Montag, 22. November 2021

Erste Kirchenversammlung in Lateinamerika

 


1. Bischofsversammlung der Kirche Lateinamerikas mit Laien
„Besonders wichtig an dieser kirchlichen Versammlung ist, dass Laien und insbesondere auch Frauen einbezogen sind – dies öffnet ein neues Kapitel und das kann für die Kirche in Lateinamerika tatsächlich ein Pionierprojekt darstellen“: Mit diesen Worten beschreibt der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerkes der Deutschen Bischöfe Adveniat, Pater Martin Maier, die Versammlung der Lateinamerikanischen Kirche, die an diesem Sonntag im Marienwallfahrtsort Guadalupe gestartet ist.
VaticanNews, 22.11.2021


Papst ermutigt Kirchenversammlung in Lateinamerika zum Zuhören
Papst Franziskus hat die katholische Kirche in Lateinamerika besonders zum Zuhören, zu Dialog und Gebet aufgerufen. „Ich bitte Sie, einander zuzuhören und die Schreie unserer ärmsten und vergessensten Brüder und Schwestern zu hören", so das Kirchenoberhaupt in einer Grußbotschaft zum Auftakt der katholischen Kirchenversammlung für Lateinamerika und die Karibik. Das Treffen begann diesen Sonntag (21.11.) in Mexiko unter dem Motto: „Wir alle sind missionarische Jünger im Aufbruch."

AKTUALISIERUNG


Weltkirche.de, 25.11.2021
Jüngerinnen und Jünger im Aufbruch:
Kirchenversammlung in Mexiko-Stadt
In Mexiko-Stadt wird gerade die Zukunft der Kirche gestaltet, in Europa bekommt es kaum jemand mit: Mit ihren fast 1.000 Teilnehmenden zeigt die kirchliche Versammlung von Lateinamerika und der Karibik, wie sich Papst Franziskus den synodalen Prozess der Weltkirche vorstellt.




Tem início, na cidade do México, a 1ª Assembleia Eclesial da América Latina e Caribe
REPAM, 22.11.2021


Hino da 1ª Assembleia Eclesial da América Latina e do Caribe:
“Discípulos missionários em saída”
Com o nome “Discípulos missionários em saída”, sob a proteção de Nossa Senhora de Guadalupe, este canto convida todo o Povo de Deus no Continente a caminhar junto por uma Igreja mais missionária, em saída e sinodal.



Assembleia Eclesial da América Latina (português)

Samstag, 20. November 2021

Romero-Preis für zwei Patres aus Geras

 

Romero-Preis für zwei Waldviertler Patres

Für ihren Einsatz gegen Armut, Analphabetismus und Kriminalität in Brasilien haben die Prämonstratenser Chorherren Bernhard-Michel Schelpe und Milo Ambros am Freitag den Romero-Preis erhalten. Die Auszeichnung verleiht die Katholische Männerbewegung.

Mehr als 20 Jahre verbrachten Bernhard-Michel Schelpe und Milo Ambros gemeinsam in Brasilien. In dieser Zeit schufen sie die Grundlage für über 30 Pfarren, gründeten in Itinga ein Kloster des Prämonstratenser Ordens und stießen zahlreiche soziale Projekte an. Sie organisierten Alphabetisierungskurse für Erwachsene ebenso wie Kinderbetreuung für alleinerziehende Mütter oder die Verteilung von Lebensmitteln.

Für ihren Einsatz wurden Bernhard-Michel Schelpe und Milo Ambros am Freitag mit dem Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung ausgezeichnet. Der Preis wird seit 1980 an Menschen vergeben, die sich in Afrika und Lateinamerika für Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzen.



Mit Romero-Preisträgern Bernhard-Michel Schelpe und Milo Ambros
KMB-Herbstkonferenz in Zwettl
Die beiden Geraser Padres Bernhard-Michel Schelpe und Milo Ambros informierten die Teilnehmer der Herbstkonferenz der Kath. Männerbewegung (KMB) im Bildungshaus Stift Zwettl über ihr umfangreiches Wirken in Brasilien.

Freitag, 12. November 2021

"Theologie der Befreiung" bleibend aktuell

 


Katholisch.at, 11.11.2021
"Theologie der Befreiung": Nach 50 Jahren bleibend aktuell
"Furche"-Schwerpunkt anlässlich des 1971 erschienenen, Weg weisenden Buches von Gustavo Gutierrez - Salzburger Theologe Gmainer-Pranzl: "Stachel" sowohl für unmenschliche Politik als auch selbstzufriedene Theologie

Hintergrund


Katholisch.de, 6.9.2018
"Eine ekklesiologische Revolution"
Kirche - Nicht nur für die Kirche in Lateinamerika war die Bischofsversammlung in Medellín 1968 ein Meilenstein. Die dort beschriebene "Option für die Armen" prägt Theologie und Kirche bis heute - auch den Papst.


feinschwarz, 3.9.2018
Medellín 1968 – Auf dem Weg zu einer „wirklich armen, missionarischen und österlichen Kirche“
Vor 50 Jahren fand vom 26.8.-6.9.1968 die Versammlung des lateinamerikanischen Bischofsrats in Medellín statt. Sie wird als Wendepunkt der lateinamerikanischen Kirche, ja als ihr Pfingsten gewürdigt. Es wurde eine kreative Umsetzung des Konzils für die lateinamerikanische Kirche geleistet, indem konsequent von der dortigen gesellschaftlichen und kirchlichen Realität ausgegangen wurde. Norbert Mettezeichnet die zentralen Entwicklungen nach.


Donnerstag, 11. November 2021

Bischof Kräutler unterstützt Appell der CNBB an COP26



Die Nationale Bischofskonferenz von Brasilien (CNBB), pastorale Gruppen und Organisationen der Kirche in Brasilien veröffentlichten am Mittwoch, den 10. November, eine Botschaft anlässlich der COP26, der Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die in Glasgow (Schottland) stattfindet. Die Stellungnahme wurde vom Präsidium der CNBB während der Sitzung des bischöflichen Pastoralrates (Consep) am Mittwochmorgen (10.) verlesen und unterzeichnet.

Die Bischöfe fordern darin internationale Organisationen, Regierungen und alle Teile der Zivilgesellschaft auf, "den Klimawandel zu bekämpfen und den Fortbestand aller Lebensformen zu sichern, indem sie in das Leben - das größte und unverletzliche Geschenk - investieren".

In der Botschaft bekräftigen die Bischöfe, dass die COP26 "eine Herausforderung für die ganze Welt und insbesondere für Brasilien ist, dessen Gebiete und Biome bedroht sind", und verweisen auf die Daten des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC), der vor einem Anstieg der Treibhausgasemissionen warnt.

Der Appell wird auch von Bischof Erwin Kräutler, Präsident des pan-amazonischen kirchlichen Netzwerks (REPAM-Brasilien), unterstützt. 

Hier eine Übersetzung des CNBB-Appells mit www.DeepL.com/Translator:


Stellungnahme der Brasilianischen Bischofskonferenz anlässlich der COP26

Wir verfolgen die Debatten, Vereinbarungen und Beratungen der UN-Konferenz (COP26) in Glasgow, Schottland, mit großer Aufmerksamkeit. Die COP26 wird der Welt als Hoffnung präsentiert. Es wird erwartet, dass internationale Organisationen, Regierungen und alle Teile der Zivilgesellschaft in dem gegenwärtigen sozio-ökologischen Kontext, der dringende, mutige und wirksame Maßnahmen erfordert, den Klimawandel bekämpfen und den Fortbestand aller Lebensformen sicherstellen, indem sie in das Leben - das größte und unantastbare Geschenk - investieren. Diese Klimakonferenz ist eine Herausforderung für die ganze Welt und insbesondere für Brasilien, dessen Territorien und Biome bedroht sind. Der jüngste Bericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) weist darauf hin, dass der Anstieg der Treibhausgasemissionen irreversible Veränderungen in Brasilien verursacht, insbesondere in der halbtrockenen Region, dem Cerrado (Savanne) und dem Amazonasgebiet, mit direkten Auswirkungen auf das Klimasystem anderer Regionen des Landes und Lateinamerikas. Mit der beschleunigten Abholzung und Verbrennung von Wäldern trägt Brasilien auch zur Erwärmung des Planeten bei, indem es die Atmosphäre mit etwa 2,17 Milliarden Tonnen Kohlendioxid belastet, so die vom Amazonas-Umweltforschungsinstitut (IPAM) für 2019 vorgelegten Daten.

Die IPCC-Prognosen zeigen, dass der brasilianische Nordosten, das Zentrum-West und der Norden in den nächsten Jahrzehnten trockener und heißer werden, wenn die Kohlenstoffemissionen in diesem Jahrzehnt nicht gestoppt werden. Ein solches Szenario wird die akute sozio-ökologische Krise, in der wir uns befinden, noch weiter verschärfen, da die sozialen Ungleichheiten zunehmen, die Gebiete degradiert werden und die Tier- und Pflanzenarten verschwinden. Die Menschheit muss möglicherweise mit einer unwirtlichen Umwelt leben, die den Fortbestand des Lebens bedroht.

Die katholische Kirche in Brasilien bekräftigt im Horizont der Soziallehre der Kirche und in Gemeinschaft mit Papst Franziskus ihr Engagement für sozial-ökologische Gerechtigkeit aus der Perspektive der Integralen Ökologie - in Anerkennung der Würde der menschlichen Person, der universellen Bestimmung der Güter und des nicht verhandelbaren Rechts auf Leben für gegenwärtige und zukünftige Generationen.

Wir sind besorgt darüber, dass angesichts der Bedrohung traditioneller Völker und ihrer Territorien diese von Räumen und Prozessen der Reflexion und Beratung über ihr Leben ausgeschlossen werden. Der Menschheit fehlt es noch an Prozessen, die sie dazu bringen, über ihre eigene Existenz nachzudenken. Es ist illusorisch zu glauben, dass nur Technologien in der Lage sein werden, die sich anbahnende Umweltkatastrophe zu lösen, oder dass Marktstrategien ausreichen werden, um eine gerechte und nachhaltige Umwelt für alle Menschen zu schützen und zu gewährleisten, wobei die Hinweise von Organisationen und Institutionen, die seit jeher in ländlichen und städtischen Gemeinden präsent sind, außer Acht gelassen werden.

Die COP26 ist daher von entscheidender Bedeutung für die ethische Verpflichtung, den Regierungen Anregungen für ihre lokale Klimapolitik zu geben, sowie für die Stärkung der internationalen Solidarität, denn die mit der globalen Erwärmung verbundenen Krisen müssen gemeinsam gelöst werden. Darüber hinaus wird es durch seine Vereinbarungen und Beratungen möglich sein, zu beobachten und zu wissen, welche Organismen, Regierungen, Unternehmen und Organisationen bereit sind, Brüche zu fördern, Produktions- und Konsumstrukturen radikal zu verändern und in ihren Agenden der Verteidigung der Armen und des Gemeinwesens Vorrang einzuräumen, indem sie starke Maßnahmen ergreifen.

