Donnerstag, 25. Februar 2016

Belo Monte zu R$ 8 Millionen-Strafe wegen Fischsterben verurteilt

Curimata-Fischsterben am Xingu wegen Flutung von Belo Monte
Fischer und Indigene von Altamira denunzierten ein großes Fischsterben im Umkreis der Staumauern für das Kraftwerk Belo Monte. Die Indios blockierten in einer Protestaktion die Zufahrt zum Staudamm Pimentel. Norte Energie teilte mit, dass die Ursachen bei der Beschaufelung der Turbinen zu suchen seien, in die die Fische geraten.
Der Präsident der Fischervereinigung von Altamira beklagte, dass durch den Bau des Kraftwerks sukzessive die Fische in Mitleidenschaft gebracht wurden und starben, durch Sprengungen, Verschmutzungen des Wassers oder Lärm. Es gäbe nur mehr wenige Fische. Das momentane massenweise Fischsterben betreffe hauptsächlich den Curimata-Fisch, der sich im Abbleichen befindet und deshalb wandert. Wenn die Vermehrung der Fische derart beeinträchtigt wird, müssten sie aussterben.
Das Brasilianische Umweltinstitut IBAMA bestätigte, dass während der Flutung des Wasserreservoirs in den letzten vier Monaten mehr als 16 Tonnen Fische im Umkreis von Belo Monte verendet sind. Bereits am 1. Februar hätte Norte Energie zwei Geldstrafen für Umweltvergehen bekommen, eine in der Höhe von R$ 7,5 Mio für das Fischsterben entlang der großen Schleife des Xingu, und eine über R$ 500.000 für teilweise falsche Angaben bezüglich der Erhebungen und Rettung der Fischfaune im Zug der Umweltverträglichkeitsprüfungen.
Aufgrund der Anzeigen dieses Fischsterbens werden seitens IBAMA Ermittlungen eingeleitet, die eventuell zu weiteren Strafmaßnahmen führen.


Links zu "Fischsterben und Kraftwerke":

Orf.at, 9.10.2015
Tausende Fische in Möll verendet
Bei der Spülung des Verbund-Kraftwerks Rottau im Mölltal ist eine Schlammlawine losgelöst worden. Tausende Fische und Kleinlebewesen verendeten in der Möll. Nun wird die Ursache für die Umweltkatastrophe gesucht.

Der Standard, 24.8.2015
"Fischbestand bedroht": Stauraumspülungen in Kraftwerken kritisiert
"Stauraumspülungen schädigen Ökosystem" - Verbund beruhigt: Keine Studien bekannt

Kleine Zeitung, 21.9.2014
Heftiger Streit nach massivem Fischsterben in der Mur
Naturschützer sprechen von einem "Massaker". Aber wer ist schuld? Das jüngste Hochwasser oder eine "Stauraumspülung" im Kraftwerk Friesach in Weggau?

WAZ, 20.11.2007
Kritik: Fischsterben durch Kraftwerk
Sportfischer Doering sieht durch die Turbinentechnik Fische und andere Tiere gefährdet. Das Projekt hätte "außerordentlich negative Folgen für das Ökosystem Bach/Fluss". Die Fische würden entweder in den Bereich der Wasserkraftwerke eingesogen oder schwimmen dem Wasserlauf folgend aktiv dorthin - etwa Wanderfische wie Aal und Lachs. Durch eine Rechenanlage würden die Tiere bei hohen Strömungen erdrückt oder gequetscht. Durch die Schaufelkanten der Turbine würden Tiere regelrecht zerstückelt, es lägen Todesraten von 25 bis 30 Prozent vor, schreibt Doering weiter in Berufung auf den Deutschen Tierschutzbund. Dabei handle sich also nicht um einen Randaspekt.
Auch ein Rechen, also ein Stahlgitter vor der Turbine, könne die Tiere nicht schützen. Doering: "Im Gegenteil: Größere Fische werden von der Strömung gegen den Rechen gepresst und können sich aus dieser Situation nicht mehr befreien. Sie sterben dann entweder durch Erschöpfung oder durch Einwirkung einer Rechenreinigungsanlage. Kleinere Fische, wie zum Beispiel die in der Ennepe recht häufig vorkommenden Mühlkoppen, Schmerlen etc. können auch durch kleinmaschige Rechen nicht aufgehalten werden." Mühlkoppen dürften zudem bald auf der Roten Liste stehen.

