Donnerstag, 20. Februar 2020

Ist Franziskus kein Reformpapst mehr?


Katholisch.de, 19.2.2020
Nach Veröffentlichung des Papstschreibens zur Amazonas-Synode
Kirchenhistoriker Wolf: Franziskus ist kein Reformpapst mehr
"Was soll man noch von einem Papst erwarten, der sagt, macht mir mutige Vorschläge - dann machen Bischöfe und Laien mit großer Mehrheit mutige Vorschläge, und was passiert? Nichts": Hubert Wolf macht aus seinen Ansichten über Franziskus keinen Hehl.

Die Tagespost, 20.2.2020
Nur zwölf Prozent der Deutschen sehen Franziskus als Reformpapst
Papst Franziskus ist bei den wenigsten Deutschen als Reformpapst bekannt. 48 Prozent lehnen die Bezeichnung laut einer Erhebung von „INSA Consulere“ ab. Sogar 60 Prozent der über 60-Jährigen sehen Franziskus nicht als Reformer.

Katholisch.de, 20.2.2020
Befragung kurz nach Veröffentlichung von "Querida Amazonia"
Umfrage: Viele Deutsche sehen Franziskus nicht als Reformpapst
Das nachsynodale Schreiben war für viele Befürworter von Kirchenreformen eine bittere Enttäuschung. Wie sehen die Menschen Papst Franziskus nach Veröffentlichung des Dokuments? Eine neue Umfrage wollte das herausfinden.

VaticanNews, 20.2.2020
Theologen zu „Querida Amazonia“: „Was will der Papst?“
Die Reaktionen auf das neue Papstschreiben „Querida Amazonia“ reißen nicht ab. Der an der Universität Salzburg lehrende Theologe Gregor Maria Hoff sieht auch eine Woche nach der Veröffentlichung des Papiers „eine zunehmende Ratlosigkeit“.

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".

Mittwoch, 19. Februar 2020

Papstschreiben bringt veraltetes Frauenbild

Der Standard, 19. Februar 2020
Die marginalisierte Frau in der katholischen Kirche
Der Papst perpetuiert eine "Struktur der Kirche", die von der ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss
Kommentar der anderen von Gunda Werner
Nur die Kraft und die Zärtlichkeit der Mutter Maria? Im Gastkommentar ist das von Papst Franziskus formulierte Frauenbild für die Theologin Gunda Werner "nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal".
Ein gutes Leben für alle, soziale und ökologische Gerechtigkeit, die Anerkennung der Kulturen und die Rettung der Natur: Es ist eine hoffnungsvolle Vision, die sich Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" ("Geliebtes Amazonien") entwirft. In den ersten drei Kapiteln seiner Zusammenschau der Amazonassynode entspricht der Pontifex über weite Strecken – und mit der gebotenen christlichen Pointierung – den Forderungen ökologischer, christlicher und gesellschaftspolitischer Gruppen in Lateinamerika. Im vierten Kapitel "Eine kirchliche Vision" hingegen nimmt er nicht nur Ergebnisse der Synode nicht auf, sondern zerstört zugleich die Hoffnungen vieler Menschen auf eine Veränderung und Bewegung innerhalb der katholischen Kirche.

Die im Abschlussdokument der Synode von der Mehrheit der Bischöfe unterstützte Priesterweihe verheirateter Männer ("Viri probati") erwähnt der Papst mit keinem Wort, der Zulassung von Frauen zu den Weiheämtern erteilt er eine zwar langwierig formulierte, aber dadurch nicht weniger klare Absage. Das mag frustrieren, sollte aber nicht verwundern, entspricht es doch der kirchlichen Lehre. Mindestens verwundern dürfen dann allerdings doch einige Argumentationslinien dieses vierten Kapitels. Schließlich ist ebenjener Papst, der darin für die "entschlossene Verteidigung der Menschenrechte" eintritt, Staatsoberhaupt eines der wenigen Länder, die die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen bis heute nicht unterschrieben haben.

"Besondere" Würde

Außerdem: Würde der Vatikan wirklich entschlossen für die Rechte aller Menschen eintreten, könnte Franziskus nicht so ungebrochen eine "Theologie der Frau" vertreten, wie er es in seinem nachsynodalen Schreiben tut. Demnach leisten Frauen nämlich "ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben". Gott selber sei es, der "seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun" wolle, nämlich dem männlichen des göttlichen Sohnes und dem weiblichen der Mutter Maria.

