Donnerstag, 13. Februar 2020

Positive Bewertungen von Querida Amazonia


Die Tagespost, 21.2.2020
Der Prozess ist das Ziel
Wie die jesuitischen Interpretierer von „Querida Amazonia“ sich abmühen, die Frage nach den „viri probati“ offenzuhalten.
Die Tatsache, dass Papst Franziskus im postsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ den Schluss-Bericht der Amazonas-Synode „präsentiert“, aber nicht „approbiert“ hat, beflügelt weiterhin die Phantasie.

Die Tagespost, 12.2.2020
Ein Dokument der Versöhnung
Kardinal Gerhard Ludwig Müller würdigt das nachsynodale Dokument "Querida Amazonia" von Papst Franziskus als "pastorales Schreiben von prophetischer Kraft". Dieser Text könne die versöhnende Wirkung haben, innerkirchliche Parteibildungen, ideologische Fixierungen und die Gefahr einer inneren Emigration oder des offenen Widerstands abzubauen, betont der Kardinal.

CNA, 12.2.2020
Kardinal Müller: Querida Amazonia ist ein "Dokument der Versöhnung"
Der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat das "mit großen Hoffnungen und bangen Befürchtungen erwartete" Nachsynodale Schreiben Querida Amazonia als ein "Dokument der Versöhnung" bezeichnet, und als eine "Gesamtschau der Herausforderungen und Chancen für dieses Land".

missio.at, 13.2.2020
Missio-Nationaldirektor über „Querida Amazonia“
Es sorgt seit seiner Veröffentlichung für viele Diskussionen: Papst Franziskus nachsynodales Schreiben „Querida Amazonia“. Missio-Nationaldirektor Karl Wallner nimmt Stellung zu diesem Dokument und appelliert für innerkirchliche Einheit und gegen eine Vereinnahmung des Papstes.

KA-Österrreich, 13.2.2020
„Papstschreiben sollte Debatte bei uns befeuern“
KAÖ-Präsident Wimmer: „Vier Visionen“ des Papstes für Amazonien gelten auch für Kirche in Österreich
Das nachsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) von Papst Franziskus sollte der Kirche in Österreich und in ganz Europa Anlass sein, ihre Suche nach gesellschaftlicher und innerkirchlicher Erneuerung auf eigene Weise neu voranzutreiben und zu befeuern. Das erklärte der Präsident der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Leopold Wimmer, in einer ersten Stellungnahme zu dem am Mittwoch veröffentlichen Dokument. „Natürlich werden manche enttäuscht sein, dass der Papst etwa in der Frage der Lockerung der Zölibatspflicht für Priester und beim Frauendiakonat keine Entscheidung getroffen hat, weder in die eine noch in die andere Richtung“, so Wimmer.

VaticanNews, 16.2.2020
Freund des Papstes: Zölibats-Entscheidung muss erst reifen
„Der synodale Prozess ist noch in Gang und kann sicher noch nicht für abgeschlossen gelten.“ So urteilt der italienische Jesuit Antonio Spadaro, ein Vertrauter von Papst Franziskus, über dessen Amazonas-Schreiben „Querida Amazonia“.

Blickpunkt Lateinamerika, 17.2.2020
Repam: Papstschreiben ist "keine Enttäuschung, sondern eine Einladung"
Repam-Generalsekretär Mauricio López (43) erklärt im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), was er vom postsynodalen Papstschreiben "Querida Amazonía" hält.

Kirche bunt, 19.2.2020
Gastkommentar von Gudrun Sailer
Kein Machtwort - weit und breit
Noch selten hat ein Schreiben von Papst Franziskus so viel Zustimmung bei konservativen und so viel Enttäuschung bei reformorientierten Kräften der katholischen Kirche ausgelöst wie „Querida Amazonia“. „Nicht gut, aber das Beste, was von diesem Papst zu erwarten war“, lautete das Urteil auf der einen Seite. „Überflüssig und mutlos“ auf der anderen. Beide Lesarten sind ext­rem. Extrem selbstbezogen, meine ich. Warum? Weil beide engen und vorwiegend westlichen Denkmustern gehorchen und im Kern nur auf das eine schielen: den priesterlichen Zölibat.


Erzdiözese Wien, 2020
"Querida Amazonia"- ein Kommentar von Christoph Kardinal Schönborn

Das nachsynodale apostolische Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) geht einen neuen, überraschenden Weg. Papst Franziskus stellt selber das Schlussdokument der Synode vor. Er präsentiert jenes Dokument, „das uns die Ergebnisse der Synode darbietet“ (3).

Der Papst stellt also das Schlussdokument der Synode in die Mitte und gibt ihm ein starkes Gewicht, indem er es selber „offiziell präsentieren möchte“ (3).

 

Keine "Generalklausel"

Was bedeutet dieses „offiziell“? Das erklärt Papst Franziskus nicht direkt. Gibt er dem Schlussdokument der Synode das Gewicht eines Textes, den er sich zur Gänze selber zu eigen macht? In seinem postsynodalen Schreiben „Amoris Laetitia“ gebraucht er oft Formulierungen dieser Art, wenn er von manchen Texten der Synode ausdrücklich sagt, er mache sie sich zu eigen.