Aargauer Zeitung 18.3.2010
Fehlfunktionen in Kraftwerken führten zum Fischsterben
Tote Fische mit herausgedrückten Augen und geplatzten Kiemen trieben am Dienstagmittag in der Limmat. Schuld daran sind zwei Fehlfunktionen in den Kraftwerken Dietikon und Wettingen. Man rechnet mit 100000 toten Fischen.

Der Standard, 6. Mai 2005
Massives Fischsterben made in Austria
Eingriffe in Fließgewässer führen zum drastischen Rückgang vieler Populationen

Osthessen-News, 16.11.04
Fischsterben: Kinzig nicht verschmutzt - Sog in Staumauer-Turbinen?
Ein Fischsterben in der Kinzig vor zwei Tagen hat seine Ursache nicht in einer Gewässerverunreinigung oder akuter Umweltverschmutzung.
Die Polizei prüft nun auch eine These der Fischereipächter, nach der die kleinen Fische möglicherweise durch die große Sogwirkung in die Turbinen der Staumauer gezogen wurden, was auch die beträchtlichen Verletzungsspuren an den Kadavern erklären würde.

Zeit-Online, 10.4.1964
Fischsterben an der Mosel
Folgen der Kanalisierung – Wer bezahlt den Schaden?

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G1-O Globo, 24/02/2016 (Video)
Pescadores e indígenas denunciam mortandade de peixes em Altamira
Segundo eles, morte repentina ocorre no entorno da Usina de Belo Monte.
Norte Energia informa que causas foram identificadas e minimizadas.

Estadão, 20.2.2016
Belo Monte é multada em R$ 8 milhões por morte de peixes
Mais de 16 toneladas morreram entre novembro e fevereiro quando lago da usina começou a ser formado

Xingu vivo, 25 de janeiro de 2016
O alto preço da modernidade de Belo Monte na vida da aldeia indígena de Muratu
Antes pescadores e agora forçosamente agricultores, indígenas juruna receberam casa novas, energia e galinheiros. Mas a conta de luz é impagável, o rio secou e os mosquitos infernizam a vida

Instituto Socioambiental, 25 de Fevereiro de 2016
Cinco anos após início da instalação de Belo Monte, Ibama reconhece impactos na pesca
Após cinco anos de denúncias e protestos contra os prejuízos na pesca decorrentes da instalação da hidrelétrica de Belo Monte (PA), o Instituto Brasileiro de Meio Ambiente (Ibama) reconheceu que a obra impacta negativamente a atividade na região. Em seminário realizado em Altamira, nos dias 17 e 18 de fevereiro, o órgão comprometeu-se a alterar a metodologia de monitoramento da pesca e a estabelecer medidas adicionais de compensação aos pescadores.

Dienstag, 23. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler: Ein Leben für die Indios

BR.de, 18.2.2016
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler
Ein Leben für die Indios
Seit über 50 Jahren setzt sich Bischof Erwin Kräutler für die Rechte der Indios ein. Kompromisslos geht er gegen politische, soziale und wirtschaftliche Missstände vor. Verleumdung und Morddrohung sind die Folge. In Theo.Logik spricht er mit Wolfgang Küpper über seine Lebensaufgabe.

Über 50 Jahre für Amazonien und die Indios

Der Vorarlberger Priester und Ordensmann Erwin Kräutler ist die Stimme der indigenen Völker im Amazonasgebiet, einer Gegend, in der seit Jahrhunderten Unrecht herrscht. Erst 1988 – als Kräutler bereits Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens im Amazonasgebiet war – gelang es, die Rechte der indigenen Völker in der brasilianischen Verfassung zu verankern. Geachtet werden sie bis heute aber längst nicht überall.

"Da hat die Kirche und auch andere Organisationen den Auftrag sich für die Indios einzusetzen und wir tun das ja nicht in eigener Regie, sondern immer mit den Indios zusammen." Bischof Erwin Kräutler

Die Kirche soll an die Ränder der Gesellschaft gehen

Für sein mutiges und selbstloses Engagement für die Rechte der indigenen Völker Brasiliens und die Bewahrung ihrer Lebenswelt im Amazonasbecken wird seine Arbeit mit dem Bayerischen Naturschutzpreis gewürdigt. "Wasserkraftwerke werden ohne Zustimmung der Indios gebaut, Bodenschätze unerlaubt abgebaut. Die Ureinwohner von ihrem angestammten Gebiet vertrieben", berichtet der 76-jährige Bischof. Auch wenn sein Kampf für die Rechte der Indios oft erfolglos ist, auch wenn er zusammen mit 27 Priester in einem Gebiet dreimal so groß wie Österreich oft auf weiter Flur alleine ist. Er wird sich weiter einsetzen für sein Volk.

