Samstag, 5. April 2014

Bischof Kräutler bei Papst Franziskus


ORF, 4.4.2014
Kräutler informiert Papst über Indios
Bischof Erwin Kräutler ist am Freitag (4.4.) von Papst Franziskus in einer Privataudienz empfangen worden. Kräutler sprach vor allem über die Problematik der einheimischen Bevölkerung und ihre Bedrohung durch das Mega-Kraftwerk Belo Monte.
Es war die erste persönliche Begegnung der beiden Kirchenmänner, seit Jorge Bergoglio Papst Franziskus ist. Die beiden Kirchenmänner haben ja eine Gemeinsamkeit: den Kampf an der Seite der Armen.
Der austro-brasilianische Bischof und Träger des Alternativen Nobelpreises kämpft seit Jahren gegen das geplante Mega-Kraftwerk Belo Monte in seiner Diözese Xingu. Der aus Koblach stammende Bischof informierte den Papst vor allem über die dramatischen Folgen des Mega-Kraftwerks.
Im Video zu sehen: Erwin Kräutler (Bischof von Xingu). Ein Beitrag von Mathilde Schwabeneder, Stefan Krobath, Guiseppe Mella und Roland Weber

Staudamm wird Bischofsstadt überfluten
Der Staudamm wird eine große Schleife des Flusses Xingu trockenlegen. Gleichzeitig wird der Stausee dieses drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt ein Drittel der Provinz- und Bischofsstadt Altamira überfluten.
Bis zu 40.000 Bewohner der flussnahen Zone verlieren ihre Häuser. Einem Großteil wird auch die Lebensgrundlage als Fischer entzogen. Massive Kritik hatte Kräutler auch immer wieder an der heimischen Andritz AG geübt, die Generatoren für Belo Monte liefert.

Kräutler muss Pensionierung anbieten

Ob es im Gespräch auch um einen möglichen Rücktritt von Bischof Kräutler ging, ist bis dato noch nicht bekannt. Am 12. Juli wird der Koblacher 75 und muss dann dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Ob Erwin Kräutler aber tatsächlich schon in Pension gehen kann - der Papst muss das ja entscheiden - wird allgemein bezweifelt.

Radio Vatikan, 4.4.2014
Bischof Kräutler „hilft“ bei der Ökologie-Enzyklika mit
Der aus Vorarlberg stammende Amazonas-Bischof Erwin Kräutler wird dem Papst bei der nächsten Enzyklika mithelfen. Das sagte Kräutler Radio Vatikan in einem Interview am Wochenende. Der Bischof von Xingu – flächenmässig fast so groß wie Deutschland – traf Papst Franziskus am Freitag in einer Privataudienz im Vatikan. Gemeinsam sprachen sie über die Lage im Amazonasgebiet sowie über die ökologischen und sozialen Probleme in seinem Bistum. Auch das Problem des Priestermangels kam zur Sprache. Im Bistum Xingu gibt es insgesamt 27 Priester.

Die nächste Enzyklika des Papstes soll das Thema „Ökologie“ behandeln. Zusammen mit Kardinal Peter Turkson, dem Leiter des vatikanischen Dikasteriums Justitia et Pax, werde Kräutler bei der Erarbeitung des Textes mithelfen. „Denn der Amazonas darf in einer solchen Enzyklika nicht fehlen“, so Bischof Kräutler.