 

Aber eine solche Generalklausel, die das ganze Dokument der Amazonien-Synode beträfe, formuliert er nicht. Wenn er „dieses Dokument (mit seinem Schreiben) offiziell präsentieren will“, so verfolgt er damit eine Absicht, die viel von dem verrät, was er unter Synodalität, unter einem synodalen Weg versteht. Deshalb scheint mir sein ungewöhnliches Vorgehen mit diesem postsynodalen apostolischen Schreiben auch für die ganze Kirche ein Lehrstück zu sein, wie als Kirche synodal zu leben. Ein Stück weit zeigt er in diesem überraschenden Schritt, das ganze Synodendokument selber „offiziell zu präsentieren“, was er bereits in der Einleitung zu „Amoris Laetitia“ zu bedenken gegeben hat:

 

„Ich möchte erneut darauf hinweisen, dass nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen. Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig; das ist aber kein Hindernis dafür, dass verschiedene Interpretationen einiger Aspekte der Lehre oder einiger Schlussfolgerungen, die aus ihr gezogen werden, weiterbestehen. Dies wird so lange geschehen, bis der Geist uns in die ganze Wahrheit führt (vgl. Joh 16,13), das heißt bis er uns vollkommen in das Geheimnis Christi einführt und wir alles mit seinem Blick sehen können. Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «“(AL 3).

 

Die Kirche hat sich durch alle Jahrhunderte an diese weise Praxis gehalten, nicht immer alles durch die höchste Lehrautorität entscheiden zu wollen und der legitimen Vielfalt, den verschiedenen Inkulturationen, dem gemeinsamen Suchen nach der ganzen Wahrheit genügend Raum zu lassen, ohne dabei die Einheit der Kirche und der Lehre zu gefährden.

Wie aber versteht Papst Franziskus seinen Dienst, die Schlussfolgerungen der Synode, deren Abschlussdokument „offiziell“ zu präsentieren? Wie sieht er seine Aufgabe mit dem postsynodalen Schreiben? In den Artikeln 2 bis 4 erklärt er selber „den Sinn dieses Schreibens“, in gut jesuitischer Tradition in drei Punkten.

 

Wie Papst Franziskus selbst das postsynodale Schreiben sieht

  1. Mit seinem Schreiben will Papst Franziskus die „resonancias“ ausdrücken, die die Synode auf ihrem Weg des Dialogs und der Unterscheidung in ihm ausgelöst haben. Er will das Synodendokument weder ersetzen noch wiederholen. De facto zitiert er es nirgends, sondern empfiehlt es als Ganzes der Lektüre. Er will zu dem von der Synode Gesagten seine Reflexionen hinzufügen, die im Blick auf Amazonien einige der großen Anliegen zusammenfassen, die er in anderen Dokumenten bereits behandelt hat. Damit will er helfen, dass es zu einer harmonischen, fruchtbaren, kreativen Rezeption des synodalen Weges kommt (2).
     
  2. Ganz nüchtern begründet er, warum er auf diese Weise das Schlussdokument der Synode „offiziell präsentieren“ will: Am Synodendokument „haben so viele Personen mitgearbeitet, die die Problematik Amazoniens viel besser kennen als ich und die Römische Kurie“ (3). Eine solche Selbstbescheidung ist ein erfreuliches Zeichen, dass die Ortskirchen ernstgenommen werden.
     
  3. Die Arbeit der Synode soll die ganze Kirche bereichern und herausfordern: Amazonien gewissermaßen als Lernort für die Weltkirche (4). Dazu will Papst Franziskus die ganze Kirche einladen, indem er auf die Erfahrungen und Herausforderungen eingeht, die in der Synode zur Sprache kamen.

Vier Träume für Amazonien

Das Schreiben des Papstes ist vier Träumen gewidmet, die ihn bezüglich Amazonien bewegen: der Kampf für die Armen und ihre Rechte; die Wahrung des kulturellen Reichtums; der Schutz der Natur und ihrer Schönheit; Christliche Gemeinden, die der Kirche ein „amazonisches“ Gesicht geben.

 

  • Ein sozialer Traum

Von Anfang an macht Papst Franziskus klar, dass ein ökologischer „Konservativismus“ in Amazonien für nichts gut ist, wenn er gleichzeitig die Völker Amazoniens vergisst (8). Ökologie und Humanökologie sind untrennbar, wie schon Papst Benedikt (vgl. 41) betont hat. Die massiven Ungerechtigkeiten, Menschenrechtsverletzungen, denen die Indigenen ausgesetzt sind, muss die Kirche beim Namen nennen. Papst Franziskus wiederholt die Vergebungsbitte für die Mitschuld der Kirche an den Vergehen gegen die Indigenen seit der Eroberung Amerikas (19). Das darf sie nicht hindern, heute politische und wirtschaftliche Korruption zu bekämpfen, die die Völker Amazoniens besonders schwer treffen.

