Mittwoch, 30. September 2020

Eduardo Galeano: Literat, Denker, oder sogar Philosoph?

 


kontrapunkte.org, 29.9.2020

In den neunziger Jahren – so erzählte es anlässlich einer Buchvorstellung in Mexiko-Stadt ein in den USA lehrender Kolumbianer – wurde sein dortiges Dissertationsvorhaben über lateinamerikanische Philosophie mit der Begründung abgelehnt, man könne nicht über etwas promovieren, das nicht existiere. Was hätte der vor fünf Jahren verstorbene Uruguayer Eduardo Galeano dazu gesagt, der in diesem September seinen 80. Geburtstag gefeiert hätte? Nach Gelegenheitsarbeiten und gesellschaftskritischen Karikaturen und kleinen Artikeln übernahm er mit 20 Jahren erstmals eine leitende Tätigkeit in einer, dann in weiteren linksgerichteten Zeitschriften, die ihm bald das Exil einbrachten, erst in Argentinien und nach dem dortigen Militärputsch dann in Nach-Franco Spanien. Erst 1985 konnte er in seine Heimatstadt Montevideo zurückkehren, die vielen Mitteleuropäer*innen, wenn überhaupt, vielleicht im Zusammenhang mit der ersten Fußballweltmeisterschaft (1930), der Tupamaros-Stadtguerrilla oder dem VW-Käfer des so aus der Reihe fallenden Staatspräsidenten José Mujica (2010-2015) erinnerlich ist.

Gewalt gegen Brasiliens Indigene nimmt zu


ORF.at, 30.09.2020
Drastischer Anstieg bei Gewalt gegen Brasiliens Indigene
Die Gewalt gegen indigene Völker in Brasilien ist einem Bericht zufolge unter der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro drastisch gestiegen. Vor allem bei den Invasionen und der illegalen Ausbeutung indigener Gebiete nahmen die registrierten Fälle zwischen 2018 und 2019 stark zu, wie aus dem heute vorgestellten Jahresbericht des Indigenisten-Missionsrats (CIMI) hervorgeht.

Nach dem Bericht war 2019 eine Zunahme der Fälle in 16 der 19 Kategorien zu verzeichnen, die die Publikation systematisiert. Auch direkte Gewalt gegen indigene Menschen hat sich von 110 Fällen im Jahr 2018 auf 276 im Jahr 2019 mehr als verdoppelt.

Bestürzung löste etwa der Mord an Paulo Paulino Guajajara aus, dem Anführer der Guardioes da Floresta (Hüter des Waldes), die sich selbst organisiert haben, um ihr Gebiet vor Eindringlingen wie illegalen Holzfällern zu schützen. Die Gewalttaten gegen Indigene sind wie in seinem Fall häufig mit Landkonflikten verbunden.

Geschwächte Kontrollbehörden
Die Daten von 2019 zeigten, dass die indigenen Völker und ihre traditionellen Gebiete explizit usurpiert würden, heißt es in dem Bericht. 2019 war das erste Jahr von Bolsonaro im Präsidentenamt. Der ultrarechte Politiker hat die Ausbeutung des Amazonas-Gebiets befürwortet und Umwelt- und Kontrollbehörden gezielt geschwächt. Wegen der verheerenden Brände im Amazonas-Gebiet geriet er international in die Kritik.

Umweltschützer werfen ihm vor, die Brände in Kauf zu nehmen, um neue Flächen für die Landwirtschaft zu erschließen. Indigene klagen, sein Diskurs ermutige Holzfäller, Goldsucher und andere Invasoren, in ihre Gebiete einzudringen, den Regenwald dort abzuholzen oder abzubrennen. Die Eindringlinge gehen oft davon aus, dass sie ungestraft davonkommen oder ihnen die Gebiete nachträglich zugeschrieben werden.


In 2019 geschahen in Brasilien vom Norden bis in den Süden unverhohlene Invasionen in indigene Landgebiete
Der Cimi-Report belegt einen alarmierenden Anstieg der Gewalt gegen indigene Völker im ersten Regierungsjahr von Bolsonaro


Adveniat besorgt über steigende Gewalt gegen Indigene in Brasilien
Das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat sieht die Europäer mit in der Verantwortung. Gewalt gegen Indigene geschehe durch die Ausbeutung von Ressourcen. Diese wiederum sei auch eine Folge des Lebensstils in den Industrienationen. 


