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Montag, 10. März 2014

Neue Studie: Große Staudämme unrentabel und ernste Gefahr für die Wirtschaft


Riverwatch, 10.03.2014
Neue Studie: Große Staudämme unwirtschaftlich
Baukosten meist doppelt so hoch wie geplant. Großwasserkraft eine Gefahr für die Wirtschaft v.a. der Schwellen- und Entwicklungsländer

Großwasserkraftwerke machen ökonomisch keinen Sinn. Die Staudammlobby arbeitet häufig mit geschönten Zahlen, um derartige Projekte durchzusetzen. Das sind einige der Ergebnisse einer neuen Studie der Universität Oxford, die heute präsentiert wurde. Aussendung der Universität Oxford.

„Diese Studie ist brisant, ein wichtiger Beitrag, die Wahrheit über den Mythos Wasserkraft ans Licht zu bringen. Staudämme sind keine Lösung – sie schaffen nur Probleme”, so Ulrich Eichelmann. “Staaten und internationale Finanzinstitute wie die Weltbank müssen die Finanzierung großer Dämme stoppen.“

Mehr als vier Jahre lang haben die Wissenschaftler der Universität sämtliche große Wasserkraftwerke analysiert, die zwischen 1934 und 2007 gebaut wurden und für die geeignete Daten vorliegen. 245 Projekte aus 65 Ländern haben sie dabei unter die Lupe genommen, mit Gesamtbaukosten in Höhe von 353 Milliarden US Dollar (auf Basis 2010). Die Ergebnisse sind erstaunlich:
  • Die tatsächlichen Baukosten lagen im Schnitt um mehr als 90 Prozent über den projektieren, d.h. die Kosten waren fast doppelt so hoch wie zuvor angegeben. Je größer das Projekt, desto höher die Kostenüberschreitung. In diesen Kosten sind noch nicht einmal die Folgekosten für Natur und Bewohner (Umsiedlung etc.) eingerechnet. Die reale Kostenüberschreitung liegt also noch deutlich darüber.
  • Die geplante Bauzeit wurde um durchschnittlich 44 Prozent überschritten. Dadurch war die benötigte Energie viel später verfügbar, als versprochen. Im Durchschnitt lag die Bauzeit bei über 8 Jahren.
  • Es fand kein „Lernen“ statt. Bei neueren Projekten wurden die gleichen Fehler gemacht wie bei den alten; die heutigen Budgets sind genauso falsch wie früher. D.h. Projekte wie Ilisu (Türkei), Belo Monte (Brasilien), Xayaburi (Laos) oder Gran Inga (Kongo) sind ebenfalls unwirtschaftlich.
„Die meisten Großwasserkraftwerke sind wirtschaftlich nicht gewinnbringend. Statt des erhofften Profits, gefährden v.a. Schwellenländer ihre fragile Wirtschaft durch den Bau großer Staudämme, zu denen ihnen fälschlicherweise geraten wird”, so die Autoren der Studie.

Um die Kosten sowie die Bauzeit der Megadämme realistischer zu budgetieren, empfehlen sie die Projektkosten jeweils zu verdoppeln und die geplante Bauzeit um zwei Drittel zu verlängern. Dadurch erreiche man eine 80-prozentige Wahrscheinlichkeit, Kosten und Bauzeit korrekt vorherzusagen.

Damit kommen die Wissenschaftler zu ähnlichen Ergebnissen wie die letzte Analyse dieser Art – die der Weltstaudammkommission (World Commission on Dams) im Jahr 2000: Wasserkraftprojekte halten nicht, was sie versprechen.

Dennoch boomt die Wasserkraft wie nie zuvor. Unter dem Deckmantel Klimaschutz und Entwicklung sollen weltweit ca. 5.000 große Staudämme im Bau und in Vorbereitung sein, fast durchwegs ohne Rücksicht auf Natur und die lokale Bevölkerung. Laut Survival International leiden weltweit etwa 750 Millionen Menschen an den Folgen von Staudämmen. Zigtausenden Arten droht das Aussterben. Und nun belegt diese Studie auch noch die wirtschaftliche Unsinnigkeit dieser Projekte. Was bleibt dann noch?

New Internationalist, 1.3.2003
Big Dams, big trouble
Patrick McCully presents the case against the concrete behemoths that cause more misery than they’re worth.

Oregon State University, 06/18/2013
Dam construction to reduce greenhouse gases causes ecosystem disruption
Researchers conclude in a new report that a global push for small hydropower projects, supported by various nations and also the Kyoto Protocol to reduce greenhouse gas emissions, may cause unanticipated and potentially significant losses of habitat and biodiversity.

An underlying assumption that small hydropower systems pose fewer ecological concerns than large dams is not universally valid, scientists said in the report. A five-year study, one of the first of its type, concluded that for certain environmental impacts the cumulative damage caused by small dams is worse than their larger counterparts.

Mittwoch, 7. November 2012

Baubeginn für umstrittenen Mekong-Staudamm mit Andritz-Beteiligung

ORF.at, 5.11.2012
Fruchtbarkeit des Deltas bedroht
Für eines der umstrittensten Bauprojekte in Asien findet am Mittwoch der Spatenstich statt: Trotz der enormen Widerstände von Anrainern und Umweltorganisationen wird in Laos offiziell mit dem Bau des Mekong-Staudamms Xayaburi begonnen. Die Regierung erhofft sich durch das Megaprojekt eine lukrative Einnahmequelle - freilich auf Kosten der Anrainer, die gegen ihren Willen umgesiedelt wurden. Umweltschützer warnen vor unabsehbaren Folgen des Baus: Sie fürchten um die Fruchtbarkeit des gesamten Flussdeltas.

Die Vorarbeiten zu dem rund 800 Meter langen Damm laufen seit Monaten. Hunderte Dorfbewohner wurden schon umgesiedelt. Laos hatte den Baustart wegen Bedenken der Mekong-Anrainer Kambodscha und Vietnam mehrfach verschoben. Sie fürchten um den Fischfang und die Felder am Mekong, die bisher durch regelmäßige Überflutungen höchst fruchtbar waren.

