Donnerstag, 30. Oktober 2014

"Welttreffen der Volksbewegungen" in Rom beendet


Kathpress, 28.10.2014
Papst empfängt Evo Morales und prangert Herrschaft des Geldes an
Boliviens Präsident nahm in Rom am Kongress sozialer Basisorganisationen teil - In langer Rede verurteilte Franziskus "heuchlerische" Initiativen, die Armen Hilfe nur vorgaukeln, aber in Wirklichkeit ruhigstellen sollen

Vatikanstadt, 28.10.2014 (KAP) Papst Franziskus ist am Dienstag mit dem bolivianischen Präsidenten Evo Morales zusammengetroffen. Es handelte sich um ein "privates und informelles" Treffen und sei nicht wie üblich über die diplomatischen Kanäle organisiert worden, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Papst Franziskus drücke damit seine Liebe und Nähe zum bolivianischen Volk und der Kirche des Landes aus. Zudem wolle er zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Staat und katholischer Kirche beitragen.

Morales nimmt seit Montag in Rom am Kongress von Vertretern sozialer Basisorganisationen in der La-Sapienza-Universität teil. Das Welttreffen war von Franziskus angeregt worden. Die Mitglieder der "Volksbewegungen" - darunter Landlose und Indigene - kamen aus vielen Staaten insbesondere Lateinamerikas.

"Papst für manche ein Kommunist"

Franziskus empfing die Bewegungen am Dienstag im Vatikan und prangerte in seiner auf Spanisch gehaltenen Ansprache vor Kleinbauern und Landlosen aus der ganzen Welt Armut und ungerechte Güterverteilung in Entwicklungsgebieten an. In einer langen Rede verurteilte er am Dienstag im Vatikan außerdem "heuchlerische" Initiativen, die den Armen Hilfe nur vorgaukelten, sie aber in Wirklichkeit ruhigstellen sollten. "Land, Arbeit, ein eigenes Heim - seltsam, wenn ich darüber spreche, ist der Papst für manche ein Kommunist", sagte er.

Die Herrschaft des Geldes habe dazu geführt, dass die Reichtümer der Erde heute in den Händen weniger konzentriert seien, so der Papst weiter. Er ermutigte die Basisorganisationen, sich gegen soziale Ungerechtigkeit aufzulehnen und die strukturellen Ursachen der weltweiten Armut nicht einfach hinzunehmen. "Macht weiter mit eurem Kampf, damit tut ihr allen Gutes", sagte Franziskus wörtlich. Die Ausgebeuteten und Betrogenen dürften nicht einfach passiv auf Hilfe von außen warten, etwa von Nichtregierungsorganisationen.

Franziskus warnte aber auch vor ideologischen Irrwegen, denen er die Soziallehre der katholischen Kirche gegenüberstellte. Sie gehe davon aus, dass die Liebe zu den Armen im Zentrum des Evangeliums stehe. Sie wollten selbst Gestalter ihres Lebens sein, sich organisieren und solidarisch für die Verbesserung ihrer Lebensumstände kämpfen, weil der Rest der Gesellschaft sie häufig vergesse.

Die Teilnehmer in der Großen Audienzhalle rief er dazu auf, sich nicht von Scheinstrategien blenden zu lassen, die Armut nur eindämmen sollten, um die betroffenen Massen ruhigzustellen. Oft versteckten sich hinter Maßnahmen gegen die Armut lediglich egoistische Interessen. Deren Initiatoren seien nach einem Wort Jesu nur als Heuchler zu bezeichnen. "Sagen wir es gemeinsam aus tiefster Überzeugung", so der Papst zu den Aktivisten: "Keine Familie ohne Dach über dem Kopf, kein Bauer ohne Land, kein Arbeiter ohne Rechte, kein Mensch ohne die Würde der Arbeit".

Das vom päpstlichen Friedensrat organisierte "Welttreffen der Volksbewegungen" dauert seit Montag und endet am Mittwoch. Neben den Themen Landlosigkeit und bäuerliche Armut geht es dabei auch um andere prekären Arbeitsverhältnissen, Migranten und die Ausbeutung von Jugendlichen in Entwicklungsländern. Der linksgerichtete bolivianische Präsident Evo Morales ist einer der Hauptredner.


