Freitag, 1. November 2019

Größtes Sumpfgebiet der Welt steht in Flammen

ORF, 31.10.2019
Brasilien: Brände wüten in weltgrößtem Sumpfgebiet
Brasilien kämpft mit der nächsten Umweltkatastrophe: Im brasilianischen Pantanal, dem größten Sumpfgebiet der Welt, lodern die schlimmsten Brände seit Jahren. Die Lage in dem artenreichen Feuchtgebiet sei „kritisch“, warnte die Regierung des Bundesstaats Mato Grosso do Sul heute. Die Brände seien „gewaltig“, erklärte Paulo Barbosa de Souza vom Zentrum für Risikomanagement nach einem Überflug. Fast 50.000 Hektar seien betroffen.

ntv, 31.10.2019
Größtes Sumpfgebiet der Welt
Brasilianisches Pantanal steht in Flammen
Wieder wüten in Brasilien schwere Brände, diesmal breiten sie sich über ein Sumpfgebiet von fast 50.000 Hektar aus. Das artenreiche Ökosystem ist Lebensraum für Hunderte Fisch- und Vogelarten. Die Regierung des Bundesstaates bezeichnet die Lage als "kritisch".

O Globo, 30/10/2019
Fogo no Pantanal é 'em proporções nunca registradas', isola quem está lá e orientação é evitar rodovia à noite
Segundo o governo de MS, ao menos 50 mil hectares de vegetação nativa já foram queimados. 'Cenário é de devastação'

Estadão, 28.10.2019
Queimadas voltam ao Pantanal e número de focos em outubro já é 957% maior que em 2018

WWF-Brasil, 30.9.2019
Em 2019, área queimada na Amazônia, no Cerrado e no Pantanal soma 113.743 km2
Desta área, o bioma mais atingido é o Cerrado, com um acumulado de 63.698 km2 em 2019. Amazônia é o segundo mais atingido com 43.573 km2 e Pantanal fica em terceiro com 6.472 km2.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Paulo Suess: Verheiratete Priester werden kommen


Erzdiözese Wien, 31.10.2019
Amazonien-Experte Suess:
Verheiratete Priester werden kommen
Deutsch-brasilianischer Theologe und Synoden-Experte im "Kathpress"-Interview über zentrale Ergebnisse der Amazonien-Synode und Vorhaben des Papstes

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess ist fest davon überzeugt, dass Papst Franziskus den Weg für verheiratete Priester in Amazonien freigeben wird. Das hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur "Kathpress" betont. Der Papst wollte dies nicht von oben herab bestimmen, sondern habe auf die nun von der Amazonien-Synode gegebene breite Zustimmung zu diesem Schritt gewartet. Das sei auch das Neue und Besondere am synodalen Weg, "dass auf die Stimme des Volkes gehört wird". Mehr als 80.000 Menschen seien im Vorfeld der Synode in deren Vorbereitung involviert gewesen, so Suess.

Geduld bei Weiheämter für Frauen
Der 81-jährige Theologe und Priester hatte als Experte an der Synode teilgenommen. Er äußerte sich am Rande einer Tagung in Salzburg, wo am Mittwoch und Donnerstag über die Ergebnisse der Synode beraten wurde.

Suess zeigte sich überzeugt, dass sich auch hinsichtlich der Öffnung von Weiheämtern für Frauen etwas in der katholischen Kirche bewegen wird. Hier brauche es aber noch mehr Geduld, schließlich handle es sich um eine gravierende kulturelle Veränderung, "und das wird noch länger dauern". Jetzt müsse einmal das Diakonat für Frauen geöffnet werden, "und wenn sich dieses bewährt hat, wird man weitersehen". Die Dinge bräuchten einfach Zeit. Frauen würden etwa seit Jahrzehnten im Amazonasgebiet inoffiziell als Gemeindeleiterinnen fungieren, nun werde erstmals im Synodendokument offiziell die Möglichkeit der kirchlichen Beauftragung für Gemeindeleiterinnen erwähnt.

Hinsichtlich der Weihe verheirateter Männer zu Priestern wies Suess darauf hin, dass viele dieser Männer seit Jahrzehnten ihren Gemeinden vorstehen würden. Hier brauche es keine großen Ausbildungsprogramme oder Probezeiten mehr. "Hier geht es nur mehr darum, dass ihnen der Bischof die Hände auflegt und sie weiht."

Es hat auch "Bremser" gegeben
Der Theologe räumte ein, dass bei der Synode nicht alle Teilnehmer gleicher Meinung gewesen wären. Es habe auch "Bremser" gegeben, auf die man im Schlussdokument habe Rücksicht nehmen müssen. Trotzdem wolle er es so auf den Punkt bringen: "Papst Johannes XXIII. hat die Fenster aufgemacht. Papst Franziskus hat jetzt auch die Türen aufgemacht. Jetzt müssen wir halt rausgehen."

Die Kirche sei verantwortlich dafür, die Menschen in Amazonien durch das Wort Gottes und die Sakramente zu stärken. Nur beides zusammen sei wirklich katholisch. Die Synode sei ein erster wichtiger Schritt dafür gewesen.

Wenig Freude hat Suess - wie er weiter sagte - mit den zahlreichen Sekten im Amazonas-Gebiet, die regen Zulauf hätten. Diese würden sich nicht um den Umweltschutz kümmern und die Kultur der Indigenen zerstören. Die katholische Kirche müsse darauf mit einer Stärkung der indigenen Identität antworten.

Mehr Bewusstsein für Schöpfungsverantwortung und den Schutz der Umwelt brauche es im Westen wie auch in Brasilien selbst, so der Theologe. Zwar ließen sich die Ergebnisse der Amazonien-Synode nicht 1:1 auf Europa umlegen, aber in dieser Hinsicht sei die Kirche auf beiden Kontinenten gleichermaßen gefordert.