Standard, 5.11.2012
Laos begann mit Bau von umstrittenem Staudamm am Mekong
Hunderte Dorfbewohner bereits umgesiedelt - Umweltorganisationen warnen vor Bedrohung der Ernährungssicherheit von Millionen Menschen

Spiegel, 5.11.2012 (mit Fotogalerie)
Wasserkraftwerk: Laos baut umstrittenen Mekong-Staudamm
Umweltbedenken zählen nicht: Laos wird am Fluss Mekong einen 800 Meter breiten Staudamm errichten. Bauern fürchten um ihre Felder, Fischer um ihren Fang. Laos hingegen hofft auf gute Geschäfte, es will den erzeugten Strom nach Thailand exportieren.

OTS, 7.11.2012
WWF: Andritz AG gefährdet das Leben von 60 Millionen Menschen am Mekong
Xayaburi-Staudamm in Laos: WWF fordert Offenlegung von Minister Berlakovich
Wien, 7.11. 2012 – Heute Mittwoch soll der Spatenstich zum drei Milliarden Euro teuren Xayaburi-Megastaudamm in Laos stattfinden. Das Projekt ist eines der umstrittensten Kraftwerksprojekte der Welt. Auch in diesem Fall ist der österreichische Maschinenbaukonzern Andritz AG in den Kraftwerksbau involviert und will acht Kaplan-Turbinen im Wert von bis zu 300 Millionen Euro liefern. „Damit gefährdet die Andritz AG die Lebensgrundlage von 60 Millionen Menschen in den Mekongländern Südostasiens. Denn die Erträge aus dem Fischfang könnten um bis zu 40 Prozent zurückgehen. „Allein in Kambodscha deckt die Bevölkerung 82 Prozent ihres Proteinbedarfs aus dem Mekong-Fischfang“, warnt WWF-Experte Georg Scattolin. Der WWF fordert Minister Berlakovich nun zu einer Offenlegung des globalen sozialen und ökologischen Schadensregisters der Andritz AG auf.

Wirtschftsblatt, 7.11.2012
Andritz steht wegen Mega-Projekt in Laos am Pranger
Einmal mehr steht der Grazer Technologiekonzern Andritz wegen eines Grossauftrags beim Bau von Wasserkraftwerken im Schussfeld der Kritiker.

Graz. Ob Ilisu in der Türkei, Belo Monte in Brasilien oder nun Xayaburi in Laos: Der Grazer Technologiekonzern Andritz, einer der weltweit drei Topanbieter von elektromechanischer Ausrüstung für Wasserkraftwerke, ist mit einem Grossauftrag dabei. Nach Laos sollen die Grazer für bis zu 300 Millionen Euro liefern. Und wie schon bei Ilisu und Belo Monto gibt es auch im Fall Xayaburi heftige Widerstände gegen das Projekt aus dem weltweit vernetzten Lager der NGO's. So war es zu erwarten, dass Andritz ins Schussfeld der Kritik gerät. Der WWF eröffnete am Mittwoch das Feuer auf den Paradekonzern. Die Erfahrung lehrt, dass auch Greenpeace, die Dreikönigsaktion und ähnliche Organisiationen bald aktiv werden könnten.


FAZ, 11.10.2012
Wenn der Mekong stillsteht
Sechs Dämme will Laos am Mekong bauen. Vietnam und Thailand warnen vor Konflikten um den Zugang zum Wasser. Ein erstes Dorf musste schon vom Ufer der Lebensader Südostasiens weichen.

Geräuschlos fließt das braune Wasser des Mekongs vorbei, es kräuselt und glättet sich und schickt das fahle Morgenlicht in den Himmel zurück. Am Ufer ragen Hügel in die Wolken hinein, dicht mit Dschungel bewachsen. Der Mekong wird in Südostasien die „Mutter aller Flüsse“ genannt. Dabei ist es nicht der Strom, der seine Nebenarme gebiert. Sie sind es, die sich in ihn ergießen und ihn mächtig machen. Sie sorgen auch dafür, dass er nie aufhört zu fließen. So erzählt er von einem Kreislauf aus Ende und Neubeginn; oder, wie die laotischen Buddhisten vielleicht sagen würden, von ständiger Wiedergeburt.

WWF-Thema MEKONG-REGION
Mekong – Asiens Garten Eden in Gefahr
4.300, 5.200, 800.000 – so könnte man den Mekong beschreiben. 4.300 Kilometer legt der Fluss auf seiner Reise von der Quelle auf dem tibetischen Hochplateau bis zum Delta im Chinesischen Meer zurück. 5.200 Höhenmeter bewältigt er dabei. Wegen dieses enormen Höhenunterschiedes heißt er in China „Lancang Jian“, der turbulente Fluss. Rund 800.000 Quadratkilometer ist das Einzugsgebiet des Flusses, und damit mehr als doppelt so groß wie Deutschland.

WWF Global, 6.11.2012
Laos pushes ahead with Mekong dam and risks destroying the region’s lifeblood
Gland, Switzerland – The Lao government’s determination to plow ahead with construction of the controversial US$3.5-billion Xayaburi hydropower dam in northern Laos puts the mighty Mekong River’s spectacular biodiversity, rich fisheries and livelihoods - vital to nearly 60 million people - in grave danger, warns WWF.

Hintergrund:

Mediawatch, 1.4.2010
Staudämme - Abholzung - Klimawandel

Mediawatchblog hatte die Austrocknung des unteren Mekong aufgrund der vielen Staudämme kürzlich schon einmal aufgegriffen. Von den größeren deutschen Zeitungsredaktionen haben (lt. G-News) bisher FR online die Badische Zeitung, die Berliner Morgenpost und aus der Schweiz der NZZ-Blog aus Südostasien das Thema aufgegriffen.
Für die meisten Autoren ist klar, dass die die ökologischen Krisen (Flut in 2008; Dürre in 2010) hauptsächlich durch die chinesischen Staudämme am Oberlauf des etwa 4500 km langen Flusses verursacht werden. Unbestritten ist, dass der Klimawandel zu den Problemen beiträgt. Im NZZ-Südasienblog ist davon die Rede, dass die Temperaturen in der Region derzeit 7 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen.

