Donnerstag, 25. Februar 2016

Belo Monte zu R$ 8 Millionen-Strafe wegen Fischsterben verurteilt

Curimata-Fischsterben am Xingu wegen Flutung von Belo Monte
Fischer und Indigene von Altamira denunzierten ein großes Fischsterben im Umkreis der Staumauern für das Kraftwerk Belo Monte. Die Indios blockierten in einer Protestaktion die Zufahrt zum Staudamm Pimentel. Norte Energie teilte mit, dass die Ursachen bei der Beschaufelung der Turbinen zu suchen seien, in die die Fische geraten.
Der Präsident der Fischervereinigung von Altamira beklagte, dass durch den Bau des Kraftwerks sukzessive die Fische in Mitleidenschaft gebracht wurden und starben, durch Sprengungen, Verschmutzungen des Wassers oder Lärm. Es gäbe nur mehr wenige Fische. Das momentane massenweise Fischsterben betreffe hauptsächlich den Curimata-Fisch, der sich im Abbleichen befindet und deshalb wandert. Wenn die Vermehrung der Fische derart beeinträchtigt wird, müssten sie aussterben.
Das Brasilianische Umweltinstitut IBAMA bestätigte, dass während der Flutung des Wasserreservoirs in den letzten vier Monaten mehr als 16 Tonnen Fische im Umkreis von Belo Monte verendet sind. Bereits am 1. Februar hätte Norte Energie zwei Geldstrafen für Umweltvergehen bekommen, eine in der Höhe von R$ 7,5 Mio für das Fischsterben entlang der großen Schleife des Xingu, und eine über R$ 500.000 für teilweise falsche Angaben bezüglich der Erhebungen und Rettung der Fischfaune im Zug der Umweltverträglichkeitsprüfungen.
Aufgrund der Anzeigen dieses Fischsterbens werden seitens IBAMA Ermittlungen eingeleitet, die eventuell zu weiteren Strafmaßnahmen führen.


Links zu "Fischsterben und Kraftwerke":

Orf.at, 9.10.2015
Tausende Fische in Möll verendet
Bei der Spülung des Verbund-Kraftwerks Rottau im Mölltal ist eine Schlammlawine losgelöst worden. Tausende Fische und Kleinlebewesen verendeten in der Möll. Nun wird die Ursache für die Umweltkatastrophe gesucht.

Der Standard, 24.8.2015
"Fischbestand bedroht": Stauraumspülungen in Kraftwerken kritisiert
"Stauraumspülungen schädigen Ökosystem" - Verbund beruhigt: Keine Studien bekannt

Kleine Zeitung, 21.9.2014
Heftiger Streit nach massivem Fischsterben in der Mur
Naturschützer sprechen von einem "Massaker". Aber wer ist schuld? Das jüngste Hochwasser oder eine "Stauraumspülung" im Kraftwerk Friesach in Weggau?

WAZ, 20.11.2007
Kritik: Fischsterben durch Kraftwerk
Sportfischer Doering sieht durch die Turbinentechnik Fische und andere Tiere gefährdet. Das Projekt hätte "außerordentlich negative Folgen für das Ökosystem Bach/Fluss". Die Fische würden entweder in den Bereich der Wasserkraftwerke eingesogen oder schwimmen dem Wasserlauf folgend aktiv dorthin - etwa Wanderfische wie Aal und Lachs. Durch eine Rechenanlage würden die Tiere bei hohen Strömungen erdrückt oder gequetscht. Durch die Schaufelkanten der Turbine würden Tiere regelrecht zerstückelt, es lägen Todesraten von 25 bis 30 Prozent vor, schreibt Doering weiter in Berufung auf den Deutschen Tierschutzbund. Dabei handle sich also nicht um einen Randaspekt.
Auch ein Rechen, also ein Stahlgitter vor der Turbine, könne die Tiere nicht schützen. Doering: "Im Gegenteil: Größere Fische werden von der Strömung gegen den Rechen gepresst und können sich aus dieser Situation nicht mehr befreien. Sie sterben dann entweder durch Erschöpfung oder durch Einwirkung einer Rechenreinigungsanlage. Kleinere Fische, wie zum Beispiel die in der Ennepe recht häufig vorkommenden Mühlkoppen, Schmerlen etc. können auch durch kleinmaschige Rechen nicht aufgehalten werden." Mühlkoppen dürften zudem bald auf der Roten Liste stehen.

Aargauer Zeitung 18.3.2010
Fehlfunktionen in Kraftwerken führten zum Fischsterben
Tote Fische mit herausgedrückten Augen und geplatzten Kiemen trieben am Dienstagmittag in der Limmat. Schuld daran sind zwei Fehlfunktionen in den Kraftwerken Dietikon und Wettingen. Man rechnet mit 100000 toten Fischen.

Der Standard, 6. Mai 2005
Massives Fischsterben made in Austria
Eingriffe in Fließgewässer führen zum drastischen Rückgang vieler Populationen

Osthessen-News, 16.11.04
Fischsterben: Kinzig nicht verschmutzt - Sog in Staumauer-Turbinen?
Ein Fischsterben in der Kinzig vor zwei Tagen hat seine Ursache nicht in einer Gewässerverunreinigung oder akuter Umweltverschmutzung.
Die Polizei prüft nun auch eine These der Fischereipächter, nach der die kleinen Fische möglicherweise durch die große Sogwirkung in die Turbinen der Staumauer gezogen wurden, was auch die beträchtlichen Verletzungsspuren an den Kadavern erklären würde.

Zeit-Online, 10.4.1964
Fischsterben an der Mosel
Folgen der Kanalisierung – Wer bezahlt den Schaden?

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G1-O Globo, 24/02/2016 (Video)
Pescadores e indígenas denunciam mortandade de peixes em Altamira
Segundo eles, morte repentina ocorre no entorno da Usina de Belo Monte.
Norte Energia informa que causas foram identificadas e minimizadas.

Estadão, 20.2.2016
Belo Monte é multada em R$ 8 milhões por morte de peixes
Mais de 16 toneladas morreram entre novembro e fevereiro quando lago da usina começou a ser formado

Xingu vivo, 25 de janeiro de 2016
O alto preço da modernidade de Belo Monte na vida da aldeia indígena de Muratu
Antes pescadores e agora forçosamente agricultores, indígenas juruna receberam casa novas, energia e galinheiros. Mas a conta de luz é impagável, o rio secou e os mosquitos infernizam a vida

Instituto Socioambiental, 25 de Fevereiro de 2016
Cinco anos após início da instalação de Belo Monte, Ibama reconhece impactos na pesca
Após cinco anos de denúncias e protestos contra os prejuízos na pesca decorrentes da instalação da hidrelétrica de Belo Monte (PA), o Instituto Brasileiro de Meio Ambiente (Ibama) reconheceu que a obra impacta negativamente a atividade na região. Em seminário realizado em Altamira, nos dias 17 e 18 de fevereiro, o órgão comprometeu-se a alterar a metodologia de monitoramento da pesca e a estabelecer medidas adicionais de compensação aos pescadores.

Dienstag, 23. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler: Ein Leben für die Indios

BR.de, 18.2.2016
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler
Ein Leben für die Indios
Seit über 50 Jahren setzt sich Bischof Erwin Kräutler für die Rechte der Indios ein. Kompromisslos geht er gegen politische, soziale und wirtschaftliche Missstände vor. Verleumdung und Morddrohung sind die Folge. In Theo.Logik spricht er mit Wolfgang Küpper über seine Lebensaufgabe.

Über 50 Jahre für Amazonien und die Indios

Der Vorarlberger Priester und Ordensmann Erwin Kräutler ist die Stimme der indigenen Völker im Amazonasgebiet, einer Gegend, in der seit Jahrhunderten Unrecht herrscht. Erst 1988 – als Kräutler bereits Bischof der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens im Amazonasgebiet war – gelang es, die Rechte der indigenen Völker in der brasilianischen Verfassung zu verankern. Geachtet werden sie bis heute aber längst nicht überall.

"Da hat die Kirche und auch andere Organisationen den Auftrag sich für die Indios einzusetzen und wir tun das ja nicht in eigener Regie, sondern immer mit den Indios zusammen." Bischof Erwin Kräutler

Die Kirche soll an die Ränder der Gesellschaft gehen

Für sein mutiges und selbstloses Engagement für die Rechte der indigenen Völker Brasiliens und die Bewahrung ihrer Lebenswelt im Amazonasbecken wird seine Arbeit mit dem Bayerischen Naturschutzpreis gewürdigt. "Wasserkraftwerke werden ohne Zustimmung der Indios gebaut, Bodenschätze unerlaubt abgebaut. Die Ureinwohner von ihrem angestammten Gebiet vertrieben", berichtet der 76-jährige Bischof. Auch wenn sein Kampf für die Rechte der Indios oft erfolglos ist, auch wenn er zusammen mit 27 Priester in einem Gebiet dreimal so groß wie Österreich oft auf weiter Flur alleine ist. Er wird sich weiter einsetzen für sein Volk.

Theo.Logik-Podcast vom 22.2.2016
Einsatz für die indigenen Völker
Interview mit Amazonas-Bischof Erwin Kräutler
(Audio-Podcast - von min 1:30 bis min 14:30)

Sonntag, 21. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler erhält Bayerischen Naturschutzpreis 2016

Bayerischer Naturschutzpreis für Bischof Erwin Kräutler (li.) | Bild: BR
BR24, 21.2.2016 (mit Video!)
Naturschutzpreis in Nürnberg verliehen
Auszeichnung für Bischof Kräutler
Für sein jahrzehntelanges Engagement im brasilianischen Amazonasgebiet hat der BUND Naturschutz (BN) in Nürnberg den emeritierten Bischof Erwin Kräutler mit dem Bayerischen Naturschutzpreis ausgezeichnet.