Haupthema war Zukunft der Schöpfung
Das grundlegende Thema der Synode sei das Leben und die Zukunft der Schöpfung gewesen, so Suess. Die innerkirchlichen Reformen seien diesem Grundanliegen nachgereiht - freilich für eine glaubwürdige und inhaltlich kohärente Kirche unbedingt vonnöten.

Der Theologe und Missionswissenschaftler Suess war einer der Hauptreferenten bei einer nachsynodalen Tagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil am Mittwoch und Donnerstag. Als zweiter Hauptreferent war der Amazonas-Bischof und Präsident des Indigenenmissionsrats der brasilianischen Bischöfe (CIMI), Erzbischof Roque Paloschi, angereist. Von Seiten der heimischen Bischöfe nahmen Erzbischof Franz Lackner, Bischof Werner Freistetter und Bischof Wilhelm Krautwaschl an der Veranstaltung teil. Rund 100 Vertreter von kirchlichen Umweltorganisationen bzw. entwicklungspolitischen Organisationen berieten über Konsequenzen aus der Synode für die Kirche in Österreich. Veranstalter war die Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission (KOO) der Österreichischen Bischofskonferenz.


Adveniat, 16.10.2019
Ist die deutsche Kirche reich, weil so viele arm sind?
Interview zum Welttag der Armen mit dem in Brasilien lebenden Theologen Paulo Suess

Mit dem Welttag der Armen will Papst Franziskus „die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen“. Die beiden Hilfswerke Adveniat und Misereor haben auf den verschiedenen Kontinenten Menschen interviewt, die sich mit ihrem Leben für die Armen einsetzen. Papst Franziskus holt uns aus der Komfortzone des Lebens auf den Boden des Alltags, ist der in Brasilien lebende Theologe Paulo Suess überzeugt.

Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode


Redaktion Feinschwarz 31. Oktober 2019
Wenn der Fluss über die Ufer tritt …
Über die gerade abgeschlossene Amazoniensynode

Ein Exklusivbericht der Synodenteilnehmerin Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode.

Den Titel meines Beitrags habe ich in Anklang an ein Bildwort des Papstes gewählt, das er in einer Ansprache im Verlauf der Synode gebrauchte, um uns zu motivieren, mutig weit über eng abgesteckte Rahmen und Grenzen hinauszuschauen und – von der Liebe zu Gott, zu den Menschen Amazoniens sowie zu diesem konkreten Teil der Erde beflügelt – Neues zu wagen. Der Papst gebrauchte mehrmals den spanischen Begriff “desbordante”.

Wasser für steriles Land

Dieser ist uns im Amazonasgebiet sehr gebräuchlich, bleiben doch in der Regenzeit die Flüsse nicht in ihrem vorgegebenen Flussbett, sondern treten aufgrund der grossen Mengen an neuem Wasser, das ihnen zugeführt wird, weit über die Ufer. Dadurch befruchten sie das umliegende Land, das sonst steril bliebe. Es ist ein starkes Bild für das, was zumindest anfanghaft und mit gewisser Kraft in den Wochen der Synode für Amazonien geschehen ist und nun in der Umsetzung weiter vorangebracht werden will.

Ich habe in den Tagen oft an das Jesaja-Zitat gedacht: “Seht her, ich mache etwas Neues, schon kommt es zum Vorschein” (Jes 43,19). Das war im Synodenprozess mal sehr deutlich, mal inmitten im Ringen darum wahrzunehmen.

Lebenskraft spürbar

Wie Austen Ivereigh hervorhob, war dies die erste “territoriale” Synode überhaupt. Und zum ersten Mal standen die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Amazonasraumes, insbesondere die 390 indigenen Völker mit etwa drei Millionen Mitgliedern, im Mittelpunkt der Beratungen und Anliegen einer Synode.[1]

Die indigenen Vertreter und Vertrerinnen ihrer Völker traten seit dem ersten Arbeitstag der Synode deutlich hervor. Denn an diesem Tag wurde zu Beginn eine Prozession vom Petersdom in die Synodenaula gemacht, die von den Indigenen angeführt wurde. Im Petersdom waren ihre Instrumente und die Klänge ihrer Musik zu hören, sie waren dort zu sehen in der Farbentracht ihrer Kleider und mit ihren Tanzschritten. In alldem wurde etwas von der Lebenskraft und Lebensfreude Amazoniens sichtbar und spürbar.

Synodaler Geist bringt hierarchische Ordnung durcheinander,

Beim Auszug aus dem Petersdom geschah spontan etwas Bezeichnendes: angekündigt worden war, dass die Reihung beim Auszug gemäß der liturgischen strikt hierarchischen Ordnung im Petersdom zu erfolgen habe, mit den Synodenvätern je nach Rang an der Spitze. Aber verschiedene Bischöfe gaben deutliche Signale, dass wir doch alle Synodenväter und -mütter sind und daher miteinander und nicht nach Rängen geordnet den Weg gehen und in die Synodenaula einziehen sollten. Das geschah dann auch so.

Der darin zm Ausdruck kommende synodale Geist war weitgehend sehr präsent sowohl in den Plenarsitzungen als auch in der Arbeit in den so genannten “kleinen Zirkeln”. Es wurde mit viel Freimut gesprochen, auch über die brisanten Themen. Mehre Bischöfe, die schon an vielen Synoden teilgenommen haben, sagten uns, dass dies wirklich neu und ein wichtiger Schritt nach vorn gewesen sei, was die Generierung einer Kultur in Kohärenz mit einer synodalen Kirche anginge.