Religion.orf.at, 29.10.2014
Franziskus: „Für manche ist der Papst ein Kommunist“
„Land, Arbeit, ein eigenes Heim - seltsam, wenn ich darüber spreche, ist der Papst für manche ein Kommunist“, sagte Franziskus am Dienstag bei einem Treffen mit Boliviens Präsidenten Evo Morales.


Radio Vatikan, 30.10.2014
Papst Franziskus – ein Kommunist? „Ich bitte Sie.“
Papst Franziskus – kommunistisch? „Ich bitte Sie.“ Der Kanzler der Päpstlichen Akademie für Wissenschaften, Bischof Marcelo Sanchez Sorondo, rückt einen Eindruck zurecht, das einige Medien in Nachklang der Begegnung des Papstes mit Vertretern sogenannter Volksbewegungen verbreitet haben. „Keine Familie ohne Dach überm Kopf! Kein Bauer ohne Land! Kein Arbeiter ohne Rechte! Kein Mensch ohne die Würde, die das Arbeiten verleiht!“, hatte Franziskus in seiner Rede vor den Angehörigen der Volksbewegungen gesagt, die er in der Alten Synodenaula im Apostolischen Palast empfing. Bischof Sanchez Sorondo:

„Der Papst hat selbst gesagt, er werde beschuldigt, kommunistisch zu sein, hat aber hinzugefügt, in Wirklichkeit seien es die Kommunisten, die dem Evangelium folgen… Natürlich nicht in ihrem Klassenkampf. Es ist doch interessant zu sehen, wie diese Volksbewegungen versuchen, die Soziallehre der Kirche zu befolgen ohne irgendeine Haltung der Revolution im Sinn von Gewalt.“

Seines Wissens sei es das erste Mal, dass Volksbewegungen im Vatikan empfangen wurden, fuhr der argentinische Bischof fort. Und das sei positiv:

„Wenn man den Ausgeschlossenen nicht die Tür öffnet, wenn man sie nicht hört, riskiert man, Gewalt zu säen!“

Die Arbeit der Volksbewegungen sei „ein Segen für die Menschheit“, sagte Papst Franziskus im Vatikan den Aktivisten. Sie waren zu einem dreitägigen Kongress nach Rom gekommen, den Franziskus selbst abgeregt hatte. Ausgerichtet wurde das Treffen vom Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden sowie von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Volksbewegungen sind in Lateinamerika weit verbreitet; sie verstärken die Stimme der Armen und Entrechteten in gesellschaftlichen Prozessen, die ansonsten oftmals die Interessen der Ökonomie in den Vordergrund stellen. Bischof Sanchez Sorondo:

„Die Volksbewegungen sind ein Zeichen dessen, was in der Welt geschieht. Sie stimulieren uns, sie lassen uns die Wirklichkeit von heute besser verstehen. Sie zeigen, was geschieht in einer Gesellschaft wie der unseren, wo man sich ausschließlich um den Profit sorgt und den Menschen beiseitelässt. So sind die Volksbewegungen wirklich ein Zeichen gegen das, was der Papst die „Globalisierung der Gleichgültigkeit“ nennt.“



Vatican Radio, 2014-10-30
Pope meets members of World Meeting of Popular Movements
(Vatican Radio) Pope Francis met on Tuesday with participants in the World Meeting of Popular Movements which is holding a conference here in Rome to discuss problems facing the poor, the unemployed and those who’ve lost their land. The group chose to hold their three-day conference here because of Pope Francis’ particular attention to the struggles of the poor.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Kräutler zu Brasilien-Wahl: Politik der Straßenwalze geht weiter


Am 28. Oktober 2014 sprach Dom Erwin Kräutler in der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG über das Thema »Leben mit den Armen - Kampf für Gerechtigkeit.«
Link zum Vortrag als Audio-mp3

Kommentare:

Kathpress, 29.10.2014
Kräutler zu Brasilien-Wahl:
Politik der Straßenwalze geht weiter
Bischof der Amazonasregion bei Vortrag im Wiener Raiffeisen-Haus: Neue-alte Präsidentin Rousseff bei Umwelt- und Indio-Fragen stur - Von der Fußball-WM ist bis auf leere Stadien nichts geblieben - Familiensynode ist Fingerzeig in die richtige Richtung