Theo.Logik-Podcast vom 22.2.2016
Einsatz für die indigenen Völker
Interview mit Amazonas-Bischof Erwin Kräutler
(Audio-Podcast - von min 1:30 bis min 14:30)

Sonntag, 21. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler erhält Bayerischen Naturschutzpreis 2016


BR24, 21.2.2016
Naturschutzpreis in Nürnberg verliehen
Auszeichnung für Bischof Kräutler
Für sein jahrzehntelanges Engagement im brasilianischen Amazonasgebiet hat der BUND Naturschutz (BN) in Nürnberg den emeritierten Bischof Erwin Kräutler mit dem Bayerischen Naturschutzpreis ausgezeichnet.

Seit seiner Übersiedlung nach Brasilien im Jahr 1965 setzt sich der heute 76-jährige, gebürtige Österreicher für die Rechte der indigenen Bevölkerung und die Bewahrung ihrer Lebenswelt - des Amazonas-Regenwalds - ein. Bischof Erwin Kräutler wurde mehrfach mit dem Tod bedroht und entging 1987 nur knapp einem Mordanschlag.

"Einsatz für die Schöpfung"
BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger lobte bei der Preisverleihung in Nürnberg Kräutlers "ausgeprägtes soziales Gewissen", sein "selbstloses Engagement für die Ausgebeuteten und Unterdrückten" sowie seinen "mutigen Einsatz für die Schöpfung". Kräutler hat sich in den vergangenen Jahren gegen den Bau des Staudamms Belo Monte eingesetzt - ein "Dolchstoß in das Herz Amazoniens!" Er hat erreicht, dass die Rechte der indigenen Völker in die brasilianische Verfassung aufgenommen wurden. Und er wirkte er an der päpstlichen Umweltenzyklika Laudato si' mit. Für Kräutler reiht sich der Bayerischer Naturschutzpreis in eine Vielzahl von Auszeichnungen ein: 2010 erhielt er den Alternativen Nobelpreis, den Right Livelihood Award.

Bayerischer Naturschutzpreis
Der BN verleiht den Bayerischen Naturschutzpreis seit über 40 Jahren an "hochverdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Naturschutz". Laut dem Verein ist das die wichtigste Auszeichnung dieser Art in Bayern. Preisträger waren in den letzten Jahren unter anderen der SPD-Politiker Ernst Ulrich von Weizsäcker und die indische Wissenschaftlerin Vandana Shiva.



Katholisch.de, 21.2.2016
Unter Einsatz des Lebens
Amazonas-Bischof Kräutler bekommt bayerischen Naturschutzpreis
Erwin Kräutler (76), langjähriger Bischof der brasilianischen Amazonas-Diözese Xingu und Träger des Alternativen Nobelpreises, hat den bayerischen Naturschutzpreis 2016 erhalten. Mit der undotierten Auszeichnung ehre der BUND Naturschutz Bayern (BN) sein "mutiges, selbstloses Engagement" für die Rechte indigener Völker und den Schutz des Regenwaldes, sagte BN-Vorsitzender Hubert Weiger bei einer Feierstunde am Sonntag in Nürnberg.



Bund Naturschutz
Mutiger Einsatz für die Schöpfung
Für sein Engagement für die Schöpfung und sein kirchliches und politisches Wirken zum Schutz des Regenwaldes erhielt Bischof Erwin Kräutler den Bayerischen Naturschutzpreis. Der BUND Naturschutz Bayern (BN) verlieh die Ehrung am 21. Februar 2016 in Nürnberg. Es ist die höchste Auszeichnung des Verbandes.

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen war das verbindende Element bei der Ehrung des als „Amazonasbischof“ bekannten Erwin Kräutler. BN-Aktive, die sich für den Schutz des tropischen Regenwaldes als grüne Lunge des Planeten starkmachen, hatten die Idee einer Auszeichnung Kräutlers eingebracht. Der inzwischen in den Ruhestand gegangene Bischof hatte jahrelang gegen den Bau des gigantischen Staudamms Belo Monte in Brasilien gekämpft, durch den zigtausende Hektar Regenwald zerstört wurden.

Doch Erwin Kräutler habe sich nicht nur für den Schutz von Flüssen eingesetzt, sondern für die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen, betonte der BN-Vorsitzende Hubert Weiger in seiner Laudatio. Dafür gebühre ihm umso größerer Respekt, weil er wegen dieses Engagements auch angefeindet und bedroht worden sei.