Donnerstag, 19. April 2012

150 Staudämme an den Nebenflüssen des Amazonas geplant

Der Spiegel, 19.04.2012
Staudämme bedrohen die Amazonas-Region
Südamerika setzt auf Wasserkraft: Mehr als 150 Staudämme sollen in den kommenden Jahren entstehen und Energie liefern. Forscher schlagen Alarm - die Bauprojekte an vielen Amazonas-Zuflüssen gefährden massiv die Umwelt.

Eine Vielzahl geplanter Staudämme an den Amazonas-Zuflüssen in den Anden könnte der Umwelt in bislang unerwartetem Ausmaß schaden, fürchten zwei US-Wissenschaftler. Insgesamt sollen dort in den nächsten 20 Jahren 151 Wasserkraftwerke mit jeweils mindestens zwei Megawatt Leistung gebaut werden. Diese Projekte gefährden sowohl die Vernetzung des Amazonas-Beckens als auch die Regenwaldbestände, berichten die Forscher im Wissenschaftsmagazin "PLoS One". Heute gibt es 48 Staudämme dieser Größe im Amzonas-Einzugsgebiet der Anden.

Research Article, 18.4.2012
Proliferation of Hydroelectric Dams in the Andean Amazon and Implications for Andes-Amazon Connectivity

Montag, 12. Dezember 2011

Bau des Staudamms am Mekong-Fluss verzögert sich

ORF, 11.12.2011
Kein grünes Licht für Xayaburi
Das Tauziehen um den Bau des umstrittenen Xayaburi-Staudamms am Mekong-Fluss in Laos geht weiter: Die Anrainerstaaten Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam einigten sich darauf, noch mehr Umweltstudien in Auftrag zu geben.

Gefährdetes Paradies
208 neue Tierarten haben Wissenschaftler rund um den Mekong nun dokumentiert, darunter den Stupsnasenaffen aus Burma, dessen auffällige Haarlocke die Forscher Vergleiche zum King of Rock-’n’-Roll, Elvis Presley, ziehen ließ. Wie viele andere wird er mit der Entdeckung auch gleich als vom Aussterben bedrohte Art geführt.

Klimarettter.info, 8.12.2011
Xayaburi-Damm bedroht den Mekong
Am Hauptstrom des Mekong im nordöstlichen Laos soll ein riesiges Wasserkraftwerk entstehen - Xayaburi. Umweltschützer warnen vor dem Projekt. Die 1.260-Megawatt-Turbinen sollen ihren Strom vor allem nach Thailand liefern, doch von den ökologischen und sozialen Folgen ist die ganze Region betroffen. In dieser Woche erreicht das diplomatische Tauziehen auf einer Ministerkonferenz im kambodschanischen Siem Reap seinen vorläufigen Höhepunkt.

Klimarettter.info, 9.12.2011
Xayaburi: Vorerst Baustopp am Mekong
Die zuständigen Minister aus Laos, Thailand, Kambodscha und Vietnam konnten am Donnerstag im kambodschanischen Siem Reap keine endgültige Einigung zum Bau des Xayaburi-Staudammes im laotischen Nordosten finden. Gemeinsam schlussfolgerten die Länder, dass "die Notwendigkeit besteht, weitere Studien zur nachhaltigen Entwicklung und dem Management des Mekong sowie zu den Auswirkungen von Staudammprojekten am Hautstrom vorzunehmen".

Dienstag, 25. Oktober 2011

Hochwasser zerstört wichtigen Damm in Thailand


ORF, 25.10.2011
Wasserstand steigt weiter
Alarm für 30.000 Menschen bei Bangkok: Rund 35 Kilometer nördlich der thailändischen Hauptstadt hat das Hochwasser am Dienstag einen wichtigen Damm zerstört. Das Krisenzentrum FROC forderte die Einwohner südlich der gebrochenen Barriere dringend zur Flucht auf. Der Umgebung drohe eine bis zu eineinhalb Meter hohe Flutwelle, sagte der Direktor des Krisenzentrums, Justizminister Pracha Promnok.

„Die Anrainer müssen aus Sicherheitsgründen so schnell wie möglich gehen“, sagte der Minister. Die Armee stehe mit Lastwagen bereit, um den Menschen bei der Flucht zu helfen. Der Sprecher des Krisenzentrums schätzte die Zahl der Betroffenen auf rund 30.000.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Österreich: Stromerzeuger leiden unter Wassermangel

Salzach im Flachgau, die Salzburgs Bergregionen entwässert: Auch hier sind heuer niedrigere Pegel zu beobachten
Salzburg.ORF.at, 10.10.2011
Weniger Wasser: Ein Fünftel weniger Strom
Das Ausbleiben von Schnee im vergangenen Winter und das trockene Frühjahr haben dazu geführt, dass Flüsse und Bäche heuer deutlich weniger Wasser führen. Für die Stromerzeugung hatte das deutlich spürbare negative Folgen.
Vom Wassermangel bei der Stromproduktion ist nicht nur die Salzburg AG betroffen, sondern ebenso die Energie AG Oberösterreich und andere Erzeuger im Ostalpenraum. In Oberösterreich werden die Mindereinnahmen mit rund 20 Millionen Euro beziffert.

Kärnten.ORF.at, 22.8.2011
Wassermangel: KELAG muss Strom zukaufen Die KELAG hat derzeit mit einem Wassermangel zu kämpfen. Daher muss mehr Strom zugekauft werden. Wenig Wasser gibt es vor allem in Unterkärnten.

Industrie-Magazin, 23.8.2011
Niedrigwasser in Kärntens Flüssen: Stromproduktion sackt ab
Der Kärntner Energieversorger Kelag kämpft derzeit mit der sinkenden Wasserführung der heimischen Flüsse. Im Vergleich zum langjährigen Schnitt gab es am Sonntag nur 67 Prozent der üblichen Wassermenge eines 21. Augusts zur Stromerzeugung. "Die Tendenz ist sinkend", sagte Kelag-Vorstandschef Hermann Egger auf APA-Anfrage am Montag. "Der Wassermangel führt zu einer Mindererzeugung von Strom, die sich voll auf unser Ergebnis auswirkt." Derzeit müsse man entsprechend mehr Strom zukaufen, um die Versorgung zu sichern.