Kritischer Moment zu Beginn der letzten Woche

Der Freimut zeigte sich auch in einem kritischen Moment, als zu Beginn der letzten Synodenwoche der erste Entwurf des Abschlussdokumentes vorgelegt wurde, der inhaltlich nicht unseren Erwartungen und Anforderungen im Hinblick auf das Ergebnis der intensiven gemeinsamen Beratungen entsprach. Der Einspruch gegen diesen Text und die begründete Kritik daran wurden deutlich vorgebracht. Zugleich wurde in den folgenden Tagen konstruktiv und konsequent an der inhaltlichen Umgestaltung des Textes gearbeitet.
Zentrum und Peripherie: Von der Herausforderung, wahrhaft zu einer Weltkiche zu werden.

Die Spannung zwischen Peripherie und Zentrum wurde an verschiedenen Stellen deutlich. Obwohl Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben “Die Freude des Evangeliums” und anderswo darauf gedrängt hatte, einen inneren und äußeren Ortswechsel zu vollziehen und zu lernen, die Welt aus der Perspektive eines anderen Ortes, eben nicht des Zentrums, sondern der (Macht)Peripherie wahrzunehmen sowie die Peripherie, die Welt der Armen, gesellschaftlich an den Rand Gedrängten und Ausgeschlossenen als Erschließungsort des Evangeliums anzuerkennen[2], war auffallend, wie schwer dies im Dialog mit verschiedenen Vertretern der Kurie zu verwirklichen war.

Hier überwog häufig die Perspektive, primär in kirchenrechtlicher Perspektive die Realität zu betrachten und zu beurteilen und eben nicht vorrangig in pastoraler Perspektive der Peripherie, ausgehend von den pastoralen Nöten und Erfordernissen, die viele Bischöfe und Laien, vor allem indigene Repräsentanten ihrer Gemeinden eindrücklich vorbrachten.

Dass dies auch anders geschehen kann, zeigte der Redebeitrag von Kardinal Oswald Gracias, dem Erzbischof von Bombay und Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Asiens, der promovierter Kirchenrechtler ist. Er wies Wege auf, wie vom Kirchenrecht her die Einfuhrung der Viri Probati in den Ortskirchen Amazoniens ermöglicht werden könnte. Denn ihm sind die zugundeliegenden pastoralen Nöte von seinem Kontext her wohl bekannt.

Priesterweihe für verheiratete Familienväter

Es war auch bewegend, die Beiträge der indigenen Repräsentanten zu diesem Thema zu hören. Nachhaltig beeindruckt hat uns der Redebeitrag eines indigenen Katecheten der Quichua, der sehr eindringlich vorbrachte, dass den Gemeinden, die er pastoral begleitet, die Eucharistiefeier sehr viel bedeutet und sie die meiste Zeit darauf verzichten müssen. Denn aufgrund des akuten Priestermangels können sie diese nur zwei- oder dreimal im Jahr feiern. Er bat im Namen dieser Gemeinden eindringlich um die Einführung der verheirateten Familienväter mit Priesterweihe. In den verschiedenen Beiträgen wurde dieses Argument stark gemacht, da es der tiefe Wunsch vieler christlicher katholischer Gemeinden im Amazonasgebiet ist; das haben die Konsultationen deutlich gezeigt.

Wie kontrovers dieses Thema auf der Synode diskutiert wurde, zeigt das Abstimmungsergebnis in Bezug auf das Schlussdokument. Über jeden seiner 120 Textabschnitte oder Artikel im zweiten Textentwurf musste getrennt abgestimmt werden. Nur die Artikel, die die Zweidrittelmehrheit erhielten, das hieß mindestens 120 Stimmen, schafften es ins Schlussdokument. Der Artikel über die verheirateten Priester erhielt zwar die meisten Gegenstimmen (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen), errang aber die nötige Stimmenzahl. Es müssen noch genaue Kriterien für die Auswahl der entsprechenden Familienväter erstellt werden.

Klerikalisierung vermeiden

In den Redebeiträgen wurde oft darauf hingewiesen, dass eine Klerikalisierung der verheirateten Familienväter unbedingt vermieden und sicher gestellt werden muss, dass sie die Fähigkeit zur Arbeit in einem pastoralen Team von Frauen und Männern sowie zur Gestaltung guter Kommunikationsprozesse und Schaffung von Konsens besitzen; letzteres ist von großer Bedeutung in den indigenen Gemeinden, da es ein wesentlicher Aspekt ihrer Kultur ist. Im Hinblick auf die Viri Probati und ihre Ausbildung muss noch vieles im Detail bedacht werden. Wichtig ist, dass der Weg hierzu frei wird.
„Jetzt ist die Stunde”: Mehr Leitungsverantwortung und Leitungsämter für Frauen in der Kirche

Der Satz „Jetzt ist die Stunde“, der aus einem Zitat von Papst Paul VI. im Zusammenhang mit der wesentlichen Rolle der Frauen stammt, wurde zu einem Leitwort während der Synode. In vielen Beiträgen in der Synodenaula als auch in den kleinen Arbeitszirkeln wurde die Notwendigkeit stark zum Ausdruck gebracht, miteinander effektiv an der Überwindung von Machismo und Klerikalismus in der Kirche im Allgemeinen und der Kirche Amazoniens im Besonderen zu arbeiten, Frauen mehr Leitungsverantwortung und Leitungsämter, die kein Weiheamt voraussetzen, – und das sind viele –, zu übertragen.