Seit seiner Übersiedlung nach Brasilien im Jahr 1965 setzt sich der heute 76-jährige, gebürtige Österreicher für die Rechte der indigenen Bevölkerung und die Bewahrung ihrer Lebenswelt - des Amazonas-Regenwalds - ein. Bischof Erwin Kräutler wurde mehrfach mit dem Tod bedroht und entging 1987 nur knapp einem Mordanschlag.

"Einsatz für die Schöpfung"

BN-Landesvorsitzende Hubert Weiger lobte bei der Preisverleihung in Nürnberg Kräutlers "ausgeprägtes soziales Gewissen", sein "selbstloses Engagement für die Ausgebeuteten und Unterdrückten" sowie seinen "mutigen Einsatz für die Schöpfung". Kräutler hat sich in den vergangenen Jahren gegen den Bau des Staudamms Belo Monte eingesetzt - ein "Dolchstoß in das Herz Amazoniens!" Er hat erreicht, dass die Rechte der indigenen Völker in die brasilianische Verfassung aufgenommen wurden. Und er wirkte er an der päpstlichen Umweltenzyklika Laudato si' mit. Für Kräutler reiht sich der Bayerischer Naturschutzpreis in eine Vielzahl von Auszeichnungen ein: 2010 erhielt er den Alternativen Nobelpreis, den Right Livelihood Award.
Bayerischer Naturschutzpreis

Der BN verleiht den Bayerischen Naturschutzpreis seit über 40 Jahren an "hochverdiente Persönlichkeiten für ihr herausragendes Wirken im Naturschutz". Laut dem Verein ist das die wichtigste Auszeichnung dieser Art in Bayern. Preisträger waren in den letzten Jahren unter anderen der SPD-Politiker Ernst Ulrich von Weizsäcker und die indische Wissenschaftlerin Vandana Shiva.



Katholisch.de, 21.2.2016
Unter Einsatz des Lebens
Amazonas-Bischof Kräutler bekommt bayerischen Naturschutzpreis
Erwin Kräutler (76), langjähriger Bischof der brasilianischen Amazonas-Diözese Xingu und Träger des Alternativen Nobelpreises, hat den bayerischen Naturschutzpreis 2016 erhalten. Mit der undotierten Auszeichnung ehre der BUND Naturschutz Bayern (BN) sein "mutiges, selbstloses Engagement" für die Rechte indigener Völker und den Schutz des Regenwaldes, sagte BN-Vorsitzender Hubert Weiger bei einer Feierstunde am Sonntag in Nürnberg.

Katholisch.de-Spezial:
"Habt Mut"
Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler war vergangenen Woche zu Gast bei der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe in Schöntal. Mit katholisch.de sprach er über sein Engagement in Brasilien und darüber, was er vor diesem Hintergrund den deutschen Bischöfen mitgeben wollte.


Domradio.de, 19.02.2016
Erzbischof Schick würdigt Kräutlers Umwelt-Engagement
Prophetischer Umweltschützer
Als prophetischen Umweltschützer hat Bambergs Erzbischof Ludwig Schick seinen brasilianischen Amtsbruder Erwin Kräutler gewürdigt. Erzbischof Schick schrieb einen Glückwunschbrief zur Verleihung des bayerischen Naturschutzpreises an Kräutler.

"In herausragender Weise setzen Sie sich seit Jahrzehnten für den Naturschutz, besonders durch Ihr unermüdliches Eintreten für die Erhaltung des Regenwaldes im Amazonasgebiet in Brasilen ein", heißt es in den Glückwunsch. Der 76-Jährige nimmt die Auszeichnung am Sonntag in Nürnberg entgegen.

Engagierter und selbstloser Einsatz

"Prophetisch haben Sie darauf hingewiesen, welche Folgen das weitere Verschwinden des Regenwaldes haben werde, vor allem für die indigene Bevölkerung in diesem Gebiet", so Schick in dem am Freitag in Bamberg publizierten Schreiben. Die Menschen in Amazonien, denen die Lebensgrundlagen genommen würden, lägen Kräutler am Herzen, teilte das Erzbistum ergänzend mit. "Für sie setzt er sich engagiert und selbstlos ein." Durch seinen weltweit bekannten Einsatz sei er auch zum Gesprächspartner für viele Gremien und Fachvertreter geworden.

Mafia droht Kräutler

Der aus Vorarlberg in Österreich stammende Kräutler war bis zu seiner Pensionierung aus Altersgründen im Dezember 2015 Bischof von Xingu im Amazonasgebiet, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. Er steht seit Jahren unter Polizeischutz, weil ihn die sogenannte Holzmafia mit dem Tod bedroht. Kräutler, der maßgeblich an der Abfassung der päpstlichen Umwelt-Enzyklika "Laudato si" mitwirkte, hält sich gegenwärtig wegen der Misereor-Fastenaktion in Deutschland auf. Der bayerische Umweltpreis wird vom BUND Naturschutz im Freistaat vergeben. Die Auszeichnung ist nicht dotiert.

Samstag, 20. Februar 2016

Kräutler präsentiert sein neues Buch in Koblach

Orf.at, 19.2.2016 (Mit Videobeitrag)
Kräutler mahnt zu mehr Menschlichkeit
Altbischof Erwin Kräutler hat am Donnerstag in Koblach sein neues Buch präsentiert. „Habt Mut, jetzt die Welt und die Kirche zu verändern!“ heißt es und richtet einen Appell an Europa, die Menschlichkeit in den Vordergrund zu stellen.

Die Botschaften des mittlerweile 77-Jährigen Altbischofs aus Koblach: Liebe die Menschen, schau bei den Armen nicht weg, achte die Schöpfung, führe auf Augenhöhe, habe Mut zur Veränderung und nimm deine Verantwortung wahr. Gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise ruft Kräutler zum Teilen und Verzichten auf.

Eigentlich wollte Kräutler gar kein neues Buch schreiben. Es habe sich einfach so ergeben, aus Interviews und Korrespondenz mit einem Religionsjournalisten. Es scheint sich gelohnt zu haben: Das Interesse war bei den gut 200 Besuchern enorm. Deutlich mehr als eine Stunde standen manche für eine Widmung an.

Video-Beitrag auf Vorarlberg-HEUTE vom 19.2.2016

schwäbische.de, 22.2.2016
Ein gefährlich lebender Oberhirte unter Freunden
Amazonas-Bischof Erwin Kräutler stellt in seiner Vorarlberger Heimatgemeinde Koblach sein jüngstes Buch vor


Habt Mut!
Jetzt die Welt und die Kirche verändern. In Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser

2016 Tyrolia
ISBN 978-3-7022-3508-6


Sich mutig den neuen Zeiten stellen
Ein aufrüttelnder Apell des Amazonasbischofs

Freitag, 19. Februar 2016

Bischof Erwin Kräutler: "Flüchtlinge wollen nichts anderes als leben"


Bayern 2, 17.2.2016
Bischof Erwin Kräutler
Flüchtlinge – "Menschen, die nichts anderes wollen als zu leben"
Erwin Kräutler hat sich als Bischof in Brasilien viele Jahrzehnte lang für die Rechte der indigenen Völker eingesetzt. Im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 fordert er von den Europäern ein ebenso solidarisches Einstehen für Flüchtlinge.

"Es geht nur ums Leben, manchmal ums nackte Überleben - da können wir die Augen nicht verschließen und sagen: Das geht mich nichts an", meint Erwin Kräutler, ein Mann, der für die Schwachen und Unterdrückten im Amazonas im Einsatz ist - und der unter diesem Eindruck die Europäer eindringlich zur Hilfe für die Flüchtlinge auffordert.

"Können wir nicht so tun, als ob uns das nichts angehen würde"

"Ich frage mich immer wieder: Wenn das mein Bruder wäre, wenn das meine Schwester wäre, eine verwandte Person von mir - wie würde ich mich dazu stellen? Aber es sind für uns oft anonyme Gestalten, die ich nicht kenne und die ich einfach von der Grenze fernhalten will", sagt Erwin Kräutler im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2. Und weiter: "Da geht es wirklich um die Liebe zum Nächsten, um das geschwisterliche, solidarische Einstehen für diese Menschen, die nichts anderes wollen als zu leben. Als Christinnen und Christen können wir nicht so tun, als ob uns das nichts angehen würde."

Angesichts der für den Brenner angekündigten Grenzkontrollen meint der gebürtige Österreicher Kräutler: "Die Flüchtlinge, die rüber wollen, die werden die grüne Grenzen benutzen."

"Auch wenn es sehr viele Menschen sind, wir können es nicht so einfach wegstecken und sagen: Das interessiert mich nicht. Wir müssen Konditionen schaffen, damit diese Leute überleben können."

Erwin Kräutler geht davon aus, dass die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren sobald der Krieg zu Ende ist.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass alle einfach dableiben wollen, sie haben ihre Wurzeln. Das muss eine vorübergehende Entscheidung sein. Wir dürfen die Leute nicht so behandeln als ob sie total unwillkommen wären."

Weiterhin für die Rechte der indigenen Völker im Einsatz

Auch nach seinem alterbedingten Rückzug als Bischof von Xingu setzt sich Erwin Kräutler für die indigenen Völker in Brasilien ein. Im Interview mit der radioWelt weist er darauf hin, dass deren in der Verfassung festgeschriebenen Rechte in Gefahr seien.

"Wenn man daran rüttelt, dann gehen diese Völker zugrunde. Das wäre ein Imageverlust für Brasilien in der Weltöffentlichkeit."

"Früher waren die indigenen Völker aufgefordert, sich in die nationale Gesellschaft einzugliedern. Das heißt, es wurde von ihnen verlangt, ihre Identität aufzugeben", erzählt Erwin Kräutler. "Nun hatten sie ein Recht auf ihr angestammtes Gebiet, auf ihre Kultur, ihr soziales Gefüge, auf ihre Sprache." Der Alltag heute sehe anders aus, es zeige sich, dass sie von Grund und Boden vertrieben werden und in Reservaten eingepfercht werden. Da können sie nicht überleben. Es gebe eine Suizidquote, die unendlich groß geworden ist, sagt Kräutler im radioWelt-Interview.