 

  • Ein kultureller Traum

Mehr als 110 indigene Völker leben in dem riesigen Territorium von Amazonien (7.500 000 km2). Die Situation ist höchst komplex, wie die Synode deutlich gemacht hat: Das kulturelle Erbe, das anzestrale Wissen, die Kosmovision der indigenen Völker ist vielfach bedroht durch die massive Abwanderung in die Städte, den Kulturschock der modernen Welt, die Migration. All das verändert dramatisch das Leben der Völker Amazoniens, wie ich es auch in vielen direkten Erfahrungsberichten während der Synode hören konnte. Papst Franziskus ist weit entfernt von einem romantischen Bild der Urwaldvölker: „Es ist nicht meine Absicht, einen völlig abgeschlossenen, ahistorischen, statischen Indigenismus vorzuschlagen, der jede Form von Mestizaje ablehnt“ (37). Mestizaje, Mestizentum, d.h. die für Lateinamerika (im Unterschied zu Nordamerika) so typische, seit der Conquista praktizierte Mischung der Europäer mit den Indigenen und den Afrodeszendenten, ist für Papst Franziskus ein Schlüsselwort zum Verständnis Lateinamerikas. Gleichzeitig betont der Papst mit der Synode „die Rechte der Völker und Kulturen“ (40), die besonders bedroht sind, nicht zuletzt durch das, was sich an ökologischem Drama in Amazonien abspielt.

 

  • Ein ökologischer Traum

Ohne „Laudato si“, die „Umweltenzyklika“ von Papst Franziskus, wäre die Arbeit der Synode nicht das geworden, was sie wurde: ein großer Hilferuf des gewaltigen Ökosystems Amazonien. Mir klingt noch in den Ohren, was Professor Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung den Synodenteilnehmern gesagt hat: „Die Zerstörung des Amazonien-Waldes ist die Zerstörung der Welt.“ Papst Franziskus sagt es deutlich: „Das planetarische Gleichgewicht hängt auch von der Gesundheit Amazoniens ab“ (48). Und noch deutlicher: „Das Interesse einiger mächtiger Unternehmen darf nicht über dem Wohl von Amazonien und der ganzen Menschheit stehen“ (48). Aber mehr als um Proteste gegen eine „Wirtschaft, die tötet“ geht es Papst Franziskus um eine Haltung, die er „die Prophetie der Kontemplation“ (53) nennt, eine Haltung, die die Welt nicht nur als Material für die Produktion und den Konsum sieht, sondern sie als Gabe Gottes respektiert. Letztlich ist es eine Frage der Liebe: „Wir können Amazonien lieben und es nicht nur benützen“ (55). Und diese Haltung ist es letztlich, um die es in einer „Pastoral der Präsenz“ in Amazonien geht.

 

  • Ein Kirchentraum

Medial und in weiten Kirchenkreisen aller Schattierungen wird dieses 4. Kapitel von „Querida Amazonia“ wohl am meisten diskutiert werden, wie das 8. Kapitel von „Amoris Laetitia“. Und hier wiederum wird alles sich auf eine Frage konzentrieren: Wird der Zölibat „gelockert“ oder nicht?

Papst Franziskus schafft es wieder, alle zu enttäuschen, die hier eine Schwarz-weiß-Antwort erwartet haben. Aber wieder versucht er, die Perspektive zu erheben, zu weiten oder zu vertiefen, um den Konflikt zwischen zwei Positionen zu überwinden (vgl. 104).

 

 

Pastoral in Amazonien

Ich erlaube mir, zu diesem ausführlichsten Kapitel nur einige Hinweise zu geben. Die Prämisse zum ganzen Thema der Pastoral in Amazonien ist die Dringlichkeit der Evangelisierung (62). Franziskus versteht darunter vor allem die direkte Verkündigung Jesu Christi, das Kerygma (64-65). Auf der Synode habe ich viele gefragt, warum in Amazonien die „Pfingstler“, die Evangelikalen, die Freikirchen einen solchen Erfolg haben. Denn immer wieder war zu hören und zu lesen, dass inzwischen mehr als die Hälfte der Katholiken (manche sagen 60-80%) zu diesen Kirchen gegangen sind. Mich hat erstaunt, ja erschüttert, dass dieses höchst vitale Thema kaum angesprochen wurde. Aber eines wurde meist als Ursache genannt: Die „Pfingstler“ sprechen direkt von Jesus Christus. Sie verkünden das Kerygma, während die katholische Verkündigung dies zu wenig tue. Papst Franziskus erinnert deshalb an die großen Evangelisierer Lateinamerikas wie den hl. Toribio von Mogrovejo (65).

 

Inkulturation

Als zweiten pastoralen Schwerpunkt nennt Franziskus die Inkulturation. Die Synode hat sich intensiv damit befasst, bis hin zur Debatte um und zum Wunsch nach einem eigenen „Amazonien-Ritus“. Papst Franziskus behandelt die Frage der Inkulturation allgemein. Das Thema des eigenen Ritus erwähnt er nur in einer Fußnote als einen Vorschlag der Synode, ohne diesen zu bewerten (82, Anm. 120). Interessant sind die Klarstellungen bezüglich indigener Symbole, die aus Mythen der Völker erwachsen sind und im christlichen Sinne gedeutet werden (79). Man erinnert sich an die unsäglichen Aktionen gegen die „Pachamama“-Figuren während der Synode.

 

Eucharistie

Dass die Eucharistie „Quelle und Höhepunkt“ des ganzen christlichen Lebens ist, betont Franziskus entschieden (82). Was aber bedeutet das, wenn es an Priestern mangelt, ohne die es keine Feier der Eucharistie gibt (85)? Papst Franziskus gibt darauf keine schnelle Antwort. Er erwähnt auch mit keinem Wort den Vorschlag der Synode, die Möglichkeit zu eröffnen, dass bewährte ständige Diakone für die entlegensten Gegenden Amazoniens zu Priestern geweiht werden können (Amazonien-Synode Nr 111). Schließt er es aus? Bestätigt er implizit den Text der Synode, indem er ihn „offiziell präsentiert“ (3)?