Wien, 29.10.2014 (KAP) Auch nach der jüngsten Präsidentenwahl werde es in Brasilien weiterhin ein "ungerechtes System" geben, in dem die Ärmsten in der Bevölkerung keinerlei Rechte und Stimme hätten. Das konstatierte der austro-brasilianische Bischof Erwin Kräutler bei einem Vortrag am Dienstagabend im Wiener Raiffeisen-Haus. Der nur knappe Sieg der schon bisherigen Präsidentin Dilma Rousseff verdeutliche aber, dass die Menschen mit der Politik insgesamt unzufrieden seien. Auch der Umstand, dass ein Viertel aller Wahlberechtigen trotz genereller Wahlpflicht gar nicht zur Urne gegangen sei, wertete der Bischof als Zeichen der allgemeinen Politikverdrossenheit im Land.

Leider würde Rousseff ihre "Politik der Straßenwalze" nun weitere vier Jahr fortführen können, so Kräutler. Besonders bei Problemen hinsichtlich der indigenen Bevölkerung oder beim Umweltschutz habe die Präsidentin bisher immer auf stur geschaltet und keinerlei Dialog zugelassen. Dies werde sich wohl auch in Zukunft nicht ändern.

Durch den Bau der vielen Kraftwerke im Amazonasgebiet auf dem Gebiet der Indios habe man Tausende Menschen umgesiedelt und sie so komplett aus ihren Lebensverhältnissen gerissen. Die Umweltzerstörung in Amazonien sei enorm und habe gravierende Auswirkungen auf das Weltklima, warnte Kräutler: "Die Umweltzerstörung macht nicht an der brasilianischen Staatsgrenze Halt."

Der Schutz der indigenen Bevölkerung sei zwar in der Verfassung verankert, in der Realität würden die Indios aber weiterhin enteignet, zwangsumgesiedelt und kulturell beschnitten, beklagte der Bischof von Xingu. Wenn man damit aufhöre, sich für die Rechte der Indigenen einzusetzen, seien diese in wenigen Jahrzehnten mit Sicherheit komplett verschwunden, warnte Kräutler.

WM war "wahnsinnige Geldverschwendung"
Eine "wahnsinnige Geldverschwendung" sei die Fußball-WM im vergangenen Sommer gewesen, sagte Kräutler weiter. Bis auf die leeren und überdimensionierten Stadien sei nichts übrig geblieben. An der Situation der Menschen habe sich nichts geändert, und vom versprochenen wirtschaftlichen Aufschwung sei nichts zu sehen.

Wenn man sehe, wie viele Kinder im Land weiterhin an Unterernährung litten oder dass Millionen Menschen weder lesen noch schreiben könnten, wirke der Aufwand, der betrieben wurde, "unmoralisch und geradezu grotesk". Mit den Olympischen Spielen 2016 stehe aber bereits der nächste Großevent an. Die Politik habe deswegen die Weltmeisterschaft schon längst ad acta gelegt.

Synode: Einige Aussagen waren ärgerlich
Die kürzlich zu Ende gegangene Familiensynode in Rom wertet Kräutler generell als ein gutes Zeichen. Dass eine Mehrheit der Teilnehmer bei der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen sich für Änderungen ausgesprochen habe, sei ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Der Kommunionempfang dürfe nicht "als Belohnung, sozusagen als Prämie für die Guten, die Gerechten und Gesetzestreuen" angesehen werden. Kräutler: "Wer braucht denn mehr die Kraft aus der Eucharistie als Menschen, von deren Ehe nur ein Scherbenhaufen übrig geblieben ist?"

Verärgert zeigte sich der Bischof in Bezug auf die Aussagen einiger Synodenteilnehmer, das Zerbrechen der Familie sei eine rein westeuropäische Thematik. Die Wandlung des traditionellen Familienbildes sei überall auf der Welt zu erkennen, auch in Südamerika.

Beeindruckt zeigte sich Kräutler vom Auftreten und Wirken Papst Franziskus'. Der Papst habe ihn bei einer kürzlichen Privataudienz bestärkt, sein Engagement für die Armen fortzusetzen.