Welt-online, 20.3.2009
Wasser kann auch in Deutschland knapp werden
Leere Stauseen, ausgetrocknete Flussbetten und verdorrte Felder. Die Welt steuert auf eine Wasserkrise zu, warnen Experten. Was in der Türkei, Spanien oder Italien zum Teil bereits bittere Realität ist, könnte auch manchen deutschen Regionen drohen. Vor allem der Osten wäre dann von einer stärkeren Trockenheit geplagt.

3sat, 17.3.2008
Wassermangel in Deutschland
Globaler Wandel des Wasserkreislaufs kurz „Glowa Elbe“ - nennt sich ein Projekt, in dem Wissenschaftler verschiedener Universitäten und Institute nach Strategien für eine nachhaltige Wasserwirtschaft forschen. Grund zur Sorge bereitet ein eklatanter Wasserrückgang im Einzugsgebiet der Elbe. Die Forscher befürchten schwerwiegende Konflikte bei der Wasserversorgung in Brandenburg.

Dienstag, 16. August 2011

Drei Nationalparks in Amazonien werden für Wasserkraftwerke verkleinert


In einem beispiellosen Vorgehen hat die Bundesregierung heute die Änderung von drei Naturschutzgebieten beschlossen, um neue große Projekte in der Amazonas-Region zu ermöglichen.

Laut amtlicher Veröffentlichung Nummer 542/2011 haben Präsidentin Dilma Rousseff und der Minister für landwirtschaftliche Entwicklung (Afonso Florenz) und Umwelt (Izabella Teixeira) die Verkleinerung und Abänderung der Schutzbestimmungen für drei Nationalparks in Amazonien unterzeichnet. Während bisher der Umweltschutz vorrangig war, können nun die Gebiete durch Personen (einschließlich Bergbau) genutzt oder für Wasserkraftwerke und Staudämme überflutet werden.

Es handelt sich um
- Parque Nacional da Amazônia in den Bundesstaaten Pará und Amazonas (geschaffen 1974), bisher mit 1.089.436 ha, zukünftig mit 961.320 ha; die Regierung plant hier "nachhaltige Entwicklungsprojekte" am Rio Tapajos.
Dieser Nationalpark zählt zu den ältesten Amazoniens und er wurde erst 2006 erweitert.
- Parque Nacional dos Campos Amazônicos in den Bundesstaaten Amazonas, Rondônia und Mato Grosso, (geschaffen 2006), zukünftig mit ca. de 961.320 ha;
die ausgegrenzten Gebiete sind für den Bergbau und für den Bau des Wasserkraftwerks Tabajara vorgesehen;
- Parque Nacional do Mapinguari im Bundesstaat Amazonas (geschaffen 2008), mit ca. 172.430 ha.
Hier gab es immer wieder Probleme mit illegalen Invasoren und Landspekulanten, die nun allerdings zugunsten der Eindringlinge und für den Bergbau entschieden wurden. Ca. 4.000 Indigene sind davon betroffen.

Lingua Ferina, 15.8.2011
Governo Dilma reduz o tamanho de três parques nacionais por meio de medida provisória

Freitag, 12. August 2011

Philip Fearnside: Wasserkraftwerke belasten das Klima durch Treibhauseffekt

Blickpunkt Lateinamerika, 12.8.2011
Wasserkraftwerke belasten das Klima
Der seit Jahrzehnten in Brasilien arbeitende US-Biologe Philip Fearnside nennt gegen die umstrittenen Wasserkraftwerke ein in der Öffentlichkeit eher unbekanntes Argument: Sie tragen - entgegen ihrem sauberem Image - stark zum Treibhauseffekt bei.

Adital, 10.8.2011
Hidrelétricas construídas em áreas tropicais emitem mais gases de efeito estufa
Entrevista especial com Philip Fearnside
Considerada por muitos ambientalistas como a fonte de energia mais limpa do mundo, a hidrelétrica polui quatro vezes mais do que o estimado, revela estudo realizado pelo Instituto Catalão de Ciências do Clima – IC3 e pelo Instituto Nacional de Pesquisas da Amazônia – Inpa, do Brasil. As usinas construídas em áreas tropicais, como a da floresta amazônica, "são as que mais emitem gases de efeito estufa”, informa Philip Fearnside em entrevista à IHU On-Line concedida por telefone.

Zum Thema Treibhausgas und Kohlendioxyd:
Pflanzen viel produktiver als vermutet
CO2-Aufnahme beträgt bis zu 175 Mrd. Tonnen jährlich
Wald: Kohlenstoff-Zirkulation der Biosphäre unterschätzt (Foto: UFZ/Künzelmann)
Wald: Kohlenstoff-Zirkulation der Biosphäre unterschätzt (Foto: UFZ/Künzelmann)
San Diego/Leipzig (pte004/30.09.2011/06:10)  - Die Gase, die zwischen Atmosphäre, Ozeanen, Pflanzen und Erdboden ausgetauscht werden - allen voran Kohlendioxid (CO2) - gehören zu den Hauptakteuren im Klimageschehen. Die Bilanz dieses "Kohlenstoffkreislaufes" dürfte bisher deutlich unterschätzt worden sein, berichtet ein internationales Forscherteam in der Zeitschrift "Nature". "Alle Pflanzen der Erde nehmen jährlich in Summe wahrscheinlich 150 bis 175 Mrd. Tonnen Kohlendioxid (CO2) auf - nicht 120 Mrd. Tonnen, wie man bisher glaubte", so Studienautorin Lisa Welp von der University of California in San Diego.

Deutsche Welle, 1.9.2011
Concerns about methane plague Brazil's Belo Monte dam
Opponents of Brazil's Belo Monte dam project have another bone to pick: methane emissions.
Hydroelectric dams are the world's most common form of renewable energy. In these times of concern about clean, low emissions sources of power, dams can seem like a fairly sensible option. However, the Belo Monte dam's carbon footprint is much bigger than one might think.

