Mittwoch, 22. Mai 2019

Bischof Erwin Kräutler auf dem Innsbrucker Diözesantag



Tiroler Tageszeitung, 22.5.2019
Wo Kirche heute noch Platz hat
Beim Diözesantag wurde über die Rolle von Religionen in der Gesellschaft diskutiert.

Innsbruck – Alles überholt, verstaubt und obendrauf kein Wille zu Reformen. Solches und Ähnliches hat sich die Kirche, allen voran die katholische, in der jüngeren Vergangenheit immer wieder anhören müssen. Hat Religion, wenn sie organisiert und institutionalisiert ist, keinen Platz mehr in der Gesellschaft? Wo können und dürfen sich Priester und Laien einbringen? Über diese Fragen wurde gestern beim Diözesantag und Dies facultatis der Theologie der Uni Innsbruck diskutiert.

Prominentester Redner war Bischof Erwin Kräutler, der für sein Engagement für die Indios im Amazonasgebiet in Brasilien mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden ist. Dem gebürtigen Vorarlberger war es wichtig zu betonen, dass nicht die geweihten Würdenträger, sondern allen voran alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft eine Kirche ausmachen. „Dort, in den Basisgemeinden, lebt sie“, sagt Kräutler. Ebenso wichtig sei es zu verstehen, „dass wir als Kirche wissen, dass wir zusammengehören“. Und schließlich könnten nur Reformen die Menschen wieder an die Institution heranführen. So müsse etwa „die Stellung der Frau in der Kirche überdacht werden. Warum soll es keine Diakoninnen geben dürfen?“, fragte sich der Bischof.

Während sich der deutsche Theologe Ansgar Kreutzer in seinen Ausführungen damit beschäftigte, ob Religionen und die Kirche auch politisch sein und sich einbringen dürfen, erläuterte Christine Baur, Juristin und ehemalige Soziallandesrätin für die Grünen, ihre Gedanken zur Verbindung zwischen Glaube und politischer Arbeit.

Innsbrucks Bischof Hermann Glettler befand, dass „die Kirche sympathische und unaufdringliche Präsenz“ zeigen und bei den wichtigen Themen „kritisch intervenieren“ solle. Er plädierte für eine Rückkehr der Religionen in den öffentlichen Raum, da es das Denken der Menschen wieder mehr auf das „worauf hin und wovon her“ des Lebens bringe. Nicht außer Acht zu lassen, befand Glettler, seien in der Diskussion die wichtigen Funktionen, welche die Kirche in der Gesellschaft bereits erfülle. „Sie ist die größte Kulturerhalterin des Landes Tirol mit den vielen Kirchen und Kunstschätzen. Das soziale Engagement, der Einsatz für die Schwächsten, gehört seit jeher zum Herzschlag der Kirche.“ Die Institution müsse wieder mehr „vom Reden ins Tun“ kommen, die „Begegnung mit Gott ermöglichen, aber keine Propaganda betreiben“. (bfk)


Kathpress, 22.5.2019
Glettler: Kirche muss bei wichtigen Themen "intervenieren"
Die Kirche hat die Aufgabe, "sympathische und unaufdringliche" Präsenz zu zeigen und bei den wichtigen Themen "kritisch zu intervenieren". Das betonte Bischof Hermann Glettler beim diesjährigen Innsbrucker Diözesantag, gleichzeitig "Dies facultatis" an der Theologischen Fakultät Innsbruck. Er plädierte am Dienstag für eine Rückkehr der Religionen in den öffentlichen Raum, "weil Religion etwas Wesentliches unseres Menschseins meint, eine Grundausrichtung unseres Lebens auf ein Woher und Woraufhin, weshalb sie nichts in der folkloristischen Dekorkiste zu suchen hat". Religion biete dem Individuum eine Gewissheit von Zugehörigkeit, die sich positiv auf das gesellschaftliche Gefüge auswirke, so der Bischof.

Weniger erfreulich sei die Rückkehr von Religion allerdings unter dem Gesichtspunkt, dass "institutionalisierte Religionen auch in missbräuchlicher Weise Macht ausüben können". Besonders verquickt mit staatlicher Macht hält der Bischof Religion für gefährdet, ihre eigentliche Sendung zu verlieren. "In jedem Fall sind religiöse Erscheinungsformen individueller und wesentlich pluraler geworden, vielfach losgelöst von institutionellen Strukturen."

Nicht außer Acht zu lassen sind laut Glettler die wichtigen Funktionen, die die Kirche in der Gesellschaft bereits erfülle. "Sie ist die größte Kulturerhalterin des Landes Tirol mit den vielen Kirchen und Kunstschätzen. Das soziale Engagement, der Einsatz für die Schwächsten, gehört seit jeher zum Herzschlag der Kirche", so Glettler. Die Institution müsse wieder mehr "vom Reden ins Tun" kommen, die "Begegnung mit Gott ermöglichen, aber keine Propaganda betreiben".

Kräutler: "Wir tun so, als wären wir die letzten"

Neben Bischof Glettler nahm auch der brasilianisch-österreichische Altbischof von Altamira-Xingu, Erwin Kräutler, an der Veranstaltung unter dem Titel "Religion im öffentlichen Raum" teil. "Wir tun so, als wären wir die letzten", machte er dabei auf die dramatischen Folgen der Abholzung des Regenwaldes aufmerksam. In seinem Vortrag erinnerte er sich an den Beginn seiner Tätigkeit in Amazonien und das damals noch vollkommen intakte Ökosystem. Heute sei das Gebiet weitgehend nicht wiederzuerkennen. Die unmittelbaren Auswirkungen der Klimaerwärmung seien in Brasilien deutlich spürbar. "Die Temperaturen sind so angestiegen, dass es bereits jetzt im Freien oft nicht mehr auszuhalten ist", berichtete Kräutler.