Zur Person
Erwin Kräutler wurde 1939 in Koblach im österreichischen Vorarlberg geboren. Ab 1965 war er als Missionar in Brasilien tätig. Rund 35 Jahre lang war er Bischof der Territorialprälatur Xingu, der flächenmäßig größten Diözese Brasiliens. International bekannt wurde Erwin Kräutler durch seinen Einsatz für die indigenen Völker im Amazonasgebiet. Im Jahr 2010 hat er den Alternativen Nobelpreis bekommen, 2015 nahm der Papst seinen altersbedingten Rücktritt an. Momentan ist Erwin Kräutler in Deutschland, um die Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu besuchen und um die diesjährige Misereor-Aktion zugunsten von Brasilien beginnen zu lassen.


Münchner Kirchennachrichten, 18.2.2016
Bischof Erwin Kräutler fordert mehr Solidarität mit Flüchtlingen
Der emeritierte Bischof Erwin Kräutler hat Europäer zu mehr Solidarität mit Flüchtlingen aufgefordert. Der Österreicher lebt schon seit den 60er Jahren in Brasilien. Derzeit ist er in München zu Gast. Die von Österreich angekündigten Grenzschutzanlagen und Kontrollen am Brenner werden die Flüchtlinge nach Ansicht des Bischofs nicht aufhalten. Zugleich geht Kräutler davon aus, dass die Flüchtlinge nach dem Ende des Krieges in ihre Heimat zurückkehren. Kräutler hat zudem ein neues Buch herausgebracht. Unter dem Titel „Habt Mut“ geht es um die Umwelt- und Sozialenzyklika Laudato Si.

Interview mit Erwin Kräutler: „Ein Bischof braucht kein Palais“

OVB-online, 19.2.2016
„Ein Bischof braucht kein Palais“
Interview im Oberbayrischen Volksblatt mit Erwin Kräutler. Er ist ein freundlicher Mann mit einem verschmitzten Lächeln.

Wenn er redet in seinem österreichischen Dialekt, lässt er seine Arme rudern, als hätte das südamerikanische Temperament längst von ihm Besitz ergriffen. Erwin Kräutler war 35 Jahre Bischof der Prälatur Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet, ist ein Kämpfer für den Schutz des Regenwalds und für die indigenen Völker am Amazonas. Aber auch für mehr Freiheit und Mitsprache in der Kirche. Sonntag erhält der 76-Jährige den bayerischen Naturschutzpreis 2016. Wir sprachen mit ihm über Kirche und das, was er die Mitwelt nennt.

-Sie werden Sonntag vom Bund Naturschutz mit dem Bayerischen Naturschutzpreis ausgezeichnet. 2010 haben Sie den Alternativen Friedensnobelpreis bekommen. Was bedeutet Ihnen eine solche Ehrung?

Der Preis gehört nicht nur mir, sondern allen Menschen, mit denen ich seit Jahrzehnten zusammenarbeite. Ein Bischof ist natürlich mehr im Rampenlicht. Aber ich habe es immer so gehalten: Ich nehme die Auszeichnungen im Namen dieser lieben Menschen an. Beim Naturschutzpreis geht es darum, dass wir uns einsetzen für Amazonien, die Mitwelt und die Völker, die dort leben. Auch hier in Europa müssen wir erkennen, dass wir in einer Welt leben, die man nicht aufteilen kann. Wir gehören zueinander und haben auch Verantwortung füreinander.

-Sie sprechen von Mitwelt, nicht von Umwelt. Warum?

Seit eh und je spreche ich von der Mitwelt. Gerade im tropischen Regenwald habe ich erfahren, dass das nicht eine anonyme Umwelt, eine Flora und eine Fauna, ist – und wir stehen ihr gegenüber. Wir gehören dazu und haben eine Verantwortung. Zu meiner großen Freude hat der Papst den Begriff in seine Enzyklika „Laudato si“ übernommen.

-Sie waren Gast bei der Deutschen Bischofskonferenz. Wie erleben Sie hier den Reichtum der Kirche?

Die Infrastruktur ist für die Menschen bestimmt – das würde ich nicht einmal als Reichtum bezeichnen. Die Kirche muss sich schon bemühen, für ihre Christen ein Umfeld zu schaffen, in dem man leben und etwas leisten kann. Wir müssen uns anpassen an die moderne Zeit – etwa bei den Medien. Aber auf allem liegt eine Hypothek, und hier gilt das Wort des geschwisterlichen Teilens. Wir brauchen keine Almosen, die von oben nach unten gegeben werden. Geschwisterliches Teilen geht viel tiefer. Ich weiß, wer meine Geschwister sind, ich möchte mit ihnen teilen, sie haben das selbe Recht auf Leben. Und auch auf Strukturen. Allerdings: Wir brauchen in Südamerika nicht so schwerfällige Strukturen wie hier.

-Sie wollen nicht so viel Geld in Steine stecken...

Ich war 35 Jahre Bischof in Xingu. Wir haben versucht, entsprechende Räume für Menschen zu schaffen. Aber einfach, rustikal. Und ein Bischof braucht nicht viel.

-Vielleicht ein Palais?

Braucht er net.

-Ein großes Auto?

Braucht er auch nicht.

-Sie tragen nicht einmal eine Mitra, die Sie als Bischof kenntlich machen würde.

Nein, brauch’ ich auch nicht. Man hatte mir vor meiner Bischofsweihe gesagt, dass die Menschen das erwarten. Ich habe aber gemerkt, dass sie das gerade nicht erwarten. Im Gegenteil.

-In Deutschland ist diese einfache Lebensart bei den Bischöfen nicht so ausgeprägt. Dabei lebt Papst Franziskus das doch vor. Wieso setzt sich das nur schleppend durch?

Weil man sagt: Das war doch immer so. Man glaubt, die Menschen wollten das. Aber genau darin liegt der Fehler. Man sollte zu all diesem Drum und Dran, den Accessoires, die jungen Leute fragen. Da würde man vielleicht eine Antwort bekommen. Wir haben eine so schwerfällige Liturgie – Mitra auf, Mitra ab. Wieso kann das nicht einfacher gehen?

-Das sind die Traditionen. Daraus lebt die Kirche seit 2000 Jahren.

Ja, das ist schön und erhebend. Ich weiß genau, was die Leute sagen. Aber ich würde trotzdem die Frage stellen: Wie stehen die jungen Menschen dazu? Sagt ihnen das etwas? Da möchte ich gerne die Antwort erfahren. Ich bin nicht dafür, dass wir in Hemd und Hose Gottesdienst feiern. Es soll schon würdig sein. Aber wir könnten es viel einfacher gestalten.

-Wird sich das Kontrastprogramm, das Franziskus lebt, gegen das Beharrungsvermögen der Kurie durchsetzen? Es gibt ja Geistliche, die bauen schon auf die Zeit nach Franziskus.

Ich hoffe, dass er noch lange lebt. Und er hat einen langen Atem. Verschiedene Dinge, die er eingeleitet hat, sind unwiderruflich. Da kann ein zukünftiger Papst nicht so tun, als hätte Franziskus nicht existiert.

-Welche meinen Sie?

Die Art und Weise seiner Amtsführung. Dass er besonders auf die Einfachheit und Schlichtheit setzt. Dass die Kirche sich nicht verbarrikadieren und warten soll, bis die Schäfchen kommen. Die Kirchentüren müssen offen sein, rausgehen müssen wir! Der Gottesdienst ist sehr wichtig, und die kontemplative Dimension dürfen wir nicht verlassen. Im Gegenteil: Das ist unsere Motivation. Aber das alles soll uns helfen, rauszugehen, an die Ränder. Nicht nur an die geografischen, sondern an die existenziellen Ränder. Zu den Flüchtlingen! Da können wir als Christen nicht unser Herz verschließen.

-Europa steht vor einer Bewährungsprobe. Wenn sich die anderen Länder nicht zu einer Verteilung der Flüchtlingszahlen durchringen können, ist vielleicht auch Bundeskanzlerin Merkel gezwungen, ihre Politik zu ändern.

Ich glaube nicht, dass sie ihren Kurs korrigiert. Sie ist eine starke Frau. Sie steht für die christlichen Werte ein. Das bewundere ich an ihr. Sie hat mit unheimlich vielen Widerständen zu kämpfen, aber für mich verkörpert sie noch die europäische Idee. Wenn wir hier keine Lösung finden, hat die EU versagt. Als es ums Geld ging, da wurde geholfen. Jetzt sind wir gefordert in einer rein menschlichen Tragödie. Wir können da nicht untätig zuschauen und so tun, als ob uns das nichts anginge.

-In Ihrer alten Heimat Österreich wird ein Grenzzaun am Brenner geplant. Wie geht es Ihnen damit?

Ich kann das absolut nicht verstehen. Ein Zaun wird Flüchtlinge nicht abhalten. Und gerade am Brenner, wo man Jahrzehnte gekämpft hat, damit dieses Tirol wieder als kulturelle Einheit zusammenkommt. Endlich ist man soweit, dass die kulturellen Werte des einen Tirol wieder zum Tragen kommen. Und auf einmal will man wieder eine Grenze ziehen. Ich weiß nicht, wie die Südtiroler das verstehen. Sie werden nicht begeistert sein. Noch dazu ist es unmöglich, die Leute aufzuhalten, wenn sie über die Grenze wollen.

Dann nehmen sie die grüne Grenze, und die ist in Tirol ziemlich lang. Ich kann nicht mit ansehen, wenn Leute auf der Flucht sind. Nehmen Sie die Frauen mit den Kleinkindern – wenn sie auf einmal vor einem österreichischen Soldaten stehen, der ein Gewehr in der Hand hat und sagt: „Hier geht es nicht weiter.“ Das kann ich mir nicht vorstellen! Wo sind wir denn? Haben wir nichts gelernt aus der Geschichte?