Die Nationale Bischofskonferenz Brasiliens, kirchliche Einrichtungen und andere katholische Institutionen werden im Einklang mit Institutionen und Organisationen der Zivilgesellschaft die sozio-ökologischen Agenden in Brasilien weiter begleiten und die Würde der menschlichen Person, die Bewahrung des gemeinsamen Hauses, im Horizont einer integralen Ökologie fördern.

Inspiriert von der Mutter Gottes, die unsere vorbildliche Jüngerin ist, werden wir - der Gerechtigkeit, der Würde und den Rechten der Völker sowie der Achtung der "gemeinsamen Wohnung" verpflichtet - die Durchführung der COP26-Beratungen begleiten und einfordern.

Brasília - DF, 10. November 2021

Walmor Oliveira de Azevedo
Präsident der CNBB

Kardinal Cláudio Hummes
Präsident der Bischöflichen Kommission für Amazonien - CNBB

Dom Sebastião Lima Duarte
Präsident der Bischöflichen Sonderkommission für Integrale Ökologie und Bergbau - CNBB

Bischof José Valdeci Santos Mendes
Vorsitzender der Bischöflichen Kommission für Maßnahmen zur sozialen Umgestaltung - CNBB und Vorsitzender des Pastoralrats der Fischer (CPP)

Bischof Erwin Kräutler
Präsident des pan-amazonischen kirchlichen Netzwerks (REPAM-Brasilien)

Dom Mário Antônio da Silva
Präsident der Caritas Brasileira

Dom Roque Paloschi
Präsident des Rates der indigenen Missionare (CIMI)

Dom José Ionilton Lisboa de Oliveira
Präsident der Kommission für die Landpastoral (CPT)





REPAM, 10/11/2021
CNBB, pastorais e organismos da Igreja do Brasil divulgam mensagem por ocasião da COP26 e pedem transformações radicais para a defesa dos pobres e da Casa Comum
Os bispos pedem que os organismos internacionais, governos e todos os segmentos da sociedade civil “combatam as mudanças climáticas e garantam a continuidade de todas as formas de vida, investindo na vida – dom maior e inviolável”

Mittwoch, 10. November 2021

Verdacht auf unrechtmäßige Umweltverträglichkeitsprüfungen in der Steiermark

Steiermark.orf.at, 10.11.2021
UVP „auf Bestellung“: Staatsanwalt ermittelt
Es geht um Amtsmissbrauch und Bestechung im großen Stil: Zwei Spitzenbeamte des Landes sollen in den letzten Jahren die Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) nahezu aller großen Bauprojekte unrechtmäßig genehmigt haben. Der Staatsanwalt ermittelt.

Die Krone, 9.11.2021
Umweltkrimi: Beamte im Visier der Korruptionsjäger
Eine mögliche Affäre um Amtsmissbrauch, Bestechung und Bestechlichkeit erschüttert die Steiermark: Die Abteilung 13 (Umwelt und Raumordnung) des Landes soll über Jahre Bauprojekte nicht rechtens genehmigt haben. Im Zentrum des brisanten Umweltkrimis stehen zwei hochrangige Spitzenbeamte.


wwf.at, 9. November 2021
UVP-Skandal in der Steiermark:
WWF fordert volle Aufklärung und Prüfung aller Projekte
Steiermark mit 3,3 Hektar Bodenverbrauch pro Tag Spitzenreiter im Bundesländer-Vergleich – WWF bekämpfte zuletzt Genehmigung von umstrittenen Kraftwerken an der Koralm und der Schwarzen Sulm


Umwelt.steiermark.at
Umweltverträglichkeitsprüfung
Die Aufgabe der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) besteht darin, unter Beteiligung der Öffentlichkeit auf fachlicher Grundlage die unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen festzustellen, zu beschreiben und zu bewerten, die ein Vorhaben
  • auf Menschen, Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume,
  • auf Boden, Wasser, Luft und Klima,
  • auf die Landschaft und
  • auf Sach- und Kulturgüter
hat oder haben kann, wobei Wechselwirkungen mehrerer Auswirkungen untereinander einzubeziehen sind.

Montag, 1. November 2021

Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien

 


feinschwarz.net, 30.10.2021
Rechtfertigung aus Gnade und Glauben mit Hoffnung – trotz Bolsonaro
Reformationstag 2021: ein Anlass, die weltweite Verbundenheit reformatorischer und spezifisch lutherischer Kirchen zu feiern. Romeu Ruben Martini gibt Einblick in eine gesellschaftlich engagierte Kirche in schwieriger Lage in Brasilien.


(Evangelische Kirche lutherischen Bekenntnisses in Brasilien)

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Kanonische Anerkennung der Kirchenkonferenz für Amazonien CEAMA

 


VaticanNews, 20.10.2021
Vatikan: Amazonas-Bischofskonferenzrat gegründet
Papst Franziskus hat die „Conferencia Eclesial de la Amazonía“ (CEAMA) kanonisch als öffentliche kirchliche juristische Person anerkannt und ihr die Aufgabe übertragen, das gemeinsame pastorale Handeln der kirchlichen Bezirke Amazoniens zu fördern. Auch soll sie eine stärkere Inkulturation des Glaubens in diesem Gebiet unterstützen, wie die Bischofskongregation an diesem Mittwoch mitteilte.

weltkirche.katholisch.de, 20.10.2021
Papst erkennt Amazonas-Kirchenkonferenz CEAMA an
Papst Franziskus hat dieim Sommer 2020 geschaffene Kirchenkonferenz für die Amazonas-Regionoffiziell anerkannt. Wie der Vatikan am Mittwoch mitteilte, verlieh er am 9. Oktober bei einem Treffen mit dem Leiter der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet, der Konferenz den Status einer öffentlichen Körperschaft kirchlichen Rechts.



REPAM, 16/10/2021
Papa Francisco erige canónicamente la Conferencia Eclesial de la Amazonía (CEAMA)
El Papa Francisco ha erigido canónicamente la Conferencia Eclesial de la Amazonía (CEAMA), como persona jurídica pública eclesiástica. Así se lo ha comunicado en una carta con fecha de 11 de octubre, el cardenal Marc Ouellet, prefecto de la Congregación para los Obispos, al cardenal Claudio Hummes, presidente de la CEAMA, respondiendo a una carta de éste, enviada el 30 de septiembre. La aprobación se produjo el pasado 9 de octubre en la Audiencia con el Santo Padre.

Mittwoch, 20. Oktober 2021

Senat empfiehlt Klage gegen Bolsonaro wegen Corona-Politik

 


ORF, 20.10.2021
Senatoren fordern Klage gegen Bolsonaro
Der brasilianische Senat hat eine Klage gegen Staatschef Jair Bolsonaro wegen dessen CoV-Politik gefordert. Das geht aus einem am Mittwoch vorgelegten Untersuchungsbericht zu Bolsonaros strafrechtlichen Vergehen im Zusammenhang mit dem Krisenmanagement seiner Regierung hervor. Der Ausschuss erhebt schwere Anschuldigungen gegen Bolsonaro, darunter Verbrechen gegen die Menschlichkeit und „Scharlatanerie“.


Tagesschau.de, 20.10.2021
Corona-Politik in Brasilien
Senat empfiehlt Anklage Bolsonaros
Brasilien verzeichnet global die zweithöchste Corona-Totenzahl. Ein Senatsausschuss hat die Pandemie-Politik von Staatschef Bolsonaro untersucht und empfiehlt, ihn anzuklagen - unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Tagesschau,de, 21.10.2021
Bolsonaro weist Vorwürfe zurück
Brasiliens Präsident Bolsonaro hat die schweren Vorwürfe gegen seine Corona-Politik zurückgewiesen. Seine Regierung sei "für absolut nichts verantwortlich". Ein Ausschuss hatte zuvor eine Anklage empfohlen.

O Globo, 20/10/2021
Entenda os 9 crimes que a CPI da Covid atribui a Jair Bolsonaro
Relatório final da comissão deve apontar que Bolsonaro responda por crimes como charlatanismo, epidemia com morte e fraude de documentos.

Dienstag, 19. Oktober 2021

Abgeordneter beschimpft Papst und CNBB nach Festgottesdienst in Aparecida

Der Abgeordnete Frederico D'Avila (PSL) ärgerte sich über eine Predigt des Erzbischofs von Aparecida (SP), Dom Orlando Brandes, beim Festgottesdienst zu Ehren der Patronin von Brasilien am 12. Oktober (Unsere Hl. Frau von Aparecida) in der Basilika von Aparecida. Präsident Jair Bolsonaro nahm an der Zeremonie teil und musste sich anhören, er würde "das Heiligtum zu Wahlkampfzwecken entweihen".

Der Erzbischof verteidigte in seiner Predigt die Massenimpfung gegen die Covid-19-Pandemie, verurteilte Hassreden und warnte vor einer Politik, die Waffen verherrlicht. "Die geliebte (amanda) Heimat ist keine bewaffnete (armada) Heimat", sagte Erzbischof Orlando. Bolsonaro ist ein überzeugter Impfgegner und verherrlicht immer wieder den Einsatz von Waffen.

Für D'Avila, einem Anhänger von Bolsonaro, waren das "Seitenhiebe gegen den Präsidenten und die brasilianische Bevölkerung". Zwei Tage später ließ er während der gesetzgebenden Versammlung des Bundesstaates São Paulo (Alesp) seinem Ärger freien Lauf und sparte nicht mit deftigen Ausdrücken gegen den Erzbischof: "Das geliebte Vaterland ist dasjenige, das sich diesem Pöbel nicht unterwirft, du Halunke". Er griff auch die Brasilianische Bischofskonferenz (CNBB) und Papst Franziskus selbst an und nannte sie "Gauner", "Penner", "Dreckskerl" und "Pädophile".

Der Präsident des Landtages von São Paulo (Alesp), Carlão Pignatari (PSDB), sagte bei der Eröffnung der Plenarsitzung am Montag (18.10), er lehne jedes Wort ab, das über sachliche Kritik hinausgehe und Angriffe darstelle, die die Grenzen der Meinungsfreiheit und der parlamentarischen Immunität überschreiten.

Carlão sagte auch, dass die Ausdrücke des Abgeordneten D'Avila regierungsfeindlich seien und ordnete an, die Beleidigungen der CNBB, des Erzbischofs von Aparecida und von Papst Franziskus aus dem Protokolle zu streichen. Er verlas den gesamten Offenen Brief der CNBB, der ihm kurz zuvor vom Bischof von Mogi das Cruzes (und Präsident der südlichen Region 1 des CNBB - Bundesstaat São Paulo), Monsignore Pedro Luiz Stringhini, überreicht worden war.