In dieser Logik verwundert es nicht, dass Frauen vor allem deshalb nicht zu Weiheämtern zugelassen werden sollen, um sie vor Klerikalismus und Funktionalisierung zu bewahren. Und auch die Kirche selbst würde nach Ansicht des Papstes durch die Frauenweihe verarmen, weil der spezifische Beitrag der Frauen dann nämlich fehlte. Mit dieser Hervorhebung der besonderen Würde und Aufgabe der Frauen im Vorbild Marias, der zugleich eine Idealisierung des Priesterbildes als "Zeichen des Hauptes, das die Gnade vor allem im Feiern der Eucharistie ausgießt", gegenübergestellt wird, führt Franziskus eine Theologie fort, die ihren Ursprung im 19. Jahrhundert hat. Eine Theologie, die Frauen durch ihre Beschränkung auf das empfangende, dienende, passive "marianische" Prinzip gegenüber dem aktiven, gebenden, männlichen, in der Tradition Christi stehenden "petrinischen" Prinzip marginalisiert und lehramtlich legitimiert, dass Frauen in der katholischen Kirche zwar die gleiche Würde, aber eben nicht die gleichen Rechte haben wie Männer. Es ist daher ausgesprochen irreführend, nach außen für die allgemeinen Menschenrechte einzutreten, nach innen aber eine "Struktur der Kirche" zu perpetuieren, die von einer ungleichen Behandlung der Geschlechter ausgehen muss.

Fatales Frauenbild

Auch einem der allgemein anerkannten Grundsätze der Entwicklungspolitik, dem zufolge das weltweite Armutsproblem untrennbar mit der ungerechten Verteilung der Güter und der strukturellen Benachteiligung von Frauen zusammenhängt, erteilt der Papst mit seinem Beharren auf dem marianischen und petrinischen Prinzip – und damit der Nichtgleichstellung der Frauen – eine klare Absage. Denn dass die Genderfrage kein Luxusproblem der reichen Länder, sondern Dreh- und Angelpunkt der weltweiten Armutsbekämpfung ist, erkannten und benannten bereits die UN-Konferenz für Entwicklung und Bevölkerungswachstum in Kairo 1994 und die UN-Frauenkonferenz in Peking 1995. Bereits damals hat der Vatikan beide Konferenzen aufs Schärfste kritisiert, weil die dort geforderte Gleichberechtigung der Frau eben eine wirkliche Gleichberechtigung bedeutet hätte.

Heute, ein Vierteljahrhundert nach diesen Konferenzen, ist das von Franziskus formulierte Frauenbild nicht nur nicht mehr vermittelbar, sondern auch angesichts der katastrophalen Situation im Amazonasgebiet fatal. Die Frauenfrage ist eben keine allein binnenkirchliche Frage einer von Gott gewollten inneren Struktur der Kirche, und daher ist doch zu befürchten, dass das päpstliche Schreiben vor allem jenen Kräften Vorschub leistet, die der Gleichberechtigung der Geschlechter den Kampf angesagt haben. Ob jedoch gerade diese Kräfte willens und fähig sind, dem Papst bei der Verwirklichung seiner Vision von ökologischer und sozialer Gerechtigkeit für sein "geliebtes Amazonien" zur Seite zu stehen, darf zumindest bezweifelt werden. (Gunda Werner, 19.2.2020)


Religion.orf.at, 19.2.2020
Theologinnen zu Papst-Schreiben: Fatales Frauenbild
Neben der Grazer Dogmatikprofessorin Gunda Werner attestiert auch die Ordensfrau Melanie Wolfers dem neuen Papst-Schreiben „Querida Amazonia“ ein fatales Frauenbild. Die Vatikanistin Gudrun Sailer meint, man müsse „westliche Denkmuster“ ablegen.
Gunda Werner: Franziskus vertritt eine im 19. Jahrhundert entstandene Theologie mit heute überholten Geschlechterrollen
Ordensfrau Melanie Wolfers: „Peinlich berührt“
Vatikanistin: Papst verweigert Machtwort
Die österreichische Redakteurin bei Radio Vatikan, Gudrun Sailer, analysiert das Schreiben aus einer anderen Perspektive. Noch selten habe ein Schreiben von Papst Franziskus so viel Zustimmung bei konservativen und so viel Enttäuschung bei reformorientierten Kräften der katholischen Kirche ausgelöst wie „Querida Amazonia“, lautet ihr Befund. Der Papst habe sich den hohen Erwartungen in Bezug auf das priesterliche Amt entzogen.