Kathpress, 5.4.2014
Kräutler Mitautor von Papstschreiben zur Bedrohung der Erde
Themen des Gesprächs des Bischofs mit dem Papst waren laut ORF Bedrohung der Indios und des Regenwalds durch das Agrobusiness, Folgen des Baus des Megastaudamms Belo Monte am Xingu-Fluss sowie Vorschläge gegen den Priestermangel
Papst Franziskus hat den austro-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler eingeladen, an der Abfassung der geplanten Enzyklika über Ökologie und die Bedrohung der Erde mitzuhelfen. Das berichtete der Bischof der Amazonas-Diözese Altamira-Xingu am Samstag im ORF-Morgenjournal.
Kräutler, der im Juli 75 wird und aufgrund dieses Alters dem Papst ein Rücktrittsgesuch vorgelegt haben dürfte, war am Freitag von Franziskus in Sonderaudienz empfangen worden. Themen des Gesprächs waren laut ORF die verfassungsmäßigen Rechte der indianischen Urbevölkerung Brasiliens, die Bedrohung der Indios und des Regenwalds durch das Agrobusiness, die Folgen des Baus des Megastaudamms Belo Monte am Xingu-Fluss sowie Vorschläge gegen den Priestermangel.
Im ORF-Morgenjournal sagte Kräutler, Brasilien habe nach der Rückkehr zur Demokratie in den 1980er-Jahren die Indianerrechte in der Verfassung verankert. Großgrundbesitzer und Agrobusiness unternähmen heute aber alles mögliche, um diese Rechte auszuhebeln. Das würde ein Ende der indigenen Völker bedeuten.
Der Bau des Megastaumdamms Belo Monte erfolge unter massivsten Polizeischutz, berichtete der Bischof. Dass das Projekt, das mit der Absiedelung von 40.000 Fischern und Kleinlandwirten verbunden ist, nur auf diesem Weg realisiert werden könne, "spricht ja schon Bände".
Im Blick auf den extremen Priestermangel in seiner Diözese, die so groß wie Deutschland ist, sagte der aus Vorarlberg stammende Missionsbischof, der Papst erwarte "mutige und kühne Vorschläge". Franziskus habe aber betont, man könne von ihm "nicht Rezepte verlangen".
Über die von Bischof Kräutler erwähnte Ökologie-Enzyklika hatte Vatikansprecher P. Federico Lombardi bereits im Jänner berichtet. Franziskus arbeite an einem Text, in der es um Schöpfung, Umwelt und das Problem der Verschwendung gehe; "die Perspektive ist die einer Enzyklika", so Lombardi. Bisher handle es sich allerdings um ein gerade erst begonnenes Projekt.
Wie lange Franziskus noch daran schreibe und wann mit einer Veröffentlichung zu rechnen sei, lasse sich deshalb aktuell nicht sagen. Grundsätzlich lasse sich aber feststellen, dass Papst Franziskus beabsichtige, die Bedeutung einer "Ökologie des Menschen" herauszustellen, so der Vatikansprecher.

Fides.org, 7.4.2014
Vertreter des Indio-Missionsrats überreichen dem Papst ein Dokument zur Situation der Indios im Amazonasgebiet
Vatikanstadt (Fides) – Der Vorsitzende des Indio-Missionsrates der brasilianischen Bischöfe (Consejo Indigenista Misionero, CIMI), Bischof Erwin Kräutler, C.Pp.S., von der Prälatur Xingu (Para, Brasilien), überreichte Papst Franziskus im Rahmen einer Audienz am vergangenen 4. April ein Dokument zu den Verstößen gegen die Rechte der Indios in Brasilien. Bei der Begegnung war auch der theologische Berater des CIMI, Paulo Suess, anwesend.
Das Dokument beklagt vor allem, dass "politische und wirtschaftliche Gruppen, die mit der Agrar-, Bergbauindustrie und mit Bauunternehmen in Verbindung stehen, mit der Unterstützung oder der Beteiligung der Regierung versuchen, die Rechte der Indiovölker auf Landbesitz zu widerrufen".
Wie der Indio-Missionsrat berichtet, wurden allein in den von den Indio-Völkern der Guarani und Kaiowá in Mato Grosso do Sul bewohnten Gebieten, rund 45.000 Indios in einem für sie nicht ausreichenden Gebiet zusammenleben, wo es jeden Tag zu Morden, Selbstmorden und Episoden der Gewalt kommt. Bischof Kräutler erinnert daran, dass aus dem CIMI-Bericht hervorgeht, dass in Brasilien derzeit 519 Unternehmen tätig sind, deren Vorgehen sich negativ auf die Umwelt und die Territorien auswirkt, die von 204 verschiedenen Indiovölkern bewohnt werden.

Salzburger Nachrichten, 7.4.2014
Papst will von Bischöfen„kühne Vorschläge“
Kirchenreform. Papst Franziskus will nichts allein von Rom aus entscheiden. Er setzt auf Initiativen von Bischofskonferenzen.
In einer Audienz für Bischof Erwin Kräutler – die SN berichteten am Samstag exklusiv – hat Papst Franziskus seine Vorgangsweise für Reformen in der römisch-katholischen Kirche deutlich gemacht. In den SN schildert Kräutler im Detail seine wegweisende Begegnung mit Papst Franziskus.


