Freitag, 28. Februar 2020

"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols


Katholisch.de 21.02.2020
"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols
"Querida Amazonia", das nachsynodale Schreiben des Papstes, wurde nach dem Erscheinen viel kritisiert. Doch Michael Böhnke hat in dem Text eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Franziskus beendet darin ein klerikales Monopol.
Von Michael Böhnke

Haben wir bei aller Empörung schon wahrgenommen, was Franziskus in seinem Schreiben an das geliebte Amazonien verfügt hat? Er hat in einer Fussnote (Nr. 136) auf canon 517 § 2 CIC 1983 Bezug genommen: In diesem Zusammenhang hat er von Laien als Gemeindeleitern gesprochen und zudem daran erinnert, dass die Gemeindeleiter*innen auf Dauer eingesetzt, öffentlich anerkannt und mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet werden müssen. "Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter verantwortlicher Laien" (Nr. 94), und: "In einer synodalen Kirche sollten die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. Es sei daran erinnert, dass ein solcher Dienst Dauerhaftigkeit, öffentliche Anerkennung und eine Beauftragung durch den Bischof voraussetzt. Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften (es müsste Gemeinden heißen, [vgl. den italienischen und englischen Text, wobei letztgenannter den Begriff Gemeindedirektorin nahelegt]; M.B.) haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben." (Nr. 103)

Bei all dem Ärgerlichen, das in dem Text über Frauen gesagt wird und das ich nicht gutheißen kann, an diesen beiden Stellen ist von Laien als Trägern von Vollmachten die Rede, von Gemeindeleitung durch Laien, von c. 517 § 2 als einer 'Lösung' auf Dauer und von einer synodalen Kirche mit amazonischen Gesichtszügen. Es ist davon die Rede, dass in Amazonien Laien kirchliche Ämter innehaben und sie mit Vollmachten ausgestattet synodal über den Weg der Kirche effektiv mitentscheiden (!) können. Das ist vielleicht keine Sensation, oder doch?

Papst Franziskus hat sich für die Abschaffung des "Soli" entschieden. Er hat im Gegensatz zur wenig stimmigen Norm von c. 274  § 1 CIC, der zufolge allein Kleriker (Soli clerici) Ämter erhalten können, zu deren Ausübung Weihegewalt oder kirchliche Leitungsgewalt erforderlich ist, festgelegt, dass Laien Ämter mit Vollmacht zum sakramentalen Handeln und Leitungsgewalt übertragen werden können. Er hat mit anderen Worten ein klerikales Monopol geknackt und sich dabei auf die bereits lang andauernde und auszubauende laikale pastorale Praxis in Südamerika berufen. Franziskus ist sich treu geblieben. Er denkt das Amt vom Volk her.


Eine übersichtliche Gestaltung der zitierten Stellen ist hier:


NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN
QUERIDA AMAZONIA


Katholisch.de, 28.2.2020
Eigenritus entstehe nicht "von heute auf morgen"
Papstvertrauter Fernández:
"Viri probati" in Amazonas-Ritus möglich
Wer im nachsynodalen Schreiben des Papstes auf die Einführung von "viri probati" gehofft hatte, wurde enttäuscht. Doch ein Vertrauter von Franziskus sagt nun, dass verheiratete Priester durchaus mit einem "Amazonas-Ritus" kommen könnten.


Osservatore Romano, 17 febbraio 2020
Apporti innovativi di «Querida Amazonia»
Dopo le prime reazioni di pianto o di trionfo, è ora opportuno procedere a una lettura serena di Querida Amazonia, affinché le sue sfide e i suoi apporti specifici non passino inosservati e per ascoltare ciò che lo Spirito Santo vuole dire alla sua Chiesa.

Sonntag, 23. Februar 2020

Carnaval 2020: Samba-Schule hinterfragt klassisches Jesusbild


Badische Zeitung, 19.2.2020
Streit um Sambaschule, die Jesus als Schwarzen und als Frau zeigt
Der Karneval von Rio wirft seine Schatten voraus: Eine berühmte Sambaschule nutzt seit Jahren den Umzug für sozialen Protest – und ist auch jetzt wieder in den Schlagzeilen.




Wiener Zeitung, 20.2.2020
Ein schwarzer Jesus und feministische Kämpferinnen
Bisher hat das Bild halbnackter Tänzerinnen das Image des Karnevals von Rio de Janeiro im Ausland geprägt. Doch der Kampf der Kulturen um die politische Deutungshoheit im Karneval ist voll entbrannt.