kfd, 12.2.2020
Statement der kfd zum Abschlussdokument zur Amazonas-Synode
Das vorliegende Papier ist ein herber Schlag für alle Frauen, die auf ein starkes Signal zur Gleichberechtigung in der katholischen Kirche gehofft haben.
Es ist uns absolut unerklärlich, wie nach den zentralen Erkenntnissen aus der Amazonassynode eine so vernichtende Ansage kommen kann:
Einerseits wertschätzt das Papier die Leistung von Frauen, die "jahrhundertelang ... die Kirche ... mit bewundernswerter Hingabe und leidenschaftlichem Glauben aufrecht [hielten]."
Gleichzeitig wird ihnen indirekt Machtgier vorgeworfen, weil die Frauen einfordern, dass ihre gepriesenen Charismen und ihr Einsatz für eine lebendige Kirche mit einer Weihe anerkannt werden. Mit diesem Vorwurf offenbart das Papier, dass die Frauenfrage eine Machtfrage darstellt.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Gescheiterte Erneuerung:
Katholische Kirche? Es reicht!
Totale Unfähigkeit zur Reform: Die Ausgrenzung der Frauen und der zölibatäre Zwang für die Priester hat schon so viel Unheil angerichtet.


kreuz-und-quer, 13.2.2020
Katholische Frauen wollen Gleichberechtigung
Papst Franziskus macht mit dem Ausschluss von Frauen weiter
Wenn also Frauen ein Bild und Gleichnis nur von Maria sind, warum werden dann Frauen im Namen Christi getauft? Warum werden sie bei der Taufe zu Priesterinnen, Prophetinnen und Königinnen berufen, womit sie doch Anteil erhalten am Priesteramt, Prophetenamt und Königsamt Christi? Wie sollen sie den Begriff „Imitatio Christi“ verstehen, der für jede Art christlicher Spiritualität so fundamental ist? Und vor allem: Auf welcher Grundlage sollen sie erlöst werden, wenn sie an der Ebenbildlichkeit mit Christus keinen Anteil haben?


Redaktion Feinschwarz 18. Februar 2020
In persona mariae:
Das nachsynodale Schreiben Querida Amazonia und seine Folgen für die Frauen
In den wenigen Tagen seit Erscheinen des nachsynodalen Schreibens Querida Amazonia gibt es sehr viele gegensätzliche Einschätzungen des päpstlichen Dokuments. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller unternimmt mit spitzer Feder „Theologische Rettungsversuche in Form einer Glosse und zugleich kirchenrechtlichen Optionierung“.


Süddeutsche Zeitung, 16.2.2020
Frauen wollen an den Altar
Die Theologin Elfriede Schießleder ruft die katholische Kirche zu Reformen auf


Die Furche, 26.2.2020
Der Papst und die Frauen: „Wir sind nicht mehr ‚zärtlich‘“
Die Moraltheologin Angelika Walser übt heftige Kritik am Frauenbild im Schreiben „Querida Amazonia“ von Papst Franziskus.


Katholisch.de, 6.3.2020
Papstaussagen jedoch keine Geringschätzung des weiblichen Geschlechts
Theologin: Kein Spielraum mehr für Priesterweihe von Frauen
Für die Priesterweihe von Frauen sieht die Theologin Katharina Westerhorstmann "keinen Spielraum mehr". Sie verteidigt zudem die jüngsten Aussagen von Papst Franziskus zur Rolle der Frau – und sagt, warum es eigentlich auch keine Diakoninnen braucht.