-Kommen wir zurück zur Kirche. Sie haben mit dem Papst über den Priestermangel gesprochen. Sie, Bischof Kräutler, können sich auch Frauen am Altar vorstellen.

Ohne weiteres, kein Problem.

-Haben Sie ihm das gesagt?

So direkt nicht. Aber der Papst hat selber auf verschiedene Thesen hingewiesen. Etwa auf die von Bischof Fritz Lobinger (bis 2004 Missionsbischof von Aliwal/Südafrika; Anmerk. der Redaktion), ohne ihn zu nennen. Dessen These lautet, dass die Menschen ein Recht auf die sonntägliche Eucharistie haben. Also müssen wir auch den Zugang schaffen. Seit 1000 Jahren kann nur ein zölibatärer Mann der Eucharistie vorstellen. Jetzt frage ich mich: Haben die Menschen in unserem Gebiet am Amazonas mit 800 Gemeinden, das so groß ist wie Deutschland und wo die Gemeinden zu zwei Dritteln von Frauen geleitet werden, kein Recht auf die Sonntagsmesse?

- Der Papst wird jetzt aber wohl nicht alles auf den Kopf stellen?

Tut er nicht. Aber er hat zu uns gesagt: Die Bischofskonferenz soll mutige Vorschläge entwickeln. Er wird es nicht im Alleingang machen. Er möchte, dass sich die Bischöfe einbringen. Das finde ich auch gut. Er will mehr Entscheidungsvollmacht der Bischofskonferenzen. Theologisch ist auch der Zölibat kein Problem. Er ist ein rein von Menschen erfundenes Gesetz. Aber ich bin nicht grundsätzlich gegen den Zölibat. Wenn ein Mann oder eine Frau um des Reiches Gottes Willen auf die Ehe verzichtet, ist das ein großer, schöner Wert. Aber: Die Eucharistie davon abhängig machen, ob jetzt zufällig ein zölibatärer Priester vorhanden ist, da bin ich dagegen. Die Zugangsbestimmungen zum Priestertum muss man überdenken. Das muss ja nicht gleich für die ganze Weltkirche gelten. Man kann es ja mal ausprobieren.

-Und das ist möglich?

Das halte ich für realistisch.

Interview: Claudia Möllers

Habt Mut!

ist der Titel des neuen Buchs von Erwin Kräutler, in dem er seine Ansichten zu Kirche und Welt darlegt. 144 S., Tyrolia-Verlag Innsbruck-Wien, 14,95 Euro

Donnerstag, 18. Februar 2016

Indios protestieren wegen Fischsterben durch Belo Monte

An die 100 Indigene dreier ethnischer Gruppen protestierten in Altamira (17.2.) mit einer Blockade der Zufahrt zur Baustelle Pimentel, wo sich die große Staumauer des Xingu befindet. Laut Straßenpolizei wurden 37 Busse an der Fahrt zur Baustelle gehindert. Der Verkehrt an der Bundesstraße war vom Protest nicht betroffen.
Die Indios beklagten, dass sie vom Betreiberkonsortium Norte Energie nicht über die Flutung der Wasserbehälter für das Kraftwerk Belo Monte Mitte Dezember vorigen Jahres informiert worden waren.
Zur Flutung der Reservoirs wurden die Schleusen der Staumauer Pimentel geschlossen, wodurch der Wasserspiegel im Unterlauf des Xingu stark sank. Dort  befinden sich einige Dörfer der Indios. Zwischendurch sei der Wasserspiegel aber wieder gestiegen, wodurch am Ufer abgestellte Boote und Gegenstände zerstört wurden. Außerdem sei ein starkes Fischsterben zu bemerken.
Die Indigenen verlangen Verhandlungen mit Norte Energie, dem Nationalen Indoinstitut Ibama sowie der Bundesregierung.

Das bereits gefüllt Reservoir beim Kraftwerk Belo Monte ist auf diesem Facebook-Video zu sehen.

G1-O Globo, 18/02/2016
Estrada de acesso a Belo Monte segue interditada por indígenas (Mit Video)
Indígenas de três etnias protestam desde quarta-feira, 17.
Pelo menos 37 ônibus da Norte Energia estão estacionados na BR-230.

G1-O Globo, 17/02/2016
Indígenas impedem acesso a canteiro de obras de Belo Monte, no Pará (Mit Video)
Operários da Norte Energia não têm acesso ao sítio Pimental nesta quarta,17
Índios de três etnias afirmam que cheia do reservatório está trazendo prejuízos

Mittwoch, 17. Februar 2016

Erwin Kräutler sprach in München über seinen Einsatz in Amazonien

Münchner Kirchennachrichten, 5.3.2016
Bischof Kräutler: Ein Leben für Amazonien
Der Misereor-Gast Bischof Erwin Kräutler sprach am 16.2. in der Katholischen Akademie in München über seinen Einsatz für die Menschen in Amazonien. Selbst nach der Annahme seines Rücktritts aus Altersgründen, will der Amazonien Bischof bei den Menschen dort bleiben.

München – Bischof Erwin Kräutler hat das, was man Charisma nennt. Durch seine bloße Präsenz verändert der freundliche und bescheidene Mann die Atmosphäre in einem Raum. Er zieht die Menschen an, weil er „echt“ ist, sich für sie interessiert und ihnen auch etwas zu sagen hat. Wenn er schildert, dass seine Diözese Xingú im nordbrasilianischen Amazonien mit 365.000 Quadratkilometern größer ist als die Bundesrepublik Deutschland und es dort trotzdem nur 31 Priester gibt, dann wird klar, dass sein Leben ganz anders ist als das eines Oberhirten hierzulande. „Als ich vor 35 Jahren zum Bischof geweiht wurde, haben sich die Menschen von mir gewünscht, dass ich das Bistum nicht nur vom Schreibtisch aus verwalten, sondern zu ihnen kommen soll“, berichtet er in der voll besetzten Katholischen Akademie in München. Genau das tut Dom Erwin bis heute, obwohl er bald sein 77. Lebensjahr vollendet.

Er reist auf Straßen, die im Sommer staubtrocken und in der Regenzeit schlammig sind. Oft sitzt er in kleinen Booten, die auf Flüssen die Gegenden erschließen, wo keine Straße mehr hinführt. Die Katholiken in seiner Diözese sind überwiegend Arbeiter und Indios. Wenn er eine Gemeinde zur Firmung besucht, dann nimmt er sich mehrere Tage Zeit dafür. „Am ersten Tag wollen mir die Menschen erst einmal erzählen, wie es ihnen geht. Da höre ich ihnen zu, das ist ganz wichtig“, beschreibt er seine Art des Kontakts auf Augenhöhe. Der nächste Tag ist für die Beichte der Firmlinge und die Firmung selbst reserviert. Erst danach spricht er zu ihnen und kann sich dabei auf interessierte Zuhörer verlassen.

Einsatz für die Indios

Als Erwin Kräutler als junger Priester vor mittlerweile 50 Jahren in Amazonien ankam, warnten ihn vermeintlich wohlmeinende Weiße davor, sich um die Indios zu kümmern. Sie würden ohnehin bald aussterben, so ihre zynische Logik. „Gott sei Dank, war das nicht der Fall!“, sagt Dom Erwin. Das haben die Ureinwohner auch ihm zu verdanken, denn Bischof Kräutler setzt sich bis heute entschieden für ihre Rechte ein. 1988 erreichte er als Präsident des indigenen Missionsrats der brasilianischen Bischofskonferenz, dass in die Verfassung des Landes zwei „Indioartikel“ eingearbeitet wurden. Sie garantieren seither, dass Indios das Recht auf ihr Land haben und das Recht auf ihre Kultur. „Das war damals fast ein Wunder, dass uns
das gelungen ist“, erinnert er sich dankbar. „Denn seither begeht jeder, der Indios vertreibt, einen Verfassungsbruch.“

Nicht immer führt sein Engagement zu solch positiven Ergebnissen. Den Bau des Staudamms Belo-Monte am Rio Xingú konnten er und seine Mitstreiter nicht verhindern, obwohl er dramatische Folgen für die Natur hat und die dort lebenden Indios bedroht. „Aber vielleicht können wir durch unsere Aktionen künftige Staudammprojekte verhindern. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben“, lautet sein Credo.

„Ich weiß seither, wie sich das anfühlt, wenn man so gedemütigt wird“

Als einer, der für die Indios und für die Armen eintritt, legt sich Dom Erwin mit den großen Unternehmen an, die die Amazonasregion ausbeuten wollen. Baufirmen, Holzunternehmen, Großgrundbesitzer – sie alle sind nicht unbedingt gut auf ihn zu sprechen. 1983 wurde er bei einer Demonstration von Arbeitern, die keinen Lohn erhalten hatten, von der Polizei zu Boden geworfen und verprügelt. „Ich weiß seither, wie sich das anfühlt, wenn man so gedemütigt wird“, beschreibt er seine Empfindungen.
Bischof Kräutler erhielt immer wieder Todesdrohungen und wurde 1987 bei einem Attetat schwer verletzt. Die Umweltaktivistin Schwester Mary Stang, mit der er eng zusammenarbeitete, wurde 2005 ermordet. Doch er bleibt seiner Linie treu. „Ich kann nicht in der Waldkapelle Eucharistie feiern, wenn mein Volk auf der Straße ist“, sagt er mit Nachdruck und bekommt dafür spontan Applaus.