Montag, 1. August 2011

Pläne für weitere Kraftwerke in Amazonien vorgestellt

Nach der Genehmigung des Wasserkraftwerks Belo Monte setzt die brasilianische Regierung ihre Pläne für Amazonien am Rio Tapajos mit dem Programm für beschleunigtes Wachstum PAC-2 fort. Immer deutlicher wird, dass mit dem Bau von Belo Monte der Untergang Amazoniens und die Auslöschung seiner indigenen Kulturen unumgänglich begonnen hat.

Derzeit sind folgende Kraftwerke Amazoniens des PAC-1 im Bau: Belo Monte am Rio Xingu (PA), Santo Antônio und Jirau am Rio Madeira (RO), Teles Pires am Rio Teles Pires (MT). Gemeinsam werden sie 25.600 MW Strom produzieren.

Am Rio Tapajos sind folgende vier Kraftwerke geplant: São Luiz am Tapajós, Jatobá, Jardim do Ouro und Chacorão


Correio do Brasil, 27/7/2011
Depois de Belo Monte, a vez do complexo Tapajós na Amazônia
É animador que, desatados os nós que entravavam o início das obras da Usina de Belo Monte, o governo já se concentre no setor elétrico na construção de quatro hidrelétricas projetadas para o rio Tapajós (Amazonas/Pará).

Folha, 26.7.2011
Governo dá início a plano para novo complexo elétrico
Depois de Belo Monte, as fichas do governo federal no setor elétrico estão nas quatro usinas do complexo do rio Tapajós, que vai do Amazonas até o Pará. O projeto foi declarado como estratégico, de interesse público, estruturante e prioritário para efeito de licitação e implantação, o que dá facilidades ao empreendimento.

Telma Monteiro, 29.7.2011
PAC das hidrelétricas

PAC2-Energia: PREVISÃO PRELIMINAR DE INVESTIMENTO (PDF)

Outros Relatórios do PAC-2

Freitag, 13. Mai 2011

Staudammprojekt Hydro-Aysén in Patagonien sorgt für Unmut

Weltweit steigt der Bedarf an Energie, während die Ressourcen schrumpfen. Dafür werden immer größere Naturzerstörungen in Kauf genommen. In Chile sorgt nun das Wasserkraftwerksprojekt Hydro-Aysén im naturbelassenen Patagonien für Unmut.

Süddeutsche, 12.05.2011
Umstrittene Zähmung der Flüsse Patagoniens
Umweltschützer protestieren gegen gewaltiges Staudammprojekt, Regierung und Konzerne verteidigen den Plan

Buenos Aires - Der Kampf um Chiles Süden tobte schon, bevor nun zunächst die Technik gegen die Natur gewann. Die Betreiber der geplanten Wasserkraftwerke an patagonischen Flüssen werben seit Jahren für vermeintlich saubere Energie, die das schmale Land unabhängiger machen und den Klimawandel bremsen soll. Hidroaysén nennt sich ihr Projekt, denn es würde in der Gegend von Aysén entstehen. Die Widersacher dagegen warnen vor Fluten und Stromleitungen in einigen der schönsten und am wenigsten berührten Regionen der südamerikanischen Republik. 'Ein verfehltes Wirtschaftsmodell', klagt die Initiative 'Patagonien ohne Staudämme'. Jetzt hat sich die Regierung für Hidroaysén entschieden. Und womöglich die Mehrheit der Wähler gegen sich aufgebracht.

Am Montag billigte eine Prüfungskommission in der Stadt Coyhaique mit 11:1 Stimmen den gigantischen Entwurf. Fünf Anlagen sollen demnach bis 2025 die wilden Ströme Baker und Pascua stauen und 2750 Megawatt produzieren. Mindestens 3,2 Milliarden Dollar wird das kosten. Gut für Chile, findet Innenminister Rodrigo Hinzpeter. Schlecht für Chile, meinen die Kritiker. Dazu gehören Umweltschützer wie Greenpeace und Terram, deren Direktorin Flavia Liberona von einer politischen Lobby spricht. Dazu zählen auch so unterschiedliche Leute wie der US-Ökologe Douglas Tompkins, der in Patagonien gewaltige Ländereien zu Nationalparks verwandelt, der rechte Senator Antonio Horvath und sogar Vertreter von Lachsfarmen. Laut einer Umfrage sind 61 Prozent der Chilenen gegen Hydroaysén und würden den steigenden Strombedarf lieber anders decken. Seit dem Entschluss folgt ein Protest dem nächsten.

Seit Wochenbeginn demonstrieren Gegner in mehreren Städten, in Santiago de Chile und Valparaíso wurden mehrere Aktivisten verhaftet. Der Zugriff der Polizei erinnerte dabei in Ansätzen an die düsteren Zeiten der chilenischen Diktatur, ein Gericht erklärte die Festnahmen für illegal.

Chile könne nicht darauf warten, bis Sonne und Wind ausreichend nutzbar seien, verkündete der Energieminister Laurence Golborne, der bei der Rettung der verschütteten Kumpel im vergangenen Jahr weltbekannt und populär geworden war. Hidroaysén steigere 'die Versorgungssicherheit des Landes', versichert der spanische Konzern Endesa, der zu 51Prozent daran beteiligt ist. Die Rivalen hoffen auf ein Machtwort des konservativen Präsidenten Sebastián Pinera, der sich jedoch bisher zurückhält und seinen Innenminister Hinzpeter versichern lässt, dass Hidroaysén 'Patagonien nicht ruiniert'. Der Christdemokrat Patricio Vallespín dagegen ahnt, welchem Fortschritt die Bauten vor allem dienen würde: 70 Prozent des Stroms in Chile verbrauchten Bergbaufirmen, Stahlkonzerne und Zementfabriken - 'für die ist das Projekt, und nicht für ganz Chile.'

Badische Zeitung, 13.5.2011
Protest gegen Staudämme
Bau in Naturschutzgebiet in Chile genehmigt / Gegner kündigen juristischen Kleinkrieg an.

