Samstag, 14. März 2020

Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker

Domradio, 13.03.2020
Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker
Aufruf an Brasiliens Regierung
Klimaaktivistin Greta Thunberg hat gemeinsam mit 35 Trägern des Alternativen Nobelpreises einen Aufruf zum Schutz indigener Völker an Brasiliens Regierung gerichtet. Auch Amazonasbischof Erwin Kräutler gehört zu den Unterzeichnern.

In dem am Donnerstag von der Right Livelihood Foundation, die den Alternativen Nobelpreis vergibt, und der Menschenrechtsorganisation Survival International veröffentlichten Appell äußern die Aktivisten ihre Sorge angesichts wachsender Vergehen gegen die indigenen Völker Brasiliens. Zu den Unterzeichnern gehört auch der Träger des Alternativen Nobelpreises, Amazonasbischof Erwin Kräutler. Konkret fordern sie die Regierung auf, den Anführer des Yanomami-Volkes, Davi Kopenawa, sowie dessen Volk zu schützen.

Kopenawa, der 2019 den Alternativen Nobelpreis erhielt, wurde nach eigenen Angaben in den vrgangenen Jahren mehrfach von illegalen Goldsuchern und Farmern mit dem Tode bedroht. Diese plünderten das Territorium aus und verseuchten dabei auch die Flüsse mit Quecksilber, hieß es. Die Regierung solle Kopenawa schützen und gegen die illegal auf dem Indigenengebiet der Yanomami aktiven Goldsucher vorgehen, heißt es in dem Aufruf. Zudem möge die Regierung die Sicherung des Yanomami-Territoriums gewährleisten. Konkret seien isoliert lebende Yanomami-Gruppen in der Bergregion der Serra da Estrutura von Goldsuchern bedroht.

Personalpolitik in der Kritik

Kritik äußert der Aufruf zudem an der Nominierung von Ricardo Lopes Dias als Verantwortlichen für den Schutz isolierter Völker bei der staatlichen Indigenenbehörde Funai. Lopes Dias hatte über Jahre als evangelikaler Missionar bei Indigenenvölkern Evangelisierungsarbeit betrieben. Aktivisten hatten deshalb gegen seine Nominierung für den Funai-Posten protestiert. Greta Thunberg hatte den Alternativen Nobelpreis 2019 zusammen mit Davi Kopenawa erhalten.

Brasiliens rechtspopulistischer Präsident Jair Messias Bolsonaro, der im Januar 2019 sein Amt antrat, bezeichnet Indigenengebiete als Hindernisse bei der wirtschaftlichen Erschließung der Amazonasregion. Derzeit versucht die Regierung, neue Regelungen für die Nutzung dieser Gebiete durchzusetzen. Demnach sollen Goldsucher, Landwirte und Unternehmen in den eigentlich exklusiv den Indigenen zustehenden Regionen aktiv werden. Bereits seit Jahren hatte Bolsonaro stets sein Motto bekräftigt, den Indigenen keinen Zentimeter Land mehr zu übertragen.



Der Standard, 13.3.2020
Thunberg und Bischof Kräutler fordern Schutz indigener Völker
Das Yanomami-Volk wird in Brasilien immer öfter von Goldsuchern bedroht. Aktivisten fordern die Regierung auf, das zu unterbinden


Domradio, 13.3.2020
Reportage: Thunberg & Kräutler: Schutz indigener Völker
Klimaaktivistin Greta Thunberg hat gemeinsam mit 35 Trägern des Alternativen Nobelpreises einen Aufruf zum Schutz indigener Völker an Brasiliens Regierung gerichtet. Auch Amazonasbischof Erwin Kräutler gehört zu den Unterzeichnern.

