Samstag, 1. August 2015

Andritz liefert Ausrüstung für Zellstoffwerk in Brasilien


Andritz, 31.7.2015
ANDRITZ liefert Ausrüstung für Fibria-Zellstoffwerk Horizonte 2

Der internationale Technologie-Konzern ANDRITZ und Fibria, der weltweit führende Hersteller von Eukalyptus-Zellstoff, haben eine Absichtserklärung betreffend die Lieferung von Produktionstechnologien und Ausrüstungen für das Fibria-Zellstoffwerk Horizonte 2 in Três Lagoas, Mato Grosso do Sul, unterzeichnet.

Die neue Produktionslinie wird eine Jahreskapazität von 1,75 Millionen Tonnen haben. Zusammen mit der in Três Lagoas bereits bestehenden und produzierenden Linie wird Três Lagoas zukünftig über eine Jahresgesamtkapazität von drei Millionen Tonnen verfügen und damit eine der weltweit größten Produktionsstätten für Eukalyptus-Zellstoff sein. Über den Auftragswert wurde Stillschweigen vereinbart; der übliche Auftragswert für vergleichbare Referenzprojekte beträgt rund 600 Millionen Euro. Der Vertrag wird voraussichtlich im 3. Quartal 2015 in Kraft treten.

Der Lieferumfang des ANDRITZ-Geschäftsbereichs PULP & PAPER umfasst die EPC-Lieferung der kompletten Faserlinie sowie der Rückgewinnungsanlage, inklusive sämtlicher relevanter Prozessstufen. Die Anlage wird voraussichtlich im 4. Quartal 2017 in Betrieb gehen.

Horizonte 2 ist eines der größten privaten Investitionsprojekte in Brasilien und wird während der zweijährigen Bauzeit 40.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze schaffen. Am Höhepunkt der Bauzeit werden rund 10.000 Arbeiter vor Ort beschäftigt sein. Nach Inbetriebsetzung wird die neue Zellstoff-Produktionslinie von Fibria 3.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze haben.


ORF, 31.7.2015
Andritz: Großauftrag für Zellstoffwerk in Brasilien
Der steirische Anlagenbauer Andritz hat einen Großauftrag aus Brasilien bekannt gegeben. Es geht um die Ausrüstung zur Errichtung eines riesigen Zellstoffwerks, der Lieferumfang beträgt mehrere hundert Millionen Euro.


G1 - O Globo, 27/03/2015
Maior exportadora de celulose do Brasil comemora alta do dólar
‘Nossa geração de caixa aumentou em torno de 40%’, diz diretor da Fibria.
Com 90% da produção para exportação, empresa é exemplo raro no país.

Dienstag, 28. Juli 2015

Online-Petition gegen Vergabe der Operations-Lizenz von Belo Monte


Aufruf zur Unterzeichnung der Online-Petition:
Offener Brief gegen die Vergabe der Operations-Lizenz von Belo Monte

Trotz zahlreicher vertraglich festgeschriebener, nicht erfüllter Bedingungen seitens des verantwortlichen Firmenkonsortiums Norte Energia S.A. wurde am 11. Februar dieses Jahres die Authorisierung für die Nutzung des Wasserkraftwerks Belo Monte bei der Umweltbehörde IBAMA erfragt.

Experten sprechen im Zuge der Konstruktion des Wasserkraftwerks bereits von einem Genozid, Ethnozid und Ökozid, von dem die traditionelle Bevölkerung der Region und das reichhaltige, aber sensible Ökosystem bereits betroffen ist bzw. sein wird. Dennoch wird davon ausgegangen, dass die Lizenzvergabe durch IBAMA innerhalb der nächsten Wochen erfolgen könnte.

Aus diesem Grund trafen am 30. Juni führende Wissenschaftler*innen der Thematik sowie Aktivist*innen an der Universität in Belém zusammen und entwarfen im Rahmen eines Seminars zur Lizenzvergabe einen "Offener Brief der Professoren, Wissenschaftler, Studenten und Bürger Brasiliens gegen die Vergabe der Operations-Lizenz von Belo Monte". In Form einer Petition werden über die Plattform avaaz.org derzeit Unterschriften für den Brief gesammelt. Der Brief wurde Präsidentin Dilma Rousseff, der Umweltministerin sowie der Präsidentin der Umweltbehörde IBAMA bereits vorab präsentiert und soll ihnen mitsamt der Unterschriften im August übergeben werden.

