Mittwoch, 3. Juni 2020

Bolsonaro macht General zum Gesundheitsminister

ORF, 3.6.2020
Bolsonaro macht General zum Gesundheitsminister
Der General Eduardo Pazuello führt das brasilianische Gesundheitsministerium nun auch offiziell übergangsweise. Das „Diario Oficial da Uniao“ veröffentlichte heute ein entsprechendes Dekret mit der Benennung durch Jair Bolsonaro. Der Präsident hat in der Pandemie bereits zwei Gesundheitsminister im Streit über den Umgang mit dem Coronavirus verschlissen.

Nachdem zuletzt Nelson Teich zurückgetreten war, weil er mit dem Einsatz des umstrittenen Malariamittels Cloroquin in der Covid-19-Behandlung nicht einverstanden war, übernahm Logistikspezialist Pazuello schon für fast 20 Tage dessen Aufgaben. In dieser Zeit empfahl die Regierung den Einsatz von Cloroquin bei mit dem Coronavirus infizierten Patienten und Patientinnen in einem aktualisierten Leitfaden für Ärzte und Ärztinnen.

General Pazuello war an der Spitze der „Operacao Acolhida“ zur Bewältigung der venezolanischen Flüchtlingskrise im Bundesstaat Roraima gestanden. Bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Rio koordinierte er die Logistik des Militärs. Bolsonaro sagte, er gehe davon aus, dass Pazuello „lange Zeit“ an der Spitze des Ministeriums stehen wird. „Er ist ein erstklassiger Manager.“


O Globo, 03/06/2020
Há quase 20 dias no cargo, Pazuello é oficializado ministro interino da Saúde
General do Exército comanda a pasta desde que Nelson Teich pediu demissão do cargo, em 15 de maio. Em meio à pandemia do novo coronavírus, ministério está sem titular.


BBC News Brasil, 16 maio 2020
Quem é Eduardo Pazuello, o general que assume interinamente o Ministério da Saúde
Militar chegou a Brasilia semanas atrás para coordenar transição entre Mandetta e Teich; agora, assumirá pasta interinamente
O general-de-divisão Eduardo Pazuello é o mais novo militar a chegar ao primeiro escalão do governo de Jair Bolsonaro (sem partido). O militar, que vinha atuando como secretário-executivo do Ministério da Saúde, assumiu interinamente a pasta depois da saída do médico oncologista Nelson Teich.

Dienstag, 2. Juni 2020

Bischof Kräutler erneuert scharfe Kritik an Bolsonaro

Kathpress, 1.6.2020
Kräutler: "Allüren und Manien Bolsonaros erinnern an Diktatoren"
Der austra-brasilianische emeritierte Bischof Erwin Kräutler hat seine scharfe Kritik am brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro erneuert: Bolsonaro nehme in der aktuellen Corona-Krise, die Brasilien besonders hart treffe, durch sein fahrlässiges "menschenverachtendes Verhalten (...) Zehntausende Tote in Kauf", sagte Kräutler am Wochenende im "Kurier"-Interview (31. Mai). Seit Monaten warnen die brasilianischen Bischöfe davor, dass Brasilien sich zu einer Diktatur verwandle. Diese Gefahr sei real, so Kräutler: Als Präsident strebe Bolsonaro nach einer Alleinherrschaft, wähne sich über der Verfassung und trete die Gewaltenteilung mit Füßen: "Die Allüren und Manien Bolsonaros erinnern tatsächlich an Diktatoren noch nicht lange vergangener Zeiten."

Im Gegensatz zur brasilianischen Oberschicht, deren Vertreter Bolsonaro sei, treffe die aktuelle Corona-Krise gerade die Ärmsten der Armen, führte der frühere Bischof weiter aus, der seit zwei Monaten "als 'Eremit' im Bistumshaus in Altamira" lebt, wie er berichtet. Besonders gefährdet seien die Indigenen, für die die Pandemie "zu einem Genozid" werden könne, befürchtet Kräutler: "Alle Indigenen sind in großer Gefahr. Denn Tatsache ist, dass ihr Immunsystem für eingeschleppte Krankheiten besonders anfällig ist. Schon im 16. und 17. Jahrhundert und noch herauf bis ins 20. Jahrhundert starben ganze Völker an Masern, Pocken und anderen Epidemien."