In leidenschaftlichen Worten verurteilte er ökologische Ignoranz. "Jene, die heute politisch verantwortlich sind, werden die Folgen ihrer Untätigkeit nicht mehr erleben." Deutliche Kritik übte der Bischof an der aktuellen politischen Führung in Brasilien unter Präsident Jair Bolsonaro. Unverhohlen agiere dieser gegen die in der Verfassung verankerten Rechte der indigenen Bevölkerung, indem er versuche, deren angestammtes Land wegzunehmen. "Aber wir kämpfen", so der Bischof.

Ausführlich legte Kräutler auch Vorschläge zur Erneuerung der Kirche vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen in Brasilien dar, wo er 54 Jahre lang als Priester und 38 Jahre lang als Bischof tätig war. Er ging dabei auf die kirchlichen Basisgemeinden ein, die "völlig zu Unrecht als marxistisch verpönt" gewesen, aber durch ihr stark mystisches Glaubenszeugnis zu Keimzellen der Erneuerung der Kirche geworden seien.

Zu wenige Priester für Eucharistie

"Was uns aber fehlt und worauf wir pochen, ist die Eucharistie, das Zentrum unseres Glaubens." Aufgrund der geringen Zahl an Priestern könnten diese aber nur bis zu drei Mal im Jahr Eucharistie feiern. "Die Priester kommen für ein paar Stunden, dann sind sie wieder weg, das ist schrecklich", so der Bischof. Bei den evangelikalen Gemeinden sei das anders. "Die Pastoren sind da, unsere Priester kommen und gehen." Für ihn mit ein Grund für den Zulauf, den evangelikale Gemeinden haben.

Veränderungen wünscht sich Bischof Kräutler auch im Blick auf die Zugangsmöglichkeiten von Frauen zum Amt in der Kirche: "Warum kann eine Frau nicht Diakonin werden? Warum können sie nicht die Krankensalbung spenden?" Mit Blick auf die kommende Amazonas-Synode im Herbst in Rom appellierte Bischof Kräutler an die Teilnehmer: "Beten wir, dass die Synode Wunder wirkt. Es ist an der Zeit!"

Mehr als 150 in Wissenschaft und Seelsorge Tätige fanden sich am Dienstag beim "Dies facultatis" der Theologie der Universität Innsbruck und beim Diözesantag zusammen und gingen u.a. den Fragen "Hat Religion, wenn sie organisiert und institutionalisiert ist, keinen Platz mehr in der Gesellschaft?" oder "Wo könne und dürfen sich Priester und Laien einbringen?" nach.

Samstag, 18. Mai 2019

Proteste in Brasilien gegen Bolsonaros Bildungspolitik


amerika21, 16.5.2019
Bildungsproteste in Brasilien gegen Bolsonaros Sparpolitik
In 170 Städten in ganz Brasilien haben sich am gestrigen Mittwoch mehrere Millionen Menschen dem ersten Generalstreik des Bildungssektors angeschlossen. Sie protestierten gegen die geplanten Kürzungen von 30 Prozent der Verwaltungskosten im Bildungsbereich. Diese treffen Institutionen der frühkindlichen Erziehung bis hin zu Universitäten. Landesweit folgten Professoren, Studenten, Lehrer des Primar- und Sekundarbereichs, Angestellte von Bildungseinrichtungen und Schüler dem Aufruf der Gewerkschaften.

Deutsche Welle, 16.5.2019
Brasilianer fordern Recht auf Bildung
Präsident Bolsonaro will im Bildungsbereich massiv kürzen. Aus Unmut darüber gingen viele Brasilianer auf die Straße. Universitäten und Schulen schlossen, damit Studenten und Schüler an den Protesten teilnehmen konnten.

taz, 16.5.2019
Großdemos für Bildung in Brasilien
Eine Masse „nützlicher Idioten“
Tausende protestieren in Brasilien gegen Kürzungen im Bildungsbereich. Der rechte Präsident Bolsonaro betreibt offenbar einen Kulturkampf.

NZZ, 17.5.2019
Proteste gegen Bolsonaros Bildungspolitik
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro macht die Vorgängerregierungen für die Sparmassnahmen verantwortlich. Die Demonstranten bezeichnete er als «nützliche Idioten».

Blickpunkt Latienamerika, 05.06.2019
Zahlreiche Ex-Minister stellen sich gegen Jair Bolsonaro
Nachdem sich im vergangenen Monat bereits acht ehemalige Umweltminister gegen den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gestellt haben, bekommt der Politiker nun noch mehr Gegenwind. Am Dienstag, 4. Juni 2019, äußerten sich sowohl elf Ex-Justizminister als auch sechs Ex-Bildungsminister gegen den eingeschlagenen politischen Kurs Bolsonaros. Dabei stellen sich die Justizminister in ihrem öffentlichen Brief vor allem gegen ein Dekret, mit dem Bolsonaro den Kauf von Waffen erleichtert. Sie beschreiben dies in ihrem öffentlichen Brief als einen Rückschritt im Kampf gegen die Gewalt in Brasilien. Diese spielt seit Jahren vor allem in den Favelas eine bedeutende Rolle. Sie bezeichnen das Dekret als unverantwortlich und befürchten noch mehr Gewalt in dem südamerikanischen Land.