„Sie haben sich eingesetzt für die Rechte der Ausgebeuteten“, so Weiger. Erwin Kräutler, gebürtiger Vorarlberger, sei 1965 als junger Priester nach Brasilien gegangen und dort 1981 Bischof der Prälatur Xingu am Amazonas geworden – eine Diözese mit einer Fläche größer als die der Bundesrepublik Deutschland und 700 000 Einwohnern. Sein mutiger Einsatz für die Bewahrung der Lebenswelt der indigenen Völker sei Großgrundbesitzern und Holzhändlern in die Quere gekommen: „Es gab mehrere Anschläge auf Ihr eigenes Leben und auf die, die mit Ihnen zusammenarbeiten.“

Hubert Weiger erinnerte auch an den maßgeblichen Beitrag des Geehrten zur Umweltenzyklika „Laudato‘ si“ von Papst Franziskus. Er griff den Ausdruck des Kirchenoberhaupts von der Sorge um das gemeinsame Haus der Schöpfung auf und stellte das Wirken Kräutlers in einen größeren Zusammenhang: „Der tropische Regenwald hat mit uns allen zu tun. Wir müssen in allen Regionen dieser Welt Natur erhalten; nur dann kann es uns gelingen, unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen zu retten“, so Weiger. Er bedankte sich bei Erwin Kräutler für sein „Engagement für die Schöpfung, die in der Regel am Verhandlungstisch nicht vertreten ist“.

Bischof Kräutler betonte, er nehme die Auszeichnung entgegen „im Namen so vieler Menschen, die sich am Xingu mit mir für die gute Sache einsetzen“. In bewegenden Worten schilderte er die Zerstörung und das Chaos, das der Bau des Staudamms Belo Monte angerichtet habe. Zehntausende Menschen seien aus ihrer Heimat zwangsumgesiedelt worden und hätten ihre seit unzähligen Generationen angestammte Lebensweise verloren. Man könne nur noch staunen, so Kräutler, „wie Menschen andere Menschen ihren wirtschaftlichen Vorstellungen unterwerfen“. Er verwies auf die Verankerung der Rechte der indigenen Völker in der brasilianischen Verfassung, für die er sich eingesetzt hatte. Aber der „Salto vom Papier in die Wirklichkeit“ sei nach wie vor schwierig. Die Gäste würdigten Erwin Kräutlers Engagement mit standing ovations.

In der großen Familie des BUND Naturschutz hieß der stellvertretende BN-Vorsitzende Sebastian Schönauer den Geehrten willkommen, denn die Auszeichnung ist verbunden mit einer Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit. „Ein Engagement wie Ihres kann nur gelingen, wenn man überzeugt ist von seiner Botschaft“, sagte Schönauer, „und das erfordert Mut und Gottvertrauen.“ Doris Tropper, stellvertretende BN-Vorsitzende, blickte in die Zukunft: „Es wird uns eine stete Verpflichtung sein“, versprach sie Bischof Kräutler, „in Ihrem Sinne weiterzuarbeiten“.



Domradio.de, 19.02.2016
Erzbischof Schick würdigt Kräutlers Umwelt-Engagement
Prophetischer Umweltschützer
Als prophetischen Umweltschützer hat Bambergs Erzbischof Ludwig Schick seinen brasilianischen Amtsbruder Erwin Kräutler gewürdigt. Erzbischof Schick schrieb einen Glückwunschbrief zur Verleihung des bayerischen Naturschutzpreises an Kräutler.

"In herausragender Weise setzen Sie sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz, besonders durch Ihr unermüdliches Eintreten für die Erhaltung des Regenwaldes im Amazonasgebiet in Brasilen ein", heißt es in den Glückwunsch. Der 76-Jährige nimmt die Auszeichnung am Sonntag in Nürnberg entgegen.

Engagierter und selbstloser Einsatz
"Prophetisch haben Sie darauf hingewiesen, welche Folgen das weitere Verschwinden des Regenwaldes haben werde, vor allem für die indigene Bevölkerung in diesem Gebiet", so Schick in dem am Freitag in Bamberg publizierten Schreiben. Die Menschen in Amazonien, denen die Lebensgrundlagen genommen würden, lägen Kräutler am Herzen, teilte das Erzbistum ergänzend mit. "Für sie setzt er sich engagiert und selbstlos ein." Durch seinen weltweit bekannten Einsatz sei er auch zum Gesprächspartner für viele Gremien und Fachvertreter geworden.