 

Einige Elemente seiner Exhortatio sehe ich als Aufforderung des Papstes, alle bisher zu wenig begangenen Wege intensiv zu nutzen, um die prekäre Situation des Priestermangels zu beheben, ohne gleich auf die viri probati, die verheirateten Priester als „Ausweg“ zu kommen.

Der Papst betont einerseits die Unverwechselbarkeit und Unersetzbarkeit des sakramentalen Priestertums, anderseits aber seinen völligen Dienstcharakter für das Volk Gottes und seine Heiligung (87). Wenn es stimmt, dass „die Eucharistie die Kirche macht“, d.h. aufbaut, dann dürfen die Völker Amazoniens nicht der Sakramente der Eucharistie und der Vergebung entbehren (89). Also doch die viri probati als (Not-)Lösung?

 

Die Fußnoten

Von „Amoris Laetitia“ sind wir gewohnt, dass Papst Franziskus Wichtiges in Fußnoten sagt. Drei sind mir besonders aufgefallen. Eine habe ich schon genannt: Die Fußnote 120 zum umstrittenen Amazonien-Ritus. Die Anmerkung 132 spricht diskret ein großes Thema an. Es wurde auf der Synode direkt genannt: Dass manche Amazonienländer mehr Priester nach Europa oder Nordamerika entsenden als in die eigenen Vikariate in Amazonien. Auf der Synode wurde die Zahl 1200 solcher Priester allein in Kolumbien genannt. Würde nur ein Drittel oder ein Viertel dieser Priester für die Amazoniendiözesen zur Verfügung stehen, dann gäbe es kaum Priestermangel vor Ort.

 

Indigener Klerus

Eine Feststellung hat mich auf der Synode erschüttert: der fast vollständige Mangel an indigenen Priestern. Wie ist es möglich, dass nach 500 Jahren Christentum in dieser Region praktisch kein einheimischer Klerus entstanden ist? Beeindruckend war das Zeugnis des ersten indigenen Priesters aus dem Salesianerorden, der zur Synode sprach. Papst Franziskus erwähnt in Anmerkung 133 das Fehlen von Seminaren für Indigene.

 

Stängiges Diakonat

Schließlich erwähnt Papst Franziskus ein Thema, das im Schlussdokument Platz gefunden hat: der erstaunliche Mangel an ständigen Diakonen, „die in Amazonien viel zahlreicher sein müssten“ (92). Warum wurde diese Chance, die das II. Vatikanum eröffnet hat, nicht mehr genützt?

Nüchtern schließt Papst Franziskus dieses Thema ab: „Es geht also nicht allein darum, eine größere Präsenz von geweihten Amtsträgern zu ermöglichen, die die Eucharistie feiern können. Das wäre ein zu begrenztes Ziel, wenn wir nicht versuchen, auch neues Leben in den Gemeinden zu wecken“ (93).

 

Die Aufgabe der Laien

Mit Nachdruck betont er die Wichtigkeit der vielfältigen Laiendienste, die Notwendigkeit, reife, mit Autorität versehene Laienheiten zu fördern (94), und da besonders „die Präsenz von starken und großherzigen Frauen, die die Taufe spenden, Katechese halten, Vorbeterinnen, Missionarinnen“ (99). Sie sollten einen festen Status und eine deutlichere Teilhabe in der Kirche haben, ohne deshalb „klerikalisiert“ zu werden (100). In der Stärkung der schon seit eh und je unersetzbaren Rolle der Frauen vor allem in den entlegenen Gemeinden Amazoniens sieht Papst Franziskus eine vorrangige Aufgabe (101-103).

 

Die „Lösung“ liegt im „Je-Größeren"

Am Schluss kommt Papst Franziskus auf ein Wort zurück, das er in seinen Schlussworten zur Synode gebraucht hat. Er sprach vom „desborde“, vom „Überströmen“, wie es ein Brunnenbecken tut, das voll ist. Es erinnert an das „magis“ des hl. Ignatius, das Je-Größere. Es geht nicht darum, „die Probleme zu relativieren, ihnen auszuweichen oder die Dinge zu lassen wie sie sind“ (105). Die „Lösung“ liegt im „Je-Größeren“, das Gott oft überraschend schenkt. „Aus dieser neuen Gabe, angenommen mit Mut und Großherzigkeit, aus dieser unverhofften Gabe entspringt eine neue und größere Kreativität. Aus ihr werden wie aus einer großzügigen Quelle die Antworten strömen, die uns die Dialektik nicht zu sehen erlaubte“ (105).

 

Mit dieser Hoffnung auf das Je-Größere des Wirkens Gottes, das Überraschende seiner Wege, blickt Papst Franziskus auf die immense Komplexität des „Geliebten Amazoniens“. Er hat keine simplen Lösungen parat, aber die Freude des Evangeliums gibt ihm jene Zuversicht, die sich nicht entmutigen lässt. Und er sagt all dies nicht nur für Amazonien, sondern für uns alle.