Katholisch.de, 11.3.2020
Franziskus verharre bei "alten Mustern kirchlicher Reformdiskussionen"
Haslinger: Aussagen des Papstes zu Frauen sind Widerspruch in sich
"Querida Amazonia" macht den Pastoraltheologen Herbert Haslinger "ziemlich ratlos". Zu widersprüchlich findet er die Aussagen des Papstes. Beim Synodalen Weg über Zulassungsbedingungen zum Priesteramt zu diskutieren, hält der Theologe für sinnlos.


Katholisch.de, 23.3.2020
Salzburger Neutestamentlerin zur Frauenweihe
Warum auch Frauen Priester werden können
Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Weil nur ein Mann den Mann Jesus Christus repräsentieren könne, heißt es oft. Die Salzburger Neutestamentlerin Marlis Gielen hält ihn ihrem Gastbeitrag dagegen – und begründet ihre Sicht mit der Bibel und einem ganz zentralen Sakrament.

Montag, 17. Februar 2020

Bischof Kräutler: "Papstschreiben könnte mutiger sein"



Kath.ch, 17.2.2020
«Zölibat ist nicht höher zu gewichten als die Eucharistie»
Der österreichische Bischof Erwin Kräutler war massgeblich an der Amazonas-Synode und deren Vorbereitung beteiligt. Im Interview mit cath.ch zeigt er sich zufrieden über die ersten drei Visionen von «Querida Amazonia». Enttäuscht ist er über fehlende Reformen beim Zölibat und der Frauenfrage.

Domradio, 18.2.2020
Kräutler: Papst hat bei Frauenfrage "Chance vertan"
"Ich habe größere Fortschritte erwartet"
Der aus Österreich stammende Bischof Erwin Kräutler zeigt sich zufrieden über die ersten drei "Visionen" des Papstes in "Querida Amazonia". Perplex dagegen ist er über fehlende Reformen bei Zölibat und Frauenfrage.


VaticanNews, 17.2.2020
Bischof Kräutler findet Papstschreiben nicht mutig genug
Bischof Erwin Kräutler ist nicht völlig zufrieden mit dem Papst-Schreiben „Querida Amazonia“. Der emeritierte Bischof von Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet würdigt einerseits die sozialen, ökologischen und kulturellen Visionen, die Franziskus entwickelt, als „exzellent“. „Bei diesen drei Punkten hat der Papst wirklich ausgedrückt, was uns Bischöfen am Herzen lag.“

Doch zur vierten Vision des Papstes – der nämlich, die sich auf das Kirchliche und die Seelsorge bezieht –, sagt Kräutler, hier spüre er „einen Bruch“. „Da hatte ich den Eindruck dass wir von einer Vision zu einem sehr pragmatischen Denken übergehen.“ Der Traum halte inne, und „sehr pragmatische, normative Erklärungen heben an“, so der gebürtige Voralberger Kräutler zur Nachrichtenagentur kath.ch.

„Viele Leute – dazu gehöre auch ich – fanden diesen Teil sehr seltsam, weil sich da auch der Stil ändert“, fährt Kräutler in dem Interview von diesem Wochenende fort. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Franziskus nicht über eine mögliche Lockerung des Zölibats in sehr entlegenen Amazonas-Regionen befinde, sagt er: „Ich würde nicht von enttäuscht sprechen. Sagen wir: Viele Leute und ich auch sind da perplex und verstehen nicht, warum diese Maßnahme vom Papstschreiben nicht aufgegriffen wird.“

„Zölibats-Debatte wird weitergehen“

Er finde es „ausgesprochen seltsam“, dass Franziskus noch nicht einmal anspiele auf den Vorschlag der Bischofssynode vom Oktober, in entlegenen Regionen verheiratete Männer zu Priestern zu weihen. Dabei hätten sich doch die Bischöfe mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen. „Allerdings kann man die Sache auch positiver sehen und darauf hinweisen, dass der Papst die Debatte nicht beendet hat“, so Kräutler. Er sei überzeugt davon, dass die Debatte jetzt weitergeführt werde – „vor allem von Bischöfen, die wie ich für die viri probati gestimmt haben“.

