "mit großen Hoffnungen und bangen Befürchtungen erwartete" Nachsynodale Schreiben Querida Amazonia als ein "Dokument der Versöhnung" bezeichnet, und als eine "Gesamtschau der Herausforderungen und Chancen für dieses Land".

missio.at, 13.2.2020
Missio-Nationaldirektor über „Querida Amazonia“
Es sorgt seit seiner Veröffentlichung für viele Diskussionen: Papst Franziskus nachsynodales Schreiben „Querida Amazonia“. Missio-Nationaldirektor Karl Wallner nimmt Stellung zu diesem Dokument und appelliert für innerkirchliche Einheit und gegen eine Vereinnahmung des Papstes.

KA-Österrreich, 13.2.2020
„Papstschreiben sollte Debatte bei uns befeuern“
KAÖ-Präsident Wimmer: „Vier Visionen“ des Papstes für Amazonien gelten auch für Kirche in Österreich
Das nachsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) von Papst Franziskus sollte der Kirche in Österreich und in ganz Europa Anlass sein, ihre Suche nach gesellschaftlicher und innerkirchlicher Erneuerung auf eigene Weise neu voranzutreiben und zu befeuern. Das erklärte der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Leopold Wimmer, in einer ersten Stellungnahme zu dem am Mittwoch veröffentlichen Dokument. „Natürlich werden manche enttäuscht sein, dass der Papst etwa in der Frage der Lockerung der Zölibatspflicht für Priester und beim Frauendiakonat keine Entscheidung getroffen hat, weder in die eine noch in die andere Richtung“, so Wimmer.

VaticanNews, 16.2.2020
Freund des Papstes: Zölibats-Entscheidung muss erst reifen
„Der synodale Prozess ist noch in Gang und kann sicher noch nicht für abgeschlossen gelten.“ So urteilt der italienische Jesuit Antonio Spadaro, ein Vertrauter von Papst Franziskus, über dessen Amazonas-Schreiben „Querida Amazonia“.

Blickpunkt Lateinamerika, 17.2.2020
Repam: Papstschreiben ist "keine Enttäuschung, sondern eine Einladung"
Repam-Generalsekretär Mauricio López (43) erklärt im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), was er vom postsynodalen Papstschreiben "Querida Amazonía" hält.

Kirche bunt, 19.2.2020
Gastkommentar von Gudrun Sailer
Kein Machtwort - weit und breit
Noch selten hat ein Schreiben von Papst Franziskus so viel Zustimmung bei konservativen und so viel Enttäuschung bei reformorientierten Kräften der katholischen Kirche ausgelöst wie „Querida Amazonia“. „Nicht gut, aber das Beste, was von diesem Papst zu erwarten war“, lautete das Urteil auf der einen Seite. „Überflüssig und mutlos“ auf der anderen. Beide Lesarten sind ext­rem. Extrem selbstbezogen, meine ich. Warum? Weil beide engen und vorwiegend westlichen Denkmustern gehorchen und im Kern nur auf das eine schielen: den priesterlichen Zölibat.

Kardinal Hummes: Nachsynodales Schreiben ist "ein Lobgesang"


Das nachsynodale Schreiben Querida Amazônia wurde auch in Brasilien am 12.2. bei einer Pressekonferenz der Bischofskonferenz vorgestellt. Dom Walmor Oliveira de Azevedo, Erzbischof von Belo Horizonte (MG) und Präsident der Brasilianischen Bischofskonferenz, verstand das Schreiben als "Auftrag an unsere Kirche, die prophetische Dimension neu aufzubauen".

Cláudio Kardinal Hummes, Präsident von REPAM und Generalrelator der Synode, saß sichtlich betroffen an seiner Seite. Für ihn sei der ganze Text "ein Lied des Papstes, ein Lobgesang angesichts der Schönheit, die Gott schenkt". Im Schreiben würden verschiedene literarische und poetische Texte vorkommen, unter anderem "Unterwegs auf dem Tocantins im Segelboot" von Dom Pedro Casaldáliga, emeritierter Bischof von São Félix do Araguaia.

