Katholisch.de, 31.10.2022
Umgang mit sexuellen Minderheiten und Diversität unter den Themen
Bischöfe aus Lateinamerika veröffentlichen Papier mit Reform-Ideen
Von regionalen Besonderheiten bis hin zum Umgang mit sexuellen Minderheiten: Der Lateinamerikanische Bischofsrat hat ein umfangreiches Papier mit zahlreichen Reformvorschlägen vorgelegt. Dies könnte nun in den weltweiten synodalen Prozess einfließen.
Die Bischöfe aus Lateinamerika haben am Montag in Rom ein umfangreiches Papier vorgestellt, dessen Reform-Ideen in den weltweiten synodalen Prozess einfließen könnten. Der vom Lateinamerikanischen Bischofsrat (CELAM) herausgegebene Text ist rund 150 Seiten lang und wurde in sechs Sprachen publiziert, darunter auch in Deutsch. Unter dem Titel "Auf dem Weg zu einer synodalen Kirche, die an die Peripherien reicht" enthält er die Ergebnisse der ersten gesamtlateinamerikanischen Kirchenversammlung, die im November 2021 in Mexiko-Stadt tagte. An ihr nahmen Bischöfe, Priester und Nichtgeweihte aus allen Ländern Lateinamerikas und der Karibik teil. Der Text wurde im Juli 2022 vom CELAM approbiert.
Lateinamerikanischer Bischofsrat CELAM beim Papst
Papst Franziskus hat diesen Montag Vertreter des Lateinamerikanischen Bischofsrates (CELAM) in Privat-Audienz empfangen. CELAM veröffentlichte diesen Montag auch ein umfassendes Dokument zum aktuellen Synodalen Prozess in der katholischen Kirche, den Papst Franziskus für die Weltkirche eingeleitet hat.
Der steinige Weg von der Bischofssynode zur Kirchenversammlung
Die Erste Kirchliche Versammlung des Volkes Gottes, die im November 2021 in einer hybriden Form – physisch in Mexiko und virtuell in ganz Lateinamerika – in Kontinuität der Fünften Bischofsversammlung von Aparecida 2007 stattfand, war ein Versuchsballon.Von Paulo Süss.
Mit der Einberufung dieser Versammlung durch Papst Franziskus wurden zwei Ziele verfolgt, Vorschläge von Aparecida aufzugreifen, die in den 14 Jahren seit dem damaligen Ereignis nicht die gebührende Beachtung gefunden hatten, und den Kreis von Mitwirkenden in Vorbereitung, Durchführung und Weiterentwicklung von Entscheidungen zu erweitern. In Evangelii gaudium (EG 113) von 2013 verweist Papst Franziskus auf diese breitere Basis: „Jesus sagt den Aposteln nicht, eine exklusive Gruppe, eine Elitetruppe zu bilden. Jesus sagt: »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern« (Mt 28,19)“. Durch Predigt und Taufe haben die Apostel die Kirche aufgebaut und alle Völker zu Jüngern gemacht. In dieser Kirche ist „jeder Amtsträger ein Getaufter unter Getauften“ (Episcopalis Communio 10), jeder Bischof ist „gleichzeitig Lehrer und Lernender, […] ein Lernender, wenn er in dem Wissen, dass der Geist jedem Getauften geschenkt ist, auf die Stimme Christi hört, die durch das ganze Volk Gottes spricht und es ‚in credendo‘ unfehlbar macht.“ (Episcopalis Communio 5). Der Geist, der das Volk Gottes leitet, verwandelt die Getauften von Zuhörer:innen der Hierarchie und Vollstrecker:innen von Entscheidungen, an denen sie nicht beteiligt waren, zu Protagonist:innen der Evangelisierung. Die Verwirklichung dieses „neuen Protagonismus“ inspirierte dazu, die erwartete VI. Bischofsversammlung in eine „Erste Kirchliche Versammlung“ umzuwandeln, ein wahrhaft prophetischer Vorschlag in Kontinuität des Zweiten Vatikanischen Konzils und des ihm folgenden lateinamerikanischen und karibischen Lehramts.
Weiterlesen auf feinschwarz,