Freitag, 17. Mai 2019

Raoni wirbt in Europa für Schutz des Regenwaldes



Amazonas Portal, 14.5.2019
Raoni ruft in Europa zum Schutz des Regenwaldes und der Indios Amazoniens auf

Einmal mehr ist der wohl berühmteste Ureinwohner Brasiliens, Raoni Metuktire, unterwegs auf einer Europa-Reise. Aufmerksam machen will er dabei auf die zunehmenden Bedrohungen, denen der Amazonas-Regenwald derzeit ausgesetzt ist. Ziel der Reise ist es ebenso, Finanzhilfen für den Schutz des Indio-Territoriums Xingu zu sammeln.

Bereits am Sonntag (12.5.) ist Raoni in Paris angekommen, um sich mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu treffen. Auf seiner Liste der Gesprächspartner soll ebenso der Pabst stehen. Geplant sind darüber hinaus Treffen mit Ministern und anderen Autoritäten in Belgien, Luxemburg, Italien, Monaco und der Schweiz.

Die Europa-Reise des 89-Jährigen findet zu einem Zeitpunkt statt, der in Brasilien von steigenden Spannungen und Druck auf den Amazonas-Regenwald seitens der Agro-Industrie, des Bergbaus und der Holzausbbeute geprägt ist. Ihre Vertreter haben in Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro einen Unterstützer gefunden.

Bolsonaro befürwortet die wirtschaftliche Ausbeutung Amazoniens. Dazu gehört auch der Abbau von Mineralien und Edelsteinen in Schutzgebieten und Indio-Territorien. Gleichzeitig spricht er sich gegen die Ausweisung weiterer Indio-Territorien aus. Geschwächt wurden von seiner Regierung ebenso die Umweltbehörden und die Indio-Behörde Funai.

Eine Millionen Euro will Raoni sammeln, wie es von der Organisation Foret Vierge heißt, dessen Ehrenpräsident Raoni ist. Finanziert werden sollen damit unter anderem neue Begrenzungshinweise des riesigen Reservats Xingu, Drohnen und andere Hilfsmittel zur Kontrolle der Region und zur Vorbeugung von Waldbränden in der Invasion der Holzmafia.

Einige der Indio-Gemeinschaften des Xingu sollen darüber hinaus Hilfen im Gesundheitsbereich und Schuleinrichtungen erhalten. Ein weiteres Projekt ist die Vermittlung von technischem Wissen, um die Extraktion und Vermarktung von erneuerbaren Produkten des Waldes zu verbessern.

Auf diese Weise werden die indigenen Völker würdig im Reservat leben können, den Regenwald beschützen und die Kulturen ihrer Vorfahren erhalten, anstatt in ländliche Regionen oder Städte zu ziehen, konstatiert Foret Vierge.


Euronews, 14.5.2019
Hilferuf für den Regenwald:
Kayapó-Häuptling reist durch Europa
Der Häuptling des brasilianischen Kayapó-Volkes, Raoni, hat eine dreiwöchige Europareise begonnen. Erste Station: Paris, wo er mit Umweltminister François de Rugy zusammenkam. Raonis Besuch ist ein Hilferuf: Er will die Europäer darauf hinweisen, wie schlecht es um Brasiliens Regenwald steht, Lebensraum für Hunderttausende Ureinwohner. Zudem sammelt er Spenden für den Schutz der Amazonas-Gebiete. Dem Umweltminister überreichte er einen traditionellen hölzernen Stab, "um seine Feinde auszuschalten", so der Häuptling scherzhaft.


VaticanNews, 27.5.2019
Papst an Finanzminister:
Klimaabkommen COP21 überlebensnotwendig
Von den Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens COP21 hängt das Überleben der Menschheit ab. Davon ist Papst Franziskus überzeugt und darauf ging er an diesem Montag bei einer Audienz für Finanzminister verschiedener Nationen ein. Das Treffen fand im Rahmen einer Konferenz der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften statt.


Deutsche Welle - Brasil, 17.5.2019
França promete apoiar Raoni na proteção do Xingu
Em viagem pela Europa, líder kayapó busca financiamento para proteger terras indígenas de madeireiros e do agronegócio, em meio a temores causados pelo governo de Jair Bolsonaro.

Deutsche Welle - Brasil, 13.5.2019
Cacique Raoni viaja à Europa para denunciar ameaças à Amazônia
Conhecido internacionalmente, líder kayapó alertará europeus para exploração de terras indígenas por madeireiros e pelo agronegócio. Agenda da viagem de três semanas inclui encontros com Macron e o papa Francisco.
VaticanNews, 27.5.2019
O abraço de Francisco a Raoni
O encontro entre o Santo Padre e o líder indígena da etnia caiapó, Raoni Metuktire, foi nesta segunda-feira na Casa Santa Marta.

Donnerstag, 16. Mai 2019

Bischof Kräutler: "Amazonas-Synode wird Wertschätzung der Frau besonders realisieren"


VaticanNews, 16.5.2019
Amazonas-Synode:
„Ganz neuer Zugang zu indigenen Völkern erwünscht“
Die Amazonas-Synode im Oktober soll nach Ansicht von Amazonas-Bischof Erwin Kräutler „einen ganz neuen Zugang speziell zu den indigenen Völkern“ eröffnen. Die besonderen Ausdrucksformen des Glaubens von Indigenen seien viel höher zu schätzen als bisher. Der aus Österreich stammende emeritierte Bischof von Xingu nahm in diesen Tagen an einem vorbereitenden Treffen in Rom teil.