Dom Cláudio Hummes erwähnte, dass das Dokument angesichts der Ungerechtigkeiten auf der Welt aufruft sich zu empören, "aber immer bereit zu sein für den Dialog". Im Hinblick auf die zerstörerische Wirtschaft würden neue Wirtschafts- und Entwicklungsmodelle vorgestellt.

Für die Kirche sei der Vorschlag zur Inkulturation am bedeutendsten. "Man muss den kulturellen Reichtum der Völker anerkennen und ihnen das Recht geben, Christen in ihrer Kultur sein zu können." Im Glaubensleben hat der Kolonialismus keinen Platz.

In einem Interview für Agencia Estado, dass der Vorschlag zur Ordination verheirateter Männer in entlegenen Gebieten vom Vatikan noch aufgegriffen wird. Denn die Kirche muss sich um eine Lösung bemühen, damit alle Gemeinden Zugang zur Eucharistie haben. „Was die Kirche ausmacht, ist die eucharistische Versammlung. Sie bildet und nährt die Kirche“, sagte er.

Auffällig ist, dass VaticanNews keine Stellungnahmen von Kard. Hummes oder Bischof Kräutler bringt.

VaticanNews, 13.2.2020
Bischofsnetzwerke CELAM: Papst stärkt Einsatz für Amazonien
Das postsynodale Papstschreiben „Querida Amazonia“ im Nachgang zur Amazonien-Synode wird in den Ortskirchen Lateinamerikas als Bestärkung des Einsatzes der katholischen Kirche zum Schutz Amazoniens und seiner Bewohner gesehen.

VaticanNews, 13.2.2020
Lateinamerika: Bischöfe sehen „Türe weiter offen“
Wie beurteilen Bischöfe in Lateinamerika das Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus zur Amazonien-Synode? Ein erster Blick zeigt: Sie nehmen es vor allem mit Zuversicht auf.


CNBB, 12.2.2020
A exortação pós-sinodal Querida Amazônia é um Cântico
“Todo o texto é um cântico do Papa, é um louvor diante da beleza que Deus oferece”, afirmou dom Cláudio ao recordar os vários textos literários ou poéticos que são reproduzidos na exortação. Um exemplo é a “Carta de navegar (pelo Tocantins amazônico)” de dom Pedro Casaldáliga, bispo emérito de São Félix do Araguaia.

Dom Cláudio Hummes também ressaltou a necessidade de se indignar, “mas sempre disposto ao diálogo”. Sublinhou que o documento apresenta novos modelos econômicos e de desenvolvimento frente a economia que destrói. Sobre a conversão da Igreja, falou da proposta de inculturar-se: “reconhecer a riqueza e o direito que os povos têm de ser cristãos na sua cultura”, mas chamou atenção para ter cuidado com o colonialismo.

Estadão, 12 de fevereiro de 2020
Ordenação de homens casados será rediscutida no Vaticano, afirma cardeal Hummes
Relator-geral do sínodo da Amazônia afirma que questão será trabalhada com o papa; documento da Igreja divulgado nesta quarta-feira mostra que Francisco recuou em relação à medida

Mittwoch, 12. Februar 2020

15. Todestag von Schwester Dorothy Stang

"Wir brauchen die Erde, ein Leben lang! Deshalb müssen wir mit ihr liebevoll umgehen.
Wir sollten lernen, nur so viel zu haben, was wir auch wirklich brauchen.
Wir müssen uns immer wieder fragen: Was brauchen wir? und nicht: Was wollen wir?
Wenn wir mit der Umwelt sorgfältig umgehen, werden wir auch einen gesunden Planeten haben."
Dorothy Stang

Dorothy Stang kam 1982 nach Anapu und errichtete im Landesinneren eine bescheidene Missionsstation der Schwestern von Notre Dame. Ihr Leben galt den einfachen Kleinbauern und dem Schutz des Regenwaldes. Sie war Mitbegründerin der regionalen Landpastoral CPT.
Am 12.2.2005 wurde sie aufgrund von Landkonflikten mit Fazendeiros von Pistoleiros mit 6 Kugeln ermordet.