CNBB, 4.4.2014
Cimi entrega documento ao papa Francisco sobre violações aos direitos indígenas 

Cimi, 04/04/2014
Papa Francisco recebe presidente do Cimi para tratar das violações aos direitos indígenas
O presidente do Conselho Indigenista Missionário (Cimi) e Bispo do Xingu, Dom Erwin Kräutler, foi recebido nesta sexta-feira (4.4.), às 12 horas, horário de Roma, Itália, pelo Santo Padre Jorge Mario Bergoglio, o Papa Francisco.
A audiência ocorreu no gabinete papal e tratou das violações aos direitos indígenas no Brasil, promovidas pelo capital privado em aliança com o governo federal. Esteve presente no encontro o assessor teológico do Cimi, Paulo Suess. Nesta quinta, 03, Kräutler e Suess se reuniram também com o prefeito da Congregação para a Doutrina da Fé, Gerhard Ludwig Müller.

Leia na íntegra a versão em espanhol do documento entregue ao Papa Francisco:
Audiencia con Su Santidad el Papa Francisco – 4 de abril de 2014

Agência Brasil, 04/04/2014
Presidente do Cimi denuncia ao papa Francisco violações aos direitos indígenas
O papa Francisco e o presidente do Conselho Indigenista Missionário (Cimi), dom Erwin Kräutler, se reuniram hoje (4), no Vaticano, para discutir as violações aos direitos indígenas no Brasil. Segundo a assessoria do Cimi, os representantes da entidade indigenista ligada à Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB) relataram ao líder mundial da Igreja Católica casos de violência contra as comunidades indígenas – em especial a situação dos povos guaranis e guarani-kaiowás de Mato Grosso do Sul, que vivem em áreas consideradas insuficientes para suas necessidades.
Em nota, a assessoria do Cimi informa que dom Erwin entregou ao papa um documento no qual a entidade indigenista denuncia, entre outras coisas, que as agressões contra os índios são promovidas por grupos privados, em aliança com o governo federal. “Grupos políticos e econômicos relacionados com a agroindústria, a mineração e construtoras, com apoio e participação do governo brasileiro, tratam de revogar os direitos territoriais dos povos indígenas”, diz trecho do comunicado.

Agência Brasil, 04/04/2014
Governo pretende acelerar demarcações de terras indígenas
O secretário nacional de Articulação Social da Secretaria-Geral da Presidência da República, Paulo Maldos, reconheceu hoje (4) que a demarcação das terras indígenas é uma “dívida histórica do governo brasileiro com relação a esses povos”, mas tem a expectativa de que o processo avance o mais rápido possível.
“Os processos de legitimação não estão parados. A titulação para os indígenas está abaixo da média histórica porque há um problema jurídico”, disse Paulo Maldos, explicando que as propriedades de alguns territórios foram concedidas irregularmente pelos próprios governos estaduais e federal, na época da ditadura militar. As afirmações foram uma resposta às denúncias feitas nesta sexta-feira ao papa Francisco pelo presidente do Conselho Indigenista Missionário (Cimi), dom Erwin Kräutler.

Dienstag, 1. April 2014

Bischof Erwin Kräutler wird Papst Franziskus über Zerstörung Amazoniens informieren


weltkirche.katholisches.de, 2.4.2014 (mit Video-Interview!)
Es ist ein Desaster
Der österreichische Amazonas-Bischof Erwin Kräutler wird gegen Ende der Woche Papst Franziskus über die Bedrohung der Indios und des Regenwaldes in Amazonien informieren. Wie die Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ (Dienstag) berichtet, will Kräutler dem Papst in einer Sonderaudienz vor allem die dramatischen Folgen des Megastaudamms Belo Monte aufzeigen.

Salzburger Nachrichten, 31.03.2014
Kräutler sucht beim Papst Hilfe für Amazonien
Sonderaudienz. Bischof Erwin Kräutler kämpft für die Indios und den Regenwald. Ende der Woche ist er exklusiv zur Audienz bei Franziskus in Rom.

Josef BRuckmoser ROM (SN). Sie werden nur ein Thema haben, aber das in aller Intensität. Ende dieser Woche wird der österreichisch-brasilianische Bischof Erwin Kräutler in einer exklusiven Audienz in Rom Papst Franziskus die Bedrohung der Indios und des Regenwaldes in Amazonien darlegen.