Kathpress, 17.5.2019
Bischof Kräutler: Für Bolsonaro "existieren Indios nicht"
Rom, 17.05.2019 (KAP) Der brasilianisch-österreichische Bischof Erwin Kräutler kritisiert, dass Brasiliens Staatspräsident Jair Bolsonaro die Amazonasregion vor allem als Wirtschaftsressource betrachtet, sie für multinationale Konzerne öffnet und die Rechte der dort lebenden Indigenen einschränkt. "Er denkt nur vom Export, von der wirtschaftlichen Dimension her. Die Indios existieren für ihn eigentlich nicht", sagte der emeritierte Bischof von Altamira-Xingu im Interview des vatikanischen Onlineportals "Vatican News" (Freitag). "Ich sage auch ganz klar, er kennt Amazonien gar nicht", fügte Kräutler mit Blick auf den seit Jänner amtierenden Staatschef hinzu.


Katholisch.at, 17.5.2019
Für Bolsonaro "existieren Indios nicht"
Aus Österreich stammender Amazonas-Bischof kritisiert, dass brasilianischer Staatschef Amazonien vor allem als Wirtschaftsressource betrachtet


Domradio.de, 17.5.2019
Arbeitsdokument zur Amazonas-Synode verabschiedet "Instrumentum laboris"
Der Vatikan hat das Arbeitspapier für das weltweite Bischofstreffen zu Amazonien im Herbst verabschiedet. Das gab das vatikanische Presseamt an diesem Freitag bekannt. Der Text soll unter anderem an Bischofskonferenzen weltweit gehen.

Montag, 13. Mai 2019

Kard. Hummes: Amazonas-Synode muss Neues bringen

Kardinal Cláudio Hummes
Amazonas-Synode: „Nicht das bereits Gesagte wiederholen“
Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes glaubt an eine Weiterentwicklung der Seelsorge und der katholischen Soziallehre durch die kommende Amazonas-Synode. „Wir werden nicht zur Synode gehen, um bereits Gesagtes zu wiederholen, so wichtig, schön und theologisch bedeutsam es auch sein mag", sagte Hummes in einem langen Interview mit der Jesuitenzeitschrift „La Civilta Cattolica“, das an diesem Montag erschien.

Hummes ist emeritierter Erzbischof von Sao Paolo und wird bei der im Oktober anberaumten Synode als Generalrelator dienen. „Wir müssen es vermeiden, das Alte mitzubringen, als sei es wichtiger als das Neue", sagte der Kardinal im Gespräch mit dem Chefredakteur der Zeitschrift, dem Jesuiten Antonio Spadaro. Bei der Synode brauche es „Vertrauen in den Geist, der uns voranbringt“.

Gott und die indigenen Völker
Jede Art der Inkulturation des Glaubens und des religiösen Dialogs müsse von der Tatsache ausgehen, dass „Gott auch in den ursprünglichen indigenen Völkern immer gegenwärtig war", so Hummes. Zugleich glaubten Christen, dass Jesus Christus „die wahre Erlösung und endgültige Offenbarung ist, die alle Menschen erleuchten muss". Die indigenen Völker müssten infolgedessen, wenn sie die Botschaft Jesu Christi annähmen, ihren Glauben durch ihre „Kultur, Identität, Geschichte und Spiritualität" ausdrücken können, unterstrich der brasilianische Kardinal.

Widerstand auf dem Weg der Synode
Hummes räumte ein, dass in der Kirche Widerstände gegen eine neue Sicht auf indigene Formen des Glaubensvollzugs aufgetaucht seien. Einige fühlten sich „auf gewisse Weise bedroht, weil sie glauben, dass ihre Vorhaben und Ideologien nicht respektiert werden“, vor allem Projekte der Ausbeutung von Rohstoffen; Hummes sprach von einem „Geist der Herrschaft und des Raubes“, der auch heute im Amazonasbecken anzutreffen sei. Den Gedanken, dass „jeder zum Dialog bereit ist“, wies der Kardinal als Illusion zurück. Eine entgegenkommende Haltung sei hier unangebracht, weil die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltzerstörung dramatisch seien. Die Kirche müsse in diesem Punkt notwendigerweise prophetisch sein, „und prophetisch zu sein bedeutet, einen Geist der Verurteilung und des Dialogs mit etwas mehr Zärtlichkeit anzureichern“.

Welchen Dienst für eine indigene Kirche?
Spadaro bat Hummes auch um eine Einschätzung zum heiklen Thema des priesterlichen Dienstes in dieser Realität. Im Amazonasgebiet herrscht der drängendste Priestermangel der katholischen Weltkirche, darüber hinaus ist die Vorstellung des priesterlichen Zölibats in den Indigenenkulturen nicht verankert. Hummes zufolge braucht es einen priesterlichen Dienst, der sich an die Bedürfnisse der Gemeinschaft anpasst. Der Kardinal sprach sich für „ausdifferenzierte Dienste aus“, man könne nicht „eine Art historische Figur aufrechterhalten, an die der Priester sich anzupassen hat“.


