Freitag, 29. April 2016

Erwin Kräutler präsentierte sein neues Buch „Habt Mut!“ - 2. Auflage


WK-Tirol, 29.4.2016
„Habt Mut!“ nach 3 Monaten bereits in 2. Auflage

Gerade rechtzeitig zur Buchpräsentation war gestern zusammen mit Erwin Kräutler die 2. Auflage seines neuen Buches „Habt Mut!“ in Innsbruck eingetroffen. Der langjährige Amazonien-Bischof und alternative Nobelpreisträger machte auf dem Weg nach Salzburg auch in der Tiroler Landeshauptstadt halt, um über seine sieben Gebote für ein gewissenhaftes und verantwortungsvolles Leben zu sprechen. Vor dicht gedrängten Reihen zeigte er anhand ganz konkreter Beispiele aus dem Erfahrungsbereich seiner Diözese am Xingu auf, was es heißen kann, die Menschen zu lieben, die Schöpfung zu achten oder den Frieden zu suchen. Vor allem aber fesselte er sein Publikum durch seine wertschätzende, humorvolle und herzliche Art und seine ganz klaren Stellungnahmen zu aktuellen Problemen wie etwa gegen den Grenzzaun am Brenner oder gegen das Schüren von Ängsten in der Flüchtlingsfrage.



Mein Bezirk, 15.04.2016
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler fordert "Habt Mut!"

Wann? 26.04.2016 19:30 Uhr
Wo? Tyrolia Buchhandlung, Maria-Theresien-Straße 15, 6020 Innsbruck

Bischof Erwin Kräutler war seit 1981 Bischof der Prälatur Xingu, der größten Diözese Brasiliens mit 700.000 Einwohnern, davon 10.000 Indios. Für seinen Einsatz für die Umwelt und die indigenen Völker, zuletzt besonders gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte, wurde er sowohl mit Anschlägen bedroht als auch mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit Ehrendoktoraten, dem Alternativen Nobelpreis und 2014 dem Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.
Soeben ist er nach 50 Jahren Arbeit als Priester und Bischof in Brasilien formal in den Ruhestand getreten, nun bringt er zu seinem Tirolbesuch sein neues Buch "Habt Mut!"mit, mit dem er am 26. April ab 19.30 Uhr in der Innsbrucker Tyrolia Buchhandlung in der Maria-Theresien-Straße Mut zur Veränderung einfordert.
Tief beeindruckt von der Enzyklika "Laudato si", in deren Vorfeld er Papst Franziskus auch seine persönlichen Wünsche und Anliegen vortragen durfte, fasst er seine lebenslangen Überzeugungen in 7 Schlagworten zusammen, die er auch als Aufrufe an seine Mitmenschen sieht. Das Resümee seiner 50-jährigen Erfahrungen als Seelsorger in Amazonien und die Weichenstellungen des Papstes aus Buenos Aires lassen sich erstaunlich gut in Einklang bringen und zeigen klar die künftigen großen Aufgaben von Kirche und Gläubigen gleichermaßen auf.

Donnerstag, 21. April 2016

Kräutler für Entkopplung von Zölibat und Eucharistiefeier

Kathpress, 21.04.2016
Kräutler für Entkopplung von Zölibat und Eucharistiefeier
Salzburg, 21.04.2016 (KAP) Der emeritierte Amazonasbischof Erwin Kräutler plädiert für eine Entkopplung von Eucharistiefeier und Zölibat. Sich für ein eheloses Leben zu entscheiden, sei "ganz sicher eine besondere Gnade" und solle "nie abgeschafft" werden, aber die Eucharistiefeier dürfe nicht davon abhängen, ob "zufällig ein zölibatär lebender Priester" vorhanden ist, betonte Kräutler im Interview mit der Salzburger Kirchenzeitung "Rupertusblatt" (aktuelle Ausgabe). Papst Franziskus wolle diese Frage allerdings nicht alleine entscheiden, erinnerte Kräutler an seine Privataudienz 2014, in der der Papst die Bischöfe Amazoniens dazu aufgefordert habe, mutige Vorschläge zum Problem eucharistieloser Gemeinden einzubringen.