Nachsynodales Schreiben "Querida Amazonia" veröffentlicht


vatican.va, 12.2.2020
NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN QUERIDA AMAZONIA
VON PAPST FRANZISKUS
AN DAS VOLK GOTTES
UND AN ALLE MENSCHEN GUTEN WILLENS

Domradio, 12.02.2020
Fragen und Antworten zum Amazonas-Schreiben des Papstes
Revolution fällt vorerst aus, bleibt aber möglich
Zusammen mit seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia", also Geliebtes Amazonien, hat Papst Franziskus das Abschlussdokument der Amazonas-Synode "offiziell präsentiert". Fragen und Antworten zum Text des Papstes.

Religion.orf.at, 12.2.2020
Indigene: Papst-Schreiben ruft zu „Empörung“ auf
In seinem nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“, das sein Resümee der im Oktober im Vatikan abgehaltenen Amazonien-Synode darstellt, hält Papst Franziskus ein starkes Plädoyer für Indigene und Umweltschutz. Den Zölibat lässt er unberührt.

Domradio.de, 12.2.2020
Stimmen zum Papstschreiben zur Amazonas-Synode
Von "herben Schlägen" und "Stoppschildern"
Das Geheimnis um den Inhalt des Papstschreibens zur Amazonas-Synode ist gelüftet. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Während die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands enttäuscht ist, sieht Kardinal Marx "kein Stoppschild".

Religion.orf.at, 12.2.2020
Schönborn: Papst will Amazonien-Synode reifen lassen
Mit dem apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) ermutigt Papst Franziskus die ganze Kirche und speziell die Kirche in Amazonien, was bei der Amazonien-Synode erarbeitet und gewachsen ist, weiter reifen zu lassen.

VaticanNews, 12.2.2020
Papst-Schreiben „Querida Amazonia“: Zusammenfassung
Papst Franziskus hat ein ausführliches Schreiben zum Thema Amazonien veröffentlicht. Darin fasst er die Ergebnisse der Bischofssynode vom vergangenen Oktober zusammen. Mit seiner sogenannten „Postsynodalen Exhortation“ ruft der Papst zu Umweltschutz, neuem missionarischem Schwung und mehr Verantwortung für Laien in kirchlichen Gemeinden auf.

VaticanNews, 12.2.2020
„Franziskus bleibt dem treu, was er vor der Synode sagte“
„Das Schicksal Amazoniens geht uns alle an, weil alles mit allem zusammenhängt und das Überleben dieser Region und ihrer einheimischen Ethnien wichtig für die ganze Welt ist.“ Das sagt der Sonder-Sekretär der Amazonien-Synode, Kardinal Michael Czerny, in einem Interview mit Radio Vatikan.

Religion.orf.at, 12.2.2020
Papst-Schreiben: „Frustration und Zuversicht“
Wenn der Papst den Bischöfen Amazoniens vor der Synode noch zugerufen habe „Macht mir mutige Vorschläge“, so drehe er jetzt den Spieß um und rufe ihnen von Rom aus über den Atlantik zu: „Seid mutig und handelt als bestellte Hirten in Eigenverantwortung!“ Nun könne man über so wenig Entscheidungsfreude beim Papst frustriert sein, man könne aber auch dagegenhalten, „dass er die Tür für eine Lösung im Sinn der mutigen Vorschläge der Bischöfe Amazoniens offengehalten hat“. Für Zulehner ist darüber hinaus dem Dokument zu entnehmen, „dass der Papst nun die von ihm nicht lehramtlich getroffenen Entscheidungen von den Hirten vor Ort erwartet“.

