Posts mit dem Label nach der Versteigerung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label nach der Versteigerung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 23. Juni 2010

Belo Monte: Lula kritisiert die Umweltaktivisten und beharrt am Staudamm-Projekt

In ungewöhnlich scharfen und kämpferischen Tönen kritisierte der brasilianische Präsident Luiz Inâcio Lula da Silva bei seinem Besuch in Altamira am 22. Juni die Umweltaktivisten, die gegen Belo Monte auftraten. Die Sicherheitsvorkehrungen dafür waren enorm. Den "Gringos" legte Lula nahe, die Nase nicht nach Amazonien zu stecken, sondern sich lieber um den Golf von Mexiko zu kümmern. Für die Aktivisten vor Ort, die zunächst friedlich durch die Straßen von Altamira hin zum streng abgeriegelten Stadion gezogen und nicht hineingelassen worden waren, zeigte Lula zwar Verständnis, hätte er doch auch in seiner Jugenzeit gegen das Kraftwerk Itaipu demonstriert, weil es "Argentinien überschwemmen sollte". Er riet ihnen vom Stadion aus, sich über Belo Monte genauer zu informieren und vor allem Vorschläge zu machen, wie die vorgesehenen R$ 4 Mrd sinnvoll für den Schutz der Umwelt und die Entwicklung der Region eingesetzt werden könnten.
Lula verteidigte das Kraftwerk propagandistisch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Entwicklung der Region. Leider kann die versprochene Entwicklung bei ähnlichen Projekten wie dem Kraftwerk Tucurui nicht erkannt werden. Auf die Bedenken der Umweltzerstörung und Dezimierung der Artenvielfalt antwortete Lula, dass er selber den Fortgang des Projekt kontrollieren werde.

Michel Alves von der Bewegung der von Staudämmen Betroffenen (MAB) sprach von ca. 400 Aktivisten, von denen die meisten außerhalb des Stadions bleiben mussten. "Das ist eine sehr traurige Situation und zeigt einmal mehr, dass uns weder die Regierung von Pará noch die Bundesregierung hören wollen. Für uns ist Lula ein Feigling, der Zustände aus Zeiten der Diktatur wieder zulässt, indem er das Volk ausschließt und nur die Befürworter von Belo Monte zulässt."
Für besondere Verwunderung sorgte, dass ein Indigener sich öffentlich zugunsten des Kraftwerks aussprach. Michel zufolge gelang es der Regierung, einige Indios durch Bestechungen oder Einschüchterungen für ihre Zwecke zu gewinnen. "Die Kaziques sind aber klar gegen Belo Monte und fürchten seine Auswirkungen für die indigenen Völker", sagte Michel.

blog.taz, 25.6.2010
Lula im Labyrinth

Cimi Info 919, 24.6.2010
Soziale Bewegungen verstärken Demonstrationen gegen Belo Monte

taz, 24.6.2010
Staudammbau auf Biegen und Brechen
Präsident Lula da Silva macht Wahlkampf mit umstrittenen Großprojekten in Amazonien. Erst hat er die Proteste der Indígenas ignoriert, jetzt will er ihre Wählerstimmen.

Brasilienmagazin, 22.6.2010
Belo Monte: Staatspräsident Lula kritisiert ausländische Umweltaktivisten
Staatspräsident Luiz Inácio Lula hat ausländische Umweltaktivisten wegen der Einmischung im Vorfeld des Genehmigungsverfahrens für das geplante Megakraftwerk Belo Monte am Rio Xingu in Amazonien scharf kritisiert. "Gringos sollten ihre Nase nicht in Dinge stecken, die sie nichts angehen" erklärte das Staatsoberhaupt in Pará.

BlickpunktLateinamerika, 21.6.2010
Proteste bei Lulas Besuch am Xingu geplant
20.000 Menschen werden zu Lulas Auftritt im Fußballstadion von Altamira erwartet, wo der Präsident seine Infrastrukturprojekte in der Region verteidigen wird: die Asphaltierung der Urwaldstraßen "Transamazônica" und der "Santarém-Cuiabá" sowie den Ausbau des Stromnetzes in Altamira.

Die Furche, 21.7.2010
Aufstand für den Regenwald
Ureinwohner Brasiliens wehren sich gegen den Bau des Mega-Staudamms Belo Monte. Reportage aus einem untergehenden Naturparadies.

Adital, 22.6.2010
Movimentos são impedidos de entrar em estádio e se manifestar contra Belo Monte
O início desta semana foi marcado por persistentes manifestações contra a visita do Presidente Lula a Altamira, no Pará, região Norte do Brasil. Nesta terça-feira (22), centenas de ribeirinhos, indígenas, ambientalistas, membros de movimentos sociais, estudantes e demais atores sociais contrários à construção da hidrelétrica Belo Monte se reuniram para manifestar descontentamento com a atitude "ditatorial" do Presidente.

Folha, 22.06.2010
Lula critica interferência estrangeira no debate sobre a usina de Belo Monte

Folha, 22.6.2020
Críticas a Belo Monte são "fantasias", diz Lula

Video-Globo, 22.6.2010
Lula defende Belo Monte e garante a geração de empregos no Pará
O presidente participou, em Altamira, de um ato a favor da usina e do desenvolvimento da região do Xingu. Lula disse que a construção vai levar em conta aspectos ambientais e sociais dos ribeirinhos.

Video-Globo, 23.6.2010
Protesto contra construção da hidrelétrica de Belo Monte marca visita de Lula a Altamira
Dezenas de trabalhadores rurais, ribeirinhos e lideranças sociais seguiram em direção ao local onde o presidente Lula foi recebido. Manifestantes mostraram a insatisfação contra a construção da usina.

O Globo, 22.6.2010
Em ato no Pará, Lula pede que manifestantes contrários a Belo Monte sugiram projetos

Estadao, 22.6.2010
Belo Monte é essencial para região do Xingu, diz Lula

Mittwoch, 16. Juni 2010

Aneel genehmigt das Ergebnis der Versteigerung von Belo Monte

Der Vorstand der Nationalen Agentur für elektrische Energie (Aneel) hat heute (15.6.) das Ergebnis der Versteigerung des Wasserkraftwerks Belo Monte vom 20. April genehmigt (Homologisierung). Auch die Auftragsvergabe – ein Akt, der dem Gewinner der Ausschreibung nun rechtmäßig zusteht – wurde dem Siegerkonsortium Norte Energia gewährt.

"Ein Bieterverfahren für eine Anlage dieser Größe kommt einer Kriegsoperation gleich, und dank der Beteiligung verschiedener Organe kam es zustande. Der Preis von R$ 77,97 pro Megawattstunde kann sich im Vergleich mit R$ 150 pro MWh bei anderen Kraftwerken sehen lassen", sagte der Generaldirektor von Aneel, Nelson Hübner, als Begründung der Genehmigung. Das Ergebnis war 6,02 % unter dem von Aneel vorgegebenen Höchstpreis von R$ 83 pro MWh geblieben.

Weder die gerichtlichen Turbulenzen rund um die Versteigerung - das Bundesgericht von Altamira hatte eine gerichtliche Verfügung dagegen ausgesprochen und das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen -, noch die kurze Dauer der Versteigerung von 7 Minuten wurden bei der Homologisierung erwähnt.

Die Strommengen werden folgender Weise vergeben. Zehn Prozent der Energie von Belo Monte sollen Selbst-Produzenten, die am Konsortium beteiligt sind, zugute kommen. Laut Estadão sind dafür weder die Richtlinien noch der Preis klar definiert. Weitere 20 Prozent werden für andere Verbraucher frei gegeben, in der Regel große Unternehmen, die direkt vom Kraftwerksbetreiber kaufen.
70 Prozent des Stromes sollen im Bereich regulierter Verträge (ACR) gehandelt werden, nach Aneel gibt es dafür 27 Händler.

