Freitag, 20. Oktober 2017

Bischof Kräutler unterstützt Initiative „Pro Pope Francis“



Religion.orf.at, 20.10.2017
Initiative „Pro Pope Francis“ hat 10.000 Unterstützer


Wie ein Lauffeuer verbreite sich derzeit die Initiative „Pro Pope Francis“, die den Papst und dessen „Pastoralkultur“ der Barmherzigkeit gegen innerkirchliche Kritiker verteidigen will, berichtete Kathpress am Freitag.

Seit dem Start der auf Deutsch und Englisch gestalteten Website www.pro-pope-francis.com haben sich innerhalb von drei Tagen bereits mehr als 10.000 Personen dem direkt an Franziskus gerichteten Offenen Brief mit ihrer Unterschrift angeschlossen. Das teilte der Wiener Theologe Paul Michael Zulehner am Freitag Kathpress mit, der „Pro Pope Francis“ gemeinsam mit dem Prager Religionsphilosophen Tomas Halik initiiert hatte.

Prominente Namen
Auf der im Internet einsehbaren Liste der Unterstützer finden sich prominente Namen aus dem innerkirchlichen Bereich, aber auch darüber hinaus: u. a. die österreichischen Altbischöfe Paul Iby (Eisenstadt), Erwin Kräutler (Xingu, Brasilien) und Helmut Krätzl (Wien), Bischof Miklos Beer (Vac), der Prager Weihbischof Vaclav Maly, KAÖ-Präsidentin Gerda Schaffelhofer, Erzabt Asztrik Varszegi von Pannonhalma (Ungarn), die spirituellen Lehrer P. Anselm Grün und David Steindl-Rast; weiters der ehemalige Staatspräsident Ungarns, Laszlo Solyom, der frühere deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und ÖVP-Ex-Vizekanzler Erhard Busek.

Kräutler setzt große Hoffnung in Amazonien-Synode


Religion.orf.at, 19.10.2017
Kräutler setzt große Hoffnung in Amazonien-Synode
Der brasilianisch-österreichische Bischof Erwin Kräutler setzt große Hoffnungen in die von Papst Franziskus angekündigte Sonderbischofssynode zur Amazonas-Region.

„Unsere Freude ist übergroß und die Erwartungen selbstverständlich noch größer“, sagte der aus Österreich stammende emeritierte Bischof von Xingu am Donnerstag im Interview der katholischen Nachrichtenagentur Kathpress zu der Bischofsversammlung, die im Oktober 2019 in Rom stattfinden soll.

Die Synode werde sich „mit neuen Wegen und neuen Formen der Evangelisierung“ befassen und nach Antworten auf die regionalen ökologischen und sozialen Herausforderungen suchen. Angesichts der Klimaveränderung habe sie auch „weltweite Bedeutung“, erinnerte Kräutler an die Folgen der immer weiter voranschreitenden Zerstörung des Regenwaldes.

Kräutler setzte sich für Synode ein
Kräutler war von 1981 bis 2015 Bischof der flächenmäßig größte Diözese Brasiliens mitten im Amazonasgebiet. Der 78-Jährige ist weiterhin Sekretär der brasilianischen Bischöflichen Kommission für Amazonien und im länderübergreifenden kirchlichen panamazonischen Netzwerk REPAM (Rede Eclesial Panamazonica) tätig.

Das vom Lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM, der Brasilianischen Bischofskonferenz und der Lateinamerikanischen Religiosenkonferenz CLAR gegründete Netzwerk dürfte bei der Vorbereitung der Bischofssynode eine wesentliche Rolle spielen. Das Projekt einer Amazonas-Synode war in den vergangenen Jahren von den Ortsbischöfen in der betroffenen Region - und hier besonders von Bischof Kräutler - mehrfach ins Spiel gebracht worden.