Kathpress, 13.5.2019
Kardinal beklagt Menschenrechtsverletzungen im Amazonasgebiet
Synoden-Generalrelator Hummes in Jesuitenzeitschrift: Dramatische Lage und weit verbreitete Straflosigkeit - Plädoyer für "indigene Kirche", die mit der Weltkirche verbunden ist

Rom, 13.05.2019 (KAP) Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes hat ständige Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung im Amazonasgebiet beklagt. Er sprach von einer "dramatischen" Lage. "Noch schlimmer ist, dass die meisten dieser Verbrechen ungestraft bleiben", sagte Hummes der Jesuiten-Zeitschrift "Civilta Cattolica" (Montag). Der 84-Jährige äußerte sich mit Blick auf eine geplante Bischofssynode zu Amazonien diesen Herbst im Vatikan.

Hummes ist Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM und Generalrelator der Synode. Als solcher hat er eine Schlüsselfunktion für die inhaltliche Arbeit. Das Bischofstreffen tagt vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan. Neben Theologie und Seelsorge soll es auch um die Belange der Indigenen, um Menschenrechte und Umweltschutz gehen.

Die Synode müsse sich innerkirchlicher wie äußerer Widerstände bewusst sein, beispielsweise aus der Wirtschaft und von Regierungen, so der Kardinal. Manche könnten mit Gewalt und unter Verletzung grundlegender Menschenrechte Änderungen zu verhindern suchen. Auch die Einhaltung von Normen zu Nachhaltigkeit und Naturschutz in Amazonien seien in Gefahr. "Aber wir dürfen nicht aufgeben. Es wird Protest nötig sein. Nicht gewaltsam, aber sicherlich entschieden und prophetisch", sagte Hummes.

Der Kardinal sprach sich auch für eine "indigene Kirche" aus, die ihre eigene Kultur, Identität, Geschichte und Spiritualität haben und zugleich mit der katholischen Weltkirche geeint sein müsse.


La Civilta Cattolica, 13 May 2019
Preparing for the Synod on Amazonia:
An interview with Cardinal Claudio Hummes

Donnerstag, 9. Mai 2019

Brasilianische Bischofskonferenz hat neuen Vorsitzenden

VaticanNews, 7.5.2019
Brasilien: Bischofskonferenz hat neuen Vorsitzenden
Der Erzbischof von Belo Horizonte, Walmor Oliveira de Azevedo, ist zum neuen Präsidenten der Brasilianischen Bischofskonferenz gewählt worden. Er folgt auf Kardinal Sergio da Rocha, der dieses Amt seit 2015 innehatte.

Offen ist noch, wen die 301 stimmberechtigten Bischöfe zum Generalsekretär der weltweit größten Bischofskonferenz wählen. Dessen Wahl folgt am Dienstag.

Kirche steht unter Druck
Der 65-jährige Bischof Azevedo muss nun die katholischen Bischöfe gegenüber dem Rechtspopulisten Jair Messias Bolsonaro vertreten. Seit der Wahl des Präsidenten, den die evangelikalen Großkirchen unterstützen, steht die katholische Kirche politisch unter Druck. Ihre Option für die Armen wird von vielen Bürgern als kommunistisch und politisch „links" angesehen. Zuletzt hatten die Bischöfe Bolsonaros liberale Wirtschaftspolitik offen kritisiert.

Etwa 123 Millionen Katholiken zählt Brasilien, das entspricht zwei Dritteln der Gesamtbevölkerung. Wie viele seiner Landsleute in den letzten Jahrzehnten hatte der katholisch getaufte Bolsonaro zu einer evangelikalen Freikirche gewechselt.





Der neue Vorsitzende Dom Walmor Oliveira de Azevedo mit Dom Erwin Kräutler
Auch Bischof Erwin Kräutler nahm an der 57. Generalversammlung der Bischofskonferenz in Aparecida teil, wo die Wahl des neuen Vorsitzenden stattfand.

CNBB, 6.5.2019
Dom Walmor Azevedo, arcebispo de Belo Horizonte (MG), é eleito novo presidente da CNBB
O arcebispo de Belo Horizonte (MG), dom Walmor Oliveira de Azevedo, foi eleito na tarde desta segunda-feira, 6 de maio, como presidente da Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB). O novo presidente foi escolhido pelos episcopado brasileiro que participa, em Aparecida (SP), da 57ª Assembleia Geral da CNBB no terceiro escrutínio, após receber a maioria absoluta de votos do total de 301 bispos votantes.


Youtube, 6.5.2019
Dom Walmor Azevedo é eleito presidente da CNBB

Mittwoch, 8. Mai 2019

Bolsonaro lockert brasilianische Waffengesetze

ORF, 8.5.2019
Brasiliens Präsident Bolsonaro lockert Waffenrecht
Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat das Waffenrecht in dem südamerikanischen Land weiter liberalisiert. Der Ex-Militär unterzeichnete gestern ein Dekret, laut dem Waffenbesitzer und Waffenbesitzerinnen künftig bis zu 5.000 Schuss Munition pro Waffe und Jahr erwerben dürfen. Bisher war die Menge auf 50 Schuss begrenzt. Zudem wird der Import und der Vertrieb von Waffen in Brasilien vereinfacht.

„Das Dekret ist kein Projekt der öffentlichen Sicherheit, es ist unseres Erachtens nach sogar noch wichtiger als das. Es gibt den Menschen ein individuelles Recht, Waffen zu tragen, wenn sie einige Anforderungen erfüllen“, sagte Bolsonaro.