Mafia droht Kräutler
Der aus Vorarlberg in Österreich stammende Kräutler war bis zu seiner Pensionierung aus Altersgründen im Dezember 2015 Bischof von Xingu im Amazonasgebiet, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. Er steht seit Jahren unter Polizeischutz, weil ihn die sogenannte Holzmafia mit dem Tod bedroht. Kräutler, der maßgeblich an der Abfassung der päpstlichen Umwelt-Enzyklika "Laudato si" mitwirkte, hält sich gegenwärtig wegen der Misereor-Fastenaktion in Deutschland auf. Der bayerische Umweltpreis wird vom BUND Naturschutz im Freistaat vergeben. Die Auszeichnung ist nicht dotiert.

Samstag, 20. Februar 2016

Kräutler präsentiert sein neues Buch in Koblach

Orf.at, 19.2.2016 (Mit Videobeitrag)
Kräutler mahnt zu mehr Menschlichkeit
Altbischof Erwin Kräutler hat am Donnerstag in Koblach sein neues Buch präsentiert. „Habt Mut, jetzt die Welt und die Kirche zu verändern!“ heißt es und richtet einen Appell an Europa, die Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen.

Die Botschaften des mittlerweile 77-Jährigen Altbischofs aus Koblach: Liebe die Menschen, schau bei den Armen nicht weg, achte die Schöpfung, führe auf Augenhöhe, habe Mut zur Veränderung und nimm deine Verantwortung wahr. Gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise ruft Kräutler zum Teilen und Verzichten auf.

Eigentlich wollte Kräutler gar kein neues Buch schreiben. Es habe sich einfach so ergeben, aus Interviews und Korrespondenz mit einem Religionsjournalisten. Es scheint sich gelohnt zu haben: Das Interesse war bei den gut 200 Besuchern enorm. Deutlich mehr als eine Stunde standen manche für eine Widmung an.

Video-Beitrag auf Vorarlberg-HEUTE vom 19.2.2016

schwäbische.de, 22.2.2016
Ein gefährlich lebender Oberhirte unter Freunden
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler stellt in seiner Vorarlberger Heimatgemeinde Koblach sein jüngstes Buch vor


Habt Mut!
Jetzt die Welt und die Kirche verändern. In Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser

2016 Tyrolia
ISBN 978-3-7022-3508-6


Sich mutig den neuen Zeiten stellen
Ein aufrüttelnder Apell des Amazonasbischofs

Freitag, 19. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler: "Flüchtlinge wollen nichts anderes als leben"


Bayern 2, 17.2.2016
Bischof Erwin Kräutler
Flüchtlinge – "Menschen, die nichts anderes wollen als zu leben"
Erwin Kräutler hat sich als Bischof in Brasilien viele Jahrzehnte lang für die Rechte der indigenen Völker eingesetzt. Im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 fordert er von den Europäern ein ebenso solidarisches Einstehen für Flüchtlinge.

"Es geht nur ums Leben, manchmal ums nackte Überleben - da können wir die Augen nicht verschließen und sagen: Das geht mich nichts an", meint Erwin Kräutler, ein Mann, der für die Schwachen und Unterdrückten im Amazonas im Einsatz ist - und der unter diesem Eindruck die Europäer eindringlich zur Hilfe für die Flüchtlinge auffordert.

"Können wir nicht so tun, als ob uns das nichts angehen würde"

"Ich frage mich immer wieder: Wenn das mein Bruder wäre, wenn das meine Schwester wäre, eine verwandte Person von mir - wie würde ich mich dazu stellen? Aber es sind für uns oft anonyme Gestalten, die ich nicht kenne und die ich einfach von der Grenze fernhalten will", sagt Erwin Kräutler im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2. Und weiter: "Da geht es wirklich um die Liebe zum Nächsten, um das geschwisterliche, solidarische Einstehen für diese Menschen, die nichts anderes wollen als zu leben. Als Christinnen und Christen können wir nicht so tun, als ob uns das nichts angehen würde."

Angesichts der für den Brenner angekündigten Grenzkontrollen meint der gebürtige Österreicher Kräutler: "Die Flüchtlinge, die rüber wollen, die werden die grüne Grenzen benutzen."

"Auch wenn es sehr viele Menschen sind, wir können es nicht so einfach wegstecken und sagen: Das interessiert mich nicht. Wir müssen Konditionen schaffen, damit diese Leute überleben können."

Erwin Kräutler geht davon aus, dass die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren sobald der Krieg zu Ende ist.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle einfach dableiben wollen, sie haben ihre Wurzeln. Das muss eine vorübergehende Entscheidung sein. Wir dürfen die Leute nicht so behandeln als ob sie total unwillkommen wären."

