NZZ, 31.7.22012
Wachstum auf dem Rücken der Indigenen
In Brasilien sind viele indigene Völker Opfer eines gewaltsamen Landkonfliktes. Im Namen des nationalen Interesses will die Regierung nun auch noch ihre Rechte kappen.
Vergangene Woche haben Stammesführer der Juruna und Arara drei Ingenieure des Konsortiums Norte Energia gefangen genommen. Norte Energia ist für den Bau des Staudamms von Belo Monte am Amazonaszufluss Xingu verantwortlich. Mit der Aktion protestieren die Indianer gegen das Vorgehen des Konsortiums, das mit dem Bau begonnen hat, obwohl noch Einsprachen gegen das Projekt hängig und noch nicht alle Vorbedingungen erfüllt sind. Bereits im Juni kam es zu Protesten von Gegnern des Staudamms. Rund 200 Indigene und Aktivisten besetzten tagelang die Baustelle und gruben eine Furche in einen Erdwall, um symbolisch den Flusslauf wiederherzustellen.
Gewaltsamer Konflikt
Der Protest der Indianer vom Xingu ist einer der zahlreichen verzweifelten Hilferufe indigener Völker in Brasilien, die sich durch das rasante Wachstum des Landes und den Vormarsch der Wirtschaft zusehends in die Enge getrieben sehen. Die Konflikte um Land und Ressourcen nehmen zu. 2011 wurden in Brasilien über tausend Landkonflikte gezählt, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Oft sind Indianerstämme in die Konflikte verwickelt. Und oft werden die Indigenen dabei Opfer von Gewalt. In seinem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht über die Gewalt gegen die indigenen Völker Brasiliens kommt der Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche (Cimi) zu einer ernüchternden Bilanz: 2011 wurden in Brasilien 51 Indianer ermordet. Im gleichen Zeitraum wurden 12 Fälle von Totschlag und 19 von vorsätzlicher Körperverletzung registriert. Daneben kommt es zu Mordversuchen, Drohungen und Vergewaltigungen.
Eine dramatische Situation herrscht im Gliedstaat Mato Grosso do Sul, wo sich das Stammesgebiet der Guaraní-Kaiowá befindet. Farmer haben die Region vor einigen Jahrzehnten besiedelt. Seither leben die Indianer zusammengepfercht in wenigen kleinen Reservaten oder in erbärmlichen Camps am Strassenrand. Heute kämpfen sie für die rechtliche Anerkennung ihrer einstigen Stammesgebiete. Die Demarkierung kommt aber nur schleppend voran und stösst auf den Widerstand der Farmer, Viehzüchter und der lokalen Machtelite. Immer wieder kommt es zu gewaltsamen Übergriffen gegen die Guaraní-Kaiowá. Mehr als die Hälfte der 51 gezählten Mordfälle betrafen den Stamm. Die Mordrate ist mit 100 Fällen auf 100 000 Personen viermal so hoch wie der Durchschnitt Brasiliens.
Lange Zeit blieben die Gewaltakte ungesühnt. Inzwischen greifen die Behörden härter durch. Erst vor kurzem wurden in Mato Grosso do Sul 18 Personen verhaftet, die für das Verschwinden eines Guaraní-Führers verantwortlich sein sollen. 2011 wurden in einem historischen Prozess zum erstem Mal zwei Männer zu hohen Haftstrafen verurteilt, die einen Indianer zu Tode gefoltert hatten.
Bedrohung durch Übergriffe
Die Morde sind der Gipfel einer ganzen Palette von Gewaltformen, denen die indigenen Völker ausgesetzt sind. Sie reichen von fehlender medizinischer Betreuung bis hin zu Rassismus. Die Liste der gemeldeten Fälle ist lang und dürfte nur einen Teil der Realität abbilden. Gewalt richtet sich auch gegen das Eigentum der Urvölker. So wurden im vergangenen Jahr 42 Fälle gemeldet, in denen es zu Invasionen in geschützte Indianerreservate und illegalem Abbau von natürlichen Ressourcen kam. 2010 waren es noch 33 Fälle.