Katholisch.de, 12.2.2020
"Querida Amazonia" offiziell vorgestellt
Nachsynodales Schreiben: Keine Weihe von "viri probati" am Amazonas
Papst Franziskus hat sich im Anschluss an die Amazonas-Synode gegen eine Lockerung des Zölibats entschieden. Eine Weihe verheirateter Männer ("viri probati") für die lateinamerikanischen Region wird im Nachsynodalen Schreiben, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, nicht erwähnt. Stattdessen spricht sich der Pontifex für andere Mittel für eine Gewährleistung von Eucharistiefeiern in dem vom Priestermangel besonders betroffenen Gebiet aus.
So ermutigt Franziskus die Bischöfe, "großzügiger zu sein und diejenigen, die eine missionarische Berufung zeigen, dazu zu bewegen, sich für das Amazonasgebiet zu entscheiden". Deren Ausbildung müsse "gründlich" überprüft werden, "damit sie für den Dialog mit den Kulturen des Amazonasgebiets erforderlichen Haltungen und Fähigkeiten erwerben können". Zudem sollen die Oberhirten das Gebet um Priesterberufungen fördern.

NZZ, 12.2.2020
Papst Franziskus will den Zölibat für Priester nicht lockern
Auch für abgelegene Regionen, wo wegen Priestermangels kaum Messen stattfinden, soll es keine Ausnahme geben. Doch soll sich die katholische Kirche mehr in Richtung Laienkirche weiterentwickeln.

Katholisch.de, 12.2.2020
Analyse von "Querida Amazonia"
Das Nachsynodale Schreiben: Nicht einmal eine hoffnungsvolle Fußnote
Nun ist es raus – und wird viele enttäuschen, die auf kirchliche Reformen gehofft hatten: Das Nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus ignoriert das Thema "viri probati" völlig, und auch in der "Frauenfrage" wird der Pontifex wenig konkret. Dabei wäre mehr möglich gewesen, analysiert Björn Odendahl.

CNA Deutsch, 12.2.2020
Heiligkeit statt Viri Probati:
Papst Franziskus legt Schreiben zur Amazonas-Synode vor

Es ist ein Werk voller Gebet, Gedichte, Visionen und Träume, sowie klarer Ansagen – wenn auch nicht solcher, wie sie manche Reformatoren in Deutschland erträumt haben: Der Vatikan hat am heutigen Mittwoch das mit Hochspannung erwartete Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode veröffentlicht.


Pressekonferenz der Deutsche Bischofskonferenz, 12.2.2020
Vorstellung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens Querida Amazonia von Papst Franziskus durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx

Kirche und Leben, 12.2.2020
Was Bischöfe, Frauen und Theologieprofessoren über das Amazonas-Papier von Franziskus sagen
Papst-Schreiben: Reaktionen zwischen Enttäuschung und Freude
Das Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonys-Synode hat lebhafte Reaktionen ausgelöst. Während Kardinal Reinhard Marx es als Anstoß für weitere Diskussionen sieht, bedauerte Bischof Franz-Josef Overbeck, dass es für die Regionen weiterhin keine verheirateten Priester geben wird. Die katholische Frauengemeinschaft sieht Frauen zu Dienstleisterinnen degradiert, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken beklagt den fehlenden Mut des Papstes zu Reformen. Die Reaktionen im Überblick.

Kirche und Leben, 12.2.2020
Münsteraner Professor: Amazonas-Dokument ist „außerordentliche Enttäuschung“
Kirchenrechtler Schüller: Papst-Schreiben zeigt reformunfähige Kirche
Papst Franziskus hat das nachsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ veröffentlicht. Viele haben mit Spannung auf Positionen des Papstes zu auch in Deutschland diskutierten Themen gewartet: zur Priesterweihe für bewährte, verheiratete Männer, zur Weihe von Frauen, zur Leitung von Gemeinden durch Laien. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller bewertet das Dokument.

NZZ, 12.2.2020
Der Papst geht für viele an die Schmerzgrenze
Die Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche sind mit dem jüngsten Lehrschreiben des Papstes zur Amazonas-Synode enttäuscht worden. Franziskus verfolgt eine Agenda, die nur schwer nachvollziehbar ist.