Womblog, 11.5.2011
Chile: Ausschreitungen nach „Ja“ für Mega-Staudammprojekt

Die Presse, 10.05.2011
Patagonien: Staudamm-Projekt bedroht Naturschutzgebiet
Die regionale Umweltkommission genehmigte den Bau von fünf Staudämmen in der Region Aysén. Umweltschützer laufen Sturm gegen die Pläne.

CNN-Chile, 12.5.2011
61% de la población apoya la campaña de Patagonia Sin Represas
También sepa qué opinan los expertos sobre el megaproyecto de Hidroaysén.

Globo-Video, 10.5.2011
Chile: protesto contra construção de hidrelétrica termina em confronto
Segundo os ativistas, a usina vai inundar milhares de árvores e vales inteiros da Patagônia. Passeata bloqueou ruas em Santiago.

Dienstag, 1. März 2011

Staudämme in der Türkei: Export-Tomaten wichtiger als historische Stätten

BR-Online, 1.3.2011
Staudämme in der Türkei: Tomaten schlagen Quellnymphen
Lebewohl, Allinaoi: Die Schleusen des Yortanli-Staudamms sind geschlossen, das Wasser hat das antike Städtchen überflutet. Damit endet die Auseinandersetzung zwischen türkischen Behörden und Kulturschützern wie immer: Wirtschaftliche Entwicklung ist in der Türkei wichtiger als der Schutz von Umwelt und Kulturgütern.

Auf die Beteiligung der Andritz AG am Ilisu-Projekt wird im BR-Beitrag nicht eingegangen.

Hintergrund:

BR-Online
Steit ums Wasser: Ilisu-Staudammprojekt im Garten Eden
Das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris - biblisches Paradies, dem der Hahn zugedreht wird: Im Süden der Türkei türmen sich gewaltige Staudämme. Ein Dorn im Auge der Nachbarn Syrien und Irak - und Zündstoff in einer Krisenregion. Jetzt steht das Staudamm-Projekt auf der Kippe.

Durstiger Planet: Machbarkeit und Macht

Gigantische Dämme stoppen Flüsse und fluten Täler, kilometerlange Kanäle begrünen die Wüsten: Wasser sammeln, lenken, seinen Lauf über die Erde verändern - die Faszination an der technischen Machbarkeit zeigt sich weltweit in Bauten aus Stahl und Beton. Und führt oft zu heftigen Konflikten.

Montag, 1. November 2010

Ilisu-Staudamm: Wohnungen für 300 Menschen fertig

Deutschlandfunk, 29.10.2010 (mit Audio-Beitrag)
Das mangelhafte Musterdorf
Erste Umsiedlung am Ilisu-Staudamm
Am Tigris werden rund 50.000 Menschen umgesiedelt. Der Grund ist der Bau des Ilisu-Staudamms. Die ersten 300 Bewohner haben einen Blick auf ihre künftiges Zuhause geworfen. Doch Neu-Ilisu wird nicht all ihren Bedürfnisse gerecht.

ORF.at, 30.10.2010
Über 100 Dörfer werden geflutet
Die internationalen Proteste gegen das riesige Staudammprojekt Ilisu in Südostanatolien laufen seit Jahren. Genützt haben sie nicht. Am Sonntag übergibt der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Häuser eines neu errichteten Dorfes. Dorthin sollen die Bewohner der Ortschaft Ilisu, die für den Staudamm am Tigris Namensgeber war und die im Stausee versinken wird, ziehen.
Damit beginnt eine großangelegte Umsiedelungsaktion Zehntausender Menschen, die einer der Kritikpunkte an dem Staudamm ist. Auch für die Einwohner anderer Dörfer in der Umgebung werden in den kommenden Monaten neue Häuser errichtet. Insgesamt werden mehr als hundert Dörfer vom Stausee überflutet.

Haben die Menschen des Dorfes Ilisu bisher in Hütten aus Lehm gemeinsam mit ihrem Vieh gewohnt, stellt ihnen die Regierung nun größere Häuser mit Kanalisation und fließendem Wasser zur Verfügung. Ausreichend Ställe für die Tiere und neue Anbauflächen fehlen offenbar.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Studien zu Huchen und Murkraftwerken

ORF-Steiermark, 28.10.2010
Huchen könnte Kraftwerk Graz zu Fall bringen
Die Huchen-Population in der Mur könnte den Bau des geplanten Wasserkraftwerkes Graz-Puntigam zu Fall bringen: Eine Studie stellte fest, dass die Mur einer der letzten großen Lebensräume des gefährdeten Fisches ist.
Der Huchen benötigt fließendes Wasser für sein Überleben. Wird die Mur aufgestaut, können sich die Tiere nicht mehr fortpflanzen.

Kleine Zeitung, 28.10.2010
Neuer Streit um Fische in Grazer Mur
Studie prophezeit ein Aussterben des geschützten Huchen, sollte Graz ein Murkraftwerk bekommen. Ein Gutachten der Projektwerber widerspricht der Studie.
Die Huchen-Population in der Mur könnte den Bau des geplanten Wasserkraftwerkes Graz-Puntigam nun doch zu Fall bringen
Es ist wieder einmal der berühmt-berüchtigte Huchen, der den Gegnern des Kraftwerksprojekts an der Grazer Mur neue Munition liefert. Seit Monaten schwelt ein Streit darüber, ob die geplante Staustufe in Puntigam den strömungsliebenden und unter EU-Schutz stehenden Fisch im Raum Graz aussterben lassen würde. Jetzt liefert eine fischökologische Untersuchung, die genau diesen Schluss nahelegt, neuen Zündstoff.
Bei der Energie Steiermark kommentiert man die Uneinigkeit der Experten gelassen. Um das zu klären, gebe es ja ein laufendes Genehmigungsverfahren.