Drei Unternehmen könnten noch bestraft werden, weil sie die für die Beteiligung vorgesehenen Garantien nicht fristgerecht vorlegen konnten: Eletroacre, Companhia de Energia Elétrica do Alagoas (Ceal) und Celesc Distribuição.

Ursprünglich war die Homologisierung für den 1. Juli geplant, sie konnte aber bereits 15 Tage früher erfolgen. Das Siegerkonsortium hat vor, rasch vorzugehen und das Kraftwerk 6 Monate früher als vorgesehen in Betrieb zu nehmen. Mit der Stromproduktion soll nicht im Jänner 2015, sondern bereits im Juli 2014 begonnen werden.

Mit dieser Genehmigung wird das Ergebnis der Versteigerung gültig und Norte Energia kann den Prozess zur Unterzeichnung der Konzessionsverträge fortsetzen. Das soll nicht am 21. September, sondern bereits im August erfolgen, wie Helio Neves Guerra versicherte, der bei Aneel für die Versteigerungskommission verantwortlich ist. Das Siegerkonsortium hätte nun 30 Tage Frist für die Bildung einer Beteiligungsgesellschaft (Sociedade de Propósito Específico - SPE) und weitere 15 Tage für die Einreichung der Kapitalgarantie, die 5,5 % der Investition für das Projekt oder R$ 1,045 Mrd betragen wird.

Das Konsortium Norte Energia hat momentan folgende Beteiligungen: die staatlichen Unternehmen Eletrobrás (15%), Eletronorte (19,98%) und Chesf (15%) und die Pensionsfonds von Petros (Erdölkonzern Petrobrás), Funcef (Caixa-Bank) und Previ (Banco do Brasil) (insgesamt 30%). Die Baufirmen beteiligen sich mit 10%.
Offen sind die 10% der "Selbst-Produzenten", weil die Bedingungen dafür unklar sind und das Geschäft noch zu riskant wäre. Es steht ja immer noch nicht fest, welche Firma bauen und was Belo Monte wirklich kosten wird.
Der Präsident von Norte Energia, José Ailton de Lima, zeigte sich wenig besorgt, da bereits ein Unternehmen als Selbst-Produzent zugesagt hätte: GAIA mit ihren Kühlanlagen im Bundesstaat Pará (gehört zur Bertin-Gruppe, die bereits Mitglied des Konsortiums ist). Braskem, Gerdau, CSN und Sinobrás sollen Interesse gezeigt haben.

Wenn der Prozess bis zur Kapitalgarantie abgeschlossen ist, wird die gesamte Dokumentation dem Zivilhaus übergeben und abschließend das Dekret durch den brasilianischen Präsidenten unterzeichnet.



Estadão, 15.6.2010
Aneel vota hoje a homologação do leilão da usina de Belo Monte
Agência antecipa em 15 dias o cronograma oficial do processo de concessão da hidrelétrica, já que a homologação estava prevista para 1º de julho; contrato de concessão deve ser assinado em julho

Globo Online, 15.6.2010
Aneel homologa resultado de leilão de Belo Monte
A diretoria da Agência Nacional de Energia Elétrica (Aneel) aprovou na manhã desta terça-feira a homologação do resultado do leilão da usina de Belo Monte, realizado em 20 de abril

AGÊNCIA BRASIL, 15.6.2010
Aneel aprova homologação de Belo Monte
Diretoria da agência antecipou o processo para poder adiantar em até seis meses as operações da usina

Globo Online, 17.6.2010
Tolmasquim diz que Belo Monte poderá ser antecipada em 6 meses
A obra da usina hidrelétrica de Belo Monte poderá ser antecipada em seis meses, informou o presidente da Empresa de Pesquisa Energética (EPE), Maurício Tolmasquim, mesmo com a modificação que será feita no projeto e a entrada de novos participantes no consórcio vencedor com a venda de participações das empreiteiras.

Estadão, 19.6.2010
Falta de definições embaralha Belo Monte
A definição dos autoprodutores de energia que serão sócios da Hidrelétrica de Belo Monte, no Rio Xingu, ficou para a semana que vem.

Portal EXAME, 11.6.2010
Aneel: leilão de linhas de Belo Monte deve ser em 2011
O diretor-geral da Agência Nacional de Energia Elétrica (Aneel), Nelson Hubner, afirmou hoje que o leilão das linhas de transmissão que escoarão a energia da hidrelétrica Belo Monte (PA) deverá ser realizado pelo governo federal em 2011. "Estamos esperando o desenho final do consórcio que irá construir a usina para definirmos isso. Mas o leilão deve ocorrer em meados do ano que vem", afirmou o executivo, após a conclusão do leilão de transmissão realizado hoje na BM&FBovespa.

O Estado de S. Paulo - 12/06/2010
Mudanças vão reduzir custo de Belo Monte em pelo menos R$ 1 bi
Presidente do consórcio Norte Energia diz que alterações também reduzem o impacto ambiental da hidrelétrica
O presidente do consórcio Norte Energia, José Ailton de Lima, afirmou ontem que as melhorias propostas para a Hidrelétrica de Belo Monte, no Rio Xingu, no Pará, vão reduzir, em pelo menos R$ 1 bilhão, o custo do empreendimento. "Esse é o valor que conseguimos apenas com a concretagem", destacou o executivo, após participar do leilão de transmissão de energia elétrica, ontem, em São Paulo.

Entre as melhorias avaliadas pelo consórcio estão a redução do número de canais de desvio da água, a diminuição do número de turbinas de 20 para 18, redução do tamanho da casa de força e o deslocamento dos vertedouros da casa de força principal para secundária.

Freitag, 21. Mai 2010

Trotz intensiver Bemühungen kommt das Siegerkonsortium für Belo Monte kaum weiter

Die Nationale Agentur für elektrische Energie (Aneel) bestätigte gestern (20.5.) die Befähigung (habilitação) des Siegerkonsortium Norte Energia für das Wasserkraftwerk Belo Monte. Dies bedeutet, dass alle Subunternehmen der Gruppe die finanziellen Voraussetzungen für das Projekt mitbringen, was auch vom Generaldirektor von Aneel, Nelson Hubner, bestätigt wurde.

Vorausgegangen war eine Umschichtung im staatlichen Sektor von Norte Energia. Chesf konnte von seinem Riesenanteil von 49,98 % schließlich nur 15 % halten und musste 15 % an Elektrobrás, seine Kontrollinstanz, sowie 19,98 % an Elektronorte, das nun die meisten Anteile am Konsortium hat, abgeben. Elektrobás erhielt für die Beteiligung von der Regierung allerdings mehr Befugnisse.

Mit dieser Berechtigung kann das Konsortium neue strategische Partner aufnehmen. Insiderkreisen zufolge würden die Bergbauunternehmen Vale und Votorantim Interesse zeigen; beide waren mit Andrade Gutierrez Mitglieder des Verlierer-Konsortiums Belo Monte Energie. Darüber hinaus wird um die Beteiligung der Bauherren Odebrecht und Camargo Correa geworben, die sich wegen der von der Regeirung vorgegebenen unrealistischen Zahlen für die Baukosten nicht an der Auktion beteiligt hatten.

Trotz monatelanger intensiver Bemühungen seitens der Regierung ist die Zurückhaltung des privaten Sektors bezüglich Belo Monte auffallend. Dem Projekt dürfte das nötige Geld fehlen. Unklar ist nach wie vor die Beteiligung der Pensionskassen am Konsortium – ohne ihr Geld wird der Bau des drittgrößten Staudamm der Welt nicht möglich sein.

Nelson Hubner kündete als nächsten Schritt zur Umsetzung von Belo Monte die Inkraftsetzung (homologação) des Konsortiums Norte Energia an, geplant für den 1. Juli. Danach haben die Unternehmen laut Ausschreibung eine Frist von 30 Tage, um die Garantien zu hinterlegen. Sollte die Auffanggesellschaft (Sociedade de Propósito Específico - SPE) rasch gebildet werden, könnte die Vertragsunterzeichnung für den Baubeginn, die für 21. September vorgesehen ist, sogar schon im August erfolgen.