Das spirituelle Überleben der Katholiken

Bischof Kräutler liegt nicht nur das materielle Überleben der Menschen am Herzen, ihm geht es auch um das spirituelle Überleben der Katholiken in der Diözese Xingú. „Obwohl wir Priester so viel unterwegs sind, haben 70 Prozent der Pfarreien nur drei- bis viermal im Jahr eine Eucharistiefeier“, erklärt er. Das führt zu Erlebnissen wie jüngst, als er eine kleine katholische Kirche einweihen sollte, in der die Erbauer den Altar vergessen hatten, weil sie ihn so selten benutzen. „Da war ich echt erschrocken“, gesteht der Hirte. Deshalb wird in seinem Bistum viel dafür gebetet, dass Rom für Amazonien weitere Möglichkeiten zur Feier der Eucharistie zulässt. Diese müssten nicht gleich global gelten, „sondern für unsere eucharistielosen Gemeinden“, wie Kräutler betont. Diesen Wunsch habe er auch gegenüber Papst Franziskus geäußert, der daraufhin dazu ermutigte, dass die brasilianische Bischofskonferenz über dieses Problem „mutig nachdenken“ solle.

„Wer kommt, der ist aus Überzeugung dabei.“

Wie er denn die deutsche Kirche erlebe, wurde er in der Katholischen Akademie gefragt. „Sie ist durchaus lebendig, auch wenn die Zahl der Gläubigen zurückgegangen ist. Aber wer kommt, der ist aus Überzeugung dabei“, antwortete Bischof Kräutler. Nicht alles lasse sich aus Lateinamerika eins zu eins auf Mitteleuropa übertragen. Wichtig sei, dass die Katholiken mitbestimmen könnten, denn dann engagierten sie sich stärker.

Bischof Erwin Kräutler, der auch an der Vorlage zur Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus mitgeschrieben und soeben den bayerischen Naturschutzpreis erhalten hat, ist Gast der diesjährigen Misereor-Fastenaktion, die sich mit der Situation in Amazonien befasst. Auch vor der Deutschen Bischofskonferenz hat er gerade über die Lage in seiner Diözese sprechen können. Im Dezember vorigen Jahres hat der Papst seinen Rücktritt aus Altersgründen angenommen. „Aber ich bleibe natürlich drüben,“ betont der gebürtige Vorarlberger. „Ich will weiter mit den Menschen dort sein. Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ (Gabriele Riffelt)


Christopher Walter und Fabian Royer freuten sich, Bischof Erwin Kräutler mit ihrer Religionslehrerin Marianne Moosburger in München getroffen zu haben
awz-hahnbach, 15.3.2016
Bischof Erwin Kräutler, berühmter Amazonasbischof, Oberstufenschüler und ihre Religionslehrerin

Den Abend mit Bischof Erwin Kräutler aus Brasilien werden die beiden Oberstufenschüler und ihre Religionslehrerin Marianne Moosburger wohl so schnell nicht vergessen. Sie waren für die Abendveranstaltung der Katholischen Akademie eigens nach München gefahren, um den berühmten Amazonasbischof kennenzulernen und auch, um ihm ihren Respekt zu bekunden.

Der Organisator und Moderator Dr. Johannes Schießl begrüßte persönlich die drei Oberpfälzer und auch Bischof Kräutler freute sich sehr über deren Engagement. In der Akademie informierte Misereor über das brasilianische Belo-Monte-Staudammprojekt, welches sich selber zum Subjekt und den Menschen zum Objekt mache.

Bischof Kräutler sprach in diesem Zusammenhang gar von einem Genozid, einem Ethnozid, also einem Völkermord bzw. einem Aurozid, d.h. mit Geld würden hier ganze Völker in die Verwahrlosung gedrängt. Noch kämpfen vor allem die Frauen, die sich um die nächste Generation sorgen, dagegen. Doch gegen die weltweit agierenden Konzerne seien auch sie ohne Hilfe weithin chancenlos.

Mit der Perikope des barmherzigen Samariters fragte Bischof Kräutler „Wem wurde ich zum Nächsten?“ und exegierte, dass das Wort „Barmherzigkeit“ im hebräischen von dem Wort für „Geborgenheit im Mutterschoß Gottes“ komme und so also von Gottes tiefster Liebe zu uns spreche, welche auch heute noch jeden einzelnen anspreche und wie den Samariter zum rechten Handeln aufrufe.

Tief berührt berichtete Bischof Kräutler, der sich seit über 50 Jahre in Amazonien, einem Gebiet, das größer als Deutschland ist, für die Indios einsetzt, von einem von der täglichen Realität inspirierten Theaterspiel seiner ihm anvertrauten Schützlinge. Diese ließen eine Bauernfamilie auftreten, welche von Großgrundbesitzern bei Androhung des Todes vertrieben werden. Dann wurden zwei hübsche Mädchen von Sklavenhändlern verschleppt, Indios wurden kaltblütig erschossen und Kinder fielen zum Geräusch von Motorsägen um. Die Schlussfrage des Stücks: „Und wie stehst du dazu?“ gehe auch nicht zuletzt Europa an, betonte der Vorarlberger.

Kräutler zeigte auf, dass die vielen Staudammprojekte keine innerbrasilianische Angelegenheit seien, dass 50 Prozent des Holzes illegal in die EU gelangen und Großgrundbesitzer, nach der Vertreibung der Ureinwohner, auf dem ehemaligen kargen Regenwaldboden Rinderherden züchteten und Soja für weltweit gesuchtes Tierfutter anbauten. „Jetzt könnten wir noch 50 Prozent von Amazonien retten und damit einen Teil seiner Völker und auch seiner klimaregulierenden Funktion erhalten, mehr ist schon nicht mehr möglich“, erklärte der engagierte Bischof der Provinz Xingu.

Wie lebensgefährlich und brutal Konzerne, Politiker und Großgrundbesitzer vorgehen, zeigte Kräutler anhand verschiedenster authentischer Beispiele auf. Seine Mitarbeiterin, Schwester Dorothy und weitere Mitarbeiter wurden bereits wegen ihres Einsatzes ermordet. Er selber mehrfach bedroht, verprügelt und festgenommen. Bei einem fingierten Autounfall, bei dem sein Mitarbeiter starb, sollte auch er ermordet werden. Seitdem stehe er unter Polizeischutz, was aber auch keine Überlebensgarantie darstellt.

Kräutler verwies auch auf das Problem der priesterlosen Gemeinden. Nur 31 Priester, davon 60 Prozent über 60 Jahre alt, arbeiteten in Amazonien. Dies bedeutet, dass über 90 Prozent aller Gemeinde keine sonntägliche Eucharistiefeier hätten und 70 Prozent nur drei bis viermal im Jahr Besuch von einem Priester bekämen. Nicht selten würden sogar Kapellen ohne einen Altar gebaut, da jahraus- jahrein nur ein Ambo, ein Lesepult, im Gottesdienst Verwendung finde.

Engagiert sprach sich Kräutler, der als „Ghostwriter“ für die letzte Papstenzyklika „Laudato si“ gilt, für ein Umsetzen der Befreiungstheologie ein, welche ein „würdiges Leben für alle“ fordere. „Armut ist nicht Schicksal, sie wird gemacht!“ betonte er. „Helfen sie leben! Legen sie Zeugnis ab!“ wünschte er von allen Christen.

Realistische oder unrealistische Aussichten auf Erfolg dürften dabei kein Kriterium sein, meinte er, denn sogar „Jesu scheinbarer Misserfolg am Kreuz habe die größte Revolution aller Zeiten ausgelöst!“. „Auch Schweigen ist Politik!“ hielt er dem Plenum entgegen und betonte, dass „Ökologie, Ökonomie und Gerechtigkeit sich nicht trennen lassen dürfen, um der Menschen willen.“ Langanhaltender stehender Applaus dankte dem kurz vor seinem „Unruhstand“ stehenden Bischof.

Montag, 15. Februar 2016

Bischof Kräutler für Alternativen zum Zölibat


Religion.of.at, 14.2.2016
Bischof Kräutler: Brauchen Alternativen zum Zölibat
Bischof Erwin Kräutler hat die deutsche Bischofskonferenzen dazu aufgerufen, über Alternativen zum zölibatär lebenden Priester zu diskutieren.

„Jede und jeder hat den Auftrag, nachzudenken“, sagte Kräutler am Sonntag im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Rande der Eröffnung der Misereor-Fastenaktion in Würzburg. Papst Franziskus selbst habe ihn aufgefordert, mutige Vorschläge zu machen.

Der Papst werde zwar nicht in eigener Regie von heute auf morgen etwas ändern. "Aber die Bischofskonferenzen haben den Auftrag, darüber zu befinden, um dann konkrete Vorschläge zu machen, so der emeritierte Bischof der Diözese Xingu.

Mit Blick auf seine Diözese im Amazonas-Gebiet sagte Kräutler, angesichts der geografischen Lage und der geringen Zahl von Priestern könnten 70 Prozent der Katholiken nur drei- bis viermal im Jahr Messe feiern, ansonsten Wortgottesdienst. Dabei sei die Eucharistie das Zentrum des katholischen Glaubens. „In erster Linie steht nicht der Zölibat zur Diskussion, sondern die von der sonntäglichen Eucharistiefeier ausgeschlossenen Gemeinden“, sagte Kräutler. Dies sei zwar zunächst ein Problem in Amazonien, aber die Gemeindezusammenlegungen in Deutschland seien auch nicht unbedingt die Lösung.

Drei bis vier jährliche Messfeiern im Amazonas-Gebiet
Die mehrfach vorgeschlagene Beauftragung von katholischen Männern mit tadellosem Lebenswandel, sogenannte „viri probati“, ist für den aus Österreich stammenden Bischof eine problematische Alternative. "Was macht denn einen Mann zum „vir probatus" und wer oder welches Forum befindet darüber, ob einem dieses Attribut zugesprochen werden kann oder nicht?“

Er frage sich auch, ob alle zölibatär lebenden Priester tatsächlich „viri probati“ seien. Zudem sei bei einer solchen Lösung von vornherein die Möglichkeit ausgeschlossen, dass eine Frau als Priesterin dem Gottesdienst vorstehen könne.