Sonntag, 8. März 2020

Bischofssynode 2022 beschäftigt sich mit „synodaler Kirche“


VaticanNews, 07/03/2020
Nächste Bischofssynode beschäftigt sich mit „synodaler Kirche“
Papst Franziskus hat das Thema der nächsten Bischofssynode festgelegt. Es lautet „Für eine synodale Kirche – Gemeinschaft, Teilhabe und Mission“. Das gab der Vatikan am Samstag bekannt.
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
Der Papst hat das Thema aus mehreren Vorschlägen ausgewählt, die ihm der Generalsekretär der Bischofssynoden, Kardinal Lorenzo Baldisseri, unterbreitet hat. Die nächste Bischofssynode – offiziell spricht man von der „XVI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode“ – findet im Oktober 2022 im Vatikan statt.
Franziskus spricht immer wieder davon, dass er von einer „synodalen Kirche“ träumt. Bei einem Festakt 2015 hat er näher erklärt, was er darunter versteht. Synodalität ist für ihn eine „Dynamik der Gemeinschaft“, die die ganze Kirche einbezieht. Bischofssynoden seien „nur der sichtbarste Ausdruck“ dieser Dynamik.

Franziskus' Denken über Synodalität beeinflusst auch den Synodalen Weg in Deutschland
Vor zwei Jahren hat die Internationale Theologische Kommission, die der Glaubenskongregation zugeordnet ist, ein Dokument über „Synodalität in Leben und Auftrag der Kirche“veröffentlicht. Franziskus‘ Denken über Synodalität hat auch den Reformprozess der Kirche in Deutschland, den im letzten Advent begonnenen Synodalen Weg, inspiriert.
Im Pontifikat von Franziskus haben sich Bischofssynoden bisher mit der kirchlichen Ehe- und Familienpastoral sowie mit dem Thema Jugend beschäftigt. Die letzte Bischofssynode fand im Herbst 2019 statt; sie war eine Sondersynode, und e sging um ökologische, soziale und pastorale Herausforderungen im lateinamerikanischen Amazonas-Gebiet.


Vatican.va, 17.10.2015
50-JAHR-FEIER DER ERRICHTUNG DER BISCHOFSSYNODE
ANSPRACHE VON PAPST FRANZISKUS

Montag, 2. März 2020

Ernesto Cardenal 95-jährig verstorben

Deutsche Welle, 1.3.2020
Nachruf
Der ewige Kämpfer - Ernesto Cardenal ist tot
Er war Dichter, Priester und Revolutionär: Der Befreiungstheologe Ernesto Cardenal kämpfte bis zuletzt für eine gerechtere Welt. Nun ist Nicaraguas berühmtester Poet im Alter von 95 Jahren gestorben.


FAZ, 2.3.2020
Zum Tod von Ernesto Cardenal:
„Die Welt verbessern nach 100.000 Jahren Ungleichheit“
Als Schriftsteller, Priester und revolutionärer Politiker hatte Ernesto Cardenal keine Furcht, anzuecken. In Nicaragua kritisierte er zuletzt seine alten Sandinista-Genossen. Mit 95 Jahren ist er nun gestorben.


Religion.orf.at, 1.3.2020
Ernesto Cardenal 95-jährig verstorben
Der Dichter, Befreiungstheologe und ehemalige nicaraguanische Kultusminister Ernesto Cardenal ist am Sonntag im Alter von 95 Jahren in Managua an Herz- und Nierenversagen verstorben.


tagesschau24, 02.03.2020 (Video)
Trauer um Dichter und Theologen: Ernesto Cardenal gestorben


AKTUALISIERUNG:

¡Adios, poeta! Ein Abschied 
Den Tod bezeichnete Cardenal einmal als „das große Okay“. Am ersten März 2020 ist Ernesto Cardenal, der Dichter der Liebe, der sich selbst als „pasajero de tránsito“ (Transitreisender) bezeichnete, im Alter von 95 Jahren in Managua gestorben.

Domradio.de, 4.3.2020
Handgemenge am Sarg von Ernesto Cardenal
Ausschreitungen in der Kathedrale von Managua
Selbst beim Gedenkgottesdienst für den verstorbenen Befreiungstheologen Ernesto Cardenal kommt das mittelamerikanische Land nicht zur Ruhe. Machthaber Ortega schickt seine Banden in die Kathedrale.