Auch zum Priestertum für Frauen befand Kräutler "unmöglich ist da gar nichts!". Schließlich hätten manche Entscheidungen des II. Vatikanischen Konzils noch zur Zeit des I. Vaticanums als herätisch gegolten. Trotzdem sei die Frage der Weihe von Frauen "etwas schwieriger" als etwa die Entkoppelung von Eucharistiefeier und Zölibat, "weil Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben 'Ordinatio Sacerdotalis' vom 22. Mai 1994 scheinbar ein für allemal Türen fest verschließen und seine Meinung für alle Zeiten zementieren wollte". Aber auch dieses Apostolische Schreiben sei kein Glaubenssatz und habe "nicht einmal den Rang einer Enzyklika".

Grundsätzlich wünsche er sich mehr "Unerschrockenheit, Kühnheit, Furchtlosigkeit und gleichzeitig Vertrauen und Leidenschaft" und weniger "lähmende Mutlosigkeit" von Laien, Priestern, Bischöfen und Ordensleuten, so der Altbischof.

Auch nach Emeritierung in Brasilien

Auch nach seiner Emeritierung als Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens, Xingu, will sich Kräutler weiterhin für die indigenen Völker und alle anderen Bevölkerungsschichten einsetzen, die an der "existenziellen Peripherie" leben. "Mein Weg ist noch nicht zu Ende", betonte er; bis an sein Lebensende wolle er "für die Mit-Welt eintreten". Langeweile brauche er dabei nicht zu fürchten, machten es die vielen Einladungen aus Brasilien und Europa doch vielmehr nötig, "den Terminkalender so einzurichten, dass es mir nicht zu viel wird".

Im Rückblick auf seine bereits 51 Jahre am Xingu erklärte Kräutler: "Ich habe es keinen Augenblick in meinem Leben bereut, die Entscheidung getroffen zu haben, mein Leben Gott und seinem Volk am Xingu zu weihen."

Sein Nachfolger, der seit 3. April im Amt befindliche Franziskaner Joao Muniz Alves, gehe ohne Berührungsängste auf die Leute zu und werde "ganz sicher ein guter Hirte für das Volk Gottes am Xingu" sein, erklärte Kräutler. Alves komme zwar aus dem benachbarten Bundesstaat, doch werde auch er einige Zeit benötigen für das Einleben und für das Kennenlernen aller fünfzehn Territorialpfarrein mit zusammen 786 kirchlichen Gemeinden, so Kräutlers Einschätzung. Er selbst wolle weiterhin in der Bischofsstadt Altamira bleiben und seinem Nachfolger zur Seite stehen.

Keine Entspannung erwartete der gebürtige Vorarlberger im gegenwärtigen politischen Machtkampf in Brasilien. "Die Krise, die inzwischen schon Jahre dauert und sich in den letzten Monaten und Wochen arg zugespitzt hat, ist noch lange nicht überwunden." Sollte Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben werden, "wird ihr ein Vizepräsident folgen, der noch weniger Vertrauen verdient", so seine Einschätzung. Im Moment wäre niemand im politischen Szenario Brasiliens für ihn wählbar. Die Festnahme zahlreicher bekannter Politiker infolge von Korruptionsskandalen wertete Kräutler jedoch als "sicher sehr positiv".

(Info: Bischof Erwin Kräutler stellt am 27. April in Salzburg sein neues Buch "Habt Mut! Jetzt die Welt und die Kirche verändern" vor).