Pastorale Linien entwickeln
Durch die Synode sollten die „richtungsweisenden“ Worte des Papstes zu Amazonien und den Indigenen Völkern „konkrete Gestalt annehmen“, sagte Bischof Kräutler unter Verweis auf entsprechende Passagen in der Enzyklika „Laudato si“ und mehrere Ansprachen des Papstes während seiner bisherigen Lateinamerika-Besuche. „Das gesprochene oder geschriebene Wort soll in neuen Wegen der Evangelisierung, in entsprechenden pastoralen Linien und Prioritäten zum Ausdruck kommen.“
Bischof Erwin Kräutler

Bedrohten Lebensraum in Amazonien verteidigen
Thematische Schwerpunkte sieht Kräutler vor allem in der Situation der indigenen Völker, der Zukunft sogenannter „eucharistieloser Gemeinden“ aber auch der Rolle der katholischen Kirche bei der Verteidigung des bedrohten Lebensraumes der Menschen in Amazonien. Dies sei jedoch keineswegs eine vollständige Auflistung. Aus Sicht des Bischofs belegt die Einberufung der Synode außerdem einmal mehr den Willen des Papstes zur Stärkung der Kollegialität des Episkopats.

Antworten der Kirche auf Herausforderungen wie in Amazonien könnten „nicht autoritär von oben herab gegeben werden“. Das kirchliche Lehramt habe „nicht von vornherein für alles und jedes eine fertige Antwort“. Franziskus wolle daher „Bischöfe, die vor Ort die Probleme hautnah erleben und die Realität aus eigener Erfahrung kennen in die Entscheidungsfindung miteinbeziehen“.

Art der Evangelisierung
So stelle sich etwa die Frage, welche Form der Glaubensverkündigung bei den Indigenen in Frage kommt, also eine Evangelisierung der indigenen Kultur oder eine Evangelisierung, die von der jeweiligen indigenen Kultur und ihren je eigenen Gotteserfahrungen ausgeht. Bei bereits christianisierten Völkern, so Kräutler weiter, gehe es darum, wie deren kulturellen Ausdrucksformen in der Eucharistiefeier und Spendung der Sakramente berücksichtigt werden sollen.

Hinzukomme die Bedrohung der Indigenen durch Großgrundbesitzer, Bergwerksgesellschaften, Goldsucher, Holzunternehmen oder den Bau von Wasserkraftwerken: „Wie kann sich die Kirche mehr zusammen mit den indigenen Völkern, und nicht anstelle dieser Völker, für die Verteidigung ihrer Rechte und ihrer Würde einsetzen?“, umreißt Kräutler diesen Bereich.

„Dolchstoß“ für Amazonien
Überhaupt gehe es um die Zukunft der Amazonasregion als Lebensraum. Amazonien erleide seit Jahrzehnten „einen Dolchstoß nach dem anderen“. Wirtschaftsunternehmen handelten vielfach ohne Rücksicht auf Natur und Bevölkerung. Weite Gebiete seien einer skrupellosen Brandrodung zum Opfer gefallen, Umweltverschmutzung wie die Verseuchung von Flüssen breite sich aus, so Kräutler. Auswirkungen habe dies vor allem auf die arme Bevölkerung.

Gerade in den Städten Amazoniens nehme aber auch der „Wegwerf-Wahnsinn“ immer mehr zu, sieht der Bischof insgesamt die von Papst Franziskus eingemahnte „humane Ökologie“ im Sinne einer wechselseitigen Beziehung zwischen den Menschen und ihrer Mit-Welt massiv gefährdet. Die Synode müsse daher beraten, wie die Kirche dem entgegentreten könne und was sie an Bewusstseinsbildung tun kann, „um Amazonien für seine Menschen und den Planeten zu retten“, so Kräutler: Dazu gehöre die Förderung einer ökologischen Spiritualität, die zu mehr Genügsamkeit anleitet.

„Horrender Priestermangel“
Lösungswege soll die Synode aus Sicht Kräutlers aber auch für die pastorale Lage angesichts eines „horrenden“ Priestermangels aufzeigen. In Amazonien könnten 90 Prozent der katholischen Gläubigen keine regelmäßige reguläre Sonntagsmesse feiern, obwohl das Zweite Vatikanische Konzil mehrfach unterstrichen habe, dass die Eucharistie der Mittelpunkt der christlichen Gemeinde ist, hielt der Bischof im Kathpress-Interview fest.