Der Vortrag von Bischof Kräutler fand im Wiener Raiffeisen-Haus statt. Erwin Hameseder, Obmann der Raiffeisen-Holding Wien-NÖ, würdigte Kräutler als außergewöhnlichen Menschen, der nie den bequemen Weg gegangen ist". Sein Einsatz für die Menschen in Amazonien sei von besonderem Mut gekennzeichnet. Jede Gesellschaft leben letztlich davon, dass sich Menschen mutig für ihre Überzeugungen einsetzen, so Hameseder. Das gelte für Brasilien wie auch für Österreich.


Wiener Zeitung, 29.10.2014
Erwin Kräutler: Mutig, geradlinig, authentisch
Bischof Erwin Kräutler faszinierte im Wiener Raiffeisenhaus mit biblisch fundierten Aussagen über Armut, Klimaschutz und Kirchenreform.

"Wir waren arm, hatten aber immer etwas zum Essen." Mit Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend in Vorarlberg leitet Bischof Erwin Kräutler seinen Vortrag zum Thema "Leben mit den Armen - Kampf für Gerechtigkeit" ein. "Richtig habe ich die Armut erst in Südamerika kennengelernt", erzählt er seinen Zuhörern im vollen Saal des Wiener Raiffeisenhauses am Donaukanal. Dom Erwin, wie er in seiner Diözese am brasilianischen Xingu genannt wird, spricht an diesem Dienstagabend ohne Manuskript über sein Leben, über seinen Einsatz für die Ausgebeuteten und Unterdrückten, über seine Träume von einer erneuerten Kirche. Vieles davon kann man in seinem Buch "Mein Leben für Amazonien" (Tyrolia Verlag) nachlesen, das er nach dem Vortrag zu Dutzenden signiert. Manches von dem, was er sonst sagte, steht auch schon in einem Interview, das er kürzlich der "Wiener Zeitung" gab.

Schon Erwins Onkel, dessen lange Briefe in der Familie herumgereicht wurden, war Priester und dann Bischof am Xingu. Als er selbst als junger Priester dorthin kommt, empfindet er die Gegensätze, die er dort vorfindet und das biblische Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus wachrufen, als Schock: einerseits bitterste Armut, anderseits ein höherer Militär, der in Saus und Braus lebt. "Ich habe mich nie damit abgefunden", sagt Dom Erwin. Und: "Armut fällt nicht vom Himmel. Armut ist kein Schicksal, Armut wird gemacht."

Bischof Kräutler schildert den Weg der katholischen Kirche in Südamerika zur "Option für die Armen", beginnend mit der kontinentalen Bischofssynode von Medellin nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, den Aufbau von Basisgemeinden. "Das ist kein verkappter Marxismus", betont er, "die Befreiungstheologie ist ganz biblisch!" Ihr Ausgangspunkt sei das dritte Kapitel im alttestamentarischen Buch Exodus: "Ich habe das Elend meines Volkes gesehen..." Dazu komme natürlich das Neue Testament, vor allem mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter.

"Ich habe nie provoziert", betont Dom Erwin. Zur Symbolfigur für das Ringen der Armen und der Indigenen in Brasilien ist er geworden, weil er schlicht und einfach auf der Basis des Evangeliums für deren Rechte eintrat. Als Menschen, denen man monatelang ihren gerechten Lohn vorenthalten hat, die wichtige Durchgangsstraße Transamazonica blockieren und er sich mit ihnen solidarisiert, wird er brutal misshandelt. Er staune manchmal selbst, meint er schmunzelnd, wie dieses Ereignis von 1983 später immer mehr ausgeschmückt wurde. Tatsache ist: Nach Anschlägen auf ihn und der Ermordung von Mitarbeitern lebt er seit Jahren unter Polizeischutz.

Die gegenwärtige Politik Brasiliens, die den Ausbau von Kraftwerken am Xingu und Amazonas plant, kritisiert er heftig: "Damit ist Amazonien am Ende." Mit der Präsidentin Dilma Rousseff gebe es keinen Dialog. Dass sie nur knapp wiedergewählt wurde und trotz Wahlpflicht ein Viertel der Brasilianer den Wahlurnen fernblieb, wertet er als "ein Zeichen, das gesetzt worden ist".

Mutig, geradlinig, authentisch - und humorvoll, diese Eigenschaften stechen an Erwin Kräutler hervor. Er ist glaubwürdig empört, wenn er anprangert, wie arme Menschen ausgebeutet werden, den Indigenen ihr verfassungsmäßiger Schutz entzogen werden soll, die weit über Brasilien hinaus wesentliche klimaregulierende Funktion des Regenwaldes zerstört wird. Er leidet sichtlich am kirchlichen "Legalismus", denn das Gesetz Christi bestehe doch aus Liebe und Gnade.