Der frühere Fallschirmjäger hatte bereits im Wahlkampf lockerere Waffengesetze versprochen. Kurz nach seinem Amtsantritt im Jänner erlaubte er den Brasilianern per Dekret, bis zu vier Schusswaffen zu kaufen und zu Hause oder am Arbeitsplatz aufzubewahren.
51.000 Tote in einem Jahr

Im vergangenen Jahr wurden mehr als 51.000 Menschen getötet. Mit der Liberalisierung des Waffenrechts will Bolsonaro den Schutz der Bevölkerung verbessern. Kritiker gehen hingegen davon aus, dass mehr Waffen die Gewalt weiter verschärfen.


FAZ, 8.5.2019
Bolsonaro lockert brasilianische Waffengesetze
Sportschützen, Jägern und Sammlern soll es künftig in Brasilien möglich sein, mit ihren Waffen zu reisen, heißt es von der Regierung. Präsident Bolsonaro sagt, er sei damit an die Grenzen des Gesetzes gegangen.


SRF, 8.5.2019
Brasiliens Präsident Bolsonaro lockert Waffenrecht
Präsident Jair Bolsonaro hat das brasilianische Waffenrecht weiter liberalisiert.
Er unterzeichnete am Dienstag ein Dekret, das den Kauf von Munition erleichtert sowie den Import und Verkauf von Waffen vereinfacht.


O Tempo, 9.5.2019
Decreto de Bolsonaro dá acesso a armamento mais potente
Entre os itens liberados há pistolas .40, 45 e 9 mm, além de carabina .40 e espingarda de calibre 12

G1-O Globo, 8.5.2019
Decreto de Bolsonaro facilita porte de arma para mais categorias
Agentes de trânsito, conselheiros tutelares, caminhoneiros e políticos eleitos não vão precisar comprovar 'efetiva necessidade' para transportar armas fora de casa.

BBC-Brasil, 8.5.2019
Novo decreto de armas: quem são os 'CACs', beneficiados por medida de Bolsonaro
Em mais um decreto que muda as regras para o uso de armas no Brasil, o presidente Jair Bolsonaro beneficiou colecionadores, atiradores desportivos e caçadores, os chamados CACs.

G1-O Globo, 8.5.2019
Rede pede que STF anule decreto que facilitou porte de armas para mais categorias
Pelo decreto, agentes de trânsito, advogados, caminhoneiros e políticos eleitos não precisarão comprovar 'necessidade' para portar armas. Para partido, tema deve ser tratado pelo Congresso.

G1-O Globo, 9.5.2019
Deputados ameaçam derrubar decreto de armas, e Maia negocia com Onyx redução do texto
Deputados da bancada evangélica e da oposição procuraram o presidente da Câmara, Rodrigo Maia (DEM-RJ), para discutir os termos do decreto de armas anunciado pelo presidente Jair Bolsonaro nesta quarta-feira.
Diante da ameaça de derrubada do decreto, Maia negocia com o ministro da Casa Civil, Onyx Lorenzoni, uma redução do texto do decreto de armas nos trechos considerados inconstitucionais pelos técnicos da Câmara. A análise dos técnicos ainda está sendo finalizada.

G1-O Globo, 8.5.2019
Após decreto de Bolsonaro, CNBB critica flexibilização da posse e porte de armas
Cerca de 300 bispos de todo país estão reunidos na basílica, em Aparecida (SP), para discutir os rumos da Igreja Católica no país. Mensagem desta quarta-feira (8) foi a primeira divulgada pelo colegiado na Assembleia Geral dos Bispos neste ano

Dienstag, 7. Mai 2019

Tagung über Religion im öffentlichen Raum in Innsbruck am 21. Mai


Kathpress, 6.5.2019
Innsbruck: Tagung über Religion im öffentlichen Raum
Beim Dies facultatis & Diözesantag am 21. Mai referieren die Bischöfe Glettler und Kräutler sowie Theologen über Religion im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Irritation und Befruchtung

Innsbruck, 06.05.2019 (KAP) Verschiedene Aspekte des Themas "Religion im öffentlichen Raum" stehen im Mittelpunkt beim diesjährigen "Dies facultatis & Diözesantag", den die Diözese Innsbruck für 21. Mai angekündigt hat. Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der austrobrasilianische Altbischof Erwin Kräutler, der deutsche Professor für Systematische Theologie, Ansgar Kreutzer und die Innsbrucker Vizerektorin Ulrike Tanzer werden dazu Referate halten, als Ko-Referenten sind Roman Siebenrock und Michaela Neulinger von der Theologischen Fakultät, die ehemalige Tiroler Soziallandesrätin Christine Baur sowie Barbara Hoiß von der KPH Edith Stein vorgesehen.

Die Tagung geht von der Diagnose aus, dass religiös motivierte Akteure Caritas oder Diakonie an den Rändern der Gesellschaft "nicht nur geduldet, sondern sogar erwünscht" seien. Diese Akzeptanz schwinde aber, wenn es um die Gestaltung des gemeinsamen öffentlichen Raums geht. In der Ankündigung ist die Rede von Riten, Handlungen und Stellungnahmen der Religionsgemeinschaften, die in der Öffentlichkeit Irritationen auslösen und Fragen aufwerfen würden wie: "Müssen Religionen durch den säkularen Staat nicht diszipliniert, eingehegt und letzten Endes vielleicht als irrational entsorgt werden? Oder sind Religionen für den Zusammenhalt und Bestand einer Zivilgesellschaft unverzichtbar? Was spricht für und gegen religiöse Symbole im öffentlichen Raum?"