Kardinal Hummes: Nachsynodales Schreiben ist "ein Lobgesang"


Das nachsynodale Schreiben Querida Amazônia wurde auch in Brasilien am 12.2. bei einer Pressekonferenz der Bischofskonferenz vorgestellt. Dom Walmor Oliveira de Azevedo, Erzbischof von Belo Horizonte (MG) und Präsident der Brasilianischen Bischofskonferenz, verstand das Schreiben als "Auftrag an unsere Kirche, die prophetische Dimension neu aufzubauen".

Cláudio Kardinal Hummes, Präsident von REPAM und Generalrelator der Synode, saß sichtlich betroffen an seiner Seite. Für ihn sei der ganze Text "ein Lied des Papstes, ein Lobgesang angesichts der Schönheit, die Gott schenkt". Im Schreiben würden verschiedene literarische und poetische Texte vorkommen, unter anderem "Unterwegs auf dem Tocantins im Segelboot" von Dom Pedro Casaldáliga, emeritierter Bischof von São Félix do Araguaia.

Dom Cláudio Hummes erwähnte, dass das Dokument angesichts der Ungerechtigkeiten auf der Welt aufruft sich zu empören, "aber immer bereit zu sein für den Dialog". Im Hinblick auf die zerstörerische Wirtschaft würden neue Wirtschafts- und Entwicklungsmodelle vorgestellt.

Für die Kirche sei der Vorschlag zur Inkulturation am bedeutendsten. "Man muss den kulturellen Reichtum der Völker anerkennen und ihnen das Recht geben, Christen in ihrer Kultur sein zu können." Im Glaubensleben hat der Kolonialismus keinen Platz.

In einem Interview für Agencia Estado, dass der Vorschlag zur Ordination verheirateter Männer in entlegenen Gebieten vom Vatikan noch aufgegriffen wird. Denn die Kirche muss sich um eine Lösung bemühen, damit alle Gemeinden Zugang zur Eucharistie haben. „Was die Kirche ausmacht, ist die eucharistische Versammlung. Sie bildet und nährt die Kirche“, sagte er.

Auffällig ist, dass VaticanNews keine Stellungnahmen von Kard. Hummes oder Bischof Kräutler bringt.

VaticanNews, 13.2.2020
Bischofsnetzwerke CELAM: Papst stärkt Einsatz für Amazonien
Das postsynodale Papstschreiben „Querida Amazonia“ im Nachgang zur Amazonien-Synode wird in den Ortskirchen Lateinamerikas als Bestärkung des Einsatzes der katholischen Kirche zum Schutz Amazoniens und seiner Bewohner gesehen.

VaticanNews, 13.2.2020
Lateinamerika: Bischöfe sehen „Türe weiter offen“
Wie beurteilen Bischöfe in Lateinamerika das Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus zur Amazonien-Synode? Ein erster Blick zeigt: Sie nehmen es vor allem mit Zuversicht auf.


CNBB, 12.2.2020
A exortação pós-sinodal Querida Amazônia é um Cântico
“Todo o texto é um cântico do Papa, é um louvor diante da beleza que Deus oferece”, afirmou dom Cláudio ao recordar os vários textos literários ou poéticos que são reproduzidos na exortação. Um exemplo é a “Carta de navegar (pelo Tocantins amazônico)” de dom Pedro Casaldáliga, bispo emérito de São Félix do Araguaia.

Dom Cláudio Hummes também ressaltou a necessidade de se indignar, “mas sempre disposto ao diálogo”. Sublinhou que o documento apresenta novos modelos econômicos e de desenvolvimento frente a economia que destrói. Sobre a conversão da Igreja, falou da proposta de inculturar-se: “reconhecer a riqueza e o direito que os povos têm de ser cristãos na sua cultura”, mas chamou atenção para ter cuidado com o colonialismo.

Estadão, 12 de fevereiro de 2020
Ordenação de homens casados será rediscutida no Vaticano, afirma cardeal Hummes
Relator-geral do sínodo da Amazônia afirma que questão será trabalhada com o papa; documento da Igreja divulgado nesta quarta-feira mostra que Francisco recuou em relação à medida

Mittwoch, 12. Februar 2020

15. Todestag von Schwester Dorothy Stang

"Wir brauchen die Erde, ein Leben lang! Deshalb müssen wir mit ihr liebevoll umgehen.
Wir sollten lernen, nur so viel zu haben, was wir auch wirklich brauchen.
Wir müssen uns immer wieder fragen: Was brauchen wir? und nicht: Was wollen wir?
Wenn wir mit der Umwelt sorgfältig umgehen, werden wir auch einen gesunden Planeten haben."
Dorothy Stang

Dorothy Stang kam 1982 nach Anapu und errichtete im Landesinneren eine bescheidene Missionsstation der Schwestern von Notre Dame. Ihr Leben galt den einfachen Kleinbauern und dem Schutz des Regenwaldes. Sie war Mitbegründerin der regionalen Landpastoral CPT.
Am 12.2.2005 wurde sie aufgrund von Landkonflikten mit Fazendeiros von Pistoleiros mit 6 Kugeln ermordet.











Nachsynodales Schreiben "Querida Amazonia" veröffentlicht


vatican.va, 12.2.2020
NACHSYNODALES APOSTOLISCHES SCHREIBEN QUERIDA AMAZONIA
VON PAPST FRANZISKUS
AN DAS VOLK GOTTES
UND AN ALLE MENSCHEN GUTEN WILLENS

Domradio, 12.02.2020
Fragen und Antworten zum Amazonas-Schreiben des Papstes
Revolution fällt vorerst aus, bleibt aber möglich
Zusammen mit seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia", also Geliebtes Amazonien, hat Papst Franziskus das Abschlussdokument der Amazonas-Synode "offiziell präsentiert". Fragen und Antworten zum Text des Papstes.