Mittwoch, 20. April 2016

Erste Turbine von Belo Monte liefert ans Netz

Die Nationale Energieagentur ANEEL genehmigte die Einspeisung des Stroms, der von der ersten Turbine des Kraftwerks Belo Monte produziert wird, ans kommerzielle Stromnetz. Die Turbine hat eine Leistung von 611 MWh. Bis 2019 sollen insgesamt 18 Turbinen in Betrieb sein, mit einer Gesamtleistung von 11.000 MWh. Der Testbetrieb der Turbine war Mitte Februar gestartet worden.

Die Stromproduktion erfolgt mit einer einjährigen Verspätung, die Inbetriebnahme der ersten Turbine war ursprünglich für den 28.2.2015 geplant.


IstoÉ, 20/04/2016
Aneel autoriza operação comercial de primeira turbina de Belo Monte
A Agência Nacional de Energia Elétrica (Aneel) aprovou na terça-feira, 19, a entrada em operação comercial da primeira turbina da Hidrelétrica de Belo Monte, usina que está em construção no Rio Xingu, no Pará.

A autorização foi dada para a primeira turbina de 611 megawatts (MW) da casa de força principal da hidrelétrica. Ao todo, 18 máquinas de 611 MW entrarão em operação até a conclusão da usina, prevista para início de 2019. Com a autorização, a energia gerada a partir desta quarta-feira está disponível ao Sistema Interligado Nacional, rede de transmissão que distribui energia pelo País.

No dia 5 de abril, a concessionária Norte Energia, dona da hidrelétrica, já havia sincronizado a primeira turbina de 611 MW e uma segunda máquina, de 38,9 MW, de sua casa de força complementar. Naquela data, ambas já passaram a fornecer energia em fase de pré-operação comercial.

O início da operação ocorre com um pouco mais de um ano de atraso. Pelo cronograma original, Belo Monte tinha que ter sido acionada em 28 de fevereiro de 2015, a partir de sua casa de força complementar. No caso da unidade principal, o acionamento se dá com 20 dias de atraso.

A previsão é que a cada dois meses, em média, seja ativada uma nova turbina até o pleno funcionamento da hidrelétrica, em 2019. Quando pronta, Belo Monte terá capacidade total instalada de 11.233,1 megawatts (MW), com garantia assegurada de 4,571 mil megawatts médios.

TV-Jornal Liberal, 19.4.2016
Começa a geração de energia na usina Belo Monte

Aneel, 19.4.2016
ANEEL libera operação comercial da primeira turbina da UHE Belo Monte
A ANEEL aprovou a entrada em operação comercial da unidade geradora UG1, de 611,1 MW de potência instalada, da usina hidrelétrica Belo Monte. A energia gerada está a partir de amanhã (20/4) disponível ao sistema interligado.

O Globo, 20.4.2016
Belo Monte inicia operação comercial 6 anos após ser licitada
Aneel liberou operação comercial da primeira turbina.
1ª máquina a operar representa pouco mais de 5% da capacidade total.

Agência Brasil, 17/02/2016
Belo Monte aciona primeira turbina, em fase de teste
A primeira turbina da Usina Hidrelétrica Belo Monte, no Rio Xingu (PA), foi ligada hoje (17), com capacidade de gerar 611,1 megawatts (MW). Este foi o primeiro teste dinâmico para observar e ajustar o funcionamento da primeira das 18 turbinas da casa de força principal da hidrelétrica.

Montag, 18. April 2016

Brasilien: Abgeordnete stimmen für Amtsenthebung Rousseffs

Adveniat, 18.4.2016
Pressemitteilung vom 18. April 2016
Adveniat zum Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff
Brasiliens Parlament hat mit einer klaren Zweidrittel-Mehrheit für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidentin Dilma Rousseff gestimmt. Sechs Monate wird dieser Prozess das stark polarisierte und wirtschaftlich kriselnde Land nun beschäftigen. Die Folge: Das Land ist gelähmt. „Unsere Projektpartner wissen nicht, ob die von ihnen geplanten Seminare, Friedens- und Menschenrechtsfortbildungen auch stattfinden können. Keiner weiß, ob selbst bereits zugesagte Förderungen auch ausbezahlt werden“, berichtet der Brasilien-Referent des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Norbert Bolte, von den konkreten Auswirkungen. Verlierer der weitverbreiteten Korruption sind die Armen des Landes. Darauf haben die brasilianischen Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung hingewiesen. Adveniat steht hinter der Auffassung der Brasilianischen Bischofskonferenz, dass nur grundlegende politische Reformen die Krise des Landes beenden können.