Es soll auch der Frage nachgegangen werden, wie und warum Religionsgemeinschaften politisch werden und ob sie mit ihren Argumenten und Vorstellungen öffentliche Aufmerksamkeit beanspruchen können. Neben grundsätzlichen Fragestellungen sollen auch konkrete Beispiele und Optionen in den Blick genommen werden.

Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 21. Mai, um 9 Uhr im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck (Karl-Rahner-Platz 3, 2. Stock) mit Begrüßungsworten von Theologie-Dekan Josef Quitterer und Uni-Rektor Peter Trojer, danach folgt der Eröffnungsvortrag des Trägers des Alternativen Nobelpreises, Bischof Kräutler, unter dem Titel "Habt Mut! Jetzt Welt und Kirche verändern". Das Thema des Referates von Bischof Glettler um 14.15 Uhr lautet "Mission oder De-Mission? Zum Auftrag der Kirche in pluraler Gesellschaft". Die Tagung endet mit einem abschließenden Gebet um 18.30 Uhr in der Innsbrucker Jesuitenkirche.


Veranstaltungskalender der Uni Innsbruck
Tagung/Konferenz
Dies facultatis / Diözesantag:
Nicht von dieser Welt? Religion im öffentlichen Raum

Di, 21. Mai 2019,  09:00 - 18:15 Uhr
Kaiser Leopold Saal, Karl Rahner Platz 3, Innsbruck

Anmeldung ist erforderlich; Anmeldung beim Veranstalter bis 07.05.19

Eintritt / Kosten: Keine

Vortragende/r:
- Dom Erwin Kräutler (em. Bischof von Xingu / Brasilien, Träger des alternativen Nobelpreises)
- Ansgar Kreutzer (Professor für Systematische Theologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen)
- Bischof Hermann Glettler
- Vizerektorin Ulrike Tanzer

Montag, 6. Mai 2019

Papst besetzt wichtige Posten für Amazonas-Synode

Kardinal Claudio Hummes

VaticanNews, 4.5.2019

Für die kommende Amazonas-Synode hat Papst Franziskus den brasilianischen Kardinal Claudio Hummes zum Generalrelator ernannt. Das gab der Vatikan am Samstag bekannt. Der 84-jährige Kardinal, der bis 2013 die Kleruskongregation im Vatikan leitete, ist Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM.

Als Generalrelator hat er eine Schlüsselfunktion für die inhaltliche Arbeit und Erstellung des Abschlussdokuments. Weiter ernannte der Papst Bischof David Martinez de Aguirre Guinea und den Jesuiten Michael Czerny zu Sondersekretären der Synode. Martinez leitet als Apostolischer Vikar das Amazonas-Bistum Puerto Maldonado, wo Franziskus während einer Peru-Reise im Januar 2018 den Auftakt der Synode beging. Czerny ist innerhalb der vatikanischen Behörde für Entwicklungsfragen als Untersekretär für die Sektion Migranten und Flüchtlinge zuständig. Die Amazonas-Synode tagt vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan. Bei der internationalen Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen.


Katholisches.info, 6.5.2019
„Amazonassynode könnte historisch werden“
(Brasilia) Der brasilianische Kardinal Claudio Hummes ist „glücklich“, von Papst Franziskus zum Generalrelator der Amazonassynode ernannt worden zu sein und sagt, die Synode könnte „historisch“ werden.


VatikanNews, 11.5.2019
Vorbereitung auf Synode: Neue Wege suchen, um Amazonas zu retten
Für den brasilianischen Kardinal Claudio Hummes wird die kommende Synode ein historisches Ereignis sein, um nicht nur die Rettung der Amazonas-Bevölkerung, sondern des gesamten Planeten anzupacken. Es gilt nun, neue Wege zu schaffen, damit in jener Region – und nicht nur dort – „die Mission der Kirche“ erfüllt werden kann, so der Kardinal im Gespräch mit VatikanNews.


Adveniat
Papst benennt Teilnehmer der Amazonas-Synode

Thema Amazonas-Synode auf weltkirche.katholisch.de

Thema Amazonas-Synode auf VaticanNews

Samstag, 4. Mai 2019

Bolsonaro sagt Ehrung in New York nach Protesten ab


ORF, 4.5.2019
Brasiliens Präsident sagt US-Reise nach Protesten ab
Der ultrarechte brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat eine geplante US-Reise nach heftigen Protesten abgesagt. Er werde nicht zu der Veranstaltung der Brasilianisch-Amerikanischen Handelskammer nach New York kommen, bei der er als „Person des Jahres“ geehrt werden sollte, kündigte sein Sprecher Otavio Rego Barros gestern an.

Grund dafür seien der „Widerstand und die absichtlichen Angriffe des Bürgermeisters von New York sowie der Druck der Interessengruppen“ auf Organisatoren und Sponsoren.

Absage als Rückschlag für Bolsonaro
Bolsonaro steht wegen rassistischer, homophober und frauenfeindlicher Äußerungen in der Kritik, weshalb mehrere Veranstaltungsorte in New York nicht für das geplante Galadinner herhalten wollten – darunter das American Museum of Natural History. Großsponsoren wie Delta Air Lines, die Financial Times und die Beratungsfirma Bain hatten zuvor ihre Unterstützung für die Veranstaltung zurückgezogen.

