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Samstag, 13. Februar 2016

11. Todestag von Schwester Dorothy Stang

Am 12. Februar 2016 jährte sich der Jahrestag der Ermordung von Schwester Dorothy Stang zum11. Mal. Als sie 2005 in Anapu erschossen worden war, rückten das Heer, die Bundespolizei und die Zivilpolizei in Anapu an und bemühten sich um Gerechtigkeit.
2015 wurden fünf Leute im Landesinneren von Anapu auf brutale Weise umgebracht, weil sie sich für Kleinbauern und Landreform eingesetzt hatten. In diesen Fällen gab es bisher keine Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft ist noch nicht vor Ort erschienen.
Die Gedenkveranstaltungen am 12. Februar standen unter dem Motto "Schrei nach Gerechtigkeit". Der fünf Opfer Hercules, Jesusaar, Ivanzinho, Zé da Zapata und Cosme wurde in Rollenspielen und Gebeten besonders gedacht. Für alle stand fest, dass die Täter ausgeforscht und verurteilt werden müssen.
Die Landpastoral (CPT) brachte nie neuen Zahlen der in Brasilien bei Landkonflikten getöteten Menschen. Mit 49 registrierten Fällen wurde ein Höchstwert während der letzten 12 Jahre erreicht - in Jahr 2003 waren allerdings gleich 73 Tote zu beklagen.
Ein weiteres trauriges Detail: von den 1.115 Todesfällen bei Landkonflikten zwischen 1985 und 2014 gab es nur bei 12 gerichtliche Verurteilungen.


Siehe Blog-Archiv vom 12.11.2015:
Pistoleiros verbreiten wieder Schrecken in Anapu

Cara Maior, 12/02/2016
Quem matou Dorothy Stang continua matando
A repercussão desse assassinato deu a impressão que a violência de crimes praticados por motivos idênticos diminuiria. Os fatos provam o contrário.

Radio Vaticano, 19.2.2016
Conflito no campo motivou 49 assassinatos em 2015, denuncia CPT

O Globo, 12/02/2016
Assassinato da missionária Dorothy Stang completa 11 anos
Os cinco envolvidos foram condenados pela Justiça.
Regivaldo Pereira Galvão recorre da sentença em liberdade.



12 de fevereiro 2016 Dorothy vive!!!
Posted by Zenilda Do Nascimento on Freitag, 12. Februar 2016

Facebook-Video 1



segunda parte...
Posted by Zenilda Do Nascimento on Freitag, 12. Februar 2016

Facebook-Video 2

Donnerstag, 12. November 2015

Pistoleiros verbreiten wieder Schrecken in Anapu

Zehn Jahre nach der Ermordung von Schwester Dorothy Stang (12.2.2005) wegen Landkonflikten im Landesinneren von Anapu kommt es dort wieder gehäuft zu Ermordungen von Landarbeitern. Zwischen Juli und Oktober 2015 gab es 7 Morde, die von Männern mit schwarzen Kapuzen ausgeführt wurden.

Laut der Landpastoral (CPT) liegen die Hintergründe in Landkonflikten. Dabei geht es vor allem um das Parzelle Nummer 83, die zwar enteignet wurde und als öffentliches Grundstück für Landlose parzelliert werden soll. Aber auch Grundspekulanten und Großgrundbesitzer behaupten ihren Anspruch darauf. Die Parzelle 83 ist in der Region als "Fazenda von Taradão" bekannt.

Regivaldo Pereira Galvao (vulgo "Taradão") wurde 2008 in Altamira festgenommen und 2010 als Auftraggeber für die Ermordung von Stang zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Das Oberste Gericht hatte 2012 das Urteil aufgehoben. Seither ist er wieder in der Region um Anapu tätig.


A Voz do Xingu, 10.11.2015
Pistoleiros e execuções voltam a assombrar Anapu, onde foi assassinada Dorothy Stang
Dez anos depois do assassinato da irmã Dorothy Stang, a pequena cidade de Anapu, às margens da rodovia Transamazônica no Pará, volta a ser assombrada por assassinatos e atuação de pistoleiros. Entre julho e outubro de 2015, sete pessoas foram executadas por assassinos com carapuças ou capacetes de viseiras escuras. Todas as mortes ocorreram na área urbana de Anapu mas, para a Comissão Pastoral da Terra, a estratégia de matar na cidade é uma tentativa de disfarçar a motivação agrária dos crimes: o lote 83, uma área de terras públicas disputada por posseiros e grileiros.

Sonntag, 26. Juli 2015

Wallfahrt des Waldes 2015 in Anapu: Wir sind Schwester Dorothy!

Die Wallfahrt des Waldes (Romaria da Floresta) in Anapu fand bereits zum 10. Mal von 23. - 26. Juli statt. Vor mehr als 10 Jahren, am 12.2.2005, wurde Schwester Dorothy Stang im Siedlungsprojekt PDS Esperança erschossen. Die Täter hatten gehofft, mit ihrem Tod auch ihr Wirken für die Landreform und die Ansiedelung Hunderter von Kleinbauern-Familien zu beenden. Aber von Anfang an lautete die Parole der Siedler: "Das Blut von Dorothy ist wie ein Same, der vielfältig Früchte bringen wird!"

Unter diesem Motto stand auch die 10. Wallfahrt: "Der  Same beginnt zu keimen - Wir sind Schwester Dorothy!" Sie begann am 22. Juli mit einer Versammlung im Zentrum São Rafael in Anapu. In mehreren Etappen ging es bis zum Gemeindezentrum des PDS Esperança. Unterwegs wurde die Situation der Kleinbauern in den Siedlungsprojekten sowie ihr Einsatz für Gerechtigkeit und Landreform reflektiert.


Bischof Erwin Kräutler feierte am 26.7. an jener Stelle, wo Schwester Dorothy erschossen wurde,  mit den Wallfahrern die Eucharistie. Verschiedene Basisgemeinden brachten Darbietungen.

Fotos von Jean Cleber

Prelazia do Xingu, 10.7.2015
"A Semente plantada brotou: Nós somos Irmã Dorothy!”

Arquidiocese de Mariana, 25.7.2015
Representantes da Arquidiocese participam da 10ª Romaria da Floresta no Pará

Bericht von der 8. Wallfahrt im Jahr 2013:

Dienstag, 7. Juli 2015

Bida wegen Verletzung des Hausarrestes verhaftet


Vitalmira Bastos de Moura ("Bida") war als Auftraggeber der Ermordung von Schwester Dorothy Stang zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Nach Ableistung von einem Drittel der Strafe (achteinhalb Jahre) und wegen guter Führung wurde er am 17. Februar 2014 aus dem Gefängnis und in den Hausarrest in Altamira entlassen.

Die Richterin Leslie Anne Maia Campos verfügte erneut seine Inhaftierung in Altamira am 3. Juli, nachdem bei einer Fahrzeugkontrolle im Mai ein unerlaubter Revolver bei ihm gefunden worden war. Außerdem hätte sich Bida ohne Genehmigung durch die Justiz außerhalb der Gemeinde von Altamira aufgehalten.

Blog-Archiv:
22.2.2014
Auftraggeber für Mord an Dorothy Stang aus Haft entlassen

24.11.2011
Strafmilderung für Auftraggeber der Ermordung von Schwester Dorothy Stang


G1 - O Globo, 7/07/2015
Justiça determina regressão de regime a fazendeiro condenado no PA
Vitalmiro Bastos descumpriu normas do regime aberto.
Ele foi condenado a 30 anos pela morte de Dorothy Stang, ocorrida em 2005.

G1 - O Globo, 11/05/2015
Acusado de mandar matar Dorothy é encontrado com arma no Pará
Fazendeiro tinha pistola 9mm, de uso restrito, dentro de carro.
Vitalmiro alegou que arma era de funcionário dele

Donnerstag, 12. Februar 2015

10. Todestag von Schwester Dorothy Stang


Als Schwester Dorothy Stang im Februar 2005 beerdigt wurde, bekräftigten ihre Freunde und Schützlinge wiederholt: "Wir begraben Dorothy nicht für immer, sondern wir pflanzen ihren Leichnam wie einen Samen. Sie ist ein Same, der vielfache Frucht bringen wird."
An ihrem 10. Todestag soll in Anapu ein Fest ihrer Früchte stattfinden. Denn die Kleinbauern sind in den von Dorothy gegründeten Projekten geblieben und haben ihren Kampf um die Landrechte fortgeführt.

Bischof Erwin Kräutler leitet den Gedenkgottesdienst am 12. Februar um 10 Uhr im Centro São Rafael in Anapu, wo sich das Grab von Schwester Dorothy befindet. Sieben Jugendliche erhalten das Sakrament der Firmung gespendet.
Einladung auf der Homepage der Prälatur am Xingu

Laut CNBB würdigt Dom Enemésio Lazzaris, Präsident der Landpastoral (CPT), Schwester Dorothy: "Der Tod von Schwester Dorothy wurde durch die Kraft des Glaubens an die Auferstehung besiegt. Ihre bescheidenen Aktionen an den Peripherien, klein und fast isoliert, sind nun über ganz Brasilien verteilt. Sie hat die Herzen und die Vernunft der Menschen erobert, weltweit und für alle Zeiten."

Hintergrund:

Dorothy Stang wurde am 12. Februar 2005 im Landesinneren von Anapu erschossen, weil sie sich für die Landreform zugunsten von Kleinbauern und Landlosen einsetzte.
Die beiden Pistoleiros, Auftraggeber und Hintermänner wurden zwar festgenommen und verurteilt, sie sind aber mittlerweile alle auf freiem Fuß.
Siehe Blogspot-Archiv zu Dorothy Stang


Dorothy Stang
Dem Evangelium ein Gesicht geben
Adveniat-Unterrichtsbaustein 2010 als PDF

Berliner Zeitung, 19.7.2013
Die Nonne und der Papst
Im Jahr 2005 wurde die Nonne Dorothy Stang am Amazonas ermordet. Sie hatte sich für Armutsbekämpfung und Umweltschutz in Brasilien eingesetzt und sich dabei mit der Holzmafia angelegt.

Em Português:

#10 Anos sem Dorothy no Facebook >>

Diocese de Campina Grande, 12.2.2015
Assassinato da Ir. Dorothy Stang completa 10 anos. O que ficou?

Rádio Nacional da Amazônia, 11.2.2015
10 anos sem Dorothy Stang: para bispo Erwin Kräutler muitos envolvidos não foram acusados
Depois de sucessivos julgamentos e até cancelamento de veredicto, acusados de serem mandantes do crime continuam soltos
Entrevista com Dom Erwin Kräutler

MPF, 12.2.2015
10 anos sem Dorothy Stang tem caminhada e protesto em Anapu
MPF acompanha os eventos de hoje na cidade que foi palco de um dos crimes agrários de maior repercussão da Amazônia

CPT-Nacional, 12.2.2015
Dorothy Stang dedicou vida a trabalhar entre “os pobres mais pobres”

CPT-Nacional, 11.2.2015
Dez anos após morte da missionária Dorothy Stang, Pará ainda vive conflitos violentos no campo

Rede Liberal, 11.2.2015 (com Video)
Morte de missionária americana no Pará completa 10 anos
Dorothy Stang foi morta em Anapu no dia 12 de fevereiro de 2005.
Cinco réus foram julgados por envolvimento no caso.

Rede Liberal, 12.2.2015
Agricultores ainda são ameaçados 10 anos após morte de Dorothy no Pará
Insegurança ainda é problema no PDS Esperança, em Anapu.

Rede Liberal, 12.2.2015 (com Video)
Assentados comemoram legado de Dorothy Stang no Pará
Colonos celebram assentamento, mas falam em dificuldades.

MST, 12.2.2015
Caso Dorothy: dez anos depois, situação de réus é exemplo de impunidade
Missionária foi vítima do conflito pela posse da terra no Pará. Morosidade cria sensação de que Justiça do país pode ser parcial e seletiva.

MST, 11.2.2015
Dez anos após Dorothy Stang, o sangue ainda corre na floresta
Neste 12 de fevereiro, o assassinato de Dorothy Stang completa dez anos, sem que os mandantes pelo crime tenham sido, de fato, presos.

EBC, 11.2.2015
Dorothy Stang: assassinato de missionária completa 10 anos

Desacato.info, 12.2.2015 (mit historischen Fotos)
Dorothy Stang, dez anos de impunidade na Amazônia

Youtube-Video vom 11.2.2015
Dez anos do assassinato de Dorothy Stang

Documentário (80 min):
Mataram Irmã Dorothy (They Killed Sister Dorothy, 2008)

Samstag, 22. Februar 2014

Auftraggeber für Mord an Dorothy Stang aus Haft entlassen

Vitalmiro Bastos de Moura, bekannt als Bida, der als Auftaggeber für den Mord an Schwester Dorothy Stang 2005 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war, erhält aufgrund seiner guten Führung während des letzten Jahres sowie wegen Arbeitsdienste im Gefängnis eine Reduzierung seiner Strafe auf weitere 125 Tage. Er soll von Belém nach Altamira überstellt werden, um näher bei seiner Familie zu sein.

Dieses Urteil überrascht, weil Bidas Strafe von 30 Jahren erst am 19.9.2013 von einem Schöffengericht bekräftigt worden war.

Bida ist der letzte der ursprünglich 5 Verurteilten im Fall Dorothy Stang, der noch im Gefängnis ist. Die anderen sind bereits seit längerem auf Bewährung frei.


Consultor Juridico, 21.2.2014
Condenado por morte de irmã Dorothy tem pena reduzida
O fazendeiro Vitalmiro Bastos de Moura, condenado a 30 anos de prisão por mandar matar a missionária Dorothy Stang (foto) em 2005, conseguiu encurtar a pena em 125 dias por trabalhos realizados na prisão. A remição foi concedida na última segunda-feira (17/2) pela 1ª Vara de Execuções Penais de Belém, com base nos 376 dias de trabalho entre julho de 2012 e outubro de 2013, em período não contínuo.
Regivaldo Galvão, também condenado como mandante, está solto desde 2012 ao conseguir Habeas Corpus. Rayfran das Neves Sales, condenado por ser autor dos disparos contra Dorothy, cumpre prisão domiciliar. Clodoaldo Carlos, apontado como coautor, é considerado foragido, porque fugiu do albergue onde cumpria pena em regime aberto. Amair Feijoli, acusado de intermediar os mandantes e os executores, também está em prisão domiliciar.

Donnerstag, 13. Februar 2014

Ermordung von Schwester Dorothy Stang jährt sich zum 9. Mal


Anlässlich des 9. Todestages von Schwester Dorothy Stang am 12. Februar fanden in Anapu ein Gedenkgottesdienst mit Bischof Erwin Kräutler und in Belém ein ökumenischer Gottesdienst im Sitz der Bischofskonferenz statt.

O Globo, 13.2.2014
Assassinato da irmã Dorothy Stang em Anapu, PA, completa 9 anos
Um culto ecumênico lembrou a data na última quarta, 12, em Belém.
Representantes de movimentos sociais se reuniram na sede da CNBB.

Video >>

Samstag, 21. September 2013

Fall Dorothy Stang: Bida wieder zu 30 Jahren Haft verurteilt


Nach 16-stündigen Verhandlungen wurde Vitalmiro Bastos de Moura, genannt Bida, am Donnerstag  (19.9.) kurz vor Mitternacht bereits zum vierten (!) Mal von einem Schöffengericht zu 30 Jahren Haft in geschlossener Anstalt verurteilt.
Bida war 2007 verurteilt, dann im Mai 2008 freigesprochen und 2010 wieder zu 30 Jahren Haft verurteilt worden.
Außer Bida waren im Mordfall Dorothy Stang weitere 4 Personen angeklagt. Regivaldo Galvão, genannt Taradão, war zunächst als Auftraggeber verurteilt worden, erhielt aber 2012 die Freiheit aufgrund Habeas Corpus.
Die beiden Pistoleiros Rayfran das Neves Sales und Clodoaldo Carlos Batista wurden in Jahr 2005 als Täter (zu 27 Jahren) bzw. Mittäter (zu 15 Jahren) verurteilt. Clodoaldo wurde im Februar 2001 unter Bewährung freigelassen. Rayfran erhielt zunächst Hafterleichterung mit freien Ausgängen und seit Juli 2013 steht er nur mehr unter Hausarrest.
Amair Feijoli, genannt Tato, war als Vermittler zwischen den Auftraggebern und Tätern angeklagt und verurteilt. Er bekam Hausarrest in Altamira, ist aber flüchtig.

Kathweb, 20.09.2013
Neue Verurteilung im Mord an Ordensfrau in Brasilien
Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura wieder zu 30 Jahren Haft verurteilt

Brasilia, 20.09.2013 (KAP) Ein Gericht im brasilianischen Belem hat den Drahtzieher im Mordfall der Ordensfrau Sr. Dorothy Stang - einer Mitarbeiterin von Bischof Erwin Kräutler - erneut verurteilt. Medienberichten vom Freitag zufolge wurde bereits zum dritten Mal der Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura zu 30 Jahren Haft wegen des Mordes von 2005 verurteilt.

Im Mai hatte das Oberste Gericht ein früheres Urteil zu 30 Jahren Haft aufgehoben, da Bastos keine faire Chance auf Verteidigung gehabt habe.

Die Verteidigung rief nun zahlreiche Zeugen auf, die Bastos' Unschuld beteuerten. Darunter war etwa der geständige Mörder Rayfran das Neves Sales, der sich nach achtjähriger Haft inzwischen wieder auf freiem Fuß befindet.

Die Zeugen erklärten demnach, Bastos sei Opfer eines von Polizisten eingefädelten Komplotts geworden. Die Polizisten hätten ihm den Mord an der damals 73-jährigen Ordensfrau in die Schuhe geschoben, da er als Landbesitzer keine Schutzgelder an die Polizisten habe zahlen wollen. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht.

Der Mord an der Ordensfrau Stang, die sich für die Belange armer Bauernfamilien im Amazonasgebiet einsetzte, sorgte international für Aufsehen. Menschenrechtsgruppen beschuldigten die brasilianische Justiz eines undurchsichtigen Vorgehens. Der bisherige Prozess war durch ständige Neuansetzungen von Verhandlungen und Aussetzungen bereits ergangener Urteile geprägt. Auch jetzt hat Bastos erneut die Möglichkeit, gegen das neue Urteil in Berufung zu gehen.


O Globo, 20.9.2013
Fazendeiro acusado de mandar matar Dorothy Stang é condenado a 30 anos
A sentença foi anunciada após 16 horas de julgamento. Por maioria, o júri condenou Vitalmiro Bastos de Moura, o Bida, por homicídio duplamente qualificado, com pena de 30 anos de prisão.

Folha, 20.9.2013
Fazendeiro é condenado a 30 anos pela morte de Dorothy Stang
O julgamento de ontem foi o quarto pela mesma acusação. Nos três julgamentos anteriores, Bida foi absolvido uma vez e condenado duas vezes. No último, em 2010, Bida foi condenado a 30 anos de prisão, mas o STF (Supremo Tribunal Federal) anulou o julgamento em maio deste ano, sob o entendimento de que a defesa do fazendeiro havia sido cerceada.
A defesa de Bida investiu em dois elementos para tentar convencer o júri de sua inocência: o depoimento de um ex-policial federal que investigou a morte de Dorothy e um documento inédito que provaria que um delegado de polícia forneceu a arma do crime.
Cinco pessoas são acusadas de participar do crime: além de Bida, Regivaldo Galvão, o Taradão, também foi condenado como mandante, mas foi solto por força de habeas corpus em 2012.
Rayfran das Neves Sales e Clodoaldo Carlos Batista foram condenados, respectivamente, como autor e coautor do homicídio. Amair Feijoli, o Tato, foi acusado de ser o intermediário entre os executores e os mandantes.

O Globo, 3.7.2013
Assassino de Dorothy Stang deixa unidade prisional em Belém, no Pará
Rayfran Sales irá cumprir o restante da pena em prisão domiciliar.
Em fevereiro de 2005, em Anapu, ele matou irmã Dorothy com seis tiros.

Dienstag, 12. Februar 2013

Achter Todestag von Schwester Dorothy Stang

Heute vor 8 Jahren wurde Schwester Dorothy Stang in einem Siedlungsprojekt für Landlose in der Nähe von Anapu von Auftragskillern erschossen.
Ein Zitat von ihr: "Ich werde mich nicht aus dem Staub machen und ich werde diese Kleinbauern in ihrem Kampf ums Überleben im Urwald nicht allein lassen. Sie haben ein Recht auf ein besseres Leben auf dem Land, um in Würde leben und produzieren zu können." Sie hat sich wirklich nicht aus dem Staub gemacht.






Adital, 12.02.2013
Oito anos do martírio de Irmã Dorothy Stang
Já se passaram oito anos do assassinato da Irmã Dorothy Stang. Temos consciência de que o testemunho e a mística desta fiel e corajosa discípula de Jesus de Nazaré, com seu sangue derramado na floresta amazônica, ainda irá produzir frutos, muitos frutos.

Irmã Dorothy afirmou, no momento em que foi imolada: "Eis a minha alma” e mostrou a Bíblia Sagrada. Leu ainda alguns trechos das Sagradas Escrituras para aquele que logo em seguida iria assassiná-la. Morta com sete tiros, aos 73 anos de idade, no dia 12 de fevereiro de 2005, em Anapu, no Estado do Pará, Brasil.


Diocese de São Mateus, 15.2.2013
Assassinato da Irmã Dorothy Stang completa 8 anos

Irmã Dorothy Mae Stang era uma religiosa norte-americana naturalizada brasileira. Pertencia às Irmãs de Nossa Senhora de Namur, congregação religiosa fundada em 1804. Em 1966 iniciou seu ministério no Brasil.

Irmã Dorothy estava presente na Amazônia de a década de 70 junto aos trabalhadores rurais da Região do Xingu. Sua atividade pastoral e missionária buscava a geração de emprego e renda com projetos de reflorestamento em áreas degradadas, junto aos trabalhadores rurais da área da rodovia Transamazônica. Seu trabalho focava-se também na minimização dos conflitos fundiários na região.

Freitag, 24. August 2012

Auftraggeber des Mordes an Dorothy Stang wieder auf freiem Fuß

Schwester Dorothy Stang

Der Standard, 23. August 2012
Auftraggeber des Mordes an US-Ordensschwester in Brasilien enthaftet

Brasilia - Brasiliens Oberstes Gericht hat den Auftraggeber des Mordes an der Ordensfrau, Menschenrechts- und Umweltaktivistin Dorothy Stang vorerst auf freien Fuß gesetzt. Wie brasilianische Medien laut Kathpress am Mittwoch berichteten, erließ Richter Marco Aurelio Mello am Vortag eine einstweilige Verfügung. Damit kann Landbesitzer Regivaldo Pereira Galvao in Freiheit seine Berufungsverhandlung abwarten.

Pereira war 2010 zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht hatte ihn für schuldig befunden, für den Mord mehrere tausend Euro gezahlt zu haben. Nachdem er wenig später dank einer entsprechenden Anordnung auf freien Fuß gesetzt wurde, entschied ein Gericht Ende 2011, dass Pereira in Haft seine Berufung abwarten müsse. Dieses Urteil wurde nun vom Obersten Gericht aufgehoben.

Die damals 73-jährige Ordensfrau Stang, eine US-Amerikanerin, war im Februar 2005 nach mehreren Morddrohungen mit sechs Schüssen getötet worden. Stang, die eng mit Bischof Erwin Kräutler (Altamira-Xingu) zusammenarbeitete, hatte sich jahrzehntelang für die Rechte armer Bauern und Landloser in Anapu eingesetzt. Die Gemeinde im Bundesstaat Para ist unter anderem Stützpunkt der Regenwald-Holzmafia. Ihr Engagement gegen illegale Schlägerungen machte Stang zur Zielscheibe von in der Region siedelnden Großfarmern. Der Mord erregte weltweit Aufsehen.

Landbesitzer Regivaldo Pereira Galvao "Taradão"


Womblog, 26.8.2012
Bra­si­lien: Mörder von Men­schen­rechts­ak­ti­vistin Dorothy Stang auf freiem Fuß

Sieben Jahre ist es her, dass die Nonne Dorothy Stang in Bra­si­lien ermordet wurde. Doch der bereits ver­ur­teilte und in Revi­sion gegan­gene Auf­trag­geber der Tag, Regi­valdo Pereira Galvão, befindet sich wieder auf freiem Fuß. Men­schen­rechts­ak­ti­visten befürchten nun wei­tere Morde. Pereira Galvão war 2008 ver­haftet und 2010 zu 30 Jahren Haft ver­ur­teilt worden. Seine Anwälte legten Beru­fung ein und der Groß­grund­be­sitzer wurde aus dem Gefängnis ent­lassen. Aber ein Jahr darauf befand die Justiz, dass er seine Haft­strafe doch noch ver­büßen müsse.

Nun hat das Oberste Gericht ent­schieden, dass er das noch aus­ste­hende abschlie­ßende Urteil über seine Schuld in Frei­heit ver­bringen darf. Am 22. August wurde Pereira Galvão aus der Haft in Alta­mira, einer Stadt im nörd­li­chen Bun­des­staat Pará, ent­lassen.

Sonntag, 12. Februar 2012

Siebenter Todestag von Schwester Dorothy Stang

Schwester Dorothy Stang wurde am 12.2.2005 wegen ihres Einsatz für Kleinbauern, Landreform und Umweltschutz von Pistoleiros im Landesinneren von Anapu erschossen. Zum Gedenken an ihr Wirken für die Siedler gab es Veranstaltungen in Anapu, Altamira und Belém.

Adital, 10.2.2012
Sete anos após assassinato, Dorothy Stang continua viva, símbolo de luta e resistência

Online-Übersetzung bei Caritas.org.br

terra, 12.2.2012
homenagem marca 7 anos da morte de irmã Dorothy
Neste domingo completa-se sete anos da morte da missionária americana Dorothy Mae Stang, conhecida como irmã Dorothy. Para homenagear a ativista, o Comitê Dorothy, grupo de ativistas, organizou uma celebração inter-religiosa na Praça da República, em Belém (PA), pela manhã.

CPT, 10 de Fevereiro de 2012
Irmã Dorothy Stang, um sorriso que contagia
No domingo, dia 12 de fevereiro, celebramos a memória de Dorothy Stang, pelos 7 anos de seu martírio. Sua luta por justiça ainda ecoa na floresta e entre os amazônidas. A presença de irmã Dorothy multiplicou-se. "Sua morte irrompeu com a força da ressurreição. Sua ação, humilde e desconhecida, pequena e quase isolada, expandiu-se por todos os cantos do Brasil, conquistando corações e mentes e ganhou as dimensões do mundo".

Montag, 24. Oktober 2011

Strafmilderung für Auftraggeber der Ermordung von Schwester Dorothy Stang

Vitalmiro Bastos de Moura, Drahtzieher an der Ermordung von Dorothy Stang, bekommt Strafmilderung
Kathweb, 23.10.2011
Brasilien: Strafmilderung für Anstifter zu Mord an Missionarin
Der als Drahtzieher des Mordes an der Missionarin Dorothy Stang zu 30 Jahren Gefängnis verurteilte Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura wird vom geschlossenen in den offenen Vollzug verlegt. Ein Gericht im nordbrasilianischen Belem gewährte die Strafmilderung laut Medienberichten vom Samstag, da Bastos bereits mehr als ein Sechstel seiner Strafe verbüßt habe. Im Februar 2005 hat Bastos laut dem Urteil einem Auftragskiller mehrere tausend Euro für die Ermordung Stangs gezahlt.

Die US-amerikanische Missionarin hatte sich jahrzehntelang für die Landrechte armer Bauern engagiert. Nach mehreren Morddrohungen wurde die 73-Jährige schließlich in der Nähe der Stadt Anapu ermordet. Im Mai 2007 war Bastos als Auftraggeber zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. In einem zweiten Prozess im Jahr 2008 wurde er freigesprochen; die Staatsanwaltschaft hob dieses Urteil aber im April 2009 wieder auf. Im April 2010 erhielt Bastos in einem neuen Verfahren 30 Jahre Freiheitsstrafe.

Nach brasilianischen Recht haben Verurteilte nach einem Sechstel ihrer Haftzeit Anrecht auf Strafmilderung, wobei auch die Untersuchungshaft mit angerechnet wird. Bastos darf nun an fünf Tagen pro Jahr das Gefängnis zu Feieranlässen verlassen. Sollte er eine feste Arbeit finden, so darf er sich von 6 bis 20 Uhr außerhalb des Gefängnisses aufhalten. Zudem wurde Bastos Strafe um vier Monate und 20 Tage verkürzt, da er während seiner Haft regelmäßig gearbeitet hat. Sein Anwalt beantragte auch seine Verlegung von Belem nach Altamira, wo Bastos' Familie lebt. Das Gericht gab diesem Antrag jedoch nicht statt.

Radio Vatikan, 23.10.2011
Brasilien: Strafmilderung für Anstifter zu Mord an Missionarin
Der als Drahtzieher des Mordes an der Missionarin Dorothy Stang zu 30 Jahren Gefängnis verurteilte Landbesitzer Vitalmiro Bastos de Moura wird vom geschlossenen in den offenen Vollzug verlegt. Ein Gericht im nordbrasilianischen Belem gewährte die Strafmilderung laut Medienberichten vom Samstag, da Bastos bereits mehr als ein Sechstel seiner Strafe verbüßt habe.

Archiv:
Zum Fall Dorothy Stang

Anapu em Foco, 22.10.2011
CONDENADO POR MORTE DE DOROTHY STANG TERÁ REGIME SEMIABERTO
O fazendeiro Vitalmiro Bastos de Moura, o Bida, que cumpre pena de 30 anos de reclusão sob acusação de ter mandado matar a missionária norte-americana naturalizada brasileira Dorothy Stang, ganhou ontem o benefício de poder cumprir o resto de sua pena em regime semi-aberto.

Folha Online - 22/10/2011
Condenado por morte de Dorothy Stang terá regime semiaberto
Um dos condenados pela morte da missionária norte-americana Dorothy Stang, o fazendeiro Vitalmiro Bastos Moura, o Bida, obteve na Justiça o direito a cumprir pena em regime semiaberto. Bida foi condenado, em 2005, a 30 anos de prisão sob acusação de ser um dos mandantes do assassinato de Dorothy. Ele está preso em uma penitenciária em Belém.

Mittwoch, 7. September 2011

Verurteilung des Auftraggebers im Mordfall Dorothy Stang bestätigt

Ein brasilianisches Gericht in Belém hat am Dienstag (6.9.) die Verurteilung des Großgrundbesitzers Regivaldo Pereira Galvão als Auftragsgeber für die Tötung der amerikanischen Nonne und Regenwald-Aktivistin Dorothy Stang bestätigt. Er muss seine 30-jährige Haftstrafe antreten.

Ein Schöffengericht hielt Galvão im vergangenen Jahr für schuldig, den Auftrag für die Erschießung von Dorothy Stang im Jahr 2005 gegeben zu haben. Seiner Berufung wurde jedoch stattgegeben, was zu großen Protesten geführt hatte.

In einer neuerlichen Berufung hatte er versucht, das Strafausmaß von 30 Jahren zu senken, was abgelehnt wurde.

Laut Angaben von Agência Brasil stellte sich Regivaldo Galvão noch am Nachmittag der Polizei in Altamira.


Agência Brasil, 6.9.2011
Justiça rejeita recurso e manda prender fazendeiro condenado pela morte de Dorothy Stang
Brasília - A 1ª Câmara Criminal Isolada do Tribunal de Justiça do Pará negou hoje (6) o recurso apresentado pelo fazendeiro Regivaldo Pereira Galvão, o Taradão, condenado a 30 anos de prisão pelo assassinato da missionária norte-americana Dorothy Stang, em 2005, com seis tiros.


Agência Brasil, 6.9.2011
Condenado pela morte de Dorothy Stang entrega-se à polícia
O fazendeiro Regivaldo Pereira Galvão, conhecido como Taradão, condenado a 30 anos de prisão pelo assassinato da missionária norte-americana naturalizada brasileira Dorothy Stang, entregou-se à polícia na tarde de hoje (6). De acordo com a Polícia Civil de Altamira, no Pará, Galvão chegou espontaneamente à delegacia e, após fazer exames de corpo de delito, foi transferido para o Centro de Recuperação do município.

Freitag, 5. August 2011

Verlegung des Mörders von Dorothy Stang nach Altamira abgelehnt

Rayfran das Neves Sales verbüßt eine 27-jährige Strafe in Belém für die Ermordung von Schwester Dorothy Stang am 12. Februar 2005 im Landesinneren von Anapu-PÁ.

Richter Amarildo José Mazutti vom Strafgericht in Belém lehnte gestern (3.8.) den Antrag von Rayfran das Neves Sales um Verlegung aus der Justizvollzugsanstalt Coqueiro in Belém ins Rehabilitationszentrum von Altamira ab. Der Mörder von Dorothy Stang hatte sein Ansuchen damit begründet, dass seine Familienangehörigen in Altamira, 1000 km von Belém entfernt, ihren dauerhaften Wohnsitz hätten.

Auch der Fazendeiro Vitalmiro Moura, als Auftragsgeber zur Ermordung der Missionarin zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt, hatte einen Antrag auf Überstellung nach Altamira eingebracht, der am 13.5. mit der Begründung abgelehnt wurde, in Altamira gäbe es keine geeigneten Zellen.

Montag, 14. Februar 2011

Homilie von Dom Erwin Kräutler zum 6. Todestag der Ermordung von Dorothy Stang

"Ein heiliges Erbstück gilt es zu verteidigen"

Doroty, Liebe bis ans Äußersten

Homilie anlässlich des sechsten Todestages der Ermordung von Schwester Dorothy Mae Stang NDdN

„Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt.“ (Röm 8,20)
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ (Lk 12, 49)

Schwestern und Brüder in Jesus Christus,
geliebtes Volk Gottes in Anapu und an der Transamazônica!

Am 12. Februar 2005 erreichten die Wasser- und Geisttaufe (vgl. Apg 1,5) von Schwester Dorothy Stang und ihre Hingabe als Ordensschwester an Gott in ihrer Feuer- und Bluttaufe die Vollendung. Die Fotos der auf der Straße hingestreckten Schwester zeigen uns, wie das Blut, das aus den tödlichen Löchern strömte, die Erde vom PDS „Hoffnung“ durchdrang. Schwester Dorothy vollendete ihr Leben, das den Armen und dem Regenwald Amazoniens gewidmet war, in einer endgültigen und totalen Hingabe. Ihr Leben wurde von den Gegnern des Siedlungsprojekts für nachhaltige Entwicklung (PDS) genommen. So vollendete sie am eigenen Leib, „was an den Leiden Christi fehlt"(Kol 1,24). Sie vereinigte sich mit dem Blut Christi, Symbol und Wirklichkeit für ihre Liebe, die bis ans Äußerste ging.

„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. (Lk 12,49-50)

Ich glaube, dass es für die Feier des Jahrestages der Ermordung von Dorothy keine geeignetere Bibelstelle gibt, um Mission und Martyrium unserer Schwester besser auszudrücken. Die beiden Verse des Lukasevangeliums verweisen auf die sechste Vollversammlung des Volkes Gottes am Xingu im November 2009. Sie waren das Motto unseres großen Treffens, zu dem Vertreter der ganzen Prälatur gekommen waren, um Schwerpunkte und Leitbilder für die Pastoral und Evangelisierung bis 2014 zu erarbeiten. Der Geist von Schwester Dorothy war bei unseren Treffen immer gegenwärtig. So ist der Brief, der an alle Brüder und Schwestern gerichtet ist, die mit uns am Xingu unterwegs sind, ein Abbild ihrer Überzeugung: "Wir wollen eine Kirche sein, die sich am Aufbau des Reiches Gottes engagiert, eine samaritanische Kirche, die ihr Herz für die Leidenden öffnet, aber auch eine prophetische Kirche, die Aggression und Respektlosigkeit gegenüber der Würde und der Rechte der Menschen energisch verurteilt, und die sich gegen Projekte und Programme erhebt, die Heimat und Umwelt, wie Gott sie für alle Menschen geschaffen hat, zerstören. "

Die Sorge um die Würde und die Menschenrechte waren bei unserer Verkündigung des Evangeliums immer maßgebend. Für uns ist selbstverständlich, dass der Kampf um das Leben der Völker dieser Region nie von der Verteidigung des Amazonas getrennt werden kann: Wälder, Gewässer, die prächtige Artenvielfalt. Denn dieses Amazonien ist die Garantie für das physische und kulturelle Überleben der Menschen, die hier wohnen. Wir sind überzeugt, dass die Achtsamkeit und die Sorge für Gottes Geschenk der Schöpfung zur Verkündigung und zur Bezeugung des Evangeliums dazu gehören. Bereits 1990 bedauerten die Bischöfen von Pará und Amapá "das Verbluten Amazoniens", das "bereits die Grenze erreicht hat, und Gottes Schöpfung stöhnt im Todeskampf." Sie warnten, dass die Übel, die die Region heimsuchen, irreversible ökologische Katastrophe zur Folge haben können, die "katastrophal für das gesamte Ökosystem sein und ohne Zweifel die Grenzen Brasiliens und des Kontinents überschreiten werden."

Im September 2007 versammelten sich die Bischöfe des gesamten brasilianischen Amazonasgebiets in Manaus und veröffentlichen wiederholt ein Dokument, das auf der ersten Lesung dieser Messe basiert: „Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ (Röm 8,21-22). Die Hirten Amazoniens beklagten, dass "die sogenannte ‚Entwicklung Amazoniens’ Abholzung und Ausbeutung der natürlichen Ressourcen gebracht habe, ohne Evaluierung der Folgen. Das ist ein Entwicklungsprozess, der die Natur und den Menschen unterdrückt, weil es auf ökonomistischen Perspektiven begründet ist, vor allem am Gewinn orientiert, ohne soziale und ökologische Verantwortung. (...) Die Erlösung der Menschheit schließt die Rettung der geschaffenen Welt mit ein. Das bedeutet umdenken und für eine adäquate Entwicklung eintreten, an der alle beteiligt sind.

Wir sind heute hier nicht nur versammelt, um Schwester Dorothy zu gedenken, die brutal aus unserer Mitte genommen wurde und für ihren Mut zu danken, mit dem sie Amazonien und seine Völker immer verteidigt hat. Der Hauptgrund dieser Feier des sechsten Jahrestags ihres Todes ist, um Gottes Gnade zu bitten, weiterhin standhaft und mutig im Kampf für eine Welt zu bleiben, wo Gerechtigkeit und Frieden herrschen und wo die Umwelt respektiert wird. Wir wollen auch den gegenwärtigen Moment nutzen und uns fragen, was aus dem Vermächtnis geworden ist, das uns Schwester Dorothy hinterlassen hat. Ich habe hier das letzte Interview, das sie einem Journalisten am 2. Februar 2005, genau 10 Tage vor ihrer Ermordung, gegeben hatte. Dorothy gestand in diesem letzten Gespräch vor den Medien: "Unsere Leute sind sehr geängstigt nd verzweifelt (...). Großgrundbesitzer und Holzhändler treiben sich mit verschiedenen Pistoleiros im PDS herum. Sie dringen in die Höfe ein, zielen mit Waffen auf die Siedler und drohen unser Volk zu töten (...) Das Leid ist sehr groß. Ich glaube fest an Gott und ich weiß, er ist bei mir. Ich rede lieber vom Leben als vom Tod. Unser Volk hat ein Projekt für ein besseres Leben - im PDS. Ich habe keine Zeit, an etwas Schlimmes zu denken. Aber wenn sie mich töten, möchte ich in Anapu begraben werden, bei diesen bescheidenen Menschen. Pará ist meine Heimat geworden."

Sechs Jahre sind vergangen, seit Schwester Dorothy diese ihre letzten Worte über die Medien an die Welt gerichtet hat. Ich frage mich heute: Was hat sich wirklich verändert? Wie ist die Realität der im PDS angesiedelten Familien? Ich weiß nur eins: sie sind weiterhin verzweifelt. Aber noch viel mehr schmerzt, wenn wir sehen müssen, dass viele Menschen, die zu Dorothys Lebzeiten ihren Kampf für die Kleinen im PDS unterstützt haben, heute nicht mehr mit uns gehen. Leider haben sie die Seiten gewechselt. Sie verteidigen eigene Interessen oder die einer Gruppe und versuchen, Schwester Dorothys Traum zu töten und zögern nicht, jene Ideale zu verraten, für die sie ihr Blut vergossen hat.

„Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung seufzt.“
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“

Es ist nicht das Feuer der Brandrodungen!
Es ist das Feuer, das unser Herz brennen lässt, damit wir Sorge tragen für das Geschenk der göttlichen Schöpfung und, im Namen Gottes, die Rechte und die Würde der Völker Amazoniens verteidigen.

Anapu, 12 Februar 2011

Erwin Kräutler
Bischof am Xingu


Quelle: Prelazia do Xingu, Übersetzung: © PlattformBeloMonte
Doroty, amor levado até ao extremo.
Homilia proferida por ocasião do 6º aniversário do assassinato da Irmã Dorothy.

Samstag, 12. Februar 2011

6. Jahrestag der Ermordung von Schwester Dorothy Stang

"Ein geheiligtes Erbstück gilt es zu verteidigen..."

Am 12. Februar 2011 jährt sich zum 6. Mal das Martyrium von Schwester Dorothy Stang. Sie wurde 2005 für ihre Solidarität mit landlosen Kleinbauern und für ihren Einsatz zugunsten von Landreform und für den Schutz des Regenwaldes von skrupellosen Grundspekulanten im Landesinneren von Anapu ermordet. Schwester Dorothy setzte die staatlichen Siedlungsprojekte für angepasste Entwicklung (PDS) in Anapu um und erhielt dafür nationale und internationale Anerkennung.

Die beiden Pistoleiros und einer der beiden angeklagten Mittelsmänner (Tato) sind zwar eingesperrt, aber der zweite (Taradão) die Auftraggeber sind bei "schleppend-laufenden" Verfahren weiterhin auf freiem Fuß.

In Anapu, Altamira und Belém gibt es Gedenkfeiern. Höhepunkt ist die von Bischof Erwin Kräutler geleitete Eucharistiefeier um 19 Uhr in Anapu, mit anschließenden Kundgebungen.

Hintergrund-Info auf Englisch:

YouTube-Video: They Killed Sister Dorothy


Landpastoral am Xingu berichtet über Landkonflikt in Anapu

Die Landpastoral am Xingu (CPT-Xingu) nimmt den 6. Jahrestag der Ermordung von Schwester Dorothy Stang zum Anlass, um in einer Aussendung auf Unrechtssituationen und Landkonflikte in Anapu hinzuweisen. PlattformBeloMonte bringt Auszüge daraus.

Mitteilung der Landpastoral Xingu

Besonders schwerwiegend sind die illegalen Holzschlägerungen nicht autorisierter Holzfirmen in den Siedlungsprojekten für nachhaltige Entwicklung (PDS) „Esperança“ in Anapu. Mit Unterstützung

Die Landarbeitergewerkschaft (STTR) von Anapu, FETAGRI von Altamira und der Bürgermeisters von Anapu versuchten während der letzten Jahre, das von Schwester Dorothy Stang ins Leben gerufene nationale Siedlungsprojekt für Nachhaltige Entwicklung (PDS) in der Siedlung "Esperança" zu Fall zu bringen. Dazu wurden 20 Siedler in das PDS-Projekt eingeschleust, die sich nicht an die Regeln hielten und auf den ihnen zugewiesenen Grundsstücken die Holzplünderungen ermöglichten. Da die Proteste und Klagen der Siedler unerhört geblieben waren, sperrten sie am 10. Jänner 2011 die Zufahrtsstraße zum PDS Esperança ab. PlattformBeloMonte berichtete darüber:
Mit Straßensperre gegen illegalen Holzhandel in Anapu

Am 18. Jänner erschien endlich die Superintendentin der Siedlungsbehörde INCRA, Cleide Souza, im PDS Esperança, um sich vor Ort zu informieren. Cleide sah nicht nur die Siedler, die unrechtmäßig im Projekt wohnten, sondern auch illegale Kahlschläge und Lkw vollbeladen mit Holzstämmen.

Angesichts dieser Zustände stimmte sie einer von den Siedlern geforderten öffentlichen Anhörung mit dem Zuständigen der Nationalen Bauernbehörde zu. Denn die Verhandlungen mit der lokalen INCRA-Behörde waren ergebnislos verlaufen und die Siedler befürchteten, dass die Drahtzieher des Holzraubes ihre Tat ungestraft fortsetzen würden: Luiz Sena, ehemaliger Präsident der STTR und aktueller Vorsitzender des Gemeinderats; Manoel, Präsident von STTR; Frau Jacqueline, Sekretärin der (außerrechtlichen) Genossenschaft innerhalb des PDS; Josildo, Vizepräsident von STTR und Mitglied eines anderen Vereins innerhalb des PDS - alle mit voller Unterstützung des Bürgermeisters von Anapu und Präsident des Kommunalvereinigung Belo Monte, Francisco de Assis, bekannt als “Chiquinho der PT”.

Die von den Siedlern geforderte öffentliche Anhörung fand am 25. Januar 2011 im “Kulturzentrum Dorothy Stang” der katholischen Kirche in Anapu in Gegenwart des nationalen Agrar-Ombudsmannes Richter Gercino (OAN), von Vertretern des Sondersekretariat der Republik für Menschenrechte, der Siedlungsbehörde INCRA, Bundesstaatsanwaltschaft, Bundespolizei, und Staatssicherheitskräften statt.

Alle Teilnehmer hörten, wie zu Beginn der Versammlung Josildo und Luis Sena ihre Anhänger insentivierten “Padre und Schwestern – Hinaus!” zu rufen. Das erinnerte an den Prozess Jesu, als die Römer das Volk fragten: Wen wollt ihr frei haben, Jesus oder Barrabas?

Joselino und Luis Sena beschuldigten Pe. Amaro und die Landpastoral aufs Ärgste, weil sie den illegalen Holzhandel aufgedeckt hatten. “Ein Pater hat sich nicht in solche Angelegenheiten einzumischen. Er hat kein Recht, Klagen einzubringen”, sagte Luis Sena.

Bürgemeister Francisco de Assis, früher ein Verfechter der nachhaltigen Entwicklung in der Region, hat wegen seiner politischen Finanzierung durch die Holzhändler die Seiten gewechselt und sieht in den Kleinbauern nun Einschränkungen für die Wirtschaft. Er hatte auf Wunsch der Holzhändler die Absetzung des regionalen IBAMA-Verantwortlichen erreicht, der um Fiskalisierung des Holzhandels bemüht war und sieben Lkws mit illegalen Holzladungen beschlagnahmt hatte. Deren Besitzer war der Vizebürgermeister und Großgrundbesitzer Délio Fernandes, der 2005 die an der Ermordung von Dorothy Stang beteiligten Hintermänner Tato und Bida gedeckt und ihnen in seiner Fazenda Unterschlupf gewährt hatte.

Es ist erfreulich, dass Machenschaften dieser Gruppe um Josildo, Luis Sena, Manoel und Bürgermeister Francisco de Assis bei dieser Anhörung aufgedeckt und der Landpastoral sowie den Siedlern das Recht zugesprochen und ihre Forderungen erfüllt wurden. Die 20 eingeschleusten Siedler wurden unverzüglich abgeholt und entlang der Zufahrtsstraße wurden Kontrollposten errichtet.

“Gott hört den Schrei seines Volkes un dist gegenwärtig im Kampf der Arbeiter um Gerechtigkeit” (vgl. Ex 3,7)

Kommission der Landpastoral Xingu/Anapu
Movimento Xingu Vivo para Sempre
Comissão de Justiça e Paz da CNBB Regional Norte II
Prelazia do Xingu, Movimento Mulher
Bewegung der von Staudämmen Betroffenen MAB
Via Campesina, MPA, Conlutas


Amerika21, 14.2.2011
Landkonflikte in Amazonien verschärfen sich

Auch die Nationalkoordination der CPT gab eine Stellungnahme ab:
CPT-Nacional, 11.2.2011
NOTA PÚBLICA - Seis anos depois do assassinato de Irmã Dorothy Stang conflitos continuam

Correio do Brasil, 21.1.2011
Presença policial e de representantes do governo reduz tensão em Anapu no Pará
A forte presença policial e a notícia de que representantes do governo federal, entre eles o ouvidor agrário nacional, Gercino da Silva Filho, visitarão a cidade de Anapu (PA) na próxima terça-feira (25), amenizou a tensão entre trabalhadores rurais assentados no Projeto de Desenvolvimento Sustentável Esperança, madeireiros e um grupo de trabalhadores contrários ao que classificam como um excessivo rigor ambiental.


YouTube-Videos auf Portugiesisch über die Versammlung in Anapu am 25.1.2011



Enfrentamento contra a Extração Ilegal de Madeira em Anapu - reportagem
- Ir. Jane
- Fabio
- Promotor
- Gercino
- Chiquinho
- Pe. Amaro
- Cleide
- Manoel
- Materia Reporte Edi

Freitag, 21. Mai 2010

Verurteilter Auftragsgeber im Mordfall Dorothy Stang auf freiem Fuß

Pressemitteilung der Kommission der Landpastoral (CPT), 19.5.2010

Justizurteil: eine weitere Schande!

Die Kommission der Landpastoral (CPT) hält derzeit ihren dritten Nationalkongress in Montes Claros, Minas Gerais, ab, an dem mehr als 800 Delegierte aus ganz Brasilien teilnehmen. An jenem Tag, als wir der Märtyrer von Landkonflikten mit einer Prozession durch die Straßen dieser einladenden Stadt gedachten, erreichte uns die Nachricht von der Freilassung von Regivaldo Pereira Galvão. Über diesen Akt der "Gerechtigkeit" in Pará bringen wir unsere tiefste Empörung zum Ausdruck.

Regivaldo wurde am 1. Mai 2010 als einer der Auftragsgeber zur Ermordung von Schwester Dorothy Stang zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Urteil wird eine Strafe auf Bewährung ausdrücklich abgelehnt. Es ist unfassbar, dass 18 Tage nach seiner Verurteilung eine gerichtliche Anordnung der Richterin Maria de Nazaré Gouveia Silva dos Santos vom Gerichtshof des Bundesstaates Pará erfolgt, die ihm Habeas-Corpus gewährt und ihn frei lässt.

Regivaldo wurde als letzter von fünf Angeklagten im Mordfall Dorothy Stang verurteilt, fünf Jahre nach der Tat am 12.2.2005. Er hatte alle rechtlichen Mittel genutzt, um den Prozesses immer wieder zu verzögern. Mit seiner Verurteilung glaubten wir, dass Gerechtigkeit doch gesiegt hätte. Aber nun ist der Kriminelle wieder auf freiem Fuß.

Wieder einmal wird bestätigt, was sowohl die CPT als auch andere Menschenrechtsorganisationen beklagen: Gefängnisse sind ausschließlich für die Armen gemacht. Wer über die nötigen finanziellen Ressourcen verfügt, hat die "Vorteile des Gesetzes", während die Armen, ohne formelle Anklage inhaftiert, jahrelang in Untersuchungshaft bleiben! Straflosigkeit trägt zum Anwachsen der Gewalt bei!

Am 29. April dieses Jahres überreichte die CPT dem Justizminister eine Liste mit 1.546 ermordeten Arbeitern, die bei 1.162 Vorfällen von Landkonflikten während der letzten 25 Jahren (1985 – 2009) getötet wurden. Nur 88 Fälle davon kamen vor Gericht und nur 69 Täter und 20 Auftraggeber wurden verurteilt. Nur ein verurteilter Auftragsgeber ist momentan hinter Gittern: Vitlamiro Bastos de Moura, einer der verurteilten Verantwortlichen für den Mord an Schwester Dorothy. Regivaldo war bis gestern der zweite.

Das ist die Justiz, die in diesem Land herrscht! Wenn ein Fall wie der von Dorothy Stang, der national und international breite Aufmerksamkeit erfuhr, so behandelt wird, ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Fälle nicht einmal die geringste Aufmerksamkeit erhalten.

Schon der Prophet Jesaja sagte:
"Darum bleibt das Recht von uns fern, die Gerechtigkeit erreicht uns nicht. Wir hoffen auf Licht, doch es bleibt finster; wir hoffen auf den Anbruch des Tages, doch wir gehen im Dunkeln." (Jesaja 59,9).

Die Teilnehmer des Dritten Nationalkongresses der CPT
Weiterführende Links:

Hintergrund: Plattform Belo Monte, 1.5.2010
Fazendeiro zu 30 Jahren nach Mord an Dorothy Stang verurteilt

Zenit, 21.5.2010
Trotz Anstiftung zum Mord an Schwester Dorothy Stang auf freiem Fuß
Korruption hebelt am Amazonas Rechtsstaat aus

Brasilianische Medien:
Folha Online, 19.5.2010
Missionárias temem violência após liberdade provisória a acusado por morte de Dorothy
Die Schwestern der Notre-Dame-Kongregation, zu der auch die ermordete Schwester Dorothy gehörte, befürchten wegen der Freilassung von Taradão Bedrohungen und Gewalt gegen ihre Gemeinschaft.

Folha Online, 19.5.2010
Justiça concede liberdade provisória a condenado por morte de Dorothy Stang

Globo Online, 19.5.2010
TJ do Pará concede liberdade a Regivaldo Galvão, condenado por morte de Dorothy Stang

Samstag, 1. Mai 2010

Fazendeiro zu 30 Jahren nach Mord an Dorothy Stang verurteilt

Verlesung des Urteils: 30 Jahre für Taradão ao vivo em portugues
Amazônia, O Globo, Estadao, 1.5.2010

Als letzter von fünf Angeklagten im Mordfall Dorothy Stang ist Regivaldo Pereira Galvão ‚Taradão’ am 30.4. in Belém (Brasilien) als weiterer Auftragsgeber wegen Anstiftung und Durchführung des Mordes von den Geschworenen für schuldig befunden und zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte für die Tat R$ 50.000 angeboten. Der Mord ereignete sich vor mehr als fünf Jahren im Landesinneren von Anapu im Bundesstaat Pará, Brasilien.

Außer den beiden Pistoleiros Rayfran (28 Jahre) und Clodoaldo (17) wurden bereits der Mittelsmann Tato (18) und vor einem Monat der andere Auftragsgeber Bida zu 30 Jahren Haft verurteilt. Taradão leugnete seine Beteiligung bis zuletzt und beteuerte seine Unschuld. Die Geschworenen sahen die Beweise zur Anstiftung zum Mord für ausreichend und verurteilten Taradão zu 29 Jahren, erhöht durch ein weiteres wegen Alters und Verteidigungsunfähigkeit der 73-jährigen Missionarin. Außerdem muss er die Gerichtskosten tragen. Taradão hat fünf Tage Zeit für den Einspruch - allerdings nicht wegen der Höchststrafe von 30 Jahren; jenes Gesetz wurde geändert.

Dorothy Stang hatte sich mehr als drei Jahrzehnte für den Schutz des Regenwaldes sowie für Landreform und eine nachhaltige Entwicklung eingesetzt. 1999 erreichte sie unter Mithilfe der staatlichen Umwelt- und Siedlungsinstitute ein "ländlich angepasstes und nachhaltiges Entwicklungsprogramm" PDS (Programa de Desenvolvimento Sustentável) für die Region von Anapu. Sie setzte sich für die Errichtung der beiden PDS-Siedlungsprojekte Virola Jatoba und Esperança im Landesinneren von Anapu ein, wo an die 600 Familien und Landlose eine neue Zukunft bekamen. Leider bekamen sie von Anfang an großen Widerstand einiger Großgrundbesitzer und Spekulanten zu süren, die auch vor Gewalt nicht zurückschreckten. Immer wieder erhielt Dorothy Stang Morddrohungen und die Siedler wurden eingeschüchtert oder ihre Hütten angezündet. Am 12. Februar 2005, als in Gemeinschaftsarbeit die zerstörte Hütte einer 10-köpfigen Familie wieder aufgebaut werden sollte und sie auf dem Weg zur Versammlung war, wurde Dorothy vom Pistoleiro Rayfran das Neves Sales erschossen.

In den vergangenen zehn Jahren gab es laut Angaben der Landpastoral zwar mehr als 800 Tote bei Landkonflikten im Amazonasgebiet, es kam jedoch nur zu sehr wenigen Schuldsprüchen. Im Fall Dorothy Stang wurden erstmals zwei Fazendeiros als Auftragsgeber zu 30 Jahren Haft verurteilt.



Siehe auch:

Blickpunkt Lateinamerika, 2.5.2010
Erneut 30 Jahre Haft für Mord an Dorothy Stang

Der Standard, 2.5.2010
Letzter Angeklagter im Mordfall Stang verurteilt
Fünf Jahre nach Mord an Nonne - Landbesitzer muss für 30 Jahre in Gefängnis

Kathweb, 4.5.2010
Mord an Kräutler-Mitabeiterin: Zweiter Auftraggeber verurteilt
Gericht im nordbrasilianischen Belem sprach Landbesitzer schuldig, 2005 Mord an Sr. Dorothy Stang eingefädelt zu haben

Dienstag, 13. April 2010

Mordfall Dorothy Stang: Bida zu 30 Jahren verurteilt

Quellen: Diário do Pará, O Globo und Amazônia, 13.4.2010

Fotogalerie vom Prozess auf Diário do Pará

Der Fazendeiro Vitalmiro Bastos de Moura ‚Bida’, als Auftraggeber am Mord der Missionarin Dorothy Stang im Jahr 2005 angeklagt, wurde am Montag (12.4.) vom Geschworenengericht in Belém zu 30 Jahren geschlossener Haft verurteilt.
Der Prozess begann für Bida überraschend, da sein persönlicher Anwalt Eduardo Imbiriba nicht erschienen war und als Vertretung Arnaldo Lopes de Paula geschickt hatte. Dieser forderte erneut eine Verschiebung, da er die Unterlagen nicht hätte aufarbeiten können. Der Richter Raimundo Moisés Flexa lehnte ab und stellte Alex Noronha und Paulo Bonna als öffentliche Verteidiger bei.
Aus den 25 geladenen Personen wurden sieben per Los als Geschworene ausgewählt. Drei davon wurden zunächst von der Verteidigung abgelehnt, was ihr Recht ist.

Bida beteuerte während der gesamten Verhandlung seine Unschuld und behauptete, Dorothy nicht gekannt zu haben. Am Tag der Tat hätte er Anapu, von Altamira kommend, erst um 12 Uhr erreicht, während Dorothy um 7:30 Uhr erschossen wurde. Er gab zu, dass die Pistoleiros Rayfran das Neves Sales und Clodoaldo Batista am Nachmittag zu ihm auf den Landsitz gekommen waren und vom Tod Dorothys berichteten, er hätte sie aber weggeschickt. Der Richter fragte nach den versprochenen 50.000 Reais, die auch vom bereits verurteilten Mittelsmann Tato bestätigt wurden. Doch Bida bestritt und wiederholte, Rayfran und Clodoaldo nie bei sich angestellt zu haben.
Staatsanwalt Edson Souza brachte Zeugen, die Bida als Auftraggeber schwer belasteten. So hatte erst am Tag zuvor ein Treffen der Angeklagten an einem nahegelegenen Fluss stattgefunden. Außerdem würde niemand so etwas ausführen, ohne dafür einen Lohn zu erhalten.
Auch die beiden Pistoleiros und Tato waren als Zeugen geladen, sie schwiegen aber und gaben keine Antwort.
Das Urteil wurde um 23:50 Uhr, nach 15 Stunden Verhandlungen, verkündet. Bida wurde wegen schweren Todschlags mit der Höchststrafe verurteilt. Die sieben Geschworenen, sechs Frauen und ein Mann, gingen davon aus, dass er für den Mord eine Belohnung versprochen und dass das Opfer keine Chance zur Verteidigung hatte.

David Stang, 71-jähriger Bruder von Dorothy, war wieder zum Prozess nach Belém gekommen. „Natürlich ist es ermüdend, wenn es hin und her geht und viele Interessen im Spiel sind. Aber wir hoffen auf einen Sieg der Gerechtigkeit“, sagte er noch während der Verhandlungen.

Vor dem Gerichtsgebäude gab es Mahnwachen und Kundgebungen mit großer Beteiligung: "Ende der Straffreiheit! Wir wollen Gerechtigkeit!"

Siehe auch:
Social Times, 13.4.2010
Mord an Dorothy Stang: 30 Jahre Haft für Großgrundbesitzer

KathPress, 14.4.2010
Mord an Kräutler-Mitarbeiterin: Auftraggeber in 3. Instanz verurteilt