Dagegen sprechen allerdings Meldungen über den Rückgang der Staatseinnahmen in ersten Quartal. Im Bericht an den Kongress vom 20.5. gab das Finanzministerium einen Rückgang der Einnahmen um R$ 9,39 Mrd auf nunmehr R$ 637,149 Mrd (ca. € 278 Mrd) bekannt.

FolhaOnline, 21.05.2010
Aneel confirma consórcio vencedor de Belo Monte

Estadão, 21.5.2010
Aneel habilita sócios do consórcio vencedor de Belo Monte

Estadão, 20.5.2010
Planejamento confirma corte de R$ 10 bi no Orçamento

Donnerstag, 6. Mai 2010

Dom Erwin Kräutler betont, dass die "juristische Schlacht" wegen Belo Monte erst am Anfang steht

CNBB, 5.5.2010
"Das Thema Belo Monte ist nicht abgeschlossen. Bei der Auktion wurde eine Menge Unsinn sichtbar und die gerichtliche Schlacht steht erst am Anfang", sagte Dom Erwin Kräutler, Bischof am Xingu (PA) und Präsident des indigenen Missionsrates (CIMI) während der Vollversammlung der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) in Brasília. Der Versteigerung des Kraftwerks Belo Monte 20. April gingen drei gerichtliche Verfügungen und deren Aufhebungen voraus und ihr Zustandekommen galt bereits als Startschuss für den Bau.

Der Bischof sieht die gerichtlichen Auseinandersetzungen und die Versteigerung des Kraftwerks als eine Fortsetzung der Diskussion um das Projekt. Die Verfügungen zum Stopp der Auktion beriefen sich primäre auf den Artikel 176, Absatz 1 der Bundesverfassung, der für die Nutzung der Wasserressourcen in den indigenen Gebieten ein spezielles Gesetz vorsieht, das es aber noch nicht gibt. "Der Kongress hat nie darüber gesprochen. Deshalb ist für uns die Versteigerung selbst und der ganze Vorgang zu Belo Monte von der Wurzel her faul. Er ist verfassungswidrig, weil die indigenen Völker nicht angehört wurden."

Es hätte mindestens 27 öffentliche Anhörungen geben müssen, doch es kam nur zu vier Sitzungen und zwei Treffen mit dem Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva. Dieser hatte versprochen, Belo Monte nicht auf Biegen und Brechen umzusetzen. Die Anhörung bezeichnete Dom Erwin als "bloße Sitzungen, um dem Ritual Genüge zu leisten." "Ich muss sagen, dass sie nun das Projekt auf Biegen und Brechen durchdrücken, denn sogar der Präsident sagt jetzt, er werde Belo Monte bauen, egal wie auch immer.“

Dom Erwin bedauerte diese starre Position der Regierung sowie ihren fehlenden Willen, auf die Konsequenzen für die Region am Xingu zu schauen. "Das Projekt wird sich unmittelbar auf die indigenen Völker auswirken, weil ihnen durch den Damm das Wasser abgeschnitten wird. Ohne Wasser haben sie keine Möglichkeit zu überleben. Altamira ist die größte betroffene Gemeinde mit derzeit 100 000 Einwohnern, 30 000 müssten umgesiedelt werden."

Für Dom Erwin ist der fehlende Dialog mit Indios und Flussbewohnern schwerwiegend. "Die indigenen Völker und betroffenen Flussbewohner haben bloß eine Nachricht erhalten, dass am Xingu ein Kraftwerk mit nicht vorhersehbaren Folgen gebaut wird. Einmal gebaut, wären die Auswirkungen nicht mehr rückgängig zu machen."

Der Diskurs der Regierung sei dem Bischof zufolge immer derselbe: "Es wird eine Lösung für die indigenen Völker geben. Wenn man danach fragt, bekommt man keine Details“. Dom Erwin betont, dass die indigenen Gebiete nicht geflutet werden, dass die Indios aber wegen der Folgen des Staudamms nicht mehr vom Fluss leben können. "Das sind die großen Fehler, die die Regierung nicht berücksichtigt," erklärt er.

Neben der Kirche und nationaler Einrichtungen sind auch internationale Bewegungen gegen den Bau von Belo Monte. Für Dom Erwin ist es Aufgabe der internationalen Bewegungen, die Bedeutung Amazoniens für unseren Planeten aufzuzeigen. "Amazonien ist eine große Verantwortung für Brasilien, aber es hat seine Auswirkungen auch jenseits der brasilianischen Grenzen. Deshalb sind die Solidaritätsbekundungen der internationalen Gemeinschaft wichtig", fügte er hinzu.

CNBB, 5.5.2010
Dom Erwin reafirma que “batalha judicial” sobre Belo Monte está apenas começando

Weiterführend:
Cimi Info 912, 6.5.2010
Belo Monte auf der Tagesordnung der 48. Generalversammlung der CNBB

Mittwoch, 5. Mai 2010

Sting bekräftigt Ablehnung von Belo Monte

Sting beim Treffen mit Kazike Raoni in São Paulo im November 2009

Terra, 5.5.2010
Der britische Popsänger Sting bekräftigte am Dienstag (4.5.) in Venezuela seine Ablehnung für das Wasserkraftwerk Belo Monte. Nach einem Auftritt in Caracas sagte das ehemalige Mitglied der Gruppe The Police, der Stausee würden das Leben und die Kultur jener Menschen, die seit Jahrtausenden im Xingu-Becken leben, negativ beeinflussen. "Ich bleibe mit jenen indigenen Gruppen solidarisch, die versuchen, den Bau von Belo Monte zu stoppen", versicherte Sting.

Pressespiegel:
AP, 5.5.2010
Popstar Sting kämpft gegen Staudamm in Brasilien
Tausende Ureinwohner im Amazonas können sich bei ihrem Widerstand gegen einen geplanten Megastaudamm auf prominente Hilfe verlassen: Der Popstar Sting, der Filmemacher James Cameron und die Schauspielerin Sigourney Weaver zählen zu den Stars, die bei der brasilianischen Regierung das Projekt stoppen wollen.

Die Presse, 5.5.2010
Belo-Monte: Promis kämpfen gegen Super-Staudamm ‎
Tausende Menschen müssten für den Bau des brasilianischen Belo-Monte-Staudamms umgesiedelt werden. Sting, James Cameron und die Schauspielerin Sigourney Weaver wollen das verhindern. Der Damm "zerstört ein ganzes Flusssystem" und "die Kultur der Menschen".

Freitag, 30. April 2010

Brasilien: Weitere R$ 7 Mrd für Belo Monte bereit gestellt

O Globo oder Veja, 29.4.2010

Die Brasilianische Regierung erweitert das Programm zur Unterstützung von Investitionen (PSI) von R$ 44 auf R$ 124 Mrd. Diese zusätzlichen R$ 80 Mrd sollen die heimische Produktion ankurbeln und den Export steigern. Davon sind R$ 76 Mrd durch Ausgabe von Staatsanleihen gedeckt und der Nationalen Entwicklungsbank BNDES zugeteilt worden.
Es geht hier um die Produktion sowohl von Verbrauchsgütern für den Export (wie z.B. TV-Geräte) als auch von Investitionsgütern (wie Maschinen und Anlagen).
Die Mittel der BNDES für Investitionen beim Wasserkraftwerk Belo Monte wurden von R$ 1 auf R$ 8 Mrd angehoben, mit einer Laufzeit von 30 Jahren und Steuerbegünstigungen von 108 Monaten.