Religion.orf.at, 12.2.2020
Indigene: Papst-Schreiben ruft zu „Empörung“ auf
In seinem nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“, das sein Resümee der im Oktober im Vatikan abgehaltenen Amazonien-Synode darstellt, hält Papst Franziskus ein starkes Plädoyer für Indigene und Umweltschutz. Den Zölibat lässt er unberührt.

Domradio.de, 12.2.2020
Stimmen zum Papstschreiben zur Amazonas-Synode
Von "herben Schlägen" und "Stoppschildern"
Das Geheimnis um den Inhalt des Papstschreibens zur Amazonas-Synode ist gelüftet. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus. Während die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands enttäuscht ist, sieht Kardinal Marx "kein Stoppschild".

Religion.orf.at, 12.2.2020
Schönborn: Papst will Amazonien-Synode reifen lassen
Mit dem apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) ermutigt Papst Franziskus die ganze Kirche und speziell die Kirche in Amazonien, was bei der Amazonien-Synode erarbeitet und gewachsen ist, weiter reifen zu lassen.

VaticanNews, 12.2.2020
Papst-Schreiben „Querida Amazonia“: Zusammenfassung
Papst Franziskus hat ein ausführliches Schreiben zum Thema Amazonien veröffentlicht. Darin fasst er die Ergebnisse der Bischofssynode vom vergangenen Oktober zusammen. Mit seiner sogenannten „Postsynodalen Exhortation“ ruft der Papst zu Umweltschutz, neuem missionarischem Schwung und mehr Verantwortung für Laien in kirchlichen Gemeinden auf.

VaticanNews, 12.2.2020
„Franziskus bleibt dem treu, was er vor der Synode sagte“
„Das Schicksal Amazoniens geht uns alle an, weil alles mit allem zusammenhängt und das Überleben dieser Region und ihrer einheimischen Ethnien wichtig für die ganze Welt ist.“ Das sagt der Sonder-Sekretär der Amazonien-Synode, Kardinal Michael Czerny, in einem Interview mit Radio Vatikan.

Religion.orf.at, 12.2.2020
Papst-Schreiben: „Frustration und Zuversicht“
Wenn der Papst den Bischöfen Amazoniens vor der Synode noch zugerufen habe „Macht mir mutige Vorschläge“, so drehe er jetzt den Spieß um und rufe ihnen von Rom aus über den Atlantik zu: „Seid mutig und handelt als bestellte Hirten in Eigenverantwortung!“ Nun könne man über so wenig Entscheidungsfreude beim Papst frustriert sein, man könne aber auch dagegenhalten, „dass er die Tür für eine Lösung im Sinn der mutigen Vorschläge der Bischöfe Amazoniens offengehalten hat“. Für Zulehner ist darüber hinaus dem Dokument zu entnehmen, „dass der Papst nun die von ihm nicht lehramtlich getroffenen Entscheidungen von den Hirten vor Ort erwartet“.

Katholisch.de, 12.2.2020
"Querida Amazonia" offiziell vorgestellt
Nachsynodales Schreiben: Keine Weihe von "viri probati" am Amazonas
Papst Franziskus hat sich im Anschluss an die Amazonas-Synode gegen eine Lockerung des Zölibats entschieden. Eine Weihe verheirateter Männer ("viri probati") für die lateinamerikanischen Region wird im Nachsynodalen Schreiben, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, nicht erwähnt. Stattdessen spricht sich der Pontifex für andere Mittel für eine Gewährleistung von Eucharistiefeiern in dem vom Priestermangel besonders betroffenen Gebiet aus.
So ermutigt Franziskus die Bischöfe, "großzügiger zu sein und diejenigen, die eine missionarische Berufung zeigen, dazu zu bewegen, sich für das Amazonasgebiet zu entscheiden". Deren Ausbildung müsse "gründlich" überprüft werden, "damit sie für den Dialog mit den Kulturen des Amazonasgebiets erforderlichen Haltungen und Fähigkeiten erwerben können". Zudem sollen die Oberhirten das Gebet um Priesterberufungen fördern.

NZZ, 12.2.2020
Papst Franziskus will den Zölibat für Priester nicht lockern
Auch für abgelegene Regionen, wo wegen Priestermangels kaum Messen stattfinden, soll es keine Ausnahme geben. Doch soll sich die katholische Kirche mehr in Richtung Laienkirche weiterentwickeln.

Katholisch.de, 12.2.2020
Analyse von "Querida Amazonia"
Das Nachsynodale Schreiben: Nicht einmal eine hoffnungsvolle Fußnote
Nun ist es raus – und wird viele enttäuschen, die auf kirchliche Reformen gehofft hatten: Das Nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus ignoriert das Thema "viri probati" völlig, und auch in der "Frauenfrage" wird der Pontifex wenig konkret. Dabei wäre mehr möglich gewesen, analysiert Björn Odendahl.

CNA Deutsch, 12.2.2020
Heiligkeit statt Viri Probati:
Papst Franziskus legt Schreiben zur Amazonas-Synode vor

Es ist ein Werk voller Gebet, Gedichte, Visionen und Träume, sowie klarer Ansagen – wenn auch nicht solcher, wie sie manche Reformatoren in Deutschland erträumt haben: Der Vatikan hat am heutigen Mittwoch das mit Hochspannung erwartete Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode veröffentlicht.