Plattform Belo Monte unterstützt die Petition und bittet zu unterschreiben.

Zur Online-Petition:
Gegen die Vergabe der Operations-Lizenz von Belo Monte


Die Petition ist auf Portugiesisch. Eine englische Version des Briefes können Sie hier aufrufen.


Hintergrund:

Der Bau und die Inbetriebnahme eines Kraftwerks beinhalten mehrere Etappen, die mit der Vergabe von Lizenzen durch das Brasilianische Umweltinstitut IBAMA verbunden sind.

1. Etappe ist die Vergabe der Vor-Lizenz (licença prévia) zur Regelung der Umweltverträglichkeitsprüfungen. Sie erfolgte am 1. Februar 2010. (Siehe Blog-Beitrag)

2. Etappe ist die Lizenz für den Baubeginn (licença de instalação). Die erste Baulizenz vergab IBAMA am 26. Jänner 2011 für die Dauer von einem Jahr und die zweite am 1. Juni 2011 für die Dauer von 6 Jahren. (Blog-Beitrag)

Am 11. Februar 2015 stellte Norte Energia das Ansuchen um die 3. Lizenz zur Inbetriebnahme des Kraftwerks (licença de operação) an IBAMA. (Blog-Beitrag)


EcoDebate, 9.7.2015
Debatedores cobram cumprimento de condicionantes antes de início da operação de Belo Monte
Deputados e especialistas cobraram o cumprimento, pelo Consórcio Norte Energia, das condicionantes impostas para a construção da Usina de Belo Monte na bacia do rio Xingu, antes da concessão de licença para a operação por parte do Instituto Brasileiro do Meio Ambiente (Ibama). O assunto foi discutido, nesta quarta-feira (8), em audiência pública conjunta das comissões de Integração Nacional, Desenvolvimento Regional e da Amazônia; de Minas e Energia; e de Meio Ambiente e Desenvolvimento Sustentável.

CBN-Radio, 30/06/2015
Instituto Sociambiental elabora documento contrário a concessão de licença de operação da Usina de Belo Monte
Entrevista com André Villas Boas, secretário executivo da entidade.

Diario-Online, 5.7.2015
Começa luta contra licença para operação
O processo para concessão da licença de operação à usina hidrelétrica de Belo Monte promete ser mais um capítulo polêmico na tumultuada história da obra que está mudando a paisagem na região do Xingu, no oeste do Pará. O pedido foi feito pela Norte Energia – responsável pelo empreendimento - em fevereiro deste ano. O órgão encarregado de avaliar a solicitação é o Instituto Brasileiro de Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis (Ibama).

MAB Amazônia, 03/07/2015
Dossiê reúne argumentos para Belo Monte não receber a licença de operação
O Instituto Socioambiental lançou nesta quinta-feira (2 de julho) em Altamira o dossiê “Belo Monte: Não Há Condições para a Licença de Operação”. Feito de forma colaborativa a partir de informações de diversas entidades como o Movimento do Atingidos por Barragens (MAB), acadêmicos e ativistas, o documento foi lançado no auditório da UFPA e contou com a presença de 100 pessoas.

Amazônia, 26 de junho de 2015
Dossiê Belo Monte – Não há condições para a Licença de Operação
Documento aponta principais consequências do desrespeito às condicionantes socioambientais da hidrelétrica que está sendo construída em Altamira (PA), no momento em que o Ibama avalia a autorização da operação da usina.

Sonntag, 26. Juli 2015

Wallfahrt des Waldes 2015 in Anapu: Wir sind Schwester Dorothy!

Die Wallfahrt des Waldes (Romaria da Floresta) in Anapu fand bereits zum 10. Mal von 23. - 26. Juli statt. Vor mehr als 10 Jahren, am 12.2.2005, wurde Schwester Dorothy Stang im Siedlungsprojekt PDS Esperança erschossen. Die Täter hatten gehofft, mit ihrem Tod auch ihr Wirken für die Landreform und die Ansiedelung Hunderter von Kleinbauern-Familien zu beenden. Aber von Anfang an lautete die Parole der Siedler: "Das Blut von Dorothy ist wie ein Same, der vielfältig Früchte bringen wird!"