Die Absage wird als Rückschlag für Bolsonaro angesehen, der aktiv für engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten geworben und insbesondere Präsident Donald Trump gelobt hat. Auf ihrer Website erklärte die Brasilianisch-Amerikanische Handelskammer, dass sie Bolsonaro zu ihrer Person des Jahres gewählt habe, weil dieser eine engere wirtschaftliche und diplomatische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern fördern wollte.


Limmattaler Zeitung, 4.5.2019
Bolsonaro sagt Teilnahme an Gala nach Rückzug von Sponsoren ab
Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat seine Teilnahme einer Veranstaltung zu seinen Ehren in New York abgesagt. Grund dafür ist der Rückzug mehrerer Unternehmen als Sponsoren des Gala-Events.


UOL-Notícias, 3/5/2019
Bolsonaro desiste de receber homenagem em Nova York após protestos
O presidente Jair Bolsonaro desistiu de sua viagem programada para o próximo dia 12 de maio para Nova York, onde seria homenageado como "Personalidade do Ano" pela Câmara de Comércio Brasil-Estados Unidos, após uma intensa campanha de protestos, informou o porta-voz da Presidência nesta sexta-feira.


O Globo, 3.5.2019
Bolsonaro cancela viagem aos Estados Unidos, onde receberia homenagem
Presidente atribuiu desistência à 'ideologização da atividade'. Três empresas haviam desistido de patrocinar evento da Câmara de Comércio Brasil-EUA devido a protestos


O Globo, 1.5.2019
Empresas desistem de patrocinar homenagem a Bolsonaro em Nova York
Companhia aérea Delta, consultoria Bain & Company e o jornal Financial Times retiraram o apoio ao evento da Câmara de Comércio Brasil-Estados Unidos.


O Globo, 15/04/2019
Museu de História Natural de Nova York desiste de sediar premiação de Bolsonaro
Decisão foi tomada em conjunto com Câmara de Comércio Brasil-Estados Unidos, após protestos de pesquisadores da instituição, que consideram o brasileiro 'inimigo' do meio ambiente


Deutsche Welle, 13.4.2019
Festa para Bolsonaro gera críticas em Nova York
Pesquisadores e funcionários de museu nos EUA programam protesto e pedem cancelamento de evento com presidente. Prefeito da cidade se diz contra e chama brasileiro de "ser humano muito perigoso".

Freitag, 3. Mai 2019

Amazonas-Synode soll zu einer "Zäsur" in der katholischen Kirche führen


Domradio.de, 02.05.2019
Bischof Overbeck zur Amazonas-Synode
Steht katholischer Kirche eine "Zäsur" bevor?

Die für Oktober geplante Amazonas-Synode in Rom wird nach Worten von Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck zu einer "Zäsur" in der katholischen Kirche führen. "Nichts wird mehr sein wie zuvor", sagte der Ruhrbischof vor Journalisten.

So stehe die hierarchische Struktur der Kirche genauso auf dem Prüfstand wie ihre Sexualmoral und das Priesterbild. Auch die Rolle der Frau in der Kirche müsse überdacht werden.

Weitere Probleme sind laut Overbeck der Rückgang an Gläubigen - nicht allein in Europa, sondern besonders auch in Lateinamerika. Zudem müsse die Kirche auf die "immense Ausbeutung" der Natur und die Missachtung der Menschenrechte reagieren. "Über all das wird auf der Amazonas-Synode zu sprechen sein", sagte der für das katholische Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat zuständige bei der Vorstellung der Jahresbilanz von Adveniat am Donnerstag in Essen.

Synode im Oktober im Vatikan

Papst Franziskus hat zu der Amazonas-Synode vom 6. bis 27. Oktober im Vatikan eingeladen. Bei der Bischofsversammlung soll es neben der Ökologie um Theologie und Seelsorge, um die Belange der Indigenen sowie um Menschenrechte gehen. Franziskus habe mit seiner südamerikanischen Perspektive dafür gesorgt, dass ein Bewusstsein für diese Herausforderungen entstanden sei, so Overbeck.

Die "eurozentrische Struktur" der katholischen Kirche werde sich ändern, erläuterte der Bischof. Das zeige sich schon daran, dass in Lateinamerika die Ortskirchen und ihr Klerus immer selbstständiger würden. Dort habe es bisher viele Priester aus Europa gegeben, die jetzt nicht mehr zur Verfügung stünden.

Priestermangel auch in Lateinamerika

Zugleich stelle sich auch in Lateinamerika ein Priestermangel ein. Er kenne Diözesen, in denen einem Bischof noch gerade zehn Priester für ein riesiges Seelsorgegebiet zur Verfügung stünden. Schon jetzt seien die Kirchen vor Ort vor allem durch Ordensfrauen geprägt. "Das Gesicht der Kirche vor Ort ist ein Gesicht von Frauen", so der Adveniat-Bischof.

Overbeck verwies auf Zahlen, wonach sogar in Brasilien, dem größten Land Südamerikas, der Katholikenanteil von einst 90 auf jetzt noch knapp 70 Prozent zurückgegangen sei. In anderen Ländern liege sie noch bei knapp 50 Prozent. Die Entwicklung halte an. Ähnliches habe sich in Europa vollzogen, wo in vielen Ländern nur noch etwa die Hälfte der Menschen überhaupt einer christlichen Kirche angehörten.

Auf all das müsse die Kirche reagieren und Antworten finden, betonte der Bischof. Die Kirche werde das "Schritt für Schritt" über mehrere synodale Prozesse tun.