Was Brasilien betrifft, so sei die Fußball-WM abgehakt, für die damit verbundene Verschwendung, die sich bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro fortzusetzen droht, hat Dom Erwin angesichts der sozialen Not im Land kein Verständnis. "Der Mensch ist nicht für die Wirtschaft da, es ist umgekehrt", stellt er eindeutig fest.

Die Brasilianische Bischofskonferenz sei immer hinter ihm gestanden, versichert Kräutler. Auch der frühere Papst Johannes Paul II., obwohl dieser immer wieder Befreiungstheologen maßregeln ließ, habe ihm den Rücken gestärkt. Spannendes weiß er von seiner zwanzigminütigen Begegnung im April 2014 mit Papst Franziskus, mit dem er offensichtlich auf einer Linie ist, zu berichten. Das sei eines seiner schönsten Erlebnisse als Bischof gewesen: "Er hat mich gefragt, was ich über dieses und jenes denke, das ist mir noch nie passiert."

Als er von Kardinal Peter Turkson aus Ghana erfahren hat, dass eine Umwelt-Enzyklika geplant ist, hat Dom Erwin darauf gedrungen, dass Amazonien darin vorkommt, und ist prompt zur Mitarbeit eingeladen worden. Seinen Beitrag zu dieser nun unmittelbar bevorstehenden Umwelt-Enzyklika hat er gerade per E-Mail in Rom abgeliefert, berichtet er dem Publikum im Raiffeisenhaus.

Die jüngste Bischofssynode mit dem vorhergehenden einmaligen Vorgang einer weltweiten Befragung sieht Kräutler positiv. Zwar sei die Zwei-Drittel-Mehrheit für einen Kommunionempfang von wiederverheirateten Geschiedenen verfehlt worden, aber schon die einfache Mehrheit bedeute einen Fortschritt. Dieses Problem sei weltweit groß und keineswegs auf Europa beschränkt. Er könne sich nicht vorstellen, jemanden von der Kommunion wegzuschicken, der jahrelang treu in einer neuen Beziehung lebe und Woche für Woche zum Gottesdienst komme.

90 Prozent der Gemeinden in Kräutlers Diözese sind priesterlos, haben folglich keine regelmäßigen Eucharistiefeiern. 70 Prozent aller Gemeinden erleben nur drei- oder viermal im Jahr eine katholische Messfeier. Papst Franziskus sei diese Problematik sehr bewusst. Der Papst, so Kräutler, sympathisiere mit Ideen des deutschen Bischofs Fritz Lobinger, der in Südafrika wirkte. Dessen Gedanken laufen darauf hinaus, dass jede Gemeinde drei "Älteste" wählt - Männer, aber auch Frauen -, die kirchlich beauftragt werden, am Sonntag der Messfeier vorzustehen, unter der Woche aber gewöhnlichen Berufen nachgehen. "Theologisch gibt es dagegen keine Einwände, das ist ein Frage des Kirchenrechts", sagt Kräutler. Der Zölibat sei durchaus sinnvoll, betont Dom Erwin, "aber um der Eucharistie willen soll es auch einen anderen Priestertyp geben. Das wird so kommen, und es wird nicht mehr lange dauern. Davon bin ich überzeugt."

Dieser Blog analysiert und kommentiert Erwin Kräutlers Vortrag nicht im Detail, sondern will nur einige seiner wichtigsten Inhalte wiedergeben und dick unterstreichen. "Eine andere Welt ist möglich", lautet die Kernaussage des Bischofs, jeder sei eingeladen, dort, wo er steht, daran mitzuarbeiten. Dem ist gar nichts mehr hinzuzufügen.