Laut Kräutler gibt es eine Kommission der Bischofskonferenz in Brasilien, die dem Papst Vorschläge machen solle. Es gebe aber darüber hinaus viele, die nachdächten. „Papst Franziskus will das ja sogar wenn er sagt: Sean corajudos! - habt Mut!“ Zugleich erinnerte der Bischof an das Apostolische Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ von Papst Johannes Paul II. von 1994, demzufolge die Kirche keine Frauen zu Priestern weihen könne. „Dieses Wort hat sicher nachhaltige Wirkung, ist aber dennoch kein Glaubenssatz, kein Dogma.“


Die Presse, 15.5.2016
Bischof Kräutler: "Zölibat nicht Pflicht für Eucharistie"
Der seit 49Jahren in Brasilien lebende Vorarlberger Bischof Erwin Kräutler berichtet von seiner Privataudienz beim Papst: Dieser fordere Vorschläge zur Behebung des Priestermangels.

Die Presse: Sie haben einen Mordanschlag überlebt, stehen seit acht Jahren unter Polizeischutz. Wie gehen Sie mit Angst vor dem Tod um?

Erwin Kräutler: Wenn ich nur Angst habe, kann ich nicht leben. Mein größter Schutz ist das Volk.

Wenn Sie aus Brasilien nach Österreich kommen, muss das für Sie wie ein Kulturschock sein.

Nein. Ich habe hier meine Wurzeln. Die Geschichte in Österreich ist anders verlaufen. Die Bischöfe hier müssen sich mit der Situation von heute konfrontieren und versuchen, Wege zu gehen, um die Leute dort abzuholen, wo sie sind. Ich habe meine Erfahrungen in Brasilien gemacht, aber ich rede hier niemandem ins Gewissen.

Welche von Ihren Erfahrungen könnte man auf Europa, auf Österreich umlegen?

Das Stichwort lautet Laien. In Brasilien sind Frauen und Männer viel mehr gefordert: Bei mir gibt es 800 Gemeinden und 27 Priester, damit ist alles gesagt. Wenn die Laien nicht Verantwortung übernehmen für ihre Gemeinde, dann gibt es keine Gemeinde mehr. Es wird auch in Europa in zehn Jahren sicher so sein, dass Frauen und Männer Gemeinden leiten.

Das Spenden der Sakramente bleibt Priestern überlassen?

Nicht ausschließlich. Ich kann jedem die Tauferlaubnis geben oder die Erlaubnis, dass er Hochzeiten vorsteht. 90 Prozent aller Gemeinden in Amazonien haben sonntags keine Eucharistiefeier. 70 Prozent haben zwei bis drei Mal im Jahr eine Eucharistiefeier, ansonsten wird ein Wortgottesdienst gefeiert.

Das Zweite Vatikanische Konzil spricht von der Eucharistiefeier als Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens. Hinter dieser Vorgabe bleibt die von Ihnen geschilderte Praxis aber weit zurück.

Absolut. Gott ist auch in seinem Wort gegenwärtig, aber der Wortgottesdienst ist nur ein Teil der Eucharistiefeier. In den meisten Gemeinden fehlt leider der zweite Teil, das ist das größte Problem.

Es gibt für Katholiken auch ein Recht auf die Eucharistie. Wie löst man dieses Problem?

Ja, man hat ein Recht darauf. Das ist nicht ein Privileg.

Müsste man die Zugangsregeln ändern?

Genau, das habe ich dem Papst auch gesagt. Der Papst ist sehr offen. Er wird nicht von heute auf morgen ein Rezept haben. Aber der Papst hat mir wortwörtlich gesagt: Die Bischöfe, die regionalen Bischofskonferenzen sollen mutige, couragierte Vorschläge machen.

Wie man die Zugangsregeln für das Priesteramt lockert?

Welche Möglichkeiten es gibt. Zölibat muss nicht unbedingt Pflicht für die Eucharistiefeier sein. Zölibat bedeutet, dass ein Mann oder eine Frau sich verpflichtet, ehelos zu leben. Wenn ich überlege, was ich erlebt habe: Hätte ich mir das leisten können, wenn ich Frau und Kinder hätte? Wäre dann nicht meine erste Aufgabe, für die Frau und die Kinder da zu sein und nicht mein Leben zu riskieren? Ein Vorschlag wird sein, dass man Zölibat und Eucharistiefeier entkoppelt. Dass die Eucharistiefeier von einem zölibatären Priester abhängig gemacht wird, da mache ich nicht mit.

Sie müssen doch mitmachen.

Das hat sich insoweit geändert, als wir dem Papst Vorschläge machen können. Mein Besuch beim Papst war außergewöhnlich, ich war in Privataudienz bei ihm (Anfang April dieses Jahres; Anm.). Ich habe der Bischofskonferenz (Brasiliens; Anm.) berichtet. Höchstwahrscheinlich wird eine Kommission gegründet, die den Ball auffängt und berät: Wie können wir dem Papst helfen. Er fordert von uns Vorschläge, er will sie.

Rechnen Sie damit, dass Franziskus derartige Reformen umsetzt?

Ich hoffe es. Dieser Prozess war bisher nicht erlaubt. Benedikt XVI. hat gesagt, wir beten um Priesterberufungen. Bei diesem Papst ist es anders. Er will einen Prozess in Gang bringen. Das ist das Neue. Da gib es Türen, die sich öffnen.

Zur Priesterweihe für Frauen hat Franziskus gemeint: Diese Tür ist geschlossen.

Solange eine Tür da ist... Die Tür ist nicht vermauert. Dass unter diesem Papst die Frauenordination kommt, das denke ich nicht.

Sollte die Tür geöffnet werden?

Ja, aber ich will da nicht vorgreifen.

Haben Sie jemals schon jemandem die Kommunion verweigert?

Nie. Das wäre ein Skandal. Wer bin ich, dass ich die Kommunion verweigere? Betroffene müssen das mit ihrem Gewissen entscheiden.

Franziskus kritisiert die Wirtschaft scharf. Wie viel Kapitalismuskritik ist für die katholische Kirche verträglich?

Da spricht der Papst als Lateinamerikaner. Es fragt sich, wer Subjekt ist: die Wirtschaft oder die Menschen, für die sie da sein sollte? Da verwischen sich Dinge auch hier.

Manche konstatierten einen Linksruck in der Kirche...

Der Wahnsinn besteht darin, Befreiungstheologie als marxistisch zu stigmatisieren. Die Befreiungstheologie ist biblisch.

Sonntag, 14. Februar 2016

Bischof Kräutler predigt zur Eröffnung der Misereor Fastenaktion 2016 in Würzburg


Mit einem festlichen Pontifikalamt wird die Fastenaktion Misereor im St. Kiliansdom in Würzburg eröffnet. Sie steht in diesem Jahr unter dem Leitwort "Das Recht ströme wie Wasser" und thematisiert die Sorge für Recht, Gerechtigkeit und Menschenwürde am Beispiel Brasilien. Im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" erinnert die Fastenaktion, die zum ersten Mal gemeinsam mit dem Rat der christlichen Kirchen Brasiliens durchgeführt wird, an die gemeinsame Verantwortung für die Welt. Hauptzelebrant des Gottesdienstes ist der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Ihm zur Seite stehen viele Gäste aus Brasilien, zum Beispiel der Träger des Alternativen Friedensnobelpreises Bischof Erwin Kräutler oder Bischof Frei Wilmar Santin aus Itaituba im Bundesstaat Pará.

Der Gottesdienst in der ARD-Mediathek, 14.2.2016

Die Ansprache von Bischof Kräutler beginnt bei Minute 20


BR24, 16.2.2016
620.000 TV-Zuschauer sahen Misereor-Gottesdienst
Beachtliche Quote: Etwa 620.000 Fernsehzuschauer haben nach Angaben der ARD den Pontifikalgottesdienst zur bundesweiten Eröffnung der Misereor-Fastenaktion verfolgt. Das Erste übertrug die Feier aus dem Würzburger Kiliansdom live.

domradio.de, 14.2.2016
Misereor-Fastenaktion in Würzburg eröffnet
"Hirte für die Menschen"
Mit einem feierlichen Gottesdienst in Würzburg ist am Sonntag die Misereor-Fastenaktion der katholischen Kirche Deutschlands eröffnet worden. Unter dem Leitwort "Das Recht ströme wie Wasser" steht dieses Jahr Brasilien im Mittelpunkt.

Pressestelle Würzburg, 14.2.2016
Dokumentation
„Das Recht ströme wie Wasser“
Predigt von Bischof Dr. Friedhelm Hofmann und Bischof Erwin Kräutler beim bundesweiten Eröffnungsgottesdienst der 58. Misereor-Fastenaktion am 14. Februar 2016 im Würzburger Kiliansdom


Buchpräsentationen mit Bischof Erwin Kräutler

Bischof Erwin Kräutler

Dienstag, 16. Februar 2016, 19.00 Uhr
München, Katholische Akademie in Bayern, Mandlstr. 23
Erwin Kräutler, Bischof in Brasilien, berichtet über seinen Einsatz für die indigene Bevölkerung Xingus. Nur mit Anmeldung! Eintritt: EUR 8.-



Erwin Kräutler

Donnerstag, 18. Februar 2016, 19.00 Uhr
Koblach, Gemeindesaal, Werben 9
Alte Ordnungen und Sicherheiten wanken und Europa muss sich neu orientieren. Aber wohin? Amazonasbischof Erwin Kräutler zeigt neue ethische Grundregeln auf.

Samstag, 13. Februar 2016

Bischof Kräutler hinterfragt "saubere Energie" in Amazonien

Bischof Kräutler über die Ungerechtigkeit am Amazonas

Bayrisches Fernsehen, 22.2.2016
Bischof Kräutler - Die Stimme der Indios



Fränkische Nachrichten, 13.2.2016
Hoffnung auf Recht ein Gesicht geben
Würzburg. Als eine "menschliche Tragödie" hat Bischof Erwin Kräutler aus dem brasilianischen Bistum Xingu die Vertreibung der Menschen für den Bau eines Staudamms am Amazonas bezeichnet. Er sprach bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Würzburger Burkardushaus anlässlich der bundesweiten Eröffnung der 58. Misereor-Fastenaktion in Würzburg.