Pressekonferenz zur Präsentation von "Querida Amazônia"




Dienstag, 11. Februar 2020

Bischof Nann: Franziskus habe Gänswein "die Flügel beschnitten"


Katholisch.de 11.2.2020
Reinhold Nann begrüßt Aufgabenverschiebung des Erzbischofs
Deutscher Bischof kritisiert Gänswein: "In Machtspiele verstrickt"
Die Form ist ungewöhnlich: Der aus Freiburg stammende Bischof Reinhold Nann hat Georg Gänswein in einem als "Nachruf" bezeichneten Blogeintrag scharf kritisiert. Darin schreibt er auch aus der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar.

In ungewöhnlicher Form kritisiert der deutsche Bischof und Prälat von Caraveli in Peru, Reinhold Nann (59), Erzbischof Georg Gänswein (63), weil dieser im Vatikan "tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt" sei. In seinem aktuellen Internetblog mit dem Titel "Georg Gänswein – Ein Nachruf" begrüßte es Nann, dass sich der wie er selbst aus dem Erzbistum Freiburg stammende Gänswein bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. konzentriere. Dafür trete er nicht mehr als Präfekt des päpstlichen Hauses "immer strahlend lächelnd hinter dem Papst" auf: "Nun ist damit Schluss – endlich."

Franziskus habe Gänswein "die Flügel beschnitten", so Nann weiter. Er selbst habe schon länger den Eindruck, "dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kräftig manipuliert und für ihre Intrigen einspannt. Und der Drahtzieher bei all dem kann eigentlich nur der Sekretär gewesen sein." Nun habe er sich "überreizt", genau wie vorher schon Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amt als Präfekt der Glaubenskongregation Papst Franziskus nicht verlängert habe.

Er bete jeden Tag für Papst Franziskus, betonte Bischof Nann, "dass er die Böcke von den Schafen im Vatikan unterscheiden kann und im Heiligen Geist die Kurie und die Kirche erneuert". Der 2017 von Franziskus zum Bischof ernannte Geistliche ergänzte, Gänswein sei schon in der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar "hart im verbalen Angriff" und "extrem konservativ" gewesen. In einer deutschen Pfarrei wäre Gänswein "durch seine polarisierende Art untragbar gewesen".

Nann ging vor mehr als 20 Jahren nach Peru und arbeitete dort als Pfarrer in Armengemeinden der Hauptstadt Lima sowie im Andenhochland und im Amazonasgebiet. Im Mai 2017 wurde er von Franziskus zum Prälaten der Territorialprälatur Caravelí ernannt und im August desselben Jahres zum Bischof geweiht. Der Vatikan hatte vor wenigen Tagen bestätigt, dass Gänswein sich bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär von Benedikt XVI. konzentriere. Von einer Entlassung oder Beurlaubung als Präfekt des Päpstlichen Hauses sei aber nichts bekannt.

Zuvor hatten "Die Tagespost" und andere Medien berichtet, Gänsweins Ablösung sei unter anderem auf die "unglückliche Präsentation" eines Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat zurückzuführen, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz beisteuerte. Die Publikation wurde von vielen als Affront gegen Franziskus aufgefasst. (bod/KNA)



Nann präzisiert seinen "Nachruf vom 9.2." - siehe weiter untern:
Blog von Reinhold Nann, 17.2.2020
Zum „Nann-Gaenswein Konflikt“: Hintergruende und Zuruecknahme meiner Worte
Der Anlass fuer meine Aeusserungen waren die Vorgaenge im Vatikan:

Papst Franziskus hat viele Gegner im Vatikan, die ihn loswerden wollen. Ihm wird von extrem konservativen Kreisen Haeresie und Goetzendienst vorgeworfen. Der einzige wirklich sichtbare Kopf des Wiederstands ist Erzbischof Vigano, die anderen halten sich bedeckt. Nach aussen wird oft der emeritierte Papst Benedikt als Widersacher vorgeschoben, aber ich glaube nicht, dass dem so ist. Das unglueckliche Agieren Gaensweins im Zusammenhang der Veroeffentlichung des Sarah-Benedikt Buches hat nun mit grosser Wahrscheinlichkeit zu seiner „Beurlaubung“ beigetragen und seine bisherige Schluesselrolle in den innervatikanischen Auseinandersetungen deutlich gemacht.