Die CNBB weist darin "die abscheulichen Aggressionen", die der Abgeordnete Frederico D'Avila am 14. Oktober am Rednerpult von Alesp geäußert hat, entschieden zurück. Er habe mit unkontrolliertem Hass gehandelt und Papst Franziskus, die CNBB selbst und den Erzbischof von Aparecida (SP), Dom Orlando Brandes, zügellos angegriffen und beschimpft. Mit dieser Haltung hätte er "den parlamentarischen Auftrag verletzt und kompromittiert, was eine sofortige und beispielhafte Korrektur durch die zuständigen Gremien erfordert". Man werde Rechtsmittel anwenden, um "zum Wohle der brasilianischen Demokratie" beizutragen.


ORF, 20.10.2021
Untersuchungsausschuss zieht über Bolsonaros CoV-Politik Bilanz
In Brasilien soll ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur CoV-Politik der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro nach fast sechs Monaten Arbeit heute seine Ergebnisse vorstellen.


g1.oglobo.com, 18/10/2021
Conselho de Ética da Alesp vai analisar ofensas ditas por deputado a arcebispo de Aparecida e papa Francisco
Deputado Frederico D´Avila (PSL) chamou papa de 'vagabundo' e atacou arcebispo Dom Orlando Brandes da tribuna da Assembleia. Em carta nesta segunda (18), o deputado se desculpou com a Igreja Católica e disse que no dia do discurso estava sob impacto de uma 'tentativa de homicídio'.
 

CNBB, 18/10/2021
Presidente da ALESP condena pronunciamento contra o Papa Francisco, Dom Orlando e à CNBB
O bispo de Mogi das Cruzes (SP) e presidente do Regional Sul 1 (Estado de São Paulo) da Conferência Nacional dos  Bispos do Brasil (CNBB),  dom Pedro Luiz Stringhini, entregou oficialmente a Carta Abertaao presidente da Assembleia Legislativa do Estado de São Paulo (ALESP), o deputado estadual Carlão Pignatari, na tarde desta segunda-feira, 18 de outubro. O assessor político da CNBB, padre Paulo Renato, também participou da entrega junto aos deputados estaduais do Estado de São Paulo Emídio de Souza, André do Prado, Reinaldo Alguz e o ex-deputado  padre Afonso Lobato.


g1.oglobo.com, 18/10/2021
CNBB entrega carta à presidência da Alesp cobrando punição a deputado que xingou arcebispo e papa
Conferência divulgou documento no domingo. Bispo Dom Pedro Luiz Stringhini entregará pessoalmente ao deputado Carlão Pignatari na tarde desta segunda (18). Parlamentar bolsonarista Frederico D´Avila (PSL) proferiu as agressões na Tribuna da plenária no dia 14.

Samstag, 16. Oktober 2021

11 Anzeigen gegen Bolsonaro wegen Corona-Politik

 


ORF.at, 16.10.2021
Brasilianischer Senat empfiehlt elf Anzeigen gegen Bolsonaro
Eine Untersuchung des brasilianischen Senats über den Umgang der Bolsonaro-Regierung mit der Covid-19-Pandemie wird einen Antrag auf elf Strafanzeigen gegen Präsidenten Jair Bolsonaro empfehlen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass sich Bolsonaro vor einem Gericht verantworten werden müsse, sagte der untersuchende Senator Renan Calheiros in einem Radiointerview.

Die Untersuchung habe seit April Beweise für eine Anklage Bolsonaros gesammelt. Der Präsident wird in dem Bericht des Untersuchungsausschusses des Völkermordes an der indigenen Bevölkerung, des Amtsmissbrauchs, der unrechtmäßigen Verwendung öffentlicher Mittel, des Verstoßes gegen sanitäre Maßnahmen, der Anstiftung zum Verbrechen und der Fälschung privater Dokumente sowie weiterer Straftaten bezichtigt.

Der rechtsextreme Präsident, der selbst mit dem Coronavirus infiziert war, wetterte seit Beginn der Pandemie gegen Abriegelungsmaßnahmen, propagierte unbewiesene Heilmethoden, säte Zweifel an Impfstoffen und spielte den Schweregrad von Covid-19 herunter. Der Bericht des Untersuchungsausschusses soll am Dienstag vom Senat veröffentlicht werden. Die Generalstaatsanwaltschaft könnte den Präsidenten anklagen, aber der Oberste Gerichtshof muss die Genehmigung des Unterhauses einholen, um eine Verhandlung einleiten zu können. Experten zufolge sei es unwahrscheinlich, dass das Unterhaus einem solchen Antrag zustimmen wird.


Jornal nacional 15/10/2021
Relatório final da CPI deve pedir indiciamento de Bolsonaro por 11 crimes
Também devem ser responsabilizados filhos do presidente, ministros e ex-ministros, funcionários e ex-funcionários do governo, deputados e médicos.

GloboNews 10/10/2021
Relatório da CPI da Covid deve atribuir pelo menos 11 crimes a Bolsonaro, diz Renan Calheiros
Comissão deve concluir trabalhos ainda neste mês e enviar conclusões ao Ministério Público, que analisará se envia casos à Justiça. Relator, Calheiros prevê ao menos 40 indiciados.

Blog-Archiv vom 29. Juni 2021:
Schwere Vorwürfe gegen Bolsonaro wegen Impfstoff-Deals

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Weihe verheirateter Männer vom Tisch?

 

Entwicklungen in Amazonasregion seien Modell für Weltkirche
Kurienkardinal Czerny: Weihe verheirateter Männer "nicht vom Tisch"
Im Anschluss an die Amazonassynode hatte Papst Franziskus eine Weihe verheirateter Männer nicht umgesetzt. Kurienkardinal Michael Czerny glaubt, dass sie trotzdem noch kommen könnte. Die Kirche Südamerikas hat für ihn weltweiten Modellcharakter.

Kath.ch, 14.10.2021
Kardinal Michael Czerny: «Es geht um die Reparatur der Kirche»
Ein enger Vertrauter von Papst Franziskus spricht heute Abend in Freiburg: Kurienkardinal Michael Czerny (75). «Es geht um die Erneuerung der Kirche», sagt der Jesuit. Die Idee, dass auch verheiratete Männer Priester werden können, sei «immer noch auf dem Tisch».

VaticanNews, 15.10.2021
Kardinal: Kein endgültiges Aus für „viri probati“
Eine Weihe von verheirateten Männern zu Priestern könnte in Zukunft möglich werden. Das sagte Kurienkardinal Michael Czerny am Donnerstag in einem Interview mit dem Nachrichtenportal kath.ch.

Mittwoch, 13. Oktober 2021

Bolsonaros Amazonas-Politik kommt vor Gericht



Klimareporter, 12. Oktober 2021 
Anzeige gegen Bolsonaro
Eine Klimaschutzorganisation aus Österreich hat heute vor dem Internationalen Strafgerichtshof Klage gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro eingereicht. Ihm werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

OTS, 12.10.2021
AllRise zeigt brasilianischen Präsidenten Bolsonaro bei Internationalem Strafgerichtshof an
Mit einem umfassenden Dossier belegt die österreichische Non-Profit-Organisation AllRise erstmals die verheerenden Auswirkungen der Regenwald-Politik Bolsonaros auch auf das globale Klima und zeigt den brasilianischen Präsidenten wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor dem Strafgerichtshof in Den Haag an. Unterstützt wird sie dabei von der Deutschen Umwelthilfe und weiteren (Klimaschutz-) Organisationen.

PULS 24 News, 12.10.2021
Wesemann zur Bolsonaro-Anzeige: "Wollen Präzedenzfall schaffen"
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro ist wegen Abholzung des Amazonas-Regenwaldes beim Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angezeigt worden. Der österreichische Initiator Johannes Wesemann spricht im Interview mit PULS 24 Reporterin Josephine Roek über die Anzeige gegen Bolsonaro.

PULS 24 News, 12.10.2021
Janik erklärt die Bolsonaro-Anzeige wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Anchor Jakob Wirl spricht mit Völkerrechtsexperte Ralph Janik über die Anzeige gegen Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro. Ihm werden wegen der Amazonas-Abholzung Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen. Es werde versucht, eine direkte Verbindung zwischen seiner Politik und Toden bei Indigenen herzustellen, erklärt Janik. Man müsste beweisen, dass er bei den Verbrechen unterstützend tätig war.


ANZEIGE GEGEN JAIR BOLSONARO WEGEN VERBRECHEN GEGEN DIE MENSCHLICHKEIT

Dienstag, 12. Oktober 2021

Dom Erwin Kräutler leitet Novene in Aparecida



Das Fest "Unsere Liebe Frau von Aparecida", der Patronin von Brasilien,  wird am 12. Oktober gefeiert und mit einer Novene vorbereitet. Die letzte am 11.10. leitete Dom Erwin Kräutler. Er beginnt mit dem Gebet bei min 38:18 und mit der Predigt bei h 1:04:15


Festa da Padroeira 2021 | Novena Solene - 9º Dia
Sermão de Dom Erwin Kräutler


Unsere Liebe Frau von Aparecida
VaticanNews >>

Samstag, 9. Oktober 2021

Erwin-Kräutler-Preis an Stefano Raschietti verliehen

 


Salzburg: Erwin-Kräutler-Preis an Stefano Raschietti verliehen

Nach früherem austro-brasilianischem Bischof benannter Preis würdigt Verdienste im Bereich der kontextuellen Theologie, des interreligiösen Dialogs und der befreiungstheologischen Forschung

Salzburg, 08.10.2021 (KAP) Der aus Italien stammende und seit vielen Jahren in Brasilien tätige katholische Theologe Stefano Raschietti ist mit dem "Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie, interreligiösen Dialog und befreiungstheologische Forschung" ausgezeichnet worden. Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung, die alle zwei Jahre vom "Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen" der Universität Salzburg vergeben wird, wurde am Donnerstagabend, 7. Oktober, in Salzburg überreicht. Ihr Ziel ist es, junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu fördern, die sich mit politischer Theologie, sozialer Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung beschäftigen - Themen, für die sich auch Bischof Erwin Kräutler seit über fünf Jahrzehnten im Amazonasgebiet engagiert.

Der Theologe Raschietti erhielt die Auszeichnung in Anerkennung seiner Leistung zur zeitgemäßen Interpretation des Begriffs der Mission, heißt es in einer Presseaussendung der Universität Salzburg. Raschietti gelinge es, Mission "nicht als Überbleibsel einer vormodernen Religionspolitik" zu verstehen, "sondern als Ausdruck eines wechselseitigen Lernprozesses, der sowohl kulturell, politisch, religiös als auch theologisch relevant ist", erörterte der Leiter des "Zentrums Theologie Interkulturell und Studium der Religionen", Prof. Franz Gmainer-Pranzl, die Entscheidung der Jury. 