In vielen der kleinen „eucharistielosen Gemeinden“ hätten die Gläubigen keinen inneren Bezug mehr zur Eucharistiefeier. „Sie sehen kaum einen Unterschied zwischen ihren Wortgottesdiensten und dem Samstags- oder Sonntagskult der Evangelikalen“, sieht Kräutler darin einen Mitgrund für den Zulauf zu evangelikalen Gemeinschaften.

Diakoninnen statt Priester
Die in Brasilien versuchte Umverteilung von Priestern aus dem Süden des Landes in den Norden habe nur minimale Erfolge gebracht. Viele Geistliche aus dem Süden hätten große Probleme, sich im Kulturkreis Amazoniens einzuleben, so Kräutler. „Es geht um das ‚amazonische Gesicht‘ der Kirche und dies auch im Hinblick auf das Weihepriestertum.“ „Welche Form des priesterlichen Dienstes ist heute in Amazonien, insbesondere bei christlichen indigenen Völkern gefordert?“, ist für Kräutler daher eine der Fragen für die Amazonien-Synode.

Aus Sicht des Bischofs ist klar, dass es hier um die Frage nach den Zulassungsbedingungen zum Weihepriestertum gehen muss „und vermutlich auch zur Diakoninnenweihe, da die kleinen Gemeinden mehrheitlich von Frauen geleitet werden“, wie er sagte.

Erfahrene Gemeindeleiter einsetzen
„Vielleicht kann sogar der Vorschlag des emeritieren Bischofs Fritz Lobinger aufgegriffen werden“, verwies Kräutler auch erneut auf ein Modell des aus Deutschland stammenden langjährigen katholischen Missionsbischofs von Aliwal in Südafrika. Lobinger spricht sich darin dafür aus, dass Gemeinden ohne Priester durch ein „Team of Elders“, also in der Gemeindeleitung „Erfahrenen“, geleitet werden, und diese dann auch zu ordinieren, damit sie mit ihren Gemeinden Eucharistie feiern können.


Domradio.de, 19.10.2017
Amazonien-Synode: Hohe Erwartungen bei emeritiertem Bischof
"Probleme hautnah erleben"
Der emeritierte Amazonas-Bischof Erwin Kräutler setzt große Hoffnungen in die von Papst Franziskus angekündigte Bischofssynode für seine Region. Vor allem die schwierige Situation der Indigenen ist ihm ein Anliegen.

Montag, 16. Oktober 2017

Papst lädt 2019 zur Bischofssynode für das Amazonas-Gebiet

Radio Vatikan, 15/10/2017

Franziskus lädt für Oktober 2019 zu einer Sonderversammlung der Bischofssynode für das Amazonas-Gebiet nach Rom ein. Das gab der Papst beim Angelus-Gebet an diesem Sonntag auf dem Petersplatz bekannt. Er greife mit dem Bischofstreffen die Bitten verschiedener lateinamerikanischer Bischofskonferenzen sowie von Priestern und Gläubigen aus weiteren Teilen der Welt auf, sagte der Papst im Anschluss an eine Messe auf dem Petersplatz, bei der er Märtyrer unter anderem aus Brasilien und Mexiko heiligsprach.

Hauptziel der Bischofsversammlung, deren genaues Datum der Papst noch nicht bekannt gab, sei es, über „neue Wege der Evangelisierung“ in diesem Erdteil zu beraten, die vor allem den dort ansässigen indigenen Völkern zugutekommen sollten, so Papst Franziskus. Diese Menschen würden „häufig vergessen“ und „ohne gute Zukunftsperspektiven“ gelassen.

Die Region des Amazonas-Regenwaldes befinde sich in der „Krise“, fuhr der Papst wohl mit Blick auf die Zerstörung der Umwelt und des indigenen Lebensraums dort fort. Das Amazonasgebiet sei eine „Lunge unseres Planeten“ und habe „entscheidende Bedeutung“ für die globale Zukunft, so Franziskus:

„Mögen die neuen Heiligen für dieses kirchliche Ereignis bitten, damit im Respekt vor der Schönheit der Schöpfung, alle Völker der Welt Gott loben, den Herrn des Universums, und – durch ihn erleuchtet – Wege der Gerechtigkeit und des Friedens beschreiten.“

Der Papst grüßte im Anschluss an die Messe beim Angelus-Gebet die zahlreichen Pilger und offiziellen Delegationen, die aus Brasilien, Frankreich, Italien, Mexiko, Malta und Spanien zur Heiligsprechung nach Rom gekommen waren.