Brasilien ist das Beispielland der Aktion, die am Sonntag, 14. Februar, um 11 Uhr mit einem Gottesdienst im Kiliansdom eröffnet wird. Sie steht unter dem Leitwort "Das Recht ströme wie Wasser". Die Misereor-Fastenaktion lenke den Blick auf globale Zusammenhänge, sagte Bischof Dr. Friedhelm Hofmann. "Es geht darum, das Bewusstsein der Verantwortung füreinander wachzurufen und bessere Lebensbedingungen zu schaffen."

Gemeinsam mit Brasilien

"Wir freuen uns, dass das Bistum Würzburg als Ort der bundesweiten Eröffnung ausgesucht wurde", sagte Bischof Hofmann. Erstmals gebe es eine gemeinsame Fastenaktion mit der brasilianischen Bischofskonferenz und dem Rat der christlichen Kirchen in Brasilien (CONIC). Seit dem Jahr 2012 verbinde eine Partnerschaft mit der Diözese Óbidos das Bistum Würzburg mit Brasilien. Vorausgegangen seien langjährige Kontakte zu Missionaren, die aus der Diözese Würzburg stammen.

"Immer mehr Menschen haben für diese Partnerschaft und vor allem für die Menschen in Brasilien Feuer gefangen", sagte Bischof Hofmann. "Eine große Freude ist für mich der intensive Austausch und das Engagement vieler junger Menschen." Die Diözese Würzburg unterstütze in Óbidos die Bereiche Gesundheit, Bildung, Pastoral sowie die Kommission für Landpastoral (CPT). Diese unterstütze die Menschen, oft einfache Fischer und Kleinbauern, in ihren Rechten, erklärte Bischof Hofmann.

Durch die Eröffnung der Misereor-Fastenaktion im Bistum Würzburg würden Synergien zwischen Misereor und den an Brasilien interessierten Gemeinden und Gruppen entstehen. Diese zeigten sich auch im umfangreichen Programm zur Fastenaktion mit mehr als 100 Veranstaltungen.

Über 180 Projekte

Misereor unterstütze über 180 Projekte in Brasilien, erklärte Monsignore Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von Misereor, über eine Live-Zuschaltung direkt aus Brasilien. Zwei davon seien als Beispielprojekte gewählt worden.

So setze sich das "Centro Gaspar Garcia" in der Millionenstadt São Paulo für das Recht auf Wohnen ein. "Ich habe gesehen, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen die Menschen dort leben." So gebe es in manchen Stadtteilen weder Trinkwasser noch eine Abwasserentsorgung.

Das zweite Projekt beschäftige sich mit dem geplanten Staudamm am Fluss Tapajós, einem südlichen Nebenfluss des Amazonas. Dort drohe vielen Menschen die Vertreibung aus ihrer Heimat. "Wir fordern, die Rechte der indigenen Munduruku und der Menschen, die dort leben, zu respektieren und zu unterstützen", erklärte Spiegel. "Wir alle sind angesprochen, der Hoffnung auf Recht und Gerechtigkeit ein Gesicht zu geben."

Menschliche Tragödie

Von seinem Kampf gegen den Bau des Wasserkraftwerks "Belo Monte" berichtete Bischof Kräutler. Die Stadt Altamira beispielsweise sei auf 150 000 Einwohner angewachsen, ohne dass die entsprechende Infrastruktur geschaffen wurde. "Wir stehen buchstäblich vor einem Chaos."

Im Zuge des Staudammbaus seien ganze Gemeinden "einfach vom Erdboden verschwunden". Gemeinschaften würden zerrissen, die Kultur der Menschen zerstört. "Es ist eine menschliche Tragödie." Wasserkraft werde als "saubere Energie" bezeichnet, und die Regierung von Brasilien setze auf riesige Wasserkraftwerke.

Strategie der Straßenwalze

"Doch kein Mensch spricht davon, was im Umfeld passiert", sagte Kräutler. Menschen würden von ihrem Grund und Boden vertrieben, Hunderttausende Quadratkilometer Regenwald gerodet.

Bischof Erwin Kräutler sprach in Würzburg von einer "Strategie der Straßenwalze", mit der über die Menschen hinweg entschieden werde.

"Wir hoffen, dass unsere Erfahrung den Menschen am Tapajós Rückendeckung gibt im Kampf gegen dieses Projekt." Zudem gebe es Studien, laut denen Amazonien eine klimaregulierende Funktion für die ganze Erde habe. "Wenn Amazonien nicht mehr ist, dann wird das weit über die Staatsgrenzen und den Atlantik hinweg den ganzen Planeten Erde betreffen", warnte er.

11. Todestag von Schwester Dorothy Stang

Am 12. Februar 2016 jährte sich der Jahrestag der Ermordung von Schwester Dorothy Stang zum11. Mal. Als sie 2005 in Anapu erschossen worden war, rückten das Heer, die Bundespolizei und die Zivilpolizei in Anapu an und bemühten sich um Gerechtigkeit.
2015 wurden fünf Leute im Landesinneren von Anapu auf brutale Weise umgebracht, weil sie sich für Kleinbauern und Landreform eingesetzt hatten. In diesen Fällen gab es bisher keine Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft ist noch nicht vor Ort erschienen.
Die Gedenkveranstaltungen am 12. Februar standen unter dem Motto "Schrei nach Gerechtigkeit". Der fünf Opfer Hercules, Jesusaar, Ivanzinho, Zé da Zapata und Cosme wurde in Rollenspielen und Gebeten besonders gedacht. Für alle stand fest, dass die Täter ausgeforscht und verurteilt werden müssen.
Die Landpastoral (CPT) brachte nie neuen Zahlen der in Brasilien bei Landkonflikten getöteten Menschen. Mit 49 registrierten Fällen wurde ein Höchstwert während der letzten 12 Jahre erreicht - in Jahr 2003 waren allerdings gleich 73 Tote zu beklagen.
Ein weiteres trauriges Detail: von den 1.115 Todesfällen bei Landkonflikten zwischen 1985 und 2014 gab es nur bei 12 gerichtliche Verurteilungen.


Siehe Blog-Archiv vom 12.11.2015:
Pistoleiros verbreiten wieder Schrecken in Anapu

Cara Maior, 12/02/2016
Quem matou Dorothy Stang continua matando
A repercussão desse assassinato deu a impressão que a violência de crimes praticados por motivos idênticos diminuiria. Os fatos provam o contrário.

Radio Vaticano, 19.2.2016
Conflito no campo motivou 49 assassinatos em 2015, denuncia CPT

O Globo, 12/02/2016
Assassinato da missionária Dorothy Stang completa 11 anos
Os cinco envolvidos foram condenados pela Justiça.
Regivaldo Pereira Galvão recorre da sentença em liberdade.



12 de fevereiro 2016 Dorothy vive!!!
Posted by Zenilda Do Nascimento on Freitag, 12. Februar 2016

Facebook-Video 1



segunda parte...
Posted by Zenilda Do Nascimento on Freitag, 12. Februar 2016

Facebook-Video 2

Freitag, 12. Februar 2016

Amazonas-Bischof Kräutler: „Die Indios brauchen ihr Land“


Main-Post, 11. Februar 2016
Amazonas-Bischof: „Die Indios brauchen ihr Land“

Wenn am Wochenende das Hilfswerk Misereor in Würzburg seine Fastenaktion 2016 eröffnet, richten sich die Blicke auf das Beispielland Brasilien. Dort kämpft Bischof Erwin Kräutler im Amazonasgebiet seit 50 Jahren an der Seite indigener Völker für deren Rechte und Selbstbestimmung. Am Sonntag predigt er gemeinsam mit Würzburgs Bischof Friedhelm Hofmann im ARD-Fernsehgottesdienst aus dem Kiliansdom zum Start der Fastenaktion. Wir sprachen mit dem 76-jährigen gebürtigen Österreicher.

Frage: Bischof Kräutler, kurz vor Weihnachten hat Papst Franziskus Ihren altersbedingten Rücktritt angenommen. Bleiben Sie am Xingu, in Amazonien?
Erwin Kräutler: Natürlich bleibe ich dort. Einen alten Baum kann man nicht versetzen. Ich bin seit 50 Jahren in Amazonien, war 35 Jahre Bischof.

Der Xingu ist Ihnen zu Heimat geworden . . .
Kräutler: Ja. Heimat ist dort, wo es gute Menschen gibt, wo man sich wohlfühlt und seine Aufgabe erfüllt. Ich bin mit 26 Jahren an den Xingu gekommen. Das ist prägend.

Warum sind Ihnen speziell die indigenen Völker so ans Herz gewachsen?
Kräutler: Zwei Onkel von mir waren schon seit 1934 in Brasilien, am Xingu – einer von ihnen als Priester. Er hat vier- bis fünfmal im Jahr Briefe nach Hause geschrieben. Und darin ging es meist um die indigenen Völker. Ich wusste also schon als Bub, was die Kayapo sind, die Indios am Xingu. Als ich 1965 selbst nach Brasilien gekommen bin, habe ich als erstes gefragt: Wie geht's den Kayapo? Die Antwort war: Ich solle mich nicht um die Indios kümmern, sondern um die armen Menschen entlang der Flüsse. Die Indios werde es in 20 Jahren nicht mehr geben. Sie seien wild, hinterhältig und müssten eigentlich ausgemerzt werden. Da habe ich gesagt: Das darf nicht sein! Ich will mich mit meinen Möglichkeiten einsetzen, damit die Indios überleben.

