Donnerstag, 30. April 2015

Bischof Kräutler berichtet über Belo Monte und Priestermangel

ORF.at, 30.4.2014
Bischof Kräutler über Kampf gegen Kraftwerk

Seit mittlerweile 50 Jahren arbeitet Bischof Erwin Kräutler als Seelsorger in der Amazonasprovinz Xingu in Brasilien. Im Bildungshaus Batschuns in Zwischenwasser hat Dom Erwin am Mittwoch (29.4.) Rückschau auf den Kampf gegen das Wasserkraftwerk Belo Monte gehalten, aber auch in die Zukunft geblickt.

Fast genauso lange, wie er Bischof in Brasilien ist, kämpft der gebürtige Koblacher auch schon gegen den Bau des Wasserkraftwerkes Belo Monte. Dieser Kampf scheint nun aber verloren, das Kraftwerk soll noch heuer in Betrieb gehen.

Durch das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt verlieren 50.000 Indigene ihre Lebensgrundlage - für 1.000 von ihnen wurden billige Fertighäuser hingestellt, andere erhalten eine Abfertigung. Kräutler sagt, er erwarte sich eine klare Positionierung vom Papst.

Doch das kirchliche Leben blüht in Xingu. Das Problem: Für rund 700.000 Menschen gibt es nur 31 Priester. Die Antwort im Norden Brasiliens sind christliche Basisgemeinden, in denen Laien - überwiegend Frauen - Verantwortung für das kirchliche Leben übernehmen. Sie feiern Gottesdienste. Die Eucharistie, die Wandlung, dürfen sie nicht zelebrieren. Hier fordert Kräutler ein Umdenken - unterstützt von einigen Besuchern in Batschuns.

Angesichts des Priestermangels sagte Kräutler in Zwischenwasser: Mann soll nicht die Eucharistiefeier von einem zölibatären Priester abhängig machen. Ich hoffe, dass Papst Franziskus den Mut hat, einen neuen Weg zu gehen."

VOL.at, 30. April 2015
50 Jahre Xingu – Bischof Kräutler zu Besuch im Bildungshaus Batschuns
Batschuns (ver) Seit fünf Jahrzehnten lebt der gebürtige Koblacher Bischof Erwin Kräutler in Brasilien am Xingu. 33 Jahre ist er dort Bischof. Ende April war Bischof Kräutler Gastreferent im Bildungshaus Batschuns.

Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Alternativ-Friedensnobelpreisträger Erwin Kräutler mit den Erzählungen aus seiner neuen Heimat begann. Er ließ an diesem Abend die Besucher an seinen wechselvollen Erfahrungen teilhaben und berichtete, wie sich ein lebendiges Christsein im Wandel der Zeit entwickeln kann. Große Veränderungen habe er erlebt in dieser Zeit – sowohl politisch als auch kirchlich. Mit dem Aufbau der Basisgemeinden in seiner Diözese entstand eine neue Art Kirche. „Die Kirche lebt bei uns in Brasilien und am Xingu durch das persönliche Engagement der Indios. Die Menschen fühlen sich verantwortlich für ihre Basisgemeinde, “ informierte Bischof Kräutler.

Religiöser Wandel
Dass sich auch in der Mission in den vergangenen 50 Jahren viel verändert hat, davon ist Bischof Kräutler überzeugt. Heimat bedeute für ihn: Liebe, Zuneigung, Vertrauen aber auch Abschied nehmen. In seinem Herzen sei der inzwischen 76 – jährige Bischof, der jedes Jahr für ein paar Wochen seinen Geburtsort und das Ländle besucht, immer noch sehr mit seiner früheren Heimat verbunden. Als er vor 50 Jahren nach Alta Mira kam, lebten in dieser Stadt gerade einmal 4000 Einwohner. Heute umfasst die Einwohnerzahl rund 150 000 Menschen. Für alle Basisgemeinden seines großen Bistums seien nur 31 Priester im Einsatz, so Kräutler. Eine Pfarre umfasse in Summe bis zu 80 Gemeinden. „Unsere Aufgabe ist es, die Liebe Gottes zu verkünden und mitzuteilen. Wir leben gemeinsam mit den Indios und treten in Dialog mit der Bevölkerung, “ betont Bischof Kräutler in seinem Vortrag. Er selber sehe sich als Brücke zwischen Weltkirche und seiner Heimat Vorarlberg. Die Priester sollten auch bei uns nicht nur für Katholiken da sein und mit allen Menschen in Dialog treten – keinesfalls Mauern um sich herum bauen. Wichtig sei es, dass sich die Priester als „Hirten“ mitten unter die „Schafe“ mischen und den Geruch der Schafe annehmen. Das mache er schon seit 50 Jahren.

Armut ist kein Schicksal
Weiters betonte Kräutler, dass jeder Mensch ein Recht auf Ausbildung, Erziehung und Gesundheit habe. Der größte Erfolg im Jahre 1988 sei gewesen, dass die Rechte der Indios in die Verfassung aufgenommen wurden. Jeder Mensch darf seither seine eigene Identität behalten. Bischof Kräutler wünscht sich eine „Neuauflage“ der Kirche für die Armen. Besonders beeindruckt zeigte sich der Referent von seinem Besuch bei Papst Franziskus im April 2014. „Unser Papst wünscht sich in Zukunft Bischöfe, die mehr Mut und Zivilcourage zeigen“, erzählt Kräutler. Für den Vortrag des brasilianischen Bischofs interessierten sich neben Primar Reinhard Haller auch Landesrätin Bernadette Mennel, Eva Fitz (Selbstbesteuerungsgruppe), Caroline Artner, Reinhard und Carmen Nachbauer, Willi Hagleitner sowie Christoph Steininger und Ada. Neben vielen anderen ließen sich auch Brigitte und Harald Mark, Josef und Ursula Kräutler sowie Josef und Martha Fritsche von den Geschichten am Xingu fesseln und erfuhren viele Details über die konfliktgeladene Realität Amazoniens und den Weg durch die vielfältigen Herausforderungen des Lebens und beteiligten sich an der anschließenden Diskussion.

Freitag, 24. April 2015

CNBB: Bischof Kräutler berichtet über Entrechtung der Indigenen

Radio Vatikan, 23/04/2015
Brasilien: Bischöfe gegen die Entrechtung der Indigenen
Brasiliens Kirche wehrt sich gegen eine weitere Entrechtung der indigenen Völker. Bei der Vollversammlung der Bischofskonferenz des Landes im Wallfahrtsort Aparecida trug der Vorsitzende des Bischofsrates für indigene Völker, Bischof Erwin Kräutler, einen Bericht zur Lage vor. Der aus Österreich stammende Kräutler lebt seit Jahrzehnten in einem von vielen Indigenen bevölkerten Bistum, in Xingu. „Die indigenen Völker sind bedroht, weil die Regierung einen anti-indigenen Kurs eingeschlagen hat“, so Bischof Kräutler gegenüber Radio Vatikan. „Die Regierung ist praktisch in der Geiselhaft des Agro-Business. Wir verteidigen das Recht der Indigenen auf ihr angestammtes Land, das auch in der Verfassung verankert ist, in Artikel 231. Die Vertreter des Agro-Business im Kongress wollen nun, dass dieser Verfassungsartikel geändert wird.“

Hinter dem Agro-Business verbergen sich die großen Landbesitzer, meistens in wirtschaftlicher Beziehung zu den internationalen Konzernen auf dem Gebiet von Ernährung und Landwirtschaft. Nicht mehr die Regierung solle bestimmen, welche Gebiete unter den Schutz dieses Verfassungsartikels fallen, sondern ein Entschluss des Parlaments, also des Kongresses, soll das ersetzen: So lautet das Gesetzgebungsvorhaben, gegen das sich die Bischöfe des Landes wenden. „Da wissen wir von vornherein, dass jede Abstimmung im Kongress gegen die indigenen Völker ausfällt, weil das Agrobusiness im Kongress so vertreten ist, dass es praktisch die Oberhand hat.“

Der sogenannte Indianermissionsrat, kurz CIMI, war eine Reaktion der Bischöfe auf die Einsicht, dass sie im Alleingang die Herausforderungen für die indigenen Völker nicht in den Griff bekommen, so Bischof Kräutler. Er besteht seit 1972, und schon damals sei es die Aufgabe des Rates gewesen, die Rechte der Indigenen zu verteidigen. „Es ging darum, die indigenen Völker in ihrer Kultur und in ihrem physischen Überleben zu verteidigen!“

Adveniat, 7. Mai 2015
Brasilianische Regierung als Geisel der Agrarlobby
Erwin Kräutler, Adveniat-Projektpartner und Präsident des brasilianischen Indigenenmissionsrates CIMI, hat ernste Zweifel daran geäußert, dass Brasiliens Regierung sich für die Interessen der indigenen Völker einsetzt. Auf der 53. Vollversammlung der Brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB) stellte Kräutler ein Dokument vor, das die Nächlässigkeit von Exekutive, Legislative und Judikative anhand von Beispielen belegt.

Bezüglich der territorialen Rechte der Indigenen erlebe Brasilien eine der schlimmsten Phasen seit Verabschiedung der demokratischen Verfassung im Jahr 1988, so heißt es in Kräutlers Verlautbarung. Die in Brasilien lebenden 305 indigenen Völker würden wie Fremde behandelt, die sich unrechtmäßig Land aneigneten.

Die im Kongress debattierten Verfassungsänderungen seien im Interesse der brasilianischen Agrarlobby. Der Bevölkerung würden sie aber als im allgemeinen und nationalen Interesse stehend verkauft. In Wirklichkeit seien Unternehmen die Nutznießer - aus der Bergbau- und der Baubranche, der Agroindustrie, sowie Wasserenergieproduzenten.

Indigenenbehörde FUNAI auf Sparflamme

Die Regierung habe sich von der brasilianischen Agrarlobby in Geiselhaft nehmen lassen. Die Justiz stelle sich in zunehmendem Maße quer gegen die Demarkierung indigenen Landes. Es werde der Eindruck vermittelt, als hätten die Demarkierungen ein nicht hinnehmbares Ausmaß angenommen, und dass die Besitzinteressen Dritter gesichert werden müssten. Tatsache ist laut Bischof Kräutler jedoch die systematische Verzögerung von Demarkierungen, während die Indigenen tagtäglich Verfolgung und Gewalt erlitten.

Brasiliens Regierung verweigere den indigenen Anführern den Dialog. Zugleich werde die Indigenenbehörde FUNAI personell und finanziell immer mehr ausgedünnt. CIMI-Präsident Kräutler bezichtigt in dem Dokument Teile der Regierung, eine Kampagne gegen FUNAI zu fahren.

In der ersten Amtszeit von Präsidentin Dilma Rousseff wurde so wenig indigenes Land demarkiert wie nie zuvor nach Ende der Militärdiktatur 1985. Im gesamten Jahr 2013 gab es sogar nur eine einzige Demarkierung.



CIMI, 22/04/2015
"O lampejo indigenista na Constituição está a ponto de perder o brilho", diz Dom Erwin Kräutler na Assembleia da CNBB

Dom Erwin Kräutler, bispo do Xingu (PA) e presidente do Conselho Indigenista Missionário (Cimi), se pronunciou sobre a questão indígena na manhã desta quarta-feira, 22, durante a 53ª Assembleia Geral da Conferência Nacional dos Bispos do Brasil (CNBB), em Aparecida do Norte (SP). “Tomo mais uma vez a liberdade de descrever o avanço da dura e conflitiva realidade dos povos indígenas no Brasil. Faço-o no intuito de não apenas relatar atos e omissões, dados e números, mas sim de tocar o coração dos pastores e de todos os homens e mulheres da nossa Igreja”, disse Dom Erwin na abertura de sua intervenção dias depois do Acampamento Terra Livre (ATL) 2015, parte das ações permanentes da Mobilização Nacional Indígena.

Diante de uma conjuntura adversa aos povos indígenas, com ataques partindo dos poderes Executivo, Legislativo e Judiciário, lembrando das últimas decisões da 2ª Turma do Supremo Tribunal Federal (STF), que anula demarcações e autoriza reintegrações de posse em terras tradicionais homologadas, Dom Erwin fez uma fala contundente, olhando para o presente. “Não relato fatos do passado, mas acontecimentos que ocorrem nestes dias. Tento mostrar o calvário de 305 povos indígenas tratados como estrangeiros em seu próprio país e acusados até de usurpadores de suas terras tradicionais ou então de invasores de propriedades produtivas”, denunciou o bispo.


Instituto Humanitas Unisinos - IHU, 22.4.2015
Dom Erwin Kräutler denuncia campanha anti-indígena do Estado brasileiro

A luta de dom Erwin Kräutler (foto) para defender os povos indígenas é uma constante na sua vida como missionário na prelazia do Xingu durante 50 anos, os últimos 35 como bispo. Presidente do CIMI (Conselho Indigenista Missionário) durante 16 anos, sua voz profética ressoou em todos os rincões deste imenso país chamado Brasil e daí foi lançada para todo o mundo.


CNBB, 22 Abril 2015
Dom Erwin Kräutler apresenta realidade dos povos indígenas
O bispo do Xingu (PA) e presidente do Conselho Indígena Missionário (Cimi), dom Erwin Krautler, apresentou aos bispos, reunidos na 53ª Assembleia Geral, a situação atual dos povos indígenas e quilombolas. O texto é longo e traz, com linguagem clara, os grandes e graves problemas que ameaçam a vida dos povos indígenas. A exposição foi a última que dom Krautler fez a uma assembleia da Conferência uma vez que termina, no próximo setembro de 2015, seu quarto mandato no Cimi.


CNBB, 16.4.2015
Em entrevista coletiva, bispos falam sobre laicato, questão indígena e atual conjuntura

“Paixão é o que move”, respondeu dom Erwin Kräutler ao ser apresentado por dom Dimas como um bispo que mesmo vivendo sob ameaça de morte em decorrência de seu trabalho, não perde a paixão pelo que faz.

Dom Erwin falou à imprensa que até pouco tempo atrás o Xingu era sinônimo de presença indígena, mas “de um tempo pra cá o Xingu remete à usina de Belo Monte, hidrelétricas e até lava-jato”.

O bispo lembrou que, na época da Assembleia Constituinte, à frente do Cimi, esteve aliado aos índios na luta e conquista por direitos, que encheram o país de orgulho. Entretanto, dom Erwin ressalta que os direitos não são cumpridos.

“O tempo passa e apesar do prazo para a demarcação das terras indígenas terem expirado em 1993, permanecemos até hoje sem que tenha sido efetivamente feito. Deixar as terras indígenas sem demarcação é deixar escancaradas as portas para a exploração, qualquer ocupação. A grande parte das violências contra povos indígenas estão de certa maneira ligadas aos conflitos de terra”, disse. De acordo com o bispo do Xingu, a paralisação das demarcações de terras indígenas está ligada aos interesses do agronegócio, que cada vez conquista mais representantes no congresso.

“Eu me pergunto sobre o que é defender o interesse nacional. Interesse de quem, da nação ou de alguns? Eu acho que estão defendendo o interesse de alguns em detrimento dos mais fracos, dos povos que vivem lá, indígenas, quilombolas, ribeirinhos, não fomos perguntados. Inclusive, a situação é inconstitucional, uma vez que as decisões interessadas à região são tomadas pelo Congresso, em Brasília, quando os povos indígenas deveriam ser consultados no que diz respeito às suas áreas”, defendeu dom Erwin.

Fotos da coletiva de imprensa

Donnerstag, 23. April 2015

Ehemaliger Petrobras-Direktor Costa wegen Korruption verurteilt


ORF.at, 22.4.2015
Ehemaliger Petrobras-Direktor wegen Korruption verurteilt
Ein ehemaliger Einkaufsdirektor des brasilianischen Ölkonzerns Petrobras ist wegen Veruntreuung und Geldwäsche zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Paulo Costa erhielt gestern ein reduziertes Strafmaß, weil er sich bereiterklärt hatte, als Zeuge in dem milliardenschweren Korruptionsskandal auszusagen.

Costa und weitere fünf Angeklagte wurden schuldig befunden, bei dem Bau einer Raffinerie in Pernambuco einen unberechtigten Kostenanstieg von anfänglich 2,5 Milliarden Reais (750 Mio. Euro) auf über 20 Milliarden Reais (sechs Mrd. Euro) zur eigenen Bereicherung organisiert zu haben.

Der staatlich kontrollierte Konzern soll zwischen 2004 und 2012 illegal auch Gelder an prominente Politiker der Regierungskoalition abgegeben haben. Drei ehemalige Abgeordnete sowie der Schatzmeister der Arbeiterpartei (PT) der Staatschefin Dilma Rousseff befinden sich aufgrund der Aussagen Costas in Haft.


Deutsche Welle, 23.4.2015
Korruption kommt Petrobras teuer zu stehen
Brasiliens größter Konzern Petrobras ist tief in die roten Zahlen gerutscht. Ein Teil der Verluste ist direkte Folge des Korruptionsskandals, der auch Brasiliens Präsidentin Rousseff bedroht.

Wirtschaftsblatt, 23.4.2015
Petrobras schreibt Milliardenverlust wegen Korruptionsskandal
Der brasilianische Ölkonzern Petrobras, der seit Monaten im Fadenkreuz von Staatsanwaltschaft und Polizei steht, steckt tief in den roten Zahlen.


G1.Globo.com,22.4.2015
Justiça condena Costa por lavagem de dinheiro na refinaria Abreu e Lima
Youssef também foi condenado por várias práticas de lavagem de dinheiro.
Além deles, outros seis devem pagar R$ 18 mi em indenização à Petrobras.

Montag, 20. April 2015

Sonntag, 19. April 2015

Brasilien: Camargo-Correa-Chef gibt Schmiergeldzahlungen zu


Der Standard, 19.4.2015
Brasilianischer Baukonzern gibt Schmiergeldzahlungen an Petrobras zu
Korruptionsaffäre um Ölkonzern setzt auch Regierung unter Druck

Sao Paulo - In der Korruptionsaffäre um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras hat ein Baukonzern laut Medienberichten Schmiergeldzahlungen im Umfang von mehr als 36 Millionen Dollar (rund 33 Millionen Euro) an das Energieunternehmen gestanden. Eduardo Leite, früherer Vizechef des Konzerns Camargo Correa, gab die Zahlungen am Samstag gegenüber der Staatsanwaltschaft zu, wie brasilianische Medien berichteten.

Sie flossen demnach in den Jahren 2007 bis 2012. Leite beschrieb es den Berichten zufolge als "sehr einfach", Verträge über Bauprojekte mit Petrobras mit Hilfe der Schmiergelder so zu gestalten, dass sich um bis zu 20 Prozent höhere Kosten ansetzen ließen. Leite und Camargo-Correa-Chef Dalton Avancini hatten von November bis März bereits in Untersuchungshaft gesessen, bevor sie sich zur Zusammenarbeit mit der Justiz bereit erklärten, um möglicherweise niedrigere Strafen zu erwirken.
Schatzmeister in U-Haft

Rund zwei Dutzend Firmen, zumeist große Baukonzerne, sollen an Petrobras Schmiergeld gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu kommen. Der Ölkonzern soll zudem Auftragssummen durch illegale Aufschläge aufgebläht haben. Die dadurch erzielten Mehreinnahmen sollen an andere Unternehmen weitergeleitet worden sein. Nachdem das Geld auf diese Weise gewaschen wurde, wurde es nach Angaben der Ermittler als Bestechungsgeld im politischen Bereich Politik ausgezahlt.

Einem ehemaligen Petrobras-Manager zufolge erhielt die Arbeiterpartei bis zu 200 Millionen Dollar an Schmiergeldern von dem Staatskonzern. Ihr Schatzmeister Joao Vaccari sitzt seit der vergangenen Woche in Untersuchungshaft. Insgesamt geht es in der Affäre um rund vier Milliarden Dollar. Die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff selbst saß dem Petrobras-Aufsichtsrat in den Jahren 2003 bis 2010 vor. Sie betont aber, keine Kenntnis von den Vorgängen gehabt zu haben.

ORF.at, 16.4.2015
Hunderte schwarze Konten als „Filter“
In Brasilien zieht der Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Erdölkonzern Petrobras immer weitere Kreise. Neuestes Kapitel: Ein hochrangiger Politiker der regierenden Arbeiterpartei (PT) sitzt wegen Bestechungsverdachts in Haft. Präsidentin Dilma Roussefs Versprechen, den Korruptionssumpf trockenzulegen, schenkt man offenbar keinen Glauben. Immer wieder gehen Hunderttausende auf die Straße.

Donnerstag, 16. April 2015

Vatikan: Konferenz zum Klimawandel

Radio Vatikan, 15.04.2015
Vatikan: Konferenz zum Klimawandel
UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon wird zu einer Konferenz am 28. April in den Vatikan kommen. Dort wird er unter anderem neben dem US-Wirtschaftswissenschaftler Jeffrey Sachs und Kardinal Peter Turkson auf einer Konferenz zum Thema „Protect the Earth, Dignify Humanity“ sprechen. Die Konferenz wurde auf den Seiten der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, der Sozialwissenschaften und der „End Slavery“-Initiative des Vatikan angekündigt. Im Fokus der Konferenz steht die moralische Dimension des Klimaschutzes in Erwartung der päpstlichen Enzyklika zum Thema Umwelt.


Montag, 13. April 2015

Altamira: Proteste gegen Räumungen in Überflutungsgebieten



Norte Energie hat bereits mit der Räumung der Niederungen und Überflutungsgebiete in Altamira begonnen, ohne dass mit allen Bewohnern über Umsiedlung oder Entschädigung verhandelt worden wäre.  Die Hütten und Pfahlbauten würden mit Baggern zerstört werden.
Viele Bewohner sind entschlossen, nicht wegzugehen. Es gibt auch unzählige laufende Gerichtserfahren in dieser Angelegenheit.
Um die Räumungsarbeiten zu behindern, wurden aus Protest Barrikaden errichtet.


Xingu Vivo, 11 de abril de 2015
Norte Energia atinge casas sem indenizar famílias em Altamira

Desde a última quinta feira (9), cerca de 40 famílias que moram na região mais baixa de Altamira (os chamados baixões, entrecortados por vários igarapés e sujeitos a alagamentos) iniciaram um protesto contra obras na área que devem destruir suas casas sem que tenha sido garantido qualquer tipo de indenização. No local, a Norte Energia, responsável pela construção de Belo Monte, pretende aterrar os igarapés e construir uma ponte. Com diversos materiais, os moradores fecharam as vias de acesso e adotaram a tática do “empate” (impedimento de ações de máquinas) contra as obras .

De acordo com as famílias, das quais várias moram de aluguel ou com parentes, a Norte Energia tem se negado a negociar indenizações e alega que devem procurar programas como o Minha casa Minha Vida. Vários processos de moradores já foram encaminhados pelas vítimas à Defensoria Publica da União.

O grupo, liderado majoritariamente por mulheres e apoiado pelo Movimento Xingu Vivo, afirma que não sairá do local nem permitirá a demolição de suas casas até que tenham garantido o direito a novas moradias.

“Eles entraram aqui e começaram a aterrar, as casas começaram a rachar, jogaram terra sobre a casa de um senhor, tudo isso sem nenhum tipo de negociação com as famílias”, explica Maria de Fatima, uma das moradoras do Baixão do Tufi. “Nas reuniões anteriores a empresa garantiu que todos os moradores teriam direito a novas casas. Aqui tem até três famílias morando em uma casa, e nos deram um documento garantindo que todos receberiam indenização. Agora vem essa mulher, Flavia, que diz que fala em nome da empresa, dizendo que não reconhece documento nenhum, que ninguém tem direito a nada”.

250 neue Wasserkraftwerke bringen Amazonien in Gefahr


ORF, 13.04.2015
Kritik an geplanten 250 Wasserkraftwerken im Amazonas
Schon bisher war der Regenwald in Südamerika durch illegale Abholzung, die Umwandlung von Regenwald in Weideland und gigantische Sojaplantagen gefährdet.

Nun droht ihm eine neue Gefahr: 250 neue Wasserkraftwerke sollen in der Region gebaut werden. Wenn diese verwirklicht werden, bleiben nur noch drei frei fließende Zubringerflüsse des Amazonas übrig, warnt ein Bericht der Umweltschutzorganisation WWF.

Die Bauvorhaben gefährden laut WWF nicht nur das gesamte Flusssystem mit seiner immensen Bedeutung für die Bewohner der Region, sondern auch die wichtige Funktion des Amazonas-Regenwaldes für das Weltklima.

„Wasserkraft ist zwar wichtig für die nachhaltige Entwicklung der Region und sie ist besser als fossile Brennstoffe oder Atomenergie. Es braucht aber eine integrierte Planung für das gesamte Amazonas-Einzugsgebiet“, warnte Claudio Maretti, Leiter des Amazonas-Programms des WWF.

Ein solcher Ansatz müsse sicherstellen, dass die Funktion und Leistungsfähigkeit des Ökosystems erhalten bleibt und eine Fragmentierung verhindert wird. Ebenso müssten die Rechte der indigenen Völker und der lokalen Gemeinden gewahrt bleiben. Im Amazonas-Gebiet leben mehr als 30 Millionen Menschen, darunter mehr als zwei Millionen Indigene.


Wiener Zeitung, 11.3.2015
Der Regenwald am Amazonas steht laut WWF auf der Kippe
Brasilia. (ski) Dem Regenwald im Amazonas droht höchste Gefahr: Nach rund zehn Jahren brasilianischer Umweltpolitik, in denen die Entwaldung verringert wurde, befürchtet die Umweltorganisation WWF nun eine radikale Kehrtwende. Laut WWF haben sich im brasilianischen Parlament die Anhänger der Agrar-, Bergbau- und Energieindustrie formiert. Eine geplante Verfassungsänderung namens PEC 215 (Proposta de Emenda a Constituição) und ein neues Bergbau-Gesetz sollen die Aufhebung staatlicher und indigener Schutzgebiete zulassen, wenn es kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen dient, aber de facto keine neuen Schutzgebiete ermöglichen. "Sollten die Lobbygruppen Erfolg haben, steht ein großer Teil des Amazonas vor der Vernichtung", warnt Roberto Maldonado, Amazonasexperte beim WWF.

Dabei konnte zwischen 2004 und 2014 die Abholzung im brasilianischen Teil des größten Regenwaldgebiets der Erde um fast 80 Prozent gesenkt werden, so die WWF-Studie. "Kein anderes Land mit Tropenwäldern kann einen solchen Erfolg vorweisen", so Maldonado. In nur einer Dekade hat das Land Schutzgebiete von 600.000 Quadratkilometern geschaffen. Durch die Verringerung der Abholzung konnte Brasilien auch die Treibhausgasemissionen senken.

Jahrhundertdürre
Der WWF betont die Gefahren, die mit der Abholzung des Regenwaldes für den Menschen einhergehen. Die aktuell im Großraum São Paulo herrschende Jahrhundertdürre mache deutlich, dass sowohl die Energiewirtschaft mit ihren Wasserkraftwerken als auch die Landwirtschaft von intakten Wäldern abhängig sind. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen sei die Trockenheit vor allem auf die Zerstörung des Amazonas zurückzuführen. Statt Entwaldung wäre eine groß angelegte Aufforstung nötig, ansonsten drohe sich die Region langfristig in eine unfruchtbare Steppe zu verwandeln.

Montag, 6. April 2015

Abgründe des Zuckerrohranbaus in Brasilien

Frankfurter Allgemeine, 1.4.2015
Zuckerrohranbau in Brasilien: Die dunkle Seite des Zuckers
Multimedia-Reportage über die Abgründe des Zuckerrohranbaus in Brasilien

Die Nacht war eine Mischung aus Angst und Schweiß. Maria Francisca de Lima schreckte hoch, als sie das Knistern der Flammen hörte. Beißender Rauch stieg ihr in Augen, Nase und Kehle. Die brennen das Zuckerrohr ab, dachte sie sofort. Sie konnte die Hitze durch die Ritzen ihres Hauses spüren. Ihr zweiter Gedanke: Aber so nah? Mit ihren Kindern und ihrem Mann rannte Maria Francisca nach draußen. Würde ihre kleine Farm Feuer fangen, hätten sie keine Chance.

Brasilien ist der weltweit größte Zuckerproduzent und -exporteur sowie der zweitwichtigste Ethanol-Hersteller. Auch in Europa landen immer mehr Zucker und Agrarsprit aus Brasilien. Trotz aller Beteuerungen von Nachhaltigkeit leiden Menschen und Umwelt vor Ort, wie die Situation im Bundesstaat Pernambuco zeigt.

Freitag, 3. April 2015

Belo Monte: Umgesiedelte warten seit Jahren auf Entschädigung

Katholische Presseagentur Österreich, 02.04.2015
Belo Monte: Umgesiedelte warten seit Jahren auf Entschädigung
Umweltschützer und in der Region lebende Indigene kämpfen gegen das Mega-Projekt, darunter Bischof Kräutler und der von ihm geleitete Indigenen-Missionsrat CIMI

Brasilia, 02.04.2015 (KAP/KNA) Mehr als 500 vom Bau des umstrittenen Staudamms Belo Monte im brasilianischen Amazonas-Urwald betroffene Familien haben rechtliche Schritte gegen das Baukonsortium Norte Energia eingeleitet. Das berichteten örtliche Medien am Mittwoch. Die umgesiedelten Familien, die unter anderem vom kirchlichen Rat CIMI des austrobrasilianischen Bischofs Erwin Kräutler juristisch und karitativ unterstützt werden, warten seit Jahren auf eine Entschädigung für ihre Häuser, die durch die Aufstauung des Xingu-Flusses überflutet werden. Das umstrittene Mega-Projekt, gegen das Indigene und Umweltschützer seit Jahren kämpfen, ist derzeit zudem mit Schmiergeldvorwürfen konfrontiert.

"Standard ist, dass alle Personen, die ihre Häuser räumen mussten, eine neue Wohnung erhalten sollen", zitieren Medien den Staatsanwalt Francisco Nobrega, Mitglied einer Gruppe von Justizbeamten, die sich derzeit in der von den Überflutungen betroffenen Stadt Altamira aufhalten. Die Betroffenen könnten sich alternativ auch mit einer Entschädigungssumme für ihre Häuser auszahlen lassen. Allerdings akzeptiere das Baukonsortium nicht alle von den Bürgern vorgebrachten Entschädigungsansprüche, so Nobrega. Aktuell gebe es zudem zahlreiche Beschwerden über zu kleine und in mangelhaftem Zustand übergebene Ersatzwohnungen sowie zu niedrig angesetzte Entschädigungszahlungen. Die Justizbeamten sollen bis Ende April in Altamira bleiben, um die noch offenen Fälle zu lösen. Insgesamt hat Norte Energia den Angaben zufolge rund 5.200 Familien als betroffen anerkannt, die Ansprüche vieler weiterer jedoch abgelehnt.

Das Belo Monte Projekt ist derzeit zudem wegen Schmiergeldzahlungen in den Schlagzeilen. So sollen die am Bau beteiligten Firmen Schmiergelder in Millionenhöhe für die Aufträge gezahlt haben. Noch ist unklar, wer die Empfänger der Zahlungen waren. Der Staudamm soll Anfang kommenden Jahres mit der Stromerzeugung beginnen. Mit seiner maximalen Kapazität von 11.200 Megawatt wäre Belo Monte das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt. Derzeit liegen die Baukosten bei mehr als zehn Milliarden Euro.

Seit Jahren kämpfen Umweltschützer und in der Region lebende Indigene gegen das Mega-Projekt, darunter der Indigenen-Missionsrat (Conselho Indigenista Missionario/CIMI) der Brasilianischen Bischofskonferenz, der von Bischof Kräutler geleitet wird. Von der Aufstauung des Xingu sind zahlreiche betroffen, deren Bewohner umgesiedelt werden müssen.

Bisher habe das Baukonsortium nicht alle den Flussbewohnern gemachten Versprechungen sowie an das Projekt geknüpfte soziale Ausgleichszahlungen erfüllt, so die lokale Justiz. Zudem soll das Baukonsortium nicht alle Umweltauflagen erfüllt haben.