Er versuche u.a. durch Videobotschaften den Menschen Mut zuzusprechen und sie dazu zu bewegen, zuhause zu bleiben. Da die Gesundheitsversorgung gerade in den kleinen Dörfern teils sehr schlecht sei, gebe es kaum ein anderes Mittel gegen die Pandemie, als soziale Distanz zu suchen. "Es geht hier tatsächlich um Leben und Tod."

In Brasilien sind nach jüngsten Angaben bereits rund 30.000 Menschen im Zusammenhang mit Corona gestorben. Im globalen Vergleich liegt Brasilien mit fast einer halben Million Infizierten nach den USA an zweiter Stelle.



Domradio, 02.06.2020
Amazonas-Bischof Kräutler kritisiert Bolsonaro
Wie ein Diktator
Bischof Erwin Kräutler hat den Kurs des brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro in der Corona-Krise erneut scharf kritisiert. Die Krise treffe besonders die Ärmsten, für die sich Bolsonaro nicht einsetze, so der Amazonas-Bischof.


KURIER, 3.6.2020
Corona: Mehr als 1.200 Tote in Brasilien innerhalb 24 Stunden
Es handelt sich hierbei um die höchste Todeszahl innerhalb eines Tages, teilte das Gesundheitsministerium mit.

ORF, 4.6.2020
1.349 Tote in Brasilien in 24 Stunden
In Brasilien gibt es weiterhin keine Anzeichen für eine Verlangsamung der Coronavirus-Verbreitung. Innerhalb von 24 Stunden starben laut Gesundheitsministerium 1.349 Menschen mit oder an einer Covid-19-Erkrankung. Es ist der nächste traurige Rekord nach 1.262 Toten im gleichen Zeitraum davor.
28.633 Neuinfektionen wurden in Brasilien gemeldet, es sind nun insgesamt 584.016 bestätigte Fälle und 32.548 Verstorbene.

Montag, 1. Juni 2020

Straßenschlachten und Hydroxychloroquin in Brasilien

Frankfurter Rundschau, 1.6.2020
Corona in Brasilien:
Entgegen Empfehlungen – Trump schickt Bolsonaro umstrittenes Medikament
Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro tobt und wütet wie ein Berserker durch die Corona-Krise. Jetzt schickt ihm Donald Trump ein „Geschenk Gottes“.

  • Brasilien hat einen starken Anstieg an Corona-Infizierten zu verzeichnen.
  • Präsident Jair Bolsonaro verharmlost das Virus.
  • Die Zahl der Covid-19-Toten steigt rasant an.

[...]
Der Präsident gibt oft morgens vorm Alvorada-Palast in der Hauptstadt Brasília Pressestatements ab. Dabei beleidigt Bolsonaro fast regelmäßig Reporter oder macht obszöne Gesten in ihre Richtung. Bolsonaros Fans dort beschimpfen die Journalisten ebenfalls – am Montag als „Abfall, Ratten, Kommunisten“, wie der Vize-Chef der Globo Group, Paulo Tonet Camargo, in einem Brief an den für nationale Sicherheit zuständigen Minister schreibt.


Zeit-Online, 31.5.2020
Mehr als 28.000 Corona-Tote in Brasilien
Brasilien verzeichnet die zweitmeisten Ansteckungen weltweit – und das, obwohl nicht flächendeckend getestet wird. Präsident Bolsonaro verharmlost die Pandemie weiter.


ORF, 31.5.2020
Krawalle zwischen Bolsonaro-Anhängern und -Gegnern in Brasilien
In der brasilianischen Millionenmetropole Sao Paulo haben sich Anhänger des rechten Präsidenten Jair Bolsonaro und Regierungsgegner heftige Auseinandersetzungen geliefert. Die Polizei setzte gestern Tränengas ein, um die verfeindeten Gruppen zu trennen, wie im Fernsehsender Globo zu sehen war.

n-tv, 31.5.2020
Schwere Krawalle in Brasilien
Bolsonaro-Gegner starten Straßenschlacht
In Brasilien gehen etliche Menschen auf die Straße, um gegen den brasilianischen Präsidenten Bolsonaro zu demonstrieren. Ihnen gegenüber stehen radikale rechte Anhänger des Präsidenten. Ein Richter warnt vor einer erneuten Militärdiktatur.