Das wurde nicht nur von uns Frauen, sondern ebenso von vielen Bischöfen gefordert. In meiner Arbeitsgruppe sagte zum Beispiel ein Bischof, der bereits eine Frau zur Generalvikarin in seiner Diözese ernannt hat, dass “synodale Kirche sein” bedeutet, nicht nur miteinander Wege zu gehen, sondern auch miteinander zu beraten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Wir Frauen wurden von vielen Bischöfen darin unterstützt, dass es unbedingt an der Zeit ist, formal anzuerkennen, was in der Kirche Amazoniens bereits Realität ist, nämlich, dass die katholische Kirche an vielen Orten nur dank der Frauen präsent ist.

Dienstamt für Frauen als Gemeindeleiterinnen

Diese leiten viele Gemeinden, koordinieren die Pastoralarbeit, regen verschiedene Initiativen an wie Bibelkreise, in denen das Wort Gottes auf das Leben hin ausgelegt wird, eine ganzheitlich ausgerichtete Gesundheitspastoral sowie eine ganzheitliche Ökologie und die ihr zugrunde liegende Schöpfungsspiritualität sowie deren Umsetzung in konkretes Handeln aus ökologischer Verantwortung. Daher wurde mit Nachdruck darum gebeten, ein Dienstamt für Frauen als Leiterinnen von Gemeinden einzuführen, da die glaubhafte Bezeugung des Evangeliums und die pastorale Begleitung der Gemeinden dies erfordern.

Es wurde von vielen Frauen, aber auch von mehreren Bischöfen deutlich der Wunsch vorgetragen, die Diakonninenweihe in der katholischen Kirche einzuführen. Das war in den Konsultationen von vielen Menschen im Amazonasgebiet erbeten worden. Darauf ist mit Nachdruck hinzuweisen angesichts von Kritiken aus sehr konservativen Kreisen, dass angeblich deutsche Priester und Bischöfe diese Gedanken in das Arbeitsdokument für die Synode eingetragen hätten. Dem ist nachweislich nicht so.

Nötiges Zugeständnis

Im Schlussdokument fällt auf, dass der Textabschnitt zum Frauendiakonat sehr vorsichtig formuliert ist. Dies war ein nötiges Zugeständnis, um sicher zu stellen, dass dieser Abschnitt überhaupt im Schlussdokument erscheint. Es ist der Artikel, der nach dem Abschnitt über die verheirateten Priester die meisten Gegenstimmen zu verzeichnen hatte, aber dennoch etwas mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhielt.

Wir Frauen haben getrennt davon ein Gesuch an den Papst gestellt, die Frage des Frauendiakonats weiterzuführen. In seiner Ansprache nach der Abstimmung erkannte er an, dass die stärkere Rolle der Frau in der Kirche generell und in Amazonien im besonderen eine starkes Thema der Synode war. Er versprach, die Kommission zum Frauendiakonat mit neuen Mitgliedern zu besetzen, um in der Frage weiterzukommen und die Rolle der Frau in der Kirche noch mehr zu stärken.

Zeichen der Hoffnung

Ein kleines Zeichen in diese Richtung ist, dass er zwei Frauen und einen Laien in die Kommission zur Redaktion des päpstlichen Schreibens im Anschluss an die Synode berufen wird. Das war bislang nicht üblich. Er hat in mehreren Aussagen zu verstehen gegeben, dass er sich wünscht, dass den Frauen noch viel mehr Raum in der Kirche gegeben wird und ihr Beitrag weit über die Funktionen hinausgeht, die sie ausüben.
Kirche, Bündnispartnerin der Völker Amazoniens im Einsatz für den Erhalt des Amazonasraumes angesichts seiner großen Gefährdung

Ein weiteres zentrales Thema der Synode, das auch im Schlussdokument eingehend behandelt wird, ist die enorme Gefährdung des Amazonasraumes. Er ist davon bedroht aufgrund der zahlreichen schädigenden Eingriffe in das an Biodiversität so reiche, aber zugleich so verwundbare Ökosystem zu kollabieren.

Suche nach Bündnispartnern

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber machte in seinem Beitrag deutlich, dass nur noch etwa zehn Jahre bleiben, um dem Erreichen des drohenden Kipppunktes entgegenzuwirken. Dieser würde katastrophale Folgen nicht nur für Lateinamerika, sondern letztlich für den gesamten Planeten haben.

In bewegenden Worten riefen mehrere indigene Vertreterinnen die Kirche dazu auf, Bündnispartnerin ihrer Völker im Einsatz zum Erhalt Amazoniens zu sein. Die Kirche hat sich im Schlussdokument darauf verpflichtet und anerkannt, dass sie viel von den indigenen Völkern im Hinblick auf eine ganzheitliche Ökologie und eine ökologisch verantwortliche Beziehung zum Lebensraum lernen kann. Gemeinsam mit diesen Völkern als Protagonisten will sie sich für neue, solidarische und wahrhaft nachhaltige Modelle des Wirtschaftens einsetzen. Auf der Synode wuchs die klare Erkenntnis, dass es dazu internationaler Allianzen nicht nur innerkirchlich, sondern auch auf zivilgesellschaftlicher und zwischenstaatlicher Ebene unbedingt bedarf. Dieser Aspekt hätte meines Erachtens noch vertieft werden können.

Identität der Kirche Amazoniens

Im Prozess der Synode hat sich die Identität der Kirche Amazoniens, die sich vom Territorium und den verschiedenen Kulturen prägen lässt, danach trachtet, sich in diesen Kulturen zu beheimaten („inkulturieren“) und im Kontext Amazoniens das Evangelium in Wort und Tat glaubhaft zu verkünden, weiter ausgeprägt. Die Kirche in Amazonien ist sich ihrer Partikularität noch stärker bewusst geworden sowie der Notwendigkeit, viel intensiver und in vernetzter Weise zusammenzuarbeiten. Zugleich hat sich das Bewusstsein ihrer Würde als Partikularkirche gestärkt, die sich eine Weltkirche wünscht, in der die Einheit in der Anerkennung und Wertschätzung der Vielfalt gründet.