Donnerstag, 29. April 2010

Brasilien: Industrie befürchtet chinesische Turbinen für Belo Monte

Estadao, 29.4.2010
Die Produzenten hochwertiger elektrotechnischer Maschinen und Bauteile in Brasilien sind um die Aufträge für das Wasserkraftwerk Belo Monte besorgt. Sie befürchten, das ein Großteil der benötigten Turbinen von Billigbietern aus dem Ausland bezogen werden könnte, besonders aus China.
"Der Nachteil für den Sektor wäre enorm, da mit 10.000 Arbeitsplätzen in der heimischen Maschinenbranche gerechnet worden ist", sagte der Vizepräsident des brasilianischen Industriellenverbandes für Maschinenbau (Abimaq), José Velloso Dias.
Bei Belo Monte, dem weltweit drittgrößten Kraftwerk mit einer Leistung von 11.000 MWh, werden 20 Turbinen mit je 550 MWh und 9 mit 25,9 MWh benötigt. Angeblich zählt der argentinische Konzern Impsa, der bereits bei Windkraftwerken stark präsent ist, zu den Favoriten. Wegen des bei der Auktion erzielten niedrigen Strompreises und der zu erwartenden hohen Kosten ist ein Geschäft mit den Chinesen nicht ausgeschlossen.
In diesem Zusammenhang ist der Kauf von 3.000 km Hochspannungsleitung in Brasilien durch die chinesische State Grid Corporation of China (SGCC) nicht uninteressant.

Außerdem wird eine Beteiligung des staatlichen russischen Energieunternehmens Inter Rao Ues an Norte Energia diskutiert. Bereits vor der Versteigerung sollen die Russen Interesse gezeigt haben, hätten aber die bürokratischen Anforderungen nicht bis zur Nennfrist am 12.4. erfüllen können.

Sigourney Weaver protestiert in New York gegen Belo Monte

FolhaOnline, EFE, AFP, 28.4.2010

Die US-Schauspielerin Sigourney Weaver nahm am 28.4. in New York gemeinsam mit Dutzenden indigenen Vertretern aus verschiedenen Ländern an einer Kundgebung gegen das Kraftwerk Belo Monte teil. Ihrer Meinung nach sind die dadurch zu erwartenden Umweltzerstörungen unverantwortlich groß und eine Bedrohung der indigenen Völker des Xingubeckens.
"In unserem Zeitaltern sollten Entwicklung und Ethik Beachtung finden", sagte die Künstlerin bei einer Pressekonferenz vor dem ständigen UN-Vertreter Brasiliens.

Der kanadische Regisseur James Cameron hatte sie erst vor einem Monat zum öffentlichen Auftreten für die Umwelt eingeladen und Sigourney Weaver erlebe nun, "dass die Geschichte von Avatar (als Bedrohung von Ureinwohnern durch den Fortschritt) sich bei Belo Monte wirklich vor unseren Augen abspielt".
Weaver betonte die weltweite Vorreiterrolle Brasiliens auf dem alternativen Sektor der erneuerbaren Energie wie z.B. der Ethanolproduktion und bedauerte, dass die Regierung Lulas bei Belo Monte auf ein "altes Modell mit so vielen negativen Auswirkungen zurückgegriffen" hätte.
Die politisch Verantwortlichen sollten weiterhin "erneuerbare Energien vorantreiben und den Verbrauch von Energie durch neuere Technologien verringern".
"Unternehmen, die die Umwelt belasten und keine saubere Energie produzieren, wie sie behaupten, sollten wir keine Chance geben", unterstrich die amerikanische Schauspielerin. "Ich bin davon überzeugt, dass Brasilien ein Vorzeigeland im Umweltschutz sein könnte und dass es nicht unbedingt unseren (US-)Weg gehen und unsere bekannten Fehler wiederholen muss."

Globo-Videos
Atriz americana participa de protesto contra Belo Monte em Nova York

James Cameron nahm am 24.4. am Forum der Vereinten Nationen für indigene Angelegenheiten (UNPFII) in New York teil. Dabei wurde sein Film 'Avatar' gezeigt, in dem es auch um die Vertreibung Eingeborener durch den Fortschritt geht. In einem Interview für O Globo versprach er, einen Brief der indigenen Völker des Xingubeckens an Präsident Obama zu überbringen.

Dienstag, 27. April 2010

Dom Erwin Kräutler: "Belo Monte verletzt die Verfassung"

Dom Erwin Kräutler, Bischof am Xingu und Präsident des indigenen Missionsrates (CIMI) beantwortet Fragen zur aktuellen Situation am Xingu

1. Trotz vieler Proteste und Kritiken ist die Versteigerung des Kraftwerks Belo Monte am 20.4. erfolgt. Sind dadurch die Chancen, es zu verhindern, in weite Ferne gerückt? Oder glauben Sie, dass es noch zu früh ist zu sagen, der Kampf sei verloren?

Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass der Kampf verloren ist. Sogar der Bundesrichter von Altamira, Antônio Carlos Almeida Campelo, der die Versteigerung von Belo Monte durch eine richterliche Verfügung gestoppt hat, sagte, wir seien erst am Anfang eines juristischen Krieges „nach all den Absurditäten bei der Versteigerung von Belo Monte.“ Ich bin überezugt, dass die Bundesverfassung respektiert werden muss. Belo Monte wäre das erste Wasserkraftwerk Brasiliens auf indigenem Territorium (Paquiçamba und Arara). In solch einem Fall sieht die Bundesverfassung im Artikel 176 eine besondere Rechtsregelung vor, die es derzeit jedoch noch nicht gibt. Sie wurde nicht einmal im Nationalkongress diskutiert. Neben den Anklagen gegen „umweltrechtliche Verstöße“ ist dieses ein entscheidendes Argument, das von der Bundesstaatsanwaltschaft (MPF) und anderen Organisationen, wie dem indigenen Missionsrat (CIMI), vorgebracht wird.
Jirair Meguerian, Präsident des regionalen Bundesgerichts der 1. Region (TRF-1) hob alle Verfügungen innerhalb kürzester Zeit auf, um die Versteigerung zu ermöglichen. Bedenklich ist dabei, dass er an keiner Stelle Argumente anführt. Er begründete sein Urteil gegen die Verfügung der Staatsanwaltschaft damit, dass sie nur auf „Vermutungen“ basieren würden. Diese Behauptung vermittelt den Eindruck, der hochwürdigste Herr Richter hätte die 50 Seiten an Begründungen nicht gelesen. Er ließ sich von anderen Kriterien leiten. Wenn also ein Artikel der Verfassung als „Vermutung“ (= Einbildung, Hypothese) bezeichnet wird, dann befindet sich Brasilien am Rande eines Bankrotts des Rechtsstaates.
Die Bundesverfassung wurde missachtet und verletzt. Das ist die Wahrheit! Weder der Präsident noch ein Richter stehen über der Verfassung. Wenn ja, dann ist Brasilien schon zur Diktatur verkommen.
Sogar der gemäßigte Senator Pedro Simon warnte den Präsidenten der Republik. Er forderte eine Erklärungen an die brasilianische Bevölkerung über die Ausschreibung und sagte wörtlich: "Wir brauchen Energie, aber die Kontroverse um Belo Monte schockiert. Und das nicht seit heute. Nicht einmal das Militär wagte dieses Projekt durchzuführen, obwohl damals der Kongress machtlos war."

2.Vorige Woche erklärte Pedro Bignelli, Direktor der Lizenzierung des Umweltinstituts IBAMA, auf der Website von Agência Brasil, dass durch Belo Monte keine indigenen Gebiete betroffen seien. Was sagen Sie dazu?