Pressekonferenz der Deutsche Bischofskonferenz, 12.2.2020
Vorstellung des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens Querida Amazonia von Papst Franziskus durch den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx

Kirche und Leben, 12.2.2020
Was Bischöfe, Frauen und Theologieprofessoren über das Amazonas-Papier von Franziskus sagen
Papst-Schreiben: Reaktionen zwischen Enttäuschung und Freude
Das Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonys-Synode hat lebhafte Reaktionen ausgelöst. Während Kardinal Reinhard Marx es als Anstoß für weitere Diskussionen sieht, bedauerte Bischof Franz-Josef Overbeck, dass es für die Regionen weiterhin keine verheirateten Priester geben wird. Die katholische Frauengemeinschaft sieht Frauen zu Dienstleisterinnen degradiert, das Zentralkomitee der deutschen Katholiken beklagt den fehlenden Mut des Papstes zu Reformen. Die Reaktionen im Überblick.

Kirche und Leben, 12.2.2020
Münsteraner Professor: Amazonas-Dokument ist „außerordentliche Enttäuschung“
Kirchenrechtler Schüller: Papst-Schreiben zeigt reformunfähige Kirche
Papst Franziskus hat das nachsynodale Schreiben „Querida Amazonia“ veröffentlicht. Viele haben mit Spannung auf Positionen des Papstes zu auch in Deutschland diskutierten Themen gewartet: zur Priesterweihe für bewährte, verheiratete Männer, zur Weihe von Frauen, zur Leitung von Gemeinden durch Laien. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller bewertet das Dokument.

NZZ, 12.2.2020
Der Papst geht für viele an die Schmerzgrenze
Die Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche sind mit dem jüngsten Lehrschreiben des Papstes zur Amazonas-Synode enttäuscht worden. Franziskus verfolgt eine Agenda, die nur schwer nachvollziehbar ist.

Pressekonferenz zur Präsentation von "Querida Amazônia"




Dienstag, 11. Februar 2020

Bischof Nann: Franziskus habe Gänswein "die Flügel beschnitten"


Katholisch.de 11.2.2020
Reinhold Nann begrüßt Aufgabenverschiebung des Erzbischofs
Deutscher Bischof kritisiert Gänswein: "In Machtspiele verstrickt"
Die Form ist ungewöhnlich: Der aus Freiburg stammende Bischof Reinhold Nann hat Georg Gänswein in einem als "Nachruf" bezeichneten Blogeintrag scharf kritisiert. Darin schreibt er auch aus der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar.

In ungewöhnlicher Form kritisiert der deutsche Bischof und Prälat von Caraveli in Peru, Reinhold Nann (59), Erzbischof Georg Gänswein (63), weil dieser im Vatikan "tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt" sei. In seinem aktuellen Internetblog mit dem Titel "Georg Gänswein – Ein Nachruf" begrüßte es Nann, dass sich der wie er selbst aus dem Erzbistum Freiburg stammende Gänswein bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. konzentriere. Dafür trete er nicht mehr als Präfekt des päpstlichen Hauses "immer strahlend lächelnd hinter dem Papst" auf: "Nun ist damit Schluss – endlich."

Franziskus habe Gänswein "die Flügel beschnitten", so Nann weiter. Er selbst habe schon länger den Eindruck, "dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kräftig manipuliert und für ihre Intrigen einspannt. Und der Drahtzieher bei all dem kann eigentlich nur der Sekretär gewesen sein." Nun habe er sich "überreizt", genau wie vorher schon Kardinal Gerhard Ludwig Müller, dessen Amt als Präfekt der Glaubenskongregation Papst Franziskus nicht verlängert habe.

Er bete jeden Tag für Papst Franziskus, betonte Bischof Nann, "dass er die Böcke von den Schafen im Vatikan unterscheiden kann und im Heiligen Geist die Kurie und die Kirche erneuert". Der 2017 von Franziskus zum Bischof ernannte Geistliche ergänzte, Gänswein sei schon in der gemeinsamen Zeit im Priesterseminar "hart im verbalen Angriff" und "extrem konservativ" gewesen. In einer deutschen Pfarrei wäre Gänswein "durch seine polarisierende Art untragbar gewesen".

Nann ging vor mehr als 20 Jahren nach Peru und arbeitete dort als Pfarrer in Armengemeinden der Hauptstadt Lima sowie im Andenhochland und im Amazonasgebiet. Im Mai 2017 wurde er von Franziskus zum Prälaten der Territorialprälatur Caravelí ernannt und im August desselben Jahres zum Bischof geweiht. Der Vatikan hatte vor wenigen Tagen bestätigt, dass Gänswein sich bis auf weiteres auf seine Aufgabe als Privatsekretär von Benedikt XVI. konzentriere. Von einer Entlassung oder Beurlaubung als Präfekt des Päpstlichen Hauses sei aber nichts bekannt.

