Samstag, 20. Juli 2019

weltkirche.tagung über Amazonassynode


Von 19. bis 20. Juli 2019 fand im Bildungshaus Schloss Puchberg die weltkirche.tagung 2019 zum Thema "AMAZONIEN - spirituell Wandel gestalten" statt. Die Tagung befasste sich mit der Amazoniensynode.

"Das Universum entfaltet sich in Gott, der es ganz und gar erfüllt. So liegt also Mystik in einem Blütenblatt, im morgendlichen Tau, im Gesicht des Armen." (Papst Franzsikus, Laudato Si' 33)

Kathpress, 19.7.2019
Ordensfrau: Amazonien-Synode soll "ökologische Bekehrung" bringen
Eine "ökologische Bekehrung" und Impulse für eine Stärkung der indigenen Bevölkerung Lateinamerikas erhofft sich die brasilianische Ordensfrau Sr. Aline Silva dos Santos von der kommenden Amazonien-Synode im Herbst im Vatikan. Die Kirche müsse eine "ökologische Spiritualität" vorleben und sich zugleich klar auf die Seite der von Vertreibung und Verelendung bedrohten indigenen Bevölkerung Südamerikas stellen, mahnte Silva dos Santos bei einem Vortrag am Freitag im Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels.

Der Vortrag stellte das erste Hauptreferat der heurigen "weltkirche.tagung" dar, die vom 19. bis 21. Juli u.a. von der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) gemeinsam mit den Ordensgemeinschaften Österreichs veranstaltet wird. Im Fokus der Tagung, die diesmal den Titel "Amazonien - Spirituell Wandel gestalten" trägt, steht die für Oktober im Vatikan geplante Amazonien-Synode.

Die Ordensfrau, die in der bolivianischen Prälatur San Ignacio de Velasco einen Vorbereitungsprozess auf die Synode begleitet hat, berichtete dabei weiters von grassierender Armut, wirtschaftlicher und ökologischer Ausbeutung und einer zunehmend prekären Existenz der Bevölkerung. Mit dem Verlust des natürlichen Lebensraumes, der in Bolivien oft von Bergbaufirmen mitverursacht werde, gehe auch ein kultureller Verlust, die Zerstörung sozialer und familiärer Strukturen und ein hoher Gewaltpegel einher.

Angesichts dieser Entwicklungen würden sich die Menschen in der Region ein starkes Bekenntnis der Kirche wünschen, auf ihrer Seite zu stehen, so die Ordensfrau. Auch würden die Menschen von der Kirche erwarten, dass sie helfe, wirtschaftliche Alternativen zu entwickeln und für eine "ganzheitliche Ökologie" einzustehen. Dieses Anliegen der Synode sei weitaus nicht auf Lateinamerika beschränkt, verdeutlichte Sr. Aline Dos Santos im Gespräch mit "Kathpress": Nicht nur, weil in der Kirche das Leiden des einen immer alle betreffe, sondern auch da der Amazonas die "Lunge des Planeten Erde" sei, dessen Vernichtung das Weltklima bedrohe und globale Konzerne wie auch westliche Konsummuster dahinterstünden.

Weiters erhofft sich die Ordensfrau von der Synode klare pastorale Weichenstellungen, wenngleich diese Wünsche "nicht vorderste Priorität" hätten: Sehr wohl gebe es einen Priestermangel, der dazu führe, dass viele Gemeinden nurmehr sporadisch Eucharistie feiern könnten. "In entlegenen Dörfern ist dies nur einmal jährlich möglich, etwa bei den Patronatsfesten." Hier brauche es gerade für die abgelegeneren Gebiete neue Möglichkeiten, um eine Sakramentenspendung sicherzustellen, etwa die Entwicklung eines "indigenen Priestertums" oder die Befähigung Verheirateter zur eucharistischen Wandlung. Auch würden sich die Menschen eine stärkere liturgische Beachtung kultureller Prägungen und Traditionen vor Ort wünschen.

Insgesamt zeigte sich Silva dos Santos zuversichtlich, dass diese Aufgaben einer Kehrtwende zu einer "ökologischen Spiritualität" gelingen könne: "Es ist schwierig, aber wir schaffen das", so ihr abschließender Appell.

Die heurige, von der KOO gemeinsam mit den Ordensgemeinschaften und anderen kirchlichen Organisationen ausgerichtete Weltkirche-Tagung dauert noch bis Samstag. Sie steht heuer unter dem Titel "Amazonien: Spirituell Wandel gestalten". Bei der Tagung wird u.a. die in Peru tätige deutsche Ordensfrau Birgit Weiler über "Neue Wege für eine Spiritualität ganzheitlicher Ökologie - Die Weisheit indigener Völker" sprechen. Der emeritierte Innsbrucker Pastoraltheologe Franz Weber wiederum, der auch in Brasilien tätig war, wird sich mit "Neuen pastoralen Ämtern und Diensten für Männer und Frauen" auseinandersetzen.


Theologe: Amazonassynode kann Türspalt für neue Weiheämter öffnen
Die im Oktober anstehende Amazonien-Synode ist schon im Vorfeld ein "Signal für die Zukunft und auch ein Anstoß für die Kirche in Österreich und in Mitteleuropa": Das hat der Theologe Franz Weber am Freitag bei der "weltkirche.tagung" in Puchberg bei Wels hervorgehoben. Zwar seien der Synoden-Vorbereitungstext und das "Instrumentum Laboris" mit ihren Vorschlägen weit vorsichtiger als die Reformerwartungen vieler in der Kirche ausgefallen und "alles eher als kühn". Eine Entwicklung hin zu neuen Ämtern und Diensten in der Kirche, ausgehend von der Amazonas-Region, halte er aber durchaus für einen Schritt in die richtige Richtung.

"Die Träger der Pastoral - die vielen kleinen Gemeinden in der Amazonasregion sowie viele ihrer Bischöfe und theologischen Begleiter - versuchen die Tür, die über lange Zeit verschlossen war, einen Spalt breit zu öffnen. Viele von ihnen scheinen entschlossen zu sein, ihren Fuß nicht mehr aus diesem Spalt zurückzuziehen", so die Wahrnehmung des emeritierten Innsbrucker Pastoraltheologen. Von Papst Franziskus werde hier Unterstützung erhofft, durch eine "Öffnung des Weges für eine regionalkirchliche Veränderung der Zulassungsbedingungen für Männer und Frauen zu den kirchlichen Weiheämtern". Hier seien aber auch eindeutige Schritte europäischer Bischofskonferenzen erforderlich, weil prekäre pastorale Situationen in Europa keinen Aufschub mehr erlaubten.

Theologisch festzuhalten sei, "dass das Sakrament der Ehe und das Sakrament der Weihe sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern tragen und dass diese doppelte Sakramentalität zur Quelle pastoraler Fruchtbarkeit werden kann", sprach sich der Theologe für Lockerungen beim Zölibat aus. Dazu kämen Veränderungen beim Rollenverständnis der Frau: In Amazonien und Lateinamerika würden mindestens zwei Drittel der Gemeinden von Frauen geleitet, weshalb sich das Synodenpapier für die Anerkennung neuer Ämter für Frauen ausspreche, so der Referent. "Frauen von der Weihe auszuschließen, führt nach meiner Wahrnehmung zu einer tiefen Verletzung der Frauen. Ich halte diesen Ausschluss für eine tiefe Wunde am Leib der Kirche."

Die aus Webers Sicht ebenfalls nötige Weihe von Frauen zum Diakonat sei getrennt davon zu sehen: Es handle sich dabei weder um eine "schlampige Lösung", noch um eine Übergangslösung, noch um eine "vorübergehende Vertröstung der Frauen", solange ihnen die Priesterweihe verwehrt bleibe. Vielmehr wäre dies ein "eigenständiges Amt", das in der Kirchengeschichte bereits existiert habe und wiedereingeführt werden sollte.

Zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier

Theologisch gut begründbar sah der Theologe solche Reformen vor allem durch die zentrale Bedeutung der Eucharistiefeier, welche "seit urchristlichen Zeiten für jede Gemeinde grundlegend wichtig, wesentlich und konstitutiv" sei. Weber: "Daran wird niemand rütteln können." Dass die Eucharistie vielen kleinen Gemeinden speziell in der Amazonien-Region durch den eklatanten Priestermangel "verweigert" werde, hätten die Synoden-Vorbereitungspapiere nun erstmals klar zur Sprache gebracht. Weber: "Die prekäre Präsenz der Kirche im Amazonas hat nicht nur, aber wesentlich auch, mit der nur selten möglichen Feier der Eucharistie und der übrigen Sakramente und mit der mangelnden Präsenz von geweihten Amtsträgern und -trägerinnen zu tun, die den Gemeinden eine stabile Leitungsstruktur garantieren."

Den weit verstreuten Gemeinden dürfe laut dem Pastoraltheologen die sonntägliche Eucharistie nicht deshalb vorenthalten werden, "weil das Kirchengesetz des Zölibats und der Ausschluss der Frauen um jeden Preis aufrecht erhalten werden muss". Anstatt sich mit "Notsituationen" von "Hungerleider-Gemeinden" abzufinden, sollten sich regionale und nationale Bischofskonferenzen drauf verständigen, "dem Papst regionale Lösungen vorzuschlagen". Würden die in der Gemeindeleitung tätigen Frauen und Männer dazu geweiht, könnte die sonntägliche Feier von Tod und Auferstehung Jesu in allen Gemeinden möglich werden, hoffte der Experte.