Besonders prekär in dieser Beziehung ist die Situation der Awá-Guajá im Gliedstaat Maranhão. Die Bedrohung des Stammes begann in den achtziger Jahren mit dem Bau einer von der Weltbank und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft finanzierten Bahnstrecke von der Küste nach Carajás, wo sich die grösste Eisenerzmine der Welt befindet. Das Projekt zog Siedler in die Region, Strassen entstanden, und der Wald begann zu schrumpfen. Was mit dem Reservat der Awá geschah, zeigen Satellitenbilder: Innert weniger Jahre haben Holzfäller und Viehzüchter tiefe Narben im Gebiet der Indianer verursacht. Mehr als 30 Prozent des Reservats sind inzwischen abgeholzt – mit drastischen Folgen für die Awá, die reine Jäger und Sammler sind. Heute zählt der Stamm noch rund 350 Indianer, von denen etwa 100 noch keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten. Gleichzeitig sollen sich laut Angaben der Regierung rund 4500 Siedler illegal im Gebiet aufhalten. Nicht zu Unrecht spricht die Organisation Survival International, die sich weltweit für den Schutz der Urvölker einsetzt, vom «meistbedrohten Volk der Welt».
Mit einer Kampagne macht Survival International seit einigen Monaten auf das Schicksal der Awá aufmerksam. Trotz Versprechen der brasilianischen Regierung habe sich an der Situation wenig verbessert, sagt Kampagnen-Koordinatorin Sarah Shenker. Brasilien habe sehr gute Gesetze. Es fehle aber an Leuten, um die Reservate effektiv zu schützen. Zudem seien die Strafen zu mild. «Nach den Kontrollen kommen die Holzfäller wieder zurück. Die Bussen gehören zum Geschäftsrisiko», sagt Shenker. Bildung und medizinische Versorgung nützten nichts, wenn das Land der Indianer nicht geschützt werde, denn das sei ihre Lebensgrundlage.
Prioritäten der Regierung
In Brasilien existieren 227 indigene Gruppen mit insgesamt rund 480 000 Angehörigen. Ihre Landrechte sind seit einiger Zeit gesetzlich festgehalten. Von den über 1000 registrierten Stammesgebieten sind heute allerdings lediglich 363 vollständig anerkannt. 270 befinden sich in der Bewilligungsphase. Die restlichen warten auf den Beginn des Regulierungsprozesses. Die vorgeschriebenen Fristen wurden bisher in keinem Fall eingehalten. Besonders schwer tut sich die Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff. In ihrem ersten Amtsjahr wurden lediglich drei Gebiete anerkannt, so wenige wie noch nie seit der Redemokratisierung Brasiliens.
Wo die Prioritäten Brasilias liegen, zeigt auch ein kürzlich veröffentlichter Erlass der Generalbundesanwaltschaft, der die Normen für die Demarkierung von Indianerterritorien neu regelt. Demnach sollen bereits regulierte Territorien zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr angepasst werden können. Zudem ist festgehalten, dass die Projekte von nationaler Bedeutung – zum Beispiel Militärbasen, Verkehrswege oder Kraftwerke – künftig in und um Indianerterritorien errichtet werden dürfen, ohne zuvor die betroffenen Gemeinden zu konsultieren. Dies verstösst gegen die brasilianische Verfassung und gegen internationales Recht.
Die neue Regelung wird von verschiedensten Organisationen scharf kritisiert. Mit der Indianerbehörde Funai hat sich auch ein Regierungsorgan der Kritik angeschlossen. Der Erlass habe keinen juristischen Wert, sagt der Exekutivsekretär des Cimi, Saulo Feitosa, sondern schaffe nur Rechtsunsicherheit und gefährde den Regulierungsprozess. Cimi und andere Organisationen verlangen den Rückzug des Erlasses, der laut Feitosa einzig dazu dient, dem Grosskapital und der Agrarindustrie den Weg zu ebnen. Das entspreche der Logik der amtierenden Regierung, die alles dem Wachstum unterwerfe.
Dienstag, 31. Juli 2012
Freitag, 27. Juli 2012
Indios lassen die festgehaltenen Ingenieure frei
Kazique Josinei Arara beklagte, dass die versprochenen Maßnahmen zur Minderung der Umweltauswirkungen des Staudamms Belo Monte nicht entsprechend umgesetzt werden und dass die betroffenen Indigenen endlich Taten sehen möchten. Denn wenn der Damm fertig ist, könne man über ichts mehr verhandlen. Um den Ernst der Situation auszudrücken, wurden die Ingenieure festgehalten.
Norte Energia dementierte und beteuerte, dass alle Abmachungen dem Zeitplan entsprechend umgesetzt werden. Noch in diesem Jahr sollen die Schleusen für den Bootsverkehrt im Xingu fertig werden. Die Festnahmen der Mitarbeiter bezeichnete der Sprecher des Unternehmens als extrem und nicht angemessen.
Die Ingenieure wurden von der Polizei verhört, sie kündigte Untersuchungen wegen Geiselnahme und Entführung an. Die Indios sollen in der kommenden Woche einvernommen werden.
Übereinstimmend wurden die Techniker während der vier Tage in der Siedlung gut behandelt. Sie hatten reichlich zu essen bekommen und konnten sich in der Siedlung frei bewegen. Es gab keinerlei Gewaltanwendungen. Die Rückfahrt nach Altamira war ihnen allerdings verwehrt.
Die Staatsanwaltschaft von Pará kritisierte, dass die Anliegen der Indigenen nicht entsprechend gehört und umgesetzt werden. Diese Verantwortungslosigkeit seitens des Projektbetreibers Norte Energia wird ihrer Ansicht noch zu weiteren Problemen führen. Sie forderte IBAMA und Funai auf, sich für die Schiffbarkeit des Xingu einzusetzen.
TV-Globo, 27.7.2012
Polícia abre inquérito para apurar sequestro de funcionário de Belo Monte
Agência Brasil, 27/07/2012
Engenheiros da Norte Energia chegam a Altamira, após serem libertados por índios
De acordo com a Norte Energia, os índios decidiram libertá-los ontem (26), após serem informados por rádio de que, em conversa entre as partes e um representante do Ministério Público Federal, em Altamira, foi garantida nova reunião entre líderes indígenas e funcionários da Fundação Nacional do Índio (Funai) e da empresa. A previsão é que esse encontro ocorra nas próximas horas. No grupo que acaba de chegar ao Porto de Altamira, também há índios que deverão participar da reunião.
Altamira Hoje, 26.7.2012
Norte Energia se pronuncia sobre os Engenheiros que ficaram reféns de Índios Jurunas.
Por volta das 11h00 da manhã de hoje, a Norte Energia S.A., empresa responsável pela construção e operação da Usina Hidrelétrica Belo Monte, recebeu os dois engenheiros que foram mantidos reféns na aldeia Muratu, na terra Paquiçamba, localizada na Volta Grande do Xingu (Pará). Um funcionário, dos três retidos pelos índios, foi libertado ontem à noite.
MPF, 27.7.2012
MPF recomenda ao Ibama e Funai providências para garantir navegação no Xingu
Falta de respostas para o problema motivou protesto indígena em que funcionários da Norte Energia, a construtora de Belo Monte, foram impedidos de deixar aldeia
O Ministério Público Federal (MPF) recomendou ao Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis (Ibama) e à Fundação Nacional do Índio (Funai) a tomada de providências urgentes para garantia da navegabilidade para pequenas embarcações na área onde está sendo construída a hidrelétrica de Belo Monte, em Altamira, no Pará.
Mittwoch, 25. Juli 2012
Indigene nehmen zwei Ingenieure von Belo Monte als Geiseln
Zwei Mitarbeiter des Unternehmens Norte Energia, das für Bau und Betrieb des Wasserkraftwerks Belo Monte verantwortlich ist, wurden am Dienstag (24.7.) von Indigenen der Völker Juruna und Arara im Dorf Muratu als Geiseln genommen.
Die Ingenieure waren vom Unternehmen am Montag ins Dorf geschickt worden und wollten den Indigenen die Pläne zur Minderung der ökologischen Auswirkungen des Staudammes erklären. Sie übernachteten in der Siedlung und wurden am Dienstag Morgen festgenommen, als sie zurückfahren wollten.
"Niemand von uns verstanden etwas von dem, was die Techniker redeten, und sie hatten auch keine Antwort auf unsere Fragen", betonte Giliarde Juruna, Vertreter der Siedlung Paquiçamba. "Sie konnten uns nicht erklären, wie der Wasserstand des Xingu nach dem Dammbau sein wird und wie wir navigieren sollen. Sie hatten keine Ahnung mehr von den Versprechungen, die sie uns vor einem Jahr gemacht hatten, als sie uns eine Abänderung des Projekts zugesagt hatten. Und am Ende gaben uns die Ingenieure sogar Recht. Wir geben nicht auf. Heute haben wir das Schnellboot, dass ihnen Essen bringen wollte, beschlagnahmt. Nur die Presse hat freies Geleit", sagte Giliarde.
Die Indios verlangen Brunnen in ihren Dörfern, weil das Wasser des Xingu durch den Dammbau stark verschmutzt und ungenießbar ist. Da sie künftig nicht mehr mit kleinen Booten nach Altamira fahren können, wollen sie Straßen und Autos - oder noch lieber eine Änderung des Dammplanes und die Schiffbarkeit des Xingu.
Erst im vorigen Monat besetzten mehrere vom Staudamm betroffene indigene Völker drei Wochen lang die Baustelle Pimental, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Das Verhandlungsergebnis mit Norte Energia war allerdings nicht für alle Gruppen annehmbar.
Die Staatsanwaltschaft von Pará (MPF) forderte am Montag (23.7.) zum wiederholten Mal vor Gericht die Aufhebung der Installationslizenz für das Wasserkraftwerk Belo Monte. Für die Staatsanwälte sind die obligatorischen Maßnahmen der Verhütung und Verringerung der Umweltauswirkungen durch Belo Monte bisher von Norte Energie nicht erfüllt worden.
Pressemitteilung von Gesellschaft für bedrohte Völker, 26.7.2012
Indianer nehmen Ingenieure gefangen
Gesellschaft für bedrohte Völker warnt vor Eskalation am Baugebiet des Belo-Monte-Staudamms in Brasilien
Online-Reports, 26.7.2012
Belo Monte-Damm: Verzweifelte Indios kidnappen Ingenieure
Die Lage um den Bau des gigantischen Wasserkraftwerkes Belo Monte im brasilianischen Amazonas spitzt sich zu. Einmal mehr scheint den Ureinwohnern keine Rechte eingeräumt zu werden.
Xingu Vivo, 24.7.2012
Índios afetados por Belo Monte detêm engenheiros da Norte Energia em aldeia
Três engenheiros que trabalham para a Norte Energia, consórcio responsável pela hidrelétrica de Belo Monte, estão detidos na aldeia Muratu após uma fracassada reunião sobre os mecanismos que a empresa pretende oferecer para transpor embarcações após o barramento completo do Xingu na altura do canteiro de obras de Pimental.
International Rivers, 25.7.2012
Amidst Broken Promises, Indigenous Authorities Detain Belo Monte Dam Engineers
Meanwhile a new lawsuit is filed seeking suspension of the dam’s construction license
Altamira, Brazil: Three engineers employed by Norte Energia, S.A. (NESA), the company building the Belo Monte Dam on Brazil's Xingu River, were detained Tuesday by Juruna and Arara tribal authorities in the remote village of Muratu after the company failed to live up to promised mitigation measures aimed at reducing the dam’s devastating impacts on local communities.
Globo-TV, 26.7.2012 (Video)
Reunião discute liberação de reféns de aldeia Juruna no Pará
Agência Brasil, 25/07/2012
Índios detêm dois engenheiros da Norte Energia
Brasília – A Norte Energia, empresa responsável pela construção e operação da Usina Hidrelétrica de Belo Monte, confirmou à Agência Brasil que dois engenheiros da obra foram detidos por índios das etnias Juruna e Arara na Aldeia Maratu, no Pará. A empresa, no entanto, não entrou em detalhes sobre o ocorrido, alegando que, por ter acontecido no interior da aldeia, a Fundação Nacional do Índio (Funai) é a entidade mais indicada para falar sobre o caso.
Folha, 25.7.2012
Índios exigem captação de água para liberar funcionários de Belo Monte
Os índios afetados pela obra da usina de Belo Monte, no rio Xingu (PA), que mantêm como reféns dois funcionários da empresa responsável pela hidrelétrica, exigem captações de água em suas aldeias para liberá-los.
Agência Brasil, 24/07/2012
Ministério Público Federal pede mais uma vez anulação da licença de Belo Monte
Brasília - O Ministério Público Federal (MPF) pediu mais uma vez à Justiça a anulação da licença de instalação da Hidrelétrica de Belo Monte, no Rio Xingu (PA). Na ação cautelar, os procuradores da República alegam que as ações obrigatórias de prevenção e redução dos impactos socioambientais do projeto não estão sendo cumpridas pela Norte Energia, responsável pela obra.
Xingu Vivo, 24.7.2012
MPF pede anulação da Licença de Belo Monte
Informações do Ibama, da prefeitura de Altamira e de lideranças locais mostram que iniciativas obrigatórias estão há um ano sem sair do papel
O Ministério Público Federal pediu à Justiça a anulação da licença de instalação da hidrelétrica de Belo Monte, no Pará. Segundo procuradores da República, as condicionantes (ações obrigatórias de prevenção e redução dos impactos socioambientais do projeto) não estão sendo cumpridas.
Montag, 23. Juli 2012
Anthropologe Magalhães warnt vor „verheerenden Schäden“ durch Belo Monte
Diözese St. Pölten, 23.7.2012
Anti-“Belo Monte“-Aktivist warnt vor „verheerenden Schäden“
Brasilianischer Anthropologe Magalhães bei der Fastenaktion in St. Pölten
„Der Widerstand gegen das 'Belo Monte'-Staudammprojekt hat in den letzten Monaten enorm zugenommen“, erklärt Antonio Carlos Magalhães, der auf Einladung der Fastenaktion der Diözese St. Pölten in die NÖ-Landeshauptstadt kam. Der brasilianische Anthropologe und Experte für indigische Völker sieht dafür gute Gründe: „Belo Monte“ zerstöre am Xingu-Fluss im Amazonas-Gebiet die Existenz Tausender Menschen und viel bisher unberührte Natur. Werde das Projekt verwirklicht, habe das verheerende Folgen. Er verweist auf eine Studie von 40 Umweltwissenschaftlern, die niederschmetternde Ergebnisse gebracht hätten und sogar bei Technikern des Konstruktionsunternehmens des Staudammes zum Umdenken geführt habe.
Magalhães arbeitet seit Jahren eng mit dem austro-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler zusammen, der „von Anfang vehement gegen das Projekt war“. Dieser werde aufgrund seiner Bekanntheit in der Welt gehört. Der Preis: Aufgrund seines Eintretens für die indigene Bevölkerung wird er bedroht und hat ständig zwei Leibwächter bei sich. Aber auch die Kirche in Brasilien habe zuletzt ihre Stimme erhoben: So gab es in der Bischofskonferenz kürzlich einen Mehrheitsbeschluss gegen „Belo Monte“. Magalhães sieht rund 20.000 Menschen direkt vom Projekt betroffen, wenn es verwirklicht wird. Davon sind Tausende Ureinwohner, die ohne intakte Natur ihre Art zu leben zu verlieren drohen. Würde man die Bogen des Xingu-Fluss begradigen, wäre die Fischzucht oder der traditionelle Maniok-Anbau unmöglich, womit eine Landflucht verbunden sei. Viele würden wohl nicht entschädigt werden.
Kritik an Politik
Der 61-Jährige kritisiert die Politik in dem lateinamerikanischen Land scharf: Am 17. Juli sei das Recht so abgeändert worden, dass Enteignungen bei nationalem Interesse wie dem „Belo Monte“-Projekt leicht möglich sind. Er habe stark auf die Politik von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gesetzt, doch „Lulas“ Regentschaft sei enttäuschend gewesen. So seien die Rechte der indigenen Bevölkerung in den letzten Jahren zurückgestutzt worden, außerdem habe die Regierung für „Belo Monte“ Umweltgesetze außer Kraft gesetzt. Produktion und die Finanzmärkte seien der Regierung jetzt wichtiger. Antonio Carlos Magalhães sieht die Demokratie in seinem Heimatland von Parlamentarieren unterstützt, die auf der Seite der Reichen stünden und verweist auf die grassierende Korruption. Grundsätzlich könne man zu „Belo Monte“ derzeit aber frei seine Meinung sagen.
Die Betroffenen am Xingu-Fluss würden jetzt zahlreiche Aktionen setzen: Neben Demonstrationen wurden Baustellen besetzt und es gibt mehrere Einsprüche bei brasilianischen Gerichten. Hier weist Magalhães wieder darauf hin, dass ein Richter versetzt wurde, der entschied, das Projekt zu stoppen. Er hoffe, dass genug Druck auf die brasilianische Regierung aufgebaut werde und dass das Thema von den Menschen per Medien wahrgenommen werde. Außerdem appelliert er an die österreichische „Andritz AG“ aus dem Projekt „Belo Monte“ auszusteigen.
Infos zur Fastenaktion der Diözese St. Pölten: http://fastenaktion.kirche.at
Kathweb, 23.7.2012
"Belo Monte": Aktivist fordert Ausstieg der Andritz AG
Anti-"Belo Monte"-Aktivist und Bischof Kräutler-Mitstreiter Magalhaes warnt bei Pressegespräch in St. Pölten vor "verheerenden Schäden"
Weiter Gegenwind für die am brasilianischen Mega-Staudamm-Projekt "Belo Monte" beteiligte österreichische Andritz AG: Bei einem Pressegespräch am Montag in St. Pölten hat der brasilianische Anthropologe, "Belo Monte"-Aktivist und Mitstreiter von Bischof Erwin Kräutler, Antonio Carlos Magalhaes vor "verheerenden Schäden" durch das Projekt gewarnt und die Andritz AG zum Ausstieg aufgerufen. Der steirische Anlagenbauer, der die Turbinen für den Staudamm liefern soll, mache sich "mitschuldig an der Zerstörung des Amazonas-Gebietes". Daher appelliere er "im Interesse der indigenen Bevölkerung und dieses einzigartigen Naturjuwels an das österreichische Unternehmen, dass es sich aus dem Projekt zurückzieht", so der Aktivist in St. Pölten.
Anti-“Belo Monte“-Aktivist warnt vor „verheerenden Schäden“
Brasilianischer Anthropologe Magalhães bei der Fastenaktion in St. Pölten
„Der Widerstand gegen das 'Belo Monte'-Staudammprojekt hat in den letzten Monaten enorm zugenommen“, erklärt Antonio Carlos Magalhães, der auf Einladung der Fastenaktion der Diözese St. Pölten in die NÖ-Landeshauptstadt kam. Der brasilianische Anthropologe und Experte für indigische Völker sieht dafür gute Gründe: „Belo Monte“ zerstöre am Xingu-Fluss im Amazonas-Gebiet die Existenz Tausender Menschen und viel bisher unberührte Natur. Werde das Projekt verwirklicht, habe das verheerende Folgen. Er verweist auf eine Studie von 40 Umweltwissenschaftlern, die niederschmetternde Ergebnisse gebracht hätten und sogar bei Technikern des Konstruktionsunternehmens des Staudammes zum Umdenken geführt habe.
Magalhães arbeitet seit Jahren eng mit dem austro-brasilianischen Bischof Erwin Kräutler zusammen, der „von Anfang vehement gegen das Projekt war“. Dieser werde aufgrund seiner Bekanntheit in der Welt gehört. Der Preis: Aufgrund seines Eintretens für die indigene Bevölkerung wird er bedroht und hat ständig zwei Leibwächter bei sich. Aber auch die Kirche in Brasilien habe zuletzt ihre Stimme erhoben: So gab es in der Bischofskonferenz kürzlich einen Mehrheitsbeschluss gegen „Belo Monte“. Magalhães sieht rund 20.000 Menschen direkt vom Projekt betroffen, wenn es verwirklicht wird. Davon sind Tausende Ureinwohner, die ohne intakte Natur ihre Art zu leben zu verlieren drohen. Würde man die Bogen des Xingu-Fluss begradigen, wäre die Fischzucht oder der traditionelle Maniok-Anbau unmöglich, womit eine Landflucht verbunden sei. Viele würden wohl nicht entschädigt werden.
Kritik an Politik
Der 61-Jährige kritisiert die Politik in dem lateinamerikanischen Land scharf: Am 17. Juli sei das Recht so abgeändert worden, dass Enteignungen bei nationalem Interesse wie dem „Belo Monte“-Projekt leicht möglich sind. Er habe stark auf die Politik von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gesetzt, doch „Lulas“ Regentschaft sei enttäuschend gewesen. So seien die Rechte der indigenen Bevölkerung in den letzten Jahren zurückgestutzt worden, außerdem habe die Regierung für „Belo Monte“ Umweltgesetze außer Kraft gesetzt. Produktion und die Finanzmärkte seien der Regierung jetzt wichtiger. Antonio Carlos Magalhães sieht die Demokratie in seinem Heimatland von Parlamentarieren unterstützt, die auf der Seite der Reichen stünden und verweist auf die grassierende Korruption. Grundsätzlich könne man zu „Belo Monte“ derzeit aber frei seine Meinung sagen.
Die Betroffenen am Xingu-Fluss würden jetzt zahlreiche Aktionen setzen: Neben Demonstrationen wurden Baustellen besetzt und es gibt mehrere Einsprüche bei brasilianischen Gerichten. Hier weist Magalhães wieder darauf hin, dass ein Richter versetzt wurde, der entschied, das Projekt zu stoppen. Er hoffe, dass genug Druck auf die brasilianische Regierung aufgebaut werde und dass das Thema von den Menschen per Medien wahrgenommen werde. Außerdem appelliert er an die österreichische „Andritz AG“ aus dem Projekt „Belo Monte“ auszusteigen.
Infos zur Fastenaktion der Diözese St. Pölten: http://fastenaktion.kirche.at
Kathweb, 23.7.2012
"Belo Monte": Aktivist fordert Ausstieg der Andritz AG
Anti-"Belo Monte"-Aktivist und Bischof Kräutler-Mitstreiter Magalhaes warnt bei Pressegespräch in St. Pölten vor "verheerenden Schäden"
Weiter Gegenwind für die am brasilianischen Mega-Staudamm-Projekt "Belo Monte" beteiligte österreichische Andritz AG: Bei einem Pressegespräch am Montag in St. Pölten hat der brasilianische Anthropologe, "Belo Monte"-Aktivist und Mitstreiter von Bischof Erwin Kräutler, Antonio Carlos Magalhaes vor "verheerenden Schäden" durch das Projekt gewarnt und die Andritz AG zum Ausstieg aufgerufen. Der steirische Anlagenbauer, der die Turbinen für den Staudamm liefern soll, mache sich "mitschuldig an der Zerstörung des Amazonas-Gebietes". Daher appelliere er "im Interesse der indigenen Bevölkerung und dieses einzigartigen Naturjuwels an das österreichische Unternehmen, dass es sich aus dem Projekt zurückzieht", so der Aktivist in St. Pölten.
Sonntag, 22. Juli 2012
Generalstaatsanwaltschaft missachtet indigene Rechte, die in der Verfassung garantiert sind
Eine am 17.7. im Amtsblatt veröffentlichete Verordnung der Generalstaatsanwaltschaft (AGU) erlaubt Interventionen der öffentlichen Hand in indigenen Gebieten, ohne die Indigenen oder die Nationale Indigenenstiftung (FUNAI) vorher zu konsultieren.
Laut AGU ist es aufgrund der "nationalen Souveränität" möglich, in demarkierten Schutzgebieten Militärbasen, Straßen und Staudämme zu bauen, "ohne Anhörungen der betroffenen Indigenen oder der FUNAI".
FUNAI kritisierte die von der AGU ausgestellte Verordnung, weil sie gegen die brasilianische Verfassung und gegen internationale Übereinkommen, die auch von Brasilien unterzeichnet wurden, verstößt. Die Rechte der indigenen Völker, vor allem die territorialen Rechte, sind in der Verfassung verankert und können nicht auf diese Weise abgeändert werden.
Folha, 18.7.2012
Portaria da AGU diz que governo pode intervir em área indígena
Portaria da Advocacia-Geral da União publicada ontem no "Diário Oficial da União" prevê que o poder público faça intervenções em terras indígenas sem a necessidade de consultar índios ou a Fundação Nacional do Índio.
Segundo a AGU, em respeito à "soberania nacional", será possível construir bases militares, estradas ou hidrelétricas em áreas demarcadas "independentemente de consulta às comunidades indígenas envolvidas ou à Funai".
Folha, 21/07/2012
Funai critica portaria sobre áreas indígenas
A Funai (Fundação Nacional do Índio) criticou a portaria editada pela Advocacia-Geral da União que libera a intervenção em terras indígenas sem a necessidade de consultar o órgão e os índios.
A medida contraria a Constituição e convenções internacionais aprovadas pelo Brasil.
Em nota, a fundação diz que a portaria "restringe o reconhecimento dos direitos dos povos indígenas, especialmente os direitos territoriais, consagrados pela Constituição".
Laut AGU ist es aufgrund der "nationalen Souveränität" möglich, in demarkierten Schutzgebieten Militärbasen, Straßen und Staudämme zu bauen, "ohne Anhörungen der betroffenen Indigenen oder der FUNAI".
FUNAI kritisierte die von der AGU ausgestellte Verordnung, weil sie gegen die brasilianische Verfassung und gegen internationale Übereinkommen, die auch von Brasilien unterzeichnet wurden, verstößt. Die Rechte der indigenen Völker, vor allem die territorialen Rechte, sind in der Verfassung verankert und können nicht auf diese Weise abgeändert werden.
Folha, 18.7.2012
Portaria da AGU diz que governo pode intervir em área indígena
Portaria da Advocacia-Geral da União publicada ontem no "Diário Oficial da União" prevê que o poder público faça intervenções em terras indígenas sem a necessidade de consultar índios ou a Fundação Nacional do Índio.
Segundo a AGU, em respeito à "soberania nacional", será possível construir bases militares, estradas ou hidrelétricas em áreas demarcadas "independentemente de consulta às comunidades indígenas envolvidas ou à Funai".
Folha, 21/07/2012
Funai critica portaria sobre áreas indígenas
A Funai (Fundação Nacional do Índio) criticou a portaria editada pela Advocacia-Geral da União que libera a intervenção em terras indígenas sem a necessidade de consultar o órgão e os índios.
A medida contraria a Constituição e convenções internacionais aprovadas pelo Brasil.
Em nota, a fundação diz que a portaria "restringe o reconhecimento dos direitos dos povos indígenas, especialmente os direitos territoriais, consagrados pela Constituição".
Mittwoch, 18. Juli 2012
Brasilien-Ausstellung im Wiener Museum für Völkerkunde
| Johann Natterer |
Ö1-Kultur, 16.7.2012
Jenseits von Brasilien
Ausstellung im Museum für Völkerkunde
Das Wiener Museum für Völkerkunde hat in seinen Depots unwahrscheinliche Schätze liegen, die leider viel zu selten der Öffentlichkeit präsentiert werden können. Jüngstes Beispiel: die Ausstellung "Jenseits von Brasilien - auf den Spuren von Johann Natterer durch Raum und Zeit".
Johann Natterer war Mitglied einer Expedition, die 1817, anlässlich der bevorstehenden Vermählung der Erzherzogin Leopoldine mit dem portugiesischen Thronfolger Dom Pedro, nach Brasilien entsandt wurde. Der portugiesische Hof hatte sich 1807 vor den Napoleonischen Truppen in Rio de Janeiro in Sicherheit gebracht, seitdem öffnete sich das Land, das 1822 unabhängig werden sollte. Erzherzogin Leopoldine war übrigens eine glühende Befürworterin der Unabhängigkeit der portugiesischen Kolonie.
Ausgehend von dieser Expedition des österreichischen Kaisers beschäftigt sich die Ausstellung im Museum für Völkerkunde mit der Kultur indianischer Stämme im Gebiet Brasiliens und angrenzender Staaten wie Venezuela und Kolumbien, beleuchtet aber auch die Beziehung zwischen der autochtonen Bevölkerung und den Kolonialherren.
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