Blickpunkt Lateinamerika, 02.10.2020
Brasilien: Internationale Zusammenarbeit fundamental für den Schutz indigener Völker
Die Fachstelle der katholischen Kirche in Brasilien für Indigenenfragen Cimihat am Mittwoch, 30. September 2020, ihren Jahresbericht zur Gewalt gegenüber den indigenen Völkern Brasiliensvorgestellt. Es handelt sich dabei um Daten aus dem Jahr 2019, dem ersten Jahr unter der Regierung des rechten Ex-Militärs Jair Messias Bolsonaro.
In dem Bericht wurde ein Anstieg der Invasionen in indigene Gebiete von 135 Prozent verzeichnet, von 109 (2018) auf 256 Fälle. Auch die Kindersterblichkeit stieg eklatant von 591 auf nun 825 Fälle in 2019. Wie steht es um die Indigenen in Brasilien? Und welche Tendenzen sind bereits für 2020 - das Corona-Jahr - zu sehen?
Blickpunkt Lateinamerika sprach mit Antonio Eduardo Cerqueira de Oliveira, dem Generalsekretär (Secretário Executivo) von Cimi, über die Situation der indigenen Völker Brasiliens.


CIMI-KURZFASSUNG
Gewalt gegen die Indigenen Völker Brasiliens
DATEN VON 2019

Em 2019, terras indígenas foram invadidas de modo ostensivo de norte a sul do Brasil
Relatório do Cimi evidencia alarmante aumento da violência contra povos indígenas no primeiro ano do governo Bolsonaro

Freitag, 25. September 2020

VW entschädigt Opfer der Militärdiktatur in Brasilien

Former Volkswagen worker Raimundo Nonato sits in front of VW factory headquarters in Sao Bernardo do Campo

Tagesschau.de, 24.09.2020
Kooperation mit Militärdiktatur
Volkswagen schließt Vergleich in Brasilien
Im Verfahren um die Kollaboration von Volkswagen mit der brasilianischen Militärdiktatur gibt es eine Einigung. VW Brasilien zahlt Entschädigungen in Millionenhöhe.


SRF, 25.09.2020
Kooperation mit Diktatur
Der nächste Kratzer im Lack von Volkswagen
VW soll jahrzehntelang mit Brasiliens einstiger Militärdiktatur kooperiert haben. Nun entschädigt der Konzern die Opfer.


welt.de, 24.09.2020
VW entschädigt Opfer der Militärdiktatur in Brasilien
Während der brasilianischen Militärdiktatur lieferte Volkswagen Mitarbeiter an den Staat aus. Das haben Untersuchungen von Historikern ergeben. Der Konzern zahlt nun eine Millionen-Entschädigung an die Opfer.


Süddeutsche Zeitung, 23. September 2020
Brasilien: Kollaborateur VW entschädigt Opfer der Militärdiktatur
Der Autokonzern beteiligte sich aktiv an der Verfolgung von Regimegegnern. Mitarbeiter wurden von Schergen der Militärdiktatur aus dem Werk offenbar in Folterkeller verschleppt. Nun wird ein millionenschwerer Vergleich geschlossen.


Kooperation-Brasilien, 25.09.2020
Volkswagen do Brasil und die Militärdiktatur: Kritik trotz Entschädigungszahlungen
Kritische Aktionär:innen: Einigung stellt einen ersten Schritt zur Übernahme historischer Verantwortung dar, doch Sprachregelung, Spendencharakter und Unvollständigkeit der Entschädigungen lassen Zweifel an echtem Schuldeingeständnis von Volkswagen.