Der Papst hat bereits seit dem Weltjugendtag 2013 in Rio de Janeiro ein Auge auf Amazonien. Franziskus rief in einer Ansprache an die brasilianischen Bischöfe ausdrücklich zur Bewahrung der Schöpfung auf, „die Gott dem Menschen anvertraut hat, nicht damit er sie ungezügelt ausbeutet, sondern damit er sie zum Garten Gottes macht“. Derzeit bereitet der Papst ein Schreiben über Ökologie und Klimaschutz vor.

Bischof Kräutler will Papst Franziskus die dramatischen Folgen des Kraftwerks Belo Monte aufzeigen. Der Staudamm wird eine große Schleife des Xingu trockenlegen. Gleichzeitig wird der Stausee dieses drittgrößten Wasserkraftwerks der Welt ein Drittel der Provinz- und Bischofsstadt Altamira überfluten. Bis zu 40.000 Bewohner der flussnahen Zone verlieren ihre Häuser. Einem Großteil wird auch die Lebensgrundlage als Fischer entzogen.

Die Ersatzquartiere für die rund 8000 betroffenen Familien sind als dicht verbaute Reihenhaussiedlungen angelegt. Für die Fertigteilhäuser mit neun Zentimeter dünnen Betonmauern gibt die Kraftwerksgesellschaft nur fünf Jahre Garantie – wissend, dass die hohe Luftfeuchtigkeit den Beton im Gegensatz zu den ortsüblichen Baumaterialien Holz oder Ziegel bald angreifen wird.

„Dieser ganze Eingriff in die Natur und in die Lebensgrundlagen Zehntausender Menschen ist umweltpolitisch, sozialpolitisch und rechtlich ein Desaster“, sagt Bischof Erwin Kräutler. „Die brasilianischen Umweltbehörden haben Dutzende Prozesse gegen dieses Kraftwerk angestrengt und die meisten auch in der ersten Instanz gewonnen. Aber der Oberste Gerichtshof in Brasilia hat alle diese Verfahren niedergeschlagen.“

Das Kraftwerk Belo Monte, für das die österreichische Firma Andritz die Turbinen liefert, ist derzeit das schlagendste Beispiel für den Widerspruch zwischen Klimaschutz und globalen Wirtschaftsinteressen. „Beinahe 20 Prozent des Regenwaldes in Amazonien sind bereits durch Brandrodung, landwirtschaftliche Nutzung und Wasserkraftwerke zerstört“, sagt Kräutler. „Nach Ansicht namhafter Wissenschafter in Brasilien ist damit der Punkt erreicht, an dem das Ökosystem Regenwald kippen kann.“

Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Präfektur des Bundesstaates Para hat an der Transamazônica unweit der Bischofsstadt Altamira ein vielsagendes Denkmal errichtet. Auf der Tafel steht „Wir betreiben die Konquista und die Kolonisation dieser grünen Erde“.

Als Europäer traut man seinen Augen nicht. Denn mehr als 500 Jahre nachdem mit Kolumbus die Unterwerfung Amerikas begonnen hat, gelten „Konquista“ und „Kolonisation“ in europäischen Geschichtsbüchern als gewaltsamer Prozess der Unterdrückung und Ausbeutung. Das Schwellenland Brasilien sieht dagegen in der Unterwerfung „der grünen Erde“ ein Wirtschaftsprojekt.

Der WWF (World Wide Fund for Nature) erhebt dagegen seit Jahren seine warnende Stimme. „Der Amazonas und seine Nebenflüsse sind eine wichtige Klimaanlage für den gesamten Planeten. Wenn der Regenwald stirbt, hat dies verheerende Auswirkungen nicht nur in Südamerika, sondern auf die Erde insgesamt.“

In Brasilien gehen die wirtschaftlichen Eliten mit allen Mitteln vor, wenn sich jemand ihrer „Konquista“ in den Weg stellt. Erwin Kräutler selbst wurde im Juni 1983 bei einer Protestaktion auf der Transamazônica von der Militärpolizei festgenommen und niedergeschlagen. Im Oktober 1987 hat der Bischof schwer verletzt einen inszenierten „Autounfall“ überlebt. Sein Beifahrer ist gestorben. Als ein Hintermann dieses offensichtlichen Mordanschlags den Leichnam von Kräutlers Mitbruder sah, sagte er: „Sie haben den Falschen erwischt.“


Die Presse, 1.4.2014
Papst: Sonderaudienz für Bischof Kräutler
Der in Brasilien lebende österreichische Bischof Erwin Kräutler wird noch in dieser Woche mit Franziskus zusammentreffen. Thema der päpstlichen Sonderaudienz: der bedrohte Amazonas-Regenwald und der Mega-Staudamm für das Kraftwerk Belo Monte.


Militärdiktatur: Brasiliens dunkles Erbe

Blickpunkt Lateinamerika, 31.3.2014
Brasiliens dunkles Erbe
50 Jahre nach dem Militärputsch warten die Opfer auf die Wahrheit. Doch die Aufarbeitung der Verbrechen während der Militärdiktatur geht nur langsam voran.
In der Nacht vom 31. März auf den 1. April jährt sich zum 50. Mal der Putsch des brasilianischen Militärs gegen die demokratisch gewählte Regierung. Jener Nacht sollten 21 dunkle Jahre folgen, ehe das Land 1985 zur Demokratie zurückkehrte. Bis heute fand keine grundsätzliche Aufarbeitung der damaligen Menschenrechtsvergehen statt, trotz der vor zwei Jahren eingesetzten Wahrheitskommission.

domradio.de, 1.4.2014
"Brasilien ist tief traumatisiert"
Ein Interview mit Norbert Bolte (Brasillien-Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat)
50. Jahrestag des Militärputsches in Brasilien. Am 31. März 1964 putschten sich rechte Generäle blutig an die Macht - es folgten 20 lange Jahre Folter und Repression. Norbert Bolte, Brasillien-Referent beim Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat, hat die Brasilientage "Nunca mais - nie wieder" mit vorbereitet. Ein domradio.de-Interview.

domradio.de, 02.04.2014
Lage der Menschenrechte in Brasilien weiterhin sehr problematisch
50 Jahre nach dem Militärputsch
Im April 1964 putschten sich in Brasilien rechte Generäle blutig an die Macht ‑ es folgten 20 lange Jahre Folter und Repression. Norbert Bolte vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat spricht im Interview über die Aufarbeitung in Brasilien.

Blickpunkt Lateinamerika, 7.3.2014
50. Jahrestag des Militärputsches: Entschuldigung gefordert
Die Anwältin und Jura-Professorin Rosa Cardoso, Mitglied der Wahrheitskommission, hat in einem Interview mit dem Internet-Portal Carta Maior das Militär aufgefordert, sich aus Anlass des 50. Jahrestages des Putsches vom 1. April 1964 bei den Brasilianern zu entschuldigen.


ÉPOCA-Especial:

Montag, 31. März 2014

UN-Klimabericht: Welt wird grundlegend verändert


domradio.de, 31.3.2014
Neuer Weltklimabericht: Klimawandel erfordert dringendes Handeln
Auf schmalem Grat
Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher - jetzt steht es schwarz auf weiß im neuen UN-Klimareport. Noch geben die Daten aber Hoffnung.

Der vom Menschen verursachte Klimawandel hat schon jetzt schwerwiegende Auswirkungen auf alle Kontinente und Meere. Wie viel schlimmer es für Mensch und Natur noch wird, hängt davon ab, was die Menschheit in naher Zukunft gegen die Erderwärmung unternimmt. Das ist die Kernbotschaft des zweiten Teils des neuen Weltklimaberichts, dessen Zusammenfassung der Weltklimarat IPCC am Montag im japanischen Yokohama vorlegte.

"Wir bewegen uns auf schmalem Grat", sagte die Greenpeace-Klimaexpertin Kaisa Kosonen. "Aber wenn wir mutig handeln und die Treibhausgasemissionen schneller (als geplant) senken, können größere Bedrohungen für die menschliche Sicherheit noch vermieden und lebenswichtige Meeressysteme, Wälder und Arten geschützt werden."

"Aufruf zum Handeln"

Auch der politische Geschäftsführer von Germanwatch ist alarmiert. Im domradio.de-Interview sagte er: "Ich sehe in dem IPCC-Bericht vor allem einen Aufruf zum Handeln. Der Meeresspiegel würde in den nächsten Jahrhunderten durch den Klimawandel um sieben Meter ansteigen. Aber das zu verhindern, könnte in den nächsten Jahrzehnten unumkehrbar angestoßen werden. Kein Politiker, der geschworen hat, Schaden von uns abzuwenden, darf das in Kauf nehmen."

Die Grenzen der Möglichkeiten

Zwar gibt es dem Report zufolge für den Menschen noch Möglichkeiten, sich auf die Risiken infolge des globalen Klimawandels einzustellen. Eine Anpassung funktioniere aber nur, wenn die Erderwärmung deutlich gebremst werde. Sonst werde es schwierig, warnte Chris Field, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe Zwei des Weltklimarats. "Selbst ernsthafte, fortgesetzte Investitionen in die Anpassung werden ihre Grenzen haben."

Ob in den Tropen oder an den Polen, auf kleinen Inseln oder großen Kontinente, in reichen Länder oder den ärmsten - schon jetzt lassen sich die Auswirkungen des Klimawandels überall beobachten. Gletscher in aller Welt schmelzen bereits, der Meeresspiegel steigt an, und viele Pflanzen und Tiere verlagern ihren Lebensraum oder sind bedroht.

Zu wenig Weizen und Mais

Der Klimawandel beeinflusst auch die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrung. "Der Bericht ist da und die Botschaft klar: Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Nahrungsversorgung sind schlimmer als zuvor geschätzt", sagte Tim Gore von der Hilfsorganisation Oxfam. Schon jetzt gibt es dem Report zufolge Beeinträchtigungen bei den Ernteerträgen von Weizen und Mais.

Erstmals habe der Weltklimarat anerkannt, dass eine Zunahme der Extremwetterlagen auch extreme Nahrungspreise bedeute, so Oxfam. "Ohne schnelle Taten bei der Anpassung und der Emissionsreduzierung könnte das Ziel, dass jeder genug zu essen hat, für immer verfehlt werden", warnte Gore. "Die politischen Lenker sollten sich die Frage stellen, ob ihre Generation diejenige sein soll, die das zulässt." Laut Report erhöht der Klimawandel indirekt auch das Risiko gewaltsamer Konflikte und verschärft die Flüchtlingsproblematik.

Der Unterschied zwischen zwei und vier Grad

Nach tage- und nächtelangem Ringen hatten sich die Wissenschaftler mit Vertretern von Regierungen aus aller Welt in Yokohama auf eine fast 50-seitige Zusammenfassung des neuen, rund 2000 Seiten dicken zweiten Teil des Klimaberichtes geeinigt. Sie dient als Grundlage für Politiker und internationale Konferenzen. Bei der Einschätzung der Risiken mache es einen deutlichen Unterschied, ob der Mensch in einer Welt mit zwei Grad Erwärmung lebe oder mit vier. In einer um vier Grad erwärmten Welt seien die Risiken noch sehr viel höher, heißt es in dem Bericht.

Der dritte und letzte Teil des neuen Klimareports über Möglichkeiten und Wege, die Erderwärmung zu bremsen, soll am 13. April in Berlin vorgestellt werden. Der Weltklimarat hat fast 200 Mitgliedsländer. Die UN-Organisation mit Sitz in Genf erhielt 2007 für ihren Kampf gegen den Klimawandel den Friedensnobelpreis.



ORF.at, 31.3.2014
Dringendes Handeln gefordert
Die Erderwärmung wird drastische Auswirkungen haben, wenn der Mensch sie nicht stärker bremst als bisher: Das zeigt der neue UNO-Klimabericht. Steigende Temperaturen erhöhten die Wahrscheinlichkeit „schwerer, tiefgreifender und irreparabler Folgen“, heißt es in dem am Montag im japanischen Yokohama verabschiedeten Bericht des Weltklimarats (IPCC).


Spiegel-Online, 27.3.2014
Die Uno warnt in ihrem neuen Klimareport vor einem sehr schnellen Anstieg des Meeresspiegels. Es drohen Hitzewellen, viele Gletscher könnten komplett verschwinden, für Regionen wie Deutschland sagen die Forscher mehr Starkregen voraus. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.


NZZ, 1. April 2014
Neuer Uno-Klimabericht: Zurücklehnen ist keine Option
Die Klimawissenschaften zeichnen sich oft durch Unzugänglichkeit aus. Sie produzieren bunte Grafiken am Laufmeter, die dem Laien erst nach vertieftem Studium einigermassen verständlich werden. Zudem operieren sie mit abstrakten Werten, unter denen man sich kaum Konkretes vorstellen kann. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn sich bis Ende des Jahrhunderts die globale Durchschnittstemperatur je nach Szenario um 0,9 bis 5,4 Grad Celsius erhöhen könnte? Oder was ist mit der Aussage anzufangen, dass die Hälfte des weltweiten CO2-Budgets bereits verbraucht sei, wie der Klimarat der Uno (IPCC) im vergangenen Jahr postulierte?