Domradio, 21.02.2020
Klassisches Heiland-Bild wird hinterfragt
"Schwarzer Jesus" wirbelt Carnaval in Rio durcheinander
Im Karneval von Rio de Janeiro wird Jesus in einem Umzug als dunkelhäutiger Slumbewohner inszeniert. Konservative Kreise halten das für Blasphemie.

Tagesschau, 23.2.2020
Karneval in Rio
Schrill, bunt und hart in der Kritik
Farbenprächtig und laut - das ist der Karneval in Rio. Da gibt es aber noch viel mehr: Kritik an Politik und Kirche. Den Sambaschulen wurden die öffentlichen Zuschüsse gestrichen. Für sie ein Grund mehr, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.




O Globo, 23.2.2020
Veja os melhores momentos dos desfiles

Donnerstag, 20. Februar 2020

Auen im Amazonasgebiet gehen verloren



Staudämme: Auen in der Amazonasregion erhalten
Tausende von Staudämmen sind weltweit in Planung und werden nahezu irreversibel in die dortigen Auen-Ökosysteme eingreifen. Insbesondere um die Energie der Flüsse im Amazonasbecken ist ein regelrechter Wettlauf entbrannt, milliardenschwere Investitionen fließen in die Stromerzeugung mit Wasserkraft. Mehr als 190 Dämme sind gebaut, und über 245 in konkreter Planung. Im Zuge dessen drohen einzigartige und hochgradig fluttolerante Bäume und an sie angepasste Arten unwiederbringlich verloren zu gehen.
Wissensplattform Erde und Umwelt, 2020



Ist Franziskus kein Reformpapst mehr?


Katholisch.de, 19.2.2020
Nach Veröffentlichung des Papstschreibens zur Amazonas-Synode
Kirchenhistoriker Wolf: Franziskus ist kein Reformpapst mehr
"Was soll man noch von einem Papst erwarten, der sagt, macht mir mutige Vorschläge - dann machen Bischöfe und Laien mit großer Mehrheit mutige Vorschläge, und was passiert? Nichts": Hubert Wolf macht aus seinen Ansichten über Franziskus keinen Hehl.

Die Tagespost, 20.2.2020
Nur zwölf Prozent der Deutschen sehen Franziskus als Reformpapst
Papst Franziskus ist bei den wenigsten Deutschen als Reformpapst bekannt. 48 Prozent lehnen die Bezeichnung laut einer Erhebung von „INSA Consulere“ ab. Sogar 60 Prozent der über 60-Jährigen sehen Franziskus nicht als Reformer.

Katholisch.de, 20.2.2020
Befragung kurz nach Veröffentlichung von "Querida Amazonia"
Umfrage: Viele Deutsche sehen Franziskus nicht als Reformpapst
Das nachsynodale Schreiben war für viele Befürworter von Kirchenreformen eine bittere Enttäuschung. Wie sehen die Menschen Papst Franziskus nach Veröffentlichung des Dokuments? Eine neue Umfrage wollte das herausfinden.

VaticanNews, 20.2.2020
Theologen zu „Querida Amazonia“: „Was will der Papst?“
Die Reaktionen auf das neue Papstschreiben „Querida Amazonia“ reißen nicht ab. Der an der Universität Salzburg lehrende Theologe Gregor Maria Hoff sieht auch eine Woche nach der Veröffentlichung des Papiers „eine zunehmende Ratlosigkeit“.

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".

Mittwoch, 19. Februar 2020

Papstschreiben bringt veraltetes Frauenbild

Der Standard, 19. Februar 2020
Die marginalisierte Frau in der katholischen Kirche
Der Papst perpetuiert eine "Struktur der Kirche", die von der ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss
Kommentar der anderen von Gunda Werner
Nur die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria? Im Gastkommentar ist das von Papst Franziskus formulierte Frauenbild für die Theologin Gunda Werner "nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal".
Ein gutes Leben für alle, soziale und ökologische Gerechtigkeit, die Anerkennung der Kulturen und die Rettung der Natur: Es ist eine hoffnungsvolle Vision, die sich Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" ("Geliebtes Amazonien") entwirft. In den ersten drei Kapiteln seiner Zusammenschau der Amazonassynode entspricht der Pontifex über weite Strecken – und mit der gebotenen christlichen Pointierung – den Forderungen ökologischer, christlicher und gesellschaftspolitischer Gruppen in Lateinamerika. Im vierten Kapitel "Eine kirchliche Vision" hingegen nimmt er nicht nur Ergebnisse der Synode nicht auf, sondern zerstört zugleich die Hoffnungen vieler Menschen auf eine Veränderung und Bewegung innerhalb der katholischen Kirche.