Standard, 28. Oktober 2010
Huchen in der Mur eine autochthone Art
Experte: Population wird mit dem geplanten Kraftwerk "mit ziemlicher Sicherheit aussterben"

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Geologen warnen vor Auswirkungen des Dreischluchtenstaudamms

ORF.at, 27.10.2010
Wasser bei 175-Meter-Marke
Seit 2008 wird das Reservoir des riesigen Dreischluchtenstaudamms in China mit Wasser gefüllt. Am Dienstag war es so weit: Mit einem Wasserstand bei der 175-Meter-Marke erreichte der Pegel seinen Höchststand. Damit soll nun das umstrittene Wasserkraftwerk bei der Stromgewinnung voll genützt werden können. Gleichzeitig nehmen die kritischen Stimmen aber zu. Geologen befürchten Erdrutsche durch den verstärkten Druck im Reservoir und warnen vor katastrophalen Folgen durch Erdbeben.

SPIEGEL ONLINE - 02.08.2010
Müllmassen drohen Drei-Schluchten-Staudamm zu verstopfen
Neue Gefahr für Chinas Drei-Schluchten-Staudamm: Auf dem Jangtse treiben gewaltige Müllmassen, die die Schleusen der Talsperre verstopfen könnten. Millionen Menschen werfen den Abfall in den Fluss - und die Behörden werden der riesigen Mengen nicht Herr.

Dienstag, 10. August 2010

Belo Monte: Betroffene von Staudämmen und indigene Völker Brasiliens planen weitere Protestaktionen


Die Artikulation der indigenen Völker Brasiliens (APIB) veranstaltet jedes Jahr das nationale Treffen Terra Livre, um Angelegenheiten der Indios wie Landkonflikte, Gewaltopfer oder negative Auswirkungen der Großprojekte des Programms für beschleunigtes Wachstum (PAC) gemeinsam zu erörtern. Vorrangig sind die Anstrengungen zur Verhinderung des geplanten Kraftwerks von Belo Monte am Xingu-Fluss. Terra Livre 2010 wird von 16.-20. August in Campo Grande, Mato Grosso do Sul, stattfinden.

Zur Vorbereitung lud die Koordination der Indigenen Organisationen vom brasilianischen Amazonien (COIAB) alle indigenen Vertreter vom 9.-12.8.2010 nach Altamira-Pará zu einem Treffen ein, um gemeinsame Strategien gegen den Bau des Wasserkraftwerks Belo Monte zu erörtern.

Fotogaleria A Critica: Bauarbeiten am Kraftwerk Jirau

Erschütternd sind die Erfahrungsberichte auf Amazônia beim Bau der Kraftwerke von Jirau und Santo Antônio am Rio Madeiras. Jaci Paraná war ein kleines Fischerdorf ca. 100 km von Porto Velho entfernt. Als 2008 mit den Baustellen begonnen wurde, kamen fast 10.000 Arbeiter. Doch auch Tausende von jungen Frauen aus ganz Brasilien zogen dort hin, um ihr Glück zu versuchen. Nach zwei Jahren ist die momentan größte Baustelle Brasiliens und Aushängeschild für das Programm für beschleunigtes Wachstum (PAC) ein Zentrum für Prostitution und Kriminalität unvorstellbaren Ausmaßes und ein Umschlagplatz für den Drogenhandel geworden. Die Mädchen werden zum Teil wie Sklaven gehalten, den Arbeitern wird das Geld gleich vom Lohn abgezogen. Die Polizei ist machtlos, die Sozial- und Jugendeinrichtungen hilflos.

Ungeachtet der Bedenken der Betroffenen und der nationalen und internationalen Proteste schreiten die Genehmigungsverfahren für Belo Monte voran. Ende Juli genehmigte die Nationale Energieagentur Aneel die Betreibergesellschaft Norte Energia S.A., die nun für die Vergabe der Aufträge, die Durchführung der Bauleistungen und den Betrieb des Kraftwerks verantwortlich ist. Die Beteiligung des privaten Tiefbausektors am Projekt ist weiterhin offen. Leichter tat man sich mit der Vergabe des technischen Bereichs wie Turbinen. Laut Folha vom 30.7. entschied die brasilianische Regierung zugunsten des europäischen Konsortiums bestehend aus Alstom, Andritz und Voith Siemens. Bis das Gesamtprojekt
genehmigt wird, dürften laut Andritz-CEO Leitner allerdings noch Monate vergehen.

Derzeit wird in Zusammenarbeit mit ca. 40 Bundes- und Landesbehörden der Plan für nachhaltige Entwicklung der Region am Xingu erstellt, der bis 31. August Präsident Luiz Inácio Lula da Silva vorgelegt werden muss. Für diesen regionalen Entwicklungsplan stehen R$ 500 Mio zur Verfügung.

Laut offizieller Homepage von Altamira sind – nach 30 Jahren besonderer Entwicklungspläne für diese Besiedelungsregion – die sanitären Zustände dort noch sehr rückständig. Nur 1,87 % der Bevölkerung von 75.000 Menschen sind an das Abwassernetz angeschlossen. 30 % der Bewohner verfügen über eine „bessere Senkgrube“ und 57 % über eine „kümmerliche“. 8 % haben weder Bad noch Toilette. Die Transamazônica-Straße ist seit ihrem Baubeginn vor mehr als 40 Jahren eine Staub- und Schlammpiste geblieben, Überfälle auf Reisebusse gehören zur Tagesordnung. Sie soll nun – zum wiederholten Mal – asphaltiert werden.


Quellen:

Cimi Info 923, 22.7.2010
Vorbereitungen für Terra Livre 2010 angelaufen

kathweb, 09.08.2010
Brasilien: Protestcamp gegen Megastaudamm am Xingu-Fluss
Am "Internationalen Tag der indigenen Völker" (9. August) sind rund 500 indianische Abgesandte mehrerer Amazonasvölker am Flussufer in Altamira im Bundesstaat Para zusammengetroffen, um u. a. darüber zu beraten, wie sie den umstrittenen Bau des Belo-Monte-Wasserkraftwerks noch abwenden können, berichtete die "Gesellschaft für bedrohte Völker" (GfbV) am Montag in einer Aussendung.