Darüber hinaus bestehe ein enger Zusammenhang zwischen der theologischen Reflexion Raschiettis und dem praktischen, pastoralen Tun von Bischof Kräutler, so Gmainer-Pranzl weiter. Dieses Tun folge einem "dekolonialen Ansatz" und Verständnis von Mission: "Von daher erweisen sich die dekoloniale Praxis des bischöflichen Dienstes von Erwin Kräutler sowie die Rezeption dekolonialer Theorien in der missionswissenschaftlichen Dissertation von Stefano Raschietti als Impulse, die über den Kontext Brasiliens hinaus zu denken geben."

Biografische Notizen

Stefano Raschietti, 1963 in Vicenza (Italien) geboren, studierte in Parma Katholische Theologie. In Sao Paolo (Brasilien) absolvierte er das Masterstudium in Dogmatik mit Schwerpunkt Missionswissenschaft. Es folgte ein Doktoratsstudium in Theologie mit Schwerpunkt Pastoraltheologie an der Päpstlichen Universität von Parana, Curitiba, das er 2020 mit einer Dissertation zum Thema "Mission und Dekolonialität. Ein neues Paradigma von Mission in Lateinamerika" abschloss.

Raschietti ist Mitglied der "Gesellschaft des hl. Xaver für auswärtige Missionen" (SX, "Xaverianer-Missionare"). Seit dreißig Jahren nimmt er in Brasilien Aufgaben im Bereich der missionarischen Bildung und der Beratung der lateinamerikanischen Bischofskonferenz wahr. Zudem lehrt er an verschiedenen Universitäten in Brasilien. Derzeit ist er Mitglied des Lateinamerikanischen Netzwerks der Missionswissenschaftlerinnen und Missionswissenschaftler und Direktor des "Centro Cultural Conforti" in Curitiba (Brasilien).


Religion.orf.at, 8.10.2021
Preis für befreiungstheologische Forschung verliehen
Der nach dem früherem österreichisch-brasilianischem Bischof benannte Erwin-Kräutler-Preis für Verdienste im Bereich der kontextuellen Theologie, des interreligiösen Dialogs und der befreiungstheologischen Forschung ist an den katholischen Theologen Stefano Raschietti verliehen worden.


science.apa.at, 4.10.2021
Vergabe des Erwin-Kräutler-Preises am 7. Oktober 2021
Der nach dem alternativen Nobelpreisträger benannte „Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie, interreligiösen Dialog und befreiungstheologische Forschung“ wird am 7. Oktober 2021 an der Universität Salzburg zum sechsten Mal vergeben. Diesjähriger Preisträger ist der aus Italien stammende und seit vielen Jahren in Brasilien tätige Theologe Stefano Raschietti. Er wird für seine zeitgemäße Interpretation von Mission ausgezeichnet.

Vergabe des Erwin-Kräutler-Preises am 7. Oktober 2021 

Partnermeldung 

Der nach dem alternativen Nobelpreisträger benannte „Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie, interreligiösen Dialog und befreiungstheologische Forschung“ wird am 7. Oktober 2021 an der Universität Salzburg zum sechsten Mal vergeben. Diesjähriger Preisträger ist der aus Italien stammende und seit vielen Jahren in Brasilien tätige Theologe Stefano Raschietti. Er wird für seine zeitgemäße Interpretation von Mission ausgezeichnet.

Vergabe des Erwin-Kräutler-Preises am 7. Oktober 2021 

Partnermeldung 

Der nach dem alternativen Nobelpreisträger benannte „Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie, interreligiösen Dialog und befreiungstheologische Forschung“ wird am 7. Oktober 2021 an der Universität Salzburg zum sechsten Mal vergeben. Diesjähriger Preisträger ist der aus Italien stammende und seit vielen Jahren in Brasilien tätige Theologe Stefano Raschietti. Er wird für seine zeitgemäße Interpretation von Mission ausgezeichnet.

Vergabe des Erwin-Kräutler-Preises am 7. Oktober 2021 

Partnermeldung 

Der nach dem alternativen Nobelpreisträger benannte „Erwin-Kräutler-Preis für kontextuelle Theologie, interreligiösen Dialog und befreiungstheologische Forschung“ wird am 7. Oktober 2021 an der Universität Salzburg zum sechsten Mal vergeben. Diesjähriger Preisträger ist der aus Italien stammende und seit vielen Jahren in Brasilien tätige Theologe Stefano Raschietti. Er wird für seine zeitgemäße Interpretation von Mission ausgezeichnet.

Freitag, 8. Oktober 2021

Niedriger Wasserstand reicht in Belo Monte nur für eine Turbine



Kooperation Brasilien, 8.10.2021
Staudamm Belo Monte:
Wegen Dürre nur eine Turbine in Betrieb und Fische sterben wegen erhöhter Wassertemperatur
Die diesjährige Trockenzeit in Amazonien legt die Fehlkalkulationen beim Bau des 11-GW-Staudamms Belo Monte am Xingu-Fluss im amazonischen Bundesstaat Pará schonungslos bloß.


Bom Dia Pará, 24/09/2021
Seca do rio Xingu prejudica a produção de energia da usina de Belo Monte, em Altamira


O Globo, 06/10/2021
Peixes morrem presos na lama durante seca em reservatório da usina de Belo Monte, no Pará
Com nível do rio Xingu mais baixo este ano, impactos do empreendimento ficam mais acentuados nos afluentes, dizem especialistas.

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Dom Luiz Cappio feiert 75. Geburtstag

 


Brasilianischer "Umweltbischof" Cappio erreicht Altersgrenze
Bischof von Barra wird 75

Seit Jahrzehnten engagiert sich Luiz Flavio Cappio sozial und politisch. Er kämpft für die Umwelt und die Menschenrechte der indigenen Bevölkerung in seiner Heimat Brasilien. An diesem Montag feiert der Bischof von Barra seinen 75. Geburtstag.

Der Franziskaner erreicht damit die Altersgrenze, mit der Bischöfe dem Papst gemäß dem Kirchenrecht ihren Amtsverzicht anbieten müssen; oft belässt dieser die Leiter wichtiger Diözesen noch einige Zeit darüber hinaus im Amt. Wie der auch "Amazonasbischof" genannte Österreicher Erwin Kräutler (82) steht Bischof Cappio in besonderer Weise für das soziale und politische Engagement der Kirche in Brasilien.

Am 4. Oktober 1946 in eine wohlhabende Familie im Bundesstaat Sao Paulo geboren, trat Cappio nach seinem Theologie- und Wirtschaftsstudium in den "Bettelorden" der Franziskaner ein. 1971 geweiht, wirkte er bis 1974 als Arbeiterpriester in der Millionenstadt Sao Paulo. Danach ging er als Seelsorger in eine arme Region des nordöstlichen Bundesstaates Bahia. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 1997 zum Bischof von Barra, einer armen Gegend am Rio Sao Francisco.

Einsatz für den Rio Sao Francisco

International bekannt wurde Cappio, als er 1992 mit drei weiteren Aktivisten über ein ganzes Jahr eine Wallfahrt von der Quelle bis zur Mündung des 2.700 Kilometer langen Rio Sao Francisco machte, um auf die Probleme des Flusses und seiner Anwohner hinzuweisen. 2005 und 2007 trat der Bischof zweimal in den Hungerstreik, um gegen ein milliardenteures Umleitungsprojekt des Sao Francisco zu protestieren.

Das 2007 von Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva gestartete Riesenprojekt sollte bis zu zwölf Millionen Menschen mit Wasser versorgen, droht aber inzwischen zu einem Milliardengrab und zu einer ökologischen Katastrophe zu werden. Ein 400 Kilometer langer Nordkanal soll das Flusswasser aus dem Teilstaat Pernambuco hoch nach Ceara bringen; der Ostkanal soll bis nach Paraiba reichen. Die Baukosten stiegen seither auf das Dreifache.

Riesenprojekt bedroht ökologisches Gleichgewicht

Das Projekt leidet unter anderem an nicht fertiggestellten Etappen, fehlenden Pumpen sowie Problemen mit Dämmen und Kanälen. Die Sonneneinstrahlung zersetzt bereits an vielen Stellen den Beton. Wegen fehlender Klärwerke vermischen sich ungereinigte Abwässer mit dem Flusswasser. Der Bau sollte 2012 fertig werden; derzeit geht man von 2022 aus.

Bischof Cappio hatte bereits im Vorfeld erklärt, der Bau von Zisternen sei deutlich effektiver und günstiger als die Umleitung des Flusses. Zudem bedrohe die Wasserentnahme das ohnehin angeschlagene ökologische Gleichgewicht. Immer wieder kritisierte Cappio, die riesigen Wasserprojekte in Brasilien beruhten auf völlig veralteten Technologien.

Samstag, 18. September 2021

Kirche schweigt zum Machtkampf in Bolivien

Wochenkommentar von kath.de, 17.09.2021
Machtkampf in Bolivien. Eine Bestandsaufnahme
In Bolivien herrscht „latenter Bürgerkrieg“. Nach Jahren der Spannung und Gewalt ruft die katholische Kirche das Land zur Versöhnung auf. Doch dieser Aufruf bleibt kraftlos, solange sich die gesellschaftlichen Gruppen unversöhnlich gegenüberstehen.

Dienstag, 7. September 2021

Unabhängigkeitstag in Brasilien: wird Bolsonaro Trump kopieren?

 

Unabhängigkeitstag in Brasilien
Bolsonaro und die „Strategie der Spannung“
Brasilien gedenkt am Dienstag der Erlangung der Unabhängigkeit am 7. September 1822 – Präsident Jair Bolsonaro machte zuletzt aber deutlich, dass er den Staatsfeiertag in diesem Jahr nicht zuletzt als Machtdemonstration in eigener Sache nutzen will. Seit Tagen ruft der ultrarechte Politiker seine Anhänger dazu auf, am Unabhängigkeitstag gegen die gegen ihn eingeleiteten Ermittlungen auf die Straße zu gehen. Beobachter orten in Bolsonaros Drohgebärden eine Gefahr für die Demokratie – und warnen vor einem Aufstand im Stil des von Anhängern von Ex-US-Präsident Donald Trump durchgeführten Sturms auf das Kapitol.


amerika21.de, 3.9.2021
Präsident von Brasilien setzt auf Strategie der Spannung
Bolsonaro bezeichnet Richter als "Krebsgeschwür". Brasilianer:innen sollen "Gewehre statt Bohnen" kaufen. Gewerkschaftsverbände rufen zu Einheit und massiven Protesten auf


Der Tagesspiegel, 7.9.2021
„Tot, gefangen oder siegreich“
In Brasilien droht eine Attacke wie auf das US-Kapitol
Brasiliens Präsident Bolsonaro heizt den Machtkampf mit Parlament und Oberstem Gericht an. Zum Unabhängigkeitstag wird sogar ein Militärputsch befürchtet.

 
amerika21.de, 28.8.2021
Brasiliens Polizei ruft zu Pro-Bolsonaro Demonstrationen auf
25 der 27 brasilianischen Gouverneure haben am Montag vor einem bewaffneten Polizeiaufstand zugunsten von Präsident Jair Bolsonaro gewarnt. Pensionierte und aktive Polizeibeamte hatten dazu aufgerufen, an Demonstrationen der regierenden Ultrarechten teilzunehmen.