Prof. Dr. Birgit Weiler gehört dem Orden der Missionsärztlichen Schwestern an. Als Spezialistin für indigene Theologien lehrt sie systematische Theologie an der Jesuiten-Universität Antonio Ruiz de Montoya in Lima/Peru und nahm als vom Papst ernannte Expertin an der Amazoniensynode teil.

Bildquelle: Pixabay

[1] Ivereigh, Austen, When the Amazon Meets the Tiber. What to Expect from the First ‘Territorial’ Synod, in: https://www.commonwealmagazine.org/when-amazon-meets-tiber, Abruf vom 27.10.2019.

[2] Vgl. Gmainer-Pranzl, Franz, Missionstheologie und Entwicklungstheorie. Skizze eines interdisziplinären Projekts, in: Delgado, Mariano/Sievernich, Michael/Vellguth, Klaus (Hg.), Transformationen der Missionswissenschaft. Festschrift zum 100. Jahrgang der ZMR (Sonderband der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft), St. Ottilien 2016, 128–137,135.

Amazonien-Synode-Abend mit Erwin Kräutler in Bregenz


Vorarlberger KirchenBlatt, 31.10.2019
Zuversichtlich und optimistisch
Rund 200 Interessierte kamen am Mittwochabend (30.10.2019) in die Bregenzer Seekapelle, um Bischof Erwin Kräutler zu hören. Er erzählte von der Amazonien-Synode, von Ergebnissen und Hintergründen, von Anekdoten und Nebenschauplätzen. Seine Zuversicht und Gelassenheit steckten an.

Das Interesse für den Abend war unerwartet groß und so entschieden die Veranstalter am Nachmittag, den Vortrag von der Buchhandlung Arche in die Seekapelle zu verlegen. Eine gute Entscheidung, der Ort war stimmungsvoll, die Konzentration leicht, es gab ausreichend Platz und Luft. Neben dem Altar nahmen Bischof Erwin Kräutler und Moderatorin Judith Zortea Platz. Obwohl der Geistliche erst am Vortag aus Rom zurückgekommen war, zeigte er sich frisch und wach, beantwortete die Fragen klar und engagiert. Was zuvor aus den Medien als Faktum bekannt war, bekam dadurch neue Farbe, denn Kräutler erzählte von Hintergründen und Nebenschauplätzen und machte das Geschehen in Rom damit lebendig und greifbarer.

Das Volk einbezogen
Eine Besonderheit dieser Synode, so der emeritierte Bischof von Xingu, war deren Vorbereitung. Am 18. Jänner 2018 schon verkündete Papst Franziskus bei einem Treffen mit indigenen Völkern den Beginn. Es wurden Fragebogen verteilt, die nicht nur von Experten, sondern von allen, also auch dem "kleinen Mann und der kleinen Frau" ausgefüllt wurden. Die Umfrage wurde gebündelt und nach Rom geschickt, daraus entstand das Arbeitspapier der Synode. "Während der Synode hab ich von überallher 'Sabisabis' bekommen - das sind WhatsApp-Nachrichten bei uns in Brasilien", erzählt Kräutler. "'Wir beten für euch', hieß es dort oder 'die ganze Synode über brennen Kerzen bei uns'... Die Leute durften ja mitreden, das Ganze ist ein Prozess."

Priesterfrage
Die Situation der Menschen vor Ort bestimmte die Themen und Ergebnisse der Synode. "Bei uns haben tausende von Gemeinden nur zwei- bis dreimal im Jahr die Möglichkeit, Eucharistie zu feiern. Bei den großen Festen wie Weihnachten und Ostern ist nie ein Priester da", schilderte Kräutler die Lage. "Laien - Frauen und Männer - halten Wortgottesdienste. Warum können diese nicht der Eucharistie vorstehen, warum erhalten sie keine Weihe?" Aus dieser Situation war der Wunsch nach einer Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt entstanden. "Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats", stellte Kräutler klar. "Sondern es soll auch andere Zugänge zum Priesteramt geben."

Stimme der Frauen
Diskutiert wurde auch über die Rolle der Frau bzw. über das Frauendiakonat. Bei der Abstimmung sprachen sich acht von zwölf Gruppen dafür aus, dieses sofort einzuführen. Dieses "Sofort" schaffte es nicht in die Schlusserklärung. "Aber das Frauendiakonat ist drin im Text, es ist nicht vom Tisch", erklärte Kräutler zuversichtlich. Zudem erweiterte der Papst die Kommission, die diese Frage seit geraumer Zeit bearbeitet. Kräutler stellte eine große Wertschätzung der Frau fest, was ihn besonders freute. "Frauen sollen in Leitungspositionen kommen, damit es nicht nur männliche Entscheidungen gibt", erklärte er überzeugt. Zudem schilderte er, wie die Beiträge der über 50 teilnehmenden Frauen während der Synode vielfach mit großem Applaus bestätigt wurden. "Es war sicher die letzte Synode, bei der Frauen nicht mitstimmen durften", zeigte sich der Kirchenmann optimistisch.

Ein "amazonischer Ritus"
Ein großes Thema - gerade in Zusammenhang mit den indigenen Völkern - war die Frage der Inkulturation. "Evangelisierung muss von den kulturellen und religiösen Erfahrungen der Menschen ausgehen - sie sind der Humus, auf dem wir verkünden", brachte Kräutler die Grundausrichtung der Synode zum Ausdruck. Es gehe darum, neue Formen zu finden, die die kulturellen Ausdrucksweisen eines Volkes berücksichtigen - ob dies nun Tänze sind oder mythologische Erzählungen. Wie ein solcher "amazonischer Ritus" konkret aussehe, stehe noch nicht fest. Es gebe hunderte verschiedene Völker in Amazonien und vier Sprachgruppen - ein solcher Ritus müsse erst entwickelt werden. "Die Synode ist lediglich ein Impuls für eine neue Vision der Liturgie", so Kräutler.