Sie haben einen Mordanschlag schwer verletzt überlebt, bekommen Drohungen, stehen unter Polizeischutz. Wem stehen Sie im Weg?
Kräutler: Es gibt vier Gründe. Erstens wurde im Februar 2005 eine Mitarbeiterin von mir ermordet. Für diese Mafiosi weiß auch ich zuviel – und die Regierung hat Sorge, mir könnte das Gleiche passieren. Das Zweite ist mein Einsatz für die indigenen Völker. Da bin ich vielen ein Dorn im Auge: Unternehmen, Bergbaugesellschaften, Holzhändlern, Großgrundbesitzern. Sie wollten an das Land heran – und es legt sich einer quer. Dann mein Widerstand gegen den Staudamm von Belo Monte am Xingu. Er geht an den Lebensnerv von Völkern. Und das Vierte: Männer aus Altamira hatten Schulmädchen missbraucht. Keiner hat sich aufgeregt. Aber ich habe die Leute angezeigt, als ich davon erfahren hatte. Die haben mich sofort mit dem Tod bedroht.

Sie wurden für Ihren Einsatz 2010 mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Was bedeutet er Ihnen, wo Sie doch auf Ehrungen und Titel so wenig Wert legen?
Kräutler: Ich war ja nie allein unterwegs, sondern hatte immer Mitstreiter. Als Bischof steht man natürlich mehr im Rampenlicht. Deshalb habe ich diese Auszeichnungen immer stellvertretend als Anerkennung für den Einsatz angenommen - für alle, die sich mit mir eingesetzt haben, vor allem auch Frauen.

Wo leiden denn Indios heute am meisten?
Kräutler: Wir haben 1987 bei der Verfassung gebenden Versammlung dafür gekämpft, dass ihre Rechte aufgenommen werden. Das ist uns gelungen. Heute gibt es im Nationalkongress eine anti-indigene Ausrichtung, gerade von Großgrundbesitzern, die das Rad zurückdrehen will. Wir setzen uns heute ein für die Verfassung, gegen den Kongress.

Am Xingu mussten Sie erleben, dass die Verfassung nichts zählt.
Kräutler: Bei all diesen Großprojekten müssen laut Verfassung die Betroffenen, insbesondere die indigenen Völker, angehört werden. Das ist am Xingu nicht geschehen. Deshalb ist der Staudamm von Belo Monte verfassungswidrig.

Trotzdem laufen dort die Turbinen an. Was ist mit den Anwohnern passiert?
Kräutler: Sie wurden vor die Tatsache gestellt, dass sie weg müssen. Es gab Entschädigungszahlungen, aber für die meisten viel zu gering. Die Leute wurden zwangsumgesiedelt mit dem Versprechen, ihr kriegt ein schönes Häuschen. Das war dann aus Fertigteilen weit weg von der Stadt. Wenn jemand vom Fischfang lebt, wohnt er am Flussufer. Es gibt keinen Fischer im Stadtzentrum. Oder Kleinbauern. Sie haben keinen anderen Beruf und brauchen ihr Land, brauchen das Wasser.

Das heißt, hier geht es um Existenzen und die Zerstörung ganzer Kulturen?
Kräutler: Das eine ist die physische Vernichtung: Leute überleben das einfach nicht, weil sie sich nicht mehr versorgen können. Oder sie werden zwangsumgesiedelt und das ist für indigene Völker meistens fatal. Sie kommen an den Stadtrand, werden aus ihrem kulturellen Umfeld herausgerissen, und dann verfallen sie leicht dem Alkohol oder der Prostitution. Neben dem ökologischen Eingriff wurden die schweren sozialen Folgen total vergessen. Stellen Sie sich vor: Die Stadt Altamira, durch den Staudammbau von 90 000 auf 150 000 Einwohner hochgeschnellt, wird zu einem Drittel überflutet. 30 000 bis 40 000 Menschen sind direkt betroffen, sie haben ihr Haus verloren.

Wer profitiert eigentlich vom Staudamm?
Kräutler: Er wurde gebaut, um Energie zu gewinnen. Und die wird zum überwiegenden Teil den Großunternehmen zur Verfügung gestellt, vor allem im Bergbau und für den Export. Die Aluminiumverhüttung ist sehr energieintensiv.

Sind wir als Konsumenten über den Export bzw. dessen Import bei uns – zum Beispiel Soja – mitverantwortlich für den Raubbau in Amazonien?
Kräutler: Man kann das nicht mehr trennen. Wir haben nur die eine Welt. Was heute in Brasilien passiert, hat mit Sicherheit Rückwirkungen auf den alten Kontinent. Vielleicht nicht heute, aber übermorgen. Amazonien hat eine klimaregulierende Funktion für die ganze Erde. Verbunden mit jedem Staudamm ist die großflächige Abholzung von Regenwald. Abertausende Quadratkilometer sind bereits abgeholzt – auch für Rinderherden der Großgrundbesitzer oder den Soja-Anbau. Das alles ist exportorientiert. Auch im Süden Brasiliens glaubt man immer noch, Amazonien sei der Hinterhof, aus dem alles herauszuholen ist. Diese Einstellung muss geändert werden.

Ihr Bistum Xingu ist flächenmäßig größer als Deutschland. Wie erreichen Sie überhaupt die Leute?
Kräutler: Zu Wasser, zu Land und in der Luft. Am Unterlauf des Xingu bin ich auch mal zwölf oder 15 Tage mit dem Schiff unterwegs und ziehe von Gemeinde zu Gemeinde.

Sind Bischöfe in Brasilien kämpferischer und mutiger als bei uns?
Kräutler: Ich glaube, Sie sind anders und stärker gefordert. Wenn ich zum Himmel schreiendes Unrecht erlebe, auch am eigenen Leib - dann kann ich nicht mehr still halten. Ich wurde 1981 zum Bischof gewählt, 1983 hat mich die Militärpolizei niedergeprügelt. Ich habe mich auf die Seite der Ausgebeuteten gestellt. Und wenn man diesen Schritt macht, stellt man sich gegen die Interessen der Unternehmen, der Bergbaugesellschaften, der Großgrundbesitzer und all dieser Typen, die es auf den Regenwald abgesehen haben.

Erwin Kräutler
Der aus Vorarlberg stammende Erwin Kräutler (76) lebt seit 50 Jahren am Xingu im brasilianischen Amazonasgebiet. 35 Jahre war er dort Bischof und setzt sich weiter für die Umwelt und die Rechte der indigenen Völker ein. Wegen Morddrohungen steht er seit 2005 unter Polizeischutz. Zuletzt kämpfte er gegen den Bau eines gewaltigen Staudammes am Xingu. Kräutler hat vier Artikel über Amazonien und die indigenen Völker zur viel beachteten Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus beigetragen.



Brasilianischer Bischof prangert Ungerechtigkeit an
Bischof Erwin Kräutler kritisiert brasilianische Regierung
Der brasilianische Bischof Erwin Kräutler wirft der Regierung des Landes Rechtsbruch bei Staudammprojekten in Amazonien vor. So seien entgegen der Vorschriften die Menschen vor Ort nicht gehört worden, sagte Kräutler am Donnerstag im Vorfeld der bundesweiten Eröffnung der Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor in Würzburg.
Weiterlesen auf katholisch.de 11.02.2016

Donnerstag, 4. Februar 2016

Bischof Kräutler predigt bei der regionalen Bischofskonferenz in Belém

Dom Erwin Kräutler
Beim Abschlussgottesdienst der Regionalen Bischofskonferenz "Norte 2" am 2. Februar in Belém durfte Bischof Erwin Kräutler die Predigt halten. Im Dezember hatte Papst Franziskus seinen Rücktritt als Bischof am Xingu angenommen. 50 Jahre seines Lebens verbrachte er bereits am Xingu, und 35 Jahre davon als Bischof. Es war für Kräutler auch ein historischer Moment, denn zum ersten Mal konzelebrierte er mit seinem Nachfolger Dom João Muniz.

Dom Erwin sprach frei aus dem Herzen zum Evangelium vom barmherzigen Samariter. Dabei sei besonders auf die Frage Jesu zu achten.
Der Jüngling hat gefragt: Wer ist mein Nächster.
Jesus nimmt eine andere Position ein, er schaut auf den Notleidenden vor sich und fragt: Wer hat sich diesem am Boden Zerstörten als der Nächste erwiesen - in der Tat?

Die Predigt im Originalton auf YouTube

Dom João Muniz

Mittwoch, 3. Februar 2016

Bischof Kräutler: Jetzt die Welt und die Kirche verändern!

Habt Mut!
Jetzt die Welt und die Kirche verändern. In Zusammenarbeit mit Josef Bruckmoser

2016 Tyrolia
ISBN 978-3-7022-3508-6


Sich mutig den neuen Zeiten stellen
Ein aufrüttelnder Apell des Amazonasbischofs

Es liegt mittlerweile auf der Hand: Die Welt hat sich verändert, alte "Ordnungen" und "Sicherheiten" wanken und Europa muss sich neu orientieren. Aber wohin? Amazonasbischof Erwin Kräutler benennt sieben Kategorien für ein Leben, das vor dem eigenen Gewissen und vor der Mitwelt bestehen kann:
1.Liebe die Menschen
2.Schau bei den Armen nicht weg
3.Achte die Schöpfung
4.Suche den Frieden
5.Führe auf Augenhöhe
6.Hab Mut zu Veränderungen
7.Es gibt nur eine Welt - nimm deine Verantwortung wahr
In seinem Plädoyer stützt sich Erwin Kräutler auf die Bibel, auf seine 50-jährige Erfahrung als Seelsorger und Bischof in Amazonien und auf Papst Franziskus. Es überrascht nicht, dass der Bischof vom Xingu und der Papst aus Buenos Aires in vielen Akzentsetzungen übereinstimmen. Umso mehr aber überzeugt, wie punktgenau die beiden Kirchenmänner aus dem Süden die Herausforderungen benennen, vor denen die Europäer und mit ihnen die europäischen Christen stehen.