Der Vorwurf gegen Dilma Rousseff lautet, dass sie die Haushaltszahlen im Wahljahr 2014 geschönt haben soll, was Juristen eher als administratives Vergehen bewerten. Von dem Amtsenthebungsverfahren gegen die Präsidentin profitieren vorwiegend Politiker, gegen die bereits Verfahren wegen Korruption laufen. Für Adveniat-Referent Norbert Bolte lässt sich dies nur dadurch erklären, dass Rousseff vor allem während ihrer ersten Amtszeit gegen die weitverbreitete Korruption in der brasilianischen Politiker-Elite vorgegangen ist: „Gerade in den ersten Jahren hat sie kompromisslos selbst Minister beim entsprechenden Verdacht beurlaubt und auf gerichtliche Klärungen gedrungen – auch in der eigenen Partei.“ Diese Haltung provozierte den Widerstand derjenigen, die ihre Macht schwinden sahen. Die Folge: Der Druck auf Dilma Rousseff wuchs in den vergangenen Jahren und gipfelte im Amtsenthebungsverfahren.

Adveniat steht an der Seite der brasilianischen Bischöfe, die in einer gemeinsamen Erklärung die bei Unternehmern, Politikern und staatlichen Angestellten verbreitete systemische Korruption als unmoralisch und kriminell kritisieren. „Wer bezahlt für die Korruption? Es sind mit Sicherheit die Armen, ‚die Märtyrer der Korruption‘“, schreibt die Brasilianische Bischofskonferenz mit Bezug auf Papst Franziskus. Für die brasilianischen Bischöfe und das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat steht fest: Es braucht eine grundlegende politische Reform, die zu einer effektiven politischen Teilhabe des Volkes, einer klaren Gewaltenteilung und glaubwürdigen öffentlichen Institution führt.


Radio Vatikan, 19.4.2016
Brasilien: Die Armen zahlen die Rechnung


Orf.at, 18.4.2016
Fall geht zum Oberhaus
Das Abgeordnetenhaus in Brasilien hat in der Nacht auf Montag für die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen die amtierende Präsidentin Dilma Rousseff gestimmt. Nachdem deutlich mehr als zwei Drittel der Abgeordneten, nämlich 367 der 513 Parlamentarier, gegen Rousseff votierten, muss sich nun das Oberhaus mit dem Fall befassen.

Einzeln waren die Abgeordneten vom Präsidenten des Parlaments, Eduardo Cunha (PMDB), zur Stimmabgabe aufgerufen worden. Cunha selbst steht unter Verdacht, fünf Millionen Dollar Schmiergeld kassiert und auf Schweizer Konten deponiert zu haben. Für manchen Abgeordneten ist es ein Treppenwitz der Geschichte, dass er federführend das Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff führt. Auch Temer, Rousseffs Vize und einstiger Verbündeter, ist umstritten. Am Ende sammelte die wegen des Bruchs der einstigen Neunparteienkoalition stark gewachsene Opposition 367 Ja-Stimmen - ein Debakel für Rousseff, die nur 137 Nein-Stimmen verzeichnen konnte.


FAZ, 18.4.2016
Brasiliens Präsidentin verliert Votum zur Amtsenthebung
Das Ende der Präsidentschaft von Dilma Rousseff wird immer wahrscheinlicher. Im brasilianischen Parlament kassiert sie eine deutliche Niederlage. Damit nehmen ihre Gegner eine entscheidende Hürde.