Diese Aussage kenne ich seit langem, sie wurde ja lang und breit in den Medien wiederholt, aber sie bleibt ein Schwindel. IBAMA (Peter Bignelli) und Maurice Tomasquim, Präsident des Energieforschungsunternehmens (EPE), haben immer behauptet, dass kein indigenes Gebiet überschwemmt wird. Sie verheimlichten aber die andere Seite der Medaille.
Eine Equipe von 40 Experten hat bereits letztes Jahr eine Beurteilung über die Durchführbarkeit von Belo Monte abgegeben. Das Dokument befasst sich unter anderem mit Auswirkungen auf indigene Völker. Die Regierung ließ sich leider davon jedoch nicht beeindrucken.
Wird Belo Monte gebaut wird, dann geschehen die Arbeiten unmittelbar an der Grenze zum indigenen Gebiet. Eine Baustelle dieser Größe mit einer Unzahl an Arbeitern in dieser Nähe zur Indio-Siedlung bringen unleugbare soziale und kulturelle Auswirkungen mit sich. Auf etwa 100 km entlang der Großen Kurve des Xingu erfolgen "eine Verringerung der Wassermenge und ein Absenken des Wasserspiegels mit biologischen Auswirkungen und der Bildung des 'Abschnitts mit reduzierter Wassermenge' (TVR). Dadurch entstehen Probleme für die Schifffahrt und negative Auswirkungen auf die Auwälder.“ Dieser Verlust an natürlichen Ressourcen und Wasser betrifft direkt die indigenen Völker.
Indigene Gebiete werden nicht überflutet, das stimmt. Das Gegenteil geschieht: den Indios wird das Wasser abgeschnitten! Wie sollen sie im Trockenen leben? Wovon sollen sie sich ernähren, wenn "alle Arten, die in diesem Teil des Flusses vorkommen, unter der Wasserreduktion nicht überleben werden", oder mit anderen Worten, wenn den Indios der Fisch fehlt? Ist es nicht makaberer Zynismus, wenn man sagt, indigenes Land werde nicht überflutet, wenn aber den dort lebenden indigenen Völker die Lebensgrundlage zerstört wird?

3. Einige Experten geben zu Bedenken, dass Belo Monte nicht nur das teuerste Kraftwerk Brasiliens, sondern auch das ineffizienteste sein wird, mit einer Ausbeute von 40 % seiner Kapazität. Ungeachtet dieser Kritik bezeichnet die Regierung unbeirrt Belo Monte als unentbehrlich für den Fortschritt Brasiliens. Warum diese Beharrlichkeit?

Zwei Faktoren verursachen dieses Beharren. Einer ist politischer Natur, was die Regierung nicht zugeben will. Jeder weiß, dass Belo Monte ein Wunschkind des Planes der Beschleunigung des Wachstums (PAC) ist? Wenn die Regierung hier einen Rückschlag erfährt, gefährdet sie - nach Ansicht der PT-Parteispitze und des Präsidenten - die Wahl von Dilma Rousseff. Als bisherige Ministerin für Bergbau und Energie hat diesen Plan entworfen und geboren.
In einem solchen Zusammenhang gibt es kein Klima für eine friedliche Diskussion. Und der Präsident selbst verkündet, Belo Monte muss ausgeführt werden, auch „auf Biegen und Brechen“ und „wenn nötig, im Alleingang der Regierung“. Er kann den politische Unterton nicht unterdrücken, wenn er wiederholt sagt: "Die Kraftwerke von Belo Monte, Jirau und Santo Antônio sind Dinge, die unsere Gegner so lange verdrehen bis sie nicht stimmen." Solche wichtigen Fragen und Entscheidungen mit unumkehrbaren Folgen für Amazonien, Brasilien und den Planeten Erde werden auf dem Niveau von Parteipolitik und sogar als Wahlkampfthema verharmlost, als ginge es um den Wettstreit von Fans zweier Teams. Wie weit sind wir gekommen?
Der zweite Faktor ist „wirtschaftlicher Natur" und umfasst viele Lügen, denn von Anfang an wollte man das Projekt als Lösung gegen ein mögliches Blackout (Stromausfall) verkaufen. Die Rede ist von billiger Energie zu den Häusern der Armen. Pure Demagogie! Die eigentlichen Nutznießer von Belo Monte sind die großen Unternehmen, insbesondere die des Bergbaus und natürlich der Bausektor, der wieder einmal astronomische Summen verdienen will und seine Maschinen und das „Know-how“ in einem althergebrachten Modell des Kraftwerkbaus einsetzt: mit Erdwallen, riesigen Betonwänden, Dämmen und Kanälen werden die Fehler der Vergangenheit wiederholt, riesige Flächen überschwemmt und Wälder gerodet.

4. Einige Leute forcieren alternative Energien wie z.B. Solarenergie. Glauben Sie, dass das ein globaler Trend ist und dass auch Brasilien hier mehr investieren sollte?

Brasilien verliert eine große Chance für Innovationen. Bei der gegenwärtigen weltweiten Sorge um die globale Erwärmung in einem nie da gewesenen Tempo könnte Brasilien der Welt ein wirkliches Beispiel für den sorgfältigen Umgang mit der Umwelt geben und alternative Energiequellen wie Solar- und Windenergie fördern. Es fehlt hierbei nicht an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und führenden Wissenschaftlern. Es fehlen Anreize, dies zu tun. Es ist einfacher zu rufen "Brasilien braucht Belo Monte" als in weitere Studien zu investieren. Zweifellos wären die Ergebnisse, dass wir kein Wasserkraftwerk Belo Monte brauchen, dass Amazonien über genügend Solarenergie verfügt und dass wir nicht einmal die Fläche eines Fußballplatzes überfluten, geschweige denn einen Fluss oder die wunderschöne Landschaft zerstören brauchen.

5. Haben Sie davon auch beim Ad-Limina-Besuch in Rom berichtet?

Ja, das haben wir. Ich betone „haben wir“, denn nicht nur ich, sondern alle Bischöfe der Region Nord-2 der CNBB haben unsere Sorge über die Zukunft Amazoniens zum Ausdruck gebracht; das Anliegen teilen alle. Es gab zweimal Gelegenheit, die Wasserkraftwerke in Amazonien zu erörtern. Einmal bei der Pressekonferenz von Radio Vatikan am 15.4., wo wir offen über die Wasserkraftprojekte an den Flüssen Xingu und Tapajós und ihre katastrophalen Folgen redeten. Das zweite Mal bei den Audienzen mit Papst Benedikt XVI. Dom Esmeraldo, Bischof von Santarém, traf sich am 15.4. persönlich mit dem Papst und dieser bat ihn, schriftliche Unterlagen über die Umweltzerstörungen am Tapajós zu hinterlegen. Ich wurde vom Papst am 16.4. persönlich empfangen und setzte die Spuren von Dom Esmeraldo fort. Ich berichtete ihm von der Bedrohung der indigenen Völker am Xingu durch Belo Monte und überreichte ihm die für die Pressekonferenz vorbereiteten Unterlagen. Ich kann sagen, dass unsere Sorge um die Zukunft Amazoniens, und insbesondere unserer Flüsse Tapajós und Xingu, den Papst tief berührt hat.

6. Während der letzten Monate gab es neben den Protesten auch viele gerichtliche Verfahren, die versuchten, Belo Monte zu verhindern. Sie haben einen Offenen Brief geschrieben und Präsident Lula getroffen. Was sind Ihre nächsten Aktivitäten?

In Wirklichkeit geht es nicht um neue Aktivitäten oder weitere Briefe an den Präsidenten. Ich werde einfach weiterhin bei allen Gelegenheiten die Völkern am Xingu verteidigen, die indigenen, die Flussbewohner und die Menschen von Altamira, die enorm unter Belo Monte leiden würden. Solange mir Gott den Atem gibt, werde ich mich einsetzen, vor allem für die am stärksten Benachteiligten und Bedürftigen. Ich möchte mit Erzbischof Oscar Romero wiederholen: "Als Hirte bin ich Gott gegenüber verpflichtet, mein Leben für die hinzugeben, die ich liebe."

7. Abschließend bitte ich Sie zu erklären, wie wichtig der Beitrag der Kirche und jedes einzelnen Bürgers bei dieser Diskussion ist. Glauben Sie, dass alle zu Belo Monte eine Meinung haben sollten?