Ökologische Umkehr
Das zweite große Thema neben diesen "neuen Wegen der Kirche" waren Fragen zu einer ganzheitlichen Ökologie. Seit 54 Jahren lebt der Vorarlberger in Brasilien und wurde Zeuge der jahrzehntelangen Regenwaldzerstörung, die nicht nur indigene Völker ihres Lebensraums beraubt, sondern auch fatale Auswirkungen auf das Weltklima hat. "Die Axt ist am Baum", sagte er in Vorarlberger Weise. Die Synode erklärte, dass die "Kirche ihr Potential ausnützen müsse für Gewissensbildung und Öffentlichkeitsarbeit - in allen Gemeinden, weltweit". Kräutler ist davon überzeugt, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, dass wir quasi mitschuldig sind, denn Wirtschaftsabläufe sind weltweit vernetzt. Es gehe darum, alles zu hinterfragen - woher es kommt, wie es produziert wird oder verpackt ist. Der Papst spreche von einer "ökologischen metanoia" - einer ökologischen Umkehr.

Die Fragen, die nach dem ersten Teil aus dem Publikum kamen, wurden von Kräutler in aller Offenheit beantwortet - oder, je nach Thema, offengelassen. Die Stimmung in der Kirche war ebenso locker, wie der Redende selbst, immer wieder kam es zu Zwischenapplausen. Am Ende des Gespräches ermöglichte eine kurze Schweigezeit, das Gehörte wirken zu lassen. Schließlich wurde Bischof Kräutler in minutenlangem Applaus und Standing Ovations verabschiedet. Sie waren wohl auch Zeichen der Dankbarkeit und des Respekts für sein lebenslanges, außergewöhnliches Engagement. Viele BesucherInnen folgten schließlich der Einladung in die Buchhandlung Arche, in der ein Glas Wein wartete, Bischof Kräutler seine Bücher signierte und sich auf so manche Plauderei einließ.

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Die Tagespost, 9.11.2019
Auswirkungen auf die ganze Kirche
Bischof Erwin Kräutler plädiert für die Weihe verheirateter Männer und Frauen, nicht nur in Amazonien.

Tief im Westen, hinter dem Arlberg, liegt Vorarlberg. Zumindest aus österreichischer Sicht. Hier, im „Ländle“, wie die Einheimischen ihr Bundesland nennen, hat Bischof Erwin Kräutler seine Wurzeln. Hier kennt der Amazonas-Bischof die Seinen, und die Seinen kennen ihn.

Für die Präsentation seines neuen Buchs „Erneuerung jetzt. Impulse zur Kirchenreform aus Amazonien“ ist die Buchhandlung Arche viel zu klein; man verlegt den Auftritt kurzerhand in die gegenüberliegende Seekapelle. In der Arche gewährt mir der Amazonas-Bischof ein Interview. „Es geht nicht um den Zölibat. Der wird nicht abgeschafft“, insistiert er. Aber: „Neben dem Zölibat soll es neue Zugänge zum Weihepriestertum geben. Gerade in Gegenden, wo wahnsinniger Priestermangel herrscht, so dass die Leute das ganze Jahr hindurch nicht eine Eucharistiefeier haben, ist es notwendig, dass wir neue Wege finden.“ Das sei „ein Sinn der Synode“ gewesen. „Es ging um neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie.“

„Diakoninnen wären der erste Schritt“
35 Jahre war der gebürtige Vorarlberger Bischof der Prälatur Xingu im Amazonas-Gebiet, bis 2016. „Wenn die Menschen weder an Weihnachten noch an Ostern noch an Pfingsten eine Eucharistiefeier haben, dann fehlt was. Die evangelikalen, pfingstlerischen Kirchen nützen das weidlich aus, weil wir einfach nicht da sind.“ Ein Rezept fand der Bischof in all den Jahrzehnten nicht. Außer die Forderung nach „personae probatae“, also nach der Weihe bewährter Männer und Frauen.

Verheiratete geweihte Männer wären ja nichts Neues, meint Kräutler mit Verweis auf die mit Rom unierten Ostkirchen. Die Weihe von Frauen wäre jedoch wider alle Tradition und das Ende der Ökumene mit der Orthodoxie, gebe ich zu bedenken. „Das ist eines der größten Probleme“, zeigt sich Kräutler nachdenklich. Doch er bleibt bei seiner Agenda: „Wir können das nicht von vornherein ausschließen. Es ist ein Prozess. Diakoninnen wären der erste Schritt.“

Richtig in Rage gerät der 80-jährige Bischof bei der Frage, ob er sich tatsächlich gebrüstet habe, nie einen Indio getauft zu haben: „Alles Blödsinn! Kompletter Unsinn! Ich habe vor Jahren gesagt, wir müssen schauen, dass es eine katholische Kirche mit indigenem Antlitz gibt. Es geht nicht darum, Indios zu taufen und zu denken, sie hörten damit auf, Indios zu sein und seien Christen.“ Ob er nun getauft habe oder nicht? „Aber natürlich. Tausende Indigene!“ Das Gerücht komme „aus einer bestimmten Ecke. Die machen mir das Leben manchmal zur Hölle.“

Kräutler erzählt vom Polizeischutz, den er in Brasilien seit 13 Jahren habe, von Angriffen auf ihn in Europa, „so brutal und teuflisch, wie ich es nie erwartet habe“. Ob das Zitat zur Taufe eine Fälschung sei? „Es ist total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich würde das nie so sagen.“ Die Taufe ist und bleibt heilsrelevant? „Ja, klar! Sicher!“

"Haben Sie das jetzt verstanden?"
Kräutler signiert ein Buch, verabschiedet sich. „Haben Sie das jetzt verstanden?“, ruft er mir nach. Ja, hab ich. Drüben in der Seekapelle warten Einheimische, die ihren Bischof Erwin seit Jahrzehnten verstanden haben. Man kennt einander, und das schon lange, wie nicht nur der Altersdurchschnitt nahelegt. Kräutler kommt, Kniebeuge vor dem Tabernakel, Begrüßung in Vorarlberger Mundart, dann wechselt er ins Hochdeutsche. Der Amazonas-Bischof schildert Anfeindungen, Widerstände gegen seine Agenda und einen gut zuhörenden Papst.