Weiterhin für die Rechte der indigenen Völker im Einsatz

Auch nach seinem alterbedingten Rückzug als Bischof von Xingu setzt sich Erwin Kräutler für die indigenen Völker in Brasilien ein. Im Interview mit der radioWelt weist er darauf hin, dass deren in der Verfassung festgeschriebenen Rechte in Gefahr seien.

"Wenn man daran rüttelt, dann gehen diese Völker zugrunde. Das wäre ein Imageverlust für Brasilien in der Weltöffentlichkeit."

"Früher waren die indigenen Völker aufgefordert, sich in die nationale Gesellschaft einzugliedern. Das heißt, es wurde von ihnen verlangt, ihre Identität aufzugeben", erzählt Erwin Kräutler. "Nun hatten sie ein Recht auf ihr angestammtes Gebiet, auf ihre Kultur, ihr soziales Gefüge, auf ihre Sprache." Der Alltag heute sehe anders aus, es zeige sich, dass sie von Grund und Boden vertrieben werden und in Reservaten eingepfercht werden. Da können sie nicht überleben. Es gebe eine Suizidquote, die unendlich groß geworden ist, sagt Kräutler im radioWelt-Interview.

Zur Person
Erwin Kräutler wurde 1939 in Koblach im österreichischen Vorarlberg geboren. Ab 1965 war er als Missionar in Brasilien tätig. Rund 35 Jahre lang war er Bischof der Territorialprälatur Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. International bekannt wurde Erwin Kräutler durch seinen Einsatz für die indigenen Völker im Amazonasgebiet. Im Jahr 2010 hat er den Alternativen Nobelpreis bekommen, 2015 nahm der Papst seinen altersbedingten Rücktritt an. Momentan ist Erwin Kräutler in Deutschland, um die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu besuchen und um die diesjährige Misereor-Aktion zugunsten von Brasilien beginnen zu lassen.


Münchner Kirchennachrichten, 18.2.2016
Bischof Erwin Kräutler fordert mehr Solidarität mit Flüchtlingen
Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler hat Europäer zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgefordert. Der Österreicher lebt schon seit den 60er Jahren in Brasilien. Derzeit ist er in München zu Gast. Die von Österreich angekündigten Grenzschutzanlagen und Kontrollen am Brenner werden die Flüchtlinge nach Ansicht des Bischofs nicht aufhalten. Zugleich geht Kräutler davon aus, dass die Flüchtlinge nach dem Ende des Krieges in ihre Heimat zurückkehren. Kräutler hat zudem ein neues Buch herausgebracht. Unter dem Titel „Habt Mut“ geht es um die Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato Si.

Interview mit Erwin Kräutler: „Ein Bischof braucht kein Palais“

OVB-online, 19.2.2016
„Ein Bischof braucht kein Palais“
Interview im Oberbayrischen Volksblatt mit Erwin Kräutler. Er ist ein freundlicher Mann mit einem verschmitzten Lächeln.

Wenn er redet in seinem österreichischen Dialekt, lässt er seine Arme rudern, als hätte das südamerikanische Temperament längst von ihm Besitz ergriffen. Erwin Kräutler war 35 Jahre Bischof der Prälatur Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet, ist ein Kämpfer für den Schutz des Regenwalds und für die indigenen Völker am Amazonas. Aber auch für mehr Freiheit und Mitsprache in der Kirche. Sonntag erhält der 76-Jährige den bayerischen Naturschutzpreis 2016. Wir sprachen mit ihm über Kirche und das, was er die Mitwelt nennt.

-Sie werden Sonntag vom Bund Naturschutz mit dem Bayerischen Naturschutzpreis ausgezeichnet. 2010 haben Sie den Alternativen Friedensnobelpreis bekommen. Was bedeutet Ihnen eine solche Ehrung?

Der Preis gehört nicht nur mir, sondern allen Menschen, mit denen ich seit Jahrzehnten zusammenarbeite. Ein Bischof ist natürlich mehr im Rampenlicht. Aber ich habe es immer so gehalten: Ich nehme die Auszeichnungen im Namen dieser lieben Menschen an. Beim Naturschutzpreis geht es darum, dass wir uns einsetzen für Amazonien, die Mitwelt und die Völker, die dort leben. Auch hier in Europa müssen wir erkennen, dass wir in einer Welt leben, die man nicht aufteilen kann. Wir gehören zueinander und haben auch Verantwortung füreinander.

-Sie sprechen von Mitwelt, nicht von Umwelt. Warum?

Seit eh und je spreche ich von der Mitwelt. Gerade im tropischen Regenwald habe ich erfahren, dass das nicht eine anonyme Umwelt, eine Flora und eine Fauna, ist – und wir stehen ihr gegenüber. Wir gehören dazu und haben eine Verantwortung. Zu meiner großen Freude hat der Papst den Begriff in seine Enzyklika „Laudato si“ übernommen.

-Sie waren Gast bei der Deutschen Bischofskonferenz. Wie erleben Sie hier den Reichtum der Kirche?

Die Infrastruktur ist für die Menschen bestimmt – das würde ich nicht einmal als Reichtum bezeichnen. Die Kirche muss sich schon bemühen, für ihre Christen ein Umfeld zu schaffen, in dem man leben und etwas leisten kann. Wir müssen uns anpassen an die moderne Zeit – etwa bei den Medien. Aber auf allem liegt eine Hypothek, und hier gilt das Wort des geschwisterlichen Teilens. Wir brauchen keine Almosen, die von oben nach unten gegeben werden. Geschwisterliches Teilen geht viel tiefer. Ich weiß, wer meine Geschwister sind, ich möchte mit ihnen teilen, sie haben das selbe Recht auf Leben. Und auch auf Strukturen. Allerdings: Wir brauchen in Südamerika nicht so schwerfällige Strukturen wie hier.

-Sie wollen nicht so viel Geld in Steine stecken...

Ich war 35 Jahre Bischof in Xingu. Wir haben versucht, entsprechende Räume für Menschen zu schaffen. Aber einfach, rustikal. Und ein Bischof braucht nicht viel.

-Vielleicht ein Palais?

Braucht er net.

-Ein großes Auto?

Braucht er auch nicht.

-Sie tragen nicht einmal eine Mitra, die Sie als Bischof kenntlich machen würde.

Nein, brauch’ ich auch nicht. Man hatte mir vor meiner Bischofsweihe gesagt, dass die Menschen das erwarten. Ich habe aber gemerkt, dass sie das gerade nicht erwarten. Im Gegenteil.

-In Deutschland ist diese einfache Lebensart bei den Bischöfen nicht so ausgeprägt. Dabei lebt Papst Franziskus das doch vor. Wieso setzt sich das nur schleppend durch?

Weil man sagt: Das war doch immer so. Man glaubt, die Menschen wollten das. Aber genau darin liegt der Fehler. Man sollte zu all diesem Drum und Dran, den Accessoires, die jungen Leute fragen. Da würde man vielleicht eine Antwort bekommen. Wir haben eine so schwerfällige Liturgie – Mitra auf, Mitra ab. Wieso kann das nicht einfacher gehen?

-Das sind die Traditionen. Daraus lebt die Kirche seit 2000 Jahren.

Ja, das ist schön und erhebend. Ich weiß genau, was die Leute sagen. Aber ich würde trotzdem die Frage stellen: Wie stehen die jungen Menschen dazu? Sagt ihnen das etwas? Da möchte ich gerne die Antwort erfahren. Ich bin nicht dafür, dass wir in Hemd und Hose Gottesdienst feiern. Es soll schon würdig sein. Aber wir könnten es viel einfacher gestalten.

-Wird sich das Kontrastprogramm, das Franziskus lebt, gegen das Beharrungsvermögen der Kurie durchsetzen? Es gibt ja Geistliche, die bauen schon auf die Zeit nach Franziskus.

Ich hoffe, dass er noch lange lebt. Und er hat einen langen Atem. Verschiedene Dinge, die er eingeleitet hat, sind unwiderruflich. Da kann ein zukünftiger Papst nicht so tun, als hätte Franziskus nicht existiert.

-Welche meinen Sie?

Die Art und Weise seiner Amtsführung. Dass er besonders auf die Einfachheit und Schlichtheit setzt. Dass die Kirche sich nicht verbarrikadieren und warten soll, bis die Schäfchen kommen. Die Kirchentüren müssen offen sein, rausgehen müssen wir! Der Gottesdienst ist sehr wichtig, und die kontemplative Dimension dürfen wir nicht verlassen. Im Gegenteil: Das ist unsere Motivation. Aber das alles soll uns helfen, rauszugehen, an die Ränder. Nicht nur an die geografischen, sondern an die existenziellen Ränder. Zu den Flüchtlingen! Da können wir als Christen nicht unser Herz verschließen.

-Europa steht vor einer Bewährungsprobe. Wenn sich die anderen Länder nicht zu einer Verteilung der Flüchtlingszahlen durchringen können, ist vielleicht auch Bundeskanzlerin Merkel gezwungen, ihre Politik zu ändern.

Ich glaube nicht, dass sie ihren Kurs korrigiert. Sie ist eine starke Frau. Sie steht für die christlichen Werte ein. Das bewundere ich an ihr. Sie hat mit unheimlich vielen Widerständen zu kämpfen, aber für mich verkörpert sie noch die europäische Idee. Wenn wir hier keine Lösung finden, hat die EU versagt. Als es ums Geld ging, da wurde geholfen. Jetzt sind wir gefordert in einer rein menschlichen Tragödie. Wir können da nicht untätig zuschauen und so tun, als ob uns das nichts anginge.

-In Ihrer alten Heimat Österreich wird ein Grenzzaun am Brenner geplant. Wie geht es Ihnen damit?

Ich kann das absolut nicht verstehen. Ein Zaun wird Flüchtlinge nicht abhalten. Und gerade am Brenner, wo man Jahrzehnte gekämpft hat, damit dieses Tirol wieder als kulturelle Einheit zusammenkommt. Endlich ist man soweit, dass die kulturellen Werte des einen Tirol wieder zum Tragen kommen. Und auf einmal will man wieder eine Grenze ziehen. Ich weiß nicht, wie die Südtiroler das verstehen. Sie werden nicht begeistert sein. Noch dazu ist es unmöglich, die Leute aufzuhalten, wenn sie über die Grenze wollen.

Dann nehmen sie die grüne Grenze, und die ist in Tirol ziemlich lang. Ich kann nicht mit ansehen, wenn Leute auf der Flucht sind. Nehmen Sie die Frauen mit den Kleinkindern – wenn sie auf einmal vor einem österreichischen Soldaten stehen, der ein Gewehr in der Hand hat und sagt: „Hier geht es nicht weiter.“ Das kann ich mir nicht vorstellen! Wo sind wir denn? Haben wir nichts gelernt aus der Geschichte?

-Kommen wir zurück zur Kirche. Sie haben mit dem Papst über den Priestermangel gesprochen. Sie, Bischof Kräutler, können sich auch Frauen am Altar vorstellen.

Ohne weiteres, kein Problem.

-Haben Sie ihm das gesagt?

So direkt nicht. Aber der Papst hat selber auf verschiedene Thesen hingewiesen. Etwa auf die von Bischof Fritz Lobinger (bis 2004 Missionsbischof von Aliwal/Südafrika; Anmerk. der Redaktion), ohne ihn zu nennen. Dessen These lautet, dass die Menschen ein Recht auf die sonntägliche Eucharistie haben. Also müssen wir auch den Zugang schaffen. Seit 1000 Jahren kann nur ein zölibatärer Mann der Eucharistie vorstellen. Jetzt frage ich mich: Haben die Menschen in unserem Gebiet am Amazonas mit 800 Gemeinden, das so groß ist wie Deutschland und wo die Gemeinden zu zwei Dritteln von Frauen geleitet werden, kein Recht auf die Sonntagsmesse?

- Der Papst wird jetzt aber wohl nicht alles auf den Kopf stellen?

Tut er nicht. Aber er hat zu uns gesagt: Die Bischofskonferenz soll mutige Vorschläge entwickeln. Er wird es nicht im Alleingang machen. Er möchte, dass sich die Bischöfe einbringen. Das finde ich auch gut. Er will mehr Entscheidungsvollmacht der Bischofskonferenzen. Theologisch ist auch der Zölibat kein Problem. Er ist ein rein von Menschen erfundenes Gesetz. Aber ich bin nicht grundsätzlich gegen den Zölibat. Wenn ein Mann oder eine Frau um des Reiches Gottes Willen auf die Ehe verzichtet, ist das ein großer, schöner Wert. Aber: Die Eucharistie davon abhängig machen, ob jetzt zufällig ein zölibatärer Priester vorhanden ist, da bin ich dagegen. Die Zugangsbestimmungen zum Priestertum muss man überdenken. Das muss ja nicht gleich für die ganze Weltkirche gelten. Man kann es ja mal ausprobieren.

-Und das ist möglich?

Das halte ich für realistisch.

Interview: Claudia Möllers

Habt Mut!

ist der Titel des neuen Buchs von Erwin Kräutler, in dem er seine Ansichten zu Kirche und Welt darlegt. 144 S., Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 14,95 Euro