Er könne nicht beurteilen, ob sich Papst Franziskus in diesem Punkt unter Druck gefühlt habe. „Mein tiefes Gefühl ist aber, dass es viele Interventionen mit dem Ziel, das Thema der viri probati nicht anzusprechen, gegeben haben wird“, so Bischof Kräutler. Um in entlegenen Amazonas-Regionen Eucharistiefeiern sicherzustellen, werde es nicht reichen, mehr lateinamerikanische Missionare dorthin zu schicken. „Ich glaube nämlich, dass Amazonien nur durch Leute gerettet werden kann, die dort leben und die von dort sind… Die einzige Art und Weise, das Problem des Priestermangels zu lösen, besteht darin, im Reichtum Amazoniens zu schöpfen.“
„Sehr schwierig“ kommt es Kräutler vor, die Idee des Papstes umzusetzen, Wandermissionare durch Amazonien zu schicken. Es habe schon viele Versuche in dieser Richtung gegeben – „ohne großen Erfolg, ehrlich gesagt“.

Keine Weihe für Frauen? Ein „strategischer Fehler“

Auch mit dem Nein des Papstes zu einer Weihe von Frauen geht der Bischof mit verbindlichem Ton ins Gericht. „Das ist ein strategischer Fehler“, sagt er, „vor allem mit Blick auf das Vordringen der evangelikalen Gemeinschaften. Wir verpassen hier die Chance, die Rolle von Frauen wirklich anzuerkennen.“ Dabei hinge das Gedeih der katholischen Gemeinschaften in Amazonien im wesentlichen von ihnen ab.

„Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll“

Was den Vorschlag des Papstes angehe, Ämter für Frauen zu schaffen, ohne ihnen eine Weihe zu geben, sagt Kräutler: „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie man das den Gläubigen erklären soll. Ich hätte mir wirklich in diesem Punkt einen größeren Schritt nach vorn erwartet.“

Erwin Kräutler ist emeritierter Bischof der Prälatur Xingu (370’000 km2) im brasilianischen Bundesstaat Pará. Von 1983 bis 1991 leitete er den brasilianischen Indianermissionsrat (CIMI), derzeit ist er Vizepräsident des kirchlichen Amazonien-Netzwerks Repam. Auf der Bischofssynode zu Amazonien im vergangenen Oktober hat er eine wichtige Rolle gespielt. Die übrigen Synodenväter wählten ihn in die Informationskommission der Versammlung.


Die Tagespost, 18.2.2020
Kräutler: Diskussion über viri probati nicht beendet
Er verstehe nicht, warum Papst Franziskus in seinem nachsynodalen Schreiben nicht auf das Thema der viri probati eingehe, so der Amazonas-Bischof. Man könne die Ausführungen des Papstes aber auch „positiver“ lesen.


VaticanNews, 16.2.2020
„Lockerung der Zölibatspflicht wird kommen“
Der Generalsekretär des länderübergreifenden kirchlichen Netzwerks Repam (Red Eclesial Panamazonica) sieht das Papstschreiben zur Amazonien-Synode als Bestätigung des bisherigen Weges.

VaticanNews, 17.2.2020
Papstschreiben: Amazonas-Bischöfe reagieren unterschiedlich
Das Papstschreiben „Querida Amazonia“ wird von den Bischöfen in der brasilianischen Amazonas-Region unterschiedlich aufgenommen. „Ich bin ein bisschen enttäuscht, ich hätte mehr erwartet“, sagt Bischof Meinrad Francisco Merkel vom Bistum Humaitá.


VaticanNews, 16.2.2020
Synode: „Kein Nebeneinander von zwei Papieren“
„Wer sich Hoffnungen auf eine Reform innerhalb der Kirche gemacht hat, dürfte durch das Schreiben massiv enttäuscht worden sein.“ Das sagt der Bonner Kirchenrechtler Norbert Lüdecke zum Papstschreiben „Querida Amazonia“.

Religión digital, 18.2.2020
El obispo emérito de Xingu, "extremadamente satisfecho con... ¡tres sueños y medio!"
Erwin Kräutler: "¡No podemos poner la cuestión del celibato por encima de la celebración de la Eucaristía!"

cath.ch, 16.2.2020
Mgr Kräutler: «Le rêve ecclésial de Querida Amazonia manque d'audace»
Après la publication de l’exhortation Querida Amazonia, Mgr Erwin Kräutler, évêque émérite du Xingu, exprime sa gratitude au pape pour la dénonciation des graves menaces qui pèsent sur l’Amazonie. Mais il regrette le manque d’audace dans son ‘rêve ecclésial’.