Unter diesem Motto stand auch die 10. Wallfahrt: "Der  Same beginnt zu keimen - Wir sind Schwester Dorothy!" Am 22. Juli begann es mit einer Versammlung im Zentrum São Rafael in Anapu. In mehreren Etappen ging es bis zum Gemeindezentrum des PDS Esperança. Unterwegs wurde die Situation der Kleinbauern in den Siedlungsprojekten sowie ihr Einsatz für Gerechtigkeit und Landreform reflektiert.


Bischof Erwin Kräutler feierte am 26.7. an jener Stelle, wo Schwester Dorothy erschossen wurde,  mit den Wallfahrern die Eucharistie. Verschiedene Basisgemeinden brachten Darbietungen.



Fotos von Jean Cleber

Prelazia do Xingu, 10.7.2015
"A Semente plantada brotou: Nós somos Irmã Dorothy!”

Arquidiocese de Mariana, 25.7.2015
Representantes da Arquidiocese participam da 10ª Romaria da Floresta no Pará

Bericht von der 8. Wallfahrt im Jahr 2013:

Montag, 20. Juli 2015

Munduruku setzen eigene Demarkierung ihres Landes fort


IV. Erklärung der Munduruku zur eigenen Demarkierung ihres Gebiets*

Wir, Munduruku vom Ober- und Mittellauf des Rio Tapajós im Amazonasgebiet, setzen die zweite Phase der Demarkierung des Gebiets IPI WUYXI IBUYXIM IKUKAP- DAJE KAPAP EYPI fort.

In fünf Tagen im Wald haben wir sechs Demarkierungspunkte gesetzt und dabei die Spuren der Zerstörung mit eigenen Augen gesehen. Diebische Eindringlinge waren in unser Gebiet am Werk: Holz- und Palmfäller sowie Landräuber.

Wir folgten den Spuren der Holzfäller. Bereits am zweiten Tag hatten wir Schwierigkeiten Nahrung zu finden. Das letzte Wild hatten wir vor zwei Tagen gesehen. Wir wissen, dass die Wildtiere überall dort verschwinden, wo Getöse von Traktoren und Motorsäge ist und wo Menschen auftauchen. Diese Tiere ertragen den Geruch dieser Menschen nicht. Wir schreiben dies, weil wir es selbst bei der Demarkierung unserer Gebiete beobachtet haben.

Als wir den Spuren der Holzfäller folgten, stießen wir auf einen Pfad und eine Brücke, die sie gebaut hatten, um das Holz und die Açaí-Palmen abzutransportieren. Wir sahen auch, dass sie Felder angelegt haben. Und eine Straße, um Holz und Palmherzen abzutransportieren. Wir haben jetzt bei der Demarkierung unseres Territoriums festgestellt, dass sich das auf unserem Land befindet.

Wir sehen hier die Zerstörung, die die Menschen in den Beständen der Açaí-Palmen angerichtet haben. Alles fängt mit den Holzfällern an. Sie schlagen eine Schneise in den Wald und die Palmschneider folgen ihnen und zerstören die Açaí-Bestände. Wir haben dieses Açaí-Gebiet geschützt, um die Früchte für unsere Enkelkinder zu ernten. Wir sehen, dass uns fast nichts von unserem Land geblieben ist. Hier ernten wir die Früchte, um Saft für unsere Kinder zu machen. Doch stattdessen fanden wir nur Zerstörung vor. Wir sagen immer, dass den pariwat (Weißen) der Respekt vor diesen Dingen fehlt.

Wir demarkieren unser Land selbst, weil die pariwat die Bäume zerstören. Wir machen das nicht. Die brasilianische Bundesregierung und die pariwat wollen nur zerstören, wir wollen bewahren und schützen. Warum tun wir das? Weil uns dieses Land vom Kämpfer Karosakaybu gegeben wurde. Das Land ist unsere Mutter, wir brauchen dieses Land, es ernährt uns und hier können wir nach den Traditionen unserer Kultur leben.

Daje Kapap Eypi ist ein heiliger Ort für alle Munduruku vom Oberlauf und vom Mittellauf des Rio Tapajós. Wir müssen unsere Natur, unsere Flüsse, unsere Tiere und unsere Früchte schützen, die uns Karosakaybu geschenkt hat.