O Globo, 6.9.2021
Apoiadores de Bolsonaro furam bloqueio da PM e invadem Esplanada dos Ministérios
Esquema de segurança do governo do Distrito Federal não permitia a entrada de veículos no local. Caminhoneiros e demais manifestantes retiraram as grades de segurança.


CNBB, 6.9.2021
Dia da Pátria:
Presidente da CNBB pede a brasileiros que não se deixem convencer por quem agride os poderes Legislativo e Judiciário
De acordo com o arcebispo de Belo Horizonte, em nome de ideologias muitos dedicam-se à ofensas, chegando ao absurdo de defender o armamento da população.

Montag, 6. September 2021

Bolsonaro schränkt Löschung von Inhalten in sozialen Netzwerken ein


Präsident Jair Bolsonaro erließ eine vorläufige Verordnung, die Regeln für die Nutzung und Moderation von sozialen Netzwerken festlegt und die Entfernung von Inhalten einschränkt. Sie wurde am Montag (6.) im "Diário Oficial da União" (DOU) veröffentlicht und ändert das Gesetz, das die Nutzung des Netzes in Brasilien regelt (Marco Civil da Internet). 

Die Verordnung ist bis zu 120 Tage gültig und bedarf der Zustimmung des Kongresses, um voll rechtskräftig zu werden. Sie legt "Rechte und Garantien" für Nutzer sozialer Netzwerke fest und definiert Regeln für die Moderation von Inhalten in sozialen Netzwerken. Dem Text zufolge muss es einen "gerechten Grund" und eine "Begründung" für die "Löschung oder Aussetzung von Funktionen von Konten oder Profilen, die von Nutzern sozialer Netzwerke unterhalten werden" geben. 

Die Nutzer haben außerdem Recht auf "Einspruch, eine umfassende Verteidigung und einen Rechtsmittelweg" in Fällen von Inhaltsmoderation, und der Anbieter sozialer Medien muss einen elektronischen Kanal für die Durchsetzung dieser Rechte bereitstellen.

Auch das Recht auf "Rückgabe der vom Nutzer veröffentlichten Inhalte" - einschließlich Texten und Bildern, falls gewünscht - und die Wiederherstellung des Kontos, des Profils oder der ursprünglichen Inhalte im Falle einer "unzulässigen Moderation" sind vorgesehen.

Der von Bolsonaro herausgegebene Text verbietet "die Annahme von Moderationskriterien oder die Begrenzung des Umfangs der Verbreitung von Inhalten, die eine Zensur der politischen, ideologischen, wissenschaftlichen, künstlerischen oder religiösen Ordnung implizieren".

"Unter Beachtung der Freiheit der Meinungsäußerung, der Kommunikation und des Ausdrucks von Gedanken kann der vollständige oder teilweise Ausschluss, die Löschung oder die Aussetzung von Diensten und Funktionen des Kontos oder des Profils eines Nutzers sozialer Netzwerke nur bei Vorliegen eines berechtigten Grundes und einer Begründung erfolgen", heißt es in dem Text.

Teilweise übersetzt mit www.DeepL.com/Translator


O Globo, 6.9.2021
Bolsonaro edita MP que limita remoção de conteúdos nas redes sociais
Medida Provisória altera o Marco Civil da Internet, lei que regulamenta uso da rede no Brasil. MP vale por até 120 dias e precisa de aprovação do Congresso para se tornar lei em definitivo.


O Globo, 6.9.2021
Facebook, Google e Twitter criticam MP assinada por Bolsonaro que limita remoção de conteúdos em redes sociais
Medida Provisória editada pelo presidente estabelece regras para uso e moderação de redes sociais e limita a remoção de conteúdos. A MP foi publicada no 'Diário Oficial da União' desta segunda-feira (6) e altera o Marco Civil da Internet, lei que regulamenta o uso da rede no Brasil.


O Globo, 6.9.2021
MP que limita remoção de conteúdos nas redes sociais pode ser considerada inconstitucional, dizem especialistas
Medida Provisória altera o Marco Civil da Internet e estabelece regras para uso e moderação de plataformas on-line de mídias sociais.

Mittwoch, 25. August 2021

Indigenen in Brasilien droht Verlust ihrer Landrechte


Indigenen in Brasilien droht Verlust ihrer Landrechte
Oberstes Gericht berät über Gültigkeit des in der Verfassung von 1988 garantierten Anspruchs der Indigenen auf traditionelle Siedlungsgebiete - Proteste in Brasilia - Von Thomas Milz

Rio de Janeiro, 25.08.2021 (KAP/KNA) Den indigenen Völkern Brasiliens droht ein schwerer Rückschlag im Kampf um ihre traditionellen Siedlungsgebiete. Während das Oberste Gericht des Landes an diesem Mittwoch (Ortszeit) Beratungen über Einschränkungen bei Landzuteilungen an indigene Völker aufnimmt, liegt dem Kongress bereits ein entsprechender Gesetzentwurf vor, wie brasilianische Medien berichten. In diesen Tagen protestieren rund 6.000 Indigene in der Hauptstadt Brasilia für ihre Landrechte. Unterstützung erhalten sie auch von Nichtregierungsorganisationen.

Das Oberste Gericht berät über die Gültigkeit des "Marco Temporal 1988", der "Zeitmarke 1988". Die Verfassung von 1988 garantiert den Indigenen einen Anspruch auf traditionelle Siedlungsgebiete. In den vergangenen Jahren wurden aber immer mehr Gebietszuteilungen geblockt. Argumentiert wurde, dass nur Gebiete an die Indigenen zugeteilt werden dürfen, die am 5. Oktober 1988, also dem Tag des Inkrafttretens der Verfassung, tatsächlich besiedelt waren.

Damit würden die Indigenen Ansprüche auf Gebiete verlieren, in denen sie in den Jahrzehnten vor 1988 vertrieben wurden. Besonders während der Militärdiktatur (1964-1988) waren ganze Völker gewaltsam zwangsumgesiedelt worden.

"Dolchstoß ins Herz der Völker"

Erst vor wenigen Wochen hatte der emeritierte Bischof von Altamira in Brasilien, Erwin Kräutler, gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress und weiteren österreichischen kirchlichen Medien die dramatischen Folgen der von Präsident Jair Bolsonaro angestrebten Öffnung der Indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung beschrieben. Die Nutzung wäre nicht nur ein Dolchstoß ins Herz der dort lebenden Völker, sondern ganz besonders auch ein "weiterer folgenschwerer Angriff auf das Ökosystem Amazoniens mit Konsequenzen, die nicht an der Grenze Brasiliens halt machen", sagte Kräutler.

In den 1980er Jahren hatte die katholische Kirche in Brasilien während der Verfassungsgebenden Versammlung zusammen mit Vertretern der Indigenen Völker nachdrücklich die Verankerung deren Grundrechte im Verfassungstext verlangt und die Forderungen auf der Basis der Allgemeinen Menschenrechte durchgesetzt. Der aus Vorarlberg stammende Bischof Kräutler war damals Vorsitzender des Rates für Indigene Völker der Brasilianischen Bischofskonferenz. 

Räumungsklage gegen Indigene

Aktuell beschäftigt sich das Oberste Gericht Brasiliens konkret mit dem Fall des Volkes der Xokleng aus Südbrasilien. Die Teilstaatsregierung von Santa Catarina hat eine Räumungsklage für das indigene Gebiet Ibirama-La Klano eingereicht, auf dem neben den Xokleng auch Indigene der Völker Guarani und Kaingang leben. Der Spruch des Obersten Gerichts dürfte richtungsweisend für die künftige Rechtsprechung sein. 

Zuletzt hatte das Gericht zwar mehrfach Aufsehen erregende Urteile gegen die Regierung ausgesprochen. In früheren Jahren gab es jedoch auch Urteile zugunsten der "Zeitmarke 1988". Auch eine Verzögerung des Urteilsspruchs um mehrere Monate ist denkbar.

Bestätigt das Oberste Gericht die "Zeitmarke 1988", wäre dies auch ein Sieg der Agrarlobby und von Staatspräsident Bolsonaro, die gegen Landzuteilung an Indigene kämpfen. Das Land solle vielmehr für die landwirtschaftliche Produktion und Förderung von Bodenschätzen geöffnet werden. Die Bolsonaro-Regierung hat bereits die Zuteilung von 27 Indigenengebieten geblockt, wie der katholische Indigenen-Missionsrat Cimi berichtet.

Zuteilungen an Indigene liegen auf Eis

Ursprünglich sollten die Indigenengebiete bis spätestens 1993 an die Indigenen abgegeben werden. Doch laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) liegen derzeit 237 Zuteilungen auf Eis. Neben den Gerichten beschäftigt die Zeitmarke auch das Parlament. HRW forderte am Dienstag die Kongressmitglieder auf, ein Gesetz zur Einführung der "Zeitmarke 1988" abzulehnen. Derzeit wartet es im Abgeordnetenhaus auf die entscheidende Abstimmung, bevor es in den Senat weitergereicht wird.

Am Dienstag protestierten rund 6.000 Indigene aus ganz Brasilien im Regierungsviertel der Hauptstadt Brasilia für ihre Landrechte. Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte erklärte derweil, die Einführung der Zeitmarke verstoße gegen internationales Recht. Der UN-Sonderberichterstatter für Indigenenrechte, Jose Francisco Cali Tzay, appellierte an das Oberste Gericht, die Zeitmarke abzulehnen.



Tagesschau, 24.08.2021
Protest von Brasiliens Indigenen
"Niemals waren wir so bedroht wie jetzt"
Mit einem Protestcamp in der Hauptstadt wehren sich Brasiliens Indigene gegen eine Eisenbahntrasse mitten durch den Amazonas. Zudem machen ihnen Gesetzesvorhaben und ein Gerichtsverfahren ihre Territorien streitig.


amerika21, 24.08.2021
Brasilien: Agrarlobby fordert Austritt aus der Konvention zum Schutz indigener Rechte
Die mächtige Agrarfraktion im Kongress sieht die ILO-Konvention als "Hindernis für die Entwicklung und eine Einschränkung der nationalen Souveränität"

AKTUALISIERUNG:


Brasilien: Entscheidung über Landrechte Indigener vertagt
Der Oberste Gerichtshof Brasiliens (STF) hat eine Entscheidung über die Landrechte von Indigenen erneut verschoben. Das Gericht vertagte die für gestern angesetzte Abstimmung über den Anspruch indigener Völker auf ihr angestammtes Land kurzfristig auf heute.