Kommentar zum Thema Kräutler/"viri probati"/Papstkritik:

Die Tagespost, 20.2.2020
Papstschreiben: Verkehrung der Fronten
Mit "Querida Amazonia" schlägt Papst Franziskus eine Brücke zu konservativen Katholiken und enttäuscht jene, die sich von ihm eine Kehrtwende erhofft hatten.
Der heftige Widerspruch des Amazonas-Bischofs Erwin Kräutler gegen die "kirchliche Vision" von Papst Franziskus in der Exhortation "Querida Amazonia" und der versöhnliche Kommentar von Kardinal Gerhard Müller zu dem Schreiben zeigt plötzlich eine ungeahnte Verkehrung der Fronten. Kräutler, zugleich einer der Protagonisten des Netzwerks REPAM, sieht bei der vierten Vision, in der es für ihn auch um die "viri probati" und die Frauenweihe hätte gehen müssen, "einen Bruch".


CNBB, 17/02/2020
“Sonho Ecológico” do Papa para a Amazônia
O bispo emérito do Xingu e coordenador da Rede Eclesial Pan-Amazônica (Repam) – Brasil, dom Erwin Kräutler escreveu um artigo especial para o portal da Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB) aprofundando o “sonho ecológico” do Papa Francisco para o bioma amazônico expresso na Exortação “Querida Amazônia”, lançada no último dia 12 de fevereiro. O “sonho ecológico” é um dos quatro sonhos que integram o documento do papa que também aborda o sonho social, o sonho cultural e eclesial, aspectos já trabalhados em outras matérias publicadas aqui na página da CNBB.

Freitag, 14. Februar 2020

„Papst betroffen über Reaktionen auf sein Schreiben“


VaticanNews, 14.2.2020
„Papst betroffen über Reaktionen auf sein Schreiben“
Der Papst ist laut einem US-Bischof wegen der Reaktionen auf sein neues Schreiben „Querida Amazonia“ konsterniert. „Als er sagte, dass es manchen Leuten nur um den Zölibat und nicht um Amazonien“ gegangen sei, habe man Franziskus seine Betroffenheit angesehen, berichtete Bischof William Wack aus der Diözese Pensacola-Tallahassee dem US-amerikanischen „Catholic News Service“ (CNS).

Zuvor war Wack am Donnerstag Mitglied einer weiteren Gruppe US-amerikanischer Bischöfe gewesen, die der Papst in diesen Wochen zu ihrem sogenanntem Ad-limina-Besuch im Vatikan empfängt.

Während des Treffens bat demnach einer den 15 Bischöfe den Papst um drei oder vier ihm besonders wichtige Punkte aus dem tags zuvor veröffentlichten Dokument „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien). Weihbischof Joel Konzen aus Atlanta sagte CNS, dass Franziskus als wichtigste Botschaft des Dokuments für die US-Katholiken die Sorge um den Planeten nannte, dies sei „eine ernste Angelegenheit“.

Dann wies Franziskus laut Konzen kritisch darauf hin, dass monate- oder sogar jahrelang an der Erstellung derartiger Dokumente gearbeitet werde und Medien dann daraus nur „eine Zeile“ machten oder bloß berichteten, dass „der Papst nicht den Mut hatte, die Regeln der Kirche zu ändern“.
„Zölibat war nicht das Thema“

Tallahassees Bischof Wack schilderte, der Papst habe den Bischöfen gesagt, die Synode sei zusammengekommen, um über die Fragen der Kirche im Amazonasgebiet zu sprechen. Andere Leute hätten gewollt, dass er über den Zölibat spreche, und das zum Thema gemacht. „Aber das war nicht das Thema dieser Synode“, zitierte Wack Franziskus.

Der Papst habe die US-Bischöfe schließlich dazu aufgerufen, über die Sorge um die Umwelt zu lehren und zu predigen. „Er sagte, auch wenn die Menschen es nicht hören wollen. Wie können wir leugnen, dass sich die Dinge ändern? Wie können wir leugnen, dass wir unserer Zukunft schaden?“, berichtete Bischof Wack. Die Bischöfe müssten das das Evangelium verkünden, und diese Themen seien Teil des Evangeliums.