Dreikönigsaktion
Belo Monte/Andritz AG: Profit darf keine Existenzen zerstören
Jubelstimmung an der Wiener Börse – Kampfschreie am Xingu: Der Aktienkurs der Andritz AG befindet sich im Höhenflug - unter anderem auch deshalb, weil der österreichische Konzern voraussichtlich einen Milliarden-Auftrag für ein Megastaudammprojekt im Amazonasgebiet an Land ziehen wird. Die Menschen vor Ort leisten verzweifelt Widerstand – Tausende fürchten um ihre Existenz.

Börse-Express, 9.8.2010
Andritz-CEO Leitner: 'Haben bislang keinen Zuschlag für Belo Monte erhalten'
'Dürfte noch Monate bis zur Entscheidung dauern'

Der Standard, 9.8.2010
Andritz baut Ergebnis aus
Der Riesen-Auftrag für Lieferungen an das umstrittene Kraftwerk Ilisu steht in den Büchern, schon lockt ein weiteres Großprojekt in Brasilien

ORF.at, 9.8.2010
Andritz liegt gut auf Kurs
Der börsenotierte Anlagenbauer Andritz AG hat im ersten Halbjahr 2010 sämtliche Prognosen übertroffen: So stieg etwa das Konzern-Ergebnis um 107 Prozent auf 67,3 Mio. Euro - erwartet wurde ein Anstieg um 78 Prozent.

Hintergrundinformation von Survival International
Staudämme am Madeira Fluss

Archiv: Frankfurter Rundschau, 30.12.2008
Das Madeira-Projekt
An einem Zufluss des Amazonas entstehen riesige Kraftwerke. Mit der Fischerei ist aber Schluss.

Amazônia, 2.8.2010
Prostituição ‘explode’ na maior vitrine do PAC
Entenda como o maior canteiro de obras do Brasil atraiu garotas de programa de todo o País para RO

Agência Brasil, 9.8.2010
Governo monta plano sustentável para região de Belo Monte
A região de integração do Xingu, que abrange dez municípios do Pará, onde será construída a Usina Hidrelétrica de Belo Monte, terá um plano de desenvolvimento sustentável, que vai incluir ações na área de regularização fundiária, licenciamento ambiental, capacitação da população local, ampliação de escolas e universidades públicas, universalização do acesso à energia elétrica e melhoria dos transportes rodoviário e hidroviário.

Site Oficial de Altamira
Infra-estrutura: Esgotamento Sanitário

Große Staudämme bedrohen indigene Völker durch Zwangsumsiedlungen

Die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtete anlässlich des Internationalen Tags der indigenen Völker in einer Presseaussendung zum Thmea „Raubbau an der Natur gefährdet Überleben indigener Völker weltweit“. Dazu gibt es auch ein umfassendes Memorandum.

Ö1 Mittagsjournal, 9.8.2010
Rohstoff-Nachfrage: Indigene Völker in Gefahr
Großprojekte führen zu zwangsweisen Umsiedelungen
Geschätzte 350 Millionen Menschen weltweit zählen zu den Indigenen. Wie zum Beispiel Buschleute, Aborigines oder Inuit. Die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen hat massive negative Auswirkungen auf die Lebensweise der Ureinwohner. Der Internationale Tag soll an ihre Rechte erinnern, die sehr häufig beschnitten werden.

Anlässlich des UN-Tages der indigenen Völker hat Survival International einen neuen Bericht veröffentlicht, welcher die verheerenden Auswirkungen großer Staudammprojekte auf indigene Völker hervorhebt. Auch deutsche und österreichische Unternehmen sind an dem Bau einiger dieser Dämme beteiligt.
PDF-Bericht: Boom für „Grüne“ Energie zerstört indigene Völker

Regenwald.org fordert seit 30.7. in einer Online-Protestaktion:
Keine europäische Beteiligung an Mega-Staudamm im Amazons

drs.ch, 9.8.2010 (mit vielen Links)
Indigene Völker: Bedroht und unterdrückt
Am 9. August begeht die Uno jeweils den Internationalen Tag der indigenen Völker, der an die Situation der Urvölker erinnern soll. Es gibt weltweit rund 5000 verschiedene davon, meist sind es kleine Minderheiten.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Weltweit mussten bereits 80 Mio Menschen Staudämmen weichen

Sechsteiliger Artikel auf FOCUS, 12.5.2010

Belo Monte
Staudamm der Superlative
Zigtausende Menschen würden durch dieses Projekt ihre Heimat verlieren und noch mehr Tiere ihr Leben. Dennoch treibt die brasilianische Regierung den umstrittenen Dammbau Belo Monte voran.

Schäden werden in Kauf genommen
... Derzeit sind 45 000 Großstaudämme – also solche mit mehr als 15 Meter Höhe oder über drei Millionen Kubikmeter Speichervolumen – in Betrieb. Weitere 1700 befinden sich in Bau. Schätzungen der Internationalen Kommission für Staudämme (WCD) zufolge mussten in den letzten Jahrzehnten bis zu achtzig Millionen Menschen riesigen Stauseen weichen, meist ohne angemessene Entschädigung ...

Donnerstag, 21. Januar 2010

Drei-Schluchten-Staudamm wird zur Kloake

ORF.at, 21.1.2010
Katastrophale Wasserqualität
Die Bewohner um den gigantischen Dreischluchtendamm in China kommen nicht zur Ruhe. Nach Zwangsumsiedlungen von mehr als einer Million Menschen sollen nun weitere 300.000 aus der unmittelbaren Umgebung des Stausees abgesiedelt werden. Grund für den Erlass ist die katastrophale Wasserqualität des Jangtse. Industrieabwässer der Millionenmetropole Chongqing und Zehntausende Hektar überschwemmte und verfaulende Felder verwandelten den Stausee innerhalb weniger Jahre in eine giftige Kloake.


WELT-Online, 18.11.2009
China
Katastrophenalarm am Jangtse-Stausee
Eigentlich hätte der Drei-Schluchten-Staudamm in diesem Monat seine volle Kapazität ausschöpfen sollen. Doch jetzt haben Experten bei der Inspektion fast 700 kritische Stellen entdeckt. Das chinesische Mammutprojekt bedroht umliegende Städte – Erosion und Instabilität erhöhen das Risiko von Erdrutschen.