Ich möchte nur einen Abschnitt aus dem Dokument von Aparecida zitieren, das an den Papstbesuch 2007 in Brasilien erinnert:

In seiner Ansprache an die Jugend im Pacaembu-Stadion in Sao Paulo lenkte Papst Benedikt XVI die Aufmerksamkeit auf „die Zerstörung der Umwelt Amazoniens und auf die Bedrohung der menschlichen Würde seiner Völker"und forderte die jungen Menschen zu "einem stärkeres Engagement in den verschiedenen Tätigkeitsfeldern“ auf. (DA, Seite 85)

Ich bin überzeugt, dass nicht nur unsere Jugend aufgerufen ist, diese "große Verpflichtung" zu übernehmen, sondern alle von uns. Das Alter spielt keine Rolle.
Im Glaubensbekenntnis beten wir: „Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Der Glaube an den Vater als Schöpfer schließt die Liebe und den Eifer für alles mit ein, was Er geschaffen hat, genauso wie die Verantwortung für unser Heim („Ökologie“), das Er uns und auch künftigen Generationen anvertraut hat.

Sonntag, 25. April 2010

Belo Monte: Favorit der Regierung ist in vier Bundesstaaten angeklagt


Quelle: O Globo, 24.4.2010
Die Regierung Lula hatte die Bertin-Gruppe ausgewählt, um das Konsortium Norte Energia bei der Versteigerung von Belo Monte anzuführen – und der Zuschlag wurde am 20.4. unter turbulenten Umständen geschafft.
TV Globo enthüllt nun, dass die Bertin-Gruppe, die im letzten Jahr die Sparten Fleisch, Tierhäute und Milchprodukte an den Ex-Rivalen JBS verkauft hatte, von der Staatsanwaltschaft wegen Verstöße gegen Umwelt- und Arbeitsrechte angeklagt ist. In den vier Bundesstaaten Pará, Tocantins, São Paulo und Mato Grosso do Sul laufen Verfahren. Belo Monte ist um einen Skandal reicher!
In Pará, wo das Kraftwerk Belo Monte gebaut werden soll, werden der Gruppe und ihren Teilhabern vom Bundesgericht die Mittäterschaft an der Zerstörung Amazoniens vorgeworfen. Sie soll mit illegal abgeholzten Flächen sowie mit Rindern aus dubiosen Landwirtsschaftsbetrieben wie den Fazendas der Gruppe Opportunity oder des Bankiers Daniel Dantas Handel betreiben haben.
Letztes Jahr haben die Staatsanwälte ein Verbot auf Fleisch der Bertin-Gruppe verhängt. Umweltorganisationen wie Friends of the Earth und Greenpeace prangerten das Unternehmen international wegen Regenwaldzerstörung an, wodurch das Image des Unternehmens sehr zu leiden kam.
Die Reportage berichtet weiter, dass laut Staatsanwaltschaft 14 der 21 Fazendas, von denen Rinder gekauft wurden, auf der „schwarzen Liste der Umweltzerstörer“ standen. Aufgrund jenes Prozesses hätten Großhändler wie Pão de Açúcar oder Wal-Mart zeitweilig den Fleischhandel mit Bertin ausgesetzt.
Der Skandal erreichte seinen Höhepunkt, als die International Finance Corporation (IFC), der finanzielle Arm der Weltbank (IBRD), ein Darlehen für angeblich nachhaltige Kühlsysteme für den Fleischhandel in Amazonien in Höhe von US $ 90 Mio verweigerte. Damit verbunden war die Rückerstattung von US $ 60 Mio an IBRD. Obwohl die Bank jene Rückzahlung mit der Umweltzerstörung begründet hatte, verbreitete Bertin die Version der globalen Weltwirtschaftskrise.

Freitag, 23. April 2010

Staatsanwaltschaft setzt Klagen gegen Belo Monte fort und Regierung verkündet Baubeginn

Portal Terra und MPF, 22.4.2010
Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Aufhebung der zweiten Verfügung zur Absage der Versteigerung von Belo Monte berufen.
Das zuständige Regionale Bundesgericht der 1. Region (TRF-1) soll der Staatsanwaltschaft mitgeteilt haben, die Angelegenheit in der nächsten Sondersitzung am 29.4. zu behandeln. Somit wurde diese Entscheidung nicht abgewartet und damit eine mögliche Annulierung der Versteigerung umgangen. Sie konnte am 20.4. um 13:20 Uhr über die Bühne gehen, weil eine Stunde zuvor der Präsident des TRF-1 die (zweite) Verfügung aufgehoben und die dritte nicht zur Kenntnis genommen hatte.
Staatsanwalt Renato Brill de Góes erhob dagegen Einspruch, genauso wie gegen die Aufhebung der ersten Verfügung. Somit geht der Streit der Justiz zwischen Staatsanwälten von Pará und den Bundesrichtern der AGU weiter. Sieben Zivilverfahren der Staatsanwaltschaft sind gegen Belo Monte im Laufen, mit einigen Urteilen ist nicht sofort zu rechnen. Drei Anklagen führten unmittelbar vor dem Versteigerungsdatum durch richterliche Verfügungen zur Einstellung der Auktion. Sie wurden aber jeweils sehr rasch vom TRF-1 aufgehoben. Es wird erwartet, dass sich das Bundesgericht bei der kommenden Sondersitzung mit Belo Monte befasst.
Auch die AGU führt den Streit wegen Belo Monte weiter. Am 22.4. reichte Luís Inácio Adams, Generalanwalt des Bundes (AGU), beim Natinalrat der Staatsanwaltschaft (CNMP) eine Beschwerde gegen die beiden Staatsanwälte Rodrigo Timóteo Costa und Raimundo de Jesus Coelho Morais ein. Er wirft ihnen nicht standesgemäßes Verhalten bei einer öffentlichen Anhörung zu Belo Monte in Belém vor. Auch gegen den Bundesrichter Antonio Carlos Campelo wird ein Vorgehen überlegt. Er hatte am 20.4. vor der Auktion noch eine Verfügung gegen diese verhängt und davon per Email benachrichtigt. „Eine richterliche Entscheidung wird nicht per Email zugestellt“, sagte Adams.
Die Nationalverband der Staatsanwälte ANPR weist die Anschuldigungen zurück und nennt das Vorgehen der AGU als Einschüchterungsmaßnahmen und Behinderung der Rechtssprechung.

Der Bundestagsabgeordnete Ivan Valente (PSOL-SP) teilte mit, eine Anfrage an die AGU zum Ablauf der Auktion zu stellen und das vor der Kommission der Menschenrechte in der Kammer behandeln zu lassen.

O Liberal und Agência Estado und O Globo, 23.4.2010
Die Regierung Lula betont einmal mehr, dass sie fest entschlossen ist, Belo Monte auch im Alleingang und ohne den privaten Sektor umzusetzen.

FolhaOnline, 23.4.2010
Norte Energia will die Pläne zu Belo Monte ändern und legt neue Studien vor, nach denen die Kosten um R$ 2 Mrd gesenkt werden. Dabei soll es vorrangig um die beiden 30 km langen Kanäle gehen, von der Staumauer am Sitio Pimentel bis zum Turbinentrakt Belo Monte. Mit 230 Mio Kubikmeter sei die Erdbewegungen größer als beim Panamakanal. Kritiker behaupten, allein die Kosten für den Beton der 500 m breiten und 20 m hohen Kanäle seinen nicht abschätzbar (Prof. Oswaldo Sevá oder Telma Monteiro).