G1-O Globo, 24.08.2021
Indígenas protestam em Brasília contra medidas que dificultam demarcação de terras
Grupo ocupou Esplanada dos Ministérios durante tarde desta terça-feira (24). Todas pistas, sentido Congresso Nacional, foram interditadas por cerca de uma hora; indígenas caminharam até Praça dos Três Poderes.


G1-O Globo, 25.08.2021
Supremo pode julgar nesta quarta se é legal marco temporal para demarcação de terras indígenas
Pelo marco temporal, índios só podem reivindicar a demarcação de terras nas quais já estivessem estabelecidos antes da data de promulgação da Constituição de 1988.


APIB - Articulação dos Povos Indígenas do Brasil

Montag, 23. August 2021

Neuartige Ausbildung für Ständige Diakone, Gemeindeleiter und Katecheten

 

VaticanNews, 23.8.2021
Brasilien: Neuartige Schule für kirchliche Berufungen eröffnet
Eine neue Schule für kirchliche Berufungen ist in Brasilien an den Start gegangen. Sie will Ständige Diakone sowie Gemeindeleiter und Katecheten – Männer und Frauen – gemeinsam ausbilden und besonders Indigene berücksichtigen. Bischof Erwin Kräutler spricht gegenüber Radio Vatikan von einer bemerkenswerten Initiative.


Kathpress, 25.08.2021
Brasilien: Kräutler würdigt neue Schule für kirchliche Berufungen
Einrichtung im Bundesstaat Maranhao will Ständige Diakone sowie Gemeindeleiter und Katecheten, unter ihnen Männer und Frauen, gemeinsam ausbilden und besonders Indigene berücksichtigen

Samstag, 14. August 2021

Erzbischof von Lima will Laien als Leiter von Pfarreien



VaticanNews, 14.8.2021
Peru: Erzbischof will Laien als Leiter von Pfarreien 
Der Erzbischof von Lima, Carlos Castillo Mattasoglio, will Laien die Verantwortung für die Leitung von Pfarreien geben. Das erklärt er in einem Video, in dem er eine geplante Seelsorgereform in seinem Erzbistum erläutert. 

 
CNA-Deutsch, 13.8.2021
Erzbischof von Lima schlägt vor, Pfarrer durch Laien zu ersetzen
Der Erzbischof von Lima hat angekündigt, in den Pfarreien der peruanischen Hauptstadt Priester durch Laien ersetzen zu wollen, etwa Ehepaar oder ältere Pfarreimitglieder. Dies sei "Synodalität", so Erzbischof Carlos Castillo. Dank seines Vorschlags sollen Pfarrer mehr studieren können und die Kirche "näher am Menschen" sein, sagte Castillo bei einer Veranstaltung am 21. Juli.


Domradio.de, 02.03.2019
Carlos Castillo bringt den radikalen Wechsel im Erzbistum Lima
Aus der "Gefriertruhe" auf den Bischofsstuhl 
Carlos Castillo war ein aufstrebender Theologieprofessor - bis ihm sein Bischof die Lehrerlaubnis entzog. Es schien, als wäre eine verheißungsvolle Karriere jäh ans Ende gekommen. In einer radikalen Wende wurde er nun zum Bischof von Lima geweiht.

Religion.orf.at, 2.3.2019
Lima: Theologieprofessor zu neuem Erzbischof geweiht
Die Erzdiözese Lima hat einen neuen Erzbischof: Der 69-jährige bisherige Theologieprofessor Carlos Castillo wurde am Samstag in der peruanischen Hauptstadt zum Bischof geweiht. 
Er tritt die Nachfolge von Kardinal Juan Luis Cipriani Thorne (75) an, der die peruanische Hauptstadtdiözese seit 1999 leitete und die Theologie der Befreiung, der Castillo nahesteht, u.a. mit dem Entzug von Lehrbefugnissen bekämpft hatte. Die Ernennung Castillos durch Papst Franziskus werten Beobachter auch als kirchenpolitische Weichenstellung in Richtung Option für die Armen.


Christ in der Gegenwart, 
Carlos Castillo:
Der „Priester der Armen“ wird Erzbischof
Im peruanischen Lima, aber auch in weiteren Teilen der Weltkirche, ist die Ernennung des befreiungstheologisch inspirierten Carlos Castillo zum neuen Erzbischof der südamerikanischen Hauptstadt mit Überraschung aufgenommen worden. Papst Franziskus I. wollte offenbar einen Gegenakzent zum bisherigen betont konservativen, dem „Opus Dei“ angehörenden Kardinalerzbischof Juan Luis Cipriani Thorne setzen. Dessen Rücktrittsgesuch mit Erreichen der Altersgrenze hatte der Papst Ende Januar binnen vier Wochen – anders als bei sonstigen Kardinälen also sehr rasch – angenommen.

IHU, 12.3.2020
“Falar com o Santo Padre é sempre uma experiência de sabedoria inspiradora, viva, concreta e alentadora”.
Dom Carlos Castillo, arcebispo de Lima, compartilha conosco as impressões de sua recente audiência com o papa Francisco, a quem encontrou “forte e lúcido, sempre profundo e cheio de esperança”. Um ano depois de sua nomeação, o prelado peruano foi a Romaprestar conta de sua gestão pastoral e tomar um novo impulso de “um sábio que tem experiência de que as coisas não se conseguem por decreto, mas sim por processo provocado e compartilhado”. Corações pastorais que latem ao uníssono e, por isso, ainda que encontrem resistências em suas respectivas dioceses, ambos estão convencidos de que “o ânimo espiritual” acabará se impondo. Isso sim, “com firmeza, prudência, e paciência”, o triplo conselho que lhe deu Francisco.


IHU, 24.5.2019
Dom Carlos Castillo:
'Ser arcebispo é como ser pároco de uma paróquia maior. Eu não acho que é tão complicado'
Três semanas antes de ser ordenado bispo e começar a servir como chefe da Arquidiocese de Lima, padre Carlos Gustavo Castillo Mattasoglio concedeu uma generosa e extensa entrevista ao Religión Digital. Em sua casa, na qual morou durante toda a vida, ao lado da praça da Câmara Municipal de Lince, o Arcebispo de Lima olha para sua história e compartilha suas expectativas. Oferecemos aqui a primeira parte desta conversa agradável e íntima.


Mittwoch, 11. August 2021

Indigene verklagen Bolsonaro in Den Haag

VaticanNews, 11.8.2021
Brasilien: Indigene wollen Bolsonaro verklagen
Zum ersten Mal in der Geschichte wenden sich indigene Völker direkt an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.


fides, 11.8.2021
Internationales Strafgericht: Indigene Völker erheben Anklage gegen Präsident Bolsonaro
Zum ersten Mal in der Geschichte wenden sich indigene Völker direkt an den Gerichtshof in Den Haag, um mit eigenen Anwälten für ihre Rechte zu kämpfen.
Die Vereinigung der indigenen Völker Brasiliens (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil, APIB) wandte sich am 9. August (dem Internationalen Tag der indigenen Völker) in einer Erklärung an den Internationalen Strafgerichtshof, in der sie eine Anklage gegen die Regierung Bolsonaro wegen Völkermordes beantragt.


junge Welt, 12.8.2021
Indigene verklagen Bolsonaro
Brasiliens Urvölker fordern Ermittlungen gegen ultrarechten Präsidenten vor Internationalem Strafgerichtshof in Den Haag


Deutsche Welle, 23.1.2021
Indigene Häuptlinge wollen Bolsonaro in Den Haag sehen
Zwei indigene Oberhäupter werfen Brasiliens Staatschef die Verfolgung der Ureinwohner und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage - des Amazonas-Urwaldes - vor.

Sonntag, 1. August 2021

Der 1. August ist Pachamama-Tag





Anlässlich des Pachamama-Tages am 1. August veröffentlichte die Caritas der Diözese Venado Tuerto in Argentinien ein Gebet, da dieses religiöse Fest eine sakrale Bedeutung hat und bei den indigenen Völkern der Anden eine große Rolle spielt.

Gott beschütze dich, Pachamama,
süße Quelle unseres Lebens,
du sollst für immer verehrt werden.

Gebenedeit sind die Früchte deines Leibes,
unser tägliches Brot,
gelobt seist du jetzt und in Ewigkeit.

Heilige Mutter, schau mit Nachsicht
auf das Menschenvolk,
das dich aus Habgier zerstört.

Gepriesen sei deine Sanftmut,
Pachamama, meine Erde,
bedroht durch den Größenwahn.

Du bist die Quelle des Lebens und der Freude.
Pachamama, heiliges Land.
Heilige Mutter. Jungfrau Maria


Anklänge an das Ave Maria sind unverkennbar und Impulse aus Querida Amazonia werden umgesetzt.

QA 78.    Ein Prozess der Inkulturation, der nicht nur individuell, sondern auch gemeinschaftlich geschieht, erfordert eine respektvolle und verständnisvolle Liebe zu den Menschen. In einem Großteil Amazoniens hat man diesen Prozess bereits begonnen. Vor mehr als vierzig Jahren betonten die Bischöfe des peruanischen Amazonasgebiets, dass in vielen der in dieser Region lebenden Bevölkerungsgruppen »die Adressaten der Verkündigung, die von einer vielfältigen und sich wandelnden eigenen Kultur geprägt sind, das Evangelium bereits ansatzweise angenommen haben«, da sie »bestimmte Züge einer katholischen Volksfrömmigkeit tragen, die, auch wenn sie vielleicht ursprünglich von pastoralen Mitarbeitern angestoßen wurden, heute etwas sind, das sich das Volk zu eigen gemacht, ja sogar in seinen Akzenten verändert und von Generation zu Generation weitergegeben hat«[110]. Wir sollten nicht vorschnell einige religiöse Ausdrucksformen, die sich spontan aus dem Leben der Völker ergeben, als Aberglaube oder Heidentum bezeichnen. Vielmehr gilt es den Weizen zu erkennen, der inmitten des Unkrautes wächst, denn »in der Volksfrömmigkeit kann man die Art und Weise wahrnehmen, wie der empfangene Glaube in einer Kultur Gestalt angenommen hat und ständig weitergegeben wird«[111].