Der Standard, 26.5.2020
Große Medien in Brasilien boykottieren Statements von Bolsonaro
Übergriffe gegen Journalisten als Grund genannt


Der Standard, 26.5.2020
Medien wehren sich gegen Brasiliens Präsident Bolsonaro
Zwei der größten Medien Brasiliens wollen Jair Bolsonaro boykottieren. Im Skandal um Einflussnahme auf die Polizei wird es für den Staatschef zunehmend enger


O Globo, 1.6.2020
Após confronto na Av. Paulista, Doria barra manifestações contrárias no mesmo dia e local
Manifestantes pró-Bolsonaro e a favor da democracia brigaram na Paulista neste domingo (31).


O Globo, 1.6.2020
Casos de coronavírus e número de mortes no Brasil em 1º de junho
As secretarias estaduais de Saúde confirmam no país 519.704 casos do novo coronavírus (Sars-CoV-2), com 29.534 mortes. Brasil passou a França em número de mortes.


O Globo, 1.6.2020
Protestos não intimidam STF, e plenário deve validar rapidamente inquérito das fake news

Montag, 25. Mai 2020

Bischof Erwin Kräutler erhebt schwere Vorwürfe gegen Bolsonaro

VaticanNews, 25.5.2020
Amazonas-Bischof Kräutler: Schwere Vorwürfe gegen Bolsonaro
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler wirft Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro „menschenverachtendes Handeln“ im Umgang mit dem Coronavirus vor. Bolsonaro nehme den Tod zehntausender Menschen in Kauf, sagte Kräutler in einem Interview im ORF-Religionsmagazin „Orientierung“ (Sonntag) über den Präsidenten, der von den brasilianischen Bundesstaaten verhängte Corona-Vorsichtsmaßnahmen in seinen öffentlichen Auftritten konterkariert.

Der Präsident verweise selbst darauf, dass es im Land 70.000 Corona-Tote geben werde, dies aber einfach so sei, schilderte der emeritierte Bischof von Xingu. „Der sagt das wirklich brutal. Das ist wie ein Stich ins Herz, weil das ja Menschen sind.“ Kräutler drückte zugleich die Hoffnung aus, „dass dieser Präsident bald einmal fällt“.

Der Bischof warnte vor einer Katastrophe in Amazonien. Tag für Tag würden sich mehr Menschen anstecken. Die Krankenhäuser seien total überfordert. Dies gelte für mehrere Großstädte, aber auch für seine frühere Bischofsstadt Altamira, wo Kräutler nach wie vor lebt. In der 140.000-Einwohner-Stadt gebe es nicht mehr als 16 Intensivbetten.

Indigene stecken sich leichter an

Besonders betroffen sei auch die abgeschieden lebende indigene Bevölkerung Amazoniens. „Diese indigenen Völker haben nicht diese Immunität, die der anderen Bevölkerung zugeschrieben wird. Und wenn eine Ansteckung in einem Dorf beginnt oder ein Indigener angesteckt wird, dann heißt das, das ganze Dorf ist verseucht“, sagte Kräutler.

Der emeritierte Bischof machte auch auf einen Zusammenhang von Umweltzerstörung und Corona-Pandemie aufmerksam. Immer mehr Holzfäller und Goldgräber würden in das Gebiet vordringen, „oft ermuntert“ durch Aussagen von Präsident Bolsonaro. „Die geben dann das Virus weiter“, kritisierte Kräutler. Allein in den Indio-Dörfern gebe es bisher 92 Todesfälle. Eingeschleppt hätten das Virus Menschen, „die über Leichen gehen“, so der Bischof. „Denen ist das vollkommen egal. Sie wollen ans Gold, sie wollen ans Holz, an die Naturreichtümer - ohne Rücksicht auf Verluste.“