Zuvor hatten "Die Tagespost" und andere Medien berichtet, Gänsweins Ablösung sei unter anderem auf die "unglückliche Präsentation" eines Buches von Kardinal Robert Sarah über Priestertum und Zölibat zurückzuführen, zu dem Benedikt XVI. einen Aufsatz beisteuerte. Die Publikation wurde von vielen als Affront gegen Franziskus aufgefasst. (bod/KNA)



Nann präzisiert seinen "Nachruf vom 9.2." - siehe weiter untern:
Blog von Reinhold Nann, 17.2.2020
Zum „Nann-Gaenswein Konflikt“: Hintergruende und Zuruecknahme meiner Worte
Der Anlass fuer meine Aeusserungen waren die Vorgaenge im Vatikan:

Papst Franziskus hat viele Gegner im Vatikan, die ihn loswerden wollen. Ihm wird von extrem konservativen Kreisen Haeresie und Goetzendienst vorgeworfen. Der einzige wirklich sichtbare Kopf des Wiederstands ist Erzbischof Vigano, die anderen halten sich bedeckt. Nach aussen wird oft der emeritierte Papst Benedikt als Widersacher vorgeschoben, aber ich glaube nicht, dass dem so ist. Das unglueckliche Agieren Gaensweins im Zusammenhang der Veroeffentlichung des Sarah-Benedikt Buches hat nun mit grosser Wahrscheinlichkeit zu seiner „Beurlaubung“ beigetragen und seine bisherige Schluesselrolle in den innervatikanischen Auseinandersetungen deutlich gemacht.

Der eigentliche Hintergrund ist aber aehnlich wie im Film „Die zwei Paepste“ kein persoenlicher Konflikt, sondern einer der dahinterstehenden Kirchenbilder, den ich hier nur sehr vereinfacht darstellen kann:

Da gibt es die Kirche der Kulturkampf-Zeit: En vermeintlicher heiliger Rest schottet sich mit hohen Mauern gegen die boese Welt und ihren „Zeitgeist“ ab. Dagegen steht die Konzilskirche, die Bruecken baut zu dieser Welt, nicht um sie wieder beherrschen zu wollen sondern um in ihr „Samenkoerner“ des Lichtes zu entdecken und die frohe Botschaft von Jesus Christus im Dialog zur Sprache zu bringen.

Ich werde mich auch weiterhin mit aller Kraft und vor allem in meiner Praelatur fuer die Konzilskirche einsetzen.

Jesus hat sich zwar auch mit aller Deutlichkeit den Pharisaern entgegengesetzt, aber er hat dabei nie einen mit Namen angegriffen. Dies und die Schaerfe meiner Ausdruecke war mein Fehler und hat leider dazu beigetragen, dass die Presse den Konflikt der Kirchenbilder auf einen persoenlichen Konflikt reduzierte. Ich bitte Erzbischof Gaenswein und alle die ich damit verletzt habe um Entschuldigung und nehme meine Worte des „Nachrufs“ zurueck.



Blog von Reinhold Nann, 9.2.2020
Georg Gaenswein - Ein Nachruf

Lange war Georg Gaenswein ein Medienstar und einflussreicher Mann im Vatikan. Als Kardinal Ratzingers Privatsekretaer wurde er zum Sekretaer des Papstes Benedikt. Kurz vor dessen Ruecktritt wurde er Praefekt des paepstlichen Hauses mit dem Titel Erzbischof. Immer strahlend laechelnd hinter dem Papst. Auch bei Franziskus bis vor wenigen Tagen. Nun ist damit Schluss – endlich. Denn Georg Gaenswein ist tief in die Machtspiele der Kurie verstrickt. Jetzt hat ihm Franziskus die Fluegel beschnitten. Erstmal ist er von seinen offiziellen Aufgaben im Vatikan “beurlaubt”, wie man das so schoen nennt. Er darf aber weiterhin Altenpfleger von Benedikt sein.

Ich gebe es gerne zu: er war mir schon seit unserer gemeinsamen Zeit im Priesterseminar in Freiburg unsympathisch. Schon damals sehr auf sein Auesseres bedacht, strahlendes Laecheln aber hart im verbalen Angriff, extrem konservativ. Nach seinem Aufbaustudium im Kirchenrecht ging er gleich nach Rom. In einer deutschen Pfarrei oder Dioezese waere er durch seine polarisierende Art untragbar gewesen. In der Kurie war er nicht nur ein Privat-Sekretaer. Er hat sich seine Kontakte aufgebaut. In dem durchaus umstrittenen Buch “Sodom” von Frederic Martel werden seine Kontakte mit Kardinal Mueller, Kardinal Sarah und der Fuerstin Gloria von Thurn und Taxis beschrieben. Eine “Lobby” eigener Art.

Die Affaere mit dem Buch von Sarah – Ratzinger brachte nun das Fass zum Ueberlaufen. Gaenswein selbst bekam offenbar nasse Fuesse und forderte Sarah auf, die Mitautorenschaft von Benedikt aus dem Buchtitel zu streichen. Ich hatte in letzter Zeit schon oefter den Eindruck, dass die Clique um Benedikt den armen alten emeritierten Papst ganz kraftig manipuliert und fuer ihre Intrigen einspannt. Und der Drahtzieher bei all dem kann eigentlich nur der Sekretaer gewesen sein. Nun hat er sich ueberreizt. Genau wie vorher Mueller. Ciao Don Giorgio.

Ich bete jeden Tag fuer Papst Franziskus. Dass er die “Boecke” von den “Schafen” im Vatikan unterscheiden kann und im Heiligen Geist die Kurie und die Kirche erneuert.