QA 79.    Es ist möglich, sich in irgendeiner Weise auf ein indigenes Symbol zu beziehen, ohne dass man es notwendigerweise als Götzendienst betrachten müsste. Ein Mythos von spirituellem Sinngehalt kann aufgegriffen und muss nicht immer als heidnischer Irrtum angesehen werden. Einige religiöse Feste enthalten eine sakrale Bedeutung und sind Gelegenheiten des Zusammenkommens und der Brüderlichkeit, auch wenn eventuell ein langsamer Reinigungs- oder Reifungsprozess erforderlich ist. Ein echter Missionar befasst sich damit, die berechtigten Anliegen hinter diesen religiösen Ausdrucksweisen zu entdecken, die manchmal unvollkommen und bruchstückhaft sind oder Irrtümer enthalten, und versucht, aus einer inkulturierten Spiritualität heraus darauf eine Antwort zu finden.

QA 80.    Dies wird zweifelsohne eine Spiritualität sein, die ausgerichtet ist auf den einen Gott und Herrn. Zugleich soll sie aber auch fähig sein, mit den alltäglichen Bedürfnissen der Menschen in Kontakt zu kommen, die ein würdiges Leben suchen, die sich an den schönen Dingen des Lebens erfreuen wollen, die Frieden und Harmonie finden sowie familiäre Probleme lösen wollen, die Heilung ihrer Krankheiten ersehnen und ihre Kinder glücklich aufwachsen sehen wollen. Die schlimmste Gefährdung für sie wäre es, wenn man sie von der Begegnung mit Christus fernhalten würde, indem man ihn als Feind der Freude oder als jemanden darstellt, der den Wünschen und Ängsten der Menschen gegenüber gleichgültig ist[112]. Heute ist es unerlässlich zu zeigen, dass die Heiligkeit den Menschen nichts an »Kraft, Leben oder Freude«[113]nimmt.

Querida Amazonia auf VatikanNews >>

Querida Amazonia als PDF >>

Weiterführend:

Pachamama-Festival.ch

Lichtblick.de


¿Es diosa la pachamama?
Artigo de Mons. Felipe Arizmendi Esquivel, obispo emérito de SCLC

Montag, 12. Juli 2021

Dom Erwin feiert den 82. Geburtstag

Lieber Dom Erwin! 


Alles Gute und Gottes Segen zum 82. Geburtstag!

 

 

 

Freitag, 9. Juli 2021

Dom Erwin Kräutler über die Situation am Xingu

 


„… bis vorüber die Nacht!“

Ein Lagebericht vom Xingu.

 

„Komm uns zu Hilfe mit deinem Erbarmen!“

 

Vor vierzehn Tagen haben wir Pater Antônio Arcelino in Altamira beerdigt. Er starb mit 51 Jahren an den Folgen von Covid 19.  Im August wird es ein Jahr, dass Pater Romildo Maurício (Jahrgang 1982) an den Folgen desselben Virus gestorben ist. Beide sind hier geboren, Arcelino in Porto de Moz, am Unteren Xingu, und Romildo in Brasil Novo an der Transamazonasstraße. Beide habe ich geweiht. Sie waren begeisterte Priester, unendlich beliebt bei unserem Volk. Nach Pater Romildo starben in den darauffolgenden Wochen und Monaten  zuerst seine Mutter, dann sein Vater und eine Schwester. Jeden Tag gibt es neue Todesnachrichten oder Leute telefonieren oder schreiben WhatsApp und bitten um inständiges Gebet für eine liebe Person aus der Familie oder Verwandtschaft. Mit einer Intubation steigen Sorge und Angst der Leute, jemanden aus der Familie zu verlieren. Und tatsächlich, viele die künstliche Beatmung verordnet bekamen, sind heute nicht mehr unter uns.

 

Die Impfungen am Xingu sind im vollen Gange und unser Bundesstaat Pará ist vorbildlich im Covid-Immunisierungsprogramm. Leider aber gibt es evangelikale Gruppen, die vor der Impfung warnen und Horrorgeschichten erfinden, um die Leute abzuhalten, sich impfen zu lassen.  Deshalb habe ich mich in mehreren Videos über die Sozialmedien an die Bevölkerung gewandt und eindringlich gebeten, ja nicht auf die Unheilspropheten zu hören. Ich habe darauf hingewiesen, dass doch kein Mensch heute auf Impfungen gegen Poken, Masern, Gelbfieber oder Wundstarrkrampf verzichtet. Alle diese Impfungen sind eine Gabe Gottes und nicht eine Erfindung des Teufels wie diese Fanatiker behaupten.

 

Ein wirkliches Beispiel aufopfernder Liebe und bedingungslosen Einsatzes sind unsere Ärztinnen, Ärzte und das Krankenpersonal in unseren Spitälern. Tag und Nacht sind sie im Dienst und tun alles in ihrer Macht Stehende, um die ihnen anvertrauten Kranken von dieser heimtückischen Krankheit zu heilen. Ich weiß von Fällen buchstäblicher Erschöpfung von Ärzten oder Krankenschwestern im Dienst der leidenden Mitmenschen. Dabei sind sie selbst auch einer Ansteckung ausgesetzt. Manche leiden heute unter Depression, weil ihnen das tägliche Sterben einfach zu nahe ging. In den Ansprachen bei meinen Internet-Gottesdiensten weise ich immer wieder auf die liebende Solidarität hin, die in diesen Krankenhäusern so konkret gelebt wird.

 

Wir erfahren die Pandemie hautnah, nicht nur dass wir selbst zurückgezogen leben müssen und bei Gottesdiensten die Vorschriften bis ins Detail rigoros beachten, sondern wir spüren die tiefe Not der Menschen, wenn jemand aus der Familie, Verwandtschaft oder aus dem Bekanntenkreis bei Auftreten bestimmter Symptome den schrecklichen Befund erhält: Covid 19! Viele der Erkrankten sind, Gott sei Dank, wieder gesund geworden, aber dennoch glauben die Leute den Boden unter den Füßen zu verlieren und bekommen panische Angst vor jeder Neuinfektion, eben weil schon so manche Verwandte, Freunde, Nachbarn, Bekannte Opfer dieser ansteckenden Krankheit geworden sind.

 

Die Pandemie Covid 19 hat aber nicht nur mehr als eine halbe Million Opfer in Brasilien gefordert, sondern bewirkt auch eine noch bittere Armut für bereits verarmte Familien. Viele Leute leiden buchstäblich Hunger. Angestellte und Arbeiter/innen haben massenhaft von einem Tag zum anderen ihren Arbeitsplatz verloren und wurden zu „Sozialfällen“. Wer jeden Tag sich mindestens drei Mal an einen Tisch setzen kann, um zu speisen, kann sich nur sehr schwer Familien vorstellen, die hungern und deren Kinder abends nicht weinen, weil sie müde und schlafbedürftig sind, sondern weil sie Hunger haben. Verzweifelte Eltern vertrösten ihre Kinder „auf morgen“, in der Hoffnung, dass anderntags tatsächlich etwas auf den Tisch kommt. 

 

Das ist die eine Seite der Geschichte. Die andere ist wohl genau so schrecklich. Der Präsident der Republik verharmlost das Virus nach wie vor, zeigt sich immer wieder demonstrativ ohne Maske und widersetzt sich den Abstandsbestimmungen. „Jeder muss einmal sterben“ – schreit er ins Mikrofon. „Ich bin doch kein Totengräber“ antwortet er auf die Frage eines Journalisten, wie viele Menschen bereits Opfer der Covid 19 geworden sind. Inzwischen sind es schon fast 530.000. „Brasilien hat diesen Präsidenten nicht verdient“ sagen manche ausländische Politiker und sie haben recht. Wie konnte denn ein Psychopath das höchste Amt des Staates erlangen? „Er wurde gewählt!“ – das stimmt. Allerdings haben ihn fast zwei Drittel der Brasilianer nicht gewählt, wenn man die ungültigen Stimmen, die Stimmen für seinen Gegenkandidaten und die zehntausenden Wahlverweigerer (obwohl in Brasilien Wahlpflicht besteht) zusammenzählt. Diese Rechnung macht jedoch nicht viel Sinn. Niemand kann leugnen, dass er nun einmal der demokratisch gewählte Präsident Brasiliens ist. Er selbst schert sich wenig um Demokratie und Rechtsstaat, sondern versteht sich als Präsident „von Gottes Gnaden!“. 

 

Inzwischen ist ihm jedoch die vom Senat in die Wege geleitete interministerielle Untersuchungskommission dicht auf den Fersen und wird eine Erklärung verlangen, warum er den Ankauf von Impfdosen Monate hinausgezögert und die Seuche als leichte Grippe verharmlost hat. Auch finanzielle Machenschaften beim Ankauf einer bestimmten Marke werden seiner Regierung vorgeworfen. Mittlerweile haben die verschiedensten zivilen und politischen Organisationen hunderte Forderungen auf ein Amtsenthebungsverfahren im Nationalkongress eingereicht und der Oberste Gerichtshof verlangt eine entsprechende Analyse der Anträge. Sicher ist, dass Bolsonaro durch die von ihm bewirkte monatelange Hinausschiebung des Ankaufes von Impfstoffen mitschuldig an hunderttausenden Toten geworden ist und die Leute deshalb bei Massendemonstrationen seine Verurteilung als Verantwortlichen für einen Genozid verlangen. Er selbst zeigt sich jedoch unbekümmert und in seinen evangelikal-fanatischen Wahn lässt er Brasilien und die Welt wissen: „Nur Gott allein kann mich meines Amtes entheben!“

 

Besondere Aufmerksamkeit haben in den vergangenen Wochen die Indigenen Völker auf sich gezogen. Die in der Brasilianischen Grundverfassung verankerten Rechte der Ureinwohner sind immer mehr ins Fadenkreuz der Angriffe von Abgeordneten geraten, die entweder selbst Großgrundbesitzer sind oder Holzunternehmen und Bergwerksgesellschaften und anderen Firmen aus meist unlauteren Motiven „nahestehen“, die indigene Gebiete wirtschaftlich nutzen wollen. All diese Unternehmen sehen in Bolsonaro ihren Verbündeten und das ist sicher auch einer der Gründe, warum das Impeachment-Verfahren bisher noch nicht wirklich greift. 

 

Goldschürfer haben das Corona Virus und andere Krankheiten unter den Indigenen Völkern verbreitet und Todesopfer gefordert. Ja sogar mit Waffengewalt verschaffen sie sich den Weg zum Edelmetall. Gott sei Dank lassen die Indios nicht locker und sind zu Hunderten in die Bundeshauptstadt gereist, um ihren Forderungen nach Einhaltung der Verfassungsartikel Nachdruck zu verleihen.