Die im Abschlussdokument der Synode von der Mehrheit der Bischöfe unterstützte Priesterweihe verheirateter Männer ("Viri probati") erwähnt der Papst mit keinem Wort, der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern erteilt er eine zwar langwierig formulierte, aber dadurch nicht weniger klare Absage. Das mag frustrieren, sollte aber nicht verwundern, entspricht es doch der kirchlichen Lehre. Mindestens verwundern dürfen dann allerdings doch einige Argumentationslinien dieses vierten Kapitels. Schließlich ist ebenjener Papst, der darin für die "entschlossene Verteidigung der Menschenrechte" eintritt, Staatsoberhaupt eines der wenigen Länder, die die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen bis heute nicht unterschrieben haben.

"Besondere" Würde

Außerdem: Würde der Vatikan wirklich entschlossen für die Rechte aller Menschen eintreten, könnte Franziskus nicht so ungebrochen eine "Theologie der Frau" vertreten, wie er es in seinem nachsynodalen Schreiben tut. Demnach leisten Frauen nämlich "ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben". Gott selber sei es, der "seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun" wolle, nämlich dem männlichen des göttlichen Sohnes und dem weiblichen der Mutter Maria.

In dieser Logik verwundert es nicht, dass Frauen vor allem deshalb nicht zu Weiheämtern zugelassen werden sollen, um sie vor Klerikalismus und Funktionalisierung zu bewahren. Und auch die Kirche selbst würde nach Ansicht des Papstes durch die Frauenweihe verarmen, weil der spezifische Beitrag der Frauen dann nämlich fehlte. Mit dieser Hervorhebung der besonderen Würde und Aufgabe der Frauen im Vorbild Marias, der zugleich eine Idealisierung des Priesterbildes als "Zeichen des Hauptes, das die Gnade vor allem im Feiern der Eucharistie ausgießt", gegenübergestellt wird, führt Franziskus eine Theologie fort, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Eine Theologie, die Frauen durch ihre Beschränkung auf das empfangende, dienende, passive "marianische" Prinzip gegenüber dem aktiven, gebenden, männlichen, in der Tradition Christi stehenden "petrinischen" Prinzip marginalisiert und lehramtlich legitimiert, dass Frauen in der katholischen Kirche zwar die gleiche Würde, aber eben nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Es ist daher ausgesprochen irreführend, nach außen für die allgemeinen Menschenrechte einzutreten, nach innen aber eine "Struktur der Kirche" zu perpetuieren, die von einer ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss.

Fatales Frauenbild

Auch einem der allgemein anerkannten Grundsätze der Entwicklungspolitik, dem zufolge das weltweite Armutsproblem untrennbar mit der ungerechten Verteilung der Güter und der strukturellen Benachteiligung von Frauen zusammenhängt, erteilt der Papst mit seinem Beharren auf dem marianischen und petrinischen Prinzip – und damit der Nichtgleichstellung der Frauen – eine klare Absage. Denn dass die Genderfrage kein Luxusproblem der reichen Länder, sondern Dreh- und Angelpunkt der weltweiten Armutsbekämpfung ist, erkannten und benannten bereits die UN-Konferenz für Entwicklung und Bevölkerungswachstum in Kairo 1994 und die UN-Frauenkonferenz in Peking 1995. Bereits damals hat der Vatikan beide Konferenzen aufs Schärfste kritisiert, weil die dort geforderte Gleichberechtigung der Frau eben eine wirkliche Gleichberechtigung bedeutet hätte.

Heute, ein Vierteljahrhundert nach diesen Konferenzen, ist das von Franziskus formulierte Frauenbild nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal. Die Frauenfrage ist eben keine allein binnenkirchliche Frage einer von Gott gewollten inneren Struktur der Kirche, und daher ist doch zu befürchten, dass das päpstliche Schreiben vor allem jenen Kräften Vorschub leistet, die der Gleichberechtigung der Geschlechter den Kampf angesagt haben. Ob jedoch gerade diese Kräfte willens und fähig sind, dem Papst bei der Verwirklichung seiner Vision von ökologischer und sozialer Gerechtigkeit für sein "geliebtes Amazonien" zur Seite zu stehen, darf zumindest bezweifelt werden. (Gunda Werner, 19.2.2020)