Bei der Synode sei es um die klimaregulierende Funktion des Amazonasgebiets für den Planet Erde gegangen. Und um neue Wege für die Kirche: „Alte Wege müssen überarbeitet werden oder sind obsolet.“ Noch vor Weihnachten erwarte er das Nachsynodale Apostolische Schreiben des Papstes, so Kräutler. Der Abschlusstext der Synode sei „nicht exzellent, aber ziemlich gut“. Beim Frauen-Diakonat habe er mehr erwartet. Es seien ja mehrheitlich Frauen, die die Wortgottesdienste halten. „Warum kann eine solche Frau nicht zum Priestertum berufen werden?“ Der Amazonas-Bischof denkt nicht nur an Amazonien. Die Synode habe „Auswirkungen auf die ganze Kirche“. Auch in Österreich gebe es Priestermangel und „Blaulichtpriester“. Darum: „Es gibt gut vorbereitete Pastoralassistenten und -assistentinnen, die die Chance bekommen sollten.“ Allerdings geht es ihm bei der Forderung nach der Weihe von Frauen gar nicht um den Priestermangel: „Das ist eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit.“

Brutaler Angriff auf die indigenen Völker
Kräutler wirbt dafür, die „Ausdrucksformen der Indigenen in unsere Liturgie zu integrieren“. Etwa die Figur der Pachamama. „Es gibt Leute, die meinen, die Pachamama sei eine Göttin“, sagt er, um auf Rückfragen zu versichern, jene Katholiken, die die Figuren nach Rom gebracht haben, seien „weit davon entfernt, sie als Gottheit zu verehren“. Dieses „Symbol der Fruchtbarkeit“ in den Tiber zu werfen, sei „ein brutaler Angriff auf die indigenen Völker“ gewesen.

An diesem Abend in der Seekapelle zu Bregenz gibt es keine Widerworte gegen Bischof Kräutlers Forderungen nach einem amazonischen Ritus und nach „personae probatae“. Dafür stehende Ovationen und heimatliche Verbundenheit. „Griaß' dahoam“, ruft „der Erwin“, wie die Moderatorin den Bischof nennt, einem zu. Was er inhaltlich zu sagen hat, kennen die Seinen längst. An einer Stelle ist er nicht mehr sicher, ob es eine Formulierung von ihm oder von Paul Zulehner ist. „Ist ja egal!“, meint er.

Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu
Stimmt. Ist wirklich egal, denn Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu. Vor wenigen Tagen startete der gleichfalls in die Jahre gekommene emeritierte Wiener Pastoraltheologe eine Online-Petition „#Amazonien auch bei uns!“. Die Amazonas-Synode sei „ein historisches Ereignis für die Weltkirche“, das „in unsere Ortskirchen Bewegung bringen“ solle. Auch Zulehner fordert, dass „Personen, die sich in den Gemeinden bewährt haben und von diesen vorgeschlagen werden, über den Weg des Diakonats der Zugang zur Priesterweihe eröffnet“ werde. Das ist es, was Bischof Kräutler mit „personae probatae“ meint.

Erwin Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen


Vorarlberg.orf.at, 30.10.2019
Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen
Am Sonntag ging die Amazonas-Synode der Katholischen Kirche zuende mit einem kirchlichen Meilenstein: Künftig können auch verheiratete Männer die römisch-katholische Priesterweihe erhalten, vorerst aber nur im Amazonas-Gebiet. Der aus Koblach stammende ehemalige Bischof Erwin Kräutler spielte bei der Synode eine entscheidende Rolle.

Frauen in Amazonien bleibt jedoch die Diakonats-Weihe weiterhin verwehrt, obwohl Frauen inzwischen ehrenamtlich großteils die Arbeit in den Amazonas-Pfarren machen. Nun soll über das Frauendiakonat immerhin weiter diskutiert werden. „Das Thema ist nicht vom Tisch“, ist Alt-Bischof Erwin Kräutler im ORF-Interview überzeugt. Ein schwacher Trost für Katholikinnen, die bei der Synode zwar mitdenken, aber nicht mitstimmen durften.

Frage wird sich auch in Vorarlberg stellen
„Die Grundfrage ist: Wie können wir dem Volk Gottes besser dienen heute?“ sagt Kräutler und verweist auf notwendige Erneuerungsprozesse, die sich allerdings gegen starke konservative Bestrebungen in aller Welt durchsetzen müssten. Auch in Vorarlberg brauche es einen solchen Schritt, „und der wird auch kommen. Ich denke, wenn es in Amazonien möglich ist, wird sich in einigen Jahren die Frage auch hier stellen“, ist der Alt-Bischof überzeugt.

Der Zölibat bleibe zwar unantastbar, „aber neben dem zölibatären Priester wird es die Möglichkeit geben, dass auch verheiratete, im Beruf stehende, vorläufig nur Männer auch geweiht werden können“, so Kräutler. Das Eine schließe das Andere nicht aus.

Priesterweihe für Verheiratete
Dass in Ausnahmefällen und vorerst nur in Amazonien ältere bereits verheiratete Männer die Priesterweihe empfangen können, werten Kirchenkenner als Punktesieg. Diesen habe der Papst am Ende der Synode gegen seine konservativen Gegenspieler errungen, mit vielleicht doch weitreichenden Folgen für die Weltkirche.

Päpstliche Entscheidung bis Ende des Jahres
Beim zweiten großen Thema – dem Umweltschutz – sprachen sich die Bischöfe klar gegen die Abholzung des Regenwalds und die Vertreibung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung aus. Erwin Kräutler wurde in den postsynodalen Rat gewählt, eine aus 13 Mitgliedern bestehende Kommission, die die Ergebnisse analysieren- und den Papst weiterhin beraten soll. Franziskus will bis Ende des Jahres entscheiden, was er nun mit den Beschlüssen der Bischofsversammlung macht.


Katholisch.at, 31.10.2019
Bischof Kräutler: Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch"
Für den emeritierten Amazonas-Bischof Erwin Kräutler ist das Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch". In einem ORF-Interview am Mittwoch zeigte sich der aus Vorarlberg stammende Bischof zufrieden damit, dass das Frauendiakonat während der vatikanischen Sondersynode über Amazonien und auch weiterhin diskutiert werde, auch wenn "die Erwartung war, dass etwas passiert". Entschieden wurde u.a., dass die vom Papst 2016 eingesetzte Studienkommission über das Diakonat der Frau ihre Arbeit wieder aufnimmt. Dadurch "dauert es noch ein bisschen länger, aber es kommt, ich sag's nach wie vor."

Zum Thema:

NZZ, 31.10.2019
Nach der Amazonas-Synode:
Papst Franziskus muss den Zölibat lockern
Die Amazonas-Synode hat konkrete Vorschläge gebracht, zum Beispiel zur Lockerung des Zölibats. Wenn Franziskus nicht zum Papst der Ankündigungen werden will, muss er sie umsetzen.


Soundcloud, 30.10.2019
Dom Erwin Krautler comemora resultado do Sínodo da Amazônia

IHU, 10 Outubro 2019
Permitir padres casados é única solução para ordenar mais sacerdotes indígenas, defende Dom Erwin Kräutler
Tema tem sido debatido abertamente no Sínodo da Amazônia, no Vaticano, e não é unanimidade. Celibato é regra na Igreja, mas comunidades no interior da Amazônia acabam ficando sem padres. Autorizar que homens casados exercessem o sacerdócio permitiria que indígenas assumissem essa função, dando acesso à missa para mais moradores da região.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Mysteriöse Ölpest an Brasiliens Küste


Deutsche Welle, 30.10.2019
Ölpest bedroht brasilianischen Naturpark
Seit zwei Monaten verschmutzt Rohöl unbekannten Ursprungs die brasilianische Küste. Das Öl könnte schon bald auch die Inselgruppe Abrolhos erreichen und dort Korallenriffe und seltene Tierarten verseuchen.

Kathpress, 30.10.2019
Bischöfe entsetzt über Ölkatastrophe an Brasiliens Stränden
Kirchen-Appell zu sofortigem "ökologischen Umdenken" angesichts von 2.000 durch Öl verschmutzten Küstenkilometern - Ölpest bedroht mittlerweile auch Naturpark Abrolhos in Bahia

ORF, 24.10.2019
Brasilien kämpft gegen mysteriöse Ölpest
Brasilien wird seit zwei Monaten von einer mysteriösen Ölpest heimgesucht. An mehr als 200 Stränden im Nordosten des Landes wurde Öl angeschwemmt. 600 Tonnen wurden bereits eingesammelt – zu einem Gutteil von Privatpersonen und NGOs. Präsident Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, viel zu spät reagiert zu haben. Und es ist vollkommen unklar, woher das Öl stammt.

ntv, 8.10.2019
Bolsonaro verdächtigt Ausland
Schwere Ölpest trifft auf Brasiliens Küste
An immer mehr Stränden entlang der brasilianischen Küste schwemmt das Meer klebriges Öl an. Die Herkunft des giftigen Schlamms ist unklar. Staatschef Bolsonaro deutet an, ein anderes Land könne verantwortlich sein.

NZZ, 11.10.2019
Mysteriöse Ölpest verdreckt Brasiliens Traumstrände
Es gibt viele Vermutungen darüber, wie das angespülte Rohöl in den brasilianischen Nordosten gekommen ist. Manche verdächtigen das Nachbarland Venezuela.



Folha de S.Paulo, 31.10.2019
Cientistas delimitam três áreas que podem ser a origem do vazamento de óleo
Grupo da UFRJ investiga derramamento a pedido da Marinha; principal desafio é falta de informação


Folha de S.Paulo, 30.10.2019
Mourão diz que navio legal que ejetou combustível é provável culpado por óleo
Presidente interino disse que Bolsonaro pode anunciar o responsável ainda nesta semana


Folha de S.Paulo, 26.10.2019
Análise de manual para conter óleo mostra que governo demorou a agir
União ignorou perguntas que determinam gravidade do desastre e acionam plano de contenção

O Globo, 29.10.2019
Protocolo internacional para limpeza de óleo nas praias traz alertas para 4 situações enfrentadas no Nordeste
Federação internacional que atua com o Ibama tem orientações para limpeza segura, mas métodos usados no litoral brasileiro diferem dos indicados pelo protocolo.

Jornal da Globo, 26.10.2019
Pesquisadores encontram produto que ajuda na limpeza de óleo no litoral do Nordeste
A origem do vazamento ainda é um mistério. A Petrobras diz que o óleo do Nordeste é uma mistura de três campos venezuelanos.