Der Standard, 4.3.2020
Gewalt bei Trauerfeier für Ernesto Cardenal
Ortega-Anhänger gehen auf Oppositionelle und Journalisten los
Managua – Der Trauergottesdienst für den verstorbenen nicaraguanischen Dichter und Befreiungstheologen Ernesto Cardenal ist durch Zwischenrufe und Ausschreitungen gestört worden. Anhänger der regierenden Sandinistischen Befreiungsfront (FSLN) riefen bei der Zeremonie am Dienstag in der Hauptstadt Managua beleidigende Sprüche in Richtung der Angehörigen und Freunde des Literaten, wie Anwesende berichteten.




Domradio.de, 7.3.2020
Nicaraguanischer Dichter Ernesto Cardenal heimlich beerdigt
Früher als geplant
Wegen befürchteter Angriffe auf die Trauergemeinde ist der nicaraguanische Dichter und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal einen Tag früher beerdigt worden als geplant. Die Beerdigung sollte ursprünglich am Samstag stattfinden.


VaticanNews, 8.3.2020
Nicaragua: Cardenal heimlich beigesetzt
Eigentlich hätte Ernesto Cardenal am Samstag beerdigt werden sollen. Doch nach den Übergriffen durch regierungsnahe sandinistische Anhänger beim Gedenkgottesdienst am Mittwoch in der Kathedrale von Managua entschieden sich Cardenals Freunde, Anhänger und Mitstreiter, die Zeremonie vorzuziehen.


Blog-Archiv zu "Ernesto Cardenal"

Freitag, 28. Februar 2020

"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols


Katholisch.de 21.02.2020
"Querida Amazonia" ist das Ende eines klerikalen Monopols
"Querida Amazonia", das nachsynodale Schreiben des Papstes, wurde nach dem Erscheinen viel kritisiert. Doch Michael Böhnke hat in dem Text eine erstaunliche Entdeckung gemacht: Franziskus beendet darin ein klerikales Monopol.
Von Michael Böhnke

Haben wir bei aller Empörung schon wahrgenommen, was Franziskus in seinem Schreiben an das geliebte Amazonien verfügt hat? Er hat in einer Fussnote (Nr. 136) auf canon 517 § 2 CIC 1983 Bezug genommen: In diesem Zusammenhang hat er von Laien als Gemeindeleitern gesprochen und zudem daran erinnert, dass die Gemeindeleiter*innen auf Dauer eingesetzt, öffentlich anerkannt und mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet werden müssen. "Eine Kirche mit amazonischen Gesichtszügen erfordert die stabile Präsenz reifer und mit entsprechenden Vollmachten ausgestatteter verantwortlicher Laien" (Nr. 94), und: "In einer synodalen Kirche sollten die Frauen, die in der Tat eine zentrale Rolle in den Amazonasgemeinden spielen, Zugang zu Aufgaben und auch kirchlichen Diensten haben, die nicht die heiligen Weihen erfordern und es ihnen ermöglichen, ihren eigenen Platz besser zum Ausdruck zu bringen. Es sei daran erinnert, dass ein solcher Dienst Dauerhaftigkeit, öffentliche Anerkennung und eine Beauftragung durch den Bischof voraussetzt. Das bedeutet auch, dass Frauen einen echten und effektiven Einfluss in der Organisation, bei den wichtigsten Entscheidungen und bei der Leitung von Gemeinschaften (es müsste Gemeinden heißen, [vgl. den italienischen und englischen Text, wobei letztgenannter den Begriff Gemeindedirektorin nahelegt]; M.B.) haben, ohne dabei jedoch ihren eigenen weiblichen Stil aufzugeben." (Nr. 103)

Bei all dem Ärgerlichen, das in dem Text über Frauen gesagt wird und das ich nicht gutheißen kann, an diesen beiden Stellen ist von Laien als Trägern von Vollmachten die Rede, von Gemeindeleitung durch Laien, von c. 517 § 2 als einer 'Lösung' auf Dauer und von einer synodalen Kirche mit amazonischen Gesichtszügen. Es ist davon die Rede, dass in Amazonien Laien kirchliche Ämter innehaben und sie mit Vollmachten ausgestattet synodal über den Weg der Kirche effektiv mitentscheiden (!) können. Das ist vielleicht keine Sensation, oder doch?

