Freitag, 27. Dezember 2019

Odebrecht-Tochterfirma insolvent mit 117 Mio. Euro Schulden

ORF, 27.12.2019
Insolvenz in Wien durch Odebrecht-Skandal
Der gigantische Odebrecht-Schmiergeldskandal in Lateinamerika löst jetzt eine große Firmenpleite in Österreich aus. In Brasilien hatte der Konzern einen Insolvenzantrag gestellt. Nun ist auch gegen die Odebrecht-Tochter E&P mit Sitz in Wien ein Insolvenzantrag eingebracht worden.

785 Millionen Dollar an Schmiergeld soll Odebrecht laut Schätzungen der US-Justiz bezahlt haben. Der Skandal brachte die brasilianischen Ex-Präsidenten Lula da Silva, Temer und Collor de Mello ins Gefängnis. In Peru erschoss sich Ex-Präsident Alan Garcia, als ihn die Polizei im April festnehmen wollte. Das Auffliegen des Skandals brachte dem Bau-, Energie- und Infrastrukturkonzern Odebrecht allein in den USA eine 3,5-Milliarden-Dollar-Strafe ein. Im Juni stellte Odebrecht in Brasilien mit 12 Milliarden Euro Schulden einen Insolvenzantrag.

Tochterfirma hat 117 Mio. Euro Schulden
Der Odebrecht-Konzern betreibt in Österreich rund 20 Tochterfirmen, weil das steuerliche Vorteile bringt. Wie die „Presse“ berichtet, gibt es nun einen Insolvenzantrag in Wien gegen die „Odebrecht E&P GmbH“ mit 117 Millionen Euro Schulden.

Der Anwalt und E&P-Geschäftsführer Paul Doralt bestätigte gegenüber Ö1 den Zusammenhang zum Korruptionsskandal und zu einem 100-Millionen-Kredit von Deutscher Bank und ING: „Das hat natürlich damit etwas zu tun. Denn die Kreditmittel wurden in Peru in ein großes Infrastrukturprojekt investiert. Und das mussten wir abschreiben auf null, weil dieses Projekt durch Schmiergeld an Land gezogen wurde und wir es verloren haben naturgemäß. Und jetzt können wir auch den Kredit an Deutsche Bank und ING nicht zurückzahlen.“ Die Banken haben den Insolvenzantrag über die E&P gestellt.

Firma hat keine Mitarbeiter
Laut dem Kreditschutzverband KSV zählt die Odebrecht E&P-Insolvenz zu den größten des Jahres in Österreich, was die Höhe der Schulden betrifft. Aber Auswirkungen habe sie in Österreich nicht, sagte Doralt, die Firma habe keine Mitarbeiter, fungiere nur als Eigentümerin von Firmen in Angola, Peru und Venezuela.

Paul Doralt ist Geschäftsführer von insgesamt 20 Odebrecht-Firmen in Österreich, darunter auch Bohrplattformen im Pazifik. Aus steuerlichen Gründen wurden die Firmen in Wien gegründet: „Wären die Firmen profitabel geworden, dann hätten sie steuerfrei Gewinne vereinnahmen können. Dadurch, dass sie jetzt pleite sind und keinerlei Gewinne machen, bringt das natürlich nichts.“

Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien
Dass österreichische Firmen, die in Brasilien aktiv sind, keine Gewinnsteuern zahlen müssen, liegt an einem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Österreich und Brasilien. Es sollte österreichischen Firmen nutzen und Investitionen in Brasilien fördern. Aber brasilianische Konzerne haben es durch die Gründung von Tochterfirmen in Österreich genutzt.

Übrigens: Die Odebrecht-Korruptionszahlungen sind zu einem Gutteil über die Meinl Bank auf der Insel Antigua gelaufen, einen Zusammenhang zu den Odebrecht-Töchtern in Wien sieht Doralt nicht: „Das war ja – wie sich jetzt herausgestellt hat – eine eingeschworene Truppe von zehn bis elf Leuten rund um Firmenchef Marcello Odebrecht, die diese ganzen Schmiergeldzahlungen abgewickelt haben. Also, das kann ich mir nicht vorstellen, dass man da in Österreich gefragt hat: ‚Sagts, habt ihr da eine Bank, die wir benutzen können?‘“ Odebrecht hatte die Meinl Antigua von der Meinl Bank in Wien gekauft.


O Globo, 20/12/2019
Marcelo Odebrecht é demitido, mas segue como sócio minoritário
Empresa disse que ele foi desligado por 'recomendação feita pelos monitores externos independentes do MPF e do Departamento de Justiça dos EUA'. Defesa de Marcelo Odebrecht diz que demissão é ' abuso de poder' do presidente da companhia.

DiCaprio unterstützt Indigene im Kampf gegen illegalen Bergbau

ORF,27.12.2019
DiCaprio macht gegen Bolsonaro mobil
US-Schauspieler und Umweltaktivist Leonardo DiCaprio hat am Donnerstag den illegalen Bergbau im Amazonas-Gebiet kritisiert. Der Hollywoodstar setzt sich schon seit Längerem für den Schutz des Regenwalds im Amazonas-Gebiet ein – und geriet deshalb bereits mehrfach mit dem rechten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro aneinander. Ähnlich wie auch die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg.

DiCaprio veröffentlichte am Donnerstag auf Instagram eine Luftaufnahme von einem Treffen von Anführern der indigenen Völker Yanomami und Yek’wana aus dem Norden Brasiliens. Im Innenhof eines Gemeinschaftshauses hatten sie sich so aufgestellt, dass ihre Körper den Schriftzug „Kein Bergbau“ (Fora Garimpo) bildeten. „Eine starke Botschaft“, kommentierte DiCaprio.

„Obwohl das brasilianische Recht den Bergbau auf dem Land der Yanomami verbietet, sind zuletzt Tausende Goldschürfer in das Reservat eingedrungen“, schrieb DiCaprio neben dem Foto auf Instagram. Laut der NGO „Survival International“ sind die Yanomamidas das größte indigene Volk Südamerikas, das noch weitgehend isoliert im Amazonas-Gebiet lebt. Auch der Yanomi-Park zählt mit fast 100.000 Quadratkilometern zu einem der größten indigenen Reservate Brasiliens.

20.000 Goldsucher auf indigenem Schutzgebiet
Das Bild wurde von der Nichtregierungsorganisation Instituto Socioambiental verbreitet und stammt von einem Treffen Ende November tief im Amazonas-Regenwald. Nach Angaben der Organisation haben sich bereits rund 20.000 Goldsucher auf dem Land der indigenen Gemeinschaften niedergelassen. Sie verbreiten häufig Krankheiten wie Malaria und verschmutzen die Flüsse mit giftigem Quecksilber.

„Die Invasion (der Goldsucher, Anm.) erfolgt, nachdem das Budget für Strafverfolgungsmaßnahmen im Amazonas gekürzt worden ist und Schutzgebiete somit wieder anfälliger für Ausbeutung wurden“, schrieb DiCaprio weiter auf Instagram. Eine Invasion in diesem Ausmaß habe das letzte Mal in den 1980er Jahren stattgefunden.

Damals sei ein Fünftel der indigenen Bevölkerung an Gewalt, Malaria, Unterernährung oder Quecksilbervergiftung gestorben, so der Hollywood-Schauspieler. In einem Brief an die brasilianische Exekutive und Justiz hätten die Stammesführer daher kürzlich gefordert, die Geschichte dieses Massakers „nicht wiederholen“ zu lassen.


Spiegel-Online, 27.12.2019
"Eine starke Botschaft" gegen illegalen Bergbau
Leonardo DiCaprio unterstützt indigene Völker im Kampf gegen illegalen Bergbau. Er setzt sich für den Regenwald ein - und geriet darüber schon mit Brasiliens Präsident Bolsonaro aneinander.

O Globo, 26/12/2019
Leonardo DiCaprio divulga foto de área indígena no Brasil com mensagem 'fora garimpo'
Fotografia foi divulgada no final de novembro e mostra reunião entre etnias Yanomami e Ye'kwana, dos estados do Amazonas e Roraima.

Veja, 27/12/2019
DiCaprio critica mineração em terras indígenas brasileiras
Ator americano compartilhou no Instagram imagem da reunião entre as etnias Yanomami e Ye'kwana com mensagem ambientalista: 'Fora garimpo'

Sonntag, 22. Dezember 2019

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Brasilien will indigene Schutzgebiete für Wirtschaft öffnen


ORF, 19.12.2019
Brasiliens rechter Präsident Jair Bolsonaro will Schutzgebiete der indigenen Völker für Bergbau und Viehzucht öffnen. „Der Fleischpreis steigt. Wir müssen mehr Rinder züchten, um den Fleischpreis zu drücken, und dort können sie Rinder züchten“, sagte der Staatschef der Zeitung „Folha de S. Paulo“ zufolge heute. Der Preis für Fleisch war in Brasilien zuletzt um acht Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür ist nach Einschätzung von Experten und Expertinnen vor allem die hohe Exportnachfrage aus China.

Nach der von Bolsonaro geplanten Gesetzesänderung sollen die indigenen Ureinwohnerinnen und Ureinwohner die Schutzgebiete verpachten oder selbst im großen Stil bewirtschaften dürfen. Bisher ist in den geschützten Regionen nur Landwirtschaft zu Selbstversorgung zugelassen. Nichtregierungsorganisationen befürchten, dass die Initiative den Schutz der indigenen Gebiete aufweicht und Farmer, Goldschürfer und Holzfäller in die Reservate einfallen.

Bolsonaro sieht den Regenwald vor allem als wirtschaftliches Potenzial und will mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Wegen ihrer laxen Umweltpolitik war die brasilianische Regierung zuletzt immer wieder in die Kritik geraten. Bolsonaro hingegen verbittet sich die Einmischung in innere Angelegenheiten und pocht auf die Souveränität des südamerikanischen Landes.


Tagesschau.de, 19.12.2019
Bolsonaro will Viehzucht in Schutzgebieten
Brasilien will nach Bergbau nun auch Viehzucht in indigenen Schutzgebieten erlauben. Der Grund: Der Fleischpreis soll niedrig gehalten werden. Umweltorganisationen sind entsetzt.

Folha de S.Paulo, 19.12.2019
Temos que criar boi em terra indígena para reduzir preço da carne, diz Bolsonaro
Presidente defende alternativa para reduzir preço da carne; ele também quer que projetos de mineração contemplem agronegócio

UOL, 19.12.2019
Nem o gado acredita que terra indígena é solução para a pecuária

Diálogo Chino, 23.10.2019
China compra carne brasileira ligada a risco de desmatamento
22,7 mil hectares de florestas derrubadas em 2017 podem ser ligadas à demanda chinesa por carne brasileira

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Großgrundbesitzer attackiert ex-Politiker auf Polizeistation

Fazendeiro Silvério Albano Fernandes
Der frühere Stadtrat von Altamira, Francisco Eduardo Modesto da Silva, wurde am Dienstagabend (17.12.) auf der Polizeistation in Altamira vom Fazendeiro Silvério Albano Fernandes angegriffen. Zuvor hatten beide in einem Restaurant einen handfesten Streit. Nach Informationen der Zivilpolizei ging es um das Symposium "Amazonas - Zentrum der Welt", das im November in den Räumlichkeiten der öffentlichen Universität von Altamira (UFPA) stattfand. Francisco ist nämlich der Ehemann der Koordinatorin der Universität, Maria Ivonete Silva. Bei der Veranstaltung ging es um Maßnahmen gegen Landraub und Landspekulanten sowie gegen Großprojekte in der Region am Xingu wie das Kraftwerk Belo Monte oder das Goldprojekt von Belo Sun. Während des Symposiums war es zu Ausschreitungen seitens der Großgrundbesitzer gekommen,

Wegen der Drohungen infolge des Streits im Restaurant beschloss Francisco, zur Polizeistation zu gehen und Anzeige zu erstatten. Silvério folgte ihm und schlug den ex-Politiker dort zu Boden der sich beim Aufprall an eine Säule am Kopf schwer verletzte. Die Polizei konnte den Angreifer bändigen und ein Strafverfahren einleiten. Silvério wird auf freiem Fuß wegen versuchten Mordes angeklagt, ihm drohen bis zu zwei Jahre Haft.

Silvério Albano Fernandes gilt als Kopf des sogenannten "Todeskonsortiums" der Region am Xingu, das aus mehreren Großgrundbesitzern besteht, die sich gegen die Landreform wehren und in viele Landkonflikte mit tödlichem Ausgang involviert sind.


O Liberal, 18.12.2019
Ex-vereador é agredido dentro da delegacia de Altamira por fazendeiro; agressor está solto
A vítima é esposo da coordenadora do campus Altamira da UFPA

RomaNews, 18.12.2019
Fazendeiro é acusado de tentar matar esposo da coordenadora do campus da UFPA de Altamira
O agressor, Silvério Fernandes, já foi vice-prefeito de Altamira

O Globo, 18/12/2019
Ex-vereador é agredido dentro de delegacia em Altamira, no Pará
Farncisco Eduardo Modesto discutiu com fazendeiro Silvério Fernandes e foi perseguido pelo fazendeiro até a delegacia da cidade, onde iria registrar boletim de ocorrência por ameaça.

Samstag, 7. Dezember 2019

Hauptzeuge im Fall P. Amaro Lopes ermordet


Der Hauptzeuge der Verteidigung von Pater José Amaro Lopes de Sousa, der die pastorale Arbeit der Missionarin Dorothy Stang in Anapu fortgesetzt hatte, wurde am Mittwoch (4.12.) auf einer Straße im Landesinneren von Pacajá-PA ermordet. Die Nationale Kommission der Landpastoral (CPT) bestätigte den Fall und veröffentlichte eine Erklärung.

Demnach sei das Opfer, Márcio Rodrigues dos Reis (33 Jahre) bereits des öfteren mit dem Tod bedroht und überfallen worden. Márcio hat als Motorrad-Taxifahrer gearbeitet und einen Anruf erhalten, um einen Passagier von Anapu in einen Seitenweg der benachbarten Stadt Pacajá zu bringen. Bevor sie das Ziel erreicht hatten, zückte der Passagier ein Messer und tötete ihn. Die Leiche wurde von Passanten gefunden, die auch die Polizei verständigten.

Márcio gehörte zu jener Gruppe von Siedlern, die auf der vom Bund enteigneten Fazenda Santa Maria (Parzelle 44 vom Gleba Bacajá)2016 angesiedelt werden sollten. Der Fazendeiro Silvério Albano Fernandes widersetzte sich dem Urteil und es kam permanent zu Landkonflikten.

Márcio ist bereits das 15. Opfer in der Region von Anapu seit der Ermordung von Schwester Dorothy Stang im Februar 2005. In Brasilien sind 2019 insgesamt 25 Menschen bei Landkonflikten gestorben.


CPT, 06 de dezembro de 2019
Principal testemunha de defesa do processo contra Padre Amaro é assassinada em Anapu (PA)
Marcio Rodrigues dos Reis, 33 anos, casado, pai de 04 filhas, foi assassinado na noite da última quarta-feira (04), em uma estrada vicinal entre os municípios de Anapu e Pacajá, no Pará. Ele estava trabalhando como mototaxista e foi chamado para levar um passageiro na zona rural. Antes de chegarem ao suposto destino, o passageiro pistoleiro desferiu um golpe de faca em seu pescoço, Marcio não teve como reagir e teve morte instantânea. Seu corpo foi localizado por pessoas que trafegavam pela vicinal e avisaram a polícia civil de Pacajá.

O Globo, 06/12/2019
Testemunha de defesa do religioso braço direito de Dorothy Stang é assassinado em emboscada no PA
O mototaxista Marcio Rodrigues dos Reis foi morto a facadas em uma estrada vicinal no sul do estado. Ele havia negado envolvimento de Padre Amaro em suposta ocupação da fazenda Santa Maria.

O Liberal, 6.12.2019
Mototaxista morto em Pacajá era principal testemunha de defesa de padre Amaro
Comissão Pastoral da Terra cobra investigação do Estado para elucidar crime

Agência Brasil, 6.12.2019
Testemunha de defesa de padre Amaro é assassinada em Anapu, no Pará
Pastoral da Terra afirma que vítima foi ameaçada de morte

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Nachruf auf Johann Baptist Metz

Deutschlandfunk, 4.12.2019
Der Mitleidende
Ein Jahrhunderttheologe ist tot. Johann Baptist Metz beschäftigte sich mit Fragen wie: Kann man nach Auschwitz noch beten? Wie politisch ist das Christentum? Er inspirierte die Befreiungstheologie Lateinamerikas. Bis heute sind seine Texte aktuell für katholische Reformdiskussionen.


Domradio, 03.12.2019
Stimmen zum Tod von Johann Baptist Metz Theologe von Weltrang
NRW-Ministerpräsident Armin Laschet würdigt den im Alter von 91 Jahren verstorbenen Johann Baptist Metz als einen "Theologen von Weltrang" und eine starke Stimme in der Debatte um eine Theologie nach Auschwitz".


Katholisch.de, 3.12.2019
Begründer der "Neuen Politischen Theologie" wurde 91
Theologe Johann Baptist Metz gestorben
Er war Schüler von Karl Rahner, Begründer der "Neuen Politischen Theologie" und galt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Theologen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil: Jetzt ist Johann Baptist Metz im Alter von 91 Jahren gestorben.


Redaktion Feinschwarz, 3. Dezember 2019
Gottespassion und Compassion.
Zum Tod von Johann Baptist Metz

Am 2. Dezember 2019 ist Johann Baptist Metz im Alter von 91 Jahren in Münster gestorben. Mit ihm verliert die deutschsprachige Theologie einen Giganten. Als Begründer der Neuen Politischen Theologie hat er das Nachdenken über Gott mit dem Engagement für Gerechtigkeit und Solidarität verbunden. Mit ihm hat sich das Jahr 1968 in den deutschen Katholizismus, die europäische Theologie sowie in die Weltkirche eingeschrieben. Ein Nachruf von Edmund Arens.

Sonntag, 1. Dezember 2019

Bolsonaro wirft DiCaprio Unterstützung von Brandstiftung in Amazonien vor


ORF, 1.12.2019
Amazonas-Brände
DiCaprio bietet Bolsonaro die Stirn
Nur kurz vor Beginn der internationalen Klimakonferenz in Madrid (COP25) hat Hollywood-Schauspieler und Umweltaktivist Leonardo DiCaprio am Samstag Vorwürfe von Brasiliens ultrarechtem Staatschef Jair Bolsonaro zurückgewiesen, wonach er die Verantwortung für einige der jüngsten Waldbrände im Amazonas-Gebiet tragen soll.

Bolsonaro hatte am Freitag gesagt, DiCaprio habe Umweltschutzgruppen finanziell unterstützt, die Feuer im Amazonas-Regenwald gelegt hätten. „Obwohl sie es verdient hätten, unterstützt zu werden, haben wir die attackierten Organisationen nicht gesponsert“, erklärte DiCaprio auf Instagram. Bolsonaro hatte dem Schauspieler vorgeworfen, „hinter den Bränden im Amazonas zu stecken“.

So habe DiCaprio eine halbe Million Dollar (450.000 Euro) an eine Umweltschutzorganisation gespendet, die selbst Brände im Amazonas-Regenwald verursacht hätte, um Spenden einzutreiben, sagte Bolsonaro am Freitag. Belege für die Behauptung lieferte der Staatschef nicht. DiCaprio wies die Vorwürfe zurück und erklärte, die Zukunft der „unersetzlichen Ökosysteme“ im Amazonas-Regenwald stehe auf dem Spiel. „Ich bin stolz darauf, an der Seite jener Gruppen zu stehen, die sie beschützen“, fügte er hinzu.

Freiwillige Feuerbrigade im Mittelpunkt des Streits

„Was haben die NGO-Leute getan? Was ist einfacher? Lege ein Feuer, mache Fotos, filme, starte eine Kampagne gegen Brasilien, kontaktiere Leute wie Leonardo DiCaprio. und Leonardo DiCaprio gibt dir 500.000 Dollar“, hatte Bolsonaro gesagt. „Ein Teil ging an die Leute, die Feuer gelegt haben, stimmt’s? Leonardo DiCaprio hat mit den Bränden im Amazonas-Gebiet etwas zu tun.“

In dem Streit ging es vor allem um die freiwillige Feuerbrigade Alter do Chao, welche die Feuerwehr im brasilianischen Bundesstaat Para seit dem vergangenen Jahr im Kampf gegen die häufigen Waldbrände unterstützt. Kürzlich warf die Regionalpolizei einigen Mitgliedern der Organisation vor, Waldflächen in Brand gesetzt zu haben, um so internationale Aufmerksamkeit für ihre Anliegen zu erzeugen. Am Dienstag waren vier Alter-do-Chao-Aktivisten in Zusammenhang mit den Vorwürfen festgenommen worden, zwei Tage später wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Staatsanwaltschaft stellte klar, dass es keinerlei Grundlage für diese Vorwürfe gebe.

Auch WWF attackiert

Bolsonaros Sohn Eduardo legte auf dem Kurznachrichtendienst Twitter noch einmal gegen den DiCaprio nach. „Leonardo DiCaprio hat 300.000 Dollar an eine NGO gespendet, die im Amazonas-Gebiet Feuer gelegt hat“, schrieb der Abgeordnete. „WWF hat 70.000 Dollar für Fotos des brennenden Waldes gezahlt.“

Die Umweltschutzorganisation WWF wies die Vorwürfe zurück. „Korruption war und ist die Hauptursache für die Zerstörung des Amazonas-Gebiets, für Landraub, Gewalt gegen lokale Gemeinschaften und indigene Völker, illegale Aktivitäten und Holzdiebstahl“, hieß es in einer Stellungnahme. „Was wir von der Regierung erwarten, ist der Mut, das Problem der Brandstiftung und der Bodenspekulation anzugehen.“ Angesichts der verheerenden Brände hatte DiCaprio im August über seine Earth Alliance fünf Millionen US-Dollar für den Schutz des Regenwaldes in Brasilien und die Unterstützung der indigenen Gemeinschaften in der Region zugesagt.

Kritiker: Bolsonaro ermuntert zu Brandrodung

Bolsonaros Regierung war wegen ihrer Umweltpolitik international in die Kritik geraten. Die heftigen Waldbrände in der Trockenzeit hatten auf der ganzen Welt für Bestürzung besorgt. Bolsonaro sieht den Regenwald vor allem als wirtschaftliches Potenzial und will mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen.

Bolsonaro hatte bereits zuvor Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vorgeworfen, die Brände gelegt zu haben, um mit Hilfe der dramatischen Bilder dann mehr Spendengelder einsammeln zu können. Kritiker werfen ihm vor, Holzfäller und Farmer zur Abholzung und Brandrodung zu ermutigen.

BR24, 30.11.2019
Bolsonaro: DiCaprio schuld an Waldbränden in Brasilien
Mit einer gewagten These geht der brasilianische Präsident Bolsonaro gegen den Hollywood-Star DiCaprio vor. Sein Vorwurf: Der Oskar-Preisträger sei für die jüngsten Brände im Amazonasregenwald verantwortlich. Beweise liefert Bolsonaro indes nicht.

BBC-Brasil, 30 novembro 2019
Acusação sem provas contra DiCaprio gera críticas e piadas contra Bolsonaro
A acusação que o presidente Jair Bolsonaro fez ao ator americano e ambientalista Leonardo DiCaprio levou o presidente brasileiro a ocupar espaço na imprensa internacional. A declaração também virou motivo de críticas e piadas nas redes sociais.

Jornal da Globo, 30 Nov 2019
Presidente Bolsonaro acusa Leonardo DiCaprio de financiar queimadas criminosas na Amazônia
As declarações de Bolsonaro repercutiram dentro e fora do Brasil. Bolsonaro voltou a dizer que ONGs estariam por trás de incêndios criminosos e citou o ator norte-americano DiCaprio como um dos financiadores das ações.

Jornal da Globo, 1 Dez 2019
Leonardo DiCaprio reage às acusações de Jair Bolsonaro sobre incêndios na Amazônia
Em nota, o ator americano disse que embora merecessem, não financiou nenhum das ONGs investigadas pela polícia do Pará por envolvimento em incêndios florestais.