Der Minister für Bergbau und Energie, Márcio Zimmermann, kündet den Baubeginn für September an. Die Regierung sehe keinen Grund für Verzögerungen und man werde so zügig handeln wie in Jirau, wo auch bereits drei bis vier Monate nach der Versteigerung gearbeitet wurde.
Die Regierung unternimmt weiterhin alles, um die größten Bauunternehmen für Belo Monte zu gewinnen. Das Siegerkonsortium Norte Energia verhandelt mit den drei Giganten Odebrecht, Camargo Corrêa (beide vorzeitig ausgestiegen) und Andrade Gutierrez (vom Verliererkonsortium). Auch OAS zeigt Interesse für Inverstitionen und Auslagerungsgeschäfte.
Norte Energie besteht aus folgenden kleineren Hoch- und Tiefbauunternehmen mit einem Anteil zwischen 3% und 10%: Queiroz Galvão, Serveng, Mendes Júnior, Contern, Cetenco, Galvão Engenharia und J. Malucelli.

Ziegelbrennereien, Schotterwerke und Goldgruben in der Region von Altamira befürchten wegen des Kraftwerks Belo Monte um ihre Existenz. Der Ziegellehm liegt in den Niederungen und kann nur während der Trockenzeit abgebaut werden. Sand und Schotter werden derzeit mit Pumpen aus dem Xingu gefördert, wenn der Wasserstand im Sinken ist. Ein hoher Wasserstand würde das nicht ermöglichen.
Im Garimp do Galo, der sich noch ca. 30 km unterhalb des Staudammes befindet, und wo derzeit an die 60 Familien Arbeit finden, fürchtet man die Wasserreduktion in der Großen Kurve: die Versorgung der Goldgrube mit Treibstoff sei nicht möglich.

Fiktive Zahlen bestimmen Belo Monte


Quelle: O Estadão, 23.4.2010

Warum nahm ein Unternehmen wie Construtora Camargo Corrêa, dessen Geschichte und Erfahrung sehr eng mit der brasilianischen Stromwirtschaft verbunden ist und das daher größtes Interesse an Bau und Betrieb des Wasserkraftwerks von Belo Monte haben müsste – weshalb es sich auch über 30 Jahre hindurch an den technischen, ökologischen und finanziellen Studien zu diesem Mammutprojekt beteiligt hatte – warum nahm es an der Auktion von Belo Monte nicht teil?

Die Antwort darauf gibt Miguel Antonio Marques, Präsident des Bauunternehmens Camargo Corrêa, und sie lässt keinen Zweifel aufkommen: Die Gesellschaft kam zur Erkenntnis, dass sich unter den von der Regierung auferlegten Bedingungen die Investitionen nicht lohnten. Oder mit anderen Worten: die vorgegebenen Bedingungen erlaubten es nicht, das Projekt wirtschaftlich und finanziell so umzusetzen, dass Produktion und eine regelmäßige Versorgung mit Elektrizität gewährleistet wären; die Rechnung gehe nicht auf.

Zu diesem Ergebnis sei auch der Bauriese Odebrecht gekommen, der durchaus über notwendige Erfahrungen für ein Projekt in der Größe von Belo Monte als weltweit drittgrößten Staudamm verfügt. Zusammen mit Camargo Corrêa schied er vorzeitig aus. Der wesentliche Grund für den Rückzug war die Festlegung auf den Höchstpreis von R$ 83 pro Megawattstunde (MWh), was als zu niedrig angesehen wurde. Der Sieger verpflichtete sich zu einem Preis von R$ 77,97.

Nachdem sich die beiden größten Unternehmen des Landes von der Auktion zurückgezogen hatten, bot die Regierung 75 % Steuerbefreiung für 10 Jahre an, zusätzlich zur 80%igen Finanzierung durch die Nationale Entwicklungsbank (BNDES) mit einer Laufzeit von 30 Jahren und mit gestützten Zinsen.

"Auch mit der Steuerbefreiung, die nach unserem Rückzug angeboten wurde, erbrachten unsere Berechnungen nicht die erwünschten Rendite", erklärt Antonio Marques. "Die Entscheidung, nicht mitzumachen, war hart. Aber die Vernunft ließ es nicht zu."

Ein weiterer Großunternehmen, Andrade Gutierrez, hatte sich mit dem Konsortium Belo Monte Energia zwar als einziges rechtzeitig beworben und nahm an der Auktion teil, damit sie überhaupt hatte stattfinden können. Er blieb mit einem Angebot R$ 82,98 jedoch nur 2 Centavos unter der Obergrenze. Somit brachte die Auktion nur 6% an Preissenkung.

Der private Sektor hat sich also an Belo Monte nicht so beteiligt, wie das erwartet worden war. Wird nun die Regierung das Vorhaben im Alleingang durchführen? Das von der Regierung nominierte und spätere Siegerkonsortium Norte Energia, bei dem die staatliche Chesf mit 49,98% klar dominiert und den Zuschlag erwirkt haben dürfte, vermittelt diesen Eindruck.

Die Eile, mit der das Konsortium gegründet wurde, und der hastige Ablauf der Auktion von Belo Monte lassen immer mehr Zweifel an Belo Monte aufkommen. Die nächste Hürde ist die Zusammensetzung der Gesellschaft, die für den Bau und den Betrieb der Anlage von Belo Monte verantwortlich sein wird. Sie muss bis 23. September fest stehen, wenn der Vertrag über die Vergabe der Konzession unterzeichnet werden soll. Im Gespräch sind die Pensionsfonds der staatlichen Unternehmen - was noch mehr staatliche Beteiligung bedeuten würde - und große Energieverbraucher.

Laut Estadão trug die zu niedrige Kosteneinschätzung von Belo Monte dazu bei, dass Andrade Gutierrez nicht wirklich mitsteigerte. Gegenüber R$ 19,6 Mrd der Regierung geht der private Sektor von R$ 32 Mrd aus. Bei einer Verhandlung zwischen Regierung und Unternehmer forderte Maurício Tolmasquim, Präsident des Energieforschungsunternehmens EPE, zumindest eine Erhöhung von R$ 500 Mio für halbjährliche Flugkosten der Angestellten, um ihre Familien zu besuchen. Darauf der Bergbauminister Lobão: "Dann wäre es besser, gleich 10 'AeroLulas' anzuschaffen".

Donnerstag, 22. April 2010

Indios vom Xingu sagen Nein zu Belo Monte


Quelle: XinguVivo, 22.4.2010

Offener Brief der indigenen Völker am Xingu

Wir indigenen Völker am Xingu streiten hier für unser Volk, unsere Gebiete und kämpfen auch für die Zukunft der Erde.

Präsident Lula sagte letzte Woche, er kümmere sich um die Indios und um Amazonien, aber er will nicht, dass sich ausländische NGOs gegen Belo Monte äußern. Wir sind keine internationalen NGOs.

Wir, 62 indigene Vertreter der Aldeias Bacajá, Mrotidjam, Kararaô, Terra-Wanga, Boa Vista Km 17, Tukamã, Kapoto, Moikarako, Aykre, Kiketrum, Potikro, Tukaia, Mentutire, Omekrankum, Cakamkubem und Pokaimone haben schon viele Invasionen und Bedrohungen erlebt. Als die Portugiesen nach Brasilien kamen, waren wir bereits da. Viele von uns starben, haben große Territorien und viele Rechte sowie kulturelle Ausdrucksformen verloren. Einige Völker wurden völlig ausgelöscht. Der Wald versorgt uns mit Fleisch, der Fluss ist unser Markt. Hände weg vom Xingu! Lasst unsere Aldeias und unsere Kinder in Ruhe, damit sie in unserer Kultur aufwachsen können.

Wir sind gegen das Wasserkraftwerk Belo Monte, denn das Projekt bedeutet noch mehr Zerstörung für unsere Region. Wir denken nicht nur an den Ort, wo es gebaut werden soll, sondern an die künftige Zerstörung durch das Kraftwerk; mehr Firmen, mehr Fazendas, mehr Invasionen in Gebiete, mehr Konflikte und danach weitere Kraftwerke. So wie der Weiße vorgeht, wird alles sehr schnell zerstört. Und wir fragen: was will die Regierung noch alles? Warum noch mehr Energie, die so viel Zerstörung verursacht?