Religion.orf.at, 19.2.2020
Theologinnen zu Papst-Schreiben: Fatales Frauenbild
Neben der Grazer Dogmatikprofessorin Gunda Werner attestiert auch die Ordensfrau Melanie Wolfers dem neuen Papst-Schreiben „Querida Amazonia“ ein fatales Frauenbild. Die Vatikanistin Gudrun Sailer meint, man müsse „westliche Denkmuster“ ablegen.
Gunda Werner: Franziskus vertritt eine im 19. Jahrhundert entstandene Theologie mit heute überholten Geschlechterrollen
Ordensfrau Melanie Wolfers: „Peinlich berührt“
Vatikanistin: Papst verweigert Machtwort
Die österreichische Redakteurin bei Radio Vatikan, Gudrun Sailer, analysiert das Schreiben aus einer anderen Perspektive. Noch selten habe ein Schreiben von Papst Franziskus so viel Zustimmung bei konservativen und so viel Enttäuschung bei reformorientierten Kräften der katholischen Kirche ausgelöst wie „Querida Amazonia“, lautet ihr Befund. Der Papst habe sich den hohen Erwartungen in Bezug auf das priesterliche Amt entzogen.


kfd, 12.2.2020
Statement der kfd zum Abschlussdokument zur Amazonas-Synode
Das vorliegende Papier ist ein herber Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben.
Es ist uns absolut unerklärlich, wie nach den zentralen Erkenntnissen aus der Amazonassynode eine so vernichtende Ansage kommen kann:
Einerseits wertschätzt das Papier die Leistung von Frauen, die "jahrhundertelang ... die Kirche ... mit bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben aufrecht [hielten]."
Gleichzeitig wird ihnen indirekt Machtgier vorgeworfen, weil die Frauen einfordern, dass ihre gepriesenen Charismen und ihr Einsatz für eine lebendige Kirche mit einer Weihe anerkannt werden. Mit diesem Vorwurf offenbart das Papier, dass die Frauenfrage eine Machtfrage darstellt.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Gescheiterte Erneuerung:
Katholische Kirche? Es reicht!
Totale Unfähigkeit zur Reform: Die Ausgrenzung der Frauen und der zölibatäre Zwang für die Priester hat schon so viel Unheil angerichtet.


kreuz-und-quer, 13.2.2020
Katholische Frauen wollen Gleichberechtigung
Papst Franziskus macht mit dem Ausschluss von Frauen weiter
Wenn also Frauen ein Bild und Gleichnis nur von Maria sind, warum werden dann Frauen im Namen Christi getauft? Warum werden sie bei der Taufe zu Priesterinnen, Prophetinnen und Königinnen berufen, womit sie doch Anteil erhalten am Priesteramt, Prophetenamt und Königsamt Christi? Wie sollen sie den Begriff „Imitatio Christi“ verstehen, der für jede Art christlicher Spiritualität so fundamental ist? Und vor allem: Auf welcher Grundlage sollen sie erlöst werden, wenn sie an der Ebenbildlichkeit mit Christus keinen Anteil haben?


Redaktion Feinschwarz 18. Februar 2020
In persona mariae:
Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia und seine Folgen für die Frauen
In den wenigen Tagen seit Erscheinen des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia gibt es sehr viele gegensätzliche Einschätzungen des päpstlichen Dokuments. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller unternimmt mit spitzer Feder „Theologische Rettungsversuche in Form einer Glosse und zugleich kirchenrechtlichen Optionierung“.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Frauen wollen an den Altar
Die Theologin Elfriede Schießleder ruft die katholische Kirche zu Reformen auf


Die Furche, 26.2.2020
Der Papst und die Frauen: „Wir sind nicht mehr ‚zärtlich‘“
Die Moraltheologin Angelika Walser übt heftige Kritik am Frauenbild im Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus.


Katholisch.de, 6.3.2020
Papstaussagen jedoch keine Geringschätzung des weiblichen Geschlechts
Theologin: Kein Spielraum mehr für Priesterweihe von Frauen
Für die Priesterweihe von Frauen sieht die Theologin Katharina Westerhorstmann "keinen Spielraum mehr". Sie verteidigt zudem die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zur Rolle der Frau – und sagt, warum es eigentlich auch keine Diakoninnen braucht.


Katholisch.de, 11.3.2020
Franziskus verharre bei "alten Mustern kirchlicher Reformdiskussionen"
Haslinger: Aussagen des Papstes zu Frauen sind Widerspruch in sich
"Querida Amazonia" macht den Pastoraltheologen Herbert Haslinger "ziemlich ratlos". Zu widersprüchlich findet er die Aussagen des Papstes. Beim Synodalen Weg über Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zu diskutieren, hält der Theologe für sinnlos.