Franziskus hatte am Mittwoch seine Schlussfolgerungen zur Amazonas-Synode vorgelegt. Bei dem Bischofstreffen vom 6. bis zum 27. Oktober im Vatikan ging es unter anderem um ökologische und soziale Folgen des Raubbaus in der ressourcenreichen Region, die Stärkung der indigenen Bevölkerung und um neue Wege in der Seelsorge.


Katholisch.de, 14.2.2020
Franziskus beklagt Schwerpunktsetzung der Medien
US-Bischöfe: Papst bedrückt wegen Reaktionen auf Synodenschreiben
Papst Franziskus hat verraten: Die zum Teil enttäuschten Reaktionen auf sein nachsynodales Schreiben lassen ihn nicht kalt. Er beklagt den Fokus vieler Medien auf die Themen Zölibat und Frauenweihe. Dabei sei es um etwas anderes gegangen.


CNS-News, 13.2.2020
Pope shares with U.S. bishops his frustration with reaction to Amazon text

Kritische Reaktionen zum Papstschreiben "Querida Amazônia"



Katholische Aktion OÖ, 12.2.2020
Katholische Aktion OÖ über viertes Kapitel im Papstschreiben „enttäuscht“
„Es ist für uns schwer nachvollziehbar, warum Papst Franziskus das eindeutige Votum der Amazonien-Synode für eine Lockerung des Zölibats sowie für Weiheämter von Frauen nicht aufgegriffen hat“,

Wir sind Kirche, 13.2.2020
Weltkirchenzentrale lässt Amazonasgemeinden im Stich
Die katholischen Kirchenreformbewegungen in Österreich stellen dem nach-synodalen Papstschreiben „Querida Amazonia“ ein schlechtes Zeugnis aus. Entgegen aller Hoffnungen und Erwartungen würden die Gemeinden und Bischöfe Amazoniens mit den wichtigsten Fragen auch in Zukunft alleingelassen – die dringend nötige Erneuerung des Priesteramtes bleibe aus.

Kath.ch, 13.2.2020
Visionen für eine Kirche der Zukunft?
«Man darf nicht auf Reformen von oben warten», sagt Daniel Bogner* in seinem Gastkommentar zum Papstschreiben «Querida Amazonia». Dieses mache deutlich, dass die katholische Kirche um eine Revision der theologischen Grundlagen zur absolutistischen Verfassungsform nicht herumkomme.

Katholisch.de, 13.2.2020
Bischöfe, Theologen und Verbände äußern sich zu "Querida Amazonia"
"Wegweisend" bis "Riesenenttäuschung": Reaktionen zum Papstschreiben
Es polarisiert wie kaum ein päpstliches Dokument zuvor: Das nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus sorgt unter Bischöfen und Theologen für unterschiedlichste Reaktionen und Interpretationen.

Katholisch.de, 13.2.2020
Nach der Veröffentlichung des Papstschreibens zur Amazonas-Synode
Presseschau: Das sagt die Welt zu "Querida Amazonia"
Die Medien in Deutschland würden bei der Amazonas-Synode zu sehr auf die Themen "viri probati" und den Diakonat der Frauen schauen – so lautet ein häufiger Vorwurf. Aber wie sieht das in anderen Ländern aus? Eine Presseschau zur Veröffentlichung des nachsynodalen Schreibens.

Deutsche Welle, 13.2.2020
Brasilien zum Papstschreiben
Rolle rückwärts
In Brasilien gewinnen evangelikale Bewegungen Anhänger, während die katholische Kirche Gläubige verliert. Vom Papst fühlen sich viele mit im Stich gelassen, vor allem die Katholikinnen.