Montag, 27. Oktober 2014

Feier zu Ehren Bischof Kräutlers in Koblach

Anlässlich seines 75. Geburtstags wurde Bischof Erwin Kräutler von seiner Heimatgemeinde gefeiert.
Vorarlberg-Online, 27.10.2014
Feier zu Ehren des Bischofs
Ein abendfüllendes Festprogramm erwartete Bischof Erwin, wie er liebevoll von seinen Heimatbürgern genannt wird, als am Freitagabend sein runder Geburtstag in der Dorfmitte gefeiert wurde. Die Gratulanten lauschten gespannt den Erzählungen des Bischofs, über sein Leben am Xingu. Veranstalter war die Gruppe „Koblach am Xingu“, der Abend war ein Dankeschön an einen Mann, der sein Leben dem Wohle der Menschen geweiht hat.

Mein Volk am Xingu
Schon am frühen Abend konnten die Gäste sich mit ihrem Bischof über sein bewegtes Leben im Tiefland von Brasilien unterhalten. Erwin Kräutler, ein echter Koblacher Sohn, reiste ans Ende der Welt, wo er sich seit 1965 um die Indios kümmert. Seit 1980 ist Erwin Kräutler Bischof und Prälat von Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. Im Jahre 2010 wurde dem Missionar für seinen Einsatz für die Menschenrechte der Indios und die Erhaltung des tropischen Regenwaldes im Amazonas-Gebiet der alternative Nobelpreis verliehen. Ein großer Mann des Herzens, der mit einem Lächeln im Gesicht über sein abenteuerliches Leben berichtet.

Buntes Rahmenprogramm
Natürlich wurde auch ausgiebig gefeiert, Fritz Maierhofer begrüßte erfreut den Koblachstämmigen Bischof, die KummaBläser spielten zu Ehren des Jubilars, der Männerchor brachte ebenso ein Ständchen, wie die Schulkinder der Mittelschule und Volksschule. Günter Schatzmann moderierte gekonnt den Festabend, interviewte Erwin Kräutler und amüsierte sich zusammen mit den Gästen königlich über die humorvollen Antworten des Gefragten. In lockerer, ausgeglichener Atmosphäre konnten die Gratulanten mit ihrem Bischof Kräutler diskutieren und philosophieren.

Knapper Sieg für Amtsinhaberin Rousseff

ORF.at, 27.10.2014
Brasilien stimmt hauchdünn gegen Wende
Mit einem nur knappen Vorsprung hat die brasilianische Amtsinhaberin Dilma Rousseff am Sonntag die Stichwahl um das Präsidentenamt für sich entschieden. Das Ergebnis von ein wenig mehr als 51 Prozent der Stimmen lag weit hinter den Prognosen auch der jüngsten Umfragen zurück. Damit straften die Wähler Rousseff und ihre gemäßigt linke Arbeiterpartei wohl für zuletzt publik gewordene Korruptionsskandale in ihrem Umfeld ab. Möglicherweise brachte sich Rousseffs konservativer Herausforderer Aecio Neves mit einer taktischen Fehlentscheidung im Wahlkampffinish vor allem selbst um das Amt.

Der Standard, 27. Oktober 2014
Knappe Stichwahl: Dilma Rousseff bleibt Präsidentin Brasiliens
Amtsinhaberin gewinnt zweite Wahlrunde mit mehr als 51 Prozent vor dem konservativen Herausforderer Aécio Neves

Tagesschau.de, 27.10.2014
Brasilianische Präsidentin gewinnt Stichwahl
Ein Warnschuss für Rousseff
In der knappsten Wahl seit Brasiliens Rückkehr zur Demokratie ist die linke Präsidentin Rousseff mit minimalem Vorsprung wiedergewählt worden. Der Schock zeigt Wirkung: Die Amtsinhaberin verspricht Reformen.

Spiegel-Online, 27.10.2014
 Brasilien: Rousseff gewinnt Wahl zur Präsidentin knapp
Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Amtsinhaberin Dilma Rousseff hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien knapp gewonnen. Sie wolle nun eine "viel bessere" Staatschefin sein als bisher, kündigte sie an.
Dilma gewinnt Nord/Nordosten, aber auch Minas Gerais und Rio; Aécio gewinnt São Paulo und den Süden

Zeit-Online, 27.10.2014
Präsidentschaftswahl
Rousseff ruft Brasilianer zur Einheit auf
Die amtierende Präsidentin Brasiliens hat sich in der Stichwahl knapp gegen ihren Rivalen durchgesetzt. "Ich bin offen für den Dialog", versprach sie in ihrer Siegesrede.


Infos, Analysen und Grafiken auf O Globo (portugiesisch):