Donnerstag, 24. September 2020

USA von Dürren geplagt

 

ORF.at, 23.09.2020
Jahrzehntelange Dürren in USA möglich
Treffen große Hitze und Trockenheit aufeinander, ergibt sich mitunter ein klimatischer Teufelskreis: Beide Phänomene verstärken einander. Forscherinnen und Forscher sprechen dann von einer Megadürre. Eine neue Studie sieht die Gefahr, solche Dürren könnten in den USA aufgrund der Klimakatastrophe auch Jahrzehnte andauern.

scineXX, 28.9.2020
US-Klima: „Doppelte“ Klimaextreme werden häufiger
Fatale Kombination: Die USA leiden vermehrt unter einem Doppelschlag der Wetterextreme – der Kombination von extremer Hitze mit starker Dürre. Solche Hitze-Dürren kamen in den 1950er Jahren noch alle 25 Jahre vor, jetzt gibt es sie im Schnitt alle fünf Jahre, wie Forscher ermittelt haben. Auch die Fläche der betroffenen Gebiete hat sich in dieser Zeit deutlich erhöht. Als Treiber identifizieren die Wissenschaftler vor allem die globale Erwärmung.


Greenpeace, 7.8.2012
Extreme Dürre in den USA
In großen Teilen Nordamerikas verdorren Maisfelder, trocknen die Seen und Flüsse aus und die Tiere verenden. Es ist eine extreme Dürre, wie sie Amerika seit 50 Jahren nicht mehr erlebt hat. US-Landwirtschaftsminister Tom Vilsack hat in 29 Bundesstaaten den Notstand ausgerufen, 38 Prozent der Maisernte ist schlecht, 30 Prozent der Sojaernte ist betroffen, Viehzüchter haben kein Wasser für die Tiere.

Sonntag, 20. September 2020

Österreichische Banken im Odebrecht-Skandal



ORF.at, 20.9.2020
Heimische Banken im Odebrecht-Skandal
Der Korruptionsskandal um den brasilianischen Konzern Odebrecht hat in den vergangenen Jahren ganz Lateinamerika erschüttert, Dutzende Politiker in mehreren Ländern mussten zurücktreten. Als Drehscheibe für gewaltige Schmiergeldzahlungen diente die Meinl Bank Antigua, bis 2011 eine Tochter der Meinl Bank in Wien, danach mehrheitlich de facto in Besitz von Odebrecht. Doch laut den neuen Enthüllungen soll nicht nur die Meinl Bank in Wien, sondern auch die Raiffeisen Bank International verwickelt sein.

Bestechungsaffäre Odebrecht – Geld-Pipeline durch Österreich
Laut FinCEN Files flossen verdächtige Zahlungen von mehr als 50 Millionen US-Dollar über Österreich. Ausgangspunkt: Antigua. In weiterer Folge involviert: neben der Meinl Bank auch die Raiffeisen Bank International.

Wiener Zeitung, 20.9.2020
Schmiergeldzahlungen
Schwere Geldwäsche-Vorwürfe um heimische Banken
Laut Recherchen von "Profil" und ORF waren die frühere Meinl Bank und die Raiffeisen Bank International in saftige Schmiergeldzahlungen verwickelt.

Südwind Magazin 04/2017
Der Riese Odebrecht im Fallen
Welche massiven Konsequenzen der Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht auf die Politik und Wirtschaft in ganz Lateinamerika hat, berichtet Jürgen Vogt.

Donnerstag, 17. September 2020

Hüter, nicht Ausbeuter der Schöpfung sein

 

Vatican News, 16.9.2020
Papst bei Generalaudienz: Hüter, nicht Ausbeuter der Schöpfung sein
Betrachtung und Fürsorge: von diesen zwei Haltungen müsse die Beziehung zwischen Mensch und Schöpfung geprägt sein, wenn wir die Schöpfung nicht im Namen des Profits zerstören wollen. Nur wahre „Hüter“ des gemeinsamen Hauses, des Lebens und der Hoffnung könnten das Erbe, das uns Gott anvertraut hat, auch für die zukünftigen Generationen bewahren. Das stellte Papst Franziskus bei der Generalaudienz an diesem Mittwoch heraus, in der er seine Katechesenreihe zur Post-Covid-Zeit fortführte.

"Verzerrte Auslegung" biblischer Texte habe zu Fehleinschätzung beigetragen
Papst: Es ist falsch, dass Mensch über alle Geschöpfe herrschen kann
"Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie", heißt es in der biblischen Schöpfungsgeschichte. Ein Freifahrtschein für den Menschen? Von wegen, sagt Papst Franziskus und spricht von einer "verzerrten Auslegung" der Bibel.