Deutschlandfunk, 13.2.2020
„Kirche als Ort, von dem man sich befreien muss“
Franziskus habe sich wie ein Monarch über alle Beratungen hinweggesetzt, sagte der Theologe Daniel Bogner im Dlf. Der Papst sage viel Wahres zur ökologischen Gerechtigkeit und viel Paternalistisches gegenüber Frauen. Deutsche Bischöfe müssten sich nun einen Ruck geben.
Daniel Bogner im Gespräch mit Levent Aktoprak

SWR2, 13.2.2020 (Audio)
Keine Lockerung beim Zölibat – Ist Papst Franziskus gescheitert?
Im FORUM diskutieren:
Christiane Florin, Redaktion "Religion und Gesellschaft", Deutschlandfunk
Martin Lohmann, katholischer Publizist, Bonn
Jörg Vins, SWR-Abteilungsleiter "Religion und Welt", Baden Baden
Gesprächsleitung: Martin Durm

WDR 5 Tagesgespräch, 13.2.2020 (Audio)
Quo vadis, katholische Kirche?
Die große Reform bleibt aus, der Papst hält am Zölibat fest. Auch in Ausnahmefällen dürfen keine verheirateten Männer als Priester geweiht werden. Wie viel Reform hat die katholische Kirche nötig? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch.
Gast: Theo Dierkes, Leiter WDR-Religionsredaktion
Redaktion: Dirk Müller und Heiko Hillebrand

FAZ, 12.2.2020
Heiße Eisen im nachsynodalen Schreiben
Wo beginnt der Götzendienst?
Welche Bombe ist in dem päpstlichen Schreiben „Querida Amazonia“ versteckt? Keine? Nein! Als hochbrisant erweist sich die Frage, bis zu welchem Grad das Evangelium inkulturierbar ist.

Zeit.de, 12.2.2020
Die deutschen Katholiken müssen ihren Weg selbst finden
Dabei sollten sie das demokratische Erbe Europas in der Kirche stark machen.

Zeit-Online, 12.2.2020
Was hat der Papst nun entschieden?
Franziskus legt ein neues Lehrschreiben vor. "Geliebtes Amazonien" predigt wieder die Reform der Kirche – überall. Das wird noch Streit geben.
Am Ende interessierten sich dann alle doch wieder nur für das eine. Zum Leidwesen des Papstes und seiner Getreuen schnurrte der ganze kräftezehrende Richtungskampf – jahrelanges Konferieren mit südamerikanischen Bischöfen, interkontinentales Rumreisen, päpstliches Briefeverfassen und vor allem das Managen ständiger Intrigen – auf eine kleine Frage zu dem alten Vatikantratschthema Sex zusammen.

Kathpress, 12.2.2020
Scheuer: "Für Papst nicht europäische Fragestellungen vorrangig"
Linzer Bischof bei Pressekonferenz zu Papstschreiben "Querida Amazonia": Papst geht es um Amazonien und die Menschen dort - In Ämterfrage letztes Wort noch nicht gesprochen - Bestätigung für Reformprozess in Diözese Linz - Pastoralamtsleiterin Eder-Cakl: "Schmerzlich, wie in der Frauenfrage argumentiert wird"

OÖ-Nachrichten, 14.2.2020
Linzer Bischof: "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen"
Mit einem Tag Abstand hat sich nun der Linzer Bischof Manfred Scheuer zum Papst-Schreiben geäußert und dabei das Kirchenoberhaupt ungewöhnlich deutlich kritisiert. Franziskus sei in seinem Schreiben "viel vager" geblieben als das Abschlussdokument der Amazonien-Synode.

Die Furche, 13.2.2020
"Querida Amazonia": Päpstlicher Eiertanz
Das Lehrschreiben nach der Amazonien-Synode, die im Oktober in Rom stattfand, ist erschienen. Kein Sanktus von Franziskus für die dort erbetenen Reformen. Leitartikel von Otto Friedrich

Die Furche, 19.2.2020
"Querida Amazonia": Anschwellende Ratlosigkeit
Der Papst im amazonischen Nirgendwo. Das Schreiben setzt Franziskus’ typische Rede- und Denkweise fort. Und offenbart beim Thema Frauen überkommenen Paternalismus. Ein Gastkommentar von Gregor Maria Hoff

Profil, 15.2.2020
Martin Staudinger: Gottes neue Rechte
Der Vatikan lehnt verheiratete Priester im Amazonas weiterhin ab. Das ist auch für Nichtgläubige beklagenswert.

WDR5, 16.2.2020 (Audio)
Sendung: Diesseits von Eden
ab 7:30 min: Papstschreiben: Tür stand sperrangelweit auf und Papst ging nicht hindurch - Kommentar
ab Gegenmeinung bei Maria 2.0: Interview mit Maria Mesrian.