Katholisch.de, 23.3.2020
Salzburger Neutestamentlerin zur Frauenweihe
Warum auch Frauen Priester werden können
Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Weil nur ein Mann den Mann Jesus Christus repräsentieren könne, heißt es oft. Die Salzburger Neutestamentlerin Marlis Gielen hält ihn ihrem Gastbeitrag dagegen – und begründet ihre Sicht mit der Bibel und einem ganz zentralen Sakrament.

Montag, 17. Februar 2020

Bischof Kräutler: "Papstschreiben könnte mutiger sein"



Kath.ch, 17.2.2020
«Zölibat ist nicht höher zu gewichten als die Eucharistie»
Der österreichische Bischof Erwin Kräutler war massgeblich an der Amazonas-Synode und deren Vorbereitung beteiligt. Im Interview mit cath.ch zeigt er sich zufrieden über die ersten drei Visionen von «Querida Amazonia». Enttäuscht ist er über fehlende Reformen beim Zölibat und der Frauenfrage.

Domradio, 18.2.2020
Kräutler: Papst hat bei Frauenfrage "Chance vertan"
"Ich habe größere Fortschritte erwartet"
Der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler zeigt sich zufrieden über die ersten drei "Visionen" des Papstes in "Querida Amazonia". Perplex dagegen ist er über fehlende Reformen bei Zölibat und Frauenfrage.


VaticanNews, 17.2.2020
Bischof Kräutler findet Papstschreiben nicht mutig genug
Bischof Erwin Kräutler ist nicht völlig zufrieden mit dem Papst-Schreiben „Querida Amazonia“. Der emeritierte Bischof von Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet würdigt einerseits die sozialen, ökologischen und kulturellen Visionen, die Franziskus entwickelt, als „exzellent“. „Bei diesen drei Punkten hat der Papst wirklich ausgedrückt, was uns Bischöfen am Herzen lag.“

Doch zur vierten Vision des Papstes – der nämlich, die sich auf das Kirchliche und die Seelsorge bezieht –, sagt Kräutler, hier spüre er „einen Bruch“. „Da hatte ich den Eindruck dass wir von einer Vision zu einem sehr pragmatischen Denken übergehen.“ Der Traum halte inne, und „sehr pragmatische, normative Erklärungen heben an“, so der gebürtige Voralberger Kräutler zur Nachrichtenagentur kath.ch.

„Viele Leute – dazu gehöre auch ich – fanden diesen Teil sehr seltsam, weil sich da auch der Stil ändert“, fährt Kräutler in dem Interview von diesem Wochenende fort. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Franziskus nicht über eine mögliche Lockerung des Zölibats in sehr entlegenen Amazonas-Regionen befinde, sagt er: „Ich würde nicht von enttäuscht sprechen. Sagen wir: Viele Leute und ich auch sind da perplex und verstehen nicht, warum diese Maßnahme vom Papstschreiben nicht aufgegriffen wird.“

„Zölibats-Debatte wird weitergehen“

Er finde es „ausgesprochen seltsam“, dass Franziskus noch nicht einmal anspiele auf den Vorschlag der Bischofssynode vom Oktober, in entlegenen Regionen verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Dabei hätten sich doch die Bischöfe mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen. „Allerdings kann man die Sache auch positiver sehen und darauf hinweisen, dass der Papst die Debatte nicht beendet hat“, so Kräutler. Er sei überzeugt davon, dass die Debatte jetzt weitergeführt werde – „vor allem von Bischöfen, die wie ich für die viri probati gestimmt haben“.

Er könne nicht beurteilen, ob sich Papst Franziskus in diesem Punkt unter Druck gefühlt habe. „Mein tiefes Gefühl ist aber, dass es viele Interventionen mit dem Ziel, das Thema der viri probati nicht anzusprechen, gegeben haben wird“, so Bischof Kräutler. Um in entlegenen Amazonas-Regionen Eucharistiefeiern sicherzustellen, werde es nicht reichen, mehr lateinamerikanische Missionare dorthin zu schicken. „Ich glaube nämlich, dass Amazonien nur durch Leute gerettet werden kann, die dort leben und die von dort sind… Die einzige Art und Weise, das Problem des Priestermangels zu lösen, besteht darin, im Reichtum Amazoniens zu schöpfen.“
„Sehr schwierig“ kommt es Kräutler vor, die Idee des Papstes umzusetzen, Wandermissionare durch Amazonien zu schicken. Es habe schon viele Versuche in dieser Richtung gegeben – „ohne großen Erfolg, ehrlich gesagt“.

Keine Weihe für Frauen? Ein „strategischer Fehler“

Auch mit dem Nein des Papstes zu einer Weihe von Frauen geht der Bischof mit verbindlichem Ton ins Gericht. „Das ist ein strategischer Fehler“, sagt er, „vor allem mit Blick auf das Vordringen der evangelikalen Gemeinschaften. Wir verpassen hier die Chance, die Rolle von Frauen wirklich anzuerkennen.“ Dabei hinge das Gedeih der katholischen Gemeinschaften in Amazonien im wesentlichen von ihnen ab.

„Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll“

Was den Vorschlag des Papstes angehe, Ämter für Frauen zu schaffen, ohne ihnen eine Weihe zu geben, sagt Kräutler: „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll. Ich hätte mir wirklich in diesem Punkt einen größeren Schritt nach vorn erwartet.“

Erwin Kräutler ist emeritierter Bischof der Prälatur Xingu (370’000 km2) im brasilianischen Bundesstaat Pará. Von 1983 bis 1991 leitete er den brasilianischen Indianermissionsrat (CIMI), derzeit ist er Vizepräsident des kirchlichen Amazonien-Netzwerks Repam. Auf der Bischofssynode zu Amazonien im vergangenen Oktober hat er eine wichtige Rolle gespielt. Die übrigen Synodenväter wählten ihn in die Informationskommission der Versammlung.


Die Tagespost, 18.2.2020
Kräutler: Diskussion über viri probati nicht beendet
Er verstehe nicht, warum Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben nicht auf das Thema der viri probati eingehe, so der Amazonas-Bischof. Man könne die Ausführungen des Papstes aber auch „positiver“ lesen.


VaticanNews, 16.2.2020
„Lockerung der Zölibatspflicht wird kommen“
Der Generalsekretär des länderübergreifenden kirchlichen Netzwerks Repam (Red Eclesial Panamazonica) sieht das Papstschreiben zur Amazonien-Synode als Bestätigung des bisherigen Weges.

VaticanNews, 17.2.2020
Papstschreiben: Amazonas-Bischöfe reagieren unterschiedlich
Das Papstschreiben „Querida Amazonia“ wird von den Bischöfen in der brasilianischen Amazonas-Region unterschiedlich aufgenommen. „Ich bin ein bisschen enttäuscht, ich hätte mehr erwartet“, sagt Bischof Meinrad Francisco Merkel vom Bistum Humaitá.


VaticanNews, 16.2.2020
Synode: „Kein Nebeneinander von zwei Papieren“
„Wer sich Hoffnungen auf eine Reform innerhalb der Kirche gemacht hat, dürfte durch das Schreiben massiv enttäuscht worden sein.“ Das sagt der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke zum Papstschreiben „Querida Amazonia“.

Religión digital, 18.2.2020
El obispo emérito de Xingu, "extremadamente satisfecho con... ¡tres sueños y medio!"
Erwin Kräutler: "¡No podemos poner la cuestión del celibato por encima de la celebración de la Eucaristía!"

cath.ch, 16.2.2020
Mgr Kräutler: «Le rêve ecclésial de Querida Amazonia manque d'audace»
Après la publication de l’exhortation Querida Amazonia, Mgr Erwin Kräutler, évêque émérite du Xingu, exprime sa gratitude au pape pour la dénonciation des graves menaces qui pèsent sur l’Amazonie. Mais il regrette le manque d’audace dans son ‘rêve ecclésial’.

Kommentar zum Thema Kräutler/"viri probati"/Papstkritik:

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".


CNBB, 17/02/2020
“Sonho Ecológico” do Papa para a Amazônia
O bispo emérito do Xingu e coordenador da Rede Eclesial Pan-Amazônica (Repam) – Brasil, dom Erwin Kräutler escreveu um artigo especial para o portal da Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB) aprofundando o “sonho ecológico” do Papa Francisco para o bioma amazônico expresso na Exortação “Querida Amazônia”, lançada no último dia 12 de fevereiro. O “sonho ecológico” é um dos quatro sonhos que integram o documento do papa que também aborda o sonho social, o sonho cultural e eclesial, aspectos já trabalhados em outras matérias publicadas aqui na página da CNBB.