Wir haben schon viele Versammlungen und große Treffen gegen Belo Monte organisiert, etwa 1989 und 2008 in Altamira (Pará) und 2009 in der Aldeia Piaraçu, an denen viele unserer Vertreter teilnahmen. Wir haben Präsident Lula gesagt, dass wir Belo Monte nicht wollen, und er versprach uns, dieses Kraftwerk nicht auf Biegen und Brechen durchzusetzen. Wir diskutierten mit Eletronorte und Eletrobrás, mit der FUNAI und dem IBAMA. Wir warnten die Regierung, dass es Krieg geben werde, sollte der Staudamm gebaut werden. Die Regierung hat unsere Botschaft nicht verstanden und provoziert die indigenen Völker mit der Aussage, das Kraftwerk werde auf jeden Fall gebaut. Wenn Präsident Lula das sagt, beweist er sein geringes Interesse an den Forderungen der indigenen Völker und dass er unsere Rechte nicht kennt. Die Versteigerung von Belo Monte in der Woche der indigenen Völker anzusetzen ist ein Beispiel für fehlenden Respekt.

Darum laden wir indigene Völker der Region am Xingu erneut James Cameron und sein Team, sowie Vertreter der Bewegung Der Xingu soll für immer leben (die Bewegung der Frauen, ISA, CIMI, Amazon Watch und andere Organisationen) ein. Sie sollen uns unterstützen, damit unsere Botschaft in der ganzen Welt und bei den Brasilianern, die uns nicht kennen und nicht wissen, was am Xingu passiert, bekannt wird. Wir sprechen diese Einladung aus, im Wissen, dass es vielerorts in Brasilien und im Ausland Menschen gibt, die uns unterstützen, die indigenen Völker und die Territorien unserer Völker zu schützen. Diese Menschen sind uns herzlich willkommen.

Wir streiten hier für unser Volk, für unsere Gebiete, unsere Wälder, unsere Flüsse, unsere Kinder und zu Ehren unserer Vorfahren. Gleichzeitig kämpfen wir auch für die Zukunft der Erde, denn wir wissen, dass diese Wälder nicht nur uns Indios Vorteile bringen, sondern auch dem Volk von Brasilien und der ganze Welt. Wir wissen auch, dass ohne diese Wälder viele unserer Völker noch mehr leiden werden, denn sie leiden schon jetzt unter der bisherigen Zerstörung. Denn alles ist verbunden, wie die Blutsbande eine Familie eint.

Die Welt muss erfahren, was ist hier geschieht: die Zerstörung der Wälder und der indigenen Völker wird die ganze Welt zerstören. Deshalb lehnen wir Belo Monte ab. Belo Monte bedeutet die Zerstörung unseres Volkes.

Wir sind bereit, stark und ausdauernd im Einsatz und erinnern an einen Brief, den ein nordamerikanischer Blutsbruder vor langer Zeit an den Präsidenten schrieb: „Erst wenn der weiße Mann alle Wälder zerstört, alle Fische und Tiere getötet und alle Flüsse vernichtet hat, wird er merken, dass man von Geld nicht leben kann.“

Kazike Bet Kamati Kayapó
Kazike Raoni Kayapó
Yakareti Juruna
für die 62 indigenen Vertreter

Mittwoch, 21. April 2010

Proteste nach turbulenter Versteigerung von Belo Monte gehen weiter


SF-Tagesschau, 21. April 2010
Massive Kritik an Mega-Kraftwerk im Amazonas-Gebiet
Trotz massiver Proteste hat Brasiliens Regierung den Bau des weltweit drittgrössten Wasserkraftwerkes auf den Weg gebracht. Für das Staubecken sollen mehr als 500 Quadratkilometer Fläche überflutet und vermutlich über 20'000 Menschen umgesiedelt werden.

Fotogalerie O Globo und CIMI
In allen größeren Städten Brasiliens kommt es zu Protesten.

DW-RADIO live, 21.4.2010
"Belo Monte ist erst der Anfang!"
Interview mit DW-Brasilienexperte Klaus Hart

Cimi-Info 919, 22.4.2010
Weitere Manifestationen der Indios nach der Versteigerung von Belo Monte
Zwei Tage nach der Versteigerung von Belo Monte durch die Nationale Energieagentur (Aneel) dauert der indigene Protest an. In São José do Xingu (Mato Grosso) haben Indios Kayapó die Zufahrt zur Fähre blockiert. Täglich nutzen rund 60 LKW, 30 PKW und Autobusse diese Fähre.

In einem amtlichen Schreiben an den stellvertretenden Koordinator der FUNAI kündigten die indigenen Vertreter an, dass sie im Falle der Versteigerung den Betrieb der Fähre für unbestimmte Zeit behindern werden. „Wir Indios respektieren die Weißen, aber die Weißen wollen uns nicht respektieren“, heißt es im Brief.
Bereits 2009 haben die Indios die Zufahrt als Ausdruck des Protests gegen Belo Monte unter der Leitung von Raoni Metuktire besetzt.
Das ist nicht die einzige indigene Manifestation. Mehr als 25 Familien Xikrin sind auf dem Weg nach Pimental. An diesem Ort ist die Staumauer für das Wasserkraftwerk Belo Monte geplant. Ein weiterer Omnibus mit Indios wird morgen, 23.4., aus Altamira erwartet.

In Belém hatten 200 Demonstranten den Sitz von Elektrobras für eine friedliche Kundgebung gestürmt.

Pressespiegel:

Wirtschaftsblatt.at, 21.4.2010
Megakraftwerk an Norte Energia vergeben - Andritz wartet
Trotz massiver Proteste und nach hartem juristischem Tauziehen hat Brasiliens Regierung den Bau des weltweit drittgrößten Wasserkraftwerkes auf Schiene gebracht.

Der Standard, 21.4.2010
Proteste vergeblich: Mega-Kraftwerk wird gebaut
Brasilien genehmigt Bau des drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt am Xingu-Fluss

Ö1.ORF.at, 21.4.2010
Brasilien: Morde, Vertreibungen, Sklavenarbeit
Jahresbericht der brasilianischen Landlosenpastorale

NZZ, 22.4.2010
Kontroverse um Riesen-Kraftwerk
Die Vergabe des Staudammprojekts Belo Monte in Brasilien ist abgeschlossen
Am Dienstag hat das geplante Wasserkraftwerk von Belo Monte eine weitere Hürde genommen. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber dem Jahrhundertprojekt im Amazonasgebiet.

Die Presse, 22.4.2010
Amazonas: Riesenkraftwerk im Regenwald wird gebaut
„Belo Monte“ wird drittgrößtes Wasserkraftwerk der Erde. Das umstrittene Megaprojekt macht große Umsiedlungen nötig. Nach Wunsch von Staatspräsident Lula da Silva soll es sofort losgehen.

amerika21.de, 23.4.2010
Talsperre Belo Monte soll kommen
Brasiliens Regierung setzt Megastaudamm im Amazonas gegen alle Widerstände durch

Süddeutsche, 24.4.2010
50 000 Menschen verlieren Heimat
Brasilien will drittgrößten Staudamm der Welt bauen

poonal, 27.4.2010
Belo Monte: Kampf gegen Wasserkraftwerk geht weiter
(Fortaleza, 19. April 2010, adital) - Trotz starker Mobilmachung, dem Einlegen von Rechtsmitteln und vielen Kampagnen wurde am 20. April in Brasília eine Auktion durchgeführt, bei der entschieden wurde, welche Firma den Zuschlag für den Bau des Wasserkraftwerks von Belo Monte erhält.

Estadão, 21.4.2010
Moradores protestam na Transamazônica
Manifestantes organizados por entidades ligadas à CNBB não conseguiram parar integralmente o tráfego na principal rodovia da região