Der eigentliche Hintergrund ist aber aehnlich wie im Film „Die zwei Paepste“ kein persoenlicher Konflikt, sondern einer der dahinterstehenden Kirchenbilder, den ich hier nur sehr vereinfacht darstellen kann:

Da gibt es die Kirche der Kulturkampf-Zeit: En vermeintlicher heiliger Rest schottet sich mit hohen Mauern gegen die boese Welt und ihren „Zeitgeist“ ab. Dagegen steht die Konzilskirche, die Bruecken baut zu dieser Welt, nicht um sie wieder beherrschen zu wollen sondern um in ihr „Samenkoerner“ des Lichtes zu entdecken und die frohe Botschaft von Jesus Christus im Dialog zur Sprache zu bringen.

Ich werde mich auch weiterhin mit aller Kraft und vor allem in meiner Praelatur fuer die Konzilskirche einsetzen.

Jesus hat sich zwar auch mit aller Deutlichkeit den Pharisaern entgegengesetzt, aber er hat dabei nie einen mit Namen angegriffen. Dies und die Schaerfe meiner Ausdruecke war mein Fehler und hat leider dazu beigetragen, dass die Presse den Konflikt der Kirchenbilder auf einen persoenlichen Konflikt reduzierte. Ich bitte Erzbischof Gaenswein und alle die ich damit verletzt habe um Entschuldigung und nehme meine Worte des „Nachrufs“ zurueck.



Blog von Reinhold Nann, 9.2.2020
Georg Gaenswein - Ein Nachruf

Lange war Georg Gaenswein ein Medienstar und einflussreicher Mann im Vatikan. Als Kardinal Ratzingers Privatsekretaer wurde er zum Sekretaer des Papstes Benedikt. Kurz vor dessen Ruecktritt wurde er Praefekt des paepstlichen Hauses mit dem Titel Erzbischof. Immer strahlend laechelnd hinter dem Papst. Auch bei Franziskus bis vor wenigen Tagen. Nun ist damit Schluss – endlich. Denn Georg Gaenswein ist tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt. Jetzt hat ihm Franziskus die Fluegel beschnitten. Erstmal ist er von seinen offiziellen Aufgaben im Vatikan “beurlaubt”, wie man das so schoen nennt. Er darf aber weiterhin Altenpfleger von Benedikt sein.

Ich gebe es gerne zu: er war mir schon seit unserer gemeinsamen Zeit im Priesterseminar in Freiburg unsympathisch. Schon damals sehr auf sein Auesseres bedacht, strahlendes Laecheln aber hart im verbalen Angriff, extrem konservativ. Nach seinem Aufbaustudium im Kirchenrecht ging er gleich nach Rom. In einer deutschen Pfarrei oder Dioezese waere er durch seine polarisierende Art untragbar gewesen. In der Kurie war er nicht nur ein Privat-Sekretaer. Er hat sich seine Kontakte aufgebaut. In dem durchaus umstrittenen Buch “Sodom” von Frederic Martel werden seine Kontakte mit Kardinal Mueller, Kardinal Sarah und der Fuerstin Gloria von Thurn und Taxis beschrieben. Eine “Lobby” eigener Art.

Die Affaere mit dem Buch von Sarah – Ratzinger brachte nun das Fass zum Ueberlaufen. Gaenswein selbst bekam offenbar nasse Fuesse und forderte Sarah auf, die Mitautorenschaft von Benedikt aus dem Buchtitel zu streichen. Ich hatte in letzter Zeit schon oefter den Eindruck, dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kraftig manipuliert und fuer ihre Intrigen einspannt. Und der Drahtzieher bei all dem kann eigentlich nur der Sekretaer gewesen sein. Nun hat er sich ueberreizt. Genau wie vorher Mueller. Ciao Don Giorgio.

Ich bete jeden Tag fuer Papst Franziskus. Dass er die “Boecke” von den “Schafen” im Vatikan unterscheiden kann und im Heiligen Geist die Kurie und die Kirche erneuert.