Papst Franziskus hat sich für die Abschaffung des "Soli" entschieden. Er hat im Gegensatz zur wenig stimmigen Norm von c. 274  § 1 CIC, der zufolge allein Kleriker (Soli clerici) Ämter erhalten können, zu deren Ausübung Weihegewalt oder kirchliche Leitungsgewalt erforderlich ist, festgelegt, dass Laien Ämter mit Vollmacht zum sakramentalen Handeln und Leitungsgewalt übertragen werden können. Er hat mit anderen Worten ein klerikales Monopol geknackt und sich dabei auf die bereits lang andauernde und auszubauende laikale pastorale Praxis in Südamerika berufen. Franziskus ist sich treu geblieben. Er denkt das Amt vom Volk her.


Eine übersichtliche Gestaltung der zitierten Stellen ist hier:


NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN
QUERIDA AMAZONIA


Katholisch.de, 28.2.2020
Eigenritus entstehe nicht "von heute auf morgen"
Papstvertrauter Fernández:
"Viri probati" in Amazonas-Ritus möglich
Wer im nachsynodalen Schreiben des Papstes auf die Einführung von "viri probati" gehofft hatte, wurde enttäuscht. Doch ein Vertrauter von Franziskus sagt nun, dass verheiratete Priester durchaus mit einem "Amazonas-Ritus" kommen könnten.


Osservatore Romano, 17 febbraio 2020
Apporti innovativi di «Querida Amazonia»
Dopo le prime reazioni di pianto o di trionfo, è ora opportuno procedere a una lettura serena di Querida Amazonia, affinché le sue sfide e i suoi apporti specifici non passino inosservati e per ascoltare ciò che lo Spirito Santo vuole dire alla sua Chiesa.

Sonntag, 23. Februar 2020

Carnaval 2020: Samba-Schule hinterfragt klassisches Jesusbild


Badische Zeitung, 19.2.2020
Streit um Sambaschule, die Jesus als Schwarzen und als Frau zeigt
Der Karneval von Rio wirft seine Schatten voraus: Eine berühmte Sambaschule nutzt seit Jahren den Umzug für sozialen Protest – und ist auch jetzt wieder in den Schlagzeilen.




Wiener Zeitung, 20.2.2020
Ein schwarzer Jesus und feministische Kämpferinnen
Bisher hat das Bild halbnackter Tänzerinnen das Image des Karnevals von Rio de Janeiro im Ausland geprägt. Doch der Kampf der Kulturen um die politische Deutungshoheit im Karneval ist voll entbrannt.

Domradio, 21.02.2020
Klassisches Heiland-Bild wird hinterfragt
"Schwarzer Jesus" wirbelt Carnaval in Rio durcheinander
Im Karneval von Rio de Janeiro wird Jesus in einem Umzug als dunkelhäutiger Slumbewohner inszeniert. Konservative Kreise halten das für Blasphemie.

Tagesschau, 23.2.2020
Karneval in Rio
Schrill, bunt und hart in der Kritik
Farbenprächtig und laut - das ist der Karneval in Rio. Da gibt es aber noch viel mehr: Kritik an Politik und Kirche. Den Sambaschulen wurden die öffentlichen Zuschüsse gestrichen. Für sie ein Grund mehr, kein Blatt vor den Mund zu nehmen.




O Globo, 23.2.2020
Veja os melhores momentos dos desfiles

Donnerstag, 20. Februar 2020

Auen im Amazonasgebiet gehen verloren



Staudämme: Auen in der Amazonasregion erhalten
Tausende von Staudämmen sind weltweit in Planung und werden nahezu irreversibel in die dortigen Auen-Ökosysteme eingreifen. Insbesondere um die Energie der Flüsse im Amazonasbecken ist ein regelrechter Wettlauf entbrannt, milliardenschwere Investitionen fließen in die Stromerzeugung mit Wasserkraft. Mehr als 190 Dämme sind gebaut, und über 245 in konkreter Planung. Im Zuge dessen drohen einzigartige und hochgradig fluttolerante Bäume und an sie angepasste Arten unwiederbringlich verloren zu gehen.
Wissensplattform Erde und Umwelt, 2020