Zudem erinnerte der Papst an den Welttag zur Überwindung extremer Armut, der am kommenden 17. Oktober begangen wird. Papst Franziskus wird am Vortag, nämlich Montag, bei der Welternährungsbehörde FAO in Rom selbst dieses Thema berühren, wenn er über den Kampf gegen Hunger und Armut spricht.

„Elend ist kein Schicksal; es hat Ursachen, die erkannt und beseitigt werden müssen, um die Würde unserer Brüdern und Schwestern zu ehren und dem Beispiel der Heiligen zu folgen.“


Katholisch.de, 17.10.2017
Ist der Zölibat das Thema der Amazonas-Synode?
Kritiker des Papstes fürchten, dass nicht die Evangelisierung indigener Völker, sondern eine Lockerung des Zölibats Thema der Amazonas-Synode sein könnte.
Ihren Ursprung hatten derartige Spekulationen im April 2014: Damals empfing Franziskus im Vatikan den Amazonas-Bischof Erwin Kräutler. Der für seine unkonventionellen Ansichten bekannte Österreicher sagte anschließend in einem Interview, der Papst habe um "mutige und couragierte" Lösungsvorschläge der Brasilianischen Bischofskonferenz für die Seelsorge der Zukunft gebeten. Ein Vorschlag, so Kräutler weiter, werde gewiss sein, "dass man Zölibat und Eucharistiefeier entkoppelt". Da nutzte es wenig, dass der Bischof kurz darauf Behauptungen zurückwies, er arbeite am Thema Priesterweihe von Verheirateten und das Ganze als "Missverständnis" bezeichnete.

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Antônia Melo erhält Alexander Soros Foundation Award 2017


Antônia Melo ist bekannt für ihren unerschrockenen Kampf gegen das Kraftwerk von Belo Monte an der Seite von Bischof Erwin Kräutler. Sie gründete die Bewegung "Xingu Vivo Para Sempre", an der sich NGOs der Zivilgesellschaften und Umweltschützer anschlossen. Der investigative Journalismus von Xingu Vivo wurde wegen Gefährdung der Staatssicherheit verboten und die Mitarbeiter kriminalisiert. Wegen des Kraftwerksbaus und den damit verbundenen Flutungen von Altamira musste Antônia im September 2015 ihr Haus räumen.

In der Begründung zur Preisverleihung heißt es, Antônia Melo habe durch ihren Einsatz gegen die Zerstörung der Amazonasregion vielen Indigenen und Flussbewohnern geholfen und dazu beigetragen, dass die oft illegalen Vorgehensweisen national und international bekannt wurden. Das hatte schließlich auch Auswirkungen auf die Aufdeckungen der Korruptionsskandale rund um den Kraftwerksbau von Belo Monte.

Der Alexander Soros Foundation Award für Umweltschutz und Verteidigung der Menschenrechte ehrt seit 2012 jährlich Aktivisten, die sich in besonderer Weise für Umwelt und Menschenrechte einsetzen. Antônia ist die 6. Gewinnerin.


International Rivers, 10/10/2017
Antônia Melo Wins Alexander Soros Foundation Award for 2017
We are thrilled to share the news that Antônia Melo, our close friend and partner, and tireless champion of the Amazon and its people, has been awarded the Alexander Soros Foundation Award for 2017!

Antônia has risked everything to stop the destructive Belo Monte Dam in the Brazilian Amazon. Two decades ago, Melo, a mother of five, founded the “Movimento Xingu Vivo Para Sempre,” a collective of social and environmental organizations in the Altamira region of Brazil impacted by the Belo Monte hydroelectric project. The movement brings together groups unified in their objection to the dam, including communities living along the river, fishermen, rural workers, urban dwellers, Indigenous Peoples, and religious and women’s organisations.

#ASFAward2017

Alex Soros Foundation

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