Mit der Demarkierung wollen wir zeigen, dass dieses Land uns gehört, damit es der weiße Mann als solches respektiert. Wir wollen in unseren Gebieten selbstbestimmt leben. Wir wollen als Indigene die Aufseher und Beschützer dieses Gebiets sein, wie wir es schon immer waren.

Wir werden weiterhin unser Territorium demarkieren und wir wissen nicht, was wir noch finden werden...

Sawe!

Aldeia Sawre Muybu, 11. Juli 2015

* Die indigene Bevölkerung Brasiliens hat das in der Verfassung festgehaltene Recht, dass ihr Land von der Regierung demarkiert und geschützt wird. Die Regierung kommt diesem Recht nicht nach, sodass die Munduruku begonnen haben, ihr Gebiet selbst zu demarkieren, um es vor Raubbau zu schützen.

Quelle: Autodemarcação no Tapajós


Hintergrund:

Im Oktober 2014 begannen die Munduruku selbst mit der Demarkierung ihres indigenen Landes (TI) Sawré Muybu am rechten Ufer des Rio Tapajós, einem Nebenfluss des Amazonas, im brasilianischen Amazonasgebiet [1]. Obwohl das angestammte Gebiet der Munduruku bereits durch die Fundação Nacional do Índio (auf Deutsch Nationale Stiftung der Indigenen, Funai) anerkannt wurde, die das Dokument, das das indigene Land kennzeichnet und die Grenzen festlegt, bereits im Jahr 2013 fertiggestellt hatte [2], ist das Verfahren zum Gebiet Sawré Muybu nicht weitergeführt worden. Nicht einmal die Anordnung brasilianischer Gerichte, die Demarkierung des Gebiets wiederaufzunehmen, reichten aus, um das Verfahren wieder in Gang zu bringen und den Munduruku das in der Verfassung zugesicherte Recht über ihr Land zu garantieren [3]. Der Grund dafür: Die brasilianische Regierung will um jeden Preis im gesamten Tapajós-Becken ein riesiges Wasserkraftwerk errichten, das auch eine Anlage im indigen Land Sawré Muybu vorsieht. Im September 2014 hat die damalige Präsidentin der Funai Maria Augusta Assirati den Munduruku gegenüber zugegeben, dass dies der eigentliche Grund für die Einstellung des Verfahrens gewesen sei [4].

Die Munduruku kannten nun die politischen Hintergründe und wollten nicht mehr darauf warten, bis die brasilianische Regierung endlich ihren Pflichten nachkommt. Außerdem waren sie besorgt, dass das Land durch Eindringlinge (illegale Holzfäller, Landräuber, Personen, die illegal Palmherzen sammeln, und andere Eindringlinge) zunehmend zerstört wird. Daher beschlossen sie, selbst die Demarkierung vorzunehmen und so ihr Territorium zu schützen.
Seitdem sie mit der Demarkierung begonnen haben, veröffentlichten sie drei Erklärungen.

[1] Weitere Informationen zum indigenen Land Sawré Muybu (auf Englisch): http://www.survivalinternational.org/news/10580
http://www.theguardian.com/global-development/2014/dec/22/amazon-munduruku-indians-brazil-tapajos

[2] Was ist eine Demarkierung? (auf Englisch): http://lab.org.uk/what-is-demarcation

[3] Kurze Zusammenfassung zu den verfassungsmäßigen Rechten der indigenen Völker in Brasilien (auf Englisch): http://pib.socioambiental.org/en/c/direitos/constituicoes/introducao

[4] Link zur Handyvideo eines Redes zwischen die damalige Präsidentin der FUNAI und die Munduruku (auf Portugiesisch): https://vimeo.com/111974175

Hintergrundtext: Luísa Molina
Übersetzung: Jennifer Theodor
Überarbeitung: Birgit Schrader
Im Kollektivarbeit koordiniert durch den “São Paulos Solidaritätskomitee zur Unterstützung des Wiederstands im Tapajós-Gebiet”.


Nayana Fernandez Dokumentarfilm über den Kampf der Munduruku
Vimeo.com


Relatório Circunstanciado de Identificação e Delimitação da Terra Indígena Sawré Muybu (Pimental)/PA
Brasília, setembro de 2013
Fonte: CIMI