Leute werden allein gelassen

Sehr schwierig beurteilte Kräutler auch die pastorale Situation in der Coronakrise, insbesondere bei Trauerfällen. Das Virus verhindere zunehmend Abschiedsrituale und mache auch die pastorale Begleitung von Hinterbliebenen kaum möglich. „Das Einzige, was wir noch tun können, ist mit den Betroffenen via Social Media in Kontakt zu treten... Mir tut das furchtbar leid, weil die Leute alleine gelassen sind.“

In ganz Brasilien sind nach jüngsten Angaben der Behörden (Sonntagabend/Ortszeit) bereits mehr als 360.000 Menschen mit dem Virus infiziert. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit Coronaviren stieg zuletzt stark an und liegt nach offiziellen Angaben mittlerweile bei mehr als 22.000.


VOL.at, 26.5.2020
Kräutler über Bolsonaro: "Menschenverachtend"
Der emeritierte Amazonas-Bischof Erwin Kräutler wirft Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro "menschenverachtendes Handeln" im Umgang mit dem Coronavirus vor


Kathpress, 27.5.2020
Befreiungstheologe prangert Indigenenpolitik Bolsonaros an
Der deutsche Theologe Paulo Suess zeigt sich besorgt über Äußerungen von Ministern der Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro über die Umweltpolitik und die Rechte indigener Völker. In dem am Freitag von der Justiz veröffentlichten Mitschnitt einer Kabinettssitzung vom 22. April hatte Umweltminister Ricardo Salles angeregt, die Umweltgesetzgebung im Schutz der Covid-19-Pandemie zu schleifen. In dem Mitschnitt sagt der Minister, man müsse ausnutzen, dass die Presse derzeit wegen des Coronavirus abgelenkt sei. "Das ist ganz am Rande der Legalität. Und es betrifft ja auch Indigenenland", so Suess, der seit den Sechzigerjahren in Brasilien lebt, im Interview mit der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Suess, Berater für den kirchlichen Indigenenmissionsrat (Cimi), verfasst derzeit für die Organisation den Jahresbericht 2019 zur Gewalt gegen indigene Völker und Übergriffe auf ihr Land. Demnach gab es in dem Jahr insgesamt 202 Besetzungen von Indigenenland, angefacht von Bestrebungen der Regierung, die illegale Landbesetzung zu legalisieren.

Suess kommentierte auch Äußerungen von Bildungsminister Abraham Weintraub, der erklärt hatte, er hasse den Begriff "indigene Völker", der Privilegien für die Ureinwohner rechtfertige. Stattdessen gebe es nur ein brasilianisches Volk, so Weintraub. "Das ist die Ideologie der Militärdiktatur, die die Indigenen in Brasilianer verwandeln wollte", sagte Suess. Die Diktatur (1964-85) habe jedoch damit die Indigenen in den Ethnozid geführt. Weintraub akzeptiere nicht, dass die Rechte der Indigenen auf Land und Kultur in der Verfassung von 1988 verankert wurden.

Suess kritisierte zudem Äußerungen der Ministerin für Menschenrechte, Damares Alves. Sie sprach von absichtlichen Infektionen von Indigenen mit Covid-19, um die Zunahme der Fälle der Regierung anzukreiden. In Wahrheit hätten sich Indigene aus über 60 Ethnien in den Städten der Amazonasregion angesteckt. Dort hätten sie tagelang auf die staatlichen Corona-Hilfen von rund 100 Euro gewartet, so Suess. In den Schlangen vor den Banken sei es zu den Infektionen gekommen.

Zuletzt hatte auch der österreichische Amazonas-Bischof Erwin Kräutler Bolsonaro "menschenverachtendes Handeln" im Umgang mit dem Coronavirus vorgeworfen. Bolsonaro nehme den Tod zehntausender Menschen in Kauf, sagte Kräutler in einem Interview im ORF-Religionsmagazin "Orientierung" über den Präsidenten, der von den brasilianischen Bundesstaaten verhängte Corona-Vorsichtsmaßnahmen in seinen öffentlichen Auftritten konterkariert. Der emeritierte Bischof von Xingu warnte vor einer Katastrophe in Amazonien: Tag für Tag würden sich mehr Menschen anstecken und die Krankenhäuser seien überfordert.