 

In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben wir während der Verfassungsgebenden Versammlung zusammen mit den Vertretern der Indigenen Völker nachdrücklich die Verankerung ihrer Grundrechte im Verfassungstext verlangt und unsere Forderungen auf der Basis der Allgemeinen Menschenrechte durchgesetzt. Ich war in dieser Zeit Vorsitzender des Rates für Indigene Völker der Bischofskonferenz. Damals umarmten wir uns mit den Indigenen nach der Abstimmung am 30. August 1988, als das Kapitel über die Indigenen Völker mit – von 453 Stimmberechtigten – 437 Ja und nur 8 Nein und 8 Stimmenthaltungen verabschiedet wurde. Es war ein eindeutiger Sieg, der auch international sehr viel Anerkennung erhielt. Jetzt sind wir, wie 1988, wieder gefordert, zusammen mit den Indigenen, um ihre Rechte zu kämpfen. Nur handelt es sich nicht mehr um die Verankerung der Indigenen Rechte in der Verfassung, sondern um deren Beibehaltung im Verfassungstext. 

 

Die Öffnung der Indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung wäre nicht nur ein Dolchstoß ins Herz dieser Völker, sondern ganz besonders auch ein weiterer folgenschwerer Angriff auf das Ökosystem Amazoniens mit Konsequenzen, die nicht an der Grenze Brasiliens halt machen. Papst Franziskus hat mit Recht internationale Organisationen  und Vereinigungen der Zivilgesellschaft anerkannt „welche die Bevölkerungen sensibilisieren und kritisch mitwirken – auch unter Einsatz legitimer Druckmittel –, damit jede Regierung ihre eigene und nicht delegierbare Pflicht erfüllt, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bewahren, ohne sich an unehrliche lokale oder internationale Interessen zu verkaufen“ (Laudato Sì, n. 38). In seiner Enzyklika verteidigt Franziskus auch die Indigenen Völker mit allem Nachdruck: „Sie sind nicht eine einfache Minderheit unter anderen, sie müssen vielmehr die wesentlichen Ansprechpartner werden, vor allem wenn man mit großen Projekten vordringt, die ihre Gebiete einbeziehen. Denn für sie ist das Land nicht ein Wirtschaftsgut, sondern eine Gabe Gottes und der Vorfahren, die in ihm ruhen; ein heiliger Raum, mit dem sie in Wechselbeziehung stehen müssen, um ihre Identität und ihre Werte zu erhalten. Wenn sie in ihren Territorien bleiben, sind es gerade sie, die am besten für sie sorgen“ (Laudato Sì, 146). Diese beiden Absätze der Enzyklika sind nicht zuletzt die Folge einer Privataudienz, die mir Papst Franziskus am 4. April 2014 gewährte, bei der er mir von seinem Vorhaben, eine Öko-Enzyklika zu verfassen, sprach und ich ihn gebeten habe, in diesem Schreiben die Grundrechte der Indigenen Völker auf ihr angestammtes Gebiet besonders hervorzuheben und ich ihm auch entsprechende Unterlangen zu diesem Thema zukommen ließ.

 

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass wir in Brasilien in einem hoffnungslosen Zustand leben und all unser Einsatz schließlich vergebliche Liebesmüh ist. Wir leben in einer schweren Zeit und die Versuchung, den Mut zu verlieren ist bei vielen groß. Die floskelhaften Aussagen „Da kann man nichts machen!“ oder „Da lässt sich nun einmal nichts ändern!“ sind gefährlich und lähmend. Aber wenn auch viele Dinge in Brasilien im Argen liegen, ist sicher die Erkenntnis dieser tragischen Realität der Auftakt für einen Wandel. Die tausenden und abertausenden Menschen, die in allen Hauptstädten und größeren Städten (ja selbst in europäischen Hauptstädten) auf die Straße gehen und die Absetzung Bolsonaros verlangen, können nicht einfach ignoriert werden. Die brasilianische Rechtsanwaltskammer, die Bischofskonferenz und unzählige zivile und politischen Organisationen melden sich wiederholt zu Wort. 

 

Der Dachverband der Indigenen Völker APIB (Artikulation der Indigenen Völker Brasiliens)

plant in diesem Monat den Präsidenten beim Internationalen Gerichtshof Den Haag des Genozids und Ökozids anzuklagen. Genozid ist die absichtliche Auslöschung eines Volkes oder einer Bevölkerungsgruppe. „Ökozid“ meint die mutwillige Zerstörung von Fauna, Flora, der Menschen und aller anderen Lebewesen in einem bestimmten Gebiet. Eine solche Anklage ist nicht übertrieben. Die immer neuen Zerstörungswellen, die in Amazonien geschehen und in den vergangenen Monaten in der schon bekannten Form der Brandrohdung und einer skrupellosen Schlägerung von Edelhölzern noch intensiver geworden sind, töten alles Lebende. Genozid und Ökozid gehen Hand in Hand. Und wir dürfen nie vergessen, dass das Ökosystem Amazonien ein klimaregulierender Faktor für den gesamten Planeten Erde ist.

 

Einen Erfolg haben wir alle mit den Indigenen zusammen in diesem Zusammenhang bereits erzielt. Der Umweltminister Ricardo Salles hat seinen Ministerposten verloren. Er ist eine besonders schillernde Figur und selbst in den illegalen Holzhandel verwickelt. Als „Minister gegendie Umwelt“ war seine Amtsführung längst anrüchig. Die Ministerin Carmen Lúcia vom Obersten Gerichtshof hat die Entziehung seines Reisepasses durch die Bundespolizei verfügt, damit er sich nicht ins Ausland absetzen kann, um einem Prozess zu entkommen.

 

Was ihr meinen geringsten Schwestern und Brüder getan habt,

das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40) 

 

Gerade angesichts so vieler Not zeigt sich auch hier am Xingu bei vielen Menschen Mitgefühl und Solidarität.  Dank der Mithilfe und Unterstützung guter Menschen in meiner Heimat konnten wir mit vielen hundert Lebensmittelkörben bedürftigen Familien helfen und tun es weiter, denn wir sind noch lange nicht über dem Berg. Lehrerinnen aus unserem Kolleg oder pastorale Mitarbeiterinnen in den einzelnen Pfarreien haben besonders notleidende Familien ausfindig gemacht und diesen dann Lebensmittel in Form von Geschenkkörben in ihre Häuser gebracht. Diese konkrete Hilfe scheint zwar wie ein Fass ohne Boden zu sein, denn ein Lebensmittelkorb ist ja bald verzehrt je nach der Zahl der Familienmitglieder, aber wir helfen weiter und bitten auch hier die Menschen guten Willens, weiterhin ein Herz für die Hilfsbedürftigen zu haben und Lebensmittelvorräte geschwisterlich zu teilen.

 

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Im Evangelium finden wir eine Geschichte, die uns gerade in dieser Pandemiezeit den Mut nicht verlieren lässt. Jesus, müde und erschöpft, schläft im Heck des Schiffes. Ein Sturm zieht auf. Der Himmel verfinstert sich. Die Jünger zittern vor Angst, von den peitschenden Wogen in den Abgrund des aufgebrachten Sees gerissen zu werden: „Und siehe, es erhob sich ein heftiger Sturm auf dem See, so dass das Boot von den Wellen bedeckt wurde. Jesus aber schlief. Die Jünger traten zu ihm und weckten ihn; sie riefen ‚Herr, rette uns, wir gehen zugrunde!‘ Er sagte zu ihnen: ‚Warum habt ihr solche Angst?‘ Da stand er auf und drohte den Winden und dem See; und es entstand eine große Stille“ (Mt 8,23-27).

 

Mit meinem inneren Ohr höre ich Beethovens 6. Symphonie, die „Pastorale“. Der vierte Satz ist das überwältigende Tongemälde eines fürchterlichen Gewitters mit Blitz und Donner. Das schaurige Pfeifen des Sturmes endet mit dem erschreckenden Paukenwirbel eines Blitzeinschlags. Und dann wird auf einmal alles still. Das Gewitter ist vorbei. Ein musikalisch ausgemaltes Aufatmen. Die beschauliche Melodie des 5. Satzes flößt wieder Ruhe und Frieden in die Herzen. Beethoven hat in seinen Skizzen diesen letzten Satz seiner 6. Symphonie mit: „Herr, wir danken dir!“ überschieben.

 

Noch aber wüten die Stürme und die Paukenwirbel jagen uns Angst und Schrecken ein. Und dennoch, eine unauslöschliche Hoffnung erfüllt uns, dass der Tag kommt, an dem wir uns wieder ohne Maske umarmen dürfen, an dem die Indigenen endlich in ihren Rechten und ihrer Würde anerkannt werden und die Wälder von Amazonien nicht mehr brandschatzenden Verbrechern zum Opfer fallen.

 

 

Altamira, 3. Juli 2021

56. Jahrestag meiner Priesterweihe

 

Bischof Erwin Kräutler



PRESSESPIEGEL:


Kathpress, 11.7.2021
Kräutler: Widerstand gegen Bolsonaro und seinen Ökozid notwendig
Emeritierter Bischof von Altamira in Brasilien zählt in Appell für kirchliche Medien dramatische Folgen der von Präsident Bolsonaro angestrebten Öffnung der Indigenen Gebiete für wirtschaftliche Nutzung auf

 
VaticanNews, 11.7.2021
Brasilien: „Widerstand gegen Bolsonaro notwendig“
Der emeritierte Bischof von Xingu in Brasilien, Erwin Kräutler, hat am Wochenende in einem Appell für „Kathpress“ und weitere österreichische kirchliche Medien die dramatischen Folgen der von Präsident Jair Bolsonaro angestrebten Öffnung der Indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung beschrieben.


Kirche und Leben, 11.7.2021
Wirtschaftliche Nutzung der indigenen Gebiete "ein Dolchstoß" für die dort lebenden Völker
Amazonas-Bischof Kräutler kritisiert Brasiliens Präsidenten
*  Amazonas-Bischof Erwin Kräutler übt scharfe Kritik an Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro.
*  Die von Bolsonaro angestrebte Öffnung der indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung wäre nicht nur ein Dolchstoß ins Herz der dort lebenden Völker.
*  Kirche und Indigine kämpfen gegen illegalen Holzhandel. Kräutler warnte zugleich von unabwendbaren Schäden des Ökosystems.


Religion.orf.at, 12.7.2021
Bischof: Widerstand gegen Bolsonaro nötig
Der emeritierte Bischof von Altamira in Brasilien, Erwin Kräutler, hat am Wochenende in einem Appell an mehrere kirchliche Medien vor einem Ökozid Amazoniens gewarnt. Widerstand gegen Präsident Jair Bolsonaro sei notwendig, so der Bischof.


Amazonas-Bischof Kräutler kritisiert Brasiliens Präsidenten
"Angriff auf das Ökosystem Amazoniens"
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler übt scharfe Kritik an Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro. Dabei warnt Kräutler vor der von Bolsonaro angestrebten Öffnung der indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung.