Donnerstag, 31. Oktober 2019

Paulo Suess: Verheiratete Priester werden kommen


Erzdiözese Wien, 31.10.2019
Amazonien-Experte Suess:
Verheiratete Priester werden kommen
Deutsch-brasilianischer Theologe und Synoden-Experte im "Kathpress"-Interview über zentrale Ergebnisse der Amazonien-Synode und Vorhaben des Papstes

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess ist fest davon überzeugt, dass Papst Franziskus den Weg für verheiratete Priester in Amazonien freigeben wird. Das hat er im Interview mit der Nachrichtenagentur "Kathpress" betont. Der Papst wollte dies nicht von oben herab bestimmen, sondern habe auf die nun von der Amazonien-Synode gegebene breite Zustimmung zu diesem Schritt gewartet. Das sei auch das Neue und Besondere am synodalen Weg, "dass auf die Stimme des Volkes gehört wird". Mehr als 80.000 Menschen seien im Vorfeld der Synode in deren Vorbereitung involviert gewesen, so Suess.

Geduld bei Weiheämter für Frauen
Der 81-jährige Theologe und Priester hatte als Experte an der Synode teilgenommen. Er äußerte sich am Rande einer Tagung in Salzburg, wo am Mittwoch und Donnerstag über die Ergebnisse der Synode beraten wurde.

Suess zeigte sich überzeugt, dass sich auch hinsichtlich der Öffnung von Weiheämtern für Frauen etwas in der katholischen Kirche bewegen wird. Hier brauche es aber noch mehr Geduld, schließlich handle es sich um eine gravierende kulturelle Veränderung, "und das wird noch länger dauern". Jetzt müsse einmal das Diakonat für Frauen geöffnet werden, "und wenn sich dieses bewährt hat, wird man weitersehen". Die Dinge bräuchten einfach Zeit. Frauen würden etwa seit Jahrzehnten im Amazonasgebiet inoffiziell als Gemeindeleiterinnen fungieren, nun werde erstmals im Synodendokument offiziell die Möglichkeit der kirchlichen Beauftragung für Gemeindeleiterinnen erwähnt.

Hinsichtlich der Weihe verheirateter Männer zu Priestern wies Suess darauf hin, dass viele dieser Männer seit Jahrzehnten ihren Gemeinden vorstehen würden. Hier brauche es keine großen Ausbildungsprogramme oder Probezeiten mehr. "Hier geht es nur mehr darum, dass ihnen der Bischof die Hände auflegt und sie weiht."

Es hat auch "Bremser" gegeben
Der Theologe räumte ein, dass bei der Synode nicht alle Teilnehmer gleicher Meinung gewesen wären. Es habe auch "Bremser" gegeben, auf die man im Schlussdokument habe Rücksicht nehmen müssen. Trotzdem wolle er es so auf den Punkt bringen: "Papst Johannes XXIII. hat die Fenster aufgemacht. Papst Franziskus hat jetzt auch die Türen aufgemacht. Jetzt müssen wir halt rausgehen."

Die Kirche sei verantwortlich dafür, die Menschen in Amazonien durch das Wort Gottes und die Sakramente zu stärken. Nur beides zusammen sei wirklich katholisch. Die Synode sei ein erster wichtiger Schritt dafür gewesen.

Wenig Freude hat Suess - wie er weiter sagte - mit den zahlreichen Sekten im Amazonas-Gebiet, die regen Zulauf hätten. Diese würden sich nicht um den Umweltschutz kümmern und die Kultur der Indigenen zerstören. Die katholische Kirche müsse darauf mit einer Stärkung der indigenen Identität antworten.

Mehr Bewusstsein für Schöpfungsverantwortung und den Schutz der Umwelt brauche es im Westen wie auch in Brasilien selbst, so der Theologe. Zwar ließen sich die Ergebnisse der Amazonien-Synode nicht 1:1 auf Europa umlegen, aber in dieser Hinsicht sei die Kirche auf beiden Kontinenten gleichermaßen gefordert.

Haupthema war Zukunft der Schöpfung
Das grundlegende Thema der Synode sei das Leben und die Zukunft der Schöpfung gewesen, so Suess. Die innerkirchlichen Reformen seien diesem Grundanliegen nachgereiht - freilich für eine glaubwürdige und inhaltlich kohärente Kirche unbedingt vonnöten.

Der Theologe und Missionswissenschaftler Suess war einer der Hauptreferenten bei einer nachsynodalen Tagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil am Mittwoch und Donnerstag. Als zweiter Hauptreferent war der Amazonas-Bischof und Präsident des Indigenenmissionsrats der brasilianischen Bischöfe (CIMI), Erzbischof Roque Paloschi, angereist. Von Seiten der heimischen Bischöfe nahmen Erzbischof Franz Lackner, Bischof Werner Freistetter und Bischof Wilhelm Krautwaschl an der Veranstaltung teil. Rund 100 Vertreter von kirchlichen Umweltorganisationen bzw. entwicklungspolitischen Organisationen berieten über Konsequenzen aus der Synode für die Kirche in Österreich. Veranstalter war die Koordinierungsstelle für internationale Entwicklung und Mission (KOO) der Österreichischen Bischofskonferenz.


Adveniat, 16.10.2019
Ist die deutsche Kirche reich, weil so viele arm sind?
Interview zum Welttag der Armen mit dem in Brasilien lebenden Theologen Paulo Suess

Mit dem Welttag der Armen will Papst Franziskus „die Gläubigen anspornen, damit sie der Wegwerfkultur und der Kultur des Überflusses eine wahre Kultur der Begegnung entgegenstellen“. Die beiden Hilfswerke Adveniat und Misereor haben auf den verschiedenen Kontinenten Menschen interviewt, die sich mit ihrem Leben für die Armen einsetzen. Papst Franziskus holt uns aus der Komfortzone des Lebens auf den Boden des Alltags, ist der in Brasilien lebende Theologe Paulo Suess überzeugt.

Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode


Redaktion Feinschwarz 31. Oktober 2019
Wenn der Fluss über die Ufer tritt …
Über die gerade abgeschlossene Amazoniensynode

Ein Exklusivbericht der Synodenteilnehmerin Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode.

Den Titel meines Beitrags habe ich in Anklang an ein Bildwort des Papstes gewählt, das er in einer Ansprache im Verlauf der Synode gebrauchte, um uns zu motivieren, mutig weit über eng abgesteckte Rahmen und Grenzen hinauszuschauen und – von der Liebe zu Gott, zu den Menschen Amazoniens sowie zu diesem konkreten Teil der Erde beflügelt – Neues zu wagen. Der Papst gebrauchte mehrmals den spanischen Begriff “desbordante”.

Wasser für steriles Land

Dieser ist uns im Amazonasgebiet sehr gebräuchlich, bleiben doch in der Regenzeit die Flüsse nicht in ihrem vorgegebenen Flussbett, sondern treten aufgrund der grossen Mengen an neuem Wasser, das ihnen zugeführt wird, weit über die Ufer. Dadurch befruchten sie das umliegende Land, das sonst steril bliebe. Es ist ein starkes Bild für das, was zumindest anfanghaft und mit gewisser Kraft in den Wochen der Synode für Amazonien geschehen ist und nun in der Umsetzung weiter vorangebracht werden will.

Ich habe in den Tagen oft an das Jesaja-Zitat gedacht: “Seht her, ich mache etwas Neues, schon kommt es zum Vorschein” (Jes 43,19). Das war im Synodenprozess mal sehr deutlich, mal inmitten im Ringen darum wahrzunehmen.

Lebenskraft spürbar

Wie Austen Ivereigh hervorhob, war dies die erste “territoriale” Synode überhaupt. Und zum ersten Mal standen die verschiedenen Bevölkerungsgruppen des Amazonasraumes, insbesondere die 390 indigenen Völker mit etwa drei Millionen Mitgliedern, im Mittelpunkt der Beratungen und Anliegen einer Synode.[1]

Die indigenen Vertreter und Vertrerinnen ihrer Völker traten seit dem ersten Arbeitstag der Synode deutlich hervor. Denn an diesem Tag wurde zu Beginn eine Prozession vom Petersdom in die Synodenaula gemacht, die von den Indigenen angeführt wurde. Im Petersdom waren ihre Instrumente und die Klänge ihrer Musik zu hören, sie waren dort zu sehen in der Farbentracht ihrer Kleider und mit ihren Tanzschritten. In alldem wurde etwas von der Lebenskraft und Lebensfreude Amazoniens sichtbar und spürbar.

Synodaler Geist bringt hierarchische Ordnung durcheinander,

Beim Auszug aus dem Petersdom geschah spontan etwas Bezeichnendes: angekündigt worden war, dass die Reihung beim Auszug gemäß der liturgischen strikt hierarchischen Ordnung im Petersdom zu erfolgen habe, mit den Synodenvätern je nach Rang an der Spitze. Aber verschiedene Bischöfe gaben deutliche Signale, dass wir doch alle Synodenväter und -mütter sind und daher miteinander und nicht nach Rängen geordnet den Weg gehen und in die Synodenaula einziehen sollten. Das geschah dann auch so.

Der darin zm Ausdruck kommende synodale Geist war weitgehend sehr präsent sowohl in den Plenarsitzungen als auch in der Arbeit in den so genannten “kleinen Zirkeln”. Es wurde mit viel Freimut gesprochen, auch über die brisanten Themen. Mehre Bischöfe, die schon an vielen Synoden teilgenommen haben, sagten uns, dass dies wirklich neu und ein wichtiger Schritt nach vorn gewesen sei, was die Generierung einer Kultur in Kohärenz mit einer synodalen Kirche anginge.

Kritischer Moment zu Beginn der letzten Woche

Der Freimut zeigte sich auch in einem kritischen Moment, als zu Beginn der letzten Synodenwoche der erste Entwurf des Abschlussdokumentes vorgelegt wurde, der inhaltlich nicht unseren Erwartungen und Anforderungen im Hinblick auf das Ergebnis der intensiven gemeinsamen Beratungen entsprach. Der Einspruch gegen diesen Text und die begründete Kritik daran wurden deutlich vorgebracht. Zugleich wurde in den folgenden Tagen konstruktiv und konsequent an der inhaltlichen Umgestaltung des Textes gearbeitet.
Zentrum und Peripherie: Von der Herausforderung, wahrhaft zu einer Weltkiche zu werden.

Die Spannung zwischen Peripherie und Zentrum wurde an verschiedenen Stellen deutlich. Obwohl Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben “Die Freude des Evangeliums” und anderswo darauf gedrängt hatte, einen inneren und äußeren Ortswechsel zu vollziehen und zu lernen, die Welt aus der Perspektive eines anderen Ortes, eben nicht des Zentrums, sondern der (Macht)Peripherie wahrzunehmen sowie die Peripherie, die Welt der Armen, gesellschaftlich an den Rand Gedrängten und Ausgeschlossenen als Erschließungsort des Evangeliums anzuerkennen[2], war auffallend, wie schwer dies im Dialog mit verschiedenen Vertretern der Kurie zu verwirklichen war.

Hier überwog häufig die Perspektive, primär in kirchenrechtlicher Perspektive die Realität zu betrachten und zu beurteilen und eben nicht vorrangig in pastoraler Perspektive der Peripherie, ausgehend von den pastoralen Nöten und Erfordernissen, die viele Bischöfe und Laien, vor allem indigene Repräsentanten ihrer Gemeinden eindrücklich vorbrachten.

Dass dies auch anders geschehen kann, zeigte der Redebeitrag von Kardinal Oswald Gracias, dem Erzbischof von Bombay und Vorsitzenden der Bischofskonferenzen Asiens, der promovierter Kirchenrechtler ist. Er wies Wege auf, wie vom Kirchenrecht her die Einfuhrung der Viri Probati in den Ortskirchen Amazoniens ermöglicht werden könnte. Denn ihm sind die zugundeliegenden pastoralen Nöte von seinem Kontext her wohl bekannt.

Priesterweihe für verheiratete Familienväter

Es war auch bewegend, die Beiträge der indigenen Repräsentanten zu diesem Thema zu hören. Nachhaltig beeindruckt hat uns der Redebeitrag eines indigenen Katecheten der Quichua, der sehr eindringlich vorbrachte, dass den Gemeinden, die er pastoral begleitet, die Eucharistiefeier sehr viel bedeutet und sie die meiste Zeit darauf verzichten müssen. Denn aufgrund des akuten Priestermangels können sie diese nur zwei- oder dreimal im Jahr feiern. Er bat im Namen dieser Gemeinden eindringlich um die Einführung der verheirateten Familienväter mit Priesterweihe. In den verschiedenen Beiträgen wurde dieses Argument stark gemacht, da es der tiefe Wunsch vieler christlicher katholischer Gemeinden im Amazonasgebiet ist; das haben die Konsultationen deutlich gezeigt.

Wie kontrovers dieses Thema auf der Synode diskutiert wurde, zeigt das Abstimmungsergebnis in Bezug auf das Schlussdokument. Über jeden seiner 120 Textabschnitte oder Artikel im zweiten Textentwurf musste getrennt abgestimmt werden. Nur die Artikel, die die Zweidrittelmehrheit erhielten, das hieß mindestens 120 Stimmen, schafften es ins Schlussdokument. Der Artikel über die verheirateten Priester erhielt zwar die meisten Gegenstimmen (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen), errang aber die nötige Stimmenzahl. Es müssen noch genaue Kriterien für die Auswahl der entsprechenden Familienväter erstellt werden.

Klerikalisierung vermeiden

In den Redebeiträgen wurde oft darauf hingewiesen, dass eine Klerikalisierung der verheirateten Familienväter unbedingt vermieden und sicher gestellt werden muss, dass sie die Fähigkeit zur Arbeit in einem pastoralen Team von Frauen und Männern sowie zur Gestaltung guter Kommunikationsprozesse und Schaffung von Konsens besitzen; letzteres ist von großer Bedeutung in den indigenen Gemeinden, da es ein wesentlicher Aspekt ihrer Kultur ist. Im Hinblick auf die Viri Probati und ihre Ausbildung muss noch vieles im Detail bedacht werden. Wichtig ist, dass der Weg hierzu frei wird.
„Jetzt ist die Stunde”: Mehr Leitungsverantwortung und Leitungsämter für Frauen in der Kirche

Der Satz „Jetzt ist die Stunde“, der aus einem Zitat von Papst Paul VI. im Zusammenhang mit der wesentlichen Rolle der Frauen stammt, wurde zu einem Leitwort während der Synode. In vielen Beiträgen in der Synodenaula als auch in den kleinen Arbeitszirkeln wurde die Notwendigkeit stark zum Ausdruck gebracht, miteinander effektiv an der Überwindung von Machismo und Klerikalismus in der Kirche im Allgemeinen und der Kirche Amazoniens im Besonderen zu arbeiten, Frauen mehr Leitungsverantwortung und Leitungsämter, die kein Weiheamt voraussetzen, – und das sind viele –, zu übertragen.

Das wurde nicht nur von uns Frauen, sondern ebenso von vielen Bischöfen gefordert. In meiner Arbeitsgruppe sagte zum Beispiel ein Bischof, der bereits eine Frau zur Generalvikarin in seiner Diözese ernannt hat, dass “synodale Kirche sein” bedeutet, nicht nur miteinander Wege zu gehen, sondern auch miteinander zu beraten und gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Wir Frauen wurden von vielen Bischöfen darin unterstützt, dass es unbedingt an der Zeit ist, formal anzuerkennen, was in der Kirche Amazoniens bereits Realität ist, nämlich, dass die katholische Kirche an vielen Orten nur dank der Frauen präsent ist.

Dienstamt für Frauen als Gemeindeleiterinnen

Diese leiten viele Gemeinden, koordinieren die Pastoralarbeit, regen verschiedene Initiativen an wie Bibelkreise, in denen das Wort Gottes auf das Leben hin ausgelegt wird, eine ganzheitlich ausgerichtete Gesundheitspastoral sowie eine ganzheitliche Ökologie und die ihr zugrunde liegende Schöpfungsspiritualität sowie deren Umsetzung in konkretes Handeln aus ökologischer Verantwortung. Daher wurde mit Nachdruck darum gebeten, ein Dienstamt für Frauen als Leiterinnen von Gemeinden einzuführen, da die glaubhafte Bezeugung des Evangeliums und die pastorale Begleitung der Gemeinden dies erfordern.

Es wurde von vielen Frauen, aber auch von mehreren Bischöfen deutlich der Wunsch vorgetragen, die Diakonninenweihe in der katholischen Kirche einzuführen. Das war in den Konsultationen von vielen Menschen im Amazonasgebiet erbeten worden. Darauf ist mit Nachdruck hinzuweisen angesichts von Kritiken aus sehr konservativen Kreisen, dass angeblich deutsche Priester und Bischöfe diese Gedanken in das Arbeitsdokument für die Synode eingetragen hätten. Dem ist nachweislich nicht so.

Nötiges Zugeständnis

Im Schlussdokument fällt auf, dass der Textabschnitt zum Frauendiakonat sehr vorsichtig formuliert ist. Dies war ein nötiges Zugeständnis, um sicher zu stellen, dass dieser Abschnitt überhaupt im Schlussdokument erscheint. Es ist der Artikel, der nach dem Abschnitt über die verheirateten Priester die meisten Gegenstimmen zu verzeichnen hatte, aber dennoch etwas mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhielt.

Wir Frauen haben getrennt davon ein Gesuch an den Papst gestellt, die Frage des Frauendiakonats weiterzuführen. In seiner Ansprache nach der Abstimmung erkannte er an, dass die stärkere Rolle der Frau in der Kirche generell und in Amazonien im besonderen eine starkes Thema der Synode war. Er versprach, die Kommission zum Frauendiakonat mit neuen Mitgliedern zu besetzen, um in der Frage weiterzukommen und die Rolle der Frau in der Kirche noch mehr zu stärken.

Zeichen der Hoffnung

Ein kleines Zeichen in diese Richtung ist, dass er zwei Frauen und einen Laien in die Kommission zur Redaktion des päpstlichen Schreibens im Anschluss an die Synode berufen wird. Das war bislang nicht üblich. Er hat in mehreren Aussagen zu verstehen gegeben, dass er sich wünscht, dass den Frauen noch viel mehr Raum in der Kirche gegeben wird und ihr Beitrag weit über die Funktionen hinausgeht, die sie ausüben.
Kirche, Bündnispartnerin der Völker Amazoniens im Einsatz für den Erhalt des Amazonasraumes angesichts seiner großen Gefährdung

Ein weiteres zentrales Thema der Synode, das auch im Schlussdokument eingehend behandelt wird, ist die enorme Gefährdung des Amazonasraumes. Er ist davon bedroht aufgrund der zahlreichen schädigenden Eingriffe in das an Biodiversität so reiche, aber zugleich so verwundbare Ökosystem zu kollabieren.

Suche nach Bündnispartnern

Der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber machte in seinem Beitrag deutlich, dass nur noch etwa zehn Jahre bleiben, um dem Erreichen des drohenden Kipppunktes entgegenzuwirken. Dieser würde katastrophale Folgen nicht nur für Lateinamerika, sondern letztlich für den gesamten Planeten haben.

In bewegenden Worten riefen mehrere indigene Vertreterinnen die Kirche dazu auf, Bündnispartnerin ihrer Völker im Einsatz zum Erhalt Amazoniens zu sein. Die Kirche hat sich im Schlussdokument darauf verpflichtet und anerkannt, dass sie viel von den indigenen Völkern im Hinblick auf eine ganzheitliche Ökologie und eine ökologisch verantwortliche Beziehung zum Lebensraum lernen kann. Gemeinsam mit diesen Völkern als Protagonisten will sie sich für neue, solidarische und wahrhaft nachhaltige Modelle des Wirtschaftens einsetzen. Auf der Synode wuchs die klare Erkenntnis, dass es dazu internationaler Allianzen nicht nur innerkirchlich, sondern auch auf zivilgesellschaftlicher und zwischenstaatlicher Ebene unbedingt bedarf. Dieser Aspekt hätte meines Erachtens noch vertieft werden können.

Identität der Kirche Amazoniens

Im Prozess der Synode hat sich die Identität der Kirche Amazoniens, die sich vom Territorium und den verschiedenen Kulturen prägen lässt, danach trachtet, sich in diesen Kulturen zu beheimaten („inkulturieren“) und im Kontext Amazoniens das Evangelium in Wort und Tat glaubhaft zu verkünden, weiter ausgeprägt. Die Kirche in Amazonien ist sich ihrer Partikularität noch stärker bewusst geworden sowie der Notwendigkeit, viel intensiver und in vernetzter Weise zusammenzuarbeiten. Zugleich hat sich das Bewusstsein ihrer Würde als Partikularkirche gestärkt, die sich eine Weltkirche wünscht, in der die Einheit in der Anerkennung und Wertschätzung der Vielfalt gründet.



Prof. Dr. Birgit Weiler gehört dem Orden der Missionsärztlichen Schwestern an. Als Spezialistin für indigene Theologien lehrt sie systematische Theologie an der Jesuiten-Universität Antonio Ruiz de Montoya in Lima/Peru und nahm als vom Papst ernannte Expertin an der Amazoniensynode teil.

Bildquelle: Pixabay

[1] Ivereigh, Austen, When the Amazon Meets the Tiber. What to Expect from the First ‘Territorial’ Synod, in: https://www.commonwealmagazine.org/when-amazon-meets-tiber, Abruf vom 27.10.2019.

[2] Vgl. Gmainer-Pranzl, Franz, Missionstheologie und Entwicklungstheorie. Skizze eines interdisziplinären Projekts, in: Delgado, Mariano/Sievernich, Michael/Vellguth, Klaus (Hg.), Transformationen der Missionswissenschaft. Festschrift zum 100. Jahrgang der ZMR (Sonderband der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft), St. Ottilien 2016, 128–137,135.

Amazonien-Synode-Abend mit Erwin Kräutler in Bregenz


Vorarlberger KirchenBlatt, 31.10.2019
Zuversichtlich und optimistisch
Rund 200 Interessierte kamen am Mittwochabend (30.10.2019) in die Bregenzer Seekapelle, um Bischof Erwin Kräutler zu hören. Er erzählte von der Amazonien-Synode, von Ergebnissen und Hintergründen, von Anekdoten und Nebenschauplätzen. Seine Zuversicht und Gelassenheit steckten an.

Das Interesse für den Abend war unerwartet groß und so entschieden die Veranstalter am Nachmittag, den Vortrag von der Buchhandlung Arche in die Seekapelle zu verlegen. Eine gute Entscheidung, der Ort war stimmungsvoll, die Konzentration leicht, es gab ausreichend Platz und Luft. Neben dem Altar nahmen Bischof Erwin Kräutler und Moderatorin Judith Zortea Platz. Obwohl der Geistliche erst am Vortag aus Rom zurückgekommen war, zeigte er sich frisch und wach, beantwortete die Fragen klar und engagiert. Was zuvor aus den Medien als Faktum bekannt war, bekam dadurch neue Farbe, denn Kräutler erzählte von Hintergründen und Nebenschauplätzen und machte das Geschehen in Rom damit lebendig und greifbarer.

Das Volk einbezogen
Eine Besonderheit dieser Synode, so der emeritierte Bischof von Xingu, war deren Vorbereitung. Am 18. Jänner 2018 schon verkündete Papst Franziskus bei einem Treffen mit indigenen Völkern den Beginn. Es wurden Fragebogen verteilt, die nicht nur von Experten, sondern von allen, also auch dem "kleinen Mann und der kleinen Frau" ausgefüllt wurden. Die Umfrage wurde gebündelt und nach Rom geschickt, daraus entstand das Arbeitspapier der Synode. "Während der Synode hab ich von überallher 'Sabisabis' bekommen - das sind WhatsApp-Nachrichten bei uns in Brasilien", erzählt Kräutler. "'Wir beten für euch', hieß es dort oder 'die ganze Synode über brennen Kerzen bei uns'... Die Leute durften ja mitreden, das Ganze ist ein Prozess."

Priesterfrage
Die Situation der Menschen vor Ort bestimmte die Themen und Ergebnisse der Synode. "Bei uns haben tausende von Gemeinden nur zwei- bis dreimal im Jahr die Möglichkeit, Eucharistie zu feiern. Bei den großen Festen wie Weihnachten und Ostern ist nie ein Priester da", schilderte Kräutler die Lage. "Laien - Frauen und Männer - halten Wortgottesdienste. Warum können diese nicht der Eucharistie vorstehen, warum erhalten sie keine Weihe?" Aus dieser Situation war der Wunsch nach einer Änderung der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt entstanden. "Es geht nicht um die Abschaffung des Zölibats", stellte Kräutler klar. "Sondern es soll auch andere Zugänge zum Priesteramt geben."

Stimme der Frauen
Diskutiert wurde auch über die Rolle der Frau bzw. über das Frauendiakonat. Bei der Abstimmung sprachen sich acht von zwölf Gruppen dafür aus, dieses sofort einzuführen. Dieses "Sofort" schaffte es nicht in die Schlusserklärung. "Aber das Frauendiakonat ist drin im Text, es ist nicht vom Tisch", erklärte Kräutler zuversichtlich. Zudem erweiterte der Papst die Kommission, die diese Frage seit geraumer Zeit bearbeitet. Kräutler stellte eine große Wertschätzung der Frau fest, was ihn besonders freute. "Frauen sollen in Leitungspositionen kommen, damit es nicht nur männliche Entscheidungen gibt", erklärte er überzeugt. Zudem schilderte er, wie die Beiträge der über 50 teilnehmenden Frauen während der Synode vielfach mit großem Applaus bestätigt wurden. "Es war sicher die letzte Synode, bei der Frauen nicht mitstimmen durften", zeigte sich der Kirchenmann optimistisch.

Ein "amazonischer Ritus"
Ein großes Thema - gerade in Zusammenhang mit den indigenen Völkern - war die Frage der Inkulturation. "Evangelisierung muss von den kulturellen und religiösen Erfahrungen der Menschen ausgehen - sie sind der Humus, auf dem wir verkünden", brachte Kräutler die Grundausrichtung der Synode zum Ausdruck. Es gehe darum, neue Formen zu finden, die die kulturellen Ausdrucksweisen eines Volkes berücksichtigen - ob dies nun Tänze sind oder mythologische Erzählungen. Wie ein solcher "amazonischer Ritus" konkret aussehe, stehe noch nicht fest. Es gebe hunderte verschiedene Völker in Amazonien und vier Sprachgruppen - ein solcher Ritus müsse erst entwickelt werden. "Die Synode ist lediglich ein Impuls für eine neue Vision der Liturgie", so Kräutler.

Ökologische Umkehr
Das zweite große Thema neben diesen "neuen Wegen der Kirche" waren Fragen zu einer ganzheitlichen Ökologie. Seit 54 Jahren lebt der Vorarlberger in Brasilien und wurde Zeuge der jahrzehntelangen Regenwaldzerstörung, die nicht nur indigene Völker ihres Lebensraums beraubt, sondern auch fatale Auswirkungen auf das Weltklima hat. "Die Axt ist am Baum", sagte er in Vorarlberger Weise. Die Synode erklärte, dass die "Kirche ihr Potential ausnützen müsse für Gewissensbildung und Öffentlichkeitsarbeit - in allen Gemeinden, weltweit". Kräutler ist davon überzeugt, dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, dass wir quasi mitschuldig sind, denn Wirtschaftsabläufe sind weltweit vernetzt. Es gehe darum, alles zu hinterfragen - woher es kommt, wie es produziert wird oder verpackt ist. Der Papst spreche von einer "ökologischen metanoia" - einer ökologischen Umkehr.

Die Fragen, die nach dem ersten Teil aus dem Publikum kamen, wurden von Kräutler in aller Offenheit beantwortet - oder, je nach Thema, offengelassen. Die Stimmung in der Kirche war ebenso locker, wie der Redende selbst, immer wieder kam es zu Zwischenapplausen. Am Ende des Gespräches ermöglichte eine kurze Schweigezeit, das Gehörte wirken zu lassen. Schließlich wurde Bischof Kräutler in minutenlangem Applaus und Standing Ovations verabschiedet. Sie waren wohl auch Zeichen der Dankbarkeit und des Respekts für sein lebenslanges, außergewöhnliches Engagement. Viele BesucherInnen folgten schließlich der Einladung in die Buchhandlung Arche, in der ein Glas Wein wartete, Bischof Kräutler seine Bücher signierte und sich auf so manche Plauderei einließ.

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Die Tagespost, 9.11.2019
Auswirkungen auf die ganze Kirche
Bischof Erwin Kräutler plädiert für die Weihe verheirateter Männer und Frauen, nicht nur in Amazonien.

Tief im Westen, hinter dem Arlberg, liegt Vorarlberg. Zumindest aus österreichischer Sicht. Hier, im „Ländle“, wie die Einheimischen ihr Bundesland nennen, hat Bischof Erwin Kräutler seine Wurzeln. Hier kennt der Amazonas-Bischof die Seinen, und die Seinen kennen ihn.

Für die Präsentation seines neuen Buchs „Erneuerung jetzt. Impulse zur Kirchenreform aus Amazonien“ ist die Buchhandlung Arche viel zu klein; man verlegt den Auftritt kurzerhand in die gegenüberliegende Seekapelle. In der Arche gewährt mir der Amazonas-Bischof ein Interview. „Es geht nicht um den Zölibat. Der wird nicht abgeschafft“, insistiert er. Aber: „Neben dem Zölibat soll es neue Zugänge zum Weihepriestertum geben. Gerade in Gegenden, wo wahnsinniger Priestermangel herrscht, so dass die Leute das ganze Jahr hindurch nicht eine Eucharistiefeier haben, ist es notwendig, dass wir neue Wege finden.“ Das sei „ein Sinn der Synode“ gewesen. „Es ging um neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie.“

„Diakoninnen wären der erste Schritt“
35 Jahre war der gebürtige Vorarlberger Bischof der Prälatur Xingu im Amazonas-Gebiet, bis 2016. „Wenn die Menschen weder an Weihnachten noch an Ostern noch an Pfingsten eine Eucharistiefeier haben, dann fehlt was. Die evangelikalen, pfingstlerischen Kirchen nützen das weidlich aus, weil wir einfach nicht da sind.“ Ein Rezept fand der Bischof in all den Jahrzehnten nicht. Außer die Forderung nach „personae probatae“, also nach der Weihe bewährter Männer und Frauen.

Verheiratete geweihte Männer wären ja nichts Neues, meint Kräutler mit Verweis auf die mit Rom unierten Ostkirchen. Die Weihe von Frauen wäre jedoch wider alle Tradition und das Ende der Ökumene mit der Orthodoxie, gebe ich zu bedenken. „Das ist eines der größten Probleme“, zeigt sich Kräutler nachdenklich. Doch er bleibt bei seiner Agenda: „Wir können das nicht von vornherein ausschließen. Es ist ein Prozess. Diakoninnen wären der erste Schritt.“

Richtig in Rage gerät der 80-jährige Bischof bei der Frage, ob er sich tatsächlich gebrüstet habe, nie einen Indio getauft zu haben: „Alles Blödsinn! Kompletter Unsinn! Ich habe vor Jahren gesagt, wir müssen schauen, dass es eine katholische Kirche mit indigenem Antlitz gibt. Es geht nicht darum, Indios zu taufen und zu denken, sie hörten damit auf, Indios zu sein und seien Christen.“ Ob er nun getauft habe oder nicht? „Aber natürlich. Tausende Indigene!“ Das Gerücht komme „aus einer bestimmten Ecke. Die machen mir das Leben manchmal zur Hölle.“

Kräutler erzählt vom Polizeischutz, den er in Brasilien seit 13 Jahren habe, von Angriffen auf ihn in Europa, „so brutal und teuflisch, wie ich es nie erwartet habe“. Ob das Zitat zur Taufe eine Fälschung sei? „Es ist total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich würde das nie so sagen.“ Die Taufe ist und bleibt heilsrelevant? „Ja, klar! Sicher!“

"Haben Sie das jetzt verstanden?"
Kräutler signiert ein Buch, verabschiedet sich. „Haben Sie das jetzt verstanden?“, ruft er mir nach. Ja, hab ich. Drüben in der Seekapelle warten Einheimische, die ihren Bischof Erwin seit Jahrzehnten verstanden haben. Man kennt einander, und das schon lange, wie nicht nur der Altersdurchschnitt nahelegt. Kräutler kommt, Kniebeuge vor dem Tabernakel, Begrüßung in Vorarlberger Mundart, dann wechselt er ins Hochdeutsche. Der Amazonas-Bischof schildert Anfeindungen, Widerstände gegen seine Agenda und einen gut zuhörenden Papst.

Bei der Synode sei es um die klimaregulierende Funktion des Amazonasgebiets für den Planet Erde gegangen. Und um neue Wege für die Kirche: „Alte Wege müssen überarbeitet werden oder sind obsolet.“ Noch vor Weihnachten erwarte er das Nachsynodale Apostolische Schreiben des Papstes, so Kräutler. Der Abschlusstext der Synode sei „nicht exzellent, aber ziemlich gut“. Beim Frauen-Diakonat habe er mehr erwartet. Es seien ja mehrheitlich Frauen, die die Wortgottesdienste halten. „Warum kann eine solche Frau nicht zum Priestertum berufen werden?“ Der Amazonas-Bischof denkt nicht nur an Amazonien. Die Synode habe „Auswirkungen auf die ganze Kirche“. Auch in Österreich gebe es Priestermangel und „Blaulichtpriester“. Darum: „Es gibt gut vorbereitete Pastoralassistenten und -assistentinnen, die die Chance bekommen sollten.“ Allerdings geht es ihm bei der Forderung nach der Weihe von Frauen gar nicht um den Priestermangel: „Das ist eine Frage der Geschlechtergerechtigkeit.“

Brutaler Angriff auf die indigenen Völker
Kräutler wirbt dafür, die „Ausdrucksformen der Indigenen in unsere Liturgie zu integrieren“. Etwa die Figur der Pachamama. „Es gibt Leute, die meinen, die Pachamama sei eine Göttin“, sagt er, um auf Rückfragen zu versichern, jene Katholiken, die die Figuren nach Rom gebracht haben, seien „weit davon entfernt, sie als Gottheit zu verehren“. Dieses „Symbol der Fruchtbarkeit“ in den Tiber zu werfen, sei „ein brutaler Angriff auf die indigenen Völker“ gewesen.

An diesem Abend in der Seekapelle zu Bregenz gibt es keine Widerworte gegen Bischof Kräutlers Forderungen nach einem amazonischen Ritus und nach „personae probatae“. Dafür stehende Ovationen und heimatliche Verbundenheit. „Griaß' dahoam“, ruft „der Erwin“, wie die Moderatorin den Bischof nennt, einem zu. Was er inhaltlich zu sagen hat, kennen die Seinen längst. An einer Stelle ist er nicht mehr sicher, ob es eine Formulierung von ihm oder von Paul Zulehner ist. „Ist ja egal!“, meint er.

Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu
Stimmt. Ist wirklich egal, denn Zulehner und Kräutler spielen einander die Bälle seit Jahren zu. Vor wenigen Tagen startete der gleichfalls in die Jahre gekommene emeritierte Wiener Pastoraltheologe eine Online-Petition „#Amazonien auch bei uns!“. Die Amazonas-Synode sei „ein historisches Ereignis für die Weltkirche“, das „in unsere Ortskirchen Bewegung bringen“ solle. Auch Zulehner fordert, dass „Personen, die sich in den Gemeinden bewährt haben und von diesen vorgeschlagen werden, über den Weg des Diakonats der Zugang zur Priesterweihe eröffnet“ werde. Das ist es, was Bischof Kräutler mit „personae probatae“ meint.

Erwin Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen


Vorarlberg.orf.at, 30.10.2019
Kräutler: Kirchen-Reformen werden kommen
Am Sonntag ging die Amazonas-Synode der Katholischen Kirche zuende mit einem kirchlichen Meilenstein: Künftig können auch verheiratete Männer die römisch-katholische Priesterweihe erhalten, vorerst aber nur im Amazonas-Gebiet. Der aus Koblach stammende ehemalige Bischof Erwin Kräutler spielte bei der Synode eine entscheidende Rolle.

Frauen in Amazonien bleibt jedoch die Diakonats-Weihe weiterhin verwehrt, obwohl Frauen inzwischen ehrenamtlich großteils die Arbeit in den Amazonas-Pfarren machen. Nun soll über das Frauendiakonat immerhin weiter diskutiert werden. „Das Thema ist nicht vom Tisch“, ist Alt-Bischof Erwin Kräutler im ORF-Interview überzeugt. Ein schwacher Trost für Katholikinnen, die bei der Synode zwar mitdenken, aber nicht mitstimmen durften.

Frage wird sich auch in Vorarlberg stellen
„Die Grundfrage ist: Wie können wir dem Volk Gottes besser dienen heute?“ sagt Kräutler und verweist auf notwendige Erneuerungsprozesse, die sich allerdings gegen starke konservative Bestrebungen in aller Welt durchsetzen müssten. Auch in Vorarlberg brauche es einen solchen Schritt, „und der wird auch kommen. Ich denke, wenn es in Amazonien möglich ist, wird sich in einigen Jahren die Frage auch hier stellen“, ist der Alt-Bischof überzeugt.

Der Zölibat bleibe zwar unantastbar, „aber neben dem zölibatären Priester wird es die Möglichkeit geben, dass auch verheiratete, im Beruf stehende, vorläufig nur Männer auch geweiht werden können“, so Kräutler. Das Eine schließe das Andere nicht aus.

Priesterweihe für Verheiratete
Dass in Ausnahmefällen und vorerst nur in Amazonien ältere bereits verheiratete Männer die Priesterweihe empfangen können, werten Kirchenkenner als Punktesieg. Diesen habe der Papst am Ende der Synode gegen seine konservativen Gegenspieler errungen, mit vielleicht doch weitreichenden Folgen für die Weltkirche.

Päpstliche Entscheidung bis Ende des Jahres
Beim zweiten großen Thema – dem Umweltschutz – sprachen sich die Bischöfe klar gegen die Abholzung des Regenwalds und die Vertreibung und Ausbeutung der indigenen Bevölkerung aus. Erwin Kräutler wurde in den postsynodalen Rat gewählt, eine aus 13 Mitgliedern bestehende Kommission, die die Ergebnisse analysieren- und den Papst weiterhin beraten soll. Franziskus will bis Ende des Jahres entscheiden, was er nun mit den Beschlüssen der Bischofsversammlung macht.


Katholisch.at, 31.10.2019
Bischof Kräutler: Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch"
Für den emeritierten Amazonas-Bischof Erwin Kräutler ist das Thema Frauendiakonat "nicht vom Tisch". In einem ORF-Interview am Mittwoch zeigte sich der aus Vorarlberg stammende Bischof zufrieden damit, dass das Frauendiakonat während der vatikanischen Sondersynode über Amazonien und auch weiterhin diskutiert werde, auch wenn "die Erwartung war, dass etwas passiert". Entschieden wurde u.a., dass die vom Papst 2016 eingesetzte Studienkommission über das Diakonat der Frau ihre Arbeit wieder aufnimmt. Dadurch "dauert es noch ein bisschen länger, aber es kommt, ich sag's nach wie vor."

Zum Thema:

NZZ, 31.10.2019
Nach der Amazonas-Synode:
Papst Franziskus muss den Zölibat lockern
Die Amazonas-Synode hat konkrete Vorschläge gebracht, zum Beispiel zur Lockerung des Zölibats. Wenn Franziskus nicht zum Papst der Ankündigungen werden will, muss er sie umsetzen.


Soundcloud, 30.10.2019
Dom Erwin Krautler comemora resultado do Sínodo da Amazônia

IHU, 10 Outubro 2019
Permitir padres casados é única solução para ordenar mais sacerdotes indígenas, defende Dom Erwin Kräutler
Tema tem sido debatido abertamente no Sínodo da Amazônia, no Vaticano, e não é unanimidade. Celibato é regra na Igreja, mas comunidades no interior da Amazônia acabam ficando sem padres. Autorizar que homens casados exercessem o sacerdócio permitiria que indígenas assumissem essa função, dando acesso à missa para mais moradores da região.

Mittwoch, 30. Oktober 2019

Mysteriöse Ölpest an Brasiliens Küste


Deutsche Welle, 30.10.2019
Ölpest bedroht brasilianischen Naturpark
Seit zwei Monaten verschmutzt Rohöl unbekannten Ursprungs die brasilianische Küste. Das Öl könnte schon bald auch die Inselgruppe Abrolhos erreichen und dort Korallenriffe und seltene Tierarten verseuchen.

Kathpress, 30.10.2019
Bischöfe entsetzt über Ölkatastrophe an Brasiliens Stränden
Kirchen-Appell zu sofortigem "ökologischen Umdenken" angesichts von 2.000 durch Öl verschmutzten Küstenkilometern - Ölpest bedroht mittlerweile auch Naturpark Abrolhos in Bahia

ORF, 24.10.2019
Brasilien kämpft gegen mysteriöse Ölpest
Brasilien wird seit zwei Monaten von einer mysteriösen Ölpest heimgesucht. An mehr als 200 Stränden im Nordosten des Landes wurde Öl angeschwemmt. 600 Tonnen wurden bereits eingesammelt – zu einem Gutteil von Privatpersonen und NGOs. Präsident Jair Bolsonaro wird vorgeworfen, viel zu spät reagiert zu haben. Und es ist vollkommen unklar, woher das Öl stammt.

ntv, 8.10.2019
Bolsonaro verdächtigt Ausland
Schwere Ölpest trifft auf Brasiliens Küste
An immer mehr Stränden entlang der brasilianischen Küste schwemmt das Meer klebriges Öl an. Die Herkunft des giftigen Schlamms ist unklar. Staatschef Bolsonaro deutet an, ein anderes Land könne verantwortlich sein.

NZZ, 11.10.2019
Mysteriöse Ölpest verdreckt Brasiliens Traumstrände
Es gibt viele Vermutungen darüber, wie das angespülte Rohöl in den brasilianischen Nordosten gekommen ist. Manche verdächtigen das Nachbarland Venezuela.



Folha de S.Paulo, 31.10.2019
Cientistas delimitam três áreas que podem ser a origem do vazamento de óleo
Grupo da UFRJ investiga derramamento a pedido da Marinha; principal desafio é falta de informação


Folha de S.Paulo, 30.10.2019
Mourão diz que navio legal que ejetou combustível é provável culpado por óleo
Presidente interino disse que Bolsonaro pode anunciar o responsável ainda nesta semana


Folha de S.Paulo, 26.10.2019
Análise de manual para conter óleo mostra que governo demorou a agir
União ignorou perguntas que determinam gravidade do desastre e acionam plano de contenção

O Globo, 29.10.2019
Protocolo internacional para limpeza de óleo nas praias traz alertas para 4 situações enfrentadas no Nordeste
Federação internacional que atua com o Ibama tem orientações para limpeza segura, mas métodos usados no litoral brasileiro diferem dos indicados pelo protocolo.

Jornal da Globo, 26.10.2019
Pesquisadores encontram produto que ajuda na limpeza de óleo no litoral do Nordeste
A origem do vazamento ainda é um mistério. A Petrobras diz que o óleo do Nordeste é uma mistura de três campos venezuelanos.

Nach der Amazonien-Synode






Die Synode für das Amazonas-Gebiet steht für einen Neubeginn in Sachen ganzheitlicher Ökologie und prophetischer Kirche sowohl in Amazonien als auch weltweit. Der Kampf für Indigene und deren Landrechte sowie für die wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Rechte der Bevölkerung Amazoniens geht weiter.
Wie eine amazonische Kirche aussehen soll und was beim Bischofstreffen vom 6. bis 27. Oktober in Rom besprochen wurde, werden die Referenten aus ihrer jeweiligen Sicht vorstellen und mit Fachleuten und Engagierten sowie den Teilnehmenden diskutieren.
Vor allem aber wird es darum gehen, wie wir in Europa die Lebenssituation der Menschen in Amazonien, die von massiver Ausbeutung und Umweltzerstörung bedroht sind, mitgestalten können, sodass der Schutz der „Lunge der Welt“ gewährt wird. Wir werden uns mit dem Raubbau in der arten- und rohstoffreichen Region auseinanderzusetzen und dabei an die Enzyklika Laudato si’ (2015) anknüpfen. Auch fließen soziale Phänomene wie Migration, Urbanisierung, der Wandel der Familie und Korruption in die Diskussion. Nach der Synode ist dies eine der ersten öffentlichen Veranstaltungen in Deutschland. Wir dürfen gespannt sein.

Montag, 28. Oktober 2019

„Die Synode stellt alles dar, wofür Dorothy Stang lebte und starb“


VaticanNews, 28.10.2019
Tom Stang:
„Die Synode stellt alles dar, wofür meine Schwester lebte und starb“
Eine ergreifende Zeremonie für die Opfer der Dammbruch-Katastrophe in Brumadinho wurde an diesem Samstag am Rand der Synode in der römischen Kirche Santa Maria in Traspontina gefeiert. Mit dabei war auch Tom Stang, der Bruder der in Brasilien ermordeten Ordensfrau Dorothy Stang. Wir haben mit ihm gesprochen.

Schwester Dorothy hatte sich unermüdlich für die Belange der Armen eingesetzt und wurde dafür 2005 von Auftragsmördern hingerichtet. In der Synodenaula war die Erinnerung an Dorothy sehr präsent: Ihr Abbild prangte mit dem von weiteren Märtyrern, die ihr Leben für den Kampf um Umweltschutz und Menschenrechte hingegeben haben, am Kopfende des Saales, genau dort, wo der Papst während der Beratungen mit den Synodenteilnehmern saß. Schwester Dorothy hatte zeitlebens gegen eine Art von Profitgier gekämpft, die Mensch und Umwelt zynisch missachtet – genau die Art von Industrie also, die letztlich den Dammbruch von Brumadinho in Kauf nahm, der rund 250 Menschen das Leben kostete und zu nachhaltigen Umweltschäden führte.

„Ich weiß nur, dass meine Schwester komplett dafür einstand, ein einfaches Leben zu leben. So wie sie es immer sagte: das einfache Leben leben, so dass einfach jeder leben kann“, erzählt uns ein sichtlich ergriffener Tom, der zur Amazonassynode nach Rom gekommen war und an der Zeremonie für die Opfer von Brumadinho teilnahm. Es habe seine Schwester sehr bedrückt, wenn sie den von exzessivem Konsum geprägten Lebensstil in ihrer Heimat USA vor Augen geführt bekam. „Es störte sie sehr, dass wir es einfach nicht verstanden haben, dass wir ein einfacheres Leben führen müssen, damit andere einfach leben können. Und ich denke, sie war diesem Konzept komplett verschrieben.“


In einem Kreis auf dem Boden der Kirche waren rund um den Schriftzug „Gerechtigkeit für Brumadinho“ die Fotos der Menschen ausgestellt, die bei der Tragödie von Brumadinho Anfang des Jahres ihr Leben verloren hatten. Lachend, sorglos, Pläne schmiedend, die nie in Erfüllung gehen sollten. Ihrer gedachten die zahlreichen Menschen, die an diesem Samstag den Weg in die kleine Kirche an der Via della Conciliazione, nur einen Steinwurf vom Vatikan entfernt, gefunden hatten. Zum Ende der Zeremonie dann ein besonderer Moment, erzählt Stang: „Als sie jeden dazu aufgerufen haben, zum Geist der Katakomben zurückzukehren, das war sehr beeindruckend. Der Ort war voller Bischöfe und Kardinäle, die sich selbst dazu verpflichtet haben, kein Leben im Überfluss zu leben, sondern ein einfaches Leben, Hand in Hand mit den Armen, denen sie dienen. Das hat mich sehr berührt. Meine Schwester war berühmt für den Ausdruck: Wenn du das Leben der Armen führst, dann wirst du verstehen, wie du handeln musst.“

Denn letztlich sei alles „ganz einfach“, habe seine Schwester immer wieder gesagt: „Alles, was du tun musst, ist mit den Armen leben, ihr Essen essen, den Lebensstil der Armen leben - dann wirst du keinen Zweifel haben, was zu tun ist. Du brauchst keine jahrelange Forschung der Moraltheologie, um zu entscheiden, was jetzt zu tun ist.“

Seine Schwester habe der Kongregation Notre Dame de Namur angehört, die sich für die Ausbildung Armer einsetzt, und sei auch selbst zeitlebens eine „wundervolle“ Lehrerin gewesen, erinnert sich Tom Stang. Dorothy habe viele wertvolle Lektionen hinterlassen, die nun „hoffentlich in die Tat umgesetzt“ würden. Er habe kurzfristig beschossen, zur Synode nach Rom zu reisen, berichtet der Bruder der kämpferischen Ordensfrau:

„Vor zwei Wochen habe ich mir selbst gesagt, meine Güte, diese Synode ist alles, wofür meine Schwester gelebt hat und gestorben ist. Die Sorge um Mutter Natur, die Sorge um die Armen. Und so habe ich gesagt, ich muss unbedingt für das Ende der Synode hier sein. Ich weiß nicht, wie oder warum, aber ich muss einfach hier sein, um das zu ehren, worüber Hunderte von Leuten drei Wochen beraten haben. Und ich kam hier an und wurde geradezu mit Liebe überwältigt, von Bischöfen, Kardinälen, allen möglichen Leuten! Und ich weiß, dass die Liebe, die ich empfange, Dorothy gilt. Es ist offensichtlich, dass die Liebe für sie überwältigend ist. Und ich bin der glückliche Empfänger all dieser Liebe….“

Hintergrund
Dorothy Stang, Jahrgang 1931, kam 1966 nach Brasilien, wo sie für den Erhalt des Regenwaldes und den Respekt und die Rechte der dortigen Bevölkerung eintrat. Damit war sie den Großgrundbesitzern rasch ein Dorn im Auge und bekam zeitlebens Morddrohungen. Am 12. Februar 2005 wurde sie auf dem Weg zu einem Treffen im Dschungel von zwei Arbeitern im Auftrag lokaler Großgrundbesitzer kaltblütig ermordet. Nach jahrelangen Prozessen wurden schließlich zwei Großgrundbesitzer dafür verurteilt, den Mord an der Ordensfrau in Auftrag gegeben zu haben. Erst im April dieses Jahres wurde der zweite Auftraggeber festgenommen, nachdem er jahrelang unbehelligt auf freiem Fuß geblieben war.

Filmemacher Konrad Berning gestorben



itpol.de, 26.10.2019
Conrad Berning gestorben
Gestern, am Freitag, den 25.10. 2019 starb unser guter Freund Conrado Berning. Was soll man sagen, wenn ein guter Freund geht und eine Lücke hinterlässt, die alle schmerzt. Seine Familie, seine Freunde?

Conrad war katholischer Priester, er war Missionar bei den Steyler Missionaren. 1969 erhielt er die Priesterweihe und ging als SVD nach Brasilien. Es war eine Zeit, die sich wohl heutzutage niemand mehr vorstellen kann: Brasilien noch ein riesiger Dschungel und Regenwald, noch war nicht alles abgeholzt und für Soja, Zuckerrohr und Viehzucht gerodet, auch wenn die Militärdiktatur fleißig dabei war.

Die Kirche muss wohl, hört man auf Conrads Erzählungen, einigermaßen vorkonziliar gewesen sein, Sakramentenpastoral, Hauptsache Bekehrungen usw.
Weiterlesen auf itpol.de



Verbo Divino Brasil, 30/10/2019
Tributo a Konrad Berning, fundador da Verbo Filmes
Missionário, comunicador, profeta e parceiro das grandes causas dos excluídos da América Latina

O dia 26 de outubro amanheceu trazendo a triste noticia da morte de Konrad Berning: missionário, comunicador, profeta e parceiro das grandes causas dos excluídos da América Latina. Verbita de pura cepa, ele viveu os últimos anos e faleceu na cidade de Münster, Alemanha. Por coincidência, o mesmo local onde estudou e foi ordenado Santo Arnaldo Janssen, fundador da Congregação do Verbo Divino, familia à qual ele pertenceu. Escrevo estas linhas na casa Verbita, hoje denominada Comunidade Pedro Casaldaliga, diocese de Santo Amaro, SP, local onde Konrad viveu por muitos anos e alavancou muitos sonhos que se fizeram realidade em imagens e vozes que alimentaram a caminhada da Igreja no Brasil, na América Latina e no mundo ao longo dos últimos 40 anos.

Ele soube detectar, selecionar e ir ao encontro de tantas vidas que se colocaram a serviço de uma Igreja construtora do reino da justiça, da verdade e da paz, conforme o impulso dado pelos padres conciliares durante o Concilio Vaticano II. Ao longo de sua vida Konrad mostrou-se um missionário Brasileiro e Latino Americano (nascido na Europa) que partilhava em forma de imagens e vozes, a paixão e o vigor da Igreja na América Latina pós Vaticano II. Animado pelo espírito do Concilio e pelas recomendações dos Capítulos Gerais da Congregação do Verbo Divino, demonstrou seus talentos de educador e comunicador já no inicio de sua missão em Curitiba e Foz do Iguaçu como formador e vigário paroquial.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Papst beendet Amazonas-Synode mit Messe


Katholisch.at, 27.10.2019
Papst beendet Amazonas-Synode mit Appell gegen Ausbeutung
Abschlussmesse der dreiwöchigen Bischofsversammlung im Petersdom - Franziskus warnt vor Überlegenheitsdenken und Verachtung anderer Traditionen als Hauptgründe für Unterdrückung

Mit einer feierlichen Messe im Petersdom ist am Sonntag die Amazonas-Synode im Vatikan zu Ende gegangen. Das dreiwöchige Bischofstreffen hatte sich mit der Situation der Menschen in dem lateinamerikanischen Regenwaldgebiet befasst. In seiner Predigt verurteilte Papst Franziskus die Verachtung fremder Traditionen und ein Überlegenheitsdenken, das zu Unterdrückung und Ausbeutung führe. Auch unter praktizierenden Katholiken sei ein solches Denken verbreitet, kritisierte der Pontifex.

Der Papst beklagte ein "vernarbtes Antlitz Amazoniens". Die Fehler der Vergangenheit hätten nicht genügt, damit aufzuhören, "die anderen auszuplündern und unseren Geschwistern wie auch unserer Schwester Erde Wunden zuzufügen", sagte der Papst. Aus dem Gedanken heraus, besser zu sein als andere, würden deren Traditionen verachtet, ihre Geschichte ignoriert, Territorien besetzt und Güter in Beschlag genommen, weil man deren Eigentümer für rückständig und unbedeutend halte.

Auch manche Christen, die am Sonntag zur Messe gingen, frönten "dieser Religion des Ich", so Franziskus. Gläubige sollten "um die Gnade bitten, dass wir uns nicht für besser halten, dass wir nicht meinen, bei uns sei alles in Ordnung, dass wir nicht zynisch und spöttisch werden". Auf der Synode hätten gerade die Indigenen bezeugt, "dass es möglich ist, die Realität auf andere Art zu betrachten und sie mit offenen Händen als Geschenk anzunehmen, die Schöpfung nicht auszubeuten, sondern als ein zu hütendes Haus zu bewohnen und auf Gott zu vertrauen", sagte der Papst.

Signal für Neuaufbruch

Bei seinem anschließenden Angelus-Mittagsgebet verlangte der Papst mit Blick auf die Synode einen "Neuaufbruch" für die katholische Kirche. Der Schrei der Armen und der Erde sei von Amazonien herübergelangt. "Nach diesen drei Wochen können wir nicht so tun, als hätten wir in nicht gehört", sagte er vor den Tausenden Gläubigen und Besuchern auf dem Petersplatz. Die Armen zusammen mit Bischöfen, Jugendlichen und Wissenschaftlern drängten dazu, nicht gleichgültig zu bleiben.

Die Kirche müsse, betonte Franziskus, ihre "behaglichen Gestade" verlassen und in See stechen, "nicht in die sumpfigen Gewässer der Ideologien, sondern aufs offene Meer, wo der Heilige Geist uns ruft, die Netze auszuwerfen". Dafür gelte es, alte Schemata hinter sich zu lassen und als Kirche arm, missionarisch und synodal zu sein. Vor dem Hintergrund innerkatholischer Polemiken um indigene Riten spielte der Papst auf die Würdigung lokaler Traditionen an: Die Verehrung der Muttergottes im Amazonasgebiet verdanke sich nicht einer Eroberung, sondern ihrer Inkulturation, sagte er.

Am Sonntag endete die drei Wochen zuvor eröffnete Bischofssynode über Amazonien. Im Mittelpunkt der Beratungen standen pastorale Herausforderungen, aber auch Umweltschutz sowie die Rechte und Traditionen der indigenen Völker. Die Versammlung war von scharfer Polemik ultrakonservativer Katholiken gegen indigene Riten begleitet gewesen.

VaticanNews, 27.10.2019
Papstmesse zum Ende der Synode: Gegen eine „Religion des Ich“
Mit einer feierlichen Messe im Petersdom ist am Sonntag die Amazonas-Synode im Vatikan auch liturgisch zu Ende gegangen. Das dreiwöchige Bischofstreffen hatte sich mit der Situation der Menschen im lateinamerikanischen Regenwaldgebiet befasst.


Vatican News Youtube, 26.10.2019
Pope Francis-Closing of the proceedings of the Synod of Bishops 2019-10-26

Amazonas-Synode für verheiratete Priester in Ausnahmefällen



Amazonas-Synode stimmt für verheiratete Priester in Ausnahmefällen
Die Amazonas-Synode endet mit einem konkreten Ergebnis: Die Mehrheit der Synodenväter ist dafür, dass in Gegenden mit großem Priestermangel verheiratete Männer die Weihe erhalten sollen. Zum Frauendiakonat äußerten sich die Teilnehmer vorsichtiger.
Für jeden der insgesamt 120 Artikel war eine Zweidrittelmehrheit der 180 anwesenden Synodalen notwendig, also 120 Stimmen. Die meisten Gegenstimmen erhielten die Artikel zu den verheirateten Priestern (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen) und zum Frauendiakonat (30 Nein-Stimmen bei 137 Ja-Stimmen).
Katholisch.de, 27.10.2019


Amazonas-Synode für verheiratete Priester in Ausnahmefällen
Viele Gegenstimmen
Am Ende war es doch konkrekt: Zum Abschluss der Amazonas-Synode stimmte die Mehrheit der Teilnehmer am Samstag dafür, dass in der Regenwaldgegend "geeignete und anerkannte Männer" geweiht werden können, auch wenn sie eine Familie haben
Der Punkt über die verheirateten Männer bekam die meisten Gegenstimmen (41 Nein-Stimmen bei 128 Ja-Stimmen). Auch wenn Synodenteilnehmer wie der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, ein ums andere Mal betonten: "Die Abschaffung des Zölibats ist nie ein Thema gewesen."
Zweiter heikler Punkt: Dürfen Frauen zu Diakoninnen geweiht werden? Zur Zulassung von Frauen zum Diakonat hält das Dokument fest, dass dies in den Beratungen mehrfach gefordert worden war.
Der Vorschlag einer Zulassung jedoch wird von der Versammlung nicht explizit unterstützt (30 Nein-Stimmen bei 137 Ja-Stimmen).

Stimmen zum Abschluss der Amazonas-Synode


Domradio.de, 27.10.2019
Stimmen zum Abschluss der Amazonas-Synode
"Es ist Zeit zu handeln"
Mit einer Messe im Petersdom ist die Amazonas-Synode zu Ende gegangen. Viele Synodenteilnehmer zeigen sich mit den Ergebnissen zufrieden und bewerteten das Treffen als historisch. Für Kardinal Marx hat es gar "Bedeutung für die ganze Welt".

Katholisch.at, 26.10.2019
Netzwerk Repam zur Amazonien-Synode: Zeit für Wandel ist gekommen
Kirchliches Panamazonien-Netzwerk veröffentlicht Resümee zu dreiwöchigen Beratungen im Vatikan - Schreiben betont Notwendigkeit für kirchliche Reformen in Amazonien und warnt ausdrücklich davor, auf jene zu hören, "die nichts ändern wollen und die es gerne sähen, wenn das alles hier jetzt zu Ende wäre"

Religion.orf.at, 26.10.2019
Bischofssynode: Weihe Verheirateter in Ausnahmefällen
Die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die ausnahmsweise und auf eine Region beschränkte Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen.

VaticanNews, 27.10.2019
Schönborn: Synode starkes Lebenszeichen für Amazonien und Kirche
Als ein „starkes Lebenszeichen für Amazonien und die Kirche“ hat Kardinal Christoph Schönborn das Ergebnis der Bischofssynode zu Amazonien bezeichnet. Von dem am Samstagabend verabschiedeten Abschlussdokument gingen „starke Impulse“ an die Weltgemeinschaft aus, sowohl was den ökologischen Erhalt des für das Weltklima wichtigen Amazonas-Regenwaldes als auch den Schutz der dort lebenden Menschen betrifft.

Katholisch.de, 27.10.2019
Kirche, Wissenschaft und Jugend bei Umweltschutz wichtige Verbündete
Kardinal Marx: Amazonas-Synode zeigt neue Öko-Allianz
Es gehe um nicht weniger als die Zukunft der Erde und der Menschheit: Kardinal Reinhard Marx sieht die katholische Kirche in der Pflicht als wichtige Fürsprecherin für den Klimaschutz - zusammen mit Jugendlichen und Wissenschaft.

Der Standard, 27.10.2019
Amazonas-Synode für ausnahmsweise Priesterweihe von Verheirateten
In Zukunft sollen "geeignete und anerkannte Männer" in dem Regenwaldgebiet zu Priestern geweiht werden können, auch wenn sie eine Familie haben

VaticanNews, 27.10.2019
Amazonas-Bischof: „Vielleicht in zehn Jahren Viri probati“
Der deutsch-brasilianische Bischof Johannes Bahlmann könnte sich vorstellen, in seinem Bistum Obidos im brasilianischen Amazonasgebiet in etwa zehn Jahren verheiratete Priester zu haben. Das sagte er am Samstagabend in einem Interview mit Radio Vatikan.

Vorarlberg.orf.at, 28.10.2019
Altbischof Kräutler mit Synode teilweise zufrieden
Verheiratete Männer sollen in Ausnahmefällen – und vorerst nur in Südamerika – römisch-katholische Priester werden können. Mit diesem Beschluss ist am Sonntag im Vatikan die dreiwöchige Amazonien-Synode zu Ende gegangen. Der Koblacher Altbischof Erwin Kräutler war eine Schlüsselfigur – er ist mit den Ergebnissen teilweise zufrieden.

VaticanNews, 29.10.2019
„Papst wird kaum umhin können, den Zölibat zu lockern“
Nach dem Ende der Amazonien-Synode im Vatikan liegt es nun an Papst Franziskus, seine Schlüsse aus dem vorliegenden Schlussdokument zu ziehen und den Weg für die Weihe verheirateter „bewährter Männer“ frei zu machen. Dem Wiener Dogmatik-Professor Jan-Heiner Tück zufolge wird der Papst dieser Empfehlung wohl auch folgen, „will er nicht als Papst der Ankündigungen in die Geschichte eingehen“.

Adveniat, 27.10.2019
"Eine Synode des Aufbruchs mit einem Dokument des Neuanfangs"
Der Adveniat Hauptgeschäftsführer Pater Michael Heinz zieht eine positive Bilanz der Amazonas-Synode. Angesichts der Tatsache, dass sich die alten hierarchischen Strukturen in der Kirche überlebt hätten, habe das Amazonas-Netzwerk Repam in Rom gezeigt, wie Kirchesein heute geht.

Feinschwarz, 31.10.2019
Wenn der Fluss über die Ufer tritt … Über die gerade abgeschlossene Amazoniensynode
Ein Exklusivbericht der Synodenteilnehmerin Sr. Birgit Weiler über Prozess und Ergebnisse der Amazoniensynode.

Erzdiözese Wien, 31.10.2019
Amazonien-Experte Suess: Verheiratete Priester werden kommen
Deutsch-brasilianischer Theologe und Synoden-Experte im "Kathpress"-Interview über zentrale Ergebnisse der Amazonien-Synode und Vorhaben des Papstes

Samstag, 26. Oktober 2019

Schlussdokument der Amazonien-Synode veröffentlicht


#SinodoAmazonico – Documento finale del Sinodo dei Vescovi al Santo Padre Francesco (26 ottobre 2019) (Original in Spanisch)

#SinodoAmazonico – Votazioni del Documento finale del Sinodo (Abstimmungen der 181 Synodenväter)

Wichtige Abschnitte in deutscher SpracheDomradio.de, 27.10.2019 >>

VaticanNews, 26.10.2019
Amazonien-Synode: Das steht im Schlussdokument
Die Amazonien-Synode im Vatikan ist mit einem Aufruf der Teilnehmenden zu einer ganzheitlichen Umkehr in der katholischen Kirche zu Ende gegangen. Das Schlussdokument, das der Vatikan am Samstagabend veröffentlichte, spricht von vier Arten der Bekehrung: pastoral, ökologisch, kulturell und synodal. Angeregt wird auch die Weihe verheirateter Männer zu Priestern für entlegene Gemeinden sowie die Entwicklung eines amazonischen katholischen Ritus. Das Thema Frauendiakonat bleibt offen.

Das etwa 30 Seiten lange Schlussdokument der Amazonien-Synode teilt sich in fünf Kapitel auf, wobei das erste die Basis der übrigen vier bildet. „Amazonien: vom Zuhören zur ganzheitlichen Umkehr“ ist es überschrieben. Es spricht vom Schrei der Armen, den „Attentaten gegen die Natur“, dem bedrohlichen Verlust des Regenwaldes, der Migration, der Ausbeutung und der Antwort der Kirche in dieser Lage. Heute habe „die Kirche die historische Chance, sich von den neuen Kolonialkräften zu unterscheiden, indem sie den amazonischen Völkern zuhört“ (15).

Darüber hinaus öffne „die sozio-ökonomische Krise neue Gelegenheiten, Christus in all seiner befreienden und humanisierenden Kraft“ zu verkünden. Der Schrei der Erde und der Schrei der Armen nötige der Kirche eine umfassende Bekehrung ab, persönlich ebenso wie gemeinschaftlich. Mittelpunkt dieser Bekehrung sei „das lebendige Evangelium, das Jesus Christus ist“ (19).

Neue Wege pastoraler Bekehrung
„Kirche ist Mission!“ (21), heißt es mit Ausrufezeichen in diesem Kapitel. Die Synode stellt hier ihr Grundlagenverständnis einer Kirche der Zukunft vor: eine samaritanische, barmherzige, solidarische Kirche, eine „magdalenische“ Kirche, „die sich geliebt und versöhnt fühlt und mit Freude und Überzeugung den gekreuzigten und auferstandenen Christus verkündet“ (22).

Es folgt ein Verweis auf Ökumene und den Dialog mit indigenen Religionen: die Beziehungen zu Pfingstkirchen, Charismatikern und Evangelikalen sei in Amazonien „nicht einfach“, die Anziehungskraft dieser Kirchen für katholische Gläubige müsse Anlass zur Gewissenserforschung sein (24). Bei einer Annäherung helfen könne das gemeinsame Interesse an Wort Gottes. Die Synode schlägt unter anderem gemeinsame Bibelübersetzungen in lokale Sprachen sowie theologische Treffen vor.

“ Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden ”

Indigene Religionen indessen „verdienen gekannt und in ihren eigenen Ausdrücken und ihren Beziehungen zum Wald und zur Mutter Erde verstanden zu werden“ (25). In der Begleitung amazonischer Völker müsse die katholische Kirche auch besonders indigene Berufungen fördern: „Amazonien muss auch durch Amazonier evangelisiert werden“ (26).

Mehr Aufmerksamkeit müsse Migranten und Jugendlichen gelten. Die Kirche sehe in den jungen Menschen einen „theologischen Ort“, sie seien „Propheten der Hoffnung“, dialogorientiert und aufmerksam für „das gemeinsame Haus“, also die Schöpfung. Dank spricht die Synode den wandernden missionarischen Gruppen aus, die die Menschen in eine „Besuchspastoral“ miteinbeziehen. Diese Form der Seelsorge entspreche „den derzeitigen Möglichkeiten“ der Kirche in Amazonien.

Neue Wege kultureller Bekehrung
Wirklich „einheimische“ katholische Kirchen in Amazonien können nur dort entstehen, wo das Evangelium „inkulturiert“, also kulturell beheimatet ist. Solche Kirchen seien „vereint im einen Glauben an Christus und verschieden in ihren Weisen, diesen Glauben zu leben, zu zeigen und zu feiern“ (42).

In diesem Kapitel ergreift die Synode klar Partei für eine Allianz mit den amazonischen Völkern. Sie spricht davon, „Attentate gegen das Leben und die Gemeinschaften Indigener“ anzuzeigen und Projekte zu demaskieren, die deren Rechte einschränken. „Die Anwesenheit der Kirche in den indigenen und traditionellen Gemeinden braucht das Bewusstsein, dass die Verteidigung der Erde keinen anderen Zweck hat als die Verteidigung des Lebens“ (46). Für die Kirche sei diese Verteidigung des Lebens, der Gemeinschaften, der Erde und der Rechte der Indigenenvölker „ein Prinzip des Evangeliums“ (47).

Volksfrömmigkeit sei ein wichtiges Verbindungsglied vieler amazonischer Völker zu ihren spirituellen und kulturellen Wurzeln. Diese Ausdrücke des Glaubens müssten in der Kirche „wertgeschätzt, begleitet, gefördert und manchmal gereinigt“ werden, da sie als „privilegierte Momente der Evangelisierung“ zur Begegnung mit Christus führen (52). Zum Reichtum der indigenen Kultur gehöre auch die indigene Theologie.

„Wir weisen eine Evangelisierung im Kolonialstil zurück“
Klar weist das Synodendokument die Vorstellung zurück, Kirche könne heute noch gleichsam als Kolonialherrin, von oben herab, auftreten. „Wir alle sind dazu eingeladen, uns den amazonischen Völkern auf Augenhöhe zu nähern, ihre Geschichte, ihre Kulturen, ihren Stil des ,guten Lebens´ zu respektieren. Kolonialismus ist das Auferlegen bestimmter Lebensarten von einem Volk auf das andere, wirtschaftlich, kulturell oder religiös. Wir weisen eine Evangelisierung im Kolonialstil zurück. Die Frohe Botschaft von Jesus verkünden heißt, die Samen des Wortes anzuerkennen, die in den Kulturen angelegt sind.“ (55).

Neue Wege ökologischer Bekehrung
„Unser Planet ist ein Geschenk Gottes“, beginnt dieses Kapitel (65) und lenkt den Blick auf dringend erforderliches Handeln angesichts einer „sozioökologischen Krise“ im noch nie dagewesenen Maßstab. Sich als katholische Kirche mit der unbegrenzten Ausbeutung des „gemeinsamen Hauses und seiner Bewohner“ auseinanderzusetzen, sei dringend, zur ganzheitlichen Ökologie gebe es keine Alternative, sie sei nicht irgendein zusätzlicherWeg, den die Kirche wählen könne, um die Zukunft dieses Gebiets zu sichern: „Sie ist der einzige mögliche Weg.“ (67)

Die Synode beklagt die Kriminalisierung von Führungspersonen, die die Rechte der angestammten Bevölkerung verteidigen. Die Verteidigung der Menschenrechte, für Einzelne wie für Gemeinschafen, sei für Christen nicht einfach optional (70), sondern „eine Erfordernis des Glaubens“. Auch wenn es nicht immer möglich sei, das vorherrschende zerstörerische Entwicklungsmodell zu ändern, müsse die Kirche zumindest klar machen, auf welcher Seite sie steht und „wie sie die politische und ethische Dimension“ ihres Glaubens übermittelt. Die Synode ruft in diesem Sinn zu einer „radikalen Energiewende“ hin zu nachhaltigen Quellen auf.

“ Wir wollen eine Spiritualität der ganzheitlichen Ökologie ”

Drei Absätze des Kapitels gelten neuen Modellen für gerechte, solidarische und nachhaltige Entwicklung. Das neue Paradigma müsse „sozial inklusiv“ sein und wissenschaftliche wie traditionelle Kenntnisse zu vereinen wissen, auch das überlieferte Wissen der Indigenen mit ihrer Kosmovision (73). Jedes einzelne Vorhaben zum Abbau von Rohstoffen in Amazonien müsse auf seinen Wert für das Gebiet und seine Bevölkerung hin bewertet werden. Profit dürfe nicht höher stehen als Umweltfragen und Menschenrechte. Die Soziallehre der Kirche umfasse schon längere Zeit auch die ökologische Frage, heute sehe sie sich „bereichert mit einem umfassenderen Blick“. Wie Indigene mit ihren Lebensgebieten umgehen und sie schützen, sei eine gute Leitlinie für die Umkehr zur ganzheitlichen Ökologie (79). „Wir wollen eine Spiritualität der ganzheitlichen Ökologie annehmen“, heißt es an einem Punkt.

Zwei konkrete Beiträge empfiehlt die Synode: Zunächst einen Weltfonds einzurichten, der die Gemeinschaften in Amazonien für ihre ökologische Arbeit entschädigt und sie zugleich vor ausbeuterischen Vorhaben von Konzernen schützt (83). Zweitens ist aus Sicht der Synode eine ökologisch-pastorale Dokumentationsstelle einzurichten, die der Verteidigung des Lebens dient. An den Papst ergeht die Bitte, im Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen eine eigene Unterabteilung für Amazonien einzurichten, die mit der neuen Dokumentationsstelle zusammenarbeitet.

Neue Wege synodaler Bekehrung
Damit die Kirche wirklich miteinander voranschreitet, braucht sie heute eine Umkehr zur synodalen Erfahrung (88), hält die Synode fest. Dieses neue Miteinander brauche eine Kultur des Dialogs und des Zuhörens, der geistlichen Unterscheidung, des Konsens „um Räume und Modalitäten geteilter Entscheidung zu finden und auf die pastoralen Herausforderungen zu antworten“. So werde sich im Leben der Kirche eine geteilte Verantwortung „im Geist des Dienens“ herausbilden. Die Synode stellt diese Aufgabe als dringlich heraus, um „Klerikalismus und willkürliche Eingriffe“ zu überwinden.

Besonders hebt die Synode die Mitverantwortung der Laien hervor. „Wir erkennen die Notwendigkeit an, die Räume für die Teilhabe von Laien zu stärken und zu erweitern, beim Beraten wie auch beim Entscheiden“ (94). Für die amazonische Kirche sei es dringend, „Dienste an Männer und Frauen gleichermaßen“ zu verleihen. Die Synode empfiehlt ein neues Modell der seelsorgerlichen Verantwortung: Der Bischof könne für begrenzte Zeit in Gemeinden ohne Priester die Ausübung der Seelsorge an eine Person ohne Weihe aus der Gemeinde selbst übertragen, und zwar als Rotationsmodell, um „Personalismen“ zu vermeiden (96). Überdies bitten die Synodenväter darum, in Amazonien ein neues Amt ausdrücklich für Frauen einzuführen, nämlich „die weibliche Gemeindeleiterin“ (102).

Das Dokument vermeidet den Begriff „Viri probati“
Vorsichtiger gibt sich das Dokument mit dem Diakonat der Frau. Das Thema sei bei den Beratungen vor der Synode und der Synode selbst sehr präsent gewesen, heißt es audrücklich. Man bitte darum, die Erfahrungen aus Amazonien mit der Studienkommission teilen zu können, die im Auftrag von Papst Franziskus geprüft hatte, welche Aufgaben den Diakoninnen der Ukirche historisch zukamen und was das für die Zukunft heiße. „Wir erwarten ihre Ergebnisse“, heißt es in Punkt 103.
Unter dem Titel „Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des synodalen Kommunion“ schließlich befürwortet die Synode die Priseterweihe verheirateter Diakone, wobei das Dokument den Ausdruck „Viri probati“ vermeidet. „Wir schätzen den Zölibat als Gabe Gottes“, heißt es (111), „und wir beten um viele Berufungen zum zölibatären Priestertum.“ Allerdings: rechtmäßige Unterschiede schädigten die Einheit der Kirche nicht, sondern dienten ihr, wie auch die Vielfalt der existierenden Riten und Disziplinen bezeuge. Deshalb schlage man angesichts des Priestermangels vor, Kriterien zu erstellen, „um geeignete und von der Gemeinde anerkannte Männer zu Priestern zu weihen, die ein fruchtbares ständiges Diakonat innehaben“. Diese Priester mit bereits bestehender Familie könnten „in den entlegensten Regionen des Amazonas das Wort verkünden und die Sakramente feiern“.

Auch einen neuen „amazonischen Ritus“ schlägt die Synode vor. Eine eigens eingerichtete Kommission müsse diese Frage inden Blick nehmen. Der neue Ritus würde an die Seite der 23 bereits bestehenden Riten treten und „das liturgische, theologische, disziplinäre und geistliche Erbe Amazoniens“ zum Ausdruck binrgen; an dieser Stelle verweist das Schlussdokument der Synode auf das, was „Lumen Gentium“ für die Ostkirchen festhält.


VaticanNews, 26.10.2019
Synoden-Schlusspapier: Die Kernsätze
Hier finden Sie einige Kernsätze aus dem Schlussdokument der Sondersynode zum Amazonas, über das die Synodenväter an diesem Samstag abgestimmt haben. Der Text wurde dem Papst überreicht. Eine deutsche Fassung gibt es (noch) nicht.

VaticanNews, 27.10.2019
Amazonien-Synode: Wie war's? Ein Insider-Interview
Im Vatikan endet an diesem Sonntag mit einer feierlichen Papstmesse im Petersdom die Amazonien-Synode. 21 Tage hat sie gedauert, und immer dabei in diesen drei Wochen war unsere Kollegin Gudrun Sailer. Sie figurierte als „Mitarbeiterin für Kommunikation, deutsche Sprache“ auf der amtlichen Teilnehmerliste und hatte freien Zugang zur Synodenaula. Im Bilanzgespräch blickt sie zurück auf diese Versammlung, auf das Dokument, die Themen, die Marginalien und die Befindlichkeiten.

Kathpress, 28.10.2019
Insiderin: Synode erlebte zwischenzeitlich eine Krise
In den letzten Synodentagen sei "viel passiert", besonders nach der Präsentation des Entwurfs für das Schlussdokument, berichtete die Redakteurin. Dieser Erstentwurf sei von manchen Bischöfen als so schlecht empfunden worden, dass manche ernsthaft in den Raum stellten, es wäre besser, gar kein Dokument vorzulegen. Nach den Eingaben und Überarbeitungen - insgesamt gab es 832 Änderungsvorschläge, die noch berücksichtigt werden mussten - seien viele erleichtert über das Endergebnis gewesen.

Katholisch.de, 28.10.2019
Von Ökologie über indigene Kultur bis Diakoninnenweihe
Analyse der Synode: Vier Wege der Bekehrung und Mut zu Kreativität
Die Synodalen haben viele Punkte verhandelt – manch einer beklagte, dass neben Klimaschutz und "viri probati" andere Themen zu kurz kämen. Doch nach drei Wochen Amazonas-Synode steht ein differenziertes Abschlusspapier, schreibt Johannes Schidelko und analysiert die wichtigsten Punkte.

Domradio.de, 27.10.2019
Die Amazonas-Synode zusammengefasst
31 Seiten Kirchengeschichte?
Die Christen im Amazonas waren der Kern der außerordentlichen Bischofssynode. Das am Wochenende veröffentlichte Schlussdokument schlägt unter anderem Ausnahmen für den Zölibat vor. Es darauf zu reduzieren, wäre aber zu kurz gegriffen.

Freitag, 25. Oktober 2019

Versenkte Pachamama-Statuen unbeschädigt wiedergefunden

VaticanNews, 25.10.2019
Entwendete Indigenen-Statuen unbeschädigt wiedergefunden
Die freudige Nachricht hat Papst Franziskus den Synodenvätern selbst überbracht. Bei der Generalkongregation an diesem Freitagnachmittag hat er mitgeteilt, dass die Holzfiguren zweier schwangerer Indigenen-Frauen, die vor wenigen Tagen in Rom in den Tiber geworfen wurden, wieder aufgefunden worden sind.

„Guten Tag, ich möchte noch etwas zu den aus der Kirche „Sante Maria in Traspontina“ entwendeten Pachamama-Statuen sagen, mit deren Anwesenheit keine götzendienerische Absicht verfolgt wurde und die man in den Tiber geworfen hat.

Das ist in Rom geschehen, und als Bischof der Diözese Rom bitte ich alle Menschen, die durch diese Geste beleidigt wurden, um Vergebung.

Die Statuen, die so viel Medienrummel verursacht haben, wurden im Tiber gefunden und sie sind nicht beschädigt.

Der Kommandant der Carabinieri möchte, dass man darüber informiert, ehe es publik wird. Im Moment handelt es sich um eine vertrauliche Nachricht, und die Statuen befinden sich im Büro des Kommandanten der italienischen Gendarmerie.

Das Carabinieri-Kommando ist für jeden Vorschlag dankbar, den Sie bezüglich der Art und Weise der Veröffentlichung dieser Nachricht und anderer Initiativen machen wollen, die Ihnen in dieser Sache angemessen erscheinen. Der Kommandant hat beispielsweise den Vorschlag gemacht, die „Statuen bei der Messe zum Abschluss der Synode auszustellen“. Man wird sehen. Ich beauftrage den Staatssekretär damit, darauf zu antworten.

Das ist eine gute Nachricht, danke.“


Kathpress, 26.10.2019
Papst will Indigenen-Figuren bei Messe im Petersdom zeigen
Nach Diebstahl der von konservativen Katholiken heftig kritisierte Statuen bittet Franziskus um Verzeihung bei jenen, "die durch diese Geste beleidigt wurden"


VaticanNews, 25.10.2019
Ritrovate intatte nel Tevere tre statuette indigene arrivate dall'Amazzonia
E' Papa Francesco a dare la bella notizia ai padri sinodali. Nel corso dei lavori di questo pomeriggio annuncia il ritrovamento delle statuette indigene che erano state gettate nelle acque del Tevere, a Roma, nei giorni scorsi. Il Papa non nasconde la sua soddisfazione e chiede scusa alle persone rimaste offese da questo gesto


VaticanNews, 25.10.2019
Francisco fala sobre as imagens jogadas no Tibre
O Papa Francisco tomou a palavra na tarde desta sexta-feira (25/10) durante a 15ª Congregação Geral do Sínodo Especial dos Bispos da Região Panamazônica, na Sala Sinodal, no Vaticano. Improvisando disse que “gostaria de dizer uma palavra sobre as estátuas da pachamama que foram retiradas da Igreja Santa Maria in Transpontina, que estavam lá sem intenções idólatras e foram jogadas no Tibre”.


VaticanNews, 12.11.2019
Nachklang Amazonien-Synode:
Pachamama ist keine Götzenanbetung
Der emeritierte Bischof von San Cristobal de las Casas in Mexiko, Felipe Arizmendi Esquivel, hat die Zeremonie in den Vatikanischen Gärten zur Eröffnung der Amazonien-Synode verteidigt. In einem Gastbeitrag für die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ geht er auf die Bedeutung der Figuren und Rituale der Indigenen ein.

13 Mitglieder für nachsynodalen Rat gewählt


VaticanNews, 25.10.2019
13 Mitglieder für postsynodalen Rat wählen
An diesem Freitag wird im Rahmen der Amazonien-Synode auch ein postsynodaler Aufarbeitungsrat ernannt. Es sollen 13 Mitglieder gewählt werden, die vor allem aus den betroffenen Amazonasländern stammen, wie Paolo Ruffini, Präfekt des vatikanischen Kommunikationsdikasteriums, beim Pressebriefing an diesem Freitag sagte.

Von Brasilien wurde mit großer Mehrheit Dom Erwin Kräutler, Bischof em. der Prälatur am Xingu, gewählt, neben Kardinal Cláudio Hummes, Präsident des kirchlichen Panamazonien-Netzwerks REPAM, Dom Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho-RO und Präsident des Indigenen Missionsrats (CIMI) und Dom Alberto Taveira, Erzbischof von Belém-PA.
Papst Franziskus wird weitere drei Mitglieder ernennen. Der Rat wird für die Umsetzung der Ergebnisse der Amazonien-Synode zuständig sein.

VaticanNews, 25.10.2019
Eleição dos Membros do Conselho Pós-Sinodal no sábado
São 13 os Membros do Conselho para a concretização da Assembleia Especial da Amazônia, eleitos nesta tarde de sexta-feira (25/10) por maioria absoluta. Seus nomes representam os principais países que compõem a região: 4 vêm do Brasil, 2 da Bolívia, 2 da Colômbia, 2 do Peru, 1 das Antilhas, 1 da Venezuela e 1 do Equador. Aos membros eleitos hoje se unirão outros três de nomeação pontifícia. O Conselho será responsável pela atuação das indicações do Sínodo.


Roma-News, 26.10.2017
Bispos do Pará são escolhidos para integrar o conselho pós-sinodal
A assembleia geral do Sínodo da Amazônia elegeu 13 membros de um conselho que ficará encarregado de supervisionar a implantação das mudanças, todos eles são cardeais e bispos, que compõem o Conselho Pós-Sinodal.
Quatro bispos são do Brasil, sendo dois atuando no Pará: o bispo emérito do Xingu, dom Erwin Kräutler e o arcebispo de Belém, dom Alberto Taveira. Além do presidente do Conselho Indigenista Missionário(Cimi) e bispo de Porto Velho (RO), dom Roque Paloschi e o relator-geral do sínodo, cardeal Cláudio Hummes.
Além dos 13 eleitos, outros três membros serão escolhidos pelo papa Francisco. Ele já afirmou que duas serão mulheres, uma religiosa e uma leiga. Entre as mudanças propostas pela assembleia do Sínodo, destacam-se a proposição para ordenação de homens casados e criação da pastoral indígena

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Der Befreiungstheologe Paulo Suess zur Amazonas-Synode


Katholisch.de, 24.10.2019
"Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments"
Synodenteilnehmer: Es gibt Versuche, Reformvorschläge zu bremsen
Der deutsche Theologe Paulo Suess berichtet von einem Konflikt um das Abschlussdokument der Amazonas-Synode. Gegen bestimmte Neuerungen seien gerade solche Bischöfe, die noch von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ernannt wurden.

Der in Brasilien lebende deutsche Theologe Paulo Suess berichtet von Versuchen, Reformvorschläge innerhalb der Amazonas-Synode zu bremsen. Konkret sprach er vor der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Rom von einem "Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments", über das am Samstag abgestimmt werden soll. Unabhängig davon, was in dem Text stehen werde, sei aber das Anliegen, das Priesteramt für Familienväter zu öffnen, vernommen worden. In der Frage der Ämter für Frauen herrsche hingegen noch "eine gewisse Langsamkeit", so Suess. Der 81-jährige Theologe und Priester nimmt als Experte an der derzeit im Vatikan tagenden Amazonas-Synode teil.

Widerstand gegen bestimmte Neuerungen gibt es laut Suess auch seitens lateinamerikanischer Bischöfe. Viele seien noch unter Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) ernannt worden und "nicht bereit, das zu verhandeln, was sie in einem langen Leben verinnerlicht und bestätigt gefunden haben".

Suess sieht zudem die lange umstrittene Befreiungstheologie durch den amtierenden Papst rehabilitiert. Ohne selbst dieser Richtung anzugehören, habe Franziskus eine "von der Befreiungstheologie beeinflusste pastorale Grundstimmung" in den Vatikan gebracht. Manche empfänden dies als lästig; "aber so ein alter Mann ist nicht so leicht aus dem Boot zu werfen", sagte Suess.

Von Synode könne durchaus etwas Licht auf "synodalen Weg" fallen

Der Theologe mahnte außerdem zu Zurückhaltung bei einer Übertragung von Synodenergebnissen auf Europa. Was von dem Bischofstreffen für Katholiken in anderen Weltgegenden relevant sei, müssten diese "selber herausfinden". Durch die Beschlüsse der Amazonas-Synode könne aber "durchaus etwas Licht auf den 'synodalen Weg' in Deutschland fallen", sagte Suess mit Blick auf Reformbestrebungen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland.

Die noch bis Sonntag laufende Amazonas-Synode steht unter dem Titel: "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Das Bischofstreffen nimmt Umweltschäden im Amazonasgebiet und deren soziale Folgen in den Blick. Ebenso geht es um mehr Aufmerksamkeit für die Belange der Indigenen und die Seelsorge in der riesigen und schwer zugänglichen Amazonasregion. Auch die Weihe verheirateter Familienväter, die Übertragung von Leitungsaufgaben an Laien und neue Ämter für Frauen werden diskutiert.

Kathpress, 23.10.2019
Theologe Suess:
Befreiungstheologie ist im Vatikan angekommen
Deutsch-brasilianischer Theologe nimmt als Experte an Amazonien-Synode teil - Im Kathpress-Interview berichtete er auch von einem "Konflikt um die Redaktion des Schlussdokuments"

Domradio.de, 23.10.2019
Der Befreiungstheologe Paulo Suess zur Amazonas-Synode
"Ein Lernprozess"
Der in Brasilien lebende deutsche Theologe und Priester Paulo Suess nimmt als Experte an der Amazonas-Synode teil. Im Gespräch äußert er sich über Widerstände auf der Synode, den Erfolg der Befreiungstheologie und den Umgang mit Populisten.


VaticanNews, 17.10.2019
Indigenen-Experte: Hören statt vorverurteilen, was Synode will
Die Kultur in den europäischen Großstädten ist mindestens ebenso „heidnisch“ geworden wie der Vorwurf, dass die Indigenen heidnisch seien und damit die katholische Kirche bedrohen würden. Das sagt im Live-Gespräch mit Radio Vatikan der Indigenen-Experte und deutsche Geistliche Paolo Suess, der seit mehreren Jahrzehnten